Gibt es eigentlich den "reinen" Masochismus?

      Ich hab lange überlegt, was ich dazu schreiben könnte. Und vor allem wie. Ich habe bestimmt schon 10 mal angefangen, ohne es geschafft zu haben, meine Gedanken in die rechten Worte zu kleiden...

      Von daher versuche ich es jetzt nochmal, in der Hoffnung, daß ihr mir folgen könnt.


      Bin ich masochistisch?

      Ein ganz klares Ja :yes:

      Ich liebe den Schmerz. Ich liebe es, wenn er mich schlägt. Ich liebe es, die verschiedenen Schlaginstrumente zu spüren.

      Ich liebe es, gefesselt und wehrlos den Schlägen nicht ausweichen zu können.

      Ich liebe es aber genauso, eben nicht komplett gefesselt zu sein und mich in Harmonie mit den Bewegungen und Schlägen meines Manns zu bewegen.

      Er muss mir nicht sagen: "Streck deinen Arsch raus" - Das mach ich von selbst. Ich will ja geschlagen werden.

      Und die Aufforderung "leg dich übers Pferd" (wir haben ein tolles Turnpferd im Wohnzimmer stehen :love: ) ist für mich keine Strafe, sondern eine Belohnung.


      Bin ich devot?

      Keine Ahnung, ob ich devot veranlagt bin. Ich lasse mich gerne schlagen und auch gerne fesseln. Das tue ich aber in erster Linie für mich und nicht für ihn. Es ist toll, daß er da genau so viel Spaß dran hat, wie ich, aber meine Intension ist erster Linie nur meine eigene Lust. Blöd fände ich es, wenn es ihm überhaupt keine Freude machen würde und er mich nur mir zu liebe schlagen würde. Das wirkt dann für mich nicht echt und würde mir auch irgendwie nichts geben.


      Es gibt einige Dinge, die für mich selbstverständlich sind, z.b. wenn wir in einen Club gehen, ist es für mich selbstverständlich, daß ich ihn bediene, ihm seinen Drink hole, etc. Ich sitze dann auch gerne auf einem Kissen zu seien Füßen. Ich fühle mich dort wohl.


      Bin ich deshalb devot? keine Ahnung. Ich fühle mich jedenfalls in meinem Inneren nicht sonderlich devot. Und da es meiner Meinung nach sehr viel auf die Innere Einstellung ankommt, würde ich mich deshalb als nicht devot bezeichnen. Es sieht vielleicht für Außenstehende manchmal so aus, aber ich fühle mich nicht so.




      Von daher würde ich die Frage nach dem "reinen" Masochismus für mich mit einem Ja beantworten. Ich bin "rein" masochistisch.
      Sei Optimist - wenigsten solange man keine Tiere paarweise nach Cape Kennedy treibt.

      - Tennessee Williams -
      Vielleicht kann man die Frage ja auch noch über einen dritten Faktor aufziehen - nämlich über die Dominanz.

      Ich bin ebenfalls Masochistin und würde mich nicht als besonders devot bezeichnen. Reine Devotion im Sinne von D/s Spielen ist weder für mich noch für meinen Partner etwas. Das merke ich besonders auf Parties, wenn ich D/s Paare beobachte. Weder mir noch meinem Partner würde es z.B. besondere Lust bereiten, wenn er mich öffentlich an einer Leine herumführt oder mich den ganzen Abend neben ihm knien lässt.

      Aber dennoch brauche ich in meinem/unseren Spiel Dominanz. Zwar leben wir sonst in unserer Partnerschaft auf Augenhöhe - aber mein Mann ist allgemein ein typischen Alpha-Tier, beruflich und auch im Umgang mit Dritten. Wenn wir spielen, kommt diese Seite noch etwas stärker hervor, in seinem Tonfall, in seiner Stimmlage und auch in seinem Blick spiegelt es sich. Und anders könnte ich es mir auch nicht vorstellen. Ein sanfter, freundlich dreinblickender Knabe, der hinter mir die Peitsche schwingt? Diese Vorstellung würde mich so dermaßen abturnen, dass jeglicher Masochismus augenblicklich verschwunden wäre und ich mit Sicherheit keinen (Lust-)Schmerz empfangen könnte. Aber Dominanz kann man nur über eine devote Seite aufnehmen. Also muss ich wohl eine haben...
      A gentleman is a man who knows when not to be gentle.

      DarkDesire schrieb:

      Aber Dominanz kann man nur über eine devote Seite aufnehmen. Also muss ich wohl eine haben...
      Nicht unbedingt, wie ich finde. Ich kann ja Dominanz anziehend finde einfach aufgrund der Aussendarstellung, ohne dass ich mich unterwerfen muss. Devot zu sein bedeutet für mich in dem Fall, dass ich mich aktiv unterwerfe. Entscheidend ist weniger wie der andere sich also darstellt (oder ist) sondern vielmehr wie ich selber mich entscheide zu handeln oder zu sein.
      Catch me if you can .................... C´est vrai, je mens
      Liebe @DarkDesire, bin gerade etwas geflahst, du beschreibst mein Gefühl 1:1. Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen?

      Aber im nächsten Moment lese ich deinen Beitrag,@viva und denke, ja, auch das passt.

      Ich danke euch beiden vielmals, das hat echt Stoff zum Nachdenken gegeben.
      Mein Herz bleibt auf unabsehbare Zeit verschlossen,. Die umfangreichen Sanierungsarbeiten werden lange Zeit brauchen. :(

      Viva schrieb:

      DarkDesire schrieb:

      Aber Dominanz kann man nur über eine devote Seite aufnehmen. Also muss ich wohl eine haben...
      Nicht unbedingt, wie ich finde. Ich kann ja Dominanz anziehend finde einfach aufgrund der Aussendarstellung, ohne dass ich mich unterwerfen muss. Devot zu sein bedeutet für mich in dem Fall, dass ich mich aktiv unterwerfe. Entscheidend ist weniger wie der andere sich also darstellt (oder ist) sondern vielmehr wie ich selber mich entscheide zu handeln oder zu sein.
      Das wiederum glaube ich nicht. Es muss ja nicht gleich eine BDSM-ausgeprägte Unterwerfung sein. Aber wenn ich mir alleine die Reaktionen meiner (Vanilla)Freundinnen auf meinen Mann ansehe: Die, die schon ein bisschen Devotion in sich tragen, reagieren. Und zwar im interessierten/positiven Sinne. Die, die davon absolut nichts in sich haben, sind eher ablehnend. Er ist recht attraktiv, im allgemeingültigen Sinne. Hat früher gemodelt, entspricht also so einer Art Mainstream-Geschmack. Seine dominante Art trägt er nicht direkt nach aussen, nicht in dem Sinne, der bestimmte Charaktere verschrecken würde. Aber er ist eben sehr selbstsicher und bestimmt. Das kommt bei der Mehrheit der Frauen gut an, bei einer kleineren Gruppe aber eher nicht. Ich denke nicht, dass man Dominanz nur "äußerlich" anziehend finden kann. Man (Frau) muss schon dafür empfänglich sein. Ist man (Frau) ganz anders eingestellt, dann wirkt dieses Auftreten eher unattraktiv.

      Natürlich kommt es auch auf die eigene Reaktion an. Allerdings fällt die bei mir persönlich bei einem auf natürliche Art dominanten Mann anders aus, als bei einem "Softie". Auf Dominanz reagiere ich, körperlich und psychisch. Ob ich das nun will oder nicht. Ein softer oder unterwürfiger Mann wiederum weckt bei mir gar keine Reaktionen. Ich habe nichts gegen ihn, aber er ist mir einfach egal. Insofern ja, ich persönlich brauche einen dominanten Mann im Bett/Schlafzimmer/Spielzimmer. Das hat nichts mit heruntergeleierten Befehlen oder Ansprüchen zu tun - aber der Mann, der mich "brechen" darf, brauch eine gewisse Stärke. Ansonsten könnte ich das nicht akzeptieren und annehmen. Insofern, ja, mein Masochismus ist wohl auch irgendwie mit Devotion verknüpft...
      A gentleman is a man who knows when not to be gentle.
      Ich würde mich eigentlich auch als reine Masochistin bezeichnen.

      DarkDesire schrieb:

      Aber Dominanz kann man nur über eine devote Seite aufnehmen. Also muss ich wohl eine haben...
      Das ist eine interessante Aussage, bei der ich mir aber auch nicht ganz sicher wäre, ob ich da zustimmen würde. Ich springe schon zu einem gewissen Grad auf Dominanz an, allerdings nur im sexuellen Zusammenhang. Im Alltag bin ich eher jemand, der selbst die Zügel in der Hand hält. Ein dominanter Partner verstärkt aber das Gefühl in mir, dass ich mich fallen lassen kann, mal ganz losgelöst vom SM. Aber Unterwerfung ist das eigentlich nicht. Ich würde es eher als Hingabe bezeichnen.
      Beim Masochismus sehe ich das ähnlich. Da gebe ich mich dem Schmerz hin. Dann gibt es Faktoren, die diese Hingabe verstärken können. Hilflosigkeit z.B. In dieser Kombination wird der Schmerz unausweichlich und kann noch intensiver aufgenommen werden. Ebenso würde ich Dominanz als "Werkzeug" ansehen für das Erleben des Schmerzes. Also in erster Linie als verstärkender Faktor für den Masochismus. Mit der eigenen Lust als Hauptmotiv, und nicht der Unterwerfung.
      Wobei es da sicher auch Schnittmengen gibt und das eine in das andere mit reinspielt. Devotion kann ja übersetzt auch Hingabe bedeuten.
      "There must be something else, there must be something good, far away" (Chris Cornell)
      Ich verweise immer mal auf die klassische Definition des Sadomasochismus, die ja auch Erniedrigung und Demütigung als Bestandteile nennt. Und wenn man es recht bedenkt, ist psychischer Schmerz dem physischen ja nicht unbedingt unähnlich. Und an der Stelle wird es dann doch komplizierter, zwischen Devotion und Masochismus zu differenzieren. Wenn mich beispielsweise verbale Erniedrigung erregt, muss ich dann zwangsläufig Hingabe oder Unterwürfigkeit dabei empfinden? Ich würde sagen: Nein. Daher rühren vielleicht auch gewisse Missverständnisse im BDSM- Bereich, insbesondere zwischen ausgeprägteren D/slern und solchen, die eher den Mentalmasochisten zuzuordnen sind und nur gewisse D/s-Komponenten für ihren Kick brauchen. ich habe auch manchmal das Gefühl, dass mit Unterordnung anregt, weil sie eben einen gewissen psychischen Schmerz bei mir verursacht. Dann gibt es aber auch wieder Momente, wo ich nicht benennen könnte, ob das was ich empfinde nun Devotion ist oder nicht.