Tepui

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      Mit harten Stößen macht er weiter und sagt:



      „So, du willst also kein Bestandteil einer seelenlosen Maschine sein?“



      „Nein, Herr,“ keuche ich.



      „Dann lieg’ still und lausche auf deinen Herzschlag.“



      „Bei Maschinenlärm kann man kaum etwas hören.“



      Mein Herr grinst.



      „Du bist hier nicht in Deutschland. Hier bist du nicht in das Räderwerk einer seelenlosen Maschinerie eingespannt. Hier bist du emotional frei. Also hör nur hin! Dein Herz, es schlägt! Du bist eine Frau, ein emotionales Wesen.“



      „Ja, Herr.“



      „Man hat dich auf eine bestimmte Funktion getrimmt und dich nie gelehrt, wirklich zu leben.“



      „Ich wage es nicht, ich selbst zu sein,“ schluchze ich auf.



      „Warum nicht?“



      „Weil ich das Gefühl habe, dass tief in mir wirklich eine Sklavin steckt, eine Sklavin wie in den Romanen beschrieben.“



      „Bald wirst du erfreut feststellen, dass diese Sklavin du selbst bist, meine Kleine.“



      Er macht weiter. Dann sagt er keuchend:



      „Sicher hat sie dich schon interessiert, diese andere Frau, dein tiefes, wahres Ich.“



      Ich schweige einige Zeit, während er mich mit langsamen, tiefen Stößen nimmt. Dann sage ich zwischen zwei stöhnenden Atemzügen:



      „Ja, ich habe mich mit ihr beschäftigt. Langsam beginne ich sie zu begreifen, Herr. Ich danke dir dafür.“



      Ich schreie auf, als ich von meinen Gefühlen davongetragen werde und klammere mich stöhnend an meinen Herrn.



      „Du hast noch wenig Ahnung,“ sagt er, zieht mich in sitzende Stellung und küsst mich.



      Dann zieht er sich wieder an und verlässt mit mir im Arm den Gastraum. Auf dem Rückweg zur Wohnung meines Herrn drücke ich mich an ihn. Zuhause angekommen, nimmt er den Wäschesack auf und sagt mir, ich soll ein flaches großes Kissen aus einer Truhe nehmen und neben seinen Platz am Tisch auf den Boden legen.



      „Okay, mein Mädchen,“ spricht er mich dann an. „Geh auf dem Kissen in Grundstellung!“



      Ich gehorche. ‚Mein Mädchen’ hat er mich genannt! ‚Mein Mädchen’ hat er gesagt! Ich höre kaum noch, dass er weiter spricht.



      „In Zukunft, wenn ich das Wort ‚Nadu’ ausspreche, nimmst du immer und überall sofort diese Position ein. Solange bis ich mit den Fingern schnippe, will ich keine Bewegung sehen! Sollten dir Glieder einschlafen, dann meldest du das sofort!“



      „Ja, Herr,“ antworte ich.



      Dann ist er auch schon mit dem Wäschesack durch die Tür und lässt mich allein zurück. Nun sitze ich kniend auf meinen Fersen mit gerade gestrecktem Rücken neben seinem leeren Hocker und warte auf seine Wiederkehr.



      *



      Nach dem Aufenthalt in der ‚blauen Grotte’ gehen wir in Don Marcos Gastraum essen. Es ist noch früh. Ich will danach noch ein wenig schlafen und mir dann das Training mit Hieb- und Stichwaffen anschauen.



      Im Gastraum ist noch nicht viel los. Ich setze mich an einen Tisch mit der Wand im Rücken. Rosa setzt sich neben mich auf ihre Fersen. Eine schwarzhaarige Frau, angetan mit Poncho, rot-gelber geflochtener Gürtelschnur und Schnürsandalen wie Rosa, kommt aus der Küche und fragt nach meiner Bestellung. Ich bestelle, was der Koch heute standardmäßig gekocht hat. Ist es doch täglich etwas anderes. Vorneweg bekomme ich einen kleinen Krug Mate-Tee.



      Rita, so heißt die Magd, die nun für Rosa serviert, stellt das Essen vor mich und kümmert sich dann um andere Herren, die jetzt nacheinander herein kommen.



      Rosa beugt sich tief in meine Richtung und sagt:



      „Entschuldige, Senor. Darf ich dich mit einigen Gepflogenheiten der Herren vertraut machen, damit du in Gesellschaft nicht als Neuling auffällst?“



      „In Ordnung, Rosa. Was habe ich denn hier im Gastraum zu beachten?“



      „Ich bitte um Vergebung, Senor, aber das beschränkt sich nicht auf den Gastraum, sondern durchzieht das ganze Leben des Herrn. Es bestimmt die Beziehung zwischen Herrn und Magd. Wenn du zu weich bist, der Magd zuviel Entscheidungen überlässt, dann nimmt sie dich mit der Zeit nicht mehr ernst. Dann führt sie dich erst unmerklich, später ganz offen.“



      „Und wie weise ich der Magd ihren Platz neben mir zu, Rosa?“



      „Nicht neben dir, Senor. Unter dir! Begegnung auf Augenhöhe ist der Beginn der Abgabe deiner Führungsrolle! Schau, ich knie hier, muss dadurch zu dir aufschauen. Aber es gibt noch mehr Gesten. Auch durch das Knicksen mache ich mich kleiner. Der Herr übernimmt mit der Aufnahme einer Magd in seinen Haushalt die Verpflichtung für sie zu sorgen, sich um ihr körperliches und seelisches Wohl zu kümmern. Dazu führt er sie verantwortungsbewusst, während sie sich ihm unterwirft und ihm mit großem Vertrauen in sein immerwährendes Verantwortungsbewusstsein gehorcht, ohne jedoch ihre Augen zu verschließen. Sie dient ihm und ist bestrebt ihn stets stolz auf sich zu machen. Er achtet sie als sein Geschöpf, wertschätzt ihren Dienst und zeigt das auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit – jedoch nicht, indem er sich zurücknimmt und ihr die Entscheidung überlässt, sondern indem er ihr zeigt, dass sie Sein ist!“



      „Hm, ich hoffe, dass ich das mit der Zeit schaffe, Rosa. Deine Erklärungen sind mir Gold wert und ich werde mir für dich irgendwann eine große Freude ausdenken! Wie verhalte ich mich denn jetzt richtig?“



      „Die Magd gehört dem Herrn. Sie gehorcht ohne Bedingungen zu stellen! Eine Unterwerfung mit Bedingungen ist keine rechte Unterwerfung mehr. Die Bedingungen sollen dem Verantwortungsgefühl des Herrn geschuldet sein. Alles, was die Magd besitzt, erhält sie vom Herrn, alles was sie erhält – selbst Lob oder Tadel – nimmt sie dankbar entgegen. Dadurch macht er ihr gegenüber stets seine Position klar.“



      „Aber dann rutscht die Frau doch in eine Hörigkeit gegenüber dem Mann! Das ist doch krankhaft…“



      „Wenn sich die Magd nicht mehr aus der Abhängigkeit zu ihrem Herrn lösen kann und bei einer Trennung Anstalten macht in den Tod zu gehen, ist das krankhaft, Senor. Glaube mir, ich kenne mich da aus. Es ist zugegebenermaßen ein schmaler Grat, aber er ist gangbar, wenn der Herr davon weiß und darauf achtet!

      Doch jetzt zum Essen: Vom Herrn kommt alles! Sei es nun neue Kleidung, sei es nun das Essen, sei es Zuwendung oder Zurückweisung. Die Magd nimmt alles dankbar entgegen! Die Magd bedient ihren Herrn. Der Herr gibt ihr Nahrung. Nun sind heute keine anderen Mägde hier, so dass du durch Zuschauen lernen kannst, darum habe ich meinen Herrn darauf angesprochen. Entschuldige, wenn ich zu weit ausgeholt habe zur Erklärung.“



      „In Ordnung, Rosa. Also dann bediene mich.“



      Sie nimmt Lebensmittel aus der Schüssel und vom Servierteller und füllt damit einen Teller. Den führt sie an ihre Lippen und gibt ihn mir. Ich stelle ihn vor mich und nehme meine Gabel auf. Sie fragt mich:



      „Darf deine Magd nun auch etwas essen?“



      „Gern,“ antworte ich.



      Sie schaut mich kurz an, legt sich dann auch etwas auf den zweiten Teller, führt ihn ebenfalls an ihre Lippen und gibt ihn mir. Ich nehme ihn ihr ab und schaue Rosa fragend an.



      „Der Herr gibt seiner Magd Nahrung…“ flüstert sie.



      Ich gebe ihr also den Teller zurück, den sie nun vor sich stellt und zu essen beginnt. Ich schaue kurz auf, aber die anderen Herren im Raum kümmern sich um ihr Essen. Also esse ich nun auch.



      Nach dem Essen gehen wir zu meinem Zimmer und ich lege mich schlafen. Die Siesta ist in diesem Klima doch eine wunderbare Einrichtung! Rosa befehle ich wieder neben mich aufs Bett und nach etwa anderthalb Stunden mache ich mich auf den Weg zu der Waffenschule.



      *



      Es ist bestimmt eine kleine Ewigkeit vergangen, als mein Herr mit dem leeren Wäschesack zurückkommt. Ich sitze noch immer in kniender Stellung auf meinen Fersen auf dem Kissen. Er legt den Sack gefaltet vor mich auf den Tisch und schnippt kurz mit den Fingern. Ich will mich erheben, aber es klappt nicht. Ich komme auf die Knie hoch und fasse schnell die Tischkante, um nicht umzufallen. Bevor ich wieder auf dem Boden sitze, ist mein Herr schon heran und fasst mich unter den Achseln. Er zieht mich hoch und ich versuche einen Schritt zu machen, aber ich knicke sofort wieder ein.



      Mein Herr fasst mich mit dem linken Arm unter den Kniekehlen und trägt mich ins Schlafzimmer. Auf dem Bett massiert er meine Beine, um die Blutzirkulation wieder anzuregen. Er beugt sich über mich und küsst meine Nippel.



      „Du hast mich gerade stolz gemacht, meine Kleine. Stolz, dein Eigentümer zu sein.“



      Ich küsse seine Hand, mit der er im Moment sanft eine Strähne aus meinem Gesicht streicht.



      „Wie heißt du,“ fragt er mich wieder.



      „Deine Magd hat keinen Namen,“ antworte ich diesmal.



      „Du sollst einen Namen bekommen, meine Kleine. Ich werde dich Bella nennen, Bella, -die Schöne-. Und in Zukunft wirst du es mir sagen, wenn deine Gelenke einschlafen. Bin ich nicht anwesend und auch kein anderer Herr da, den du bitten könntest, wirst du selbständig deine befohlende Position verlassen, dich neben deine Beine setzen und deine Gelenke massieren. Du wirst aber sofort in die befohlene Position zurückkehren, sobald ich zurückkomme, Bella!“



      Glücklich lächelnd antworte ich: „Ja, Herr.“



      „Wie heißt du?“



      „Bella ist mein Name, Herr.“



      „Gut, Bella. Bleib in dieser Position bis ich wiederkomme!“



      „Mein Herr verlässt mich wieder?“



      „Ich bin im Dienst, meine Kleine. Und ich habe noch etwas zu erledigen!“



      „Und bis du wiederkommst, darf ich dein Bett benutzen, Herr?“



      „So habe ich entschieden!“



      „Danke, Herr! Vielen Dank! – Herr?“



      „Ja?“



      „Darf ich zur Toilette, wenn ich muss, oder muss ich das tun, wenn ich dich vorher fragen kann? Also immer in deiner Anwesenheit?“



      „In meiner Abwesenheit darfst du selbständig zur Toilette gehen – und wenn du ein dringendes Bedürfnis hast, für das du alle Aufträge sofort unterbrechen musst! In allen anderen Fällen fragst du vorher! Unterbrichst du einen Auftrag in meiner Anwesenheit plötzlich, bittest du nachher um Entschuldigung!“



      „Ja, Herr.“
      „Gut, dann warte auf dem Bett auf meine Rückkehr, Bella!“



      Mit diesen Worten verlässt er das Schlafzimmer.



      „Danke, Herr! Vielen Dank!“ rufe ich ihm leise nach.



      Ich muss wohl eingeschlafen sein, denn als mein Herr das Schlafzimmer wieder betritt sind die Lichtverhältnisse vor dem Fenster draußen im Höhlenraum von dämmrig zu dunkel gewechselt. Ich habe wieder geträumt. Jedoch war dies ein anderer Traum, als der der mich in Deutschland wegen des wiederholten Auftretens so beunruhigt hat. Im Traum bin ich ins Mittelalter abgeglitten, in die Zeit der Ritter und Burgfräulein. Ich war eine Magd, die in Liebe zu einem edlen Ritter entflammt war. Hier standen jedoch Standesunterschiede zwischen beiden. Er beachtete mich nicht, sondern sang dem Burgfräulein Minnelieder.



      Mein Herr lächelt mich an.



      „Komm zu mir, Bella.“



      Ich stehe auf und gehe auf meinen Herrn zu, mache einen tiefen Knicks und drücke seinen Handrücken auf meine Stirn. In der linken Hand hat er ein kleines schwarz gefärbtes Spankästchen. Er dreht sich um, geht zum Tisch und setzt sich auf seinen Hocker. Das Kästchen legt er vor sich auf den Tisch.



      „Knie dich neben mich, Bella.“



      Schnell komme ich der Aufforderung nach. Er hebt den Deckel des Kästchens an. Das Unterteil rutscht heraus. Darin sehe ich ein samtenes Kissen und darauf einen vielleicht zehn Zentimeter durchmessenden silberfarbenen Ring mit eingefassten roten Steinen. In dem Ring liegt ein textilenes Säckchen. Mein Herr nimmt das Säckchen und öffnet es. Er dreht es um und lässt etwas Goldglitzerndes in seine hohle Hand heraus rutschen. Meine Augen werden groß. Mein Mund öffnet sich ungläubig staunend.



      Er nimmt das Goldglitzernde mit seinen Händen auseinander und ich erkenne eine dünne lange Kette, die er mir sogleich um die Taille legt und verschließt.



      Ich senke meinen Kopf bis meine Stirn seine Hand berührt und hauche: „Danke, mein Herr.“



      Er antwortet: „Kopf hoch, Bella.“



      Ich schaue ihm in die Augen und sehe ihn stolz lächeln.



      „Du bist wahrlich ein Naturtalent, meine Kleine! Don Marco hatte wieder einmal ganz recht. Hebe deine Haare an, damit dein Hals freiliegt!“



      Schnell tue ich, was er sagt und er entfernt ein Ringsegment. Den Zweidrittelring legt er mir vorne um den Hals, dann steckt er das Teilstück in den Ring, biegt ihn etwas auf und schiebt das Teilstück ganz in den Ring hinein. Ich taste nach meinem Schmuckstück.



      „Danke, mein Herr. Das ist der schönste Schmuck, den ich bisher hatte, Herr!“ sage ich freudestrahlend, lasse mein Haar herunter und betaste den Halsring.



      „Den Schmuck erlaube ich dir zu tragen, Bella. Er gehört nicht dir, sondern mir, genauso wie du mir gehörst! Er soll dich jederzeit daran erinnern, dass ich stolz darauf bin, dich zu besitzen. – In diesem Zusammenhang: Kennst du die Bedeutung des Halsringes?“



      „Er zeigt an, dass ich eine Magd bin und man kann daran ablesen, wer mein Besitzer ist.“



      „Richtig, Bella.“



      Spontan springe ich auf und falle meinem Herrn um den Hals.



      *



      In wenigen Minuten dürfte ich mein Zimmer wieder erreicht haben. Gedankenverloren bin ich auf dem Heimweg vom Übungsnachmittag in der Waffenschule. Sollte ich zwischen den bisher kennen gelernten Waffen wählen müssen, würde ich den Bogen wählen wollen. Für Hieb- und Stichwaffen bräuchte ich bestimmt das Gemüt eines Metzgers, glaube ich. Zwar üben wir mit stumpfen Waffen und haben eine Schutzkombi aus Leder und Papier am Körper, aber wenn ich mir vorstelle, dass die Waffen scharf sind…



      Worüber ich mich gewundert habe, waren die dachschindelartig übereinander liegenden Lagen aus vierfach gefaltetem Papier. Die Schutzkombi ist dadurch sehr leicht, aber trotzdem Hieben gegenüber sehr effizient. Zwei Ausbilder hatten es uns mit scharfen Waffen vorgeführt. Ich war sehr erstaunt. Nun ja, morgen melde ich mich dann erstmal für einen vierwöchigen Kurs in ostasiatischem Kampfsport an.



      Ich schaue auf und muss erkennen, dass ich mich wohl verlaufen habe. Ich sollte weniger intensiv nachdenken und mehr auf den Weg achten! Aber was ich heute in der Waffenschule erlebt habe, lässt sich nicht so schnell wegstecken. Hieb- und Stichwaffen zu nutzen sind ein blutiges Handwerk, wenn die Waffen scharf sind.



      Ich drehe also um und suche eine bekannte Abzweigung, um wieder auf den richtigen Weg zu kommen. Dann bin ich endlich zuhause und öffne die Tür zu meinem Zimmer.



      „Guten Abend, mein Herr,“ empfängt mich Rosa.



      Sie ist gerade dabei neuen Tee zu kochen. Sie lässt den Krug stehen und kommt auf mich zu, vollführt einen Knicks, ergreift meine Hand und drückt ihre Stirn an meinen Handrücken.



      „Guten Abend, Rosa,“ antworte ich, erleichtert lächelnd.



      Nun bin ich zuhause und kann entspannen.



      „Mein Herr, Evita war heute Nachmittag kurz hier und hat ein Geschenk von ihrem Herrn gebracht.“



      „Wer ist Evita,“ frage ich interessiert.



      „Evita ist die Magd von Don Hernando aus dem Haus Donna Martinez’.“



      „Wer ist Don Hernando?“



      „Ich habe keine Ahnung, Senor, aber das Haus Donna Martinez’ ist mir bekannt. Donna Martinez gehört als Hausherrin dem Rat von Kak-Aute an und es beschäftigt sich mit der Öffentlichkeitsarbeit.“



      „Das heißt?“



      „Donna Martinez fördert Projekte, die den Menschen die Schönheit der Natur nahe bringen, Senor.“



      „Ah, und dieser Don Hernando gehört zum Haus der Donna Martinez. Was ist es denn für ein Geschenk, Rosa?“



      Rosa geht zum Tisch und nimmt ein kleines braunes Spankästchen auf, das mit einem schwarzen Band verschlossen ist. Sie überreicht es mir. Ich öffne das Band und ziehe den Deckel des Kästchens hoch. Als erstes kommt ein Tütchen aus festem braunem Papier zum Vorschein. Das Tütchen gebe ich an Rosa weiter. Sie öffnet den Clip und schaut hinein. Dann riecht sie daran.



      „Das ist Koka–Tee, Senor. Er ist belebend, leistungssteigend und bewusstseinserweiternd. Die Andenvölker trinken ihn gern und kauen auch Koka-Blätter.“



      In der Zwischenzeit habe ich noch einen gefalteten Zettel von Boden des Kästchens genommen und aufgefaltet. Dort lese ich in deutscher Sprache:



      Hallo Herr Franck, mein Name ist Hermann Bauer. Ich bin Naturfotograf und lebe schon seit einigen Monaten in Kak-Aute. Ich hörte, dass Sie einen Fotografen gut gebrauchen könnten. Wollen wir uns bald einmal treffen? Am Samstag bei einer Bauchtanz-Vorführung in der Taverne ‚Apok-Uéi’ –Sonnenfeuer- zum Beispiel? Geben Sie mir bitte bald Bescheid.

      Sichere Wege, Herr Bauer.



      „Ein interessantes Angebot,“ sage ich.



      Rosa schaut verständnislos.



      „Du sprichst kein deutsch?“ frage ich sie.



      „Nein, Herr.“



      Sie schüttelt den Kopf.



      „Don Hernando lädt mich zu einem Gespräch am Samstag in der Taverne ‚Apok-Uéi’ ein. Ich denke, ich nehme die Einladung an,“ antworte ich ihr, und ergänze: „Wenn der Tee belebende Wirkung hat, dann brühst du ihn morgen Mittag auf, bevor ich zur Waffenschule gehe.“



      Dann setze ich mich an den Tisch und sage: „Bring mir Tee, Rosa. Und bereite zwei gefüllte Fladenbrote zu!“



      „Ja, Herr.“



      Sie stellt den Krug und zwei Schalen auf den Tisch, kniet nieder und füllt eine Schale, die sie an ihre Lippen führt und mir dann reicht. Danach erhebt sie sich wieder, um zwei kleine Fladenbrote horizontal aufzuschneiden und mit Salatblättern und Schinkenwürfeln zu füllen. Sie bringt die Fladenbrote aufeinander gestapelt auf zwei aufeinander liegenden flachen Tellern ebenfalls an den Tisch, führt die Teller ebenfalls an den Mund und übergibt sie mir.



      Ich stelle sie vor mich neben die Teeschale, ziehe einen der Teller heran, lege ein gefülltes Fladenbrot darauf und reiche es ihr.



      „Schenke eine zweite Schale Tee aus, Rosa,“ sage ich dann, zu ihr gewandt.



      Sie lächelt verhalten und das Ritual wiederholt sich. Dann essen wir.



      *



      Vier Tage danach betrete ich zum ersten Mal eine Taverne in Kak-Aute. Es ist beinahe so, als betrete man ein Theater mit der Möglichkeit an seinem Platz, von dem man die Bühne sehr gut überblicken kann, speisen zu können. Staunend überblicke ich den Raum.



      Vom Eingangsbereich an sinkt der Boden der Taverne stufenförmig im Halbkreis zu einer Bühne an der gegenüber liegenden Wand ab. Die Stufen sind breit genug um Tischen mit je vier Hockern Platz zu bieten. Von meinem Standort am Eingang aus führt eine Treppe zu Bühne hinab. Je zwei Treppenstufen tiefer steht ein weiterer Halbkreis mit Tischen. Unten führt dann eine kleine dreistufige Treppe zur Bühne hinauf. Den Hintergrund der Bühne bildet ein weiter Vorhang. Neben der Bühne auf dem Niveau der untersten Tischreihe befindet sich eine Schwingtüre für das Personal.
      Zwei weitere Treppen sehe ich an den Wänden rechts und links von der untersten Ebene ansteigen und an den Wänden auf dem Niveau der obersten Ebene läuft ein Gang entlang, der ein Geländer als Absturzsicherung besitzt. Dort befinden sich alle zwei Meter verschiedene farbige Vorhänge. Sicher Separees?



      Die Taverne ist gut besucht. Ich frage mich, wie ich hier Don Hernando finden soll. Da spricht mich eine Magd an, die von der Seite kommend an mich heran getreten ist.



      „Hallo, Senor.“



      Sie knickst und neigt den Kopf.



      „Hallo… Wer bist du?“



      „Ich bitte um Entschuldigung, mein Name ist Elena. Ich bin Tavernenmagd im Apok-Uéi. Sie möchten die angekündigte Vorstellung besuchen? Darf ich Ihnen einen Platz zeigen?“



      „Elena, ich bin hier mit Don Hernano verabredet. Kennst du ihn.“



      „Ja, er war schon ein paar Mal hier. Er sitzt dort links oben. Darf ich Sie hinführen?“



      „Ja, Elena,“ antworte ich und folge ihr.



      Wir nähern uns einem der letzten Tische in der obersten Reihe. Ein Mann sitzt dort. Neben ihm kniet eine Magd. Der Mann schaut auf, lächelt und erhebt sich.



      „Hallo, ich nehme an, Sie sind Don Pedro,“ begrüßt er mich.



      „Hallo, dann sind Sie der Fotograf Don Hernano,“ sage ich und hebe die rechte Hand in Herzgegend.



      „Kommen Sie, setzen Sie sich! Die Vorstellung wird bald beginnen. Möchten Sie vorab etwas zu trinken oder zu essen bestellen?“



      „Ja.“



      Ich bestelle bei Elena einen Krug Maisbier und einen Teller Salat aus Gemüse und Fisch.



      Dann spreche ich Don Hernando auf Deutsch an und kann erkennen, dass die Magd an seiner Seite unserem Gespräch wohl folgen kann.



      „Ich hörte, Sie machen eine Fotoserie zur Flora und Fauna auf einem Tepui.“



      „Und ich hörte, Sie wollen die Gesteinsschichtung eines Tepui erforschen,“ antwortet er lächelnd.



      „Ja, ich brauche das für mein Examen.“



      „Und dabei kämen Ihnen neben wissenschaftlichen Tabellen auch Fotos sehr gelegen.“



      „Ja, denn sie lockern den Text auf und führen hoffentlich zu einer positiveren Bewertung, wenn zwei gleichartige Abhandlungen abgeliefert werden sollten.“



      „Ich helfe Ihnen gerne, wenn Sie mir auch ein wenig helfen würden. Die Ausrüstung ist leichter, wenn drei Männer sie tragen, als wenn es zwei Männer tun.“



      „Wer ist denn der Dritte im Bunde?“ frage ich lächelnd.



      „Ein Indio vom Volk der Pemón, den ich als Führer engagiert habe.“



      „Ah.“



      In diesem Moment kommt mein Essen. Don Hernando gibt Elena einen Wink und sie stellt alles vor mich auf den Tisch. Dann kümmert sie sich um andere Gäste. Mein „Gastgeber“ gibt der Magd neben sich ein Zeichen und sagt:



      „Evita wird Sie bedienen, Don Pedro.“



      Evita hat dunkelbraunes langes Haar mit einem rötlichen Schimmer und dunkle Augen.



      Ich nicke ihr zu und sie unterbricht ihr Essen. Sie nimmt den Teller, auf dem die tönerne Salatschüssel steht und füllt ihn aus der Schüssel. Sie führt das bekannte Ritual durch und reicht mir den Teller, dann füllt sie einen Becher aus dem Krug und reicht mir auch diesen.



      Die Musik beginnt zu spielen.



      Kurz darauf betritt eine Magd die Bühne von hinten durch den Vorhang. Sie hat tiefschwarze Haare und trägt einen durchsichtigen roten Umhang, der den Blick auf ihren Rundungen nicht verdeckt. Sie hebt die Arme über den Kopf, macht einen Hohlrücken und beginnt mit den Hüften zu wippen und gleichzeitig die Hände zu drehen mit abgespreizten Fingern.



      *



      Don Hernano erzählt mir während des Essens von seiner Arbeit. Die Höhle, an deren Rand die Siedlung Kak-Aute in den Sandstein getrieben wurde, entstand durch Unterhöhlung mit Wasser. Irgendwann ist die Höhlendecke eingestürzt. Das Wasser hat sich seinen Weg in die Tiefe gesucht und dabei diesen riesenhaften Dom ausgewaschen. Vögel haben in ihrem Gefieder Pflanzensamen hoch gebracht und so ist ein einzigartiges endemisches Biotop entstanden.



