Naziuniformen in einer Session, Kick oder unverantwortlicher Tabubruch

    Gordon schrieb:

    Dazu möchte ich anmerken: diese ach so tolle Authentizität ist teuer erkauft! An diesen Uniformen klebt Blut!

    Blut von Millionen Unschuldiger, Männer, Frauen und Kinder! Industrielle Tötung, Vernichtung!
    Muss man das hier wirklich so deutlich benennen? Ist es wirklich nötig, gerade aus diesem Wissen, Lust und Befriedigung zu ziehen?
    An nahezu sämtlicher Kleidung klebt heutzutage Blut. Ich glaube nicht, dass auch nur ein Näher meiner Kleidung vernünftige Arbeitsbedingungen hat. Auch wenn ich verstehe, dass es ein sensibles Thema ist, Überdramatisierung hilft niemanden weiter.

    Ich finde nicht, dass die Uniform als ganzes zur Nazisymbolik zählt, daher finde ich es auch absolut in Ordnung die zu benutzen, sobald Hakenkreuze usw. davon entfernt wurden. Man kann, wenn man will, die Uniformen umgestalten. Es gibt nunmal keine Uniform, die derart Autorität und Eleganz ausstrahlt. Daher verstehe ich, dass die im Ausland, übrigens auch in Russland, das die, soweit ich weiß, meisten Menschen im 2. WK verloren hat, so beliebt ist beim BDSM. Nur die Deutschen sind mal wieder am sensibelsten.

    Was haben die Nazis nicht alles an Ausdrücken und Redensarten, an Designs und Symbolen benutzt und in ihrer Bedeutung verändert. Ich möchte nur an die vollkommen eskalierte Diskussion um das Wort "entartet" vor einigen Jahren erinnern. Ich finde es geschieht den Nazis nur recht, wenn diese Uniform heute nur noch im BDSM-Kontext benutzt wird. So wird auch mal etwas von denen komplett für etwas anderes benutzt, als es eigentlich gedacht war. Dabei wird weder etwas verherrlicht noch nicht ernst genommen. Man verleiht der Uniform nur eine neue Bedeutung.

    Ich denke im Sinne von leben und leben lassen, wäre es vielleicht sinnvoll einen Gebrauch der Uniform nur dafür zu akzeptieren auch wenn man es nicht mag. Solange damit nicht eine Entwicklung befeuert werden soll, wie es schonmal der Fall war, ist doch alles ok. Also Nazisymbolik ab und schon ist alles paletti. Ersatzabzeichen, Knopfgravuren usw. kann man sich auf jedem größeren Weihnachtsmarkt machen lassen. Ein Tipp: Manches Rammstein Merch sieht vom Stil her schon ganz passend aus. Die Uniform sieht ohne diese hässliche Armbinde sowieso deutlich besser aus. Wenn diese sich nicht sauber ablösen lässt, übernäht die am besten mit irgendeiner Pride Flag
    Ich hab lange überlegt ob ich hier in diesem Thread etwas schreiben möchte.

    "Jedem Tierchen sein Pläsierchen." heißt es so schön. Und das gilt für mich auch was Fetische und Kinks angeht.
    Die meisten von uns (eigentlich alle) können nix für unsere Fetische. Das was uns heiß und feucht werden lässt.
    Deswegen kann ich verstehen, wenn jemand darauf steht das der Partner eine Naziuniform trägt. Oder sogar Szenen aus der Zeit mit Kostüm nachspielt.
    Ein Anderer braucht getragene Socken dafür oder ein Latex-Outfit. Alles Sachen die für mich persönlich nicht in Frage kommen. Ich mag dafür ein luftiges Kleid im Sommer an meiner Partnerin und Sie einen Anzug an mir.
    Ich kann es also nachfühlen.

    Was ich nicht nachfühlen kann, ist das manchen hier nicht klar ist. Für was diese Uniform steht. Wie @Gordon schon schrieb für Millionen von getöteten Menschen. Für eine Ideologie, die einfach nur als Menschenverachtend zu beschreiben ist. (Und leider immer mehr wieder Platz in den Köpfen der Menschen findet.)

    Von mir aus sollen alle Zuhause machen was Sie wollen. Bekomme ich mit das jemand mit Naziuniformen BDSM betreibt, sind wir geschiedene Leute für immer.
    Wer meint auf einer Party so aufzutauchen, denn lass ich rausschmeißen oder geh selbst.

    Jeder der im Übrigen meint, so schlimm sind die Uniformen doch gar nicht. Jeder BDSMler wäre höchstwahrscheinlich auch einer der Millionen Toten gewesen. Alle BDSMler sind schließlich pervers.
    In unserer hektischen Welt muss man gelegentlich innehalten,
    um sich in aller Ruhe etwas Unanständiges auszudenken.
    :coffee:
    B. Traven

    SarahXel schrieb:

    Gordon schrieb:

    Dazu möchte ich anmerken: diese ach so tolle Authentizität ist teuer erkauft! An diesen Uniformen klebt Blut!

    Blut von Millionen Unschuldiger, Männer, Frauen und Kinder! Industrielle Tötung, Vernichtung!
    Muss man das hier wirklich so deutlich benennen? Ist es wirklich nötig, gerade aus diesem Wissen, Lust und Befriedigung zu ziehen?
    An nahezu sämtlicher Kleidung klebt heutzutage Blut. Ich glaube nicht, dass auch nur ein Näher meiner Kleidung vernünftige Arbeitsbedingungen hat. Auch wenn ich verstehe, dass es ein sensibles Thema ist, Überdramatisierung hilft niemanden weiter.

    Überdramatisierung? Im Angesicht dieses beispiellosen Verbrechens, das man als Holocaust oder Shoa bezeichnet? Das ganze als Wi...-Vorlage für den ultimativen Kick?

    Nein, @uniformer_Freidenker ging es hier nicht um irgendein Kleidungsstück, nicht um irgendeine Uniform, sondern die besondere „Authenzität“ gerade der SS-Uniform. Das „non-plus-ultra“, wie er selber schreibt.
    Ich habe mir einfach erlaubt, diese Worte deutlich zu übersetzen. Da gibt es nichts zu relativieren, er weiß ganz genau, was er tut. Und setzt es bewusst ein!

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Gordon ()

    Gordon schrieb:

    Da gibt es nichts zu relativieren, er weiß ganz genau, was er tut. Und setzt es bewusst ein!

    Und doch trägt er nur ein Kleidungsstück. Klar, die Bedeutung und die Geschichte des Kleidungsstücks machen einen besonderen Reiz für ihn aus und diese Bedeutung und Geschichte sind unbeschreiblich schrecklich.
    Aber er macht sich damit nicht gemein, er trägt nur ein Kleidungsstück.
    Ein Rapegame bezieht seinen besonderen Reiz ja auch daraus, dass in der Phantasie eine furchtbare Ebene mitschwingt, die in der Realität gerade nicht da ist und die man in der Realität auch nicht gutheißt.

    Wer nicht darauf steht, steht nicht darauf (ich ja auch nicht). Wer das nicht sehen will, hat dazu auch jedes Recht (ich möchte das auch nicht sehen).
    Daraus aber zu unterstellen, dass jemand nicht wüsste, für welches Leid die SS-Uniform steht, und jemanden aufzufordern, diesen Kink nicht einvernehmlich auszuüben, halte ich trotzdem für vermessen. Denn es ist nur ein Stück Stoff. Jeder Rohrstock ist gefährlicher als dieses Kleidungsstück.

    Nein, ich möchte keines der Verbrechen relativieren oder verharmlosen, die im Namen des Nationalsozialismus von überzeugten Nazis, aber auch von "ganz normalen Menschen" begangen wurden.

    Ich möchte auch nicht relativieren oder verharmlosen, wenn jemand aus Bewunderung dieser Verbrechen irgendeine Symbolik wiederverwendet. Jede Form von Glorifizierung der NS-Diktatur halte ich für ein massives gesellschaftliches Problem, dessen Bedeutung in den letzten Jahren wieder merklich zugenommen zu haben scheint.

    Was ich aber relativieren möchte, ist das Tragen eines Stücks Stoff in den eigenen vier Wänden in Gegenwart von Leuten, die damit einverstanden sind, zum Zweck der Befriedigung des Geschlechtstriebes.
    Plump auf den Punkt gebracht: wer sich worauf einen runterholt, ist nicht meine Angelegenheit. Das werde ich niemandem verbieten oder übelnehmen.
    Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

    ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
    Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
    Sollte es nicht jedem selbst überlassen werden, wie weit er für seinen persönlichen Kink geht und welcher Stylelemente er sich dafür bedient?

    Ich kann mir gut vorstellen, dass es genau dieser Tabubruch ist, der für diese Personengruppe den Reiz eines solchen Outfits ausmacht. Und da stellen die Uniformen aus der Nazizeit wohl die größtmögliche Fallhöhe dar.

    Im übrigen ist mir eine aufgeschlossene und weltoffene Person in Naziuniform tausendmal lieber, als ein idiologischer Nazi im Seidenanzug.

    Meines Erachtens macht der Mensch den Unterschied und nicht das, was er an Kleidung trägt.

    Dominantseptakkord schrieb:

    Plump auf den Punkt gebracht: wer sich worauf einen runterholt, ist nicht meine Angelegenheit. Das werde ich niemandem verbieten oder übelnehmen.
    Ich finde schon, daß es da Grenzen gibt... die nicht umsonst strafrechtlich verfolgt werden.
    Deswegen sollte man solche Sätze mit Bedacht formulieren.
    "Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen" Sigmund Freud

    Feuerpferd schrieb:


    Ich finde schon, daß es da Grenzen gibt... die nicht umsonst strafrechtlich verfolgt werden.Deswegen sollte man solche Sätze mit Bedacht formulieren.
    Bei einem so heiklen Thema habe ich natürlich mit Bedacht formuliert. Strafrechtlich verfolgt wird unter Umständen der Besitz bestimmter Gegenstände. Eine sexuelle Phantasie selbst aber zum Glück nicht.

    Ich will jetzt nicht zu rechtstheoretisch werden, aber das Besitzverbot von Nazi-Propagandamaterial soll die Verherrlichung des Nationalsozialismus erschweren. Der Gesetzgeber hatte sicher nicht mal auf dem Schirm, dass das für manche Menschen sexuell erregend sein könnte.
    Auch der berüchtigte Kannibale von Rothenburg wurde ja nicht für seinen Fetisch verurteilt, sondern weil er einen Menschen getötet hat. Phantasieren darf man in Deutschland zum Glück über alles.

    Wir sind ein BDSM-Forum, dessen Mitglieder fast alle mit dem Vorurteil zu kämpfen haben, dass ihre Phantasien krank seien und verboten gehören würden. Ich finde es schade, wenn sich jemand öffnet und uns eine wirklich intime und wirklich außergewöhnliche Phantasie anvertraut, und er lautstark als krank, schrecklich und geschichtsvergessen bezeichnet wird.
    Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

    ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
    Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
    Kann mir mal bitte jemand erklären, aus welchem Grund ich jemanden bzw. seinen Kink respektieren soll, der keinen Respekt vor den achtlos Getöteten des Naziregimes hat?

    Ja, jeder soll seinen Kink/Fetisch frei ausüben dürfen. Dieses Recht nehme ich mir heraus, also muss ich es auch anderen BDSMlern zugestehen.
    Für mich gibt es aber bei aller freien Ausübung von BDSM auch Grenzen.
    Eine Naziuniform stellt eine solche Grenze dar. Für mich ist das missbrauchen einer solchen Uniform und dem für was Sie steht auch ein Missbrauch der Menschen die unter den Nazis leiden und sterben mussten.
    Bei jedem der so sehr von seinem Fetisch beherrscht wird, dass ihm das nicht klar wird. Da stellt sich mir Frage ob ich mit dieser Person Kontakt haben möchte.
    Ich für mich möchte das nicht. Wer nicht genügend Respekt hat um auf eine solche Spielart zu verzichten, der hat meiner Meinung nach auch nicht genug Respekt vor mir oder anderen Dingen.
    Damit bin ich auch raus aus dem Thema.

    Ich hoffe keiner hier in diesem Forum macht sich zum Sklave seines Fetischs.
    In unserer hektischen Welt muss man gelegentlich innehalten,
    um sich in aller Ruhe etwas Unanständiges auszudenken.
    :coffee:
    B. Traven
    Mich reizt die Vorstellung überhaupt nicht. Ganz davon abgesehen, dass die Hintergründe / die Geschichte, die mit der SS-Uniform in Verbindung steht, das absolute Grauen ist, mit dem ich schlicht und ergreifend nichts zu tun haben will, gibt mir der Anblick einer solchen Uniform einfach nichts. Ich verbinde sie mit 'etwas Bösem' - aber nicht mit der Art von 'böse', die ich geil finde.

    Authentizität? Dominanz? Ganz ehrlich? Nein, ich empfinde das nicht so. Würde mein Herr eine (solche) Uniform tragen, hätte er sich verkleidet. Mehr nicht. Er würde jemanden oder etwas darstellen, der/was er nicht ist. Da finde ich ihn in Jeans und Hemd doch um einiges authentischer. Dann ist er nämlich er selbst - und genau das will ich. Kein Schauspiel. Das regt mein Kopfkino ehrlich gesagt kein bisschen an. Natürlich kann man Dominanz mithilfe von Kleidung optisch unterstreichen oder verstärken, aber das, was ich wirklich als Dominanz empfinde und brauche, ist in seinen Augen und seinen Bewegungen sichtbar, in seiner Stimme hörbar, in seinem Umgang mit mir spürbar. Wäre das nicht gegeben, hätte auch eine noch so böse Uniform keinen Effekt. ^^ Ein ehrliches, sadistisches Blitzen in den Augen gibt mir mehr als eine Inszenierung. Und wenn es sich bei dieser Inszenierung auch noch um Geschichten aus der Nazizeit handelt, könnte ich daraus erst recht keine Lust ziehen, sondern würde mich abwenden.

    Dominantseptakkord schrieb:

    Ich will jetzt nicht zu rechtstheoretisch werden, aber das Besitzverbot von Nazi-Propagandamaterial soll die Verherrlichung des Nationalsozialismus erschweren.
    Ich wollte nicht zu deutlich werden, ergänze dann aber mal meine obige Bemerkung: Es geht mir nicht (nur) um Nazisymbole.
    "Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen" Sigmund Freud
    Mich kicken Uniformen nicht so, dass ich mir da je Gedanken drüber machen musste.

    Ich finde es aber spannend, wie die Diskussion hier geführt wird.

    Es gibt so viele Bereiche, wo man dann auch ein "Fass aufmachen" müsste.
    Es gibt Bfsm-ler die darauf stehen, das Sub im Schulmädchen-Outfit sich den Hintern versohlen lässt. Angesichts der vielen Missbrauchsfälle müsste auch das dann geächtet werden, ebenso diverse Rapegames.

    Es sind unter dem Strich alles Rollenspiele und ich gehe davon aus, dass es der Kick mit der Grenze ist.
    Es sind keine Pädophile, keine Vergewaltiger und keine Nazis.

    Wenn zwei oder mehr Menschen ihren Kink ausleben ohne andere damit in ihrer Freiheit einzuschränken, ist es eine ganz persönliche Angelegenheit.

    Ich finde es spannend zu lesen, was andere dabei kickt.

    Lokipetta schrieb:

    Und ich darf jemandem sehr wohl übel nehmen, worauf er sich einen runterholt.
    Eins vorab, wie schon irgendwo weiter vorne geschrieben, es ist nichts was ich mir für mich vorstellen könnte. Aber, das unterstelle ich jetzt einfach mal, wird mit dieser Uniform in unserem Kontext niemand ein politisches Statement setzen wollen. Zu oben zitierte Aussage: mir persönlich fehlt das Verständnis dafür (wie bei so manchen Sachen), aber ich nehme es niemandem übel.
    Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen. Astrid Lindgren

    Dominantseptakkord schrieb:

    Gordon schrieb:

    Da gibt es nichts zu relativieren, er weiß ganz genau, was er tut. Und setzt es bewusst ein!
    Und doch trägt er nur ein Kleidungsstück. Klar, die Bedeutung und die Geschichte des Kleidungsstücks machen einen besonderen Reiz für ihn aus und diese Bedeutung und Geschichte sind unbeschreiblich schrecklich.
    Aber er macht sich damit nicht gemein, er trägt nur ein Kleidungsstück.
    In seinem Rollenspiel setzt er dieses Kleidungsstück bewusst ein! Er benutzt es, die besondere Bedeutung, der ganze Schrecken schwingt gewollt mit. Woraus dieser besteht und sich speist, habe ich einfach deutlich benannt. Klarkommen muss er damit letztlich selber.



    Dominantseptakkord schrieb:

    Was ich aber relativieren möchte, ist das Tragen eines Stücks Stoff in den eigenen vier Wänden in Gegenwart von Leuten, die damit einverstanden sind, zum Zweck der Befriedigung des Geschlechtstriebes.
    Plump auf den Punkt gebracht: wer sich worauf einen runterholt, ist nicht meine Angelegenheit. Das werde ich niemandem verbieten oder übelnehmen.
    Naja, er hat ja schon irgendwie seine „vier Wände“ verlassen und seinen Fetisch hier mit uns, in einem öffentlichen Forum geteilt. Sich bewusst einer Diskussion gestellt, was ich nebenbei betrachtet mutig finde.
    Dennoch: ich sehe hier Grenze überschritten, ich persönlich muss diesen speziellen Kink nicht gutheißen.
    In jedem Fall war es mir ein Anliegen, in deutliche Worte zu fassen, um was es hier geht!
    Einige von uns haben Phantasien, die grenzwertig sind oder gar Grenzen überschreiten. Manche davon sollte meines Erachtens nach aus verschiedenen Gründen nicht ausgelebt werden. Diese gehört dazu. Und zwar aus Respekt vor den Opfern.
    "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)

    "Ich hasse, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst." Evelyn Beatrice Hall

    Louise schrieb:

    Einige von uns haben Phantasien, die grenzwertig sind oder gar Grenzen überschreiten. Manche davon sollte meines Erachtens nach aus verschiedenen Gründen nicht ausgelebt werden. Diese gehört dazu. Und zwar aus Respekt vor den Opfern.
    Wie viele bezeichnen sich denn als Sklave/Sklavin? Oder als Sklavenhalter? Wie oft lese/höre ich „meine Sklavon/mein Sklave“. Dürfte man doch eigentlich auch nicht aufgrund der geschichtlichen Hintergründe und aus Respekt vor den Opfern.
    Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen. Astrid Lindgren

    Abigail schrieb:

    Wie viele bezeichnen sich denn als Sklave/Sklavin? Oder als Sklavenhalter? Wie oft lese/höre ich „meine Sklavon/mein Sklave“. Dürfte man doch eigentlich auch nicht aufgrund der geschichtlichen Hintergründe und aus Respekt vor den Opfern.
    Da bin ich ganz bei Dir.

    Ich denke, das Schicksal der Sklaverei ist uns weniger nah als das unserer eigenen, näheren Geschichte. Wahrscheinlich deshalb ist der Aufschrei bei Sklave/ Sklavin/ Sklavenhalter geringer als bei dem Thema dieses Threads. (In - z. B. - den USA mag das möglicherweise genau andersrum sein?) Das finde ich nicht verwunderlich, bin aber, wie gesagt, ganz bei Dir. Vor allem dann, wenn versucht wird, das, was hier einvernehmlich gelebt wird, mit tatsächlicher - historischer und aktueller - Sklaverei zu vergleichen bzw. gleichzusetzen. Da platzt mir persönlich die Hutschnur.
    "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)

    "Ich hasse, was du sagst, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst." Evelyn Beatrice Hall

    Mr. Cane schrieb:

    Im übrigen ist mir eine aufgeschlossene und weltoffene Person in Naziuniform tausendmal lieber, als ein idiologischer Nazi im Seidenanzug.
    Es fällt mir schwer, mir vorzustellen, das eine wirklich aufgeschlossene und weltoffene Persönlichkeit außgerechnet dies zu seinen Kink erhebt.
    Ich sehe darin eher ein "im Rahmen eines Fetisches (NS-Uniform) auslebbares Inneres". Und vorallem mit solchen Symbol.- und Geschichtsträchtigen Dingen habe ich echt meine Bedenken. Auch in den eigenen vier Wänden.

    Mr. Cane schrieb:

    Meines Erachtens macht der Mensch den Unterschied und nicht das, was er an Kleidung trägt.
    Für mich stellt sich hier die Frage was der Mensch macht. Er trägt es nicht nur freiwillig. Es erregt ihn ja auch noch.

    Abigail schrieb:

    Wie viele bezeichnen sich denn als Sklave/Sklavin? Oder als Sklavenhalter? Wie oft lese/höre ich „meine Sklavon/mein Sklave“. Dürfte man doch eigentlich auch nicht aufgrund der geschichtlichen Hintergründe und aus Respekt vor den Opfern.
    Viele. Sehr viele.
    Jedoch finde ich, das auf der passiven Seite hinter dem Begriff "Sklave" sehr oft eine gewollte ohnmächtige, romantische Idee steht. Auf der aktiven Seite, als "Sklavenhalter", jedoch die Illusion von Macht.
    Für beide Seiten bräuchte man diese Begrifflichkeit nicht wirklich.

    Sklaven waren für ihre Besitzer in erster Linie einmal Kapital. Und Kapital zerstört man nicht einfach so mir nichts dir nichts.
    Natürlich gab es auch Auswüchse, wie auch in der SM-Szene, aber sie waren nicht die Regel.
    Sklave sein hies in erster Linie schwere Arbeit verrichten. Für wenig Lohn oder nur für Unterkuft und Verpflegung. Was nebenbei bemerkt bei freien Bürgern auch nicht viel anders war. Natürlich gab es für Sklaven keine Rechte oder nur sehr wenige . Dies war aber bei den Leibeigenen in Europa bis Mitte des 19. Jahrhunderts auch nicht anders.

    Einer der Hauptunterschiede zwischen Sklaventum und dem tragen einer SS-Uniform ist unter anderem die Zahl der Opfer. In den ersten 150 Jahren seit Gründung der USA gab es dort ca. 15.000 tote Sklaven durch Gewalt oder Strafeinwirkung seites ihrer Besitzter. In den 12 Jahren des NS-Regimes ca. 6.000.000.

    Nur mal so als kleiner Gedankengang.

    Dominantseptakkord schrieb:

    Wir sind ein BDSM-Forum, dessen Mitglieder fast alle mit dem Vorurteil zu kämpfen haben, dass ihre Phantasien krank seien und verboten gehören würden. Ich finde es schade, wenn sich jemand öffnet und uns eine wirklich intime und wirklich außergewöhnliche Phantasie anvertraut, und er lautstark als krank, schrecklich und geschichtsvergessen bezeichnet wird.
    Ja. Wahrscheinlich haben wir alle irgendwie mit Vorurteilen zu kämpfen durch unsere Neigung.
    Das beinhaltet für mich persönlich jedoch nicht, das ich alles und jeden tolerieren muß. Ich rufe mal in Erinnerung das hier schon ganz heiße Debatten waren wegen extremer Ansichten über "machbare Praktiken" bzw. über extreme Ansichten bezüglich des submessiven Partes. Diese hätte dann logischer und konsquenter Weise auch nicht führen brauchen sonder nur tolerieren.

    Mein Halber Cent dazu.

    Louise schrieb:

    Da bin ich ganz bei Dir.
    Ich denke, das Schicksal der Sklaverei ist uns weniger nah als das unserer eigenen, näheren Geschichte. Wahrscheinlich deshalb ist der Aufschrei bei Sklave/ Sklavin/ Sklavenhalter geringer als bei dem Thema dieses Threads. (In - z. B. - den USA mag das möglicherweise genau andersrum sein?) Das finde ich nicht verwunderlich, bin aber, wie gesagt, ganz bei Dir. Vor allem dann, wenn versucht wird, das, was hier einvernehmlich gelebt wird, mit tatsächlicher - historischer und aktueller - Sklaverei zu vergleichen. Da platzt mir persönlich die Hutschnur.
    Aber das (das markierte) passiert doch gerade hier. Es wird ein Bezug zu den historischen Ereignissen hergestellt der in der Form gar nicht gegeben sein dürfte.
    Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen. Astrid Lindgren