Anerkennung der Gesellschaft - was wünscht ihr euch?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    Lieber Gast, fühl dich wohl bei uns. Wenn du etwas mehr ins Forum eintauchen oder über dieses erfahren willst, dann könntest du in die 10 Gründe sich in diesem Forum anzumelden, reinschauen :)

      Anerkennung der Gesellschaft - was wünscht ihr euch?

      Da das Thema eines anderen Thread gerade ein bisschen abdriftet, dachte ich - ich mach mal gleich einen neuen dazu auf, gerade, weil ich es sehr spannend finde :)


      Trotz, oder gerade weil es in unserer Gesellschaft unzählige Meinungen zu allem und jedem gibt, dauert es immer eine Weile, bis etwas, dass nicht für jeden "normal" erscheint breite Akzeptanz findet. Homosexuelle kämpfen noch heute um wirkliche Gleichstellungen, und ein BDSM-Paar, das ohne Hund aber mit Leine Gassi geht, oder mehr oder weniger eindeutige Unterwerfungsgesten mit in die Öffentlichkeit nimmt, sorgt für so manchen schrägen Blick.

      Nun frage ich mich - was wünschen "wir" uns eigentlich?

      Gesetzlich fallen mir in diesem Hinblick gerade nicht wirklich Änderungen ein (yay, wir dürfen schon heiraten :D ), ich schätze, gute Veränderungen könnte man eher im gesellschaftlichen erwarten.

      Darum die Frage an euch:


      • Wünscht ihr euch, BDSM völlig offen leben zu können, ohne Verurteilung oder Ablehnung zu befürchten?

      • Findet ihr, dass so etwas nach wie vor "Privatsache" bleiben sollte? (Nach dem Motto: "Ich will ja auch nicht wissen, ob mein gruseliger Nachbar es vielleicht erregend findet, mit Luftballons zu kuscheln")
      • Wünscht ihr euch mehr Aufklärung in der Bevölkerung? Oder ist der aktuelle Stand ausreichend?
      • Wie wünscht ihr euch, dass Leute reagieren, wenn sie z.B. Gesten der Unterwerfung mitbekommen?
      • Wo setzt ihr die Grenze? (z.B.: "Es wäre schön, wenn Niederknien/Verbeugen akzeptiert würde, aber Peitschenhiebe sollten nicht im Öffentlichen stattfinden")


      Ich meine mit all dem natürlich keine tatsächlich sexuellen Situationen, sagen wir, nichts, was man hier nur im FSK-18 Bereich schreiben dürfte ;)


      Alle Diskussionen, welche Gesten/Handlungen im Moment in Ordnung/nicht in Ordnung bzw. extrem/nicht extrem sind, bitte im anderen Thread führen (forum.gentledom.de/index.php/T…-und-%C3%96ffentlichkeit/), hier soll es nur darum gehen, was für eine Gesellschaft ihr für erstrebenswert fändet (und vielleicht, wie man in die Richtung gehen könnte).

      Ich bin gespannt auf eure Meinungen!


      Nia
      Für mein dafür halten, hat die Gesellschaft ein Verhalten das die Gesellschaft nicht schädigt oder stark beeinträchtigt zu tolerieren.
      @Arphen hatte ja schon in dem anderen Thread einiges aufgeführt, was mittlerweile "normal" gerade in Städten ist.
      Manchmal habe ich allerdings auch den Eindruck, das wir gesellschaftliche Rückschritte machen, an statt Fortschritte.
      Vor kurzem in einem Cafe.
      Eine Mutter nimmt ihr weinendes Baby auf den Arm, setzt sich in eine Ecke des Cafes und fängt an das Kind zu stillen.
      Eine andere Mutter mit einem kleinen Kind beschwert sich. Die Bedienung bittet die stillende Mutter, das doch bitte wo anders zu tun.
      Da schau ich nur noch so :golly: und frage mich was in der Gesellschaft los ist.
      Anmerkung:
      Dies ist lediglich meine Meinung und nicht für die Allgemeinheit gültig.
      Ich habe das auch schon mal mitgekommen, dass eine stillende Mutter gebeten wurde, das in diesem Cafe zu unterlassen. Ihr wurde angeboten, sie könne in den Umkleideraum der Mitarbeiter gehen, um dort weiterzustillen. Da frage ich mich dann schon, wie pervers unsere Gesellschaft in mancher Hinsicht ist .... wobei das Ende vom Lied war, dass die anwesenden Gäste unisono kund taten, dass sie sich absolut nicht durch die stillende Mutter gestört fühlten. Sie durfte bleiben.

      PS: ich habe den Begriff "pervers" bewusst gewähnt, evtl. auch, um ein wenig zu provozieren, ist aber absolut nicht böse oder sonst wie negativ gemeint :)
      "`s is wieda Somma, Somma in da Stadt" - Spider Murphy Gang
      naja mir ist es egal.
      Toleranz erwarte ich schon, aber diese beinhaltet halt nur ein hinnehmen, nicht mehr.
      Ich bin selbst aus dem Alter raus dass ich für alles was ich tue Claquere brauche.
      Ich will nicht beklatscht werden für das was ich tue.
      Und ich bin so tolerant dass ich es toleriere wenn jemand wiederlich findet was ich tue.

      Solange mich keiner mit Steinen bewirft weil er um neine Neigung weiss.

      Ich toleriere z.B auch Menschen die beschlossen haben auf Kosten anderer zu leben, die sagen, bäh arbeiten sollen mal die anderen gehen.
      Ich nehme es hin ohne es deswegen gut zu heissen.
      :pardon: wie immer bei solchen Themen stelle ich mir die Frage, WARUM ich überhaupt wollen würde, dass jemand in der Öffentlichkeit mitbekommt, was ich in meinen 4 Wänden treibe ?(

      Warum soll es mir wichtig sein, dass die Nachbarin weiß, wie ich meinen Mann begrüße? Es interessiert mich ja auch nicht, ob und wie sie ihren begrüßt...
      Warum sollte ich meiner Bäckersfrau die Spuren der letzten Session zeigen wollen? Vielleicht hat sie sogar selbst welche - ist mir schlicht schnuppe.
      Warum sollte ich jemandem erzählen, dass ich einen irren Muskelkater habe, weil das Bondage gestern etwas lang in einer für mich unbequemen Situation war?
      Mich interessiert nicht, ob die Besitzerin des Pferdes neben unserem Analsex hat.
      .
      .
      .

      Für mich persönlich erschließt es sich nicht, warum wir aus allem ein "öffentliches Problem" machen sollten. Für mich hat es null Vorteile, wenn sich da was ändert.

      Und wenn es doch jemandem so wichtig ist, dass er bestimmte Rituale auch in der Öffentlichkeit zeigen kann... so what... just do it. Vielleicht passt ihr hald noch auf, dass ihr keine Oma damit vorzeitig ins Grab bringt, weil sie sich an ihrem Gebiss verschluckt... aber sonst :pardon:

      Ich denke unsere Gesellschaft hat deutlich größere Probleme, als das, was zwei Leute so sexuell anmacht ;)
      "Es ist besser, gelegentlich betrogen zu werden, als niemandem mehr zu vertrauen.“ (Astrid Lindgren)
      Die Gesellschaft sollte Dinge die sie nicht versteht nicht immer gleich als krank abstempeln, das wäre wünschenswert. Dann ginge es vielen Menschen bedeutend besser weil sie dann aufhören können an sich selbst zu zweifeln und als "krank" zu sehen.

      Der Rest interessiert mich nicht.
      Komm zu mir in die Hölle :evilfire: und ich zeige dir das Paradies... :domina:


      Nosce te ipsum!
      (Erkenne dich selbst)

      Nia schrieb:

      Homosexuelle kämpfen noch heute um wirkliche Gleichstellungen, und ein BDSM-Paar, das ohne Hund aber mit Leine Gassi geht, oder mehr oder weniger eindeutige Unterwerfungsgesten mit in die Öffentlichkeit nimmt, sorgt für so manchen schrägen Blick.
      Und werden in einigen Jobs gefeuert, wenn raus kommt, dass sie es im Schlafzimmer machen. Homosexuelle sind noch nicht gleich gestellt, aber meines Wissens wird man durch ein Outing nicht mehr untragbar als Mitarbeiter oder von "normalen Menschen" angefeindet. Man hat sicher mit Spott und von manchen Gruppen mit Hass zu kämpfen aber so tiefschneidende Eingriffe ins Leben, dass man den Job verliert oder Freunde und Familie sich von einem distanzieren sind doch eher selten geworden, scheint mir anhand dessen was ich von homosexuellen Deutschen höre, bei Einwanderern diverser Gruppen sieht das nochmal anders aus


      Nia schrieb:

      Gesetzlich fallen mir in diesem Hinblick gerade nicht wirklich Änderungen ein (yay, wir dürfen schon heiraten
      Mit Halsband und Leine statt Brautkleid? :D Juristisch sind wir schon recht gut gestellt, das hab ich auch nicht bemängelt. Aber die Gesellschaft steht da doch stark im Kontrast zum rechtlichen Kontext und teilweise stehen wir deswegen juristisch gut dar, weil die Justiz kaum Kenntnis davon genommen hat und es gar keine eigenen Gesetze in der Richtung gibt - die Juristen hier kennen das sicher besser aber so ist mein Eindruck, auch wenn Deutschland da besser ist als manch anderer Staat. Aber wir gelten glaube ich nach ICD10 immer noch als krank



      Nia schrieb:

      Wünscht ihr euch, BDSM völlig offen leben zu können, ohne Verurteilung oder Ablehnung zu befürchten?
      Ja, ich hoffe das wünschen sich alle ^^ KÖNNEN heisst ja auch nicht MÜSSEN - also nur weil ich die Freiheit hätte meine Sklavin an der Leine durch die Stadt zu führen heisst das nicht, dass ichs tun würde Aber es wäre schön, wenn man könnte und vor allem man nicht befürchten müsste, dass durch ein Outing Nachteile entstehen


      Nia schrieb:

      Findet ihr, dass so etwas nach wie vor "Privatsache" bleiben sollte?
      Ich finde jeder soll die Freiheit haben zu entscheiden wie öffentlich er etwas tun möchte, das Gesetzeskonform ist. Und BDSM ist weniger schädlich als Rauchen. Autofahrer schädigen die Umwelt, meine Gesundheit und eventuelle Verkehrsopfer dennoch bauen wir staatlich finanzierte Straßen und sagen nicht, fahren darf man nur im eigenen Schlafzimmer :D



      Nia schrieb:

      Wünscht ihr euch mehr Aufklärung in der Bevölkerung? Oder ist der aktuelle Stand ausreichend?
      Die Bevölkerung braucht generell mehr Aufklärung über so ziemlich alles und da gibt es sicher dringendere Probleme als BDSM, irgendwie hab ich oft das Gefühl, man muss erwachsene Menschen wieder in die Schule schicken damit sie überhaupt mündige Bürger werden die fähig sind Entscheidungen zu treffen. Aber was BDSM betrifft wäre Aufklärung wichtig, vor allem dahingehend, dass BDSM nicht kriminell ist, niemanden unterdrückt, nicht dafür sorgt, dass Frauen oder Männerfeindliche Weltbilder um sich greifen, dass eine Frau die vor IHREM Mann kniet nicht die ganze Frauenrechtsbewegung gefährdet sondern viel mehr IHR Recht auf IHRE selbstbestimmte Sexualität auslebt und damit eher Vorbild als Feindbild wäre, dass ein Mann der eine Frau an der Leine führt nicht automatisch der chauvinistische Feind ist der mittelalterliche Verhältnisse wieder her stellen will, dass man an Unterwerfung und auch an Dominanz Spass und Freude haben kann, dass es freiwillig ist und man trotzdem ein normaler Mensch ist der auch andere Hobbies und Interessen hat.


      Nia schrieb:

      Wie wünscht ihr euch, dass Leute reagieren, wenn sie z.B. Gesten der Unterwerfung mitbekommen?
      Solang es nicht feindseelig oder verachtend ist, ist es mir egal. Grinsen, wegschauen, peinlich berührt sein, einfach ignorieren weil es dem Anderen wurscht ist...ich glaube wir sind am Ziel wenn wirs schaffen, dass solche Gesten nicht mehr Beachtung finden wie ein Kuss oder Händchen halten.


      Nia schrieb:

      Wo setzt ihr die Grenze?
      Da wo es illegal wird, oder von einer kriminellen Handlung nicht mehr zu unterscheiden ist. Wobei ich schon der Meinung bin, dass etwa öffentliche Peitschenhiebe oder an der Leine gehen durchaus von ungewollten Handlungen zu unterscheiden ist, da man von jemandem der etwas nicht will schon erwarten kann, sich zu wehren oder bemerkbar zu machen. Peitschenhiebe wären insofern meine Grenze, als dass es Gewalt darstellt mitunter sehr graphisch und zu blutenden Verletzungen führen kann, was einerseits unhygienisch ist, andererseits bei anderen Menschen zu Kreislaufproblemen und Übelkeit führen könnte. Öffentliche Schläge sind für mich auch eine Grenze weil es da schwer ist zu sagen ob das Gewalt oder BDSM ist - wenn einer den Anderen übers Knie legt und beide lachen und kreischen gehts noch, richtige schmerzhafte Schläge oder ins Gesicht etc gehen dann zu weit. Ebenso wie richtige sexuelle Handlungen die sind aber sowieso Gesetzwidrig.

      bastet schrieb:

      Ich toleriere z.B auch Menschen die beschlossen haben auf Kosten anderer zu leben, die sagen, bäh arbeiten sollen mal die anderen gehen.
      Da gehen wir aber sogar soweit diese Leute auf ein Podest zu stellen, zu verehren wenn nicht anzubeten und ihnen bei rechtlichen Strafen Freikauf oder Mindeststrafe anzubieten. Jeder mit Geldvermögen der von Zinsen lebt, lebt auf Kosten derer die Arbeiten und die Zinsen erwirtschaften müssen. Mich stören die Leute die mangels Perspektive aufgegeben haben wenig, das sehe ich eher als gesellschaftliches Versagen an, denn als Persönliches. Aber dass wir zeitgleich Leute die sich nix dabei denken mal ein paar Millionen Steuern zu hinterziehen oder wirklich nur dadurch Leben Andere zu betrügen oder auszubeuten auf ein Podest stellen als leuchtende Vorbilder...das kotzt mich richtig an. Menschen denen nicht auffällt, wenn sie mal 20 Millionen zuviel bezahlt haben aber dann meinen man müsse die Renten kürzen...


      FraeuleinDS schrieb:

      Warum sollte ich meiner Bäckersfrau die Spuren der letzten Session zeigen wollen? Vielleicht hat sie sogar selbst welche - ist mir schlicht schnuppe.
      Hm, und wenn der Arzt die Polizei einschaltet weil er denkt du wärst übelst verprügelt worden? Oder wenn dein Chef dich feuert weil er meint deine Neigung sei der Firma nicht zumutbar oder du könntest aufgrund deiner Neigung deinem Beruf nicht nachgehen? Oder wärst den Kunden nicht zumutbar - auch wenn dus nur privat auslebst?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mod3 () aus folgendem Grund: Politisches Statement entfernt.

      Ich sah neulich an der U-Bahn einen gut aussehenden Mann. Er hatte einen Rock an. Na und? Ich sah schon Schwulenpärchen weiblichen und männlichen Geschlechts, die sich küssten, na und?
      Aber die *Gesellschaft regt sich darüber auf. :rolleyes: Man gibt sich als modern denkender Mensch und ist dann trotzdem pikiert.
      Jedem das Seine, oder, jeder wie er mag. Oder aber, immer erst vor der eigenen Tür kehren, bevor man andere verurteilt. :pardon: usw.
      Ich bin nichts für schwache Nerven :evil_icon:

      Emilia schrieb:

      Ich sah neulich an der U-Bahn einen gut aussehenden Mann. Er hatte einen Rock an. Na und? Ich sah schon Schwulenpärchen weiblichen und männlichen Geschlechts, die sich küssten, na und?
      Aber die *Gesellschaft regt sich darüber auf. :rolleyes: Man gibt sich als modern denkender Mensch und ist dann trotzdem pikiert.
      Jedem das Seine, oder, jeder wie er mag. Oder aber, immer erst vor der eigenen Tür kehren, bevor man andere verurteilt. :pardon: usw.
      Ot aber..."Warum heisst ein Schottenrock nicht Schottenrock sondern Kilt? Weil er dich killt wenn du es Rock nennst" Aber sowas haben wir öfter...heute regen sich alle über Kopftücher auf...es ist gar ned solange her da haben die Frauen bei uns die auch getragen und tuns auf dem Land noch heute oft genug
      @Arphen sorry aber du verallgemeinerst schon wieder und verwischst hier Grenzen. ;(
      Eine Frau die ein Kopftuch, eine Burka oder einen Schleier trägt kannst du nicht mit Frauen aus vergangenerzeit hier gleich setzten!
      Meine Oma damals trug ein Kopftuch weil es praktischer war als ein Hut oder eine Mütze!
      Eine Frau heute mit Kopftuch trägt es aus vielen anderen Gründen (religiöse Kleidervorschrift, Glaubensbekenntnis, als Statussymbol in ihrer Kultur usw.)

      Kopftuch und Kilt sind Dinge die fallen hier im Forum für mich klar unter die Regelung das diese Themen vorher abgesprochen und genehmigt werden müssen. Sorry aber du verallgemeinerst sehr oft religiöse und politische Zeichen in verschiedenen Themen. Das mag z.t. Deinem Autismus und der daraus resultierenden Wahrnehmung geschuldet sein aber glaube, zugehörigkeit und auch politische Sachen beinhalten sehr viel Emotion und da hin auch Sprengstoff ohne ende. Könntest du diese Vergleiche also bitte etwas zurück fahren?
      Irisches Tuch gerade das irische Clan Kopftuch für Mädchen und Frauen kann ich sehr wohl anständig diskutieren. Aber kommt BDSM dazu ist es für mich zb. teilweise beleidigend meiner Nationalität gegenüber und ich packe das "Herzblut" aus dann kommt ein mix aus religion, Überzeugung, Politik und Weltanschauungen dazu der viel emotion hat und das muss nicht sein.

      Lieber @Arphen das ist echt nicht böse oder so gemeint von meiner Seite aus. Aber bitte etwas mehr Feingefühl bei der Wahl der Beispiele bitte!
      :blumen: :cake: :blumen:

      Nia schrieb:

      Findet ihr, dass so etwas nach wie vor "Privatsache" bleiben sollte? (Nach dem Motto: "Ich will ja auch nicht wissen, ob mein gruseliger Nachbar es vielleicht erregend findet, mit Luftballons zu kuscheln")

      Ja, das trifft meine Einstellung am ehesten. Ich wünsche mir auf jeden Fall Respekt und Toleranz, würde aber auch nicht mit meiner Sexualität "hausieren" oder gar "missionieren" gehen. Dazu bin ich erstens nicht der Typ und außerdem geht es die Öffentlichkeit auch nichts an, was ich sexuell denke und empfinde.

      Nia schrieb:

      Wünscht ihr euch mehr Aufklärung in der Bevölkerung? Oder ist der aktuelle Stand ausreichend?

      Aufklärung ja, aber sachlich und ohne Sensationshascherei. Ich wünsche mir beispielsweise, dass noch stärker betont wird, dass einvernehmliche BDSM-Handlungen unter erwachsenen und zurechnungsfähigen Menschen nicht krank oder "pervers" sind, sondern eine legitime Variante menschlicher Sexualität, die es zu respektieren gilt.

      Speziell für die masochistisch-devoten Männer wünsche ich mir, dass sie irgendwann nicht mehr als "Weicheier oder "keine richtigen Männer" angesehen werden, sondern als eine von ganz vielen Varainten, wie Männlichkeit aussehen kann. Ja, insofern wünsche ich mir schon mehr Toleranz und mehr Aufklärung, Das funktioniert natürlich nur, wenn auch die Allgemeinbevölkerung die Bereitschaft mitbringt, vorurteilsfrei zu denken und ihren Horizont zu erweitern, was man leider nicht bei allen vorrausetzen kann.

      Nia schrieb:

      Wo setzt ihr die Grenze? (z.B.: "Es wäre schön, wenn Niederknien/Verbeugen akzeptiert würde, aber Peitschenhiebe sollten nicht im Öffentlichen stattfinden")

      Sexuelle Handlungen in der Öffentlicht wären für mich generell ein Tabu, egal ob sie etwas BDSM zu tun haben oder nicht. Diskretion und Privatsphäre im Umgang mit der eigenen Sexualität sind mir etwas ganz Wichtiges. Zu Hause soll jeder ausleben, was immer ihm gefällt, aber Sexualität - egal in welcher Ausprägung - gehört nach meinem Verständnis nicht in die Öffentlichkeit, in dieser Hinsicht bin ich konservativ.

      Arphen schrieb:

      Ja, ich hoffe das wünschen sich alle ^^ KÖNNEN heisst ja auch nicht MÜSSEN - also nur weil ich die Freiheit hätte meine Sklavin an der Leine durch die Stadt zu führen heisst das nicht, dass ichs tun würde Aber es wäre schön, wenn man könnte und vor allem man nicht befürchten müsste, dass durch ein Outing Nachteile entstehen.

      Ich sehe das in diesem Punkt etwas anders. Ich finde, es gibt gute Gründe für den weitgehenden Konsens, dass sexuelle Handlungen (dazu gehört für mich auch das Ausführen an der Leine) nicht in die Öffentlichkeit gehören, sondern in die Privatshäre. Das ist eine zivilisatorische Errungenschaft, die uns z.B. von der Tierwelt unterscheidet. Tiere treiben es überall, wo es sie gerade überkommt, Menschen zum Glück nicht. Auch in einer liberalen und toleranten Gesellschaft (die ich keinesfalls in Frage stellen will) sollten bestimmte Schamgrenzen nicht vollkommen verloren gehen.

      Adrian_2015 schrieb:

      Das ist eine zivilisatorische Errungenschaft, die uns z.B. von der Tierwelt unterscheidet.
      Menschen sind in den Top 3 sexuell aktivsten Lebewesen des Planeten. Die meisten Tiere unterscheidet von uns, dass die sich nur zu einer Jahreszeit paaren oder wirklich nur Sex zur Fortpflanzung haben und nicht zum Spass. Was den Menschen wissenschaftlich vom Tier unterscheidet ist die Fähigkeit zu hochkomplexer verbaler Sprache sowie die Fähigkeit sich selbst zu hinterfragen. Alles Andere können Tiere ooch. Und wie du sagst zivilisatorisch - es gibt Menschengemeinschaften die bummsen durchaus wo und wie es ihnen gerade passt und FKK gibts auch bei uns.
      Mir ist nicht klar was Ausführen an der Leine mit Sex zu tun hat. In meinen Augen ist das keine sexuelle Handlung und auch keine die direkt mit sexuellen Gedanken in Verbindung steht. Da wär ja jeder Hundebesitzer Zoophil ^^
      Zumal dann Küssen oder umarmen durchaus auch als sexuelle Handlung ausgelegt werden kann und das ist ja bei uns erlaubt - das verbieten andere Staaten, sind die zivilisatorisch fortschrittlicher? Dann wär Saudi Arabien uns ja zivilisatorisch weit überlegen, da verhüllen sich die Damen noch so, dass man nichtmal mehr erotische Augen sehen könnte

      Arphen schrieb:

      Mir ist nicht klar was Ausführen an der Leine mit Sex zu tun hat. In meinen Augen ist das keine sexuelle Handlung und auch keine die direkt mit sexuellen Gedanken in Verbindung steht.

      Wenn solche Spiele in einem BDSM-Kontext stattfinden, dann sind sie für mich auch eine sexuelle Handlung.

      Und was Küssen angeht: Ja, auch das ist für mich eine sexuelle Handlung. Ich würde mich damit schwer tun, eine Partnerin vor den Augen anderer Menschen zu küssen, weil ich vom Gefühl her sagen würde, so etwas gehört in die Privatshäre, aber nicht in die Öffentlichkeit. Mit dieser Haltung stehe ich vielleicht ziemlich alleine da, aber ich empfinde das so.
      Wir können die derzeitige Gesellschaft und ihre Denkweise nicht ändern, leider.
      Sind wir doch mal ehrlich, es hat sich schon sehr viel geändert in unserer Gesellschaft.
      Die Menschen sind schon viel offener geworden, wenn ich darüber nachdenke wie es vor etwa 20 Jahren war.

      Ein Zitat von der französischen Schriftstellerin Louise Michel, finde ich passend für dieses Thema.

      WISSEN WIR DENN, OB DAS, WAS UNS HEUTE UTOPISCH ERSCHEINT, IN DER NÄCHSTEN, ÜBERNÄCHSTEN EPOCHE NICHT SCHON REALITÄT SEIN KANN?
      Zum einen ist da ja das was man sich wünschen würde.
      Ohne jetzt zur Wunschzettelsub zu motieren.
      Es wäre ja schon geil wenn Dom Sub vor dem Laden festmacht und in Ruhe alleine einkaufen geht. Im Anschluss nimmt er Sub an die Leine, geht mit ihr Richtung Auto....Da Sub gerne mit einkaufen gegangen wäre meckert sie...also schnappt Dom sie sich und verhaut ihr auf der nächsten Parkbank, erst mal den Hintern.... ich hör jetzt mal auf

      Schönes Kopfkino ...ja wenn ich mir was wünschen könnte, dann so zu leben.

      Die Realität sieht aber anders aus.
      Ich denke, da wären wir einen ganzen Schritt weiter, wenn akzeptiert würde das Bdsm nicht krankes ist und man auch nicht gerettet werden muss/ will.
      Wenn die Akzeptanz und das Verständnis da sind, dann sind auch Ds Element in der Öffentlichkeit kein grosses Problem mehr.
      Anmerkung:
      Dies ist lediglich meine Meinung und nicht für die Allgemeinheit gültig.

      Adrian_2015 schrieb:

      Mit dieser Haltung stehe ich vielleicht ziemlich alleine da, aber ich empfinde das so.
      Überrascht mich aber ist selbstverständlich respektiert. Und wenn du es so siehst, hab ich auch gar nix dagegen, das ist konsequent und da find ich die Meinung auch ehrbar.


      Jassy schrieb:

      Wir können die derzeitige Gesellschaft und ihre Denkweise nicht ändern, leider.
      Sind wir doch mal ehrlich, es hat sich schon sehr viel geändert in unserer Gesellschaft.
      Aber das zeigt doch, dass wir es können ;) Wir können. Vielleicht nicht so umfassend wie wir wollen aber es geht. Homosexuelle haben protestiert, Veranstaltungen gemacht und sind auf die Straße gegangen und - heute sind sie rechtlich zwar noch nicht gleich gestellt aber nah dran und es ist nicht mehr verboten. Ein katholischer Priester hat sogar 2 Schwule kirchlich getraut - ok er wurde dafür gefeuert, aber offensichtlich denkt sogar die Kirche langsam um. Frauen haben für ihre Rechte protestiert, demonstriert Veranstaltungen gemacht und sich ihr Recht zu Wählen, zu arbeiten, Verträge zu unterschreiben, zur Schule zu gehen etc. erkämpft. Das ging nicht durch "ja ich mach das halt für mich zu Hause mit meinem Mann aus" sondern durch ein aggressives reinpreschen in die Gesellschaft.

      Nia schrieb:

      Wünscht ihr euch, BDSM völlig offen leben zu können, ohne Verurteilung oder Ablehnung zu befürchten?



      Findet ihr, dass so etwas nach wie vor "Privatsache" bleiben sollte? (Nach dem Motto: "Ich will ja auch nicht wissen, ob mein gruseliger Nachbar es vielleicht erregend findet, mit Luftballons zu kuscheln")

      Wünscht ihr euch mehr Aufklärung in der Bevölkerung? Oder ist der aktuelle Stand ausreichend?

      Wie wünscht ihr euch, dass Leute reagieren, wenn sie z.B. Gesten der Unterwerfung mitbekommen?

      Wo setzt ihr die Grenze? (z.B.: "Es wäre schön, wenn Niederknien/Verbeugen akzeptiert würde, aber Peitschenhiebe sollten nicht im Öffentlichen stattfinden")
      Ich spreche hier mal ganz aus meiner Sicht.
      Sexuelle Vorlieben sind etwas sehr Intimes, über das nicht jeder informiert sein muss. Das möchte bestimmt nicht jeder wissen. Kleidet man sich nun so, dass es für jederman ersichtlich ist, ist das die eine Sache. In der Öffentlichkeit Ohrfeigen zu verteilen oder auszupeitschen ist etwas ganz anderes, das halte ich für sehr riskant. Beispiel belebte Innenstadt: Eine Frau kniet vor ihrem Mann und kassiert eine Ohrfeige. Wie erklärt die vorbeilaufende Mutter das nun ihrem nachfragenden, vierjährigen Kind? Würde das nicht enorme Vorurteile schüren, gerade bei sowieso konservativ eingestellten Personen?
      Im aufgeklärten Freundeskreis ist es eventuell etwas anderes, aber meiner Meinung nach gehören Gesten und Handlungen wie Niederknien, Schläge, Verbeugungen, etc. doch deutlich in den Bereich der Sexualität und können ja diskret öffentlich ausgelebt werden, z.B. in einer ganz unbeobachteten Seitenstraße.
      Wenn sich zwei Menschen lieb haben und offen über ihre Wünsche sprechen, braucht es eigentlich keine Aufklärung. Wer möchte, findet über das Internet sehr schnell Informationen. Und was der Rest von der eigenen Sexualität denkt, kann einem ja eigentlich egal sein.
      Zusammengefasst: Die beste Methode zur Vorbeugung von Vorurteilen und gesellschaftlicher Inakzeptanz ist meiner Meinung nach Diskretion ;)