      Ich will dem nicht nachstehen und erzähle ihm, was ich im Studium über Gebirgsfaltung und Gesteinsschichtungen gelernt habe und hier praktisch untermauern möchte.



      Darüber ist das Essen beendet. Der Besitzer der Taverne lässt nach dem Bauchtanz noch Flamenco und Tango vorführen. Viele Herren sind zwischendurch einige Zeit mit den Mägden in ihrer Begleitung oder den Mägden der Taverne in den Separees verschwunden.



      Ich verabschiede mich von Don Hernano:



      „Ich werde dann wieder zuhause nach dem Rechten schauen, Don Hernano. Vielen Dank für das interessante Gespräch in dieser Atmosphäre. Darf ich Sie in ein paar Tagen zu mir einladen? Wir könnten dann besprechen, was wir demnächst unternehmen wollen. Sie sagten, Sie sind durch zwei Höhlensysteme auf das Plateau gekommen. Die möchte ich mir gerne ansehen.“



      „Ich nehme Ihre Einladung gerne an, Don Pedro. Ich denke, Ronaldo sollte auch an der Zusammenkunft teilnehmen – da er ja der Führer ist.“



      „Ronaldo? Kenne ich den Mann?“



      „Ich weiß nicht… Es ist ein Pemón, der eigentlich Primok heißt. Um den Umgang mit Weißen zu erleichtern, nennt er sich ihnen gegenüber eben Ronaldo. Er kennt sich gut im, auf und um den Tepui herum, aus.“



      „Hm, ich bin über Studiosus Reisen nach Venezuela gekommen. Mein Kontaktmann und Führer hier sollte ein Mann namens Ronaldo sein. Wir kontaktierten ihn in Caracas und er erzählte uns, dass sein Heimatdorf in der Nähe eines Tepui liegt, etwa 150 Kilometer von Caracas entfernt. Da wir eine Menge wissenschaftlicher Ausrüstung dabei hatten, bot er uns an, den Tragschrauber eines Bekannten zu nutzen. Wir wurden unterwegs betäubt und dann hier getrennt. – Großes Vertrauen habe ich verständlicherweise also in den Mann nicht!“



      „Das kann ich verstehen. Ich hatte ein ähnlich gelagertes Erlebnis. Ich hatte Ronaldo ebenfalls in Caracas kontaktiert. Er ist mir als Führer empfohlen worden. Wir sind mit dem Landrover von Rangern in den Dschungel gefahren und dann drei Stunden durch’s Dickicht gebrochen. Ohne Ronaldo hätte ich mich verirrt, oder wäre Schlangen oder anderen Tieren zum Opfer gefallen. Im Heimatdorf Ronaldos nahm ich an einer Hochzeitsfeier teil und wenige Tage später sind wir mit einem Kanu dem Flusslauf gefolgt, der uns zum Tepui führte. Nach einem mehrtägigen Aufstieg hatten wir das Plateau erreicht – und dort wurde ich niedergeschlagen. Als ich aus der Bewusstlosigkeit erwachte, lag ich in einem Zimmer und wurde dann mit Donna Martinez bekannt gemacht.“



      „Hm.“



      „Die Community, die hinter allem steht, will nicht öffentlich bekannt werden – noch nicht. Daher die Aktion. Ronaldo steht ebenfalls in Diensten Donna Martinez’ und ist bloß ihren Anweisungen gefolgt. Da wir jetzt alle auf der gleichen Seite stehen, können wir ihm auch vertrauen. Davon bin ich überzeugt! – Aber sagen Sie, Sie sind zu zweit hier angekommen und wurden getrennt?“



      Er zieht die Augenbrauen hoch.



      „Ja, meine Kommilitonin Marion Müller, zwei Semester unter mir, war in meiner Begleitung. Sie sollte mir assistieren und dabei viel lernen, was sie für ihr Examen später gut gebrauchen könnte.“



      „Hm, dann hat die Community anderes mit ihr vor. Aber seien Sie unbesorgt: Sie wird zu nichts gezwungen. Anscheinend hat sie Anlagen zu einer Magd in sich, die geweckt wurden und nun ausgebildet werden.“



      „Ich habe gegenüber ihren Eltern die Verpflichtung übernommen, auf sie zu achten und sie wohlbehalten zurück zu bringen…“



      „Und Sie haben das Gefühl, ihren Eltern nicht mehr unter die Augen treten zu können, wenn Marion etwas zustößt? Sie fühlen sich in ihrer persönlichen Ehre verletzt, wenn ihnen nachgesagt wird, Sie hätten Marion schmählich im Stich gelassen? Aus ähnlichen Gründen könnten Sie sich selbst nicht mehr in die Augen sehen, weil Sie sich sagen müssten, nicht alles Menschenmögliche unternommen zu haben?“



      „Genauso fühle ich mich, Don Hernano. Man hat mir ein Ersatz zur Verfügung gestellt, aber in Gedanken bin ich abwesend, wenn ich mit meiner Magd zusammen bin – bin ich bei Marion. Und das spürt meine Magd natürlich!“



      „Natürlich! Frauen haben einen ‚sechsten Sinn’ für so etwas.“



      „Ich mag Rosa gern. Sie bringt mir viel bei, neben dem, was ich in der Waffenschule lerne, aber an Marion hängt halt mein Herz.“



      „Ich denke, das Problem ist an höherer Stelle bekannt und findet Berücksichtigung, Don Pedro. Sie lernen es, ein ‚Alphatier’ zu werden und Marion lernt, dass Gehorchen ein lustvolles Erlebnis sein kann. Wenn ihr Rückflug bevorsteht, sind Sie beide Herr und Magd. Hat man Ihnen schon gesagt, was Sie in Deutschland für die Community tun können?“



      „Erst einmal mein Studium abschließen! Ich werde darauf achten, dass auch Marion ihr Studium beendet und erst dann werden wir weitersehen.“



      „Das ist völlig in Ordnung, Don Pedro. Okay, also bis zu unserem nächsten Treffen, diesmal in ihrer Wohnung. Allzeit sichere Wege Ihnen!“



      „Sichere Wege auch Ihnen, Don Hernano.“
      Grübelnd gehe ich zurück zu meiner Wohnung, wo Rosa auf mich wartet.

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      -5-



      Ich bin gerade auf dem Weg zu meinem Training, als ich dem Chef der Miliz von Kak-Aute begegne. In seiner Begleitung befindet sich – Marion. Wie angewurzelt bleibe ich stehen.



      Don Ernesto schiebt Marion hinter seinen Rücken und schaut mich aufmerksam an.



      Endlich habe ich mich gefangen und richte mich gerade auf, begegne seinem Blick und sage mit fester Stimme:



      „Ich erhebe Anspruch auf diese Magd, Don Ernesto!“



      „Ich bin der Chef der Miliz von Kak-Aute!“



      „Das weiß ich, Don Ernesto. Und wenn Sie der Kaiser von China wären – Ich erhebe Anspruch auf diese Magd!“



      Don Ernesto lächelt.



      „Don Pedro, auch ich erhebe Anspruch auf diese Magd! Jedes Ding kann nur EINEN Besitzer haben.“



      „Das ist mir klar.“



      „Wir werden also den Anspruch ausfechten müssen. Da ich der Herausgeforderte bin, habe ich das Recht, die Waffe zu wählen. Ich wähle das Schwert. - Ich bin Chef der Miliz von Kak-Aute! Wollen Sie es sich nicht noch einmal überlegen?“



      Ich schüttele den Kopf.



      „Ich fühle mich für sie verantwortlich. Ich erhebe Anspruch auf diese Magd!“



      „Dann soll es sein. In einer Woche am Nachmittag in der Arena!“



      „Okay, Don Ernesto. Ich werde dort sein!“



      Ich beeile mich heute besonders zur Waffenschule zu kommen.



      Marion schaut mich im Weitergehen kurz ängstlich an.



      In der Waffenschule frage ich den Trainer, ob er mir das Schwert näher bringen könnte. Besonders geht es mir um einige Besonderheiten und Finten im Schwertkampf. Er schaut mich erstaunt an. Ich sage ihm, dass ich zum Zweikampf heraus gefordert wurde. Er lächelt verstehend und sagt mir, ich solle die Rüstung anlegen.



      *



      Ich betrete die Arena. Diesmal sind die Zuschauerreihen bis zum letzten Platz gefüllt. Herausforderungen kommen hin und wieder vor. Aber dieses Mal ist einer der Kämpfer der Milizchef selbst.



      An zwei Pfählen in der Arena sind Rosa und Marion angebunden worden. Beiden sieht man an, dass sie aufgeregt sind.



      Ein Mann in weißer Sportkleidung fragt: „Sind die Mägde gefesselt?“



      Zwei in gleicher Weise gekleidete Männer neben den Pfählen bestätigen das.



      „Kommen Sie, wir wollen uns die Mägde ein letztes Mal ansehen, Don Pedro,“ sagt da jemand an meiner Seite.



      Ich habe gar nicht bemerkt, dass Don Ernesto die Arena betreten hat, so sehr haben meine Augen an Marion gehangen. Wie schön sie doch ist. Bisher habe ich sie noch nie unbekleidet gesehen.



      Wir gehen von einer zur anderen und so sehe ich, dass Rosas, und auch Marions Blick schmachtend an Don Ernesto hängen.



      „Fangen wir an,“ sagt Don Ernesto ruhig.



      Daraufhin lässt der Schiedsrichter die Mitte der Arena von den beiden Helfern mit Harken säubern.



      Auch Don Ernesto trägt jetzt die Rüstung mit den Papierschindeln und auf dem Rücken sein Schwert. Der Knauf überragt die linke Schulter. Am linken Unterarm trägt er einen Schild.



      „Der Kampf soll beginnen,“ sagt der Schiedsrichter nun.



      Ich trete einen Schritt zurück, und versuche festen Stand zu finden. Vorsichtig macht Don Ernesto einen Schritt auf mich zu, zögert einen Augenblick und geht dann zum Angriff über. Ich pariere den Schlag mit meinem Schild, aber nun drängt Don Ernesto energisch vor, so dass ich weiter zurückweichen muss, kann aber jeden seiner Angriffe defensiv abwehren.



      Ich habe in den letzten Tagen ein paar Tipps von meinem Trainer bekommen, die mich auf eine unkonventionelle Idee bringen. Als hätte mir der Gebrauch des Schwertes den Waffenarm ermüdet, setze ich mich in den Sand auf meinen Schild, der mir so als Drehscheibe dient. Das Schwert nehme ich in die linke Hand und atme schnaufend. Ich drehe mich im Kreis, so dass ich Don Ernesto immer im Blick habe, der mich unschlüssig umkreist und ab und zu einen Testangriff startet. Jedesmal kann ich den Schlag mit meiner Klinge harmlos zur Seite ablenken.



      Dieses Spiel dauert jetzt schon drei oder vier Minuten. Don Ernesto wird immer erregter und damit unkonzentrierter. Er weicht zurück. Sofort nutze ich den Augenblick und stehe auf, nehme den Schild in die linke und mein Schwert in die rechte Hand. Don Ernesto bestürmt mich und zwingt mir einen Nahkampf auf.



      Für die Mägde in der Arena und die Zuschauer auf den Rängen – es herrscht vollkommene Stille bis auf das Klirren der Schwerter – sieht es aus, als ob wir aneinander lehnten, fast unbeweglich bis auf die schnellen Bewegungen der Arme und das Zucken der Handgelenke.



      Plötzlich schnauft Don Ernesto. Habe ich endlich einen blutigen Treffer landen können? Er stolpert zurück.



      Ich setze sofort nach und kann weitere Treffer landen. Kleine Schnittwunden nur, die man mit Pflastern oder leichten Verbänden behandeln kann, die aber höllisch schmerzen müssen. Don Ernesto weicht immer weiter zurück. Bestimmt eine Viertelstunde lang treibe ich ihn durch die Arena, ab und zu durchschlägt er meine Deckung, aber das dürften nur blaue Flecken werden. Dann geht er in die Knie.



      Sofort bin ich bei ihm. Er versucht das Schwert gegen mich zu heben, aber ich drücke es mit meinem Stiefel in den Sand. Dann lässt er los und auch sein Schild rutscht ihm vom Unterarm. Ich werfe mein Schwert weg. Der Schiedsrichter ist heran und auch ein Sanitäter kommt dazu. Die beiden Helfer nehmen Don Ernesto zwischen sich, der unwirsch die Hilfe abwehrt.



      „Don Pedro, das war ein großartiger Kampf,“ sagt er und hebt erschöpft lächelnd die rechte Hand an sein Herz.



      Ich grüße ihn ebenfalls und gehe zu Rosas Pfahl, um sie los zu binden. Sie läuft zu Don Ernesto und fällt ihm um den Hals. Dann gehe ich zu Marions Pfahl und löse auch ihre Fesseln. Sie steht vor mir mit gesenktem Kopf.



      „Ich gehöre jetzt wohl dir, …Herr,“ sagt sie zögernd.



      „In den Sand mit dir!“ belle ich sie an, innerlich bebend.



      Erschrocken sinkt sie auf die Knie und beugt sich über meine Stiefel. In diesem Moment nähert sich Rosa zögernd.



      „Senor, ich bitte um Entschuldigung. Ich habe mich gehen lassen.“



      Sie sinkt ebenfalls auf die Knie.



      „Rosa,“ sage ich. „Du liebst Don Ernesto, habe ich Recht?“



      „Ja, Senor.“



      „Geh’ zu ihm, Don Ernesto ist dein Herr!“



      „Aber Senor, willst du deine Magd nicht mehr? Habe ich dir nicht gefallen?“



      „Doch, Rosa, sehr sogar! Aber Gefühle lassen sich nicht rational steuern. Du weißt, an wem mein Herz hängt und ich weiß, an wem Dein Herz hängt. Es war ein guter Kampf. Aus Anerkennung darüber schenke ich dich Don Ernesto!“



      „Oh, Senor. Vielen Dank, Senor. Vielen, vielen Dank!“ ruft sie aus, springt auf und läuft zu Don Ernesto hinüber.



      Dort verhält sie im Schritt, schleicht förmlich auf ihn zu mit gesenktem Kopf und ich kann kaum hören, dass sie ihn fragt:



      „Möchte der Senor denn überhaupt die Magd Rosa haben?“



      „Nein,“ sagt Don Ernesto hart. „Die Magd Rosa mag ich nicht besitzen. Du wirst mir als Namenlose dienen. Dann werde ich überlegen, welchen Namen ich dir gebe.“



      Rosa sinkt vor Don Ernesto in die Knie und umklammert seinen Oberschenkel. Sie wird von einem Weinkrampf geschüttelt.



      „Auf, Magd! Du weißt, wo ich wohne. Lauf und erwarte mich dort!“ sagt er.



      Und zu den Helfern gewandt ergänzt er: „Bringt mich in den Sanitätsraum!“



      Sie verlassen, ihn stützend, die Arena und auch ich gehe nach Hause, mit Marion im Arm.



      *



      Nachdem wir die Arena verlassen haben, frage ich Marion:



      „Wie hat dein Herr dich genannt?“



      „Bella, Herr. Bella, die Schöne, nannte er mich,“ antwortet sie mir mit einem Seitenblick langsam von unten herauf, als sie mich mit dem Titel ‚Herr’ anredet.



      Ich lasse mir keine Regung anmerken, sondern antworte:



      „Der Name ist durchaus angemessen! Ich werde dich ebenso nennen.“



      „Ja, Herr. Vielen Dank, Herr.“



      „Hast du schon einmal ein Fest ausgestattet, Bella?“



      „Nein, Herr. Soweit ging meine Ausbildung noch nicht.“



      „Gut, Bella. Dann werde ich eine andere Magd mieten müssen. Schau genau hin, was sie macht und wie sie es macht!“



      „Ja, Herr.“



      Ich habe noch nie die Gelegenheit gehabt mit Marion zu schlafen, außer in meinen Träumen, aber die folgende Nacht verläuft himmlisch. Sie lässt ihren Emotionen freien Lauf und ich wünsche mir, dass das nachfolgende Schlafen Haut an Haut nie endet. Doch ich muss noch einiges erledigen. Bella trägt ja nun keinen Halsreif mehr, nachdem ich den, den sie gestern noch getragen hat, Don Ernesto zurückgegeben habe. Auch das Taillenkettchen hat er von mir zurück erhalten.



      Nach dem Frühstück, das Bella mir formvollendet serviert, gehe ich also in den Ort. Bella begleitet mich.



      Ich besuche ein Piercing- und Tattoostudio. Dort erhält sie ein Bauchnabelpiercing mit einem kleinen Rubinsplitter.



      „Herr, darf ich eine Sicherheitsnadel haben?“ fragt sie glücklich lächelnd, als wir wieder draußen sind.



      „Was machst du mit einer Sicherheitsnadel?“ frage ich erstaunt zurück.



      „Ich möchte den Poncho vorne höher haben.“



      Ich bleibe stehen.



      „Du möchtest jedem meinen Schmuck an dir zeigen?“



      „Ja, Herr.“



      Und wieder dieser unnachahmlich verführerische Augenaufschlag.



      „Du bist eitel, Bella. Ich glaube fast, dein Name passt doch nicht zu dir… Eitelkeit macht hässlich! Bescheidenheit dagegen macht schön!“



      Sie fällt auf die Knie und beugt ihren Rücken.



      „Entschuldige, Herr. Verzeih’ bitte deiner Magd.“



      Ich lächele.



      „Auf, Bella! Und weiter geht’s! Eins hast du gelernt: Dieser einfache Satz hat schon so manche nackte Magd vor einer Bestrafung bewahrt!“



      „Ja, Herr,“ antwortet sie zerknirscht blickend.



      Wir gehen weiter und treffen Don Ernesto auf seiner Patrouille durch den Ort. Er grüßt in der für Goreaner typischen Art.



      „Hallo, Don Pedro. Ich hoffe, es geht Ihnen gut.“



      „Hallo, Don Ernesto. Danke der Nachfrage. Ich freue mich, dass es Ihnen auch wieder gut geht!“
      „Ach, Don Pedro, es waren nur kleine Blessuren. Sie kämpfen unkonventionell und das finde ich gut!“



      „Don Ernesto, ich hätte da eine Frage: Könnten Sie mir am Sonntag ihre Magd überlassen - für einen kleinen Betrag natürlich! Ich möchte eine kleine private Feier ausrichten und meine Magd muss noch lernen.“



      „Von wann bis wann brauchen sie sie?“



      „Ich denke ab Mittag bis spätestens Mitternacht. Für die Vorbereitung bis nach der Durchführung.“



      „Und Sie garantieren mir für ihre Unversehrtheit?“



      „Das ist für mich selbstverständlich, Don Ernesto!“



      „Okay, Don Pedro. Zwei Silber-Tarsk wird Sie das kosten!“



      „Einverstanden.“



      „Sie wird pünktlich bei Ihnen sein.“



      Ich nicke ihm noch freundlich zu, dann gehen wir weiter bis wir ein Geschäft für Halsreifen und anderen Identifizierungsschmuck erreichen. Dort kaufe ich einen Halsreifen für Bella, lasse gleich ‚ICH BIN BELLA, EIGENTUM DES PETER FRANCK AUS KOELN’ eingravieren.



      Es gefällt mir, die frühere Marion Müller, die in Deutschland so unnahbar gewesen ist, hier im Laden nackt vor mir knien zu sehen.



      Grob drehe ich ihren Kopf zur Seite und lege ihr den Halsreif an. An den Oberarmen ziehe ich sie nun hoch. Ihren Kopf beugt sie nach hinten und schaut mich erstaunt an.



      Ich habe ihr meinen Halsreif gegeben! Sie trägt meinen Halsreif! In plötzlicher unbezwingbarer Freude schüttele ich sie. Sie trägt meinen Halsreif!



      „Herr?“ japst sie erschrocken.



      Am liebsten hätte ich sie an mich gedrückt und mich mit ihr im Arm gedreht vor Freude.



      „Ich danke meinem Herrn für seinen Halsreif“, flüstert sie. „Ich werde mich bemühen, ihm würdig zu sein.“



      Ich stelle sie wieder auf ihre Füße und betrachte sie. Sie umarmt und küsst mich.



      Dann gehen wir wieder nachhause, bis wir zur Mittagszeit zum Gastraum von Don Marco gehen. Am Nachmittag verlasse ich Bella wieder, um die Waffenschule zu besuchen.



      *



      Heute ist Sonntag. Am Abend erwarte ich Don Hernano und Ronaldo zum Gespräch über unser gemeinsames Vorgehen auf dem Tepui, in dem Kak-Aute liegt. Pünktlich zu Mittag steht Rosa in der Tür. Ich lasse sie herein. Rosa begrüßt mich mit einem Knicks und fragt:



      „Darf ich fragen, wer in deiner Wohnung die Erste Magd ist, Senor?“



      „Du bist die Erste Magd,“ antworte ich ihr.



      „Du bist die Erste Magd!“ sagt nun auch Bella.



      „Ein hübsches kleines Ding,“ sagt Rosa und schaut Bella an.



      „Was hast du für Befehle, Senor?“ fragt mich Rosa.



      „Heute Abend,“ erwidere ich, „will ich hier ein kleines Abendessen geben, nichts Besonderes, nur einige Freunde kommen. Ich möchte, dass du einkaufst und dekorierst. Das Essen musst du beim Küchenmeister Don Marcos bestellen und hierher schaffen. Dabei wird dir meine Magd zur Hand gehen.“



      „Ich verstehe, Senor,“ sagt Rosa.



      „Die Wohnung muss natürlich tadellos in Schuss sein,“ ergänze ich.



      „Ja, Senor.“



      „Und ich verlasse mich darauf, dass du es hier hübsch mit Girlanden und Blumen und so weiter ausschmückst. Und außerdem sorgst du für ein wenig geschmackvolle Unterhaltung.“



      „Ja, Senor.“



      „Wenn nicht alles bestens läuft, werde ich mich unzufrieden zeigen.“



      „Der Senor wird zufrieden sein,“ antwortet sie.



      Nach einer kurzen Pause fragt Rosa: „Senor?“



      „Ja?“



      „Wie soll die Magd behandelt werden?“



      „Du bist das erste Mädchen hier. Richte dich danach!“



      „Du sprachst von einer kleinen Unterhaltung für deine Gäste.“



      „Ja?“



      „Soll die hübsche kleine Magd daran mitwirken?“ fragt Rosa und deutet mit einer Kopfbewegung auf Bella.



      „Selbstverständlich,“ sage ich.



      *



      „Noch einen Obstsalat, Herr?“ fragt Bella, links hinter mir.



      Ich drehe mich zur Seite und nehme eine neue gefüllte Schale aus ihrer Hand. Dann wende ich mich wieder der Tänzerin zu. Sie trägt ein durchsichtiges Etwas. Rosa hat es einem glücklichen Zufall zu verdanken gehabt, dass sie sie für heute Abend mieten konnte. Sie gehört zur Taverne Apok-Uéi –Sonnenfeuer-. Der Wirt hat nichts dagegen gehabt, heute Abend noch ein paar Münzen mit ihr zu verdienen.



      „Sie ist wunderschön,“ sagt Don Hernano.



      „Vielen Dank,“ entgegne ich lächelnd.



      Zu Beginn des Abends hat Rosa uns mit ihrem Lautenspiel unterhalten und Lieder gesungen. Dafür hat sie freundlichen Applaus erhalten, was sie gefreut hat. Jetzt steht Rosa hinter dem Buffet, überwacht Bellas Arbeit - und wartet auf mein Zeichen.



      Wieder wende ich meine Aufmerksamkeit der Tänzerin zu. Sie bewegt sich anmutig und reizvoll. Ihre Bewegungen sind hübsch anzuschauen und zurückhaltend.



      „Mehr Maisbier, Herr?“ fragt Bella in diesem Moment.



      „Ja.“



      Sie füllt meinen hingehaltenen Becher aus dem Krug, den sie vom Buffet zum Tisch gebracht hat.



      „Genug, mein Mädchen,“ sage ich mit weicher Stimme.



      „Ja, Herr.“



      Die Musik kommt aus einer kleinen Anlage, die ich vor kurzem in einem Geschäft hier im Ort gefunden habe. Mit einem lebhaften Wirbel endet die Musik, dann ist der Tanz beendet. Wir klatschen Beifall. Die Tänzerin ist gut gewesen. Mit gesenktem Kopf steht sie vor uns. Lächelnd, von neu aufklingender Musik begleitet, eilt sie dann zum Buffet, wo sie Bella beim Servieren helfen soll. Die Musik spielt leise weiter.



      „Ein hübsches Ding,“ sagt Don Hernano und deutet auf Bella, die uns unterwürfig bedient.



      Errötend senkt sie den Kopf.



      Als ich meinen Becher absetze, stelle ich zu meiner Verblüffung fest, dass ich Tränen in den Augen habe.



      „Was ist los?“ fragt Don Hernano lächelnd.



      „Der Rauch von den Kerzen,“ sage ich mit rauer Stimme und wische die Feuchtigkeit aus den Augen.



      „Nein,“ widerspricht er lächelnd. „Es liegt daran, dass Sie stolz auf ihre Magd sind.“



      Bella und die Tänzerin servieren uns den nächsten Gang der Mahlzeit, den Nachtisch, dem dann Tee und süße Liköre folgen sollen.



      Ich wende mich an Don Hernano.



      „Was haben Sie für Pläne?“



      „Ich werde morgen in den Tepui steigen,“ antwortet er, „wenn Sie Lust haben, können Sie mich schon Morgen begleiten.“



      „Was ist mit Bella?“ frage ich.



      „Sie ist doch hier, um Ihnen zu assistieren. Nehmen Sie sie also ruhig mit in den Fels. Ronaldos Frau Meru hat uns auch beim Aufstieg begleitet.“



      Verstohlen wische ich mir noch einmal durch die Augen.



      „Sie brauchen sich ihrer Gefühle nicht zu schämen,“ ermahnt er mich.



      „Ich bin in meiner Kindheit mit der Maxime ‚Ein deutscher Junge weint nicht’ erzogen worden,“ erkläre ich.



      „Tränen sind nichts Ehrenrühriges für einen dominanten Mann,“ sagt Don Hernano. „Der Herr ist ein Mann tiefgreifender Leidenschaften und Gefühle. Viele Menschen verstehen die Tiefe seiner Seele nicht. Sie brauchen keine Angst zu haben vor den Strömungen, die Sie in sich spüren. Im Herrn blühen Blumen und toben Stürme. Beides gehört zu ihm, beides ist greifbar vorhanden. Beides muss man hinnehmen, keine Seite darf man von sich weisen.“



      „Ich danke Ihnen, Don Hernano,“ erwidere ich ihm.



      „Ah, Nachtisch!“ ruft er freudig aus.



      Bella und die Tänzerin kommen an den Tisch. Sie tragen Tabletts mit leckeren Nachspeisen und knien nieder, zeigen vor, was sie zu bieten haben und bedienen uns dann.



      „Gebäck, Herr?“ fragt Bella.



      Ihre schlanken Hände halten das Tablett. Ich nehme ein kleines Stück Gebäck herunter und sie wendet sich Don Hernando zu, während die Tänzerin auf der anderen Seite des Tisches Ronaldo bedient. Das Gebäck ist recht gut.



      Ich freue mich, wie gut Rosa das Essen vorbereitet hat – einfach und geschmackvoll.



      „Ausgezeichnet!“ lässt sich Ronaldo vernehmen und hebt ein kleines Gebäckstück in die Höhe.



      „Vielen Dank,“ antworte ich.



      Ich blicke mich im Wohnraum um. Die bunten Bänder verbreiten festliche Stimmung, die Lampen sind hübsch anzuschauen, ebenso die Blumen, die einen angenehmen Duft verströmen. Rosa hat gute Arbeit geleistet.



      „Gefällt dir das Essen?“ frage ich Ronaldo, der bisher ziemlich schweigsam gewesen ist.



      „Ja“, antwortet er, „sehr sogar.“



      Die beiden Mägde haben das Tablett mit dem restlichen Nachtisch auf dem Tisch stehen gelassen und sind zum Buffet zurückgekehrt. Gleich werden sie Tee und Liköre servieren.



      Ich sehe Rosa umhergehen und lausche gleichzeitig der unaufdringlich spielenden Musik. Rosa beginnt die Lampen zu dimmen und bläst jede zweite Kerze aus.



      „Was machst du?“ frage ich.



      „Verzeih, Herr!“ antwortet sie und huscht wieder hinter das Buffet.



      Die Beleuchtung ist nun romantisch gedämpft. Nur vor dem Tisch ist das Licht noch etwas heller belassen. Als Bella den Raum verlässt, stoppt Rosa die Musik. Es scheint interessant zu werden.



      „Was ist los?“ will Don Hernano wissen.



      „Ich weiß nicht,“ gebe ich ehrlich zu.



      „Eine kleine Vorstellung?“



      „Vielleicht.“



      Von Rosa instruiert kommt die Tänzerin zum Tisch und legt ein schmales weißes Tuch über den Tisch. Dann entzündet sie eine niedrige dicke Kerze, die auf einem Teller steht und stellt sie auf das Tuch.
      Ich betrachte das Arrangement im Halbdämmer und bin verblüfft. Welche Erinnerungen sich da regen!



      Leise beginnt die Musik wieder zu spielen. Es ist Jazz. Bella betritt den Raum. Sie hat sich auf der Toilette umgezogen.



      „Sie ist wunderschön,“ sagt Don Hernano.



      „Aber diese Kleidung…“ dehnt Ronaldo.



      Die hübsche dunkelhaarige junge Frau steht im Licht auf den Fellen vor unserem Tisch. Das Haar hat sie streng zurück gekämmt und festgebunden. Ihren Körper umhüllt ein schulterfreies gürtelloses Seidenkleid. Goldene Schnüre winden sich um ihre Füße.



      „Welche Bedeutung hat das Ganze?“ fragt Don Hernano.



      Ich bin von der Erscheinung beinahe überwältigt.



      „Mir bedeutet es sehr viel,“ sage ich. „Ich erkläre es euch.“



      Anmutig dreht sich Bella vor uns hin und her.



      „Die Bekleidung soll mich hier und jetzt an die Kleidung erinnern, die diese Magd vor ein paar Monaten als freie Frau getragen hat, bei einer wichtigen Begegnung.“



      „Ich verstehe,“ sagt Don Hernano in die Pause hinein.



      „Und es war die Kleidung, in der sie meines Wissens zum ersten Mal ihre Weiblichkeit eingestanden hat.“



      „Viele fürchten sich davor,“ nickt Don Hernano.



      „Ja, die westliche Kultur ermutigt die Frauen, sich als Pseudo-Männer zu gebärden. Auch in ihrer strengen Aufmachung, die ihre Tüchtigkeit und Männlichkeit darstellen soll.“



      „Das trifft auf dieses Kleid aber nicht zu. Es ist dafür zu weiblich.“



      „Richtig. Solche Ungereimtheiten,“ antworte ich, „sind für viele Frauen eben nicht untypisch. Sie deuten auf Unsicherheiten im Eigenbild der Frau hin, und vor allem auf eine gewisse Verwirrung in Bezug auf ihre Sexualität. Es wird auch noch viele andere Gründe geben. In manchen Fällen kann eine solche Aufmachung andeuten, dass tatsächlich der Weg zur wahren Weiblichkeit schon betreten wurde.«



      „Das Tuch auf dem Tisch und die Kerze,“ sagt Don Hernano, „sollen also an den Ort der Zusammenkunft erinnern, von dem du sprachst.“



      „Ja,“ gebe ich schlicht zurück. „Sie suchte diesen Ort auf, um mit mir eine delikate, intime Angelegenheit zu besprechen.“



      „Sie wollte sich Ihnen als Magd anbieten?“



      „Wenn das der Fall war, dann war dieser Wunsch noch zu sehr von den Zwängen der westlichen Kultur unterdrückt.“



      Die hübsche Erscheinung aus meiner Vergangenheit beginnt sich anmutig im Takt der Musik zu wiegen, dreht sich, streckt die Hände dabei aus. Ich betrachte sie. Wie schön sie ist! Sie blickt mich an und beginnt entschlossen im Takt zur Musik ihr Haar zu öffnen.



      Am Tisch gibt es Beifall dafür, denn sie bewegt sich wohlgefällig für das Auge.



      Vorsichtig löst sie das Kleid unter dem Arm, an der Hüfte, am Oberschenkel und am Knie und zieht es aus. Dabei sehe ich, dass hier lediglich ein rechteckiges weißes Tuch genommen und geschickt umgeschlagen und vernäht worden ist, um einem schulterfreien Kleid zu ähneln.



      Leiser Applaus klingt auf.



      Bella setzt sich anmutig nieder und beginnt die goldfarbenen Riemen von den Füßen zu lösen. Im Jazzlokal hat sie vor einer Ewigkeit, wie mir scheint, goldfarbene Pumps getragen, die ähnlich festgeschnallt gewesen sind. Sie sieht mich an. Jeder der Anwesenden weiß, was ihre Vorstellung bedeutet.



      Unter Applaus richtet sie sich auf. Der Büstenhalter ist auf raffinierte Weise mit weichem weißem Stoff nachgebildet worden. Hier in Kak-Aute gibt es so etwas nicht zu kaufen. Sie hebt lasziv die Hände, greift nach hinten und lässt den Stoffstreifen fallen.



      Unsere Blicke begegnen sich.



      „Sehr gut,“ kommentiert Don Hernano.



      Bella bewegt die rechte Hand an die Hüfte, öffnet den Stoff des kurzen Lendenschurzes, den sie noch trägt, windet ihn ab und lässt ihn zu Boden fallen. Anschließend kommt sie in zwei schnellen Schritten zu mir und kauert sich neben mich, an meine Beine gelehnt.



      „Ausgezeichnet!“ sagt Don Hernano lächelnd und klatscht Beifall. Ronaldo fällt darin ein.



      Ich fasse meine Kleine an den Oberarmen, ziehe sie hoch und halte sie fest. Tief blicke ich ihr in die Augen. Sie atmet schwer, von Gefühlen überwältigt. Flehend blickt sie zu mir auf.



      Nie hätte ich es für möglich gehalten, dass sie uns eine solche Vorstellung geben könnte. Ich habe Rosa wohl gesagt, dass Bella an der Unterhaltung meiner Gäste teilnehmen soll, doch habe ich so etwas nicht erwartet. Offenbar hat sie ihren Auftritt selbst vorgeschlagen und ausgearbeitet, denn von vielen der darin enthaltenen Einzelheiten konnte Rosa nichts wissen.



      Mit ihrem Auftritt hat also die kleine dunkelhaarige Schönheit zu mir gesprochen. Ein wunderschönes Geschenk für mich.



      Rosa zündet die gelöschten Kerzen wieder an. Das Zimmer ist nun wieder normal beleuchtet und die Tänzerin hat die Kerze und das Tuch fortgeräumt. Ich blicke in die Augen meiner Kleinen, die mich flehend ansehen.



      „Herr“, flüstert sie.



      „Es wird Zeit für den Likör, Magd,“ sage ich.



      „Ja, Herr,“ flüstert sie.



      Dann richtet sie sich auf und eilt zum Buffet.



      „Bella!“ rufe ich.



      „Ja, Herr?“ fragt sie zurück.



      „Du wirst bedienen, wie du bist.“



      „Ja, Herr.“



      Sie kehrt an den Tisch zurück und beginnt das Getränk auszuschenken.



      „Sie ist wunderschön“, sagt Don Hernano. „Sie werden sie gut zu nutzen wissen.“



      „Soviel steht fest!“ antworte ich lächelnd.



      „Wie ihr Männer über uns redet!“ sagt Rosa.



      „Still, Magd!“



      „Ja, Herr,“ sagt sie und senkt scheu den Kopf.



      Wenig später brechen Don Hernano und Ronaldo auf.



      „Es war ein schöner Abend,“ sagt Don Hernano zum Abschied.



      Ich schließe hinter beiden die Tür und bringe Rosa und die Tänzerin persönlich zu ihren Herren zurück. Bald darauf bin ich wieder in meiner kleinen Wohnung und wende mich meiner Kleinen zu. Sie kniet am Tisch. Die Dekoration hat sie inzwischen fort geräumt. Das Zimmer sieht aus wie immer. Ich ziehe Bella hoch, presse sie an mich und beginne ihr Gesicht, ihren Mund, ihren Hals und ihre Brüste mit Küssen zu bedecken.



      „O Herr!“ fleht sie. „Bitte lass’ uns zu Bett gehen.“



      Wie klein und warm sie ist, wie hübsch anzuschauen, wie sie da auf den Tuchen der Liebe in meinen Armen liegt, im weichen Licht der Liebeslampe!



      *



      „Ich bin ja so glücklich, Herr,“ flüstert sie. „So glücklich!“



      Zum ersten Mal habe ich sie am Fuß des Bettes genommen und dann wiederholte Male in der Wärme der Decken.



      „Ich hätte nie gehofft, jemals so glücklich zu sein,“ flüstert sie.



      Das Licht des Morgens sickerte inzwischen durch das Fenster in den Raum. Wir haben lange ineinander verschlungen geschlafen.



      Ich bin zum Buffet gegangen und habe etwas zu essen geholt. Wir probieren von den Resten des gestrigen Festessens. Es ist angenehm, mit einer nackten jungen Frau zu frühstücken.



      Wir sprechen über viele Dinge, auch über unser früheres Leben in Köln und unsere Erlebnisse auf der Universität. Sie ist sehr gesprächig.



      „Ich habe noch etwas,“ sage ich.



      Der Wasserkocher hat sich gemeldet. Ich hole auf einem Tablett einen Krug mit heißem Wasser, Kaffeepulver, dazu Zucker und Milch, Trinkschalen und Löffel. Sie bereitet die Portionen und wir trinken vorsichtig. Dabei kniet sie vor mir, hält ihre Schale in den Händen und nippt vorsichtig. Stumm schauen wir uns beim Trinken an.



      Wie schön sie ist – und sie gehört mir!



      „Es gefällt mir, deine Magd zu sein, Herr!“ flüstert sie.



      „Trink aus!“ sage ich.



      „Ja, Herr.“



      Ich stelle meine Trinkschale ab.



      Dann mustere ich sie. Mein Blick wandert von den kleinen Füßen über die hübschen Schenkel zur aufreizenden Rundung ihrer Hüften, dann über die Brüste, zu den Schultern, Armen und Händen, über die lieblichen Lippen und empfindsamen, zarten Gesichtszüge und tiefgründigen Augen, bis hin zu dem dunklen dichten Haar.



      Schüchtern stellt sie ihre Trinkschale auf das Tablett.



      „Der Herr begehrt mich,“ sagt sie.



      Ich schiebe das Tablett zur Seite. Halb kniet, halb hockt sie vor dem großen Bett. Ich erkenne Furcht in ihren Augen.



      „Hast du manchmal Angst vor den Wünschen deines Herrn?“ frage ich.



      „Manchmal vor dem Ausdruck in deinen Augen,“ antwortet sie.



      „Was siehst du in meinen Augen?“



      „Goreanische Lust,“ sagt sie. „Und ich weiß mich hilflos gegenüber diesem Drängen.“



      Sie erschaudert.



      Es ist angenehm, diese ergebene Schönheit im Arm zu halten.



      „Du hast recht,“ erwidere ich, „du bist nichts anderes als Besitz.“



      Meine Hand wandert an ihrem Körper hinab.
      „Ja, Herr. Oh, oh, Herr!“



      Ich bewege mich in ihr. Sie klammert sich verzweifelt an mich. Ich spüre, dass sie dem Orgasmus nahe ist. Ich setze die vorsichtige Bewegung fort. Sofort beginnt sie zu stöhnen, zu zucken und blickt mich aus starren Augen an, ohne etwas zu sehen. Sie horcht ganz in sich hinein, ist ganz Gefühl. Schließlich wirft sie hilflos den Kopf in den Nacken. Schluchzend dreht sie sich zur Seite und zieht die Knie an.



      *



      „Es ist Abend, Herr,“ flüstert sie.



      „Ja.“



      Ich habe das Duftöl in der Liebeslampe nachgefüllt und wieder angezündet. In dem weichen Licht sieht sie wunderschön aus.



      „Die ganze letzte Nacht und den ganzen heutigen Tag hast du mich bei dir behalten,“ sagt sie.



      „Ich habe lange darauf gewartet, dich zu besitzen,“ sage ich.



      „Ja, Herr.“



      Sie rollt herum und blickt zur Decke empor.



      „Don Marco hat dir angeboten, in Deutschland einen Ort wie Kak-Aute zu gründen.“



      „Ja.“



      „Dann bin ich also die Magd eines wichtigen Mannes, nicht wahr?“



      „Mag sein,“ gebe ich zurück. „Zuerst einmal müssen wir beide das Examen bestehen. Dann sehen wir weiter. Aber vergiss nicht, dass du nur meine Magd bist, nichts weiter als ein Besitzstück wie viele andere Sachen im Haushalt auch.“



      „Ja, Herr. Weißt du noch, wie ich vor langer Zeit in dem Jazzlokal die Träume erwähnte, die mir damals seltsam vorkamen?“



      „Ja.“



      „Ich hatte oft geträumt, dass ich Sklavin wäre, dass mir ein Halsreif um den Hals läge und dass ich einem Mann dienen müsste.“



      „Ich weiß.“



      „Diese Träume hatten etwas Gemeinsames, lieber Herr,“ fährt sie fort, „das ich dir damals nicht zu sagen wagte.“



      „Und das war?“



      Sie hebt den Blick, schaut mir in die Augen.



      „Dieser Mann, dem ich dienen musste, war immer derselbe.“



      „Das deutetest du an. Deshalb hättest du psychologische Hilfe gesucht, sagtest du…“



      „Dieser Mann warst stets du, Herr.“



      Behutsam nehme ich sie in die Arme.



      „Du siehst also, Herr – für mich bist du ein wahrgewordener Traum.“



      „Und du für mich, süße Magd“, gebe ich zurück.



      „Herr?“



      „Sehr oft stellte ich mir vor, dich nackt in den Armen zu halten, meinem Willen unterworfen.“



      „Ich bin jetzt hier, Herr.“



      „Ja.“



      „Und nirgendwo anders möchte ich sein,“ flüstert sie.



      Ich betrachte Bella im Licht der Liebeslampe.



      „Verflogen sind die seelischen Schmerzen und Schamgefühle der modernen Gesellschaft,“ sagt sie leise.



      Ich küsse sie sanft.



      „Wie befremdet wäre ich wohl vor langer Zeit in Deutschland gewesen,“ sagt sie, „hätte mir jemand prophezeit, ich würde meine Erfüllung in einem anderen Lebensstil finden – auf einem Sklavenlager.“



      „Du bist eine Frau,“ sage ich.



      „Ja, Herr,“ antwortet sie.



      Liebevoll bringe ich sie zur Ekstase.

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      -6-



      Ich arbeite in der Parfümabteilung eines Kaufhauses in Koblenz. Viel ist nicht los. Ich hänge meinen Gedanken nach.



      Mein Leben liegt in Scherben. Meinen Vater kenne ich nicht. Meine Eltern haben sich schon früh getrennt.



      Meine Mutter hat viel arbeiten müssen. Dann ist sie schwer erkrankt und ich bin zu Pflegeeltern gekommen, die mich später adoptiert haben. Dort habe ich alles bekommen, nur keine Zuwendung. Oh, wie ich mich danach gesehnt habe. Ein Mitschüler, eine Klasse über mir, hat sich für mich interessiert. Ich bin darüber froh gewesen und bald seinen Schmeicheleien erlegen. Von Verhütung habe ich noch keine Ahnung gehabt.



      Ich bin schwanger geworden und in ein Heim gekommen. Es ist dann zu Komplikationen während der Geburt gekommen. Ein Kaiserschnitt ist unternommen worden. Mein kleiner Liebling ist tot zur Welt gekommen. Ich wurde sterilisiert. Später habe ich einen Mann kennen gelernt. Anfangs habe ich mich im Himmel schwebend gefühlt, aber nach einigen Jahren ist er aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausgezogen. Immer öfter hat es Streit gegeben. Er hat mir vorgeworfen, keine Kinder bekommen zu können.



      Dann wurden wir geschieden. Danach hat mich eine Freundin dazu ermutigt, mich bei einem Partner-Chat im Internet anzumelden. Nach einigen Wochen habe ich dort einen Mann kennen gelernt. Wir haben uns getroffen. Er hat mir geschmeichelt. Es ist wunderbar mit ihm im Bett. Ich habe ihn zu lieben begonnen. Irgendwann hat er mir die Welt des Sadomaso gezeigt. Drei Jahre habe ich alles für ihn getan. Er ist alle paar Wochen übers Wochenende zu mir gekommen. Die Zeit dazwischen ist mit tiefer Sehnsucht erfüllt. Dann hat er sich zu langweilen begonnen. Ich habe seinen Wünschen nicht mehr genügt. Plötzlich ist er nicht zu einem verabredeten Termin gekommen. Sein Telefon ist abgemeldet. Ich habe mich leer, ausgelaugt, hängen gelassen, abgelegt gefühlt, wie ein langweilig gewordenes Spielzeug.



      Da bin ich auf eine Internetseite gestoßen, auf der die Leute über gorean Lifestyle diskutieren. Ich will wissen, um was es sich dabei handelt und melde mich an. Irgendwie sprechen mich die Diskussionsthemen an. Ich lese aufmerksam mit und kommentiere hier und da kritisch. Dann erstelle ich selbst ein Thema. Nämlich das, was mir aufgrund meiner bisherigen Erfahrungen schmerzhaft auf der Seele brennt: Die Verantwortung des Herrn. Ich erhalte erst gar keine Resonanz. Dann schreibt einer der männlichen Forum-Mitglieder ein ziemlich radikales Kommentar, das mich sehr zum Denken anregt. Ich lese speziell die Forumsbeiträge, die von diesem Mitglied stammen und fühle, dass er etwas in mir anspricht, was ich nicht wirklich wahrhaben möchte.



      Ich beantworte sein Kommentar und er schickt mir eine Persönliche Forennachricht, in der er mich fragt, ob ich mich als devot betrachte, da ich in meinem Profil angegeben habe, das ich Freundschaften suche und an einem Mentor/Lehrer interessiert bin.



      Ich antworte, dass ich wohl eher devot bin, aber schlechte Erfahrungen gemacht habe und daher erstmal nur an Gesprächen auf freundschaftlicher Basis interessiert bin zum Kennenlernen des Lebensstils. Er lässt sich darauf ein und überlässt mir die Initiative zu sagen, was mir auf der Seele liegt. Stoff bietet das Forum genug.



      Irgendwann erzählt er mir von einer goreanischen Gemeinschaft, Leuten also, die den Lebensstil real leben und sich organisiert haben und lädt mich auf eine andere Internet-Seite ein. Auch mag er mit mir über Skype texten. Dort könne man sich besser unterhalten, als über die Persönlichen Nachrichten. Ich fühle mich bei ihm aufgehoben, geachtet und als Person wertgeschätzt, also gehe ich auf seine Vorschläge ein.



      Via Skype gehen die Gespräche bald auf das Thema ‚Was wäre wenn’ und nach etwa einem viertel Jahr Kontakt, lese ich auf Skype:



      „Hättest du etwas dagegen, dich mit mir zu treffen? Auf neutralem Boden natürlich! In einem Café deiner Wahl zum realen Kennenlernen – nur zum Reden erstmal!“



      „Bei diesem Ablauf, ja, gerne, Josef.“



      „Gut, dann komme ich morgen Abend und hole dich ab. Du führst mich dann irgendwo hin, wo es dir passt.“



      „Abends haben Cafés aber meistens schon zu, wenn ich Feierabend habe. Und du fährst - nach dem Gespräch - alleine zu dir nachhause zurück?“



      „Wenn ich das doch sage! Ich halte mich strikt an Absprachen, Leo. Ein Herr muss verlässlich sein, Ehrlichkeit im Umgang ist äußerst wichtig. Ich trage mein Herz auf der Zunge. Ich sage nicht etwas und denke etwas anderes.“



      „Sorry, ich wollte dir nicht zu nahe treten.“



      „Ach Leo, das bist du nicht!“



      „Okay, also bis morgen Abend.“



      „Ich bin gespannt.“



      „Ich auch!“



      Irgendwie ist mir der Zeitraum zu kurz. Heute verabredet für Morgen. Warum nicht fürs Wochenende? Aber wenn er mich bloß sehen will und nur kurz sprechen – warum nicht?



      Am Morgen des nächsten Tages stehe ich etwas früher auf um mich vorzubereiten und noch etwas mitzunehmen, damit ich mich nach der Arbeit in der Mitarbeitertoilette noch etwas zurecht machen kann.



      *



      Viel ist heute nicht los. Ich hänge meinen Gedanken nach, als mir kurz vor Feierabend ein Mann auffällt. Der Mann blickt mich nicht gerade unauffällig an.



      „Kann ich Ihnen helfen?“ frage ich.



      „Könnten Sie mir zeigen, wo sich das Kaufhauscafé befindet?“ fragt er leise.



      „Ja, gehen Sie zu der Rolltreppe da rechts und fahren Sie eine Etage hinunter. Da finden Sie Hinweisschilder, die Sie leiten.“



      „Ich meine – könnten Sie mich hinführen?“



      „Ich habe zu tun,“ sage ich.



      „Nein, das haben Sie nicht,“ antwortet er scharf.



      Ich zucke die Achseln, als wäre ich wütend. Doch in Wirklichkeit fürchte ich mich vor ihm. Ein unbestimmter Ausdruck seinen Augen sagt mir, er gehört nicht zu den Männern, mit denen eine Frau so umspringen kann.



      „Möchten Sie etwas kaufen?“ frage ich, unsicher geworden.
      „Zeigen Sie mir Ihr teuerstes Parfüm!“ fordert er.



      Ich gehorche.



      „Preisen Sie es an!“ sagt er. „Bin ich kein Kunde dieses Hauses? Sprühen Sie sich etwas auf das Handgelenk. Mal sehen, ob es mich interessiert.“



      Er greift mein Handgelenk. Ich erschaudere, denn ich fühle, dass ich seinen Griff niemals würde öffnen können, wenn er es nicht will. Er hebt mein Handgelenk seiner Nase entgegen, während er sich herab beugt und atmet ein - tief, sinnlich, intim. Wieder erschaudere ich.



      „Das nehme ich,“ sagt er und hebt den Kopf. „Gefällt es Ihnen?“



      „Ja, aber ich kann es mir nicht leisten.“



      „Ich nehme es. Packen Sie es ein und wickeln Sie es als Geschenk ein.“



      „Es kostet hundertfünfzig Euro,“ sage ich.



      Er zieht sein Portemonaise und nimmt drei Fünfzigerscheine heraus. Unsicher zitternd wickele ich das Parfüm ein und nehme dann das Geld.



      „Vielen Dank,“ sage ich unsicher und schiebe ihm mit den Fingerspitzen das kleine Paket hin. Er reicht es mir.



      „Natürlich für Sie,“ sagt er.



      „Für mich? Das kann ich nicht annehmen!“



      „Aber Sie werden es tun?“



      „Ja,“ antworte ich leise mit gesenktem Blick.



      Ich lasse das Päckchen in meine Tasche unter der Kasse rutschen und er verabschiedet sich.



      Dann ist meine Arbeitszeit vorbei und ich mache mich fertig für das Date.



      Draußen, etwas weiter die Fußgängerzone entlang, steht eine Säule mit einer Figur oben drauf. Dort will meine Internet-Bekanntschaft auf mich warten.



      Als ich ankomme, steht ein Mann auf der gegenüberliegenden Seite an der Säule. Ich muss die Säule umrunden.



      „Entschuldigen Sie, sind Sie Josef?“ frage ich.



      Der Mann zeigt ein breites Grinsen. Es ist der Mann, der das Parfüm vor einer halben Stunde bei mir gekauft hat.



      „Ich kann das Parfüm nicht annehmen!“ sage ich.



      „Aber du wirst es annehmen!“ sagt er mit so einem bestimmenden Unterton in der Stimme.



      „Ja,“ flüstere ich.



      „Du wolltest mir ein Café zeigen, Leo,“ sagt er mit jetzt weichem Ton.



      Ich schüttele kurz den Kopf, als wolle ich schlechte Gedanken vertreiben.



      „Okay, gehen wir.“



      Ich drehe mich um und er hält mit mir Schritt. Neben mir her gehend, fragt er mich:



      „Was für ein Gefühl hattest du in der Parfümerie?“



      „Du hast mir das Heft aus der Hand genommen. Beinahe könnte man sagen, du hast mich manipuliert. Und das beunruhigende daran ist, mir war nicht unwohl dabei. Normal bestimme ich, was der Mann darf und was nicht, und zeige das auch. Eben war ich aber ganz von der Rolle.“



      „Ich hätte ja auch einen kleinen Begrüßungsstrauß kaufen können, um dir am Treffpunkt eine unverbindliche Freude zu machen. Aber da wir über das Thema schon lang und breit getextet haben, dachte ich, ich demonstriere dir mal, was auf dich zu kommen könnte. So kannst du besser für dich entscheiden, ob du das willst, als nur durch das Texten.“



      Ich bin nachdenklich. Nach einer kurzen Pause fährt Josef fort:



      „Ich habe darauf gedrängt, dass wir vor intimen Kontakten längere Gespräche, bei realen Treffen wie diesem, miteinander führen. Ich will wissen, welche Erwartungen du an eine Gefällebeziehung hast und versuche sie mit meinen Erwartungen zu verbinden und so eine tragfähige Basis zu schaffen für eine gemeinsame Zukunft. Dazu gehört auch, was du mir aus deinen verflossenen Beziehungen schon erzählt hast. Diese Erfahrungen gehören definitiv der Vergangenheit an! Ich brauche keine Sklavin, damit ich es bequem habe. Ich brauche keine Devota, die ich ausbeute zu Meinem Alleinigen Spass. Mit deiner möglichen Unterwerfung übergibst du mir die volle Verantwortung für uns Beide. Mit deiner Unterwerfung übernehme ich die Verpflichtung, zum Wohl des Ganzen zu entscheiden! Achtung, Wertschätzung, Respekt, Ehre, Ehrlichkeit sind mir sehr wichtig. – Ah, hier möchtest du mit mir hin.“



      Wir stehen vor dem Starbucks, den ich angesteuert habe. Er öffnet die Tür und lässt mich eintreten, dann schließt er die Tür hinter sich. Ich setze mich an die Wand und antworte ihm:



      „Ja, darüber haben wir schon mehrfach getextet. Es wäre schön, diese Eigenschaften mal real zu erleben.“



      „Das ist kein Problem. Wir haben zwei Regionalzentren. In Koblenz kennst du dich aus. Events, die hier stattfinden, erfährst du als erste. Für mich gilt für Köln das gleiche. So können wir uns gegenseitig besuchen in der nächsten Zeit, gemeinsam Events besuchen und dabei erlebst du mich real.“



      „Und nach den Events?“



      „Das hast du in der Hand! Wie schnell es geht, bestimmst du! Vertrauen muss wachsen und das braucht Zeit! Wieviel Zeit, das ist individuell verschieden. Daher bestimmst du die Geschwindigkeit bis wir intim werden. Ich dränge dich nicht. Anfangs werden wir nach den Events jeder zu sich nachhause fahren…“



      Ich schaue Josef erstaunt in die Augen.



      „Du bist nicht gekommen, um mich rumzukriegen?“



      „Ich bin gekommen, um dich kennenzulernen. Ich will mit dir eine Beziehung gründen, die vielleicht die nächsten dreißig Jahre Bestand hat. Wir haben doch alle Zeit der Welt. Wir brauchen keinen schnellen Sex. Das würde nur wieder ein Strohfeuer entzünden. Schnell hoch auflodern und gleich wieder in sich zusammen fallen. Das soll nicht sein!“



      „Würdest du denn eine Beziehung mit mir wollen? Gefalle ich dir?“



      „Der erste Eindruck ist sehr positiv, Leo. Von daher würde ich wollen!“



      „Ich habe zwei Beziehungen hinter mir, wo ich in verschiedener Art ausgenutzt wurde. Mir ist mein Job, meine Unabhängigkeit wichtig. Ich muss abgesichert sein, falls ich irgendwann alleine da stehe. Ich möchte nicht von einem Mann abhängig sein.“



      „Abhängigkeit, Hörigkeit strebe ich ja auch nicht an. Gehorsam schenkst du mir, wenn du Gehorchen für stimmig hältst, wenn du dich darin wohl fühlst. Und deinen Beruf darfst du gerne behalten.“



      „Was ist mit meiner finanziellen Unabhängigkeit?“



      „Eine Beziehung führen zwei Menschen, die gemeinsam an einem Strang ziehen, Leo,“ antwortet er mir. „Aber beide gemeinsam an einer Seite des Strangs, an dessen anderer Seite das Leben zieht! Zieht jeder an der anderen Seite des Strangs, arbeiten sie gegeneinander. Diese beiden führen irgendetwas – nur keine Beziehung.“



      „Konkurrenzverhalten schadet einer Beziehung!“ ergänzt er nach kurzer Denkpause. „Deine Angst, deine finanzielle Unabhängigkeit zu verlieren, entspringt deinen Erfahrungen, dass die Männer dich sonst ausnehmen wie eine Weihnachtsgans und du am Ende ohne Alles da stehst. Solange du nicht genug Vertrauen hast, dass ich zum Wohle von uns Beiden entscheide und du Angst hast, dass deine Meinung nicht genügend Berücksichtigung findet, sollst du deine finanzielle Unabhängigkeit behalten, Leo!“



      Ich schaue ihn erstaunt an. Er hat so einen warmherzigen Ausdruck in den Augen.



      „Ich habe noch nie einen Mann wie dich kennen gelernt, Josef! Für einen dominanten Mann bist du viel zu normal. Für einen normalen Mann dagegen viel zu bestimmend. Dominanz ist doch sehr vielschichtig, stelle ich fest!“



      „Ich lebe im Jetzt, Leo. Ich versuche nicht, irgendwelche heißen Träume in die Tat umzusetzen für die Dauer eines Nachmittages vielleicht und mich dann auf das nächste Treffen mit strikter Rollenverteilung zu freuen. Mir schwebt eine dauerhafte Beziehung vor. Dazu müssen wir eine gemeinsame Basis finden, wenn du das auch willst. – Was sich dann daraus entwickelt, wird die Zeit zeigen! Es gilt: Immer alles offen beim Anderen ansprechen, was Einen bewegt. Der Andere muss stets wissen, wobei du dich wohl fühlst, wobei nicht!“



      „Und du wischst meine Bedenken in manchen Dingen nicht einfach so nach Dom-Art vom Tisch? So nach dem Motto: ‚Ich bin der Herr, also bestimme Ich und du gehorchst oder Ich gehe!’“



      „Hätte ich sonst jetzt gerade deine Bedenken bezüglich deiner finanziellen Unabhängigkeit nicht berücksichtigt? Ob ich das jetzt nur sage, um dich einzulullen, oder ob ich das Ernst meine, das prüfe gern im täglichen Miteinander in der nächsten Zeit, Leo!“



      „Man kann sich auch später noch radikal ändern…“



      „Leo, jede Beziehung birgt das Risiko, dass die Partner sich auseinander leben. Wenn keiner mehr ein noch so kleines Risiko einginge, gäbe es nur Singles auf der Erde…“



      Wir reden noch eine Zeitlang belanglos miteinander, dann verabschiedet er sich mit den Worten:



      „Du, Leo, ich muss noch zwei Stunden fahren bis ich zuhause bin. Wir lesen voneinander und dann magst du entscheiden, ob du mich wieder sehen willst. Diesmal vielleicht in Köln?“



      „Gerne, Josef.“



      Wir stehen auf und er nimmt meine Hand und schaut mir dabei derart in die Augen, dass es mich kribbelt. Draußen trennen sich unsere Wege. Er geht zu einem Parkhaus in der Nähe und ich mache mich auf den Heimweg. Zuhause schalte ich den Fernseher ein, aber ich bin in Gedanken ganz wo anders. Gut zwei Stunden später piept mein Handy. Ich lese:



      „Hallo, Leo. Bin gut zuhause angekommen. Ich hoffe, du bist nicht zu sehr durcheinander :)“



      „Hallo Josef :) mir geht es gut. Ich bin nur nachdenklich. Ich muss den heutigen Abend erst sacken lassen,“ schreibe ich zurück.



      „Okay, Leo. Das verstehe ich. Meinst du, du könntest mich am Sonntagnachmittag zu einem Spaziergang durch einen Kölner Park mit Museumsbesuch besuchen kommen – mehr nicht. Nur um Eindrücke zu sammeln und weiter zu reden.“



      „Darf ich dir am Samstag meine Entscheidung bekannt geben? Lass‘ mir bitte noch etwas Zeit zum Nachdenken.“



      „Aber natürlich!“ antwortet er.



      Ich rufe Vicky an, meine beste Freundin.



      „Hallo Vicky, hast du morgen nach Feierabend Zeit zum Schwofen in unserer Bar? Ich muss dir etwas erzählen…“



      „Hast du einen Neuen, Leo?“



      „Du triffst wie immer den Nagel auf den Kopf.“



      „Ich kenne dich doch.“



      Ich höre regelrecht das breite Grinsen aus ihrer Stimme heraus.



      „Erzähl’ mal. Wie ist er? Was macht er? Wie sieht er aus?“
      „Wir haben uns heute das erste Mal getroffen zu einem Kaffee. Er ist beeindruckend. Er weiß, was er will. Er hat keine Laster. Er kann nicht tanzen…“



      Ein Lachen stoppt meinen Redefluss.



      „Na, das wird aber eine traurige Verbindung!“



      „Na, wenn ich das Bedürfnis habe, tanzen zu gehen, wirst du herhalten müssen, wie bisher!“ gebe ich frech zurück.



      „Sonst geht’s dir gut?“ fragt sie lachend.



      „Aber ja, Vicky.“



      „Wann stellst du ihn mir denn mal vor?“



      „Irgendwann demnächst bestimmt, Vicky. Ich arrangiere dann einen Bowlingabend zu viert. Bring’ du deinen Freund dazu mit.“



      „Das lässt sich machen. Halte mich auf dem Laufenden!“



      „Morgen Abend geht klar?“



      „Aber ja, Leo. Ich bin gespannt, mehr zu erfahren!“



      Im letzten Teil des Gesprächs piept mein Handy kurz. Ich beende das Gespräch und schaue nach. Eine SMS von Josef ist eingetroffen:



      „Ich schick Dir für die Nacht

      einen Engel, der über dich wacht.

      Er soll Dir nehmen Deine Sorgen,

      damit die Sonne wieder scheint ab morgen.



      Schlaf gut und träum was schönes, Leo.“



      Ein warmes Gefühl steigt in mir hoch. Josef ist so ganz anders als die Doms, die sonst so im Internet herum schwirren und auch als der, den ich real kennen gelernt habe. Trotzdem muss ich immer noch an das Erlebnis in der Parfümerie denken. Es war wie ein Teil einer Session, aber ohne dass wir vereinbart haben, wie weit er gehen darf. Mein Schutz war die Öffentlichkeit, sage ich mir. Wie wäre das wohl gelaufen, wenn er mit mir alleine gewesen wäre?



      „Ich wünsche dir schöne Träume. Schlaf du auch gut,“ schreibe ich zurück.



      *



      Ich sitze am Sonntag darauf nach einem frühen Mittagessen in der Bahn und hänge meinen Gedanken nach. Gerade ‚fliegt’ der Brückenkopf der Brücke von Remagen an mir vorbei. Eine gute halbe Stunde später huscht Burg Drachenfels am Fenster vorbei, dann fährt der Zug in den Bahnhof von Köln ein und ich steige aus.



      Josef steht auf dem Bahnsteig und sucht mit dem Blick die geöffneten Zugtüren ab. Schließlich hat er mich entdeckt und kommt auf mich zu.



      „Hallo Leo, ich freue mich, dass du gut angekommen bist,“ lächelt er mich an.



      In der Freude des Wiedersehens umfange ich ihn mit meinen Armen und drücke ihn an mich. Ich muss mich ein wenig recken, dann berühren sich unsere Wangen flüchtig. Freudestrahlend schaut er mir in die Augen und hält mir ein Päckchen hin.



      „Josef, das muss aber nicht sein, dass du mir bei jedem Zusammentreffen etwas schenkst! Deine Anwesenheit ist mir schon Geschenk genug! In deiner Nähe fühle ich mich wohl. Du bist so souverän, dich kann anscheinend nichts erschüttern.“



      „Nein, Leo. Am Dienstag und heute sind es unsere ersten Zusammentreffen jeweils in der Heimat des Anderen. Deshalb…“



      „Gut, das kann ich akzeptieren.“



      „Leo, meine Entscheidungen wirst du in Zukunft akzeptieren müssen, wenn du dich für mich entscheidest! Jedoch gehen meinen Entscheidungen oft Gespräche unter uns voraus, denn meine Entscheidungen sollen meinem UND deinem Wohl dienen!“



      „Das sehe ich auch so, Josef.“



      Ich öffne das Päckchen und sehe, dass es eine kleine Brosche in Form eines Herzens, das von einer Kette umschlungen wird, enthält. Spontan gebe ich Josef einen Kuss auf die Wange.



      „Ein Blumenstrauß würde heute Abend schon bei dir zuhause die Köpfe hängen lassen, also habe ich mich dafür entschieden,“ sagt er fast entschuldigend.



      Ich lächele ihn an.



      „Die Brosche ist wunderschön,“ sage ich und versuche, sie mir anzustecken.



      Er nimmt sie und steckt sie mir links an den Kragen meiner Kostümjacke. Dabei sagt er:



      „Du siehst wunderbar aus! Aber du trägst eine Kleidung, die geeignet ist, nicht in der Umwelt aufzufallen. Ein Kleid würde nach längeren Zug- oder Autofahrten zwar ziemlich zerknittert aussehen. - Bei Gelegenheiten, die nur uns beiden gehören, sähe ich dich gerne in einem Kleid, Liebes.“



      Dabei guckt er mich wieder so eigenartig an. Mir wird ganz anders. Ich schaue ihn von unten mit großen Augen an und antworte:



      „Ja, Herr.“



      „Sei vorsichtig, was du sagst,“ lächelt er und legt mir den rechten Arm über die Schultern.



      Einen Moment schmiege ich mich an ihn. Es fühlt sich gut an.



      „Ich muss aber die Gelegenheit erhalten, zu spüren wie es sich anfühlt, dich so zu nennen! Denn ich möchte dir kein Theater vorspielen. Wenn ich dich ‚Herr’ nenne und das Knie beuge, soll es schon aus meinem Herzen kommen!“



      Dann drehe ich mich weg und frage:



      „Wo gehen wir hin?“



      „Also – erstmal verlassen wir den Bahnhof,“ lacht er mich an. Dann ergänzt er leise: „Das wünschte ich mir sehr, dass es dir aus dem Herzen fließt! Denn meine Verantwortung und Fürsorge kommt ebenfalls von dort, Leo…“



      Wir verlassen den Bahnhof und gehen hinunter zur Uferpromenade. Dort wendet er sich nach rechts und wir gehen an Schiffsanlegestellen vorbei. Nach zehn Minuten schlendern, erreichen wir einen verglasten Bau, der einem modernen Ausflugsschiff ähnelt.



      „Das ist das Schokoladenmuseum, Leo,“ sagt Josef.



      Wir betreten das Gebäude, bezahlen den Eintritt und lassen uns von Produktionsschritt zu Produktionsschritt die Herstellung von Schokolade erklären. Zum Schluss kann man sich verschiedene kleine Täfelchen kaufen. Über zwei Stunden haben wir in dem Gebäude verbracht, als er mich fragt:



      „Ich würde gern einen Kaffee trinken wollen. Wie geht es dir, Leo?“



      „Das ist eine gute Idee, Josef!“



      Wir setzen uns also in die Cafeteria, bestellen uns Kaffee und Kuchen, und ich strecke meine Beine aus. Er bemerkt das und lächelt mich an:



      „Die Pause tut deinen Füssen gut, wie ich sehe.“



      Ich lächele zurück.



      „Du bestimmst gar nicht kompromisslos, was wir tun, Josef. Du lässt mich an deinen Entscheidungen teilhaben und gehst schon mal von deiner ursprünglichen Idee ab…“



      „Ja, Leo. Ich kann halt keine Gedanken lesen. Also brauche ich deine Meinungsäußerung vor meinen Entscheidungen, wenn ich nicht nur auf Mein Vergnügen Rücksicht nehme, sondern dein Wohl ebenfalls im Blick haben will. – Und dabei kann es natürlich passieren, dass ich auf Alternativen ausweiche. Das ist für mich ganz normal und darin sehe ich kein Dominanzproblem.“



      „Und das macht dich in Meinen Augen so besonders!“



      „Das hat allerdings seine Grenzen, Leo! Eine Beziehung lebt vom ständigen wechselseitigen Geben und Nehmen. Wenn du also im Gegenzug mir das Gefühl gibst, dass du mit allem was du tust, bist und denkst, mir gefallen willst, mich stolz auf dich machen willst, dann hast du einen Herrn, der sich um dich kümmert, dem du am Herzen liegst. Vertrau mir, gib Verantwortung an mich ab, Liebes. Du wirst sehen, dass du das nicht bereust!“



      „Das möchte ich sehr gern, Josef! Aber es ist schwer, aus seiner Haut zu kommen. Denn die hat eine dicke Schale entwickelt, durch andere Männer.“



      „Ich weiß ja davon, Leo – und gebe dir die Zeit, die du brauchst, die Schale aufzuweichen! Das geht aber eben nur im ‚miteinander Zeit verbringen’ und darum möchte ich dich treffen, so oft das zeitlich möglich ist. Gern wechselweise in Köln und Koblenz. Bis du die Zeit für gekommen hältst, aus der Freundschaft mehr werden zu lassen. Scheue dich auch nicht, zwischen den festen Terminen Notrufe zu starten, wenn du meine Anwesenheit brauchst! Denn so etwas kann man nicht an Terminen festmachen, Leo!“



      Ich berühre mit meinen Fingerspitzen die Seinen, schaue ihm in die Augen und frage:



      „Wenn ich deine starken Arme brauche, weil ich etwas nicht schaffe?“



      Er nimmt meine Hand in seine und nickt mir mit lächelnden Augen zu.



      „Und wenn ich deine starken Arme brauche, um mich da hinein zu kuscheln?“ ergänze ich.



      „Das sind meistens Momente, wo ich zumindest in deiner Nähe sein sollte, Liebes. Dir helfen, einen Schrank zu versetzen – zum Beispiel – kann man für den nächsten Tag vereinbaren. Dir das Gefühl von Geborgenheit vermitteln, verträgt eigentlich keinen Aufschub. Gefühle kommen und gehen. Rufe mich in solch einem Fall an, dann bin ich wenigstens stimmlich bei dir! Sollte dieses Gefühl öfter in dir aufsteigen, müssen wir überlegen, ob ich nach Koblenz oder du nach Köln ziehst!“



      „Du würdest nach Koblenz ziehen?“



      „Das ist eine rein wirtschaftliche Überlegung, Leo: Wo liegen die Arbeitsstellen, die es uns erlauben, uns täglich zu sehen.“



      „Aber du willst in einer eigenen Wohnung leben?“ frage ich vorsichtig.



      „Du meinst, voneinander getrennt? Mein Ziel ist eine Beziehung aufgrund von gegenseitiger Zuneigung… Liebe… Und dazu gehört naturgemäß eine gemeinsame Wohnung, Leo!“ antwortet Josef und schaut mir dabei in die Augen.



      *



      Nach dem Kaffeetrinken führt mich Josef den Weg zum Bahnhof zurück. Was soll ich sagen? Mein Herz klopft heftig. Mein letzter ‚Dom’ blieb in seiner Stadt wohnen und besuchte mich, wann er wollte, für längstens ein Wochenende. Ich habe auch schon gehört, dass ein Anderer seine ‚Sub’ in seine Heimatstadt holte, ihr dort ein Appartement einrichtete und sie alle paar Abende besuchte, wann er ‚Druck’ hatte. Die ‚Sub’ blieb immer sich selbst überlassen, war ein Spielzeug, das der ‚Dom’ nutzte, wann er es brauchte. Hier bieten sich mir ungeahnte Möglichkeiten für den Einsatz, mich unterzuordnen – für den Einsatz, meine tief sitzende Sehnsucht ausleben zu können…



      Ganz in Gedanken, fällt mir erst unter der Eisenbahnbrücke auf, dass wir nicht in den Bahnhof zurückkehren.



      „Wo gehen wir hin?“ frage ich Josef.
      „Du wolltest doch sicher nicht schon nach Hause fahren?“ fragt er lächelnd zurück.



      Ich ziehe einen Schmollmund.



      „Dann wäre ich enttäuscht gewesen!“



      „Aber du hättest dich abgefunden…“



      „Ja, in Sehnsucht auf deinen nächsten Besuch in Koblenz…“



      „Ich denke mal, genau so wirst du dich auch heute Abend im Zug fühlen. Aber deine Sehnsucht wird sich erfüllen!“



      „Sicher?“



      „Ganz sicher!“



      In der Zwischenzeit sind wir an einer kleinen Schiffsanlegestelle stehen geblieben. Ein Boot liegt schräg im Rhein und kommt langsam näher, macht an der Anlegestelle fest und Josef kauft beim Fährmann Fahrscheine. Noch ein paar andere Fahrgäste steigen ein, während wir uns achtern hinsetzen, dann löst der Fährmann die Taue und wir setzen über. Auf der Überfahrt legt Josef seinen Arm auf die Rückenlehne hinter mich. Ich schaue ihn an und kuschele mich stumm an ihn.



      Drüben spazieren wir langsam durch einen Park mit großen Wiesen, auf denen Leute Decken ausgebreitet haben und sich sonnen.



      „Schade, dass wir kein Tuch dabei haben,“ flüstere ich, zu Josef aufschauend.



      Er schaut mir schmunzelnd in die Augen.



      „Noch ist nicht aller Tage Abend, Leo. Das können wir immer noch tun. Aber auch Koblenz hat lauschige Plätzchen, denke ich mir.“



      „Hm, joah,“ gebe ich zurück und suche seine Hand.



      Er nimmt meine Hand und hält sie minutenlang so fest, dass ich sie nicht zurückziehen kann. So gehen wir eine Weile stumm nebeneinander her.



      „Wenn du jetzt schon mein Herr wärst, müsste ich dann nicht ein oder zwei Schritte hinter dir her gehen?“ frage ich, was mir spontan durch den Kopf geht.



      „Das kommt auf die jeweilige Situation an, Mein Mädchen,“ antwortet er, das ‚Mein’ betonend. „Bin ich in Begleitung anderer Herren – ja. Würden wir hier zufällig anderen Herren begegnen, tust du spontan, was dein Gefühl dir sagt. Sind wir zu zweit unter Normalos – niemals!“



      „Hm, kannst du mir das erklären, …Herr?“



      „Nun, sind wir in Begleitung anderer Herren, nimmst du höflicherweise einen kleinen Abstand und überlässt dem anderen Herrn den Platz neben mir. Treffen wir zufällig einen anderen Herrn quasi im Vorbeigehen, brauchst du den Platz neben mir nicht aufzugeben. Bleiben wir stehen, um uns die Hände zu schütteln, trittst du einen halben Schritt zurück, bzw. verharrst einen Moment, während ich auf den Anderen zugehe. Hinter meinem Rücken brauchst du dich nicht verstecken!

      Während wir zum Beispiel in ein Geschäft gehen und ich bin dir zu schnell, entsteht sowieso ein kleiner Abstand zwischen uns, aber im Normalfall möchte ich an deiner Seite sein, um dich zu stützen, solltest du Hilfe brauchen – zum Beispiel auf schwankendem Untergrund,“ sagt er, bei den letzten Worten mit Schalk in den Augen.



      „Auf dass ich mir niemals den Fuß an einem Stein stoße…“ muss ich das spontan kommentieren. „Aber das ist doch eine Umkehrung der Positionen Herr – Sklavin!“



      „Hm, sieh es mal so, Leo: Ich übernehme die Verpflichtung, in meinen Entscheidungen unser beider Wohl im Blick zu haben. Ich trage die Verantwortung auch für dich, sobald du sie mir überträgst, bzw. soviel du mir vertrauensvoll überträgst – und das sind für mich keine leeren Worte! Ich bin bestrebt, deinem Vertrauen gerecht zu werden! Auch ich kann Fehler machen. Auch ich bin nur ein Mensch. Aber ich verspreche, alles Menschenmögliche zu tun – wenn ich das gleiche Versprechen auch von dir erhalte: Deine Position auszufüllen, und dafür alles Menschenmögliche zu tun!“



      „Aber ist das nicht zu anstrengend?“



      „Ach was, Leo. Das ist ein Argument von Leuten, die Angst haben, Aufgaben im Leben zu übernehmen, weil sie denken, sie könnten den Aufgaben nicht gerecht werden! Kein Mensch ist perfekt, Leo! Das weiß ich genauso wie du. Es reicht, wenn man ehrlich perfekt werden will! Es reicht, ein Ziel vor Augen zu haben, eine Idealvorstellung, und diese anzustreben – wohl wissend, dass man das Ziel nie zu hundert Prozent erreichen wird. Das ehrliche Bemühen ist vollkommen ausreichend, Liebes. Der Weg ist das Ziel!“



      Mittlerweile haben wir eine weitere Rheinbrücke erreicht. Hier führt auch eine Seilbahn hoch über den Rhein. Darauf steuert Josef zu und zahlt die Überfahrt. Eine Gondel kommt. Fahrgäste steigen aus. Die Gondel kommt zu unserem Stehplatz und wir steigen ein. Langsam gewinnt sie an Höhe. Tief unter uns befahren Autos die Brücke. Wir haben hier einen grandiosen Rundblick.



      „Wenn ich das so überlege, Josef, fühle ich mich bei dir weder als Sub, noch als Sklavin, sondern beinahe wie eine Prinzessin.“



      „Das kommt dir nach meinen letzten Worten so vor, Leo. Aber das ist nur EIN Aspekt. Unsere Beziehung, wenn es dazu kommt, wird vielschichtig. Da gibt es auch noch die Aspekte des Gehorchens und Dienens, die idealerweise aus deinem Herzen kommen sollten. Eine Herr/Sklavin – Beziehung mit mir ist alles andere als einfach gestrickt. Ein einfaches ‚Ich bin der Herr. Du hast zu gehorchen, oder ich gehe‘ gibt es bei mir nicht! Du sollst verstehen, warum du gehorchst. Meine Entscheidungen entstehen aufgrund von Gesprächen miteinander. Dann aber sollte kein Widerspruch mehr kommen, es sei denn, dir fallen Probleme bei der Ausführung auf. Ich zeige dir meine Wertschätzung für deinen Dienst und meine Achtung deiner Person. Du bist mir nicht bloß ein Spielzeug, das man wegwirft, wenn es nicht mehr funktioniert. Mein Verantwortungsbewusstsein bedingt, dass ich dich pflegen würde, wenn du nicht mehr ‚funktionierst‘! Du bist dann zwar Eigentum, aber keine Sache für mich, sondern ein Geschöpf, ein Lebewesen!“



      Inzwischen sind wir auf der anderen Rheinseite angekommen, steigen aus unserer Gondel aus und Josef steuert wieder zum Rheinufer hinunter. Dann gehen wir nach rechts über die Rheinpromenade an einigen niederländischen Hotelschiffen entlang zurück zur Eisenbahnbrücke und damit zum Bahnhof. Ich habe mich bei Josef eingehakt und er geht langsam schlendernd, als wolle er die Zeit mit mir möglichst in die Länge ziehen. Beide hängen wir unseren Gedanken nach. Nur unterbrochen von laut ausgesprochenen Gedanken meinerseits, die er mir geduldig beantwortet.



      Unter der Hohenzollernbrücke angekommen, fragt mich Josef:



      „Wann geht dein Zug, Leo?“



      Ich schaue auf meine Uhr und sage:



      „In fünfunddreißig Minuten, Josef.“



      „Magst du dich dort auf die Bank setzen oder lieber bei einem Kaffee in den Bahnhof?“



      „Entscheide du, Josef.“



      „Dann setzen wir uns hier am Ufer auf die Bank!“



      Wir gehen also die fünf Meter zur Bank an der Hochwasserschutzmauer, setzen uns aneinander gekuschelt und beobachten die Möwen, die Passanten und die Schiffe, die an uns vorbei ziehen. Plötzlich sagt Josef:



      „In zehn Minuten fährt dein Zug. Ich denke, wir sollten langsam zum Bahnsteig gehen.“



      Er steht dabei auf und hält mir die Hand hin. Ich schaue ihn an mit einer Mischung aus Betrübnis und Erstaunen:



      „Schon…“



      Er lächelt und ich nehme seine Hand und lasse mich hochziehen. Dann nimmt er mich sanft in den Arm und sagt:



      „Abschiede sind nie schön, mein Mädchen. Aber ohne Abschiede gäbe es kein Wiedersehen!“



      „Das hört sich wunderbar an, mein Herr, wenn du ‚mein Mädchen’ zu mir sagst! Du willst mich also wirklich wieder sehen? Ich bin dir nicht auf die Nerven gegangen, mit all den Fragen?“



      „Fragen müssen sein, Liebes! Wenn du es dann irgendwann für angebracht hältst, schenkst du dich mir – gerne in einer kleinen Zeremonie. Gerne mit Freunden und Verwandten als Gäste.“



      „Ja, aber was würde die denn sagen, wenn sie …“



      „… vom Wesen unserer Beziehung erführen? Das müssen sie nicht, wenn du es nicht willst! Für sie kann es eine normale Verlobungsfeier sein…“



      „Wie läuft denn eine solche Feier ab, Herr?“



      „Wir feiern – gern mit Gästen – in einem guten Restaurant. Später dann erfolgt die entscheidende Zeremonie im privaten Kreis unter vier Augen.“



      „Ja, so könnte es gehen.“



      „So klappt das, Liebes. Du wirst sehen!“



      In der Zwischenzeit sind wir auf dem Bahnsteig angekommen und mein Zug steht schon abfahrbereit. Josef hilft mir beim Einsteigen und ich umarme ihn herzlich, drücke meine Wange an die Seine.



      „Es wird echt schwer, diesen Nachmittag zu übertreffen, Josef. Kaum ist der Zug angerollt, werd’ ich dich bestimmt schon vermissen!“



      „Du sollst keine Spirale eines Höher, Schneller, Weiter eröffnen, Leo. Wenn du die Wochenenden frei hast, bin ich nächsten Samstag dran dich in Koblenz zu besuchen. Wir gehen aus oder verbringen die Zeit anders miteinander. Überlege du dir etwas, um mich unter einem anderen Aspekt kennen zu lernen als heute geschehen. So lernen wir uns allmählich umfassend kennen.“



      „Okay, Josef. Der Zug … Sonst fährst du mit,“ schmunzele ich.



      Er steigt aus und winkt mir nach bis er mir am Ende des Bahnsteiges aus dem Blick gerät.



      *
      Ein Monat ist vergangen. Wir haben regelmäßig abends miteinander telefoniert und tagsüber ein paar SMS geschrieben. Schmerzlich stelle ich fest, dass Leo mir fehlt. Nun sitze ich im Zug nach Koblenz und Leo hat mir im Vorfeld gesagt, dass ich die Rückfahrt für übermorgen am Sonntag buchen soll. Ihr Vater hat Geburtstag und bei dieser Gelegenheit möchte sie mich ihren Eltern vorstellen. Also habe ich mir auch einen Anzug eingepackt.



      Im deutschsprachigen Forum auf der Internetseite, wo ich Leo kennen gelernt habe, sind wir nur neun Paare, die noch dazu weit auseinander wohnen, bis auf ein Studentenpärchen, die ebenfalls aus Köln stammen. Die beiden sind noch nicht lange dabei und erzählen erstaunliches von einer Studienreise nach Mittelamerika. Vielleicht fliege ich mit Leo irgendwann auch einmal dorthin, überlege ich mir.



      Als ich aus dem Zug aussteige, ist der Bahnsteig übervoll von Menschen. Ich orientiere mich kurz und gehe langsam zur Treppe des Hauptganges. Da steht Leo an einem der Schaukästen mit den Fahrplänen. Glücklich lächelnd befreie ich mich aus dem Strom der zum Ausgang strebenden Passagiere. Als Leo mich sieht, hellt sich ihr Gesicht auf. Sie kommt auf mich zu, knickst kurz und lässt sich von mir umarmen, bevor sie ebenfalls ihre Arme um mich schlingt.



      „Leo, Liebes…“ sage ich nur und streiche ihr eine Strähne aus der Stirn.



      Sie drückt mir einen Kuss auf den Mund, beugt sich zurück und schaut mich schmollend, vorwurfsvoll an.



      „Herr, die Tage, bis du kommst, können ganz schön lang sein!“



      Ich drücke sie an mich.



      „Du weißt doch aus dem Forum von Gisela und Michael, ihrem Herrn, in der Eifel. Gisela sprach davon, dass immer weniger Leute in ihrem Dorf leben und die verbliebenen immer älter werden. Sie wünscht sich, dass mehr Gleichgesinnte in die leeren Häuser ziehen.“



      „Der Wunsch ist verständlich, Herr. Aber je weniger Menschen dort wohnen, desto weniger Geschäfte gibt es dort. Für sämtliche Dinge des täglichen Bedarfs muss man weit fahren.“



      „Das stimmt, Leo. Du weißt aber auch, wie sich die Community organisiert: Paare schließen sich zu ‚Häusern’ zusammen, vergleichbar unseren klein- und mittelständischen Unternehmen. Häuser schließen sich zu Orten zusammen und die Community kümmert sich um das globale Anliegen. Die Häuser eines Ortes kümmern sich hauptsächlich um das Funktionieren des jeweiligen Ortes, dann um den Bedarf in anderen Orten. Du bist Verkäuferin, ich bin Kaufmann des Handwerks. Ich weiß, wie man kleine Betriebe führt. Wir könnten einen ‚Dorfladen’ gründen, der den Bedarf der Dorfbewohner deckt.“



      „Wir sind nur wenige deutsche Community-Mitglieder. Zu wenige, um damit alle Bereiche des täglichen Bedarfs von jeweils einem anderen Haus abdecken zu können.“



      „Auch wieder richtig. Wir – als Dorfladen – müssen halt auch die Bedürfnisse der verbliebenen Rentner abdecken. Vielleicht mit einem Lieferservice. Alles andere wird sich mit der Zeit finden!“



      „Du bist fest entschlossen in die Eifel zu ziehen?“



      „Ja, mein Mädchen.“



      „Dann soll es so sein!“



      Während des Gesprächs haben wir den Bahnhof verlassen und die Bushaltestelle erreicht. Nach weiteren zehn Minuten fährt der Stadtbus ab, der uns zu Leos Wohnung bringt, die ich heute zum ersten Mal sehen darf.



      Wir müssen dazu in die dritte Etage eines Wohnblocks. Sie führt mich in eine geschmackvoll eingerichtete Zweizimmer-Wohnung mit großer Terrasse, die auf dem Dach des Wohnzimmers der darunter liegenden Wohnung liegt, uneinsehbar von Nachbarn, da die anderen Wohnungen auf gleicher Höhe um neunzig Grad versetzt liegt.



      „Hey, hier könnte man ja Urlaub auf Balkonia machen,“ rutscht es mir heraus.



      Lachend sehe ich Leo an und ergänze: „Hier kann man sich ungeniert sonnen.“



      Leo gibt mir lachend einen Kuss.



      „Dazu müsstest du aber bei mir einziehen, Herr!“



      „Ja, allerdings.“



      „Bitte setz' dich, Herr. Ich mache uns einen Kaffee, dann müssen wir uns langsam fertig machen. In zwei Stunden gehen wir mit Vicky und ihrem Partner Bowling spielen.“



      „Ah ja, davon hast du gesprochen, Liebes,“ sage ich lächelnd und setze mich an den Couchtisch.



      Wenige Minuten später kommt Leo mit zwei Tassen Kaffee an den Tisch stellt sie ab und kniet sich neben den Sessel der Sitzgruppe, auf dem ich sitze. Sie führt eine Tasse an die Lippen, macht ein enttäuschtes Gesicht und sagt:



      „Noch zu heiß, Herr.“



      „Nicht schlimm, Liebes. Ich trinke in kleinen Schlucken.“



      Strahlend nimmt sie die Tasse noch einmal auf, dreht den Henkel mir zu, berührt sie noch einmal mit den Lippen und hält sie mir hin. Ich nehme sie ihr ab, drehe sie wieder ein wenig und gebe sie ihr zurück. In der Zwischenzeit hat Leo das Ritual mit der zweiten Tasse wiederholt und nimmt die eine Tasse aus meiner Hand, während ich die zweite Tasse annehme.



      Nun schlürft sie Kaffee vom oberen Rand der Tasse ab und schaut mich über den Tassenrand an.



      „Muss ich während der Feier genauso handeln, Herr?“



      „Nein, Leo. Darüber hatten wir ja schon einmal gesprochen. Du nennst mich in Gegenwart deiner Familie und anderen Gästen beim Vornamen. Du darfst mich gerne bedienen und nimmst dir danach Speisen und Getränke, was du magst, ohne sie mir zu geben, damit ich dich symbolhaft speise. Diese Geste wäre deinen Leuten doch zu unverständlich. - Wo kann ich den Inhalt meiner Reisetasche ausbreiten, Liebes?“



      „Mach’ das ruhig nebenan, Herr.“



      Ich gehe also nach nebenan in ihr Schlafzimmer und hänge meinen Anzug hinter die Tür. Meine Reisetasche schiebe ich neben ihren Schrank in die Ecke und hänge meine Kulturtasche auseinander gerollt innen an ihre Badezimmertür. Zurück im Wohnzimmer, sage ich zu Leo:



      „Bis wir aufbrechen müssen, können wir das Video schauen, das du sehen wolltest, mit dem ein anderes Paar sich und ihren goreanischen Lebensstil vorstellen.“



      „Ja, Herr. Bisher ist ja alles etwas nebulös. Du hast viel erzählt, aber so recht vorstellen kann man es sich nur, wenn man das mal sieht.“



      „Es ist ein Amateur-Video und das bemerkt man auch: Oft stört die Hintergrundmusik den Dialog, weil die Lautstärke nicht zurückgenommen wird, sobald gesprochen wird… Und auch, was dort gezeigt wird, ist deren Lebensstil, der nicht unbedingt mit meinem übereinstimmen muss. Aber gut, wir schauen es uns einmal an und reden gern heute Abend darüber.
      Ich mache dir einen weiteren Vorschlag: Wir reisen in deinem Urlaub nach Mittelamerika.“



      „Wir machen Urlaub in einem dieser Tafelberge auf dem Gebiet dieses Indianervolkes, der Pemon?“



      „Das meinte ich, mein Mädchen.“



      „Das ist wunderbar, liebster Herr! Das ist besser als jedes Video!“



      Ich stehe auf und schiebe die mitgebrachte DVD in den Schlitz an der Seite ihres TV-Gerätes. Dabei sage ich:



      „Das denke ich auch.“



      Dann setze ich mich wieder auf meinen Platz und Leo umfasst meinen Oberschenkel und Knie und legt ihre Wange darauf.



      Der Film startet mit einem Rückblick. Die Frau unterwirft sich dem Mann nackt in einem Park. Sie macht danach einen Bauchtanzkurs in einer Tanzschule. Später wandern beide aus und bauen sich eine neue Existenz auf. Es kommt zum Streit über die Hausarbeit, worauf er ihr eine Lektion erteilt: Er verkauft sie und sie muss einem neuen Herrn dienen, der strenger ist. Dieser Mann hat schon eine Sklavin, die ihr dienendes Verhalten beibringt. Dann sagt ihr neuer Herr, er könne sich finanziell nicht zwei Sklavinnen leisten und würde sie also zur Versteigerung freigeben.
      Ein Versteigerer kommt, schaut sie sich an und nimmt sie mit. Auf der Versteigerung hört sie nach schleppendem Verlauf ein hohes Gebot, ausgesprochen von ihrem ersten Herrn, der sie damit zurückkauft.



      Darüber sind anderthalb Stunden vergangen. Ich packe die DVD wieder ein und Leo zieht sich eine Bluse und Leggings an. Darüber ein Jäckchen. Ich habe es ihr erlaubt, zum Bowling kein Kleid zu tragen, weil das im Bowlingcenter unpraktisch wäre. Es wird ein lustiger Abend mit dem anderen Pärchen. Kurz bevor wir uns verabschieden müssen die Frauen zur Toilette und ich sitze ein paar Minuten mit dem Mann alleine am Tisch hinter der Bowlingbahn. Während wir unsere Schuhe wechseln, da wir die Bowlingschuhe hier gemietet haben, spricht mich Bernd an:



      „Ihr beide seid ja bis über die Ohren ineinander verliebt…“



      „Tja, Bernd. Ich denke mal, das ist die Voraussetzung für eine glückliche Partnerschaft…“



      „Ich mag Vicky auch sehr gerne, aber sie ist oft ziemlich zickig.“



      „Du kommst aber damit klar? Du weißt, wie du Vicky nehmen musst?“



      „Tja, oft habe ich das Gefühl, Sie weiß, wie sie mich nehmen muss,“ grinst er. „Sie wickelt mich regelrecht um den Finger.“



      „Sonst wärst du längst weg? - Was würde passieren, wenn du auch einmal zickst? Würde sie klein beigeben, mindestens einen Kompromiss suchen, oder wäre dann der größte Krach da?“



      „Ich glaube, eher letzteres.“



      „Und du scheust Auseinandersetzungen? Hau doch einmal mit der Faust auf den Tisch! Überlege dir etwas, was euch BEIDEN gut tut, und sag ihr: ‚Jetzt wird gemacht, was ich sage!’“



      „Du meinst …?“



      „Ja, sicher! Äußerst wichtig ist dabei aber, dass du etwas durchzusetzen versuchst, was euch Beiden gut tut! Also keine Egoismen bitte!!“



      „Okay, Josef. Ein Versuch ist es wert.“



      In diesem Moment kommen Leonie und Vicky zum Tisch zurück. Wir stehen auf, geben gemeinsam die Schuhe ab und verlassen das Bowlingcenter. Draußen verabschieden wir uns herzlich voneinander, dann machen wir uns auf den Heimweg.



      *



      Ich muss dringend mal zur Toilette. Vicky sagt schnell:



      „Ich komme mit.“



      Also gehen wir zu zweit. Während ich in der Kabine verschwinde, packt Vicky ihre Tasche aus und beginnt am Spiegel mit ihrem Lippenstift ihr Make-Up auszubessern. Als ich die Kabine verlasse, schwärzt sie gerade ihre Augenbrauen.
      „Sag’ mal, du himmelst Josef aber ganz schön an. Ist er tatsächlich so gut?“



      „Ach Vicky – wie kommt er denn so rüber, bei dir?“



      „Nun, er kann viel erzählen - hat sicher viel erlebt –, wenn man bestimmte Themen anspricht. Von sich aus, kommt nicht allzu viel. Er ist ein verschlossener Typ, kein Partymittelpunkt also.“



      „Also nicht so ganz dein Typ?“



      „Nein, Liebes. Ich mache ihn dir ganz sicher nicht streitig!“ antwortet sie lächelnd.



      „Dein Bernd ist da anders, gell?“



      „Ich habe ihn mir ja auch hingebogen. Das solltest du auch tun!“



      „Das werde ich ganz bestimmt nicht tun, Vicky. Ich mag ihn, wie er ist. Ich vergleiche ihn gern mit einer Knospe. Wenn man ihn gewähren lässt, öffnet er sich zu einer wunderschönen Blüte. Er hat keine Angst vor Verpflichtungen. Mögliche Probleme im Alltag sind für ihn Herausforderungen. Er ist verantwortungsbewusst, achtet immer auch auf mein Wohl. Er achtet und wertschätzt mich. Ich vertraue ihm völlig.“



      „Hoffentlich täuschst du dich nicht. Viele Kerle können sehr gut schauspielern und lassen ihre Maske fallen, wenn du am verwundbarsten bist.“



      „Josef ist authentisch! Was er sagt entspricht dem, was er denkt und was er tut. Insoweit ist er sogar berechenbar.“



      „Wenn das stimmt, dann hast du ihn schnell in der Hand. Dann kannst du ihn lenken…“



      „…wie du Bernd lenkst über Gefühlsausbrüche und das Äußern von Wünschen…“



      „Ja, warum denn nicht. Man muss schließlich sehen, wo man bleibt im Leben!“



      „Ich bin nicht wie du, Vicky! Ich erhalte ihn mir so, wie er ist. Er tut mir gut. Ich fühle mich wohl in seiner Nähe! Geborgen, aufgehoben, verstanden.“



      „Dann freue ich mich für dich, Liebes! Lädst du mich zur Verlobung ein?“



      „Klar, wenn ein Termin feststeht. Du bist doch meine beste Freundin!“



      „Ich glaube, wir sollten die Männer nicht so lange sich selbst überlassen. Gehen wir wieder rüber.“



      Ich muss laut loslachen.



      „Hast du Angst, dass Josef Bernd Flausen in den Kopf setzt?“



      „Humbug, Leo. In der kurzen Zeit doch nicht. Bist du soweit?“



      *



      Zuhause angekommen gehen wir alsbald zu Bett. Vor dem Einschlafen kuschele ich mich an Josef. Er beginnt bald, meinen Körper mit seinen Händen zu erkunden und streicht mir zärtlich über die Haut, soweit sein Arm reicht. Wohlig schließe ich die Augen und lasse es geschehen.



      Bald läuft mir ein Schauer den Rücken hinunter und eine Gänsehaut lässt meine Erregung erkennen. Ich strecke meinen Hals durch, um an seine Lippen zu kommen und drücke ihm einen verlangenden Kuss auf den Mund. Da spüre ich seine Zunge an meine Lippen und beginne ein Zungenspiel, während er mich mit den Fingern weiter stimuliert. Ich taste nun ebenfalls mit meinen Fingern an seiner Seite entlang und finde seine Körpermitte.



      Josef dreht sich auf den Rücken. Ich schaue ihm fragend in die Augen. Er dirigiert mich mit den Händen an meinen Hüften auf sich und ich setze mich vorsichtig über ihn. Langsam lasse ich ihn in mich eindringen und beginne ein immer schnelleres Auf und Ab. Er zieht die Knie etwas an, um mich im Rücken zu stützen und beugt sich etwas hoch. In dieser Position nimmt er mal den einen, mal den anderen harten Nippel in den Mund, um ihn mit seiner Zunge zu massieren. Dann ergießt er sich in mir und auch ich stöhne auf, den Rücken durchgedrückt.



      Danach liegen wir noch lange nebeneinander und ich lasse mich ausgiebig von ihm streicheln. So aneinander liegend gleiten wir in den Schlaf, aus dem wir – immer noch in der gleichen Position – am frühen Samstagmorgen erwachen.



      Ich wage mich nicht zu bewegen, da er noch die Augen geschlossen hat und regelmäßig atmet mit einem seligen Gesichtsausdruck. Aber bald bewegt er sich leicht, öffnet die Augen einen Spalt und schaut mich an.



      „Liebes…“ flüstert er nur und beginnt mit dem Zeigefinger meine Gesichtszüge sanft nachzufahren.



      Ich rücke ganz nah an ihn heran und lasse ihn gewähren. Er küsst mich auf die Nasenspitze, kommt ein wenig hoch und knabbert an meinem Ohrläppchen. Ich beuge unwillkürlich den Kopf zurück und er wandert mit seinen zarten Küssen über den Hals zu meiner oben liegenden Schulter und von dort zu meinen Brüsten. Schon wieder habe ich dieses Kribbeln im Unterbauch und ich nehme seinen Oberschenkel zwischen meine Beine.



      Er drückt meine Beine weiter auseinander, legt sich dazwischen und dringt in mich ein.



      „Ja, Herr. Jaa,“ kommentiere ich das verlangend.



      Aber er zieht sich nach wenigen Stößen wieder zurück.



      „Hast du Serviertabletts mit ausklappbaren Füßen?“



      „Eins. Ja, Herr,“ antworte ich enttäuscht. ‚Warum macht er das?’ frage ich mich in Gedanken.



      „Dann mach uns Jetzt ein Frühstück!“ sagt er betont.



      „Ja, Herr,“ antworte ich und setze mich seufzend auf.



      Bevor ich ganz aufgestanden bin, setzt auch er sich auf und drückt mir einen Kuss auf die Wange. Ich schleiche in die Küche, schalte die Kaffeemaschine ein und schneide drei Brötchen auf. Ansprechend dekoriert bringe ich das Tablett ans Bett zurück.



      Ich knie mich vor das Bett und will das Tablett ihm gerade auf den Schoß stellen, aber er sagt:



      „Stell das Tablett neben das Bett und komm’ zu mir, mein Mädchen!“



      Dann vollendet er, was er eben unterbrochen hat.



      „So, jetzt sollten wir frühstücken,“ sagt er zum Schluss lächelnd.



      Er setzt sich auf und ich rutsche vom Bett.



      „Darf ich kurz ins Bad, Herr?“



      „Geh’ nur!“



      Ich wasche mich kurz und bin schnell am Bett zurück, um ihm den Kaffee zu reichen.



      Nach dem Frühstück geht er unter die Dusche und ruft mich aus dem Bad zu sich. Ich habe gerade das Tablett in die Küche zurückgebracht und lasse alles stehen.



      „Komm’ mit mir unter die Dusche,“ sagt er.



      Wir duschen uns gegenseitig, was eine neue und schöne Erfahrung für mich ist, mich von meinem Herrn massieren und pflegen zu lassen. So mache ich es mit ihm ebenso. Danach legen wir uns auf die Dachterrasse in die Morgensonne. Es ist beinahe Mittag, als wir wieder nach innen gehen und ich beginne unser Mittagessen vorzubereiten. Josef, mein Herr, kommt mit und hilft mir in der Küche. Dabei fragt er:



      „Wann wollte Hannes uns abholen?“



      „So gegen 14 Uhr ist vereinbart,“ antworte ich ihm.



      Hannes, mein Bruder, wird uns ein paar Kilometer moselaufwärts zu meinen Eltern fahren, wo heute Nachmittag die Geburtstagsfeier meines Vaters stattfinden soll.



      *



      Zur vereinbarten Zeit klingelt es und Leo öffnet die Tür.



      „Hallo Hannes! Schön, dich zu sehen.“



      Mit diesen Worten umarmt sie den Mann in der Tür.



      „Komm’ doch kurz herein! Das ist übrigens Josef.“



      „Hallo Josef,“ begrüßt mich Hannes und reicht mir die Hand.



      „Hallo Hannes,“ gebe ich freundlich lächelnd zurück.



      „Du bist also Leos Neuer,“ spinnt Hannes den Faden weiter.



      Mein Lächeln wird breiter.



      „Tu nicht so, als hätte ich jede Woche einen Anderen, Hannes!“ wirft Leo vorwurfsvoll dazwischen.



      „So war das nicht gemeint,“ rudert er zurück.



      „Magst du einen Kaffee?“ fragt sie ihren Bruder.



      „Gern.“



      „Dann setzt euch erstmal!“



      Wir setzen uns an den Couchtisch und Leo betätigt ihren Kaffeeautomat. Kurz darauf bedient sie mich und ihren Bruder und verschwindet dann im Schlafzimmer.



      „Leo hat in den letzten Wochen mehrfach kurz von dir erzählt,“ beginnt Hannes ein kurzes Gespräch. „Es wäre schön, wenn sie jetzt den Richtigen für sich gefunden hätte…“



      „Tja, Hannes, den gleichen Wunsch anders herum hege ich auch. Aber keiner kann wissen, was die Zukunft bringt. Eines jedoch kann ich dir und euren Eltern versprechen: Ich spiele nicht mit ihr. Ich achte und respektiere sie, bin immer ehrlich zu ihr. Mir schwebt für unsere Zukunft schließlich eine lebenslange Verbindung vor. Ich liebe sie und ihr Wesen!“



      „Ich wünsche euch Beiden jedenfalls alles Gute!“



      Leo kommt dazu. Sie hat die Seitenpartien ihrer Haare zurück gekämmt und am Hinterkopf zusammengesteckt. Dezentes Rouge bedeckt ihre Wangen und dezenter Lippenstift ihre Lippen. Ein schulterfreies weißes Kleid fällt locker um ihre Figur.



      „Mein kleiner großer Adoptivbruder war mir bisher eine große Stütze, wenn es mir schlecht ging. – Das wird immer so bleiben, Hannes. Versprochen!“ sagt sie und dreht sich, so dass der Schwung das Kleid leicht anhebt.



      Wir stehen auf und sie lässt sich in meine Arme sinken. Zu mir aufschauend schürzt sie die Lippen. Ich nehme das Angebot sofort wahr und küsse Leo intensiv.



      „Dann lasst uns aufbrechen, damit Mama und Papa nicht warten müssen,“ wirft Hannes dazwischen.



      Ich stelle Leo wieder auf ihre Füße und sage lachend:



      „Aber natürlich, Hannes!“



      Wir verlassen gemeinsam Leos Wohnung und steigen in Hannes Auto ein. Dann fahren wir die wenigen Kilometer hinaus nach Kobern. Das Haus der Eltern ist eigentlich eine Doppelhaushälfte des Hauses eines kinderlos gebliebenen Onkels. Nebenan wohnen fremde Leute, weil Leos Eltern nachdem sie das Haus geerbt, renoviert und geteilt hatten, die andere Hälfte verkauften, um den Renovierungskredit zu bedienen. Aber das sind schon ein paar Jahre her und so haben Leos Eltern ein schuldenfreies Anwesen in ihrer Rente. Sie bewohnen das Haus alleine und später wird es wohl Hannes übernehmen.



      Dort angekommen steigen wir aus und gehen gemeinsam zur Haustüre, die uns schon geöffnet wird, ohne dass wir läuten mussten. Ursula, Hannes’ Frau öffnet uns und Klein-Florentine, die dreijährige Tochter von Hannes und Ursula lugt hinter Mamas Rock hervor.



      Nach der herzlichen Begrüßung beugt sich Leo zu Flori hinunter.



      „Hallo Flori, wie geht es dir? Magst du auf meinen Arm?“



      Die Kleine versteckt sich und Hannes greift sie sich, damit Ursula nicht stolpert.



      „Hey Flori, du kennst doch deine Tante Leonie,“ sagt er und streicht ihr übers Haar.
      Aber die Kleine wendet sich ab und drückt sich an ihren Vater. Leo schmunzelt.



      „Kein Problem, Hannes. Lass sie laufen. Irgendwann kommt sie von selbst.“



      „Aber jetzt nicht. Momentan ist sie Ursula im Weg.“



      „Ich helfe Ursula in der Küche,“ bietet Leo an.



      In dem Moment kommt eine ältere Frau in den Eingangsbereich.



      „Mama – schön dich zu sehen!“ sagt Leo und umarmt ihre Adoptivmutter.



      „Schön, dass ihr gekommen seid,“ sagt sie und wendet sich mir zu. „Und Sie müssen Josef sein.“



      „Guten Tag, Frau Lahnstein. Ja, der bin ich,“ antworte ich ihr, freundlich lächelnd.



      „Kommen Sie, gehen wir ins Wohnzimmer.“



      An der rückwärtigen Wand sitzt dort der Adoptivvater von Leo neben einem gusseisernen Ofen in einen Ohrensessel, einen schwarzen Gehstock mit silberfarbenem Griff an die Armlehne gelehnt.



      „Vadder, Leo un ehr Freund sinn hai,“ sagt Frau Lahnstein laut zu ihrem Mann, der seinen Stock nimmt und aufzustehen versucht.



      Ich gehe mit zwei schnellen Schritten auf den Mann zu und sage:



      „Bleiben Sie ruhig sitzen, Herr Lahnstein! Herzlichen Glückwunsch zu ihrem Geburtstag. Ich bin der Freund ihrer Tochter. Nennen Sie mich ruhig Josef.“



      Dabei schüttele ich ihm vorsichtig die Hand.



      „Danke sehr. Setzen Sie sich doch, Josef!“ kommt es heiser aus seinem Mund.



      Ich schaue mich um und setze mich auf die Couch neben ihm auf der anderen Seite des Ofens. Hannes setzt sich dazu. Er hat immer noch Flori auf dem Arm, die die Szene neugierig verfolgt.



      „Vadder, möchtest du etwas trinken?“ fragt Leo, die dazu gekommen ist, während Frau Lahnstein wieder in der Küche verschwunden ist.



      „Jo, bring mer Viez ausm Keller.“



      „Gerne,“ sagt sie und geht, während ich Hannes anschaue, der grinsend erklärt:



      „Meine Eltern sind vor Jahren von Trier nach hier gezogen. Viez ist der mundartliche Ausdruck für Apfelwein. Hinten im Garten stehen mehrere Apfelbäume und mein Vater keltert selbst.“



      „Ah,“ sage ich. „Das ist interessant. Euer Viez ist sicher der beste hier, weil ohne jegliche Zusätze hergestellt.“



      Den letzten Satz sage ich wieder laut und Herr Lahnstein nickt lächelnd.



      „Möchten Sie auch ein Glas?“ fragt er leise.



      „Gern.“



      In diesem Moment kommt Leo mit einem Porzellankrug und einem Saftglas zu uns.



      „Leo, bringst du noch zwei Gläser?“ fragt Hannes.



      Sie stellt ab und dreht sich zum Gläserschrank um, bringt zwei weitere Gläser und füllt sie uns.



      „Ich hole schnell noch einen Krug,“ sagt sie und geht mit dem nun leeren Krug noch einmal in den Keller.



      Kurz darauf bittet uns Ursula zu Tisch und Herr Lahnstein erhebt sich schwankend aus dem Sessel. Ich halte ihm meine Hand hin, auf die er sich schwer stützt. Dann nimmt er seinen Stock und geht die drei Meter zum festlich geschmückten Tisch.



      Während des Essens erntet Leo des Öfteren ein Lächeln in der Runde, wenn sie mich bedient, genau wie es alle mit Herrn Lahnstein, dem heutigen Geburtstagskind, tun. Wenn Leo mir dabei zu nahe kommt, erhält sie einen Kuss auf die Wange. Ich habe bald den Eindruck, dass Leo mir absichtlich „auf die Pelle“ rückt.



      Am Abend sind wir gegen 22 Uhr wieder zurück in Koblenz, da es ihr Vater nicht mehr so lange aushält in Gesellschaft, aber am Vormittag des Sonntags werden wir zu einem Brunch wieder abgeholt von Leos Bruder und am Nachmittag muss ich schon wieder nach Köln zurückfahren. Hannes bringt mich in Begleitung von Leo zum Zug. Danach macht sie sich selbst auf den Heimweg.



      *



      In der Küche beim Spülen fragt Mama mich:



      „Deinen Josef solltest du nie wieder loslassen, Leo. Wie hast du ihn denn kennen gelernt?“



      Ich muss schmunzeln.



      „In einem Internet-Forum. Wir haben längere Zeit miteinander getextet, dann irgendwann die Handy-Nummern getauscht und uns schließlich getroffen, um uns auch im Alltag kennen zu lernen.“



      „Der ist so anders, als der Markus und zum Schluss dieser Joachim! Halt ihn fest, Leo!“



      „Das werde ich, Mama. Keine Sorge! Weißt du was? In zwei Monaten habe ich ja Urlaub. Da will er mit mir nach Mittelamerika fliegen!“



      Ursula mischt sich mit verträumtem Gesichtsausdruck ein:



      „Sonne, Strand und Meer! Ich hoffe, du machst jede Menge Bilder?“



      Ich lache:



      „Aber ja, Ursel! Strand und Meer haben wir vielleicht für ein oder zwei Tage. Der Flug ist weit. Der Körper muss mit der Zeitumstellung klar kommen. Relaxen ist also sowieso angesagt. Aber die Tour soll in den Dschungel führen, sagt Josef.“



      Ursula reißt die Augen auf:



      „Aber die wilden Tiere, die Giftschlagen und Riesenspinnen…“



      „Keine Angst, Ursel. Josef ist dabei. Ich werde schon nicht aufgefressen!“ antworte ich.



      Der skeptische Gesichtsausdruck will nicht aus ihrem Gesicht weichen.

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      -7-



      Endlich ist der Abflugtermin gekommen. Drei Stunden Aufenthalt haben wir in Köln-Bonn gehabt, bevor der Flieger abgehoben ist. Es ist mein erster Flug. Mit einer irren Beschleunigung startet das Flugzeug, dann geht es in einem so steilen Winkel nach oben, dass ich mich an die Achterbahnen in meiner Jugend erinnert fühle. Schließlich geht es im Geradeausflug weiter und die Stewardessen kümmern sich um uns. Wir bestellen uns ein Mikrowellenmenü, dann schauen wir aneinander gelehnt einen Film. Schließlich ordern wir noch Kaffee und Kuchen.



      Wir sind sieben Stunden in der Luft und ich habe drei Stunden davon unruhig geschlafen, als ich durch einen Ruck hellwach werde. Ängstlich schaue ich mich um und sehe, dass Josef mich lächelnd anschaut.



      „Willkommen in Amerika,“ sagt er, und ergänzt schmunzelnd: „The Eagle has landed.“



      Ich kann mich nicht bewegen und stoße darum Josef mit der Schulter an. Dann taste ich nach dem Gurtschloss.



      „Ich habe dich vorhin angeschnallt. Du hast so wunderbar geschlafen, Maus.“



      „Danke, Herr.“



      Dann ertönt auch schon die Durchsage. Das Flugzeug rollt aus und die Kabinentür wird geöffnet. Wir warten, bis wir aussteigen können und reihen uns dann in die Schlange der Passagiere ein. Nach zwei Stunden schließlich können wir das Flughafengelände von Caracas verlassen. Ein Kleinbus fährt uns und drei andere Paare zu unserem Hotel. Dort beziehen wir unsere Zimmer.



      „Wie spät ist es eigentlich?“



      „Für zehn Uhr abends ist es noch ziemlich hell, was? Wir haben dreizehn Uhr Mittag Ortszeit.“



      „Um elf Uhr sind wir in Köln los geflogen…“



      Josef lacht.



      „Ja, und hier ist jetzt Siesta. Nachher ab zwanzig Uhr ist Fiesta bis zum frühen Morgen.“



      „Och nööö… Wir sind doch nicht zum Ballermann geflogen!“



      „Nein, sind wir nicht,“ sagt Josef schmunzelnd. „Für unsere Körper ist jetzt etwa 18 Uhr oder Spätnachmittag, bzw. früher Abend. Ich denke, wir gehen erst etwas essen hier im Hotel und dann gehen wir schlafen.“



      „Und wie geht es weiter, Herr?“



      „Wir werden früh einschlafen und noch im Dunkeln wieder wach werden. Ich soll eine Nummer anrufen. Das mache ich von der Lounge aus vor dem Schlafengehen. Dann werden wir in der Frühe von einem Taxi abgeholt und zu einem privaten Flugfeld außerhalb der Stadt gefahren. Von dort geht es mit einem Privatflugzeug der Community weiter, Liebes.“



      Nach dem Essen im Hotelrestaurant telefoniert Josef und dann ziehen wir uns auf unser Zimmer zurück. Bevor wir einschlafen ist mein Herr wieder zärtlich bemüht um mich und bringt mich in Extase. Erschöpft schlafen wir ein, nachdem mein Herr an seiner Armbanduhr eine Weckzeit eingestellt hat.



      Ich habe das Gefühl kaum eingeschlafen zu sein, als ich von einem penetranten, aber leisen Piepsen geweckt werde. Es kommt vom Nachttisch, auf dem Josefs Armbanduhr liegt. Er dreht sich gerade zu seiner Uhr, um sie abzustellen.



      Während er ins Bad geht, lege ich mir zurecht, was ich anziehen möchte. Dann schaue ich auch nach seinen Sachen und verschließe den Koffer wieder. Als er das Bad verlässt, husche ich hinein und dusche mich schnell. Danach gehen wir hinunter in die Lounge und Josef checkt beim Nachtportier aus.



      Ich bleibe noch unten bei unserem Koffer und den beiden Reisetaschen sitzen. Josef aber schaut vor dem Hotel nach dem versprochenen Taxi. Nur wenige Minuten danach kommt er wieder zu mir herein.



      „Es ist draußen,“ nickt er mir zu, nimmt seine Reisetasche über die Schulter und den Koffer auf, verabschiedet sich vom Nachtportier und ich folge Josef vor das Hotel.



      Dort steht ein Taxi mit einem Mann auf dem Beifahrersitz. Dieser steigt aus und kommt uns entgegen.



      „Hallo, guten Morgen. Sie sind Senor Maler?“



      „Guten Morgen,“ lächelt Josef. „Und Sie müssen dann Ronaldo sein?“



      „So ist es. Ich bringe Sie vor die Stadt.“



      Sagt es und hilft Josef den Koffer und die Taschen in den Kofferraum zu legen, den der Fahrer inzwischen geöffnet hat.



      Als wir uns auf der Rücksitzbank Platz genommen haben, startet das Taxi und Ronaldo dreht sich zu uns um.



      „Sie sind von der deutschen Sektion der Community?“
      „Das ist richtig,“ antwortet Josef. „Das heißt, wir sind gerade im Aufbau. Ein Ort, der bevölkerungsmäßig ausblutet in einem deutschen Mittelgebirge ist schon ausgeguckt. Alles Weitere wird sich zeigen. Ich habe in Kak-Aute mehrere Gesprächstermine und meine Magd hat ein umfangreiches Trainingsprogramm bei einer Trainerin mit Namen Uéi. Ist sie Ihnen bekannt?“



      „Ja, ich kenne sie. Sie ist eine Pemón, wie ich.“



      Nach noch ein wenig Smalltalk verlassen wir Caracas und wenig später hält das Taxi am Rande einer Wiese. Die Männer steigen aus und auch ich wage mich nach draußen in die nächtliche Finsternis. In der Zwischenzeit haben die Männer unser Gepäck ausgeladen. Da taucht eine Gestalt in einer Pilotenkombi aus der Dunkelheit auf.



      „Tal,“ sagt er nur.



      Josef begrüßt den Mann ebenso. Er hat mir einmal gesagt, das sei ein Erkennungswort unter Goreanern und bedeutet ganz einfach ‚Hallo‘.



      „Sie sind Senor Maler?“ fragt der Mann nun.



      „Ja, der bin ich,“ antwortet Josef. „Wir sind angemeldet.“



      „So ist es. Bitte kommen Sie mit.“



      Während Ronaldo wieder ins Taxi steigt und sich damit in Richtung Stadt entfernt, folgen wir dem Mann in die Wiese. Bald zeichnet sich die Silhouette einer Flugmaschine ab und ein weiterer Mann kommt dazu.



      Der zweite Mann öffnet zwei Klappen und ein beleuchteter kleiner Laderaum wird sichtbar. Dort hinein laden wir unser Gepäck. Dann wird es festgeschnallt und man weist uns auf eine offene Tür auf der der Straße abgewandten Seite hin. Dort steigen wir ein und setzen uns in die Sitze.



      Währenddessen klettern die beiden Männer über eine offene Kanzel auf ihre Pilotensitze. Die Instrumentenbeleuchtung verbreitet ein diffuses Dämmerlicht.



      Als die Motoren hochgefahren werden, habe ich das Gefühl in einem Hubschrauber zu sitzen, und dann startet das Fluggerät auch noch senkrecht.



      Fast eine Stunde später erkenne ich in der Morgendämmerung eine riesige Felswand auf uns zukommen. Nicht weit unter ist uns befindet sich das riesige Pflanzenmeer des venezuelanischen Dschungels. Ein heller Fleck in der Wand entpuppt sich als Höhleneingang. Dort hinein steuert der Pilot das Fluggerät. Das Innere der Höhle erinnert an eine Garage und nun sehe ich auch draußen neben mir einen kleinen drehbaren Propeller. ‚An Leos Seite muss es dann einen Weiteren geben,‘ denke ich.



      Der Pilot setzt das Fluggerät ab, die Motoren laufen aus und die Pilotenkanzel wird hochgeklappt. Nachdem die Männer ausgestiegen sind, öffnet der Wortführer -wohl der Chefpilot- die Tür durch die wir eingestiegen sind und lässt uns aussteigen. Auf Rollen fährt gleichzeitig eine Wand vor den Höhleneingang und wir erhalten unser Gepäck, das der zweite Mann inzwischen aus dem Laderaum genommen hat.



      „Willkommen, in Kak-Aute, einem Ort Hispano-Amerikas,“ sagt der Chefpilot lächelnd.



      Er dreht sich um und wir folgen ihm zu einer massiven Stahltür an der rückwärtigen Garagenwand. Beim Öffnen spüre ich einen Luftzug und bekomme eine leichte Gänsehaut. Wir gehen durch mehrere Gänge, die durch Treppen miteinander verbunden sind. Bald erreichen wir Gänge, deren Felswände abwechselnd durch Fachwerkwände unterbrochen sind, in denen sich Türen befinden. Etwa eine Viertelstunde nachdem wir die Garage verlassen haben, hält unsere Begleitung vor einer Türe an. Der Chefpilot betätigt einen Schalter, worauf ein Glockenspiel ertönt. Kurz danach öffnet sich die Tür und gibt den Blick frei auf eine atemberaubende Frau mit langen roten Haaren und heller Haut. Sie trägt ein weißes Tuch mit goldfarbener Paspelierung, das von einer Spange über der linken Schulter zusammen gehalten wird, ganz so wie ein auf die Seite geschobener Pareo.



      „Seien Sie gegrüßt, Senores,“ sagt sie und vollführt einen tiefen Knicks.



      „Hallo, Elinor,“ sagt der Chefpilot. „Ich bringe dir den Gast aus Deutschland.“



      „Vielen Dank, Don Ernesto. - Sie sind Don José?“ wendet sie sich an mich.



      „Ja, der bin ich,“ antworte ich ihr, noch etwas geistesabwesend.



      „Kommen Sie bitte herein, setzen Sie sich. Don Marco wird gleich erscheinen. Darf ich Ihnen etwas bringen?“ sagt sie und gibt den Blick auf einen luxuriös eingerichteten Wohnraum frei.



      Wir gehen zu einem Tisch, um den sechs Hocker und sechs Bodenkissen angeordnet sind. Ich setze mich auf einen der Hocker und zeige auf das Kissen neben mir. Leo kniet sich darauf.



      „Kann ich zwei Espresso haben, Elinor?“ frage ich sie.



      „Gern, Senor José,“ antwortet sie und geht zu einem Gerät auf einem Sideboard an der Wand.



      Es brodelt kurz auf, dann bringt sie zwei größere Fingerhüte voll mit einer tiefschwarzen Flüssigkeit, an deren Rand sich ein wenig brauner Schaum befindet. Sie stellt beide Tässchen zwischen mich und Leo, richtet sich auf und schaut – scheinbar abwartend, was nun passiert.



      Leo nimmt – wie gelernt – ein Tässchen auf, führt es an ihre Lippen und reicht es mir. Ich nehme es ihr ab und reiche es ihr zurück. Sie nimmt das zweite Tässchen und wiederholt die Zeremonie. Dieses Tässchen nehme ich ihr ab und führe es selbst vorsichtig an den Mund, um etwas abzuschlürfen. Das Getränk ist stark und belebend, wie es sein soll.



      „Sehr gute Qualität, Elinor,“ sage ich.



      „Danke sehr, Don José,“ antwortet sie mir. „Ich werde ihr Lob an Don Marco weitergeben. Darf ich mich kurz zurückziehen? Ich will Don Marco ihre Ankunft bekannt geben.“



      „Okay, Elinor.“



      Sie dreht sich um und verlässt uns durch eine der Türen in den Seitenwänden, um kurz darauf hinter Don Marco den Raum wieder zu betreten. Ich stehe auf, um den Vorsitzenden des Rates von Kak-Aute zu begrüßen, aber er kommt mir zuvor.



      „Seien Sie gegrüßt, Don José! Hatten Sie eine gute Reise?“



      „Lang und anstrengend, aber gut, ja, Don Marco,“ lächele ich ihn an.



      „Die Zeitumstellung, ich weiß. Morgen haben Sie den Jetlag überwunden, denke ich. Ich lasse Sie gleich zu ihrer Wohnung bringen. Möchten Sie vorher eine Kleinigkeit frühstücken?“



      „Gern, Don Marco,“ antworte ich.



      „Elinor, zwei Tee!“ sagt Don Marco nun mit befehlsgewohnter Stimme.



      „Ja, Senor,“ antwortet sie und brüht zwei Schalen Tee auf.



      Don Marco setzt sich uns gegenüber an den Tisch und fragt nach den Fortschritten mit dem Besiedeln des Dörfchens in der Nähe von Bitburg in der Eifel. Nach fünf Minuten bringt Elinor die beiden Schalen mit Tee an den Tisch, kniet sich nieder und führt die Schale in ihrer rechten Hand an ihre Lippen, um sie dann Don Marco zu reichen. Dann macht sie gleiches mit der Schale in ihrer linken Hand und reicht sie mir. Er nimmt ihr die Schale aus der Hand und steht auf.



      „Kommen Sie, Don José. Wir wollen auf goreanische Art der Natur ihre Ehre erweisen.“



      Ich nehme also meine Schale Tee, stehe ebenfalls vom Tisch auf und folge Don Marco, der zu einem Schrein an der Wand geht. Er taucht seine Finger in den Tee, benetzt damit den Stein, der dort in einer Schale liegt, von trockenem Moos umrahmt, murmelt etwas und sagt dann:



      „Nun lassen Sie uns die Schalen leeren! Auf eine gemeinsame Zukunft zum Wohle der Natur und der Erde!“



      Ich benetze den Stein ebenfalls mit ein paar Tropfen und wiederhole ihn:



      „Zum Wohle der Natur und der Erde!“



      „Lassen Sie uns nun zum Frühstück gehen,“ sagt er und gibt Elinor einen Wink.



      Leo ist uns mit Blicken gefolgt und so bedeute ich ihr auch mit einer Handbewegung aufzustehen.



      „Ihr Gepäck wird während des Frühstücks auf ihr Zimmer gebracht,“ sagt er im Hinausgehen. „Elinor.“



      „Ich werde dafür sorgen, Senor,“ sagt sie mit gesenktem Blick.



      „Ihr Mädchen wird Elinor sicher helfen,“ sagt Don Marco, nun an mich gewandt.



      „Natürlich,“ erwidere ich und ergänze: „Leo, tue was Elinor dir sagt.“



      „Ja, Herr,“ antwortet Leo mir, etwas atemlos, in der momentanen Situation gefangen.



      Don Marco führt mich ein paar Meter den Gang entlang und über eine kurze Treppe eine Etage tiefer unter seine Wohnung. Dort sitzen schon etwa ein Dutzend Männer an Tischen und frühstücken. Wir gehen an ihnen vorbei hinter einen Paravent und setzen uns dort nieder. Im Vorbeigehen stoppen die Männer kurz ihr Frühstück, heben die rechte Hand vor die linke Brust und neigen leicht ihren Kopf. Beim Eintritt in den Gastraum hat Don Marco seine Männer kurz allgemein gegrüßt.



      *
      Als Josef mit diesem Don Marco die Wohnung verlassen hat, nimmt Elinor eine unserer Reisetaschen auf und sagt mit gewinnendem Lächeln:



      „Nimm du den Rest des Gepäcks und folge mir zu eurer Wohnung, Leo.“



      „Okay,“ sage ich, hänge mir die andere Reisetasche über die Schulter und nehme den Koffer am vorderen Griff hoch, so dass er hinter mir her rollt.



      Nachdem ich auch die Wohnung verlassen habe, schließt sie ab und wendet sich in den Gang. Ich folge ihr um mehrere Ecken und nach vielleicht fünf Minuten kommen wir an einer Wohnungstür an, die aussieht wie alle anderen hier auch.



      ‚Ich brauche bestimmt eine ganze Zeit, bis ich mich hier orientieren kann,’ denke ich mir.



      Elinor schließt auf, wir treten ein und sie übergibt mir den Schlüssel. Dann stellt sie die Reisetasche, die sie getragen hat zu dem Gepäck, das ich ebenfalls mitten im Wohnraum abgesetzt habe und sagt:



      „Schau dich in eurer Wohnung um, damit du nicht suchen musst, wenn dein Herr nach etwas verlangt. Mache dich mit der Einrichtung vertraut und warte auf ihn. Er wird bald hier sein und entscheiden, was weiter geschieht.“



      „Ja, danke, Elinor.“



      Elinor geht zur Wohnungstür, lächelt mir kurz zu, wirft mit einer Kopfbewegung ihr Haar herum und lässt mich in der Wohnung allein. Ich stehe erst einmal verloren im Raum, schaue mich um und gehe dann zum Fenster. Draußen sehe ich im Halbdämmer einer riesigen Höhle geradeaus die gegenüberliegende Felswand. Von links oben kommt Licht in die Höhle. Dort ist ein Stück Himmel sichtbar. Vom Höhleneingang an gibt es Pflanzenwuchs bis zu einem Wasser tief unter dem Fenster, von dem ich nur das Ufer am Fuß der gegenüber liegenden Felswand sehen kann.



      Ich drehe mich um. Statt Schränken gibt es hier Truhen rundum an den Wänden. Das ist sicher praktisch, wenn man umziehen will, denke ich. Über den Truhen hängen textile Wandbehänge an grob verputzten Wänden. An der Fachwerkwand zum Gang hin stehen mehrere verschieden hohe Regale. Hier und da sind Kästen mit Türen vorne eingehängt. Der Boden besteht aus Holzdielen. Beim Eintreten musste man eine kleine Stufe hinauf treten. Der Bereich, in dem die Eingangstür schwingt, liegt ein Fingerbreit tiefer als der Gangboden draußen und dort liegt ein grob gewebter Fußabtreter. In der Raummitte steht ein niedriger Tisch mit drei Hockern und drei Bodenkissen auf einem großen Tierfell.



      Vom Eingang aus gesehen an der linken Wand wird die Truhenreihe von zwei Türen unterbrochen. Ich gehe auf die erste Tür zu und öffne sie. Dahinter liegt ein kleines Bad mit Toilette, Waschgelegenheit und geräumiger Dusche. Neben der Waschschüssel steht links ein Regal und rechts sind mehrere Bügel angebracht zum Aufhängen von Tüchern.



      Ich wende mich nun der zweiten Türe zu. Hinter dieser Tür öffnet sich ein Schlafzimmer. Auch hier befinden sich Truhen an den Wänden entlang und ein Fenster öffnet sich zum großen Höhlenraum hin. Mitten im Raum steht ein Bett, um das Vorhänge drapiert sind. An der Wand zum Wohnzimmer sind Kleiderhaken angebracht.



      Neugierig öffne ich eine Truhe nach der anderen und finde Hausrat und Wohntextilien. Im Schlafzimmer sind es Bettwäsche und Handtücher. In die leeren Truhen räume ich den Inhalt unserer Koffer ein. Dann lege ich mich wartend auf das breite Himmelbett.



      *



      Eine dunkelhäutige Schönheit tritt aus einer seitlichen Schwingtüre. Sie knickst tief und fragt: „Guten Morgen, Senores. Was darf ich heute servieren?“



      Don Marco antwortet ihr: „Hallo Rita. Bringe uns das übliche. – Oder trinken Sie Kaffee zum Frühstück, Senor José?“



      „Nein, Tee ist schon okay,“ sage ich.



      „Also gut, Rita. Du weißt Bescheid.“



      „Ja, Senor,“ bestätigt sie und verschwindet durch die Schwingtüre, um wenig später mit einem vollen Tablett wiederzukommen.



      Sie stellt das Tablett vor uns auf den Tisch und die beiden aufeinander stehenden Trinkschalen nebeneinander, um sie mit dem Krug zu füllen. Dann nimmt sie jede Schale einzeln auf, führt sie an ihre Lippen und reicht sie erst Don Marco, dann mir.



      Don Marco eröffnet das Gespräch:



      „Heute haben Sie einen freien Tag zum akklimatisieren. Damit Sie sich im Ort nicht verirren und damit ihr Mädchen sich zwischen den Unterrichtsstunden im Alltag abschauen kann, was eine Magd ausmacht, gebe ich Ihnen Rita für die Dauer ihres Aufenthaltes zur Seite. Uéi wird ein Intensivprogramm entwerfen, was bedeutet, dass ihr Mädchen vormittags und nachmittags jeweils fünf Stunden Unterricht hat. Über Mittag wird sie in der Schule verköstigt und erhält eine kurze Ruhezeit. Des Nachts schläft sie bei Ihnen. Sie wird also von 8Uhr bis 20Uhr täglich von Ihnen getrennt sein.

      Sie selbst haben ein ähnlich dichtes Programm. Sie werden mit der deutschen Gemeindeordnung vertraut gemacht, damit sie sich souverän in der deutschen Kommunalpolitik bewegen können. Sie lernen auch den Aufbau und die Funktionen der Community kennen, damit sie virtuos zwischen beiden Systemen hin und her schalten können.“



      „Sie haben vor, mich zum Ratsvorsitzenden zu machen?“ frage ich.



      „Was hatten Sie denn dort vor?“



      „Ich wollte mich der Versorgung des Ortes mit Gütern des täglichen Bedarfs widmen. Das kann ein zeitfüllender Job sein…“



      „Das ist wahr, Don José. Sagen wir so: Ihr Haus kümmert sich um die Versorgung des Ortes, also auch der Nicht-Community-Mitglieder, die dort noch wohnen, während Sie und andere Hausherren regelmäßig zu Beratungen zusammentreffen, wo über hausübergreifende Themen geredet wird. Dieser Rat braucht einen Mann, der die Sitzungen vorbereitet und leitet. Bei der Gründung eines Ortes schieben die Herren den Posten gerne von sich weg, weil er zusätzliche Arbeit bedeutet. Hier liegt also Ihre Chance: Sie sind momentan der Älteste, der Kooperativste, der Erfahrenste. Man wird ganz sicher Sie ausgucken, glauben Sie mir!“



      „Das mag ja alles stimmen, Don Marco – aber der Erfahrenste?“



      „Aus dem Grund habe ich ja auch Ihnen ein Intensivprogramm zugedacht. Oder lehnen Sie ab?“



      Ich schmunzele.



      „Nein, natürlich nicht!“



      Bald sind wir mit dem Frühstück fertig und Rita räumt ab.



      „Haben die Senores noch einen Wunsch?“



      „Ja, Rita. Bringe das Tablett in die Küche und komme wieder zurück.“



      Rita knickst und bringt das Tablett hinter die Schwingtüre, nachdem sie den Tisch leer und das Tablett voll geräumt hat. Eine Minute später steht sie erwartungsvoll wieder am Tisch.



      „Senor?“



      „Ausziehen! Grundstellung!“ sagt Don Marco in kurzen harten Worten.



      Rita neigt den Kopf, hebt ihren Poncho über den Kopf und lässt ihn zu Boden fallen. Danach kniet sie sich hin und setzt sich auf die Fersen. Dabei öffnet sie die Beine weit. Ich lasse meine Augen über ihren wohlgeformten Körper wandern.



      „Gefällt sie Ihnen?“



      Ich lächele.



      „Sie ist wunderschön, aber ich habe schon eine Magd. Als ‚große Schwester’, die ihr vieles im täglichen Miteinander beibringt, kann ich mir Rita sehr wohl vorstellen, auch als Vertretung, während Leos Unterricht.“



      „Dann sei es so!“



      „Wo wird Rita schlafen, während unseres Aufenthaltes hier?“



      „Sie sind ihr Herr. Sie entscheiden das!“



      „Ich bin monogam. Ich bevorzuge Leo in meinem Bett und Rita wird hier zurückbleiben, wenn wir nach Deutschland zurückfliegen. – Rita, du wirst die Nächte in deinem Quartier in Kak-Aute verbringen!“



      Rita neigt den Kopf und antwortet:



      „Ja, Senor.“



      Don Marco erhebt sich und sagt:



      „Dann wäre das geklärt.“



      Ich stehe ebenfalls auf und Don Marco übergibt mir einen Ordner mit kostbarem Ledereinband und metallener Klemmvorrichtung für lose Blätter.



      „Sie finden darin eine Liste von Fachbüchern, die Sie sich in Deutschland noch besorgen wollen. Darin können Sie nachlesen und vertiefen, was wir Ihnen in den nächsten Tagen erklären und anhand von Schaubildern zeigen. Schreiben Sie sich alles auf und heften Sie es sich in diesem Ordner ab, Don José,“ sagt er dazu und ergänzt: „Den Unterrichtsplan für Sie und auch für ihr Mädchen finden Sie ebenfalls im Ordner.“



      „Okay, haben Sie vielen Dank,“ sage ich zum Abschied.



      „Viel Glück.“



      „Vielen Dank, Don Marco.“



      Wir gehen durch den inzwischen leeren Gastraum nach draußen in den Gang. Rita folgt uns in geringem Abstand. Ich wende mich an Rita:



      „Zeige mir den Weg zu meiner Wohnung.“



      Während Don Marco zu seiner Wohnung zurückgeht folge ich Rita durch die Gänge, bis wir vor einer Tür halt machen.



      „Hier wohnen Sie, Don José.“



      Ich öffne die Tür und betrete die Wohnung, gefolgt von Rita. Sie ist um einiges einfacher eingerichtet, als die Wohnung von Don Marco. Mich im Wohnraum umschauend, sehe ich dass Rita in der Nähe des Wasserkochers in die Knie geht und sich auf die Fersen setzt. Also nehme ich eins der Bodenkissen, die um den Tisch in der Raummitte liegen und gebe es an Rita weiter.



      „In meiner Wohnung kniest du - für länger – nur auf einem Kissen, Rita.“



      Sie schaut mich an, erhebt sich und kniet sich auf das Kissen, um sich dann wieder auf den Fersen nieder zu lassen.



      „Danke, Senor.“



      Währenddessen habe ich die Türen, die seitlich vom Wohnraum wegführen geöffnet und dahinter geschaut. Ich entdecke ein einfaches Bad und ein schönes Schlafzimmer. Auf dem breiten Bett liegt Leo mit geschlossenen Augen und regelmäßigen Atemzügen unter einem Himmel aus durchsichtigem Stoff. Ich schmunzele und wende mich zu Rita um.
      „Wenn sich zwei Mägde in meinen vier Wänden befinden, während meines momentanen Aufenthaltes in Kak-Aute, bist du das Erste Mädchen, Rita. Meine Leo wird von Uéi tagsüber unterrichtet. Zu den anderen Zeiten – wie gerade jetzt – wird sie von dir lernen, was sie für ihr Leben als Magd wissen muss. Weise sie in den normalen Alltag ein!“



      „Ja, Senor. Was muss ich tun?“



      „Hast du schon gefrühstückt heute Morgen?“



      „Noch nicht, Senor. Nachdem die Herren gefrühstückt haben und das Geschirr gespült ist, erhalte ich mein Frühstück vom Küchenmeister Don Marcos.“



      „Und das ist heute Morgen ausgefallen?“



      „Ja, Senor.“



      „Meine Magd ist nebenan eingeschlafen. Der Zeitunterschied zwischen Deutschland und Amerika steckt ihr noch in den Knochen. Wecke sie und bereite mit ihr ein Frühstück für zwei Personen zu, das ihr auf dem Tisch serviert. Du leitest sie an.“



      „Sofort, Senor.“



      Ich setze mich an den Tisch und Rita steht auf, geht in den Schlafraum und ich höre:



      „Leo, werde wach! Wir sollen Frühstück bereiten! Werde schnell wach!“



      *



      Ich liege auf einer Luftmatratze und lasse mich von der leichten Meeresdünung wiegen, als plötzlich ein Delfin neben mir auftaucht, seinen Kopf aus dem Wasser streckt und mich anruft. Ich wende mein Gesicht zu ihm und lächele ihn an, zu faul, um mich mehr zu bewegen.



      Allmählich verändert sich der Delfin und bekommt mehr und mehr die Gestalt einer dunkelhäutigen Meerjungfrau mit langen schwarzen Haaren. Auch wird mir immer verständlicher, was sie sagt:



      „Leo,“ sagt sie. „Leo, werde wach!“



      Und sie ergänzt, während sie nun an meiner Schulter rüttelt:



      „Leo, wir sollen Frühstück bereiten! Werde schnell wach!“



      Ich öffne die Augen und muss mich sekundenlang orientieren.



      Ich liege nicht auf einer Luftmatratze, die auf dem Meer treibt, sondern in einem riesigen Bett und vor dem Bett steht eine leicht bekleidete Frau mit langem schwarzen Haar und rüttelt sanft an meiner Schulter.



      „Hm,“ mache ich und stemme mich hoch.



      „Komm’, Leo!“ sagt sie noch einmal, geht zu einer Truhe und holt Stoff und Schnüre heraus.



      Sie breitet alles auf dem Bett aus und ich erkenne, dass es ein Poncho und ein superkurzer Rock ist, das gleiche das auch sie trägt, sowie eine geflochtene mehrfarbige Schnur, wie sie sie um die Hüfte hat.



      „Zieh’ dir das hier an,“ sagt sie.



      In der Zwischenzeit habe ich mich aufgesetzt. Ich schaue sie zweifelnd an.



      „Das trägt man hier in Kak-Aute?“



      „Ja, Leo. Das tragen Mägde in Kak-Aute.“



      „Also gut,“ ergebe ich mich in mein Schicksal und ziehe Shorts und Bikini-Slip aus.



      Dann nehme ich den Rock und sehe, dass es sich um ein breites Stück Stoff handelt, dass ich anderthalbmal um meine Hüften schlingen und dann über Knöpfe an einem Bund verschließen kann. Ich stecke meinen Kopf durch den Schlitz am Poncho und lege mir die Schnur um die Hüften, damit der Poncho am Körper bleibt.



      „Das Bikini-Oberteil gehört leider nicht zur Kleidung einer Magd,“ kommentiert die Frau lächelnd mein Umziehen.



      Sie trägt tatsächlich auch keinen BH, wie ich an den fehlenden Schnüren seitlich sehen kann. Also öffne ich den Clip und ziehe ihn ebenfalls aus.



      „Du weißt, wie ich heiße – bist du Uéi, meine Ausbilderin?“



      Die Frau lächelt amüsiert.



      „Ich heiße Rita. Don Marco hat mich deinem Herrn überlassen für die Dauer seines Aufenthalts – wohl um deine Ausbildung über die Dauer der Kurse hinaus auszudehnen. Im Haushalt deines Herrn hier in Kak-Aute hat mich dein Herr darum als Erste Magd eingesetzt, was bedeutet, dass ich dir Anweisungen geben – und Ungehorsamkeiten sofort ahnden darf…“



      „Ah – Rita, wie spreche ich dich dann an?“



      „Nenn mich Ena, das heißt ‚die Erste’!“



      „Okay, Ena. Was geschieht nun als nächstes?“



      „Dein Herr hat nach Frühstück verlangt. Ich werde es bereiten und du wirst mir assistieren! Komm’ jetzt nach nebenan!“



      Rita dreht sich um und verlässt, gefolgt von mir, den Schlafraum. Josef sitzt auf einem Hocker am Tisch und schaut uns erwartungsvoll entgegen. Da wir das Regal mit dem Wasserkocher zum Ziel haben, sagt er:



      „Leo, geh erst kurz ins Bad.“



      Ich lächele und ändere mein Ziel. Im Bad erfrische ich mich erstmal mit dem wunderbar kühlen Wasser und lege etwas dezentes Parfüm auf, dann komme ich in den Wohnraum zurück. Rita schüttet gerade heißes Wasser in einen Krug, an dessen Henkel ein Teesieb festgemacht ist.



      „Wieviel Fladenbrote darf ich aufschneiden, Senor?“ fragt sie.



      „Zwei, Rita.“



      „Zwei, Senor,“ bestätigt sie und beginnt damit, die Fladenbrote seitlich zu teilen.



      „Was wünscht der Senor als Belag?“



      „Stelle Honig und Beerenmus auf den Tisch und richte klein geschnittenes Fleisch mit frischen Kräutern an.“



      „Ja, Senor. – Leo, bringe deinem Herrn die Töpfchen mit Honig und Mus und lege diese Löffelchen dazu!“



      „Sofort, Ena!“



      Ich nehme kleine Tontöpfchen mit dem entsprechenden Inhalt aus dem im Regal eingehängten Schrankfach und zwei Servierlöffelchen aus dem Spankästchen daneben und bringe sie an den Tisch. Zurück bei Rita schaue ich zu, wie sie gebratenes Fleisch, dass sie aus dem Kühlfach unter dem Wasserkocher nimmt, in kurze Streifen schneidet und Kraut, das aussieht wie Löwenzahnblätter auf einem Teller sternförmig ausbreitet, um das vorbereitete Fleisch darauf anzurichten.



      „Nun bringe auch den Teller auf den Tisch!“ sagt Rita zu mir.



      Rita nimmt nun das Teesieb aus dem Krug und legt es in eine Trinkschale, dann nimmt sie drei Trinkschalen und den Krug und kommt ebenfalls an den Tisch, an dem ich mich schon zu Füßen meines Herrn auf ein Kissen gekniet habe. Sie kniet sich auf die andere Seite und füllt die oberste Trinkschale mit Tee, den sie an ihre Lippen führt und dann Josef reicht.



      Josef nimmt ihr den Tee ab und reicht ihn ihr zurück. Währenddessen hat sie eine zweite Schale gefüllt, die sie genauso weiter reicht. Diese Trinkschale reicht Josef an mich weiter. Erst die dritte Schale nimmt er an.



      Rita legt nun eine Fladenbrothälfte auf einen der beiden Teller und fragt:



      „Was darf ich darauf tun, Senor?“



      „Halbiere die Hälfte und halbiere eine der beiden Hälften noch einmal. Bestreiche die beiden Viertel jeweils mit Honig und Mus und belege die restliche Hälfte mit Kraut und Fleisch. Nimm von einem anderen Fladenbrot einen entsprechenden Teil als Deckel über das Fleisch,“ antwortet ihr mein Herr.



      Sie bereitet das Frühstück wie gewünscht und reicht es meinem Herrn, der es ihr zurückgibt. Den zweiten, genauso vorbereiteten Teller reicht Josef an mich weiter. Nun dürfen wir essen, während er Tee trinkend dabei sitzt. Rita stoppt nur kurz, um Josef Tee nachzuschenken.



      Gegen Ende des Frühstücks sagt mein Herr:



      „Wer noch etwas essen mag – eine Brothälfte ist noch übrig…“



      Ich schüttele verhalten den Kopf. Rita fragt:



      „Wenn der Senor erlaubt, nehme ich die Hälfte davon?“



      „Aber ja, Rita,“ bestätigt er, nimmt die Hälfte und teilt sie.



      Ein Teil gibt er Rita, dann schaut er mich erwartungsvoll an. Ich schüttele noch einmal den Kopf und sage:



      „Nein, danke.“



      Er zieht eine Augenbraue hoch und grinst. Rita sagt schnell, während sie mich anschaut:



      „Nein, danke, Senor.“



      Ich schaue Rita an, die einen flehenden Gesichtsausdruck zeigt, dann in das schmunzelnde Gesicht meines Herrn, danach wieder zu Rita und wiederhole mich:



      „Nein, danke, Herr.“



      Josef greift nun nach meinem Hals und zieht mich sanft zu sich heran, bis meine Schulter seinen Oberschenkel berührt:



      „Gut gemacht, Leo. Denke immer an die Titel! Das ist wichtig hier in Kak-Aute.“



      Danach nimmt er sich den Brotrest und bestreicht ihn sich mit Honig. Ich greife schnell den Teekrug und fülle ihm die Trinkschale auf, was er mit stolzem Lächeln quittiert.



      Nach dem Frühstück beauftragt mein Herr Rita, mich zu Uéi zu bringen und mir damit den Weg zwischen seiner Wohnung und der Schule zu zeigen.

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      - 8 -



      Rita führt mich durch die Gänge bis zu einer Tür. Sie betätigt die Türglocke und ein Mann öffnet ihr.



      „Don Emiliano, hier habe ich eine neue Schülerin. Don Marco hat Sie sicher schon informiert. Sie heißt Leonie Lahnstein,“ informiert Rita den Mann.



      Don Emiliano lächelt und antwortet ihr:



      „Okay, Rita. Du kannst dich zurückziehen.“



      Und zu mir gewandt, ergänzt er:



      „So, Leonie Lahnstein ist dein Name. Das ist ein schwieriger Name. Wie nennt dich dein Herr?“
      „Er nennt mich einfach ‚Leo’, Senor,“ antworte ich.



      „Leo, gut, komm’ herein. Wie ich hörte, wirst du die Nächte bei deinem Herrn verbringen. Da sind uns die Hände etwas gebunden. Das Vertiefen des Erlernten obliegt dann deinem Herrn! Aber vergesse nichts von dem hier Erlernten, sobald du bei deinem Herrn bist! Wir werden davon erfahren und unser Training danach richten!“



      „Ja, Senor,“ antworte ich ihm furchtsam.



      Er hat die Tür hinter mir wieder verschlossen und führt mich in einen Nebenraum, dessen Tür er ebenfalls hinter sich verschließt.



      „Ausziehen! Ganz!“ kommt knapp sein erster Befehl.



      Ich öffne die Gürtelschnur und lasse Poncho und Rock zu Boden fallen.



      „Knie nieder!“ ist sein nächster Befehl, der mich mit gesenktem Blick in die Knie zwingt.



      „Sieh hoch,“ sagt er jetzt, „knie gerade. Lege deine Hände auf deine Schenkel. Kopf hoch. Spreize deine Knie. – Ah, die Grundstellung kennst du schon.“



      Ich knie aufrecht vor Don Emiliano, meinen Kopf hocherhoben, meine Hände liegen auf meinen Oberschenkeln, meine Knie sind weit gespreizt.



      „Du trägst noch keinen Halsreif,“ stellt er fest.



      „Noch nicht, Senor. Mein Herr möchte ihn mir aber bald in einer kleinen Zeremonie umlegen.“



      „Soso, in einer kleinen Zeremonie, mit Blumen, salbungsvollen Sprüchen, Verwandten mit Freudentränen im Hintergrund…“



      Der Ton, den Don Emiliano anschlägt in Verbindung mit dem amüsierten Lächeln, lässt mich verstummen.



      Da kommt auch schon sein nächster Befehl:



      „Verschränke deine Hände hinter deinem Kopf und nimm ihn zurück.“



      Ich tue es.



      „Weiter zurück.“



      Ich beuge mich weiter zurück. Meine Brüste stehen straff vom Oberkörper ab.



      „Bitte,“ sage ich flehend, „bitte!“



      Er kommt näher.



      „Ich finde dich ziemlich begehrenswert und unglaublich attraktiv,“ sagt er wie beiläufig.



      „Aber ich habe einen Herrn,“ sage ich schnell.



      Wie kann er von sexuellen Dingen nur so offen sprechen? Ich beginne mich zu fürchten, und frage:



      „Wo ist Uéi? Ich soll von ihr ausgebildet werden.“



      „Keine Angst, kleine Löwin, du wirst sie gleich kennen lernen! Aber vorher schaue ich mir dich an.“



      „Weil ich als Frau für Sie interessant bin?“



      „Leider hast du einen Herrn,“ antwortet er, „aber du bist auch aus anderen Gründen etwas Besonderes für mich.“



      „Aus welchen anderen Gründen, Senor?“



      „Du bist eine moderne Frau,“ erklärt er, „und dadurch repräsentierst du eine Perversion innerhalb der Menschheit, eine bösartige Schädigung des Wesens menschlicher Sexualität, sowohl von Männern als auch von Frauen und das schädigt nicht nur heute die menschliche Art, sondern gefährdet auch die Zukunft der Menschheit.“



      Ich sehe erschrocken zu ihm auf.



      „Sie hassen mich?“



      „Du bist eine moderne Frau,“ redet er unbeeindruckt weiter, „und würdest die Männer zerstören.“



      „Nein,“ rufe ich aus. „Nein, ich will zu meinem Herrn! Ich will zurück zu Don José!“



      Wieder fährt er unbeeindruckt fort, als hätte er mich nicht gehört: „Aber, moderne Frau, hier wirst du keine Männer zerstören. Im Gegenteil, hier wirst du ihnen dienen, ohne Einschränkungen, voller Angst, reizvoll und mit all deinen Fähigkeiten.“



      „Ich bin keine moderne Frau,“ flüstere ich. „Ich war in meinem Herzen nie eine moderne Frau. Ich bin eine Frau, die in die Zeit der Antike gehört, eine liebevolle Frau! Ich empfand mich in meiner Umwelt fremd, traurig und verloren, bis ich Don José kennen lernte!“



      „Lügnerin!“ brüllt er mich an.



      Erschreckt von seiner Lautstärke weiche ich auf Knien zurück.



      „Du bist schlau, du Lügenschlampe,“ presst er zwischen den Zähnen hervor. „Du bist so schnell, so verschlagen, so gefährlich!“



      „Bitte,“ flüstere ich verschüchtert.



      „Aber ich durchschaue deine kleinen Tricks.“



      „Warum denken Sie, ich wäre solch eine moderne Frau, die Sie verachten?“ frage ich. „Weil ich mich klar ausdrücken kann, weil ich denken kann, weil ich Bücher lese? Glauben Sie nicht, dass auch echte, anpassungsfähige Frauen solche Dinge tun können?“



      „Sie benutzen Bücher als Tand und Verzierung,“ sagt er heftig.



      Ich schluchze auf.



      „Hast du nie bemerkt, was Männern in deiner Kultur angetan wird?“ fragt er.



      Ich schweige furchtsam.



      „Falls du daran nicht aktiv beteiligt warst,“ forscht er, „was hast du denn dagegen unternommen?“



      Ich habe einen Kloß im Hals, kann nicht antworten.



      „Du warst Helfershelferin und Komplizin bei solchen Verbrechen,“ stellt er fest.



      „Nein,“ bricht es aus mir heraus.



      „Du bist schuldig, weil du stillschweigend zugestimmt hast.“



      „Nein,“ protestiere ich.



      „Was denkst du von den Männern deiner Kultur?“ fragt er.



      „Ich verachte sie! Sie sind Schwächlinge!“ schluchze ich. „Sie verdienen es nicht anders, als dass wir uns ihre Rechte mit Hilfe von Worten und Gerichtsurteilen nehmen, dass sie überflüssig werden durch ausgeklügelte Gesetze, dass sie durch Gesetze und Schlagwörter an den Rand der Macht gedrängt, gefesselt und verkrüppelt werden, dass sie kastriert werden, um ihren Stolz und ihre Stärke zu verlieren, dass ihnen ihre ungenutzte Männlichkeit genommen wird, damit sie unsere Befehle entgegen nehmen und uns gehorchen.“



      „Ist deine Meinung motiviert durch Hass, Eifersucht und Neid auf Männer?“ fragt er leise.



      „Ich glaube nicht,“ antworte ich ruhiger, „ich will kein Mann sein. Ich will eine Frau sein. Ich glaube, mein Groll und meine Frustration rühren nicht von ihrer Männlichkeit her und dass ich kein Mann bin, wie es bei fast all jenen Frauen zu sein scheint, die Sie verachten. Eher rührt es von ihrer fehlenden Männlichkeit her, die ich genauso wie Sie bemerke und die mich daran hindert, eine wirkliche, eine gefühlvolle Frau zu sein.“



      „Du bist auf deine kleinliche Weise eine schlaue Schlampe,“ hält er mir entgegen. „Wie schlau du die Dinge verdrehst! Aber ich falle auf deine kleinlichen Tricks nicht herein. Du beneidest Männer, und da du selbst keiner bist, würdest du sie am liebsten zerstören.“



      „Nein.“



      „Doch,“ fährt er fort, »du bist eine moderne Frau und würdest, wenn du könntest - wie andere auch - Männer zerstören. Für mich bist du und die anderen auch, die wie du sind, schuldig! Schuldig an Verbrechen gegen die Zukunft der menschlichen Spezies. Hier wirst du aber lernen, dass Männer so etwas nicht dulden. Hier wirst du lernen, dass sie solche Absichten nicht tolerieren.“



      Ich zittere.



      „Hier,“ sagt er, „wirst du lernen, wie es wirklich ist, eine Frau zu sein. Du wirst künftig eine andere Art von Frau sein.“



      Ich senke voller Angst meinen Kopf. Ich vermute, dass ich in gewisser Hinsicht wirklich eine moderne Frau gewesen bin und deshalb hat er in gewisser Hinsicht Recht.



      Mein Blick fixiert seine Füße und wandert langsam an ihm hoch. Wie unglaublich attraktiv dieser Mann aussieht! Wie schwach er mich macht! Ich habe bisher immer gedacht, dass ich einigermaßen intelligent sei. Aber vor diesem Mann, das fühle ich plötzlich, gilt meine Intelligenz nichts. Ich fühle, dass er mit der Macht seiner Männlichkeit, ohne Einschränkungen mein Herr ist, dass ich wenig mehr bin als eine Hündin zu seinen Füßen.



      „Rühr dich nicht!“ befiehlt er in die Stille hinein.



      Er kauert sich vor mir nieder.



      „Was wollen Sie tun?“ frage ich unterwürfig.



      „Grundstellung!“ sagt er knapp.



      Ich verbessere meine Haltung, knie auf meine Fersen gehockt, mein Rücken ist gerade, meine Hände liegen auf meinen Oberschenkeln, meine Knie sind weit gespreizt.



      „Was wollen Sie tun?“ frage ich noch einmal.



      „Leg’ deinen Kopf auf den Boden,“ fordert er, „weiter zurück.“



      Ich schaue hoch zur Zimmerdecke.



      „Das ist ein Test,“ sagt er.



      „Oh!“ rufe ich aus, zucke zurück und falle auf die Seite.



      Ich presse meine Knie fest zusammen, lege meine Hände schützend über meinen Unterleib und schaue ihn entsetzt an. Ich kann nicht glauben, was er getan hat.



      „Du bist heiß,“ stellt er fest, „das hatte ich erwartet. Die Kurven deines Körpers weisen auf eine Fülle weiblicher Hormone hin. Das wird dich natürlich stärker der Gnade der Männer ausliefern.“



      Die Berührung ist völlig unerwartet gekommen.



      „Scheusal,“ protestiere ich.



      Die Berührung ist sanft, aber gezielt gewesen. Anscheinend hat sie ihm gezeigt, was er wissen wollte.



      „Scheusal!“ schluchze ich.



      Ich habe nicht bemerkt, was er vorgehabt hat. Ich habe keine Gelegenheit gehabt, mich darauf vorzubereiten. Jetzt bin ich voller Angst. Ich bin allein mit ihm in einem verschlossenen Raum. Was ist, wenn solche Männer es nicht zulassen, dass eine Frau sich in Trägheit flüchtet, was ist, wenn sie all ihre heiße, süße, verletzbare Offenheit fühlen muss? Wie es ist, unerwartet genommen zu werden und vor diesem Löwen von einem Mann, darauf zu reagieren, ist mir jetzt gezeigt worden. Ich werde purpurrot.



      Er steht auf.



      „Komm wieder her und knie nieder, wo du vorher warst!“ befiehlt er.



      Ich beeile mich, zu der Stelle zu kriechen, wo ich mich vorhin befunden habe und dort wie zuvor niederzuknien. Er sieht auf mich herunter.



      „Auf deinen Rücken,“ befiehlt er nun, „nimm die Beine weit auseinander.“



      Mit Tränen in den Augen gehorche ich.



      „Die moderne Frau,“ kommentiert er lächelnd, „auf ihrem Rücken.“



      „Wo ich hingehöre,“ sage ich leise.



      „Oder auf deinen Bauch,“ sinniert er, „oder kniend, vornüber gebeugt oder in einer der tausenden anderen Stellungen der Unterwerfung und des Dienens.“



      Ich schaudere. Allmählich erkenne ich, was für Dinge als völlig normal von mir verlangt werden würden. Ich schließe meine Augen. Ich befürchte, dass ich bei seiner kleinsten Berührung in Ohnmacht fallen würde. Für solch einen Mann, das weiß ich jetzt, würde ich mit all meiner Kultiviertheit, Bildung und Intelligenz niemals mehr als eine Hündin sein, eine hechelnde Hündin zu seinen Füßen. Ich öffne die Augen wieder.
      Er lächelt mich an.



      „Bis jetzt bist du immer noch eine moderne Frau. Aber bald wirst du keine mehr sein. Bald wird dir das genommen werden.“



      Ich zittere.



      „Ich gehe jetzt,“ sagt er. „sie werden dich gleich holen. Du wirst einen ausgefüllten Tag haben.“



      Dann dreht er sich um.



      „Warten Sie!“ schluchze ich. „Bitte. Lassen Sie mich nicht allein.“



      Er dreht sich wieder zu mir um.



      „Grundstellung!“ befiehlt er.



      Sofort knie mich wie zuvor nieder, mit geradem Rücken, auf meinen Fersen hockend, meine Hände auf meinen Schenkeln, meine Knie gespreizt. Ich balle die Fäuste auf meinen Schenkeln und schluchze auf.



      „Verlassen Sie mich nicht, Senor,“ bettele ich.



      Aber er ist schon gegangen. Ich wage nicht meine Stellung zu verändern. Nach einiger Zeit höre ich Stimmen hinter der Tür. Sie kommen zu mir.



      *



      Dann dreht sich ein Schlüssel und die Tür öffnet sich wieder. Ein Mann bleibt an der Tür stehen und eine Frau betritt mit geschmeidigen Bewegungen den Raum. Gekleidet ist sie ebenfalls in Poncho und Rock und sie trägt einen Halsreif. Sie ist eine indigene Erscheinung mit langem schwarzen Haar. Um ihren Hals hängt außerdem eine Kette und daran eine bronzene Pfeife.



      Sie betrachtet mich, wie ich da knie, mit einem leichten Lächeln.



      „Ich bin Uéi,“ stellt sie sich vor. „Ich lehre Mägden wie dir, den Männern Vergnügen zu bereiten.“



      „Wer ist Don Emiliano?“ frage ich ängstlich.



      Sie dreht sich wortlos zu Tür und macht einen Schritt.



      „Wer ist Don Emiliano, Donna Uéi?“ wiederhole ich.



      „Don Emiliano ist der Leiter der Schule und damit der Hausherr hier,“ klärt sie mich auf. „Es reicht völlig, wenn du mich Ena nennst. Im Übrigen hast du zu fragen, ob du etwas sagen oder fragen darfst! Innerhalb der Schule gilt absolutes Schweigegebot von dem nur mit meiner Erlaubnis oder der eines Herrn abgewichen werden darf!“



      Entmutigt lässt die Spannkraft in meinem Körper nach. Ich sinke zusammen.



      „Keine Angst, Leo. Du hast von Don Emiliano nichts zu befürchten, aber er wird deinen Herrn schonungslos über den Fortgang der Ausbildung auf dem Laufenden halten!“



      „Darf ich etwas fragen, Ena?“



      „Ja.“



      „Warum hasst er mich, Ena?“



      „Hat er dich so geschockt? Ich weiß es nicht genau. Er spricht nicht darüber. Man munkelt, er hatte wohl früher mal ein Erlebnis mit einer Emanze…“



      „Ich bin keine Emanze!“ rufe ich aus.



      Sie tritt vor mich hin, hebt mein Kinn an, blickt mir in die Augen und sagt:



      „Sonst wärest du nicht freiwillig die Magd deines Herrn. Ich kann es mir denken, Leo. - In den Stunden der Ausbildung bist du meine Magd. Du wirst tun, was ich sage. Du wirst arbeiten und lernen. Du wirst mir zu Gefallen sein. Hast du das verstanden?“



      „Ja, Ena!“



      Sie wendet sich an den Mann im Türrahmen.



      „Bring sie zur vierten Tagesstunde in meinen Trainingsraum,“ sagt sie und verlässt den Raum.



      „Senor, welche Zeit haben wir jetzt?“ frage ich den Mann, bevor er mich wieder einschließt und ebenfalls weg ist.



      „Du musst noch eine Menge lernen, Leo. Die Tagesstunden zählen von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends. Analog dazu die Nachtstunden von sechs Uhr abends bis sechs Uhr morgens. Goreaner zählen die Stunden im Zehnersystem, also bedeutet die vierte Tagesstunde etwa zehn vor elf Uhr und jetzt haben wir zwanzig nach zehn Uhr. Ich bin also in zwanzig Minuten wieder zurück – und denke an das Schweigegebot. Wenn du etwas zu sagen hast, frage, ob du dich äußern darfst!“



      „Ja, Senor.“



      Dann schließt er die Tür und ich bin alleine im Raum.



      *



      Endlich ist es Abend und der erste Tag meiner Ausbildung ist vorbei. ‚Wie‘ –Tag-, eine andere indigene Magd, die als Instrukteurin im Haus des Don Emiliano lebt, bringt mich zur Wohnung meines Herrn. Ich hätte mich sicher verlaufen. Als ich eintrete, verabschiedet sich Rita von meinem Herrn und kurz darauf bin ich mit Josef allein.



      „Komm an meine Seite,“ sagt er.



      Ich rutsche auf den Knien ganz nah an ihn heran.



      „Wie war dein erster Tag?“



      „Sehr anstrengend und vieles war ungewohnt, liebster Herr.“



      „Was war ungewohnt?“



      „Die Strenge dort bin ich bisher nicht gewohnt – kenne ich von dir nicht, Herr.“



      „Eine Schule darf nicht nachsichtig sein. Lehrer dürfen sich keine Gefühle erlauben, Liebes! Erstens ist die Ausbildung zeitlich begrenzt, du erhältst nur einen Einblick und denk’ zweitens immer daran, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird!“



      „Wenn wir aber später einmal Besuch empfangen und ich weiß mich nicht zu benehmen, dann fällt das auf dich zurück, hat man mir gesagt. Und du sollst Vorsitzender eines Rates werden. Du hast also sicher oft Gäste…“



      „Also streng’ dich an, Leo, und schau dir soviel wie möglich ab in der Schule!“



      „Ja, liebster Herr. Gilt das Schweigegebot aus der Schule eigentlich auch hier?“



      „Hast du Rita, oder eine andere Magd ihren Herrn fragen gehört, ob sie sprechen darf?“



      „Nein, Herr.“



      „Also gilt das Schweigegebot außerhalb der Schule nur in dem Fall, dass mehrere Herren beisammen sind. Damit du dann nicht unkontrolliert dazwischen redest, Liebes.“



      „Okay, mein Herr.“



      „Es ist noch früh, Liebes. Ich denke, wir gehen ein wenig aus.“



      „Kennst du dich denn inzwischen in Kak-Aute aus, Herr?“



      „Rita hat mich heute während der Siesta ein wenig herum geführt, Leo.“



      „Ich möchte den Ort auch gerne näher kennenlernen!“



      „Also, dann los!“ sage Josef und schließe unsere Wohnungstür hinter uns.



      Wir gehen durch mehrere Gänge und ein paar Treppen und stehen vor einer Doppeltüre mit Glaseinsätzen, durch die man einen Einblick auf den Innenraum erhält. Links neben den Türen lese ich auf der Fachwerkwand den Schriftzug ‚Taverna’ und rechts neben den Türen ist ein Schild mit der Aufschrift ‚Apok Uéi’ angebracht.



      „Das ist ja eine Gaststätte,“ sage ich erstaunt.



      „Ja, dabei anders als die Gasträume der Häuser von Kak-Aute. Hier hinein geht man, um sich zu entspannen. Man isst und trinkt etwas, während auf der Bühne eine Vorstellung läuft – oder geht mit einer Magd in einen der Alkoven an den seitlichen Wänden.“



      Ich schaue meinen Herrn erstaunt an.



      „Nein, Leo, nicht wegen letzterem sind wir hier. Ich dachte, wir trinken etwas und schauen der Vorstellung zu. Heute läuft ein Wettbewerb im Bauchtanz, und zwar die Endausscheidung.“



      „Ah.“



      Wir betreten die Taverne und werden sogleich von einer Tavernenmagd angesprochen und zu einem freien Tisch geleitet. Sie nimmt bei meinem Herrn die Bestellung auf und ich sehe, als ich mich neben ihn knie, einen Zettel auf dem Tisch liegen. Ich deute darauf und schaue meinen Herrn fragend an.



      Er nimmt den Zettel und sagt:



      „Da stehen Namen, Besitzer und Startnummer der heutigen Tänzerinnen drauf, Leo.“



      Dann legt er ihn wieder vor sich hin. Die Tavernenmagd bringt uns die beiden Gläser Fruchtsaft, die mein Herr bestellt hat und ich blicke mich staunend im Raum um. Der Fußboden sinkt stufenweise vom Eingangsbereich im Halbkreis zu der Bühne an der gegenüber liegenden Wand hin ab. Dort dreht sich schon eine Tänzerin und lässt ihre Bauchmuskeln im Takt der Musik wippen. Auf jeder der Stufen steht eine Tischreihe mit je vier Hockern. Mittig vom Eingang bis zur Bühne führt eine Treppe hinab. Je zwei Treppenstufen tiefer steht ein weiterer Halbkreis mit Tischen. Unten führt dann eine kleine dreistufige Treppe wieder zur Bühne hinauf. Den Hintergrund der Bühne bildet ein weiter Vorhang. Neben der Bühne auf dem Niveau der untersten Tischreihe befindet sich eine Schwingtüre für das Personal.



      Zwei weitere Treppen sehe ich an den Wänden rechts und links von der untersten Ebene ansteigen und an den Wänden auf dem Niveau der obersten Ebene läuft ein Gang entlang, der ein Geländer als Absturzsicherung besitzt. Dort befinden sich alle zwei Meter verschiedene farbige Vorhänge. Das sind wohl die besagten Alkoven.



      Die Taverne ist sehr gut besucht. Alle Herren schauen gebannt zur Bühne oder unterhalten sich über die Tänzerin, um sich dann Notizen auf ihren Zetteln zu machen. Nach gut einer Stunde haben alle Tänzerinnen ihr Programm beendet und die Tavernenmägde – ich sehe, dass es drei sind – sammeln die Zettel ein. Ein wohlbeleibter Mann zählt sie vor aller Augen auf der Bühne aus und ruft dann drei Tänzerinnen wieder auf die Bühne. Die Frauen haben, während sie nicht tanzten im Zuschauerraum bei ihren Herren gekniet. Alle drei sollen ihr Programm noch einmal vorführen, diesmal jedoch als Dreier-Gruppe synchron. Danach erhalten sie von dem Mann eine kupferne, silberne und goldene Plakette. Es laufen Freudentränen.



      Dann steht mein Herr auf und wir machen uns wieder auf den Heimweg. Unterwegs frage ich:



      „Wärst du stolz, wenn ich auch in solch einem Wettbewerb gewinnen würde, Herr?“
      Er lächelt mich an:



      „Das wäre ich bestimmt! Aber dazu braucht es eigentlich keinen Wettbewerb, Leo! Du würdest mich auch mit einer Privatvorstellung ab und zu stolz machen. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Warten wir ab, was alles noch auf uns zu kommt, Maus.“



      Ich lehne mich im Gehen an ihn und er umfasst meine Schultern. Während er mich so führt, schaue ich ihn verführerisch von unten herauf an und nähere meine Lippen den Seinen.



      *



      Am nächsten Tag bin ich erst gegen elf Uhr in der Schule. Auf die Frage am Portal der Schule hin, woher ich so spät komme, entschuldige ich mich, dass mein Herr mich solange bei sich behalten hat. Auch wäre ich erst spät erwacht.



      Der Mann macht ein unbeteiligtes Gesicht, während er mich einlässt.



      Er sagt: „Guter Schlaf ist sicher wichtig für eine Frau, für ihre Schönheit, ihre Aufmerksamkeit und ihren Dienst. Das ist das gleiche wie bei anderen Haustieren.“



      Ich schaue ihn wütend an und beiße mir auf die Unterlippe, um keine freche Antwort zu geben. Auch Uéi tadelt mich für das Zuspätkommen und so sinkt meine Stimmung schnell auf den Nullpunkt. Ich befolge die Befehle nicht sofort.



      Im Nachhinein denke ich, ich habe sehen wollen, was sie tun würden. Außerdem, denke ich, ich habe die Grenzen bestimmen wollen, wissen wollen, was ich machen kann und was nicht.



      Ich habe das Ausmaß der Disziplin, der ich unterworfen bin, kennen lernen wollen, etwas über die Begrenzung meiner Welt erfahren wollen, wissen wollen, wo die Zäune sind, den Standort der Mauern spüren wollen. Ich habe es herausgefunden.



      Man hat mich wieder in den Raum gesperrt, in dem ich am Vortag mit Don Emiliano allein war. Nur steht diesmal ein kleiner Käfig darinnen, in den ich hinein kriechen muss, in dem man sich nicht bewegen kann. Ich fühle aber deswegen nicht etwa hilflose Wut und Niedergeschlagenheit, sondern eher Bestätigung, Bewunderung und Respekt. Ich freue mich darüber, so ungewohnt das klingt, wie völlig hilflos ich ausgeliefert bin. Nach der Mittagspause darf ich wieder am Unterricht teilnehmen.



      „Steh gerade!“ befiehlt der Mann, der mich in den Käfig gesperrt und jetzt gerade wieder heraus gelassen hat.



      Sofort korrigiere ich meine Haltung. Manchmal, wenn ich mich nicht direkt von einem Mann beobachtet fühle, habe ich den Hang etwas nachlässig zu sein. Bei Josef, meinem Herrn ist das jedenfalls so, dass ich auch unter seinen Augen viel zu nachlässig bin. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich menschlich, allzu menschlich bin. Am besten wird sein, ich stelle mir vor, dass mich immer ein solcher Mann ansieht, wie ich sie hier in Kak-Aute kennengelernt habe. Ich bin störrisch und unachtsam gewesen. Ich bin töricht gewesen.




      Ich bin froh und zufrieden, dass ich Josef kennengelernt habe und er mich die Erfahrung hier in Kak-Aute machen lässt. Es erregt mich sehr, ab jetzt entsprechend der natürlichen Ordnung seiner Herrschaft unterworfen zu sein. Danach habe ich mich mein ganzes Leben lang gesehnt. Ich glaube, dass ist auch der Grund, warum ich die Männer in meinem Umfeld so sehr verachtet habe. Sie nehmen hin, dass sie von Frauen geführt und manipuliert werden. Sie haben nie gesehen, dass ich mir tief in meinem Herzen wünsche, auf meinen natürlichen Platz gestellt zu werden und dort bleiben zu wollen. Ich fühle, dass meine Schönheit meinem Herrn gehört. Ich will liebevoll und anbetend vor ihm knien und ihm meinen uneingeschränkten Gehorsam darbieten. Die Männer vor Josef sind dazu nicht stark genug gewesen und mich hat es fast verzehrt und mit Verachtung für sie erfüllt. Aber auch Josef ist nicht konsequent genug. Ich möchte kompromisslos behandelt werden. Sicher wird es mir gelingen, ihn zu einem echten goreanischen Herrn zu machen, wenn ich das Erlernte unter ihm anwende und ihm so zeige, dass er keine Rücksicht mehr zu nehmen braucht.



      Bei Männern, die die goreanische Philosophie leben, kann ich endlich ich selbst sein und mich selbst finden. Solche Männer will ich und in meinem Herzen weiß ich, dass ich zu ihnen gehöre, dass ich ihr weibliches Äquivalent bin. Ich will einen Mann, der stärker ist als ich und dem ich entsprechend der natürlichen Ordnung gehorchen kann. Ich will Josefs legales Eigentum sein, seine Frau, sein Weib, hilflos und liebevoll. Ich will versuchen, ihm gut zu dienen.



      In den restlichen Tagen habe ich an Unterricht in häuslichen Tätigkeiten wie Kochen, Nähen, Waschen, Putzen teilgenommen - Tätigkeiten, die mir so fremd nicht sind. Andere Unterrichtsstunden haben Lektionen in Sitte, Manieren und Anstand zum Thema gehabt. Zum Beispiel wird gelehrt, wie man am Tisch ehrerbietig, geschickt, unaufdringlich und meist auch leise serviert, wie man sich bewegt und läuft, anmutig kniet und aufsteht und selbst solche kleinen, interessanten Dinge wie ein herunter gefallenes Ding besser durch Niederkauern als durch Bücken aufzuheben.



      Nachdem die ersten Übungen mit Kleinigkeiten begonnen haben, wie die Unterweisung im richtigen Stehen, Gehen, Knien, Vorbeugen, Essen und Trinken, geht Uéi über zu Ausdrucksübungen des Gesichts und des Körpers, denn ihrer Meinung nach zeigt sich darüber Anmut und Schönheit einer Magd. Manche Übungen kommen mir anfangs recht dumm vor, aber ich nehme mit zunehmender Begeisterung am Unterricht teil und führe das Erlernte des Abends meinem Herrn vor.



      Ein bedeutender Teil unserer Ausbildung ist intimer und erotischer oder sexueller und sinnlicher Natur und erstreckt sich auf Dinge wie Make-up, Körperschmuck, Kosmetik und Parfüms bis zu psychologischen und physischen Techniken, normalerweise eine Kombination von beiden, zur Befriedigung von Männern.



      Viele angedeutete Bewegungen gehören zum Ritual, zu der Symbiose von Herr und Sklavin. Es sind solche Kleinigkeiten, wie Hand-, Finger- oder Hüftbewegungen. Wir lernen aber auch die Bewegungen der Männer zu verstehen, ihr Interesse und ihre Wünsche aus solchen Kleinigkeiten abzulesen. Es ist im Grunde kein Geheimnis, dass die Magd die Stimmungen und Wünsche ihres Herrn vorauszuahnen scheint.



      Mein Training geht seinem Ende entgegen. Schließlich werde ich in ein Büro gerufen. Ich öffne die Türe und erschrecke, als ich sehe, wer da sitzt.



      „Komm näher,“ sagt Don Emiliano. „Dein Unterricht läuft gut, Leo.“



      Ich bewege mich geschmeidig mit gesenktem Blick auf ihn zu und knie mich in ein Meter Abstand nieder, um selbständig in Grundstellung zu gehen. Dann schaue ich zu ihm auf.



      „Sogar sehr gut,“ fährt er fort. „Komm neben mich!“



      Ich rutsche direkt neben Don Emiliano und senke dankbar und geschmeichelt meinen Kopf. Ich bin erfreut, dass der Mann zufrieden ist, dass seine ‚moderne Frau’ sich zu einer vollwertigen Magd entwickelt hat. Es erzeugt tief im Bauch ein warmes, wunderbares Gefühl der Befriedigung. Er beugt sich zu mir und ich spüre die Hand des Mannes in meinem Haar. Er ist nicht grob zu mir, rubbelt gutmütig über meinen Kopf. Ich schaue dankbar zu ihm auf. Dieser Mann ist mit mir zufrieden. Er hasst mich nicht, obwohl ich in seinen Augen eine moderne Frau gewesen bin.



      Don Emiliano streicht mit seiner Hand sanft an meinem Gesicht herunter, ich küsse und lecke sie und sehe wieder zu ihm hoch. Er lächelt zu mir hinunter. Ich habe das Gefühl, er mag mich, wie Männer ein hübsches, geschmeidiges Weibchen mögen.



      „Ich habe Neuigkeiten für dich, Leo,“ sagt er. „Wir haben alles mit dir durchgeführt, was wir geplant hatten. Du hast hier viel gelernt, aber deine Ausbildung hat erst begonnen. Dir wird draußen bald klar werden, wie wenig du erst weißt. Ich empfehle dir also, dich weiter anzustrengen und fleißig zu sein. Versuche weiter, deine Fertigkeiten und deinen Wert zu verbessern.“



      *
      Morgen wollen wir wieder nach Caracas fliegen. Einen letzten Nachmittag und eine letzte Nacht habe ich noch zusammen mit meinem Herrn in Kak-Aute.



      „Ich war vorgestern zum Entspannen in der ‚Blauen Grotte’, einem Badehaus. Den heutigen Tag möchte ich mit dir dort ausklingen lassen, Leo!“



      „Was ist die ‚Blaue Grotte’, Herr?“ frage ich erstaunt. „Eine Höhle für Tauchtouristen?“



      Mein Herr lacht.



      „Nein, Leo. Es ist ein Spaß- und Erlebnisbad, ein Erholungs- und Entspannungsbad, wie die römischen Thermen oder die türkischen Hamams. Allerdings findest du auch Elemente westlicher Spaßbäder darin.“



      „Sind sie nicht nach Geschlechtern getrennt, wie bei Hamams üblich?“



      „Hm, richtig. Freie Frauen habe ich dort nicht gesehen. Möglich, dass sie ein eigenes Badehaus haben. Aber Mägde zählen nicht. Es gibt dort Bademägde, die sich um die Entspannung der Herren kümmern, oder die Herren bringen ihre eigene Magd mit.“



      Ich widme meinem Herrn meinen verführerischsten Augenaufschlag.



      Wir verlassen die Wohnung und gehen nun mehrere Etagen abwärts bis etwa auf das Niveau der Höhle, die ich oft vom Fenster aus überblickt habe. Unten betreten wir das Foyer und mein Herr zahlt den Eintritt. Dafür erhält er von der Magd am Tresen einen der nummerierten Schlüssel und Badelatschen in seiner Größe. Der Schlüssel passt auf einen Spind, in dem ein frisches Badetuch liegt. Wir ziehen unsere Kleidung aus, legen sie hinein und mein Herr schlingt sich das Tuch um die Hüften.



      Dann gehen wir zum Wasserbecken. Es ist mit kobaltblauen Kacheln ausgelegt. Eine breite Treppe führt in knietiefes Wasser. Mein Herr legt das Badetuch ab und geht die Treppe hinab. Mit einem Wink bedeutet er mir, ihm zu folgen. Wir gehen weiter in das Becken hinein, das mit jedem Schritt schnell tiefer wird. Bald stoße ich mich vom Boden ab und schwimme in kraftvollen Zügen auf eine Wandöffnung zu, die ich eben gesehen habe. Zu ihr hin wird die Felsdecke immer niedriger und ein dicker lichtdurchlässiger Vorhang schließt den Luftraum des Bades vom See, den ich draußen erkenne, ab. Ich atme tief ein und tauche unter. Im Wasser gibt es keine Abtrennung.



      Mein Herr geht in die Hocke, so dass er auch untertaucht und kommt ebenfalls jenseits des Vorhangs wieder hoch. Während ich mit kraftvollen Zügen den klaren See durchschwimme, bleibt er in der Nähe des Höhleneingangs. Ich drehe um und schwimme auf ihn zu, lächele ihn an und tauche wieder ab, um ins Innere des Bades zurück zu kehren. Mein Herr folgt mir und hält sich dabei am Rand des Beckens. In einer Ecke hat er Wirlpool-Düsen entdeckt, die einen künstlichen Strudel erzeugen. Dort dreht er ein paar Runden. Ich lasse mich wieder auf’s Wasser gleiten und schwimme auf ihn zu. Bevor ich ihn erreiche, entfernt er sich aus dem Strudel Richtung Treppe. Ich überlasse mich auch für ein paar Runden dem Strudel, dann schaue ich nach meinem Herrn. Er hat sein Badetuch aufgenommen und geht in eine der angrenzenden Nischen. Dort legt er sich auf eine Liege. Schnell folge ich ihm. Eine Bademagd nähert sich. Sie trägt ein Tablett mit mehreren bauchigen gläsernen Fläschchen in den Händen.



      Er lächelt die Magd an und schüttelt den Kopf.



      „Du darfst das Tablett gerne meiner Magd geben,“ sagt er.



      Ich habe ihn in diesem Moment erreicht und übernehme das Tablett. Dann öffne ich eine Flasche, lasse etwas Öl in meine hohle Hand laufen und beginne beim Nacken meines Herrn, ihm das Öl sanft in die Haut ein zu massieren.



      Er schließt die Augen und genießt. Ab und zu brummt er irgendetwas.



      Später geht er mit mir noch etwas im Badehaus herum. Er zeigt mir, dass es mehrere dieser Massage-Nischen gibt, dazwischen Bänke zum Ausruhen und auch einen künstlichen Wasserfall zum Duschen. Das schaumige Wasser im Duschbecken wird abgesaugt und gereinigt, bevor es in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt wird.



      Er ruht sich auf einer der Bänke auf seinem Handtuch aus und lässt mich an seiner Seite auf der Bank sitzen. Er fährt gedankenverloren mit zarten Berührungen über meine nackte weiche Haut und zeichnet mit dem Finger zärtlich die Konturen meines Gesichtes und der Schlüsselbeine nach. Bald tauche ich mit meinem Blick tief in seine Augen, während seine Finger sich sanft meiner Körpermitte nähern. Er nimmt meine Brustwarzen in den Mund und spielt mit der Zunge an meinen Nippeln.



      Dann legt er sich auf mich. Ich öffne bereitwillig die Beine und beginne ein heftiges Zungenspiel, während er in mich eindringt. Oh, ich liebe den Geruch meines Herrn. Ich versinke in der Aura meines Herrn. Sein Ich ist alles, was ich wahrnehme. Die Umgebung wird für mich bedeutungslos. Ich liebe ihn.



      Bin ich nun sein Besitz, weil ich ihn liebe, oder liebe ich ihn, weil ich sein Besitz bin? Jedenfalls gehöre ich uneingeschränkt Josef, meinem Herrn! Für mich ist das eine Selbstverständlichkeit. Sein Wille allein ist entscheidend!
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      Rosa

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      Mein Name ist Ana. Ich stamme aus Haiti. Als Fünfzehnjährige hat mein Vater mich mit einem doppelt so alten Mann verheiratet, der getrunken und mich dann immer wieder geschlagen hat. Irgendwann bin ich weggelaufen. Abends bin ich durch die Bars gezogen und mit anderen Männern nachhause gegangen, damit ich überlebe.



      Das ist vielleicht drei Jahre so gegangen, dann habe ich einen Mann kennen gelernt, der mich bei sich aufgenommen hat. Ich habe für ihn gekocht und gewaschen und seine Wohnung sauber gehalten. Er hat einen Internetanschluss gehabt und ist oft auf verschiedenen Sexseiten unterwegs gewesen. Bald hat er mir gezeigt, was er dort sieht und das mit mir nachgespielt. Es hat harmlos begonnen. Ich habe inzwischen großes Vertrauen zu dem Mann gehabt. Was bin ich naiv gewesen…



      Was danach passiert ist, empfinde ich immer noch als schlimm. Nie zufrieden! Immer mehr, immer härter, immer…



      Anfangs hat er noch mit mir gekuschelt, mich nach den Sessions immer beruhigt. Auf einmal ist er gegangen…



      Mein Bild ist schlimm, das ich dadurch von den Männern gewonnen habe. Ich habe angenommen, das sei normal so. Männer sind eben Machos. Ich bin dann in ein Internet-Café gegangen und habe nach einen neuen Herrn gesucht.



      Gleichzeitig ist in mir der Wunsch entstanden, weg zu gehen von Haiti. Da bin ich zufällig, neben anderen Gor-Seiten, auf die Seite der Community gestoßen. Ich habe mich neugierig angemeldet und die Beiträge im Forum gelesen. Hier und da habe ich mein Kommentar dazu geschrieben und mich an Diskussionen beteiligt. Auf diese Weise habe ich einen Herrn kennen gelernt, der mich nach Venezuela eingeladen hat.



      Ich habe ihm meine wirtschaftliche Situation geschildert, aber er hat mich beruhigt. Er würde kommen und mich ganz ohne Gegenleistung nach Kak Aute bringen.



      „Wohin?“ habe ich ihn halb belustigt, halb neugierig gefragt.



      „Das bedeutet ‚Haus im Himmel‘ und entstammt der Sprache der Pemón-Indios, auf dessen Gebiet der Ort liegt,“ erklärt er mir.



      Er hat mir angeboten, den gorean Lifