Was ist ein Mindgame?

      Was ist ein Mindgame?

      Was verstehen unsere Mitglieder unter dem Begriff Mindgame im Kontext BDSM? Hier kann jeder seine Definition einstellen, denn BDSM ist viel aber keine DIN-Norm.

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      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff

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      Beim Mindgame wird mit der Fantasie der oder des Subs gespielt. Es geht darum eine Situation zu erschaffen, bei dem er oder sie nicht mehr unterscheiden kann was real und was eingebildet ist. Es kann dabei mit Lügen, Simulationen, Sinnesentzug, eingeweihten Dritten und auch Emotionen wie Angst und Erwartungen gespielt werden. Einige nennen ein Mindgame auch Mindfuck, da sich elementare Bestandteile der Situation in Subs Kopf abspielen.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      Subtiler Terror kann eine mächtige Waffe sein …

      Das Wort und die Gedanken können viel größere Bedrohungsszenarien erzeugen als eine Peitsche …

      Die Spanne bei den Mindgames, bei denen Sub etwas vorgegaukelt wird – das dann tatsächlich eintreten kann oder auch nicht – reicht von einzelnen Aktionen während einer Session über die Gestaltung einer ganzen Session bis zu Aktionen außerhalb von Sessions. Das können auch fiese Psychospiele mit Androhungen von heftigen Sanktionen sein, die über mehrere Tage laufen und Sub kaum zur Ruhe kommen lassen. Beispiele für Aktionen während einer Session folgen weiter unten.

      Am besten funktionieren die körperbezogenen Mindgames, wenn Sub fixiert ist und die Augen verbunden werden. Zum einem – ganz simpel – damit sie nicht direkt mitbekommt, was um sie herum geschieht. Und auf der anderen Seite, weil 80 % der Wahrnehmung über das Sehen vonstatten geht. Ist der optische Analysator ausgeschaltet, stehen diese Kapazitäten für die anderen Sinne wie beispielsweise das Fühlen zur Verfügung, die dann dementsprechend sensibler reagieren. Der ständige Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung / Erleichterung, weil eine Erwartung nicht eintritt oder die Überraschung, wenn sie dann doch eintritt ist mental sehr anstrengend und ermüdend. Gleichzeitig wird der Körper durch das ansteigende Adrenalin-Level immer „wacher“ und empfänglicher … meist ein Garant für einen guten Flug …

      Eine kleine Auswahl von einfachen Games /an dieser Stelle unter Beachtung des Jugendschutzes ;) :

      • Plug wird entfernt und es folgt das Kommando „Mund auf“ … was dann im Mund landet, ist ein kegelförmiger Gegenstand, der in Nutella getaucht wurde.
      • Sub hört Eiswürfel, die in einem Glas klimpern, doch was dann auf die Schleimhaut kommt, ist Ingweröl oder Stärkeres … der Eiswürfel auch, aber an anderer Stelle … innen … später.
      • Sub kniet nackt am Boden, spürt einen Strahl körperwarmer Flüssigkeit auf ihrem Oberkörper und es folgt das Kommando „Mund auf“ … was in Mund landet ist warmes Wasser …
      • Dom schlägt die Gerte einige Male dicht am Gesicht von Sub vorbei, dass sie den Luftzug und das Geräusch identifizieren kann … sie erwartet jeden Moment den Schlag auf ihrem Körper … der kommt aber nicht … stattdessen kommt ein zärtlicher Kuss in ihren Nacken / Wange / Hals … doch noch während des Kusses kommt der Schlag … und Sub hat keine Chance Abwehrspannung aufzubauen.
      • Dom erzählt Sub eine kleine Geschichte über die Vorteile des Gehorsams … nebenbei hört sie schabende Geräusche … Dom könnte eine Andeutung machen, dass er schnitzt und wenn er damit fertig ist, Sub die Schnitzerei unter die Nase halten. Den Duft von Ingwer wird sie sicherlich identifizieren können. Doch das, was dann an der erwarteten Stelle eingeführt wird, ist ein biologischer Körperanhang. Der frisch geriebene Ingwer kann dann „weiter vorne“ noch für entsprechende Reize sorgen, die mit den Fingern verstärkt werden können.
      • Dom lässt Wachs links und rechts neben der Wirbelsäule auf die Haut tropfen (Achtung: Wachs kann verdammt heiß sein. Wer noch nie damit gearbeitet hat, sollte auf jeden Fall bei sich selbst ausprobieren, wie hoch die Kerze über dem Körper gehalten werden muss, damit der Wachs nicht unbeabsichtigt zu Verbrennungen führt!). In der anderen Hand hält er ein Glas warmes Wasser, dass Dom dann im Laufe der Prozedur schwungvoll über den Hintern von Sub kippt. Das Unterbewusstsein erwartet in dem Moment einen Schwall heißen Wachses. Bevor der Verstand realisiert, dass es nicht so ist, schießt der Adrenalinspiegel bereits unter die Decke …


      Als größte Schwierigkeiten erweisen sich bei den Mindgames drei Faktoren:

      1. Dom muss die Ängste und Befürchtungen von Sub sehr gut kennen, um damit dementsprechend jonglieren zu können.
      2. Dom muss über ein hohes Maß an Kreativität und Fantasie verfügen, um sich immer neue Mindgames auszudenken, weil man viele Spiele nur einmal spielen kann.
      3. Dom muss ein gutes Maß zwischen der Realisierung des angedrohten Szenarios und der Nicht-Realisierung finden. Ansonsten wären die Aktionen für Sub berechenbar.
      (Mindgames sind für mich die „Königsdisziplin“. Persönlich mag ich besonders die Aktionen, bei denen Dom mir außerhalb einer Session in einem Restaurant, Theater, Bar oder … oder … oder nur mit seinen geflüsterten Worten Bilder ins Hirn pflanzt. Das Kribbeln lässt mich den ganzen Abend über nicht los, weil ich nicht einschätzen kann, was, wann und ob er davon überhaupt umsetzt :rot: )
      Es gibt zwei Tragödien im Leben eines Menschen: Wünsche, die sich nicht erfüllen ... und Wünsche, die sich erfüllen!
      (frei nach Oscar Wilde)