Gibt es eigentlich den "reinen" Masochismus?

      Gibt es eigentlich den "reinen" Masochismus?

      Hallo zusammen,

      ja, ich weiß, der Titel gefällt mir auch nicht so gut...

      Es gibt verschiedene Formen von Masochismus, z.B. M. als klinisches Sörungsbild usw. Darüber will ich hier aber gar nicht reden.
      Ich meine ausschließlich Masochismus in Bezug auf BDSM.

      Meine erste Session hatte ich vor 2 Jahren. Ich wußte sofort, das ich mehr davon will, mehr von diesem Schmerz.

      Daran hat sich bis heute nichts geändert, im Gegenteil. Schmerz ist mein ultimativer Kick.
      Am Anfang bekam ich öfter zu hören, das ich in keinster Weise devot bin. Stimmt. Ich konnte damit nichts anfangen.

      Ein wenig hat sich das geändert. Ab und zu blitzt Devotion auf. Also für mich spürbar.
      Dann frage ich mich, ob das eigentlich trennbar ist. Steckt nicht in jedem Masochisten auch eine devote Seite?
      Wäre es ohne Devotion überhaupt möglich, seine masochistische Seite auszuleben?

      Und trotzdem habe ich häufig einen Gedanken im Kopf: "Du kannst meinen Körper benutzen, aber komm mir nicht zu nahe!"

      Wie empfindet ihr eure masochistische Seite? Beherrscht sie euer BDSM?
      Mein Herz war lange Zeit verschlossen. Es musste geschützt werden, da es nicht austauschbar ist.
      Und dann kommt die Zeit, wo man es wieder öffnen mag.
      Für die wunderschönen und einfachen Dinge im Leben, die man mit Geld nicht kaufen kann.
      Ich möchte an dieser Stelle keine Doktorarbeit daraus machen, daher...
      In erster Linie unterscheide ich immer in aktiven Part und passiven Part. Masochisten sind für mich primär einmal passiv. Sie sollten wohl grundsätzlich ein Vertrauen zu ihrem Gefährten haben, dass dieser sowohl die technischen, als auch die menschlichen Aspekte soweit im Griff hat.
      Achtsamkeit wäre ein Schlüsselbegriff.

      Ich sehe tatsächlich keinen Grund, dass jemand, der Gefallen an dieser Form der Intensität und des "sich Erlebens" findet, auch zwangsläufig Devotion in sich tragen muss.
      Jedoch sind die Schnittmenge hier so individuell wie die Person selbst.
      ... aber am Ende... vielleicht ist es nicht die Frage der Unterschiede, welche du stellst, sondern auch die nach den Gemeinsamkeiten.
      Es sind zwei Bereiche, welche getrennt existieren, aber häufig gemeinsam auftreten. Die "Softskills" von passiven und aktiven Parts sind für mich im DS, wie auch im SM recht ähnlich. Fallen lassen, annehmen - zu sehen, leiten - alles zusammen ergibt Lust oder eine andere Form der Befriedigung.

      Anders ausgedrückt...
      Jemand, der wundervoll Klavier spielt, muss nicht zwangsläufig das Bedürfnis haben zu singen. Er muss nicht der nächste Pavarotti sein, aber er besitzt wohl meist ein Verständnis für Klang und Harmonie. Vielleicht fällt es ihm leichter die Töne zu treffen, vielleicht hat er ähnliche Grundvoraussetzungen, aber wer weiß... vielleicht hat er einfach nie das Bedürfnis verspürt.
      Es ändert jedoch nichts an der Schönheit der Klaviermelodie, auch wenn beides im ersten Moment so ähnlich erscheint sind es doch zwei Welten, welche nur ihre Schnittmenge eint.

      topaz schrieb:

      Ein wenig hat sich das geändert. Ab und zu blitzt Devotion auf. Also für mich spürbar.
      Dann frage ich mich, ob das eigentlich trennbar ist. Steckt nicht in jedem Masochisten auch eine devote Seite?
      Wäre es ohne Devotion überhaupt möglich, seine masochistische Seite auszuleben?
      Das ist eine gute Frage. Ich bezeichne mich auch als masochistisch und nicht als devot, bin aber dennoch der Meinung, dass es keine eindeutige Trennungslinie zwischen Masochismus und Devotion geben kann.

      Wenn ich mich mit meiner Domina treffe, dann unterhalten wir uns - mehr oder weniger - "auf Augenhöhe" miteinander. Wenn sie mir z.B. die Justizbeamtin spielt, die auf gerichtliche Anordnung die Prügelstafe vollstreckt, dann begrüßen wir uns auch innerhalb des Spiels mit Handschlag oder halten mittendrin auch mal Smalltalk, was aber nichts daran ändert, dass ich meine vorher festgelegte Strafe bekomme. Es geht dabei in allererste Linie um den Schmerz und nicht um ein persönliches Machtgefälle, das ist für mich das Entscheidende am "reinen" Masochismus.

      Und trotzdem sage ich mir: Ohne ein Mindestmaß an Devotion würde ich mich sicher nicht freiwillig (bzw. auf Anordnung) über den Bock legen und die Hose runterlassen. In solchen Szenarien steckt letztlich immer auch etwas Devotes. Eine scharfe Abgrenzung zwischen Masochismus und Devotion halte ich deshalb für schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Für mich geht beides ineinander über, mit ganz individuellen Schwerpunkten in die eine oder andere Richtung des Spektrums.

      Es gibt sicher (liest man ja auch oft hier im Forum) reine Devotion ganz ohne Masochismus, aber Masochismus ganz ohne jede Devotion, das kann ich mir schwer vorstellen. Was aber nichts daran ändert, dass ich mich in meiner Selbstwahrnehmung primär als masochistisch sehe.
      Gute frage. .. ehrlich gesagt weiß ich Bis heute nicht, in welche Kategorie ich mich annähernd einordnen soll. ?(

      Ich kann mit vielen Dingen, die hier die DS -Mehrheit aus ihrem Leben berichtet, nicht viel anfangen, daher habe ich mich gefragt, ob ich dann einfach mehr maso bin. Aber das stimmt auch nicht ganz, weil Schmerz für mich tatsächlich nur so lange gut ist, wie er mir Lust verschafft. Geht er darüber hinaus, kippt es bei mir sofort (bin grundsätzlich ein sehr Schmerzempfindlicher Mensch und da reicht schon ein bisschen kopfkino, um mich zum kollabieren zu bringen ;) ).

      Lune's Beschreibung trifft es bei mir eher. Ich bin der passive Part. Wie das dann ausgestaltet wird, bewegt sich irgendwo dazwischen und doch nirgendwo so wirklich. :pardon:

      topaz schrieb:

      Dann frage ich mich, ob das eigentlich trennbar ist. Steckt nicht in jedem Masochisten auch eine devote Seite?
      Ich würde behaupten, in mir nicht. Das ist zumindest mein erleben.

      topaz schrieb:

      Wäre es ohne Devotion überhaupt möglich, seine masochistische Seite auszuleben?
      Für mich ist es das. Weil für mich mein Masochismus eben nichts ist, was ich aus "Hingabe" zu jemanden anderen "aushalte", sondern weil das für mich etwas ist, was ich - ganz egoistisch - brauche und ersehne.

      topaz schrieb:

      Wie empfindet ihr eure masochistische Seite?
      Sie ist ein Teil von mir.
      Wir haben uns arrangiert.
      Ich mag sie.

      topaz schrieb:

      Beherrscht sie euer BDSM?
      Sie "beherrscht" mein BDSM nicht, sondern *ist* mein BDSM, *ist* meine Sexualität.

      Adrian_2015 schrieb:

      Ich bezeichne mich auch als masochistisch und nicht als devot, bin aber dennoch der Meinung, dass es keine eindeutige Trennungslinie zwischen Masochismus und Devotion geben kann.
      Das mag für dich stimmen, so pauschal fühle ich mich ehrlich gesagt fast etwas auf die Füße getreten, da ich dies für mich anders erlebe.

      Adrian_2015 schrieb:

      Und trotzdem sage ich mir: Ohne ein Mindestmaß an Devotion würde ich mich sicher nicht freiwillig (bzw. auf Anordnung) über den Bock legen und die Hose runterlassen. In solchen Szenarien steckt letztlich immer auch etwas Devotes.
      Das mag - wie bereits geschrieben - für dich stimmen. Für mich stimmt das nicht. Ich springe da wohl eher freiwillig, mit Freude und Elan auf den Bock, werfe meinem Partner den Rohrstock zu und rufe ihn noch ein fröhliches "Mach's richtig!" zu. Da ist nix mit devot.

      Adrian_2015 schrieb:

      aber Masochismus ganz ohne jede Devotion, das kann ich mir schwer vorstellen.
      Ich würde dich ja fast zu einer unserer Sessions einladen, da könntest du mal sehen :D
      Wahrscheinlichkeitsfaktor 1 zu 1. Wir haben Normalität erreicht, ich wiederhole, wir haben Normalität erreicht. Alles, womit Sie jetzt noch immer nicht fertig werden, ist folglich Ihr Problem.
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      Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind.'
      Ich bin mit Sicherheit devot und maso, aber ich hab festgestellt, das ich beide Seiten von einander getrennt leben kann.

      Meine devote Seite kommt fast nicht zum Vorschein, wenn ich nicht emotional engagiert bin. Dazu bedarf es einfach eines Menschens der diese Saite zum klingen bringt, dessen Dominanz meine Devotion überhaupt zum Vorschein bringt.

      Meine maso Seite kann ich auch ohne Herzensbindung leben, weil der Kick hierbei rein sexuell für mich ist.

      Aber wirkliche Befriedigung erlebe ich nur wenn beide Seiten im Gleichklang sind und ich sie zusammen ausleben kann. Das ist für mich das Gesamtpaket was ich wirklich brauche und mich ICH seinmläßt.
      Vergiss niemals, dass Du nur auf die Welt gekommen bist, um verehrt und geliebt zu werden! - Konfuzius -
      Immer wenn ich meinen Senf dazu geben will schreibt @Nom_de_guerre vor mir genau das was ich berichten wollte :gruebel: Auch gut, erspar ich mir die Schreibarbeit :blumen:

      Also nur kurz:
      ich bin eine reine Masochistin
      bin nicht devot
      und das ist mittlerweile für mich auch gut so.
      Am Anfang dachte ich auch ich müsse devotes Verhalten an den Tag legen, weil das ja irgendwie zusammen gehört und es von meinen ersten (Erfahrungen) BDSMlern gewollt war, ich hab sogar versucht es zu spielen um an meine ”Strafe" zu kommen.

      Heute weiß ich es besser :D
      Ich bin Masochistin ohne dabei devot zu sein. Ich finde man kann es auch gut trennen, denn schließlich muss man sich auch als vermeintlich passiver Part aktiv unterwerfen. dies zu ich aber nicht. Trotzallem könnte der sadistische Part für sich ganz persönlich Dominanz fühlen, dass ist dann aber seine Interpretation der Situation.
      Catch me if you can...
      Jetzt muss ich einfach was dazu schreiben :)

      ich empfinde so ähnlich wie @Nom_de_guerre und @Ichwilleineis

      Gerade jetzt als wir wieder zur Ruhe gekommen sind nach Weihnachten, habe ich gemerkt, ja ich will den Schmerz spüren. Dafür brauche ich nicht devot sein. Zwischen meinem Partner und mir klappt das wunderbar so. Achja und ich kann auch einfach sagen, ich möchte jetzt mal die Peitsche spüren. Szenarien und Rollenspiele mögen wir beide nicht. Da benennen wir eher direkt was wir uns wünschen. Es mag sehr individuell sein, aber wir beide ergänzen uns da ganz gut.

      Mit Strafen kann ich persönlich gar nix anfangen. Und ja anfangs dachte ich auch, ich müsste devot sein. Mit der Zeit habe ich gemerkt, ich bin es nicht, ich mag einfach bestimmte Schmerzen.

      meine masosischistische Seite beherrscht ganz klar mein SM. Mein SM ist es, der den ich liebe, darum zu bieten, mir weh zu tun. Mein SM ist es, das Gefühl meines Pos danach zu geniessen. Mein SM ist es meine Rückseite einfach zur Verfügung zu stellen. Mein SM ist, das brennende Gefühl der Peitsche zu geniessen. Mein SM ist es auch mal gemiensam zu lachen, wenn ich kopfüber von der Decke hänge. Mein SM ist es angenehm unangenhmes zu spüren.
      Wie schon im EP steht: Natürlich gibt es verschiedene Formen von Masochismus, und ja, bei den meisten Formen schwingt die Devotion zumindestirgendwo ein bisschen mit.

      Aber: "reiner" Masochismus ist doch wohl insb. (nicht ausschließlich) der klassische Lustschmerz. Einer haut zu, der andere wird dadurch erregt. Das ist für sich eine sexuelle Handlung, wie jede andere auch. Das hab absolut gar nichts mit einem Machtgefälle zu tun. Ja, es kann sogar kippen, weil Maso gerade bedient und sexuell befriedigt wird.
      Ob ich nun erregt werde, weil mich mein Partner oral befriedigt, mich überall streichelt oder mir den Stock auf den Hintern haut, ist doch dabei völlig irrelevant. Ich bin passiv und werde von meinem Partner verwöhnt. Mehr steckt da erst mal nicht hinter.
      ~*~ Menschen hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden, sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen! ~*~
      (Oliver Wendell Holmes)
      Ich danke euch allen für die vielfältigen Antworten! Ich habe so unglaublich viele Anregungen für meine Gedanken gewonnen...

      @Lune, ja, vielleicht suche ich wirklich mehr nach Gemeinsamkeiten.

      @Viva, wie trennst du das? Bist du denn nicht in deiner Rolle als Dom dominant?

      @Nom_de_guerre, @Ichwilleineis, @Odonata, ich tue es auch nicht ihm zuliebe, ich will den Schmerz spüren.
      Aber habt ihr nie das Gefühl von Machtabgabe? Wie fühlt ihr euch, wenn ihr fixiert oder angekettet am Andreaskreuz hängt?





      Mein Herz war lange Zeit verschlossen. Es musste geschützt werden, da es nicht austauschbar ist.
      Und dann kommt die Zeit, wo man es wieder öffnen mag.
      Für die wunderschönen und einfachen Dinge im Leben, die man mit Geld nicht kaufen kann.

      topaz schrieb:


      @Nom_de_guerre, @Ichwilleineis, @Odonata, ich tue es auch nicht ihm zuliebe, ich will den Schmerz spüren.
      Aber habt ihr nie das Gefühl von Machtabgabe? Wie fühlt ihr euch, wenn ihr fixiert oder angekettet am Andreaskreuz hängt?

      also am Andreaskreuz bin ich (leider) noch nie gehangen, aber gefesselt oder angekettet war ich schon weil ich es gerne wollte. Machtlos hab ich mich dabei nie gefühlt weil ich noch immer die Macht der Worte hatte. Würde jemand auf die Idee kommen mir gefesselt den Mund zuzukleben wäre das für mich ein Trennungsgrund. Das ist auf meiner Tabuliste ganz oben. Ich will auf jeden Fall sprechen können!
      @topaz

      nein es ist kein Gefühl vn Machtaufgabe eher von Kontrollabgabe.Das Gefühl untergeordnet zu sein, habe ich dabei nie. Ich kann auch still sein und bestimme nicht das Pogramm, aber es ist kein Machtgefälle da.

      Und wie bei @Ichwilleineis steht bei mir alles was in Richtung Knebel geht auf der Tabuliste. Ausprobiert haben wir es, aber das kommt nicht gut. Ich muss sprechen können.
      Ich muss noch dazu sagen, dass ich es sehr spannend finde, was unsere "reinen" Masochisten dazu zu sagen haben. Für mich vermischt sich das auch alles irgendwie, ich kann mir devotion ohne maso nicht vorstellen, auch wenn ich weiß dass es das gibt. Maso ohne devotion schon eher, auch wenn nicht direkt für mich persönlich.
      Naja was ich sagen will.... Danke an die sm-Fraktion hier, ich lese immer gerne von euch :blumen:

      topaz schrieb:

      @Viva, wie trennst du das? Bist du denn nicht in deiner Rolle als Dom dominant?




      ja bin ich , ich bin ja auch durchgehend dominant in meiner Persönlichkeit, aber der Masochismus ( und rein theoretische auch mein Sadismus mittlerweile) ist losgelöst von D/s. ich würde es eher als reine Lust,puren Sex beschreiben. Natürlich kann D/s mit reinspielen und grad an meinen Sadismus gekoppelt auch sehr stark (weil es Spass macht) aber eigtl ist SM eine "Sache" für sich bei mir.
      Catch me if you can...

      topaz schrieb:

      Steckt nicht in jedem Masochisten auch eine devote Seite?
      Anscheinend ja nicht...ich finde die verschiedenen Perspektiven sehr interessant.
      Ich behaupte, beide Anteile in mir zu tragen.
      Aber was wann wie in welchem Umfang greift, ist mir bis dato noch nicht ganz klar.

      topaz schrieb:

      Wie empfindet ihr eure masochistische Seite? Beherrscht sie euer BDSM?
      Ich bin mir nicht ganz sicher.
      Da bei uns Sex mit SM gleichzusetzen ist, ist meine masochistische Seite schon ein wichtiger Bestandteil unseres BDSMs.

      Manchmal fange ich schon an zu weinen, wenn er mich beginnt zu fixieren, weil ich sehe, dass sein sadistischer Hunger weitaus größer ist als mein masochistischer Lustschmerz hergibt und ich weiß, dass ich in dieser tagesformabhängigen Situation schlecht gegenhalten kann.
      Dann vermute ich, dass meine Devotion greift.
      Ganz sicher bin ich mir aber nicht, weil mein Körper doch wiederum seine ganz eigene Sprache spricht.
      Näher kann ich es derzeit gar nicht differenzieren; ich bin noch auf der Suche nach Erleuchtung ;) .

      Spannend finde ich noch die Überlegung von @WaterLily, dass das Machtgefälle durchaus kippen kann, wenn der masochistische Part bedient und sexuell befriedigt wird.
      Ein ähnlicher Gedanke schwirrte mir auch in einem anderen Thread hier vor kurzem im Kopf herum, aber ich konnte ihn nicht richtig greifen und dachte, es wäre nur meine subjektive Einschätzung.
      „Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst.
      So tiefen Grund hat sie.“

      Heraklit

      topaz schrieb:

      @Nom_de_guerre, @Ichwilleineis, @Odonata, ich tue es auch nicht ihm zuliebe, ich will den Schmerz spüren.
      Aber habt ihr nie das Gefühl von Machtabgabe? Wie fühlt ihr euch, wenn ihr fixiert oder angekettet am Andreaskreuz hängt?
      Da ich auch angesprochen war, noch etwas verspätet auch meine Antwort.
      Nein, ich habe kein Gefühl der Machtabgabe. Als ich deine Frage gelesen habe, habe ich erst mal gar nicht verstanden, wie du das in dem Kontext mit Machtabgabe meinst.
      Am Andreaskreuz hänge ich sowieso nicht, da wir sowas haben.
      Aber gefesselt oder geknebelt - das werde ich.
      Und zwar auf meine ureigenste Anordnung.
      Das hat dann auch nichts mit Machtabgabe zu tun, sondern ist rein pragmatisch...
      Ein Knebel ermöglicht es mir, darauf zu beissen und dadurch mehr Schmerz auszuhalten. Er dämpft die Geräusche zumindest etwas.
      Fesseln hindern mich daran, den Schlägen auszuweichen, komplett aufzuspringen, oder meinem Partner die Gerte aus der Hand zu reißen und den Spieß umzudrehen.
      Kurz: das sind Hilfsmittel... Werkzeuge, derer ich mich bediene, um das zu erreichen, was ich will - mit dem Schmerz durch die Wand in meinem Kopf zu brechen.
      Wahrscheinlichkeitsfaktor 1 zu 1. Wir haben Normalität erreicht, ich wiederhole, wir haben Normalität erreicht. Alles, womit Sie jetzt noch immer nicht fertig werden, ist folglich Ihr Problem.
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      Multiple exclamation marks,' he went on, shaking his head, 'are a sure sign of a diseased mind.'
      Ich hab lange überlegt, was ich dazu schreiben könnte. Und vor allem wie. Ich habe bestimmt schon 10 mal angefangen, ohne es geschafft zu haben, meine Gedanken in die rechten Worte zu kleiden...

      Von daher versuche ich es jetzt nochmal, in der Hoffnung, daß ihr mir folgen könnt.


      Bin ich masochistisch?

      Ein ganz klares Ja :yes:

      Ich liebe den Schmerz. Ich liebe es, wenn er mich schlägt. Ich liebe es, die verschiedenen Schlaginstrumente zu spüren.

      Ich liebe es, gefesselt und wehrlos den Schlägen nicht ausweichen zu können.

      Ich liebe es aber genauso, eben nicht komplett gefesselt zu sein und mich in Harmonie mit den Bewegungen und Schlägen meines Manns zu bewegen.

      Er muss mir nicht sagen: "Streck deinen Arsch raus" - Das mach ich von selbst. Ich will ja geschlagen werden.

      Und die Aufforderung "leg dich übers Pferd" (wir haben ein tolles Turnpferd im Wohnzimmer stehen :love: ) ist für mich keine Strafe, sondern eine Belohnung.


      Bin ich devot?

      Keine Ahnung, ob ich devot veranlagt bin. Ich lasse mich gerne schlagen und auch gerne fesseln. Das tue ich aber in erster Linie für mich und nicht für ihn. Es ist toll, daß er da genau so viel Spaß dran hat, wie ich, aber meine Intension ist erster Linie nur meine eigene Lust. Blöd fände ich es, wenn es ihm überhaupt keine Freude machen würde und er mich nur mir zu liebe schlagen würde. Das wirkt dann für mich nicht echt und würde mir auch irgendwie nichts geben.


      Es gibt einige Dinge, die für mich selbstverständlich sind, z.b. wenn wir in einen Club gehen, ist es für mich selbstverständlich, daß ich ihn bediene, ihm seinen Drink hole, etc. Ich sitze dann auch gerne auf einem Kissen zu seien Füßen. Ich fühle mich dort wohl.


      Bin ich deshalb devot? keine Ahnung. Ich fühle mich jedenfalls in meinem Inneren nicht sonderlich devot. Und da es meiner Meinung nach sehr viel auf die Innere Einstellung ankommt, würde ich mich deshalb als nicht devot bezeichnen. Es sieht vielleicht für Außenstehende manchmal so aus, aber ich fühle mich nicht so.




      Von daher würde ich die Frage nach dem "reinen" Masochismus für mich mit einem Ja beantworten. Ich bin "rein" masochistisch.
      Sei Optimist - wenigsten solange man keine Tiere paarweise nach Cape Kennedy treibt.

      - Tennessee Williams -