Prostitutionsgesetz: Diskussion über den Sinn und die Auswirkungen auf die Szene

      Louise schrieb:

      Auch da bin ich zur Gänze bei Dir, allerdings wird bei einem Verbot von Prostitution an sich kein Urteil über Dein persönliches Verhältnis zu Daria (o. anderen) gefällt, sondern über die Prostitution an sich. Du und diejenigen, die ihre Dienste gern und freiwillig anbieten, sind Leidtragende der Tatsache, das Prostitution nicht selten Hässliches zu Tage führt.
      Das hast du gut auf den Punkt gebracht und genau deshalb fordere ich (wie auch Daria selbst und andere organisierte Sexarbeiterinnen) ein Mindestmaß an Differenzierung in der politischen Debatte, das finde ich nicht zu viel verlangt.

      Adrian_2015 schrieb:

      Das hast du gut auf den Punkt gebracht und genau deshalb fordere ich (wie auch Daria selbst und andere organisierte Sexarbeiterinnen) ein Mindestmaß an Differenzierung, auch in der politischen Debatte, das finde ich nicht zu viel verlangt.
      Und wie soll eine Differenzierung in der Praxis aussehen? Wie soll freiwillige von erzwungener Prostitution unterschieden werden? Frauen, welche von ihren Zuhältern gezwungen werden, dürften von eben diesen genauestens instruiert werden, wie sie angebliche Freiwilligkeit suggerieren.

      Ich glaube/ fürchte, es gibt nur ein "ganz oder gar nicht", wobei ich zum Glück nicht in der Position bin, hierüber ein Urteil fällen zu müssen. Ich bin den (freiwilligen) Prostituierten nämlich sehr dankbar, dass sie ihren Job machen und damit ziemlich sicher des Öfteren viel Leid zu verhindern helfen.
      "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)
      @Adrian_2015

      Ich habe deine Geschichte hier auch verfolgt, und verstehe den Konflikt in dem du damit kommst und bedauere es sehr für dich.
      Gleichzeitig muss der Gesetzgeber eine Abwägung treffen: Er wird es niemals schaffen allen Individuen gerecht zu werden und irgendwo muss eine Grenze gezogen werden. Die Konsequenz wird immer sein, dass man eine Fehlerquote hat. Man kann nur variieren, welcher Fehler wahrscheinlicher wird. Die zwei Fehler, zwischen denen man abwägt sind:
      1. moralisch korrekte "Prostitutionskontakte" die fehlerhaft illegal werden und
      2. Prostitution unter Zwang, die weiterhin kaum zu unterbinden ist.


      Bei allem Mitgefühl, dass ich und wie es sich liest viele Weitere für dich empfinden - um Prostitution unter Zwang maximal zu vermindern finde ich es korrekt, den 1. Fehler vermehrt in Kauf zu nehmen.

      Rehlein schrieb:

      Bei allem Mitgefühl, dass ich und wie es sich liest viele Weitere für dich empfinden - um Prostitution unter Zwang maximal zu vermindern finde ich es korrekt, den 1. Fehler vermehrt in Kauf zu nehmen.

      Ich finde es nicht korrekt und ich werde weiterhin mit aller Kraft dagegen anargumentieren, soweit mir das möglich ist, weil ich weiß, dass ich mir nichts vorzuwerfen habe und auch in Zukunft nichts vorzuwerfen haben werde. Hier noch mal mein Gastbeitrag bei Daria, den ich schon eine Seite zuvor verlinkt habe:

      miss-daria.de/kommentar-eines-lieben-gastes-zum-prostschg/

      Viel mehr kann ich aus der Anonymität des Internets heraus leider nicht tun. ;( Ich bin aber sicher, ich spreche nicht nur für mich, sondern auch für Andere!

      Ein bisschen mehr Solidarität hätte ich mir da unter BDSM-lern schon erhofft, wenn ich ehrlich bin, was aber ebenfalls nicht als Vorwurf oder Angriff gegen irgendwen gemeint ist. es ist trotzdem nicht leicht für mich verdauen, wenn einige es tatsächlich richtig finde, wenn ich mit meiner ganz persönlichen Art Sexualität zu erleben, vielleicht bald kriminalisiert werde - und dafür im Extremfall vielleicht auch ins Gefängnis gehen könnte. Noch ist es zum Glück nicht so weit und noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass es vielleicht auch gar nicht dazu kommt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Adrian_2015 ()

      Adrian_2015 schrieb:

      Ein bisschen mehr Solidarität hätte ich mir da unter BDSM-lern schon erhofft, wenn ich ehrlich bin, was aber ebenfalls nicht als Vorwurf oder Angriff gegen irgendwen gemeint ist.
      Gerne würde ich Dir diese Solidarität uneingeschränkt entgegen bringen! Da meine einzige persönliche (berufliche) Berührung mit dem Thema (Prostitution) mir jedoch ausschließlich die dunkle Seite derselben zeigte, sehe ich es von einer anderen Perspektive, von der, die Betroffene zu schützen versucht und diese Seite existiert nun mal auch bei diesem Thema und ist leider nicht nur Randerscheinung.

      Vielleicht findet sich tatsächlich ein Weg, der beiden Seiten der Medaille einigermaßen gerecht wird, es wäre sehr wünschenswert! Ich bin grundsätzlich gegen zu viel Regulierung, Vorschriften und Verbote, deshalb bin ich an sich total bei Dir, nur lässt sich leider die andere Seite auch nicht verleugnen und eine Aufgabe des Staates ist es bzw. muss es sein, diejenigen zu schützen, die es selbst nicht können (hier wiederhole ich mich).

      Wie sich dies in der Praxis erweisen sollte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich bin überzeugt, dass sich Prostitution nicht verbieten lässt, so wie die Prohibition auch nicht funktionierte.
      "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)
      Danke @Louise, dass du versuchst, mich zu trösten und doch noch eine Brücke zu bauen zwischen zwei Polen, die wirklich nicht leicht miteinander in Einklang zu bringen sind.

      Trotzdem muss ich damit rechnen, dass ich meiner Neigung vielleicht irgendwann nur noch heimlich und illegal nachgehen kann, das ist kein schönes Gefühl.

      Adrian_2015 schrieb:

      Trotzdem muss ich damit rechnen, dass ich meiner Neigung vielleicht irgendwann nur noch heimlich und illegal nachgehen kann, das ist kein schönes Gefühl.
      Ich bin schon ein paar Jährchen auf der Welt und ich wage Dir zu versichern, dass "nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird". Ich denke, es ist richtig und gut, dass Du mit Daria und ihren Kolleginnen für Dich/ Euch sowie weitere für Euren Wunsch einer Differenzierung kämpft und sollte es tatsächlich irgendwann zu einem Verbot kommen, wird der Gesetzgeber Hintertürchen öffnen. Irgendwie tut er dies fast immer.

      Nur als Beispiel: jemandem etwas gegen seinen Willen wegzunehmen, ist gegen das Gesetz. Je nachdem wird es aber gänzlich unterschiedlich beurteilt: Mundraub, Diebstahl, Raub und was es nicht noch alles gibt.
      "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)

      Louise schrieb:

      und sollte es tatsächlich irgendwann zu einem Verbot kommen, wird der Gesetzgeber Hintertürchen öffnen. Irgendwie tut er dies fast immer.

      Das ist auch meine Hoffnung. Ich würde mir z.B. sehr wünschen, dass Sexualbegleitung/Sexualassistenz erlaubt bleibt. Vieles, was Daria mir gemacht hat, kann man ja tatsächlich diesem Bereich zuordnen, zumal sie ja auch eine therapeutische Ausbildung hat. Das wäre eine von mehreren Möglichkeiten, wie man vielleicht ein wenig Differenzierung in die Debatte bringen könnte, bei der alle Seiten ihr Gesicht wahren können.

      Adrian_2015 schrieb:

      Das Phänomen des kollektiven, paranoiden Hexenwahns (in diesem Fall gegenüber Menschen, die Sexarbeit in Anspruch nehmen) hat die Mitte der Gesellschaft erreicht und scheint so langsam gesellschaftsfähig zu werden.

      Adrian_2015 schrieb:

      Trotzdem, was sich zwischen Daria (oder einer anderen Domina) und mir abspielt, darüber kann nur jemand urteilen, der uns beide und die Art, wie wir miteinander umgehen, kennt; der uns in diesem Kontext auch persönlich erlebt hat. Das sind nur sehr wenige. Alle Anderen haben kein Recht, darüber ein moralisches Urteil zu fällen.
      Auf der einen Seite schreibst du, dass man keine moralischen Urteile über andere fällen sollte, deren Situation man nicht kennt, auf der anderen Seite fällst du selber solche Urteile. Woher willst du wissen, dass jene die diesen Gesetzesvorschlag gemacht haben, nicht direkt oder indirekt Erfahrung mit diesem Gewerbe haben oder sich sehr intensiv mit Betroffenen ausgetauscht haben und nein mit Betroffenen meine ich sicher nicht die Freier sondern die Sexworker selbst.

      Weiterhin bezweifel ich ganz stark, dass du sagen kannst welche psychologischen Folgen die Arbeit als Sexworker für deine Domina hat und es ist unmöglich zu sagen welche Langzeitfolgen es haben könnte, dass sie Sexworkerin ist. Ich finde es gefährlich hier zu sagen, es ist alles super bei ihr, du zahlst Geld und es ist ihr Job dafür zu sorgen, dass du dich wohlfühlst, Sexworker sind in der Regel eben auch Schauspieler und meist keine so schlechten. Das ist nicht böse gemeint aber es ist ihr Job, wenn ein Freier ankommt will er Spaß haben und nicht hören, meine Oma ist gerade verstorben. Als Kunde wirst du kaum die Wahrheit erfahren und nur das sehen, was du eben sehen sollst. Aber selbst wenn du einer der ganz wenigen Ausnahmen sein solltest, die hinter die Fasssade als Freier blicken können, auch dann kannst du nicht sagen, was das Gewerbe für psychische und gesellschaftliche Folgen für sie in einigen Jahren oder gar Jahrzehnten haben wird.

      Was du sagen kannst ist, was sie dir aktuell bedeutet und das scheint sehr viel zu sein.

      Adrian_2015 schrieb:

      Ein bisschen mehr Solidarität hätte ich mir da unter BDSM-lern schon erhofft, wenn ich ehrlich bin, was aber ebenfalls nicht als Vorwurf oder Angriff gegen irgendwen gemeint ist.
      Warum sollten BDSMler nicht auch ein differenziertes Bild zu der Sache haben und nicht nur Schwarz/Weiß denken? Ich sehr hier keine Angriffe sondern durchaus auch viel Unterstützung für deine Position. Sieh doch mal was ich geschrieben habe, ich habe mich recht deutlich gegen ein solches Verbot ausgesprochen aber eben auch angemerkt, dass es Argumente gibt, die eben für die andere Ansicht sprechen. Wenn man nicht offen für Perspektiven anderer ist sollte man nicht erwarten, dass diese offen für die eigene Perspektive sind.

      Adrian_2015 schrieb:

      wenn ich mit meiner ganz persönlichen Art Sexualität zu erleben, vielleicht bald kriminalisiert werde

      Adrian_2015 schrieb:

      Trotzdem muss ich damit rechnen, dass ich meiner Neigung vielleicht irgendwann nur noch heimlich und illegal nachgehen kann, das ist kein schönes Gefühl.
      Also ich nahm bisher immer ein, deine Neigung ist eben Switcher. Um deine devote Seite ausleben zu können zahlst du Geld. Soweit ich das verstehe ist deine Neigung nicht dass du den Kick daraus ziehst für BDSM Geld zu zahlen. Solch eine Neigung gibt es auch aber ich habe deine Beiträge immer anders verstanden. Wenn der Kick also nicht das Bezahlen einer Dame für BDSM, sondern BDSM selbst ist, dann verbietet dir der Staat nicht BDSM zu betreiben. Würde das Gesetz kommen, würde er dir nur verbieten deine Vorliebe gegen Zahlung von Geld auszuleben. Wenn Daria das Spiel mit dir auch bräuchte, würde sich an eurem BDSM wahrscheinlich nicht viel ändern, dann würdet ihr nach einer solchen Gesetzesreform ja immer noch BDSM betreiben nur ohne Geld und sie hätte dann einen anderen Job. Das wäre aber wahrscheinlich nicht der Fall und damit ist klar sie macht es wegen dem Geld und hier setzen die Befürworter eines Verbotes an, sie sehen eben nicht nur den Zuhälter als Zwang an, sondern auch ein wirtschaftliche Zwänge, wie als Domina so und so viele Kunden zu haben um sich finanzieren zu können.


      Klar wäre es toll, wenn in jedem Einzelfall nun geprüft werde, was überwiegt, wie freiwillig ist es. Dies wird aber kaum möglich sein und an der Stelle ein Beispiel aus meiner Kindheit. Ich fand es total unfair, dass mein Nachbar (zwischen uns lag eine Wiese von ca 40. Meter Breite) mit dem Bus zur Schule fahren durfte, ich aber nicht. Man zog einen Kreis um die Schule und alle die weiter als x Kilometer entfernt waren durften mit dem Bus fahren, alle anderen nicht. Schon als Kind verstand ich das Prinzip (ok fand es erstmal aber auch unfair), dass der Beamte nun nicht jeden Schulweg einzeln abmessen konnte, um den exakten Wert zu bestimmen, denn weil ich ein einer Sackgasse wohnte hatte ich es mit dem Fahrrad sogar noch weiter als er, der an einer Straße wohnte die direkt in Richtung Schule ging), zumal es damals kein Googlemaps gab. Gesetze müssen praktikabel sein und weiche Faktoren sind einfach nicht praktikabel. Und nur zur Sicherheit ich bin gegen ein Prostitutionsverbot und ich glaube nicht dass man von einem Regionalverband einer Partei, die aktuell wohl die viertstärkste Kraft im Bund wäre bei einer Wahl, auf die Gesetzsentwicklung der Zukunft schließen sollte. Wenn du meinst es wäre unfair, dann schreib doch an die Abgeordneten die sich für das Verbot stark machen, aber sprich besser nicht von Hexenjagd und ähnlichen, sonst versperrst du dir mehr Türen als du öffnest.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff

      Gentledom schrieb:

      Man zog einen Kreis um die Schule und alle die weiter als x Kilometer entfernt waren durften mit dem Bus fahren, alle anderen nicht.
      genau so ging es mir auch :cursing:

      Gentledom schrieb:

      was das Gewerbe für psychische und gesellschaftliche Folgen für sie in einigen Jahren oder gar Jahrzehnten haben wird.
      das sind auch noch wichtige Themen ... soweit ich weiß, zahlen Prostituierte oft nicht unbedingt in die Renten- und/ oder Krankenkasse etc. ein. Dies bedeutet, dass sie später, wenn sie älter werden, nicht oder nur unzureichend für das Alter vorgesorgt haben und mit hoher Wahrscheinlichkeit in die Grundsicherung fallen. Und auch psychisch stelle ich mir die Prostitution nicht "einfach" vor.
      "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)

      Gentledom schrieb:

      Auf der einen Seite schreibst du, dass man keine moralischen Urteile über andere fällen sollte, deren Situation man nicht kennt, auf der anderen Seite fällst du selber solche Urteile. Woher willst du wissen, dass jene die diesen Gesetzesvorschlag gemacht haben, nicht direkt oder indirekt Erfahrung mit diesem Gewerbe haben oder sich sehr intensiv mit Betroffenen ausgetauscht haben und nein mit Betroffenen meine ich sicher nicht die Freier sondern die Sexworker selbst.
      Ich bestreite ich nicht, dass viele ganz sicher auch Einblicke in die Szene haben werden, aber sie haben keine Erfahrung mit Daria, mit mir oder mit anderen Dominas und Bizarrladies, die ich besucht habe. Deshalb haben sie meiern Meinung nach auch kein Recht, jeden Einzelfall pauschal zu kriminalisieren.

      Das mit der "Hexenjagd" war polemisch, das gebe ich zu, entsprang aber meiner persönlichen Verärgerung darüber, dass es solches Gesetz (wenn es denn kommen sollte) auch mich ganz persönlich kriminalisieren würde. Darüber darf ich mich zu Recht ärgern, finde ich.
      :gruebel: Ganz doof finde ich ja, dass nicht jede/r einzelne BundesbürgerIn befragt wird, bevor ein neues Gesetz erlassen wird :D . Es wird bei jedem Gesetz Menschen geben, die danach besser dastehen, und welche, die danach schlechter dran sind. Ich begrüße ein solches Gesetz im Hinblick auf Zwangsprostitution, sehe es aber wie @Louise, Stichwort Prohibition.
      Wenn es stimmt, dass die Evolution zu immer höherer Perfektion strebt, welchen Sinn haben dann die Generationen nach mir? :gruebel:

      Adrian_2015 schrieb:

      Ich bestreite ich nicht, dass viele ganz sicher Erfahrung mit Prostitution haben werden, aber sie haben ganz sicher keine Erfahrung mit Daria, mit mir oder mit anderen Dominas und Bizarrladies, die ich besucht habe. Deshalb haben sie meiern Meinung nach auch kein Recht auf verallgemeinernde Pauschalurteile.
      Sollen Politiker nun mit jedem persönlich reden, der von der Entscheidung betroffen sein würde? Dann müsste er mit über 80 Millionen Menschen reden, wenn es um die Mehrwertsteuer, Umweltpolitik, Geschwindigkeitsbegrenzungen, usw geht. Es würde gar kein neues Gesetz geben. Aber vor allem eins: Es tut mir leid, ich kann aber in dem von dir verlinkten Beitrag kein Pauschalurteil lesen.

      Wobei ich gerade neugierig war... wenn sie wirklich das schwedische Modell einführen, haben Daria und du mal geschaut, wie das derzeit in Schweden mit Dominas ist... zu meiner Verwunderung habe ich etliche BDSM Studios gefunden, also das Modell scheint in Bezug auf BDSM durchaus offen zu sein.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff

      Gentledom schrieb:

      Wobei ich gerade neugierig war... wenn sie wirklich das schwedische Modell einführen, hat Daria und du mal geschaut, wie das derzeit in Schweden mit Dominas ist... zu meiner Verwunderung habe ich etliche BDSM Studios gefunden, also das Modell scheint in Bezug auf BDSM durchaus offen zu sein.
      Okay, das war mir neu! :golly:

      Wenn BDSM-Studios auch in Schweden weiterhin erlaubt sind, dann nehme ich meine Kritik zurück bzw. relativere sie deutlich. Ich weiß nur, dass die Tätigkeit von Dominas hierzulande als "Prostitution" gilt. Es sind ja auch (soweit ich das überblicken kann) überproportional viele Dominas darunter, die sich gegen den Gesetzesvorschlag aussprechen, weil sie Angst um ihren Beruf bzw. um ihre Kundschaft haben.

      Deshalb bin ich davon ausgegangen, dass ein solches Gesetz hier Deutschland auch den BDSM-Bereich betreffen würde. Wenn es nicht so sein sollte, dann umso besser! :)

      Louise schrieb:

      Wie sich dies in der Praxis erweisen sollte, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ich bin überzeugt, dass sich Prostitution nicht verbieten lässt, so wie die Prohibition auch nicht funktionierte.
      Ich hätte da ganz große Bedenken, dass die Zahl der Vergewaltigungen zunehmen würde. Wenn es dann sowieso illegal wäre, gäbe es mit Sicherheit mehr Menschen als heutzutage, die sich sagen: "Warum soll ich für etwas zahlen, was ich umsonst haben kann?"
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -

      Isegrim_w_devot schrieb:

      Ich hätte da ganz große Bedenken, dass die Zahl der Vergewaltigungen zunehmen würde
      Diese Bedenken teile ich - ich bin überzeugt, ein Verbot von Prostitution macht unsere Straßen (v. a. nachts) alles andere als sicherer für Frauen, wobei ich eh schon nachts nicht mehr allein durch die Stadt gehe, diese Zeiten scheinen vorbei, oder ich bin mittlerweile so alt geworden, dass ich mir der Gefahren bewusster bin als in jungen Jahren und meine Risikobereitschaft abgenommen hat :gruebel:
      "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)
      Ach Gesetze und Beschlüsse ,
      das kann ewig dauern .
      Nicht alle werden real und bewirken tatsächlich Änderungen .
      Mir fällt jedesmal ein ,wie lange wird jetzt schon versucht den Pflegenotstand zu beheben ?
      Und ich möchte nicht wissen wieviele Entscheidungsträger sich damit gern Zeit lassen , egal ob sie jeweils betroffen wären oder nicht .
      Natürlich vertrete ich trotzdem die Einstellung ,die Ausübung von Zwang zur Prostitution gehört hart bestraft .
      Ich habe in meinem Beruf ja viel mit Menschen zu tun und habe auch auf diesem Wege jemanden kennen gelernt, die Beruflich der Prostitution nach geht. Ich finde das Gesetz, was diesen Beruf legal macht, gar nicht so schlecht es dient ja der Sicherheit der Berufsgruppe.
      In diesem Fall aber muss ich sagen ist es doch sehr merkwürdig, wenn dieses Gesetz jetzt raus käme, das es unter Strafe gestellt wird, wenn man eine Prostituirte aufsucht da man nicht sicher sein kann ob sie es nicht unter Zwang mache und sei es nur weil sie finanzielle Nöte hat.
      Die Dame hatte nämlich versucht auszusteigen, da sie es jetzt schon seit über 20 Jahre macht. Sie hat sich zwei Jahre lang damit beschäftigt damit sie eben nicht ohne einer Arbeit usw. da steht. Ist also weil sie sich ihre Umschulung nicht komplett selber finanzieren konnte zum Arbeitsamt gegangen um sich beraten zu lassen. Letztendlich war die Aussage der Angestellten, das sie keine Unterstützung bekomme da sie ja einen gut bezahlten Job hätte und somit keine Notwendigkeit vorliege.
      Ganz ehrlich die Dame wurde also von einem Amt selber dazu genötigt, diesem Beruf weiter nach zu gehen. In meinen Augen müsste die Politik viele Gesetze und Richtlinien erstmal ändern um so ein Gesetz zu beschließen damit solche Dinge nicht passieren.