Naziuniformen in einer Session, Kick oder unverantwortlicher Tabubruch

    Ich gebe es ja ungern zu....aber hier stoße ich an meine persönliche Toleranzgrenze. Ich versuche seit Tagen das Thema für mich zu sortieren und mache mal einen vorsichtigen Versuch:
    Nazi-Uniformen sind bestimmt ästhetisch und ich verstehe, dass Menschen mit entsprechendem Fetisch darauf anspringen. Nazi-Design funktioniert auf perfide Weise ganz hervorragend. In den Niederlanden läuft gerade eine Ausstellung zu diesem Thema...nicht ganz unumstritten.
    Und ich gebe auch allen recht, die sagen, dass niemand sich seinen Kink aussucht. Ich habe mir meine auch nicht ausgesucht und trotzdem bin ich nicht Sklavin meiner Kinks.
    Es gibt in meiner bunten BDSM-Welt Dinge, die will ich nicht wollen. Bei mir liegen sie in anderen Bereichen und ich habe sehr bewusst entschieden, diese Spielarten auszuklammern. Ich weiß sie sind da, ich erkenne sie an und entscheide mich dagegen.

    Ich habe tagelang an der Frage gekaut, warum es für mich so einen Unterschied zu anderen Spielarten und Rollenspielen macht und mir sind drei Aspekte aufgefallen:
    Zuerst die Nähe zur Geschichte. Es ist gut möglich, dass meine Haltung eine andere wäre, wenn die geschichtlichen Ereignisse mehrere hundert Jahre in der Vergangenheit lägen. Aber das tun sie nicht und wir leben in einer Umbruchphase, in der Rufe nach einer "Neubewertung der Geschichte" laut werden und die letzten Zeitzeugen sterben. Daher empfinde ich eine Versachlichung des Themas (es ist ja nur eine Uniform....es ist ja nur ein Rollenspiel) als gefährlich.

    Der zweite Aspekt ist die Täter/Opfer Sicht. Es macht für mich einen gravierenden Unterschied im Empfinden, ob ein jüdischer Mann eine Domina mit diesem Wunsch aufsucht, oder ob ein dominanter Part sich aktiv in die Täterrolle begibt. Es wäre für mich aber gleichermaßen befremdlich, wenn ein Dom seiner Sub ein Rape Game verordnen würde.

    Und das führt direkt zum dritten Aspekt: Ist dieses Szenario Teil meiner (potentiellen) Geschichte?
    Ich will das an einem Beispiel aus anderen Bereichen erklären. In der Beratungs- und Selbsthilfeszene HIV Infizierter etablierte sich irgendwann die Bezeichnung "HIVchen" untereinander. Den Begriff durften aber nur Betroffene verwenden. Von Außerhalb galt er als beleidigend.
    Ebenso verhält es sich mit der Bezeichnung "Nigger" innerhalb bzw außerhalb der schwarzen Community.
    Die Frage ist also, bin ich (potentiell) Teil der Geschichte oder stehe ich außerhalb? Es darf halt nicht jeder Alles.
    Das Risiko häuslicher Gewalt, einer Vergewaltigung und ja...auch des Missbrauchs als Kind ist Teil meiner eigenen Lebensrealität. Deshalb bewege ich mich im Zweifel recht skrupellos in diesen Themen. Hier aber geht es um die Geschichte der Anderen. Und ich empfinde es als übergriffig und respektlos, mich dieser Bilder zu bedienen.
    Das gilt auch für andere politische Szenarien.

    Bis hierhin bin ich also gekommen und ich bin nicht ganz sicher, ob es zu Ende gedacht ist....
    Als jemand, der die "böse Schwarze", wie sie in Fetisch-Kreisen häufig genannt wird, tatsächlich im Schrank hängen hat (wahrscheinlich der überhaupt einzige hier im Forum), möchte ich gern meine Ansicht und Hintergründe dazu mitteilen. Bin ich ein Nazi? Oder was sonst hat mich dazu gebracht? Warum gerade diese Uniform? Wie kann ich das mit meinem Gewissen vereinbaren?

    Das Erste: mir ist es wichtig klarzustellen, dass ich jegliche Nazi-Ideologie weit von mir weise. Mit solchem Gesindel mache ich mich nicht gemein! Jeder vernunftbegabte Mensch kann nicht anders, als die Taten, die im 3. Reich begangen wurden, auf das Schärfste zu verurteilen. Einen anderen Schluss lässt die Geschichte nicht zu. Es ist unsere Verantwortung aus den Fehlern und Untaten unserer Vergangenheit zu lernen und nachdrücklich dafür zu sorgen, dass sich so etwas weder in unserem Land noch in einem anderen jemals wiederholen wird. Die aktuellen Entwicklungen in Deutschland bereiten mir deswegen große Sorgen.

    Doch warum habe ich dann dennoch diese Uniform im Schrank, das Sinnbild all dieser Schrecken? Die kurze Antwort: aufgrund einer ganz wundervollen Frau, mit der ich das Vergnügen hatte, 3 Jahre lang eine fantastische, innige Beziehung führen zu dürfen. Ich hatte schon immer eine gewisse Affinität zum Militär und bin gern Soldat gewesen. Doch ihr extremer Fetisch dafür hat das alles auf eine ganz neue Ebene gehoben. Uns hat noch so viel mehr verbunden, aber das war voll unser Ding. Das Glück in ihren Augen, die Freude und Erregung, dass sie fast vom Stuhl fällt, wenn sie mich in Uniform sah - das war das Allerhöchste, das zu erreichen war und dss ich ihr nur zu gern gegeben habe, schließlich hat es mich ja genauso gefreut. Nichts hat mich mehr erfüllt. So habe ich innerhalb ein paar Monaten einen zweiten Schrank gebraucht, um die ganzen Sachen unterzubringen. :)

    Wenn man als Fetischist auf Uniformen blickt, dann ist die schwarze Uniform der SS mit den hohen Schaftstiefeln, der zackig geschnittenen Reithose und der charakteristischen Schirmmütze so etwas wie das non-plus-ultra. Keine andere verkörpert so sehr Dominanz, Sadismus, Perversion, Brutalität, Macht und Willkür wie sie. Genau die Dinge, die das Spiel übertragen soll. Man fühlt sich anders, wenn man sie trägt, viel ernster, unerbittlicher, packt härter zu und lässt sich nichts gefallen. Diese Authentizität verleiht dem allen eine ganz andere Dimension. Und ihre Reaktionen darauf waren entsprechend gewaltig.

    Und ich konnte und kann das Ganze voll und Ganz mit mir, meinen Werten und Prinzipien vereinbaren. Weil der Kontext ein völlig anderer ist und das ist das Entscheidende, das oft vergessen wird. Erst die Einordnung in einen Rahmen gibt den Dingen ihre Bedeutung. Deswegen mag ich den Begriff "Verherrlichung" nicht, der zu inflationär und meistens vorschnell fällt, ohne dass sich der Andere wirklich mit der Sache beschäftigt hat. Ein Nazi ist man zuallererst im Kopf, dazu braucht es keine schwarze Uniform mit Armbinde, das geht auch in T-Shirt und Bermuda. Andersherum drückt das Tragen dieser Uniform, wohl gemerkt in meinen eigenen 4 Wänden zu rein sexuellen Zwecken, keinerlei Sympathie für das Regime aus und leistet dem Nationalsozialismus in keinster Weise Vorschub. Ich kann für mich meine politische Haltung und meine sexuellen Taten und Gedanken klar trennen und diese müssen nicht übereinstimmen. Genauso, wie ja auch Feminismus und Femsub widersprüchlich erscheinen, aber sich selbstverständlich nicht ausschließen, ganz im Gegenteil.

    Mir ist absolut bewusst, dass dieses Thema für viele eine Grenze überschreitet, wie z.B. auch Religion im BDSM-Kontext. Das verstehe und akzeptiere ich vollkommen. Doch jeder muss auch das Recht haben, diese Grenze für sich selbst zu ziehen. Deswegen erwehre ich mich des Posts meiner Vorrednerin. Menschen pauschal abzulehnen, weil sie ihr Spiel anders definieren und begrenzen (und wir sind hier immer noch bei SSC) halte ich für keine vertretbare Einstellung. Jedenfalls nicht innerhalb der BDSM-Community, wo wir doch selbst dafür kämpfen, von der restlichen Welt nicht stigmatisiert zu werden.

    Ich hoffe, zum allgemeinen Diskurs beigetragen zu haben und freue mich immer über eine gute Diskussion. Denn solange es die gibt, haben wir Demokratie.

    Horrido!
    "Wer seinen Kinderglauben sich bewahrt, in einer reinen, unbefleckten Brust - und gegen das Gelächter einer Welt zu leben wagt, - wie er als Kind geträumt - bis auf den letzten Tag: das ist ein Mann!" - Henning von Tresckow
    Das Thema finde ich sehr interessant. Ich bin tatsächlich vor ein paar Wochen in einer Doku / Reportage darauf gestoßen und habe seit dem viel darüber nachgedacht. Persönlich sind Uniformen u. ä. für mich absolut nichts, was mich in irgendeiner Art und Weise reizt - weder sexuell, noch allgemein lebensweltlich. Ich verstehe dennoch, dass es Menschen gibt, die einen Reiz darin sehen in Uniform zu spielen bzw. beim Anblick einer Person in Uniform eine Steigerung der sexuellen Lust und Empfindung erfahren - und respektiere dies ebenso wie all die anderen Vorlieben und Fetische, die ich selbst nicht teile, aber die es nun mal gibt. Jeder hat halt seins.

    Der historische Kontext bei NS-Uniformen jedoch macht dieses Thema für mich persönlich heikel. Ich bezeichne mich als Mensch mit antifaschistischer Grundhaltung und sehe in jeglichen rechten Bestrebungen eine Bedrohung demokratischer Grundfeste und -werte. Doch inwieweit ist dies auf die sexuellen Handlung einer gewissen Zahl von Menschen außerhalb des öffentlichen Raums und ohne historische Bezugnahme anwendbar? Wer mit einer SS-Uniform durch die Innenstadt läuft, macht sich vermutlich nicht nur strafbar, sondern setzt mit diesem öffentlichen Auftritt ein Statement, macht NS-Symbolik öffentlich sichtbar und betreibt in gewisser Weise, selbst wenn es satirischer Natur sein sollte, Schrecken und Abscheu bei vielen Menschen, möglicherweise auch ernsthafte Angst. Hier wäre mir auch die individuelle politische Haltung der Person egal, denn allein das öffentliche Auftreten in solch einer Uniform ist absolut abzulehnen und sollte keinen Platz in einer aufgeklärten Gesellschaft haben. Was aber Menschen in ihren Schlafzimmern machen, solange es einvernehmlich ist, kann doch mir egal sein?

    Ich glaube, ich muss mich an dieser Stelle mit einem extremen Widerspruch zwischen eigener Einschätzung und Akzeptanz abfinden. Während ich es persönlich nicht nur nicht ansprechend finde, sondern als moralisch hochgradig falsch beurteile, kann ich mit diesem Maßstab andere Menschen, die die politische Haltung der Uniform nicht teilen, aber eine sexuelle Erregung aus dem Spiel mit ihr ziehen, nicht beurteilen. Am Ende ist es wohl eine hoch subjektive und moralische Frage, die jeder für sich beantworten muss und dies abseits der reinen Vorliebe für eine Sache. Wer Spaß in SS-Uniform hat, bitte, solange du es abseits jeglicher Öffentlichkeit tust - ich möchte mich mit diesen Personen jedoch nicht umgeben und finde das Spielen mit NS-Utensilien krass daneben.
    Ich hab die Erfahrung gemacht, daß besonders Amerikaner und oft auch Engländer mit Naziuniformen ganz anders umgehen als zum Beispiel Deutsche.
    In Amerika ist das alles erlaubt und kann auf offener Straße getragen werden.
    Zudem ist in vielen Ländern das Hakenkreuz nicht als Nazizeichen zu werten, sondern als Sonnenrad, oder als Glückssymbol. Denn das Zeichen selbst ist fast so alt wie die Menschheit selbst, und wurde schon von Indianerstämmen an Felswände gemalt. In allen möglichen Formen. Um eine Abgrenzung zum Mißbrauch des Zeichens der Nazis zu verdeutlichen, redet man da nicht von Hakenkreuz, sondern von einer Swastika

    Aber zurück zum Mißbrauch der Nazis:
    Wie gesagt, in Ländern wie den USA geht man mit dem Allem viel lockerer um. Ich hab es selbst erlebt. Da wird sowas auch einfach gesammelt, viele Amerikanische Soldaten nahmen nach dem 2 Weltkrieg "Suviniere" aus Deutschland mit und auch der inzwischen verstorbene Sänger von Motörhead sammelte Nazi Uniformen und Orden, Fahnen usw., war regelrecht begeistert davon, aber die Ideologie lehnte er immer ab!

    Ich gehe da so mit um, daß ich es akzeptieren kann wenn einer sowas sammelt, wenn ich genau weiß wie ich den Gegenüber einschätzen muß und ich mir sicher bin, daß er nicht die Ideologie vertritt, die dahinter steht.
    In einem Fetischspiel wäre es für mich allerdings abturnend und unpassend!
    Ich hätte dabei keine Freude.

    In der Fetischszene ist anscheinend heute keine Grenze mehr gesetzt, und es kann offenbar nichts extrem genug sein.
    Naziuniformen sind da in gewissen Kreisen längst keine Seltenheit mehr. Und es gibt durchaus Spielarten, da ist eine Naziuniform noch harmlos gegen das, was ich schon alles gelesen, oder auf Bildern gesehen habe. ...
    Es sprengt wirklich die Grenzen von allem Vorstellbaren!

    Galgenbluete schrieb:

    Ich hab die Erfahrung gemacht, daß besonders Amerikaner und oft auch Engländer mit Naziuniformen ganz anders umgehen als zum Beispiel Deutsche.
    Bei England musste ich direkt an Prinz Harry denken und wie er in einer Naziuniform auf einer Party war. Der Aufschrei war damals riesig und ich bin echt verwundert, dass das schon 15 Jahre her ist, ich dachte viel weniger. Es mag sein, dass in der BDSM Szene so etwas üblicher ist, aber England, dass eben unter den Nazis gelitten hat (Bomben, direkte Bedrohung, beides bei den USA nicht gegeben) hat bei dem Thema eine durchaus sensible Gesellschaft.
    "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff

    Gentledom schrieb:

    hat bei dem Thema eine durchaus sensible Gesellschaft.
    Ist das wirklich so. Ich kann mich an einen Flohmarktbesuch in London erinnern, wo ganz öffentlich mehrere Stände mit echt widerlichem Nazi-Zeugs waren, wofür man hier (hoffentlich!?) ordentlich eins auf die Finger kriegen würde. :yes:
    Seitdem ich perfekt bin, hält sich meine Arroganz in Grenzen!

    Galgenbluete schrieb:

    Ich hab die Erfahrung gemacht, daß besonders Amerikaner und oft auch Engländer mit Naziuniformen ganz anders umgehen als zum Beispiel Deutsche.
    In Amerika ist das alles erlaubt und kann auf offener Straße getragen werden.
    ./.

    Aber zurück zum Mißbrauch der Nazis:
    Wie gesagt, in Ländern wie den USA geht man mit dem Allem viel lockerer um. Ich hab es selbst erlebt. Da wird sowas auch einfach gesammelt, viele Amerikanische Soldaten nahmen nach dem 2 Weltkrieg "Suviniere" aus Deutschland mit und auch der inzwischen verstorbene Sänger von Motörhead sammelte Nazi Uniformen und Orden, Fahnen usw., war regelrecht begeistert davon, aber die Ideologie lehnte er immer ab!
    Ich kann dir hier bei diesen Ausagen nicht beistimmen. Meine Erfahrung ist gegenteilig. Was du als Beispiel nimmst sind Extremisten die sich einen Kamm darueber scheren was die Geschichte oder Symbolik angeht. In Amerika ist der Ignoranzfaktor so hoch, dass dieselben Personen nicht einmal zwischen Berlin und Belgrad unterscheiden koennen. Auf offener Strasse findest du auch Weissrassen (white supremecists) Vertreter, Frauenhasser, Abtreibungsgegner usw. Das bedeutet aber nicht die Gesellschaft geht locker mit dem Thema um? Es hat damit zu tun, dass die Gesetzauslegung des First Amendment to the United States Constitution (Grundgesetzt der USA) jedem Buerger 'Ausdrucksfreiheit' sichert. (Freedom of Speech)

    In England war Prinz Harry sehr lange in den Nachrichten und es gab einen Aufschrei als er in seiner Studentenzeit in einer Naziuniform zu einer Party ging. Locker wird es absolut nicht gesehen. Und einen Sammler als Beispiel zu nennen der vielleicht sammelt aber die Ideologie ablehnt schleiert nicht die Tatsache dass viele Sammler die Relikte gerade wegen deren Ideologie verewigen wollen.

    Um nicht OT zu werden, fuer mich waere es ein Tabubruch.
    You may shoot me with your words,
    You may cut me with your eyes,
    You may kill me with your hatefulness,
    But still, like dust, I’ll rise.
    spannendes Thema und mein erster Beitrag...

    Ich habe mich auch immer gefragt, was der Kick an Naziuniformen sein soll, bin aber generell Uniformen gegenüber neutral desinteressiert eingestellt.

    Pinterest bringt einige Bilder unter dem Titel
    SSupreme SSexy
    die ich tatsächlich optisch - aufgrund der Schnittführung!- ansprechend finde.

    Tragen würde ich es nicht, wegen der Anlehnung an die Realität, und mit jemanden spielen, der es trägt wohl eher auch nicht.

    Das Gleiche gilt auch für den Schulmädchenlook, den ich im Übrigen beängstigender finde.
    Ich bin ja der Meinung dass wir uns zu sehr in diese Täterrolle drängen lassen und daher noch immer so empfindlich auf das Thema reagieren. Versteht mich nicht falsch, ich finde es wichtig, dass man darüber aufgeklärt wird, es ein wichtiges Thema in der Schule ist etc. Aber ansonsten hab ich mit diesem Thema nichts am Hut. Ich und selbst meine Eltern waren zu dieser Zeit nicht am Leben. Ich bin mir sicher dass selbst meine Großeltern erst danach geboren wurden. Das liegt also schon 4 Generationen entfernt. Ich hab mir nichts zu Schulden kommen lassen, ich habe keine rechten Ansichten, ich muss nicht zwingend etwas Gedenken was mich absolut nicht betrifft.

    Und genau aus diesem Grund bin ich auch nicht der Meinung, dass es zwingend verwerflich ist in Naziuniform zu spielen. Dabei kommt es natürlich auch auf den Umgang damit an. Die Uniform anziehend finden ist das eine. Was natürlich nicht geht ist im Spiel dann diese Naziverbrechen zu verherrlichen.

    Aber im Allgemeinen seh ich das einfach etwas lockerer. Dummes Beispiel, aber die Amerikaner verkleiden sich auch als Indianer, die sie in Scharen getötet haben.
    Wir verkleiden uns an Halloween als Serienkiller... Es ist halt nur das. Eine Verkleidung. Und keine Verherrlichung. Oder bin ich Satanisten wenn mein Faschingkostüm der Teufel ist?
    Uniformen können was haben :engel: , das gebe ich zu. Aber Naziuniformen? Nee, sorry, für mich ein absolutes No-go. Diese Art der Verharmlosung, die damit einhergeht, finde ich sehr problematisch. Gerade in der Zeit, in der wir aktuell Leben. Es gibt rechtsradikale und fremdenfeindliche Anschläge und Übergriffe in diesem Land. Und wenn in dieser Zeit Uniformen aus der Nazizeit wieder hoffähig werden, könnten Menschen, die sowieso schon von einem faschistischen Weltbild angezogen werden, sich auch noch bestätigt fühlen. Nach dem Motto "Vogelschiss" ... Nein, eine derartige Verharmlosung ist absolut nicht mein Ding.
    Es gibt zwei Tragödien im Leben eines Menschen: Wünsche, die sich nicht erfüllen ... und Wünsche, die sich erfüllen!
    (frei nach Oscar Wilde)
    Ich gehe wohl am ehesten mit dem Beitrag von @Ratvis konform. Vor allem mit dem Statement: "(...) bin ich nicht Sklave meiner Kinks".

    Niemand sollte für Gedanken, Vorlieben, Fetische verurteilt werden. Die Gedanken sind frei heißt es doch so schön.
    Aber ich bin der Meinung, Manches gehört nicht in der Öffentlichkeit ausgelebt, Manches auch gar nicht.

    Hätte ich diesen Uniformfetisch und würde mich eine Naziuniform insbesondere kicken, dann würde ich es - wenn überhaupt - nur in den eigenen 4 Wänden unter absolutem Konsens aller Beteiligten ausleben.
    Alles andere würde mir, aus den von @Ratvis und vielen anderen hier genannten Gründen mein moralisches Empfinden, mein historisches Wissen und auch der Respekt vor den Grenzen anderer verbieten.

    Ich glaube auch nicht, dass jemand ernsthaft darunter leiden kann, keine Naziuniform auf einer Play Party tragen zu dürfen.
    Es gibt immer Mittel und Wege einen Kink so auszuleben, dass er die Grenzen anderer nicht verletzt, wobei es ja letztendlich auch nur darauf ankommt.
    Ich kann meine Absichten einen Kink auszuleben (hier am Beispiel die Naziuniform in einer Session auf einer Play Party tragen) noch so sehr reflektieren und mich von der Ideologie dahinter innerlich distanzieren. Sobald es jemanden auf der Veranstaltung, der dem Ganzen nicht zugestimmt hat, negativ aufstößt oder gar Triggerpunkte bedient, ist die Grenze überschritten.

    Mir kann auch niemand erzählen, dass er*sie sich diesem Risiko nicht bewusst ist, denn so eine Uniform wird ja auch mit Bedacht auf ihre historisch begründete Symbolik gewählt.
    Demnach wäre es dann ein Ausleben eines Fetisch/Kink auf potenzielle Kosten anderer und ich finde da sollte Mensch sich schon genau überlegen was wichtiger ist: die eigene Befriedigung durch das Tragen inkl. passendes Spiel und die damit einhergehende negative Aufmerksamkeit oder die Wahrung von Rechten bzw. des Wohlbefindens Dritter.

    Ich habe auch Fantasien, die mich sehr kicken, einige davon lebe ich auch aus und wieder einige davon bleiben bewusst in den eigenen 4 Wänden oder ganz und gar in meinen Gedanken.
    Das hat meiner Meinung nach weder mit zu viel Moralisieren noch mit Kinkshaming und fehlender Toleranz, sondern vielmehr mit gegenseitiger Rücksichtnahme und Selbstregulierung zu tun.

    It's just a kink rechtfertigt nicht jedes antisoziale, grenzüberschreitende Verhalten gegenüber Dritten. Und für mich ist es definitiv grenzüberschreitend eine Naziuniform in der Öffentlichkeit zu tragen; dazu zählen für mich auch Play Parties etc. Eben alles, wo Dritte nicht vorher einwilligen können.
    “Everything has been figured out, except how to live.” (Jean-Paul Sartre)
    Ich habe mir jetzt nicht alles durchgelesen...
    Aber für mich wäre es ein No-Go, und da geht es mir nicht nur um die Naziuniformen, jegliche Uniformen die mit irgendeinem Kriegsverbrechen in Verbindung stehen, die Nazis waren ja nicht die einzigen Deppen.
    Deshalb würde ich glaube ich jegliche Spielereien mit militärischen Uniformen ablehnen...

    Nichtsdestotrotz was in den eigenen vier Wänden passiert, ist deren Sache und muss man nicht verstehen!

    Wenn es aber kommerziell wird, finde ich es nicht angebracht, weil anscheinend diese Domina - meiner Meinung nach - die Ideologie nicht gänzlich verkehrt findet (sonst würde sie es nicht machen) und damit noch ihr Geld verdient. Was unangebracht und respektlos ist und man nicht noch „fördern“ muss.
    Manche Threads wären besser in der Versenkung geblieben ....

    Besucht mal Buchenwald, eine der zahlreichen Stationen der Todesmärsche in Thüringen, das Gebeinhaus in Verdun (da gibt es aber keine Nazi Uniform, nur ein paar Knochen), oder einfach nur ein Sägewerk im Hürtgenwald bei Köln ... da wird jeder einzelne Baumstamm vorher durch ein CT geschickt um Granatsplitter zu erkennen.

    Dann könnt ihr gerne abends die zackige Uniform anziehen die euch Macht und Sicherheit verleiht und eure Sub oder Sklaven in den eigenen vier Wänden bearbeiten... bekommt die/der auch ein rotes Mäntelchen vorher um?

    Echt jetzt?

    In Zeiten in denen rassistische Malbücher an Kinder verteilt werden als wäre es das normalste der Welt, Menschen vor Gericht stehen die Kriegsverbrechen publik gemacht haben, diskutieren wir ernsthaft darüber ob eine NS Uniform moralisch vertretbar ist und beim Gegenüber die Feuchte oder Härte positv beeinflussen kann...

    Sorry, ich bin durchaus tolerant, mich plagen auch keine Schuldgefühle vergangener Generationen, aber so ein wenig Respekt vor der Geschichte find ich sexy... ist aber meine persönliche Meinung zu dem Thema.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von pixeldom ()

    Vor ein paar Monaten hätte ich noch mit "Jeder nach seiner Façon" geantwortet.
    Wenn es ihn kickt, dann bitteschön.

    Nach diversen Vorkommnissen stehe ich dem Ganzen überhaupt nicht mehr neutral gegenüber sondern reagiere ziemlich ablehnend diesbezüglich.
    Immer noch, was in den eigenen vier Wänden geschieht, kann gemacht werden, aber auf Playpartys nope. Ist nicht mehr.
    Viele Grüße
    safine
    Könnte (aber nicht sehr rsp. momentan kein Thema) mich tatsächlich kicken, weil es absolute Willkür und Grausamkeit symbolisiert - aber ich würde wohl aus Respekt vor der Geschichte versuchen, es zu umgehen, sprich z.B. eine fiktive Uniform oder Symbolisierung aus einem Buch oder der Fanatasie zusammenzustellen/auszudenken, die für mich dasselbe bedeutet. Ich denke, diese Umleitung eines Kinkes könnte bei mir gut funktionieren - allerdings gefällt mir die SS-Uniform auch nicht unbedingt wegen dem optischen.
    Da hätte man dann je nach dem auch das Problem mit Partys weniger oder nicht.

    Würde das nicht funktionieren dann, wie viele schon sagten, höchstens zuhause.
    öffentlichkeit no-go.

    Annimax schrieb:

    Ist das wirklich so. Ich kann mich an einen Flohmarktbesuch in London erinnern, wo ganz öffentlich mehrere Stände mit echt widerlichem Nazi-Zeugs waren, wofür man hier (hoffentlich!?) ordentlich eins auf die Finger kriegen würde.
    In Deutschland habe ich das auf fast allen Flohmärkten wo ich mal war, auch gesehen.
    Nur da müssen sie die verbotenen Abzeichen abdecken, bzw. überkleben. Denn das öffentliche Zeigen dieser Symbole ist dort verboten und strafbar.
    In den Niederlanden hingegen und auch Tschechien z.B. lag es offen da. Ohne Zensur.
    Mich stört an der Überschrift das "oder". Für mich ist es beides.

    Mich kicken Abgründe, mich kicken abgrundtief böse und dreckige Szenarien, mich kicken Verzweiflung und Erniedrigung. Ich liebe Szenarien welche so richtig an die Substanz gehen. Und ja, ich kann mir vorstellen, dass es mich heftig kicken würde.

    Nun bin ich aber politisch meilenweit davon weg, rechtes Gedankengut widert mich extrem an und ich bin ein recht vernünftiger Mensch. Ich weiss, dass manche Szenarien einfach besser in meinem Kopf aufgehoben sind. Und wenn dann doch das eine oder andere unbedingt ausgelebt werden muss, dann, wie Necarina es so schön formuliert hat, das so umgelenkt wird, dass es sozial verträglicher für mich ist und nur mit einem Menschen welcher mein vollstes Vertrauen geniesst und von dessen Werten ich absolut überzeugt bin.

    Aber ja, mich kicken manche Szenarien welche man kaum aussprechen mag - die Frage ist, wie ich damit umgehe.
    Besondere Menschen erkennst Du darin, dass sie Dich berühren ohne die Hände zu benutzen

    Hamlet_Sir schrieb:

    Ich kann dir hier bei diesen Ausagen nicht beistimmen. Meine Erfahrung ist gegenteilig. Was du als Beispiel nimmst sind Extremisten die sich einen Kamm darueber scheren was die Geschichte oder Symbolik angeht.
    Ich hatte das Beispiel mit Lemmy von Motörhead gerade extra deshalb erwähnt, weil ich weiß das er gerade sehr viele Geschichtbücher gelesen hat, ein Nachkriegskind in England war und 1991 nach Kalifornien ausgewandert ist.
    Ich habe seine Biografie gelesen und finde nicht, daß er ein Extremist war.
    Im Gegenteil. Er versuchte seine Kindheit zu verarbeiten, konfrontierte sich mit der Vergangenheit und verarbeitete das alles in seinen Texten.

    Es mag sein, das du anders darüber denkst und das ist auch in Ordnung.

    Ich versuche immer, diese Leute zu verstehen.
    Ich würde nie jemanden verurteilen, ohne mich entweder persönlich mit ihm unterhalten zu haben, oder bei Prominenten eben seine Aussagen dazu in Berichten, Büchern oder Texten nachzulesen.

    Ich weiß, das ist ein schwieriges Thema und jeder geht anders damit um.
    Bei allem Verständnis für extremere Kinks, wissend, dass man sich Phantsien und Vorlieben nicht aussucht, sondern sie da sind und man sich nicht davon lösen kann, macht mich dieser Thread sehr nachdenklich.
    Mit welcher Faszination z.B. @uniformer_Freidenker das Spiel mit SS-Uniformen beschreibt:

    uniformer_Freidenker schrieb:

    (...)

    Wenn man als Fetischist auf Uniformen blickt, dann ist die schwarze Uniform der SS mit den hohen Schaftstiefeln, der zackig geschnittenen Reithose und der charakteristischen Schirmmütze so etwas wie das non-plus-ultra. Keine andere verkörpert so sehr Dominanz, Sadismus, Perversion, Brutalität, Macht und Willkür wie sie. Genau die Dinge, die das Spiel übertragen soll. Man fühlt sich anders, wenn man sie trägt, viel ernster, unerbittlicher, packt härter zu und lässt sich nichts gefallen. Diese Authentizität verleiht dem allen eine ganz andere Dimension. Und ihre Reaktionen darauf waren entsprechend gewaltig.

    (...)

    Dazu möchte ich anmerken: diese ach so tolle Authentizität ist teuer erkauft! An diesen Uniformen klebt Blut!
    Blut von Millionen Unschuldiger, Männer, Frauen und Kinder! Industrielle Tötung, Vernichtung!
    Muss man das hier wirklich so deutlich benennen? Ist es wirklich nötig, gerade aus diesem Wissen, Lust und Befriedigung zu ziehen?

    Wie hier schon bemerkt wurde: Man sollte sich nicht zum „Sklaven seines Kinks“ machen! Und genau das passiert hier. Und deshalb endet hier für mich jegliches Veständnis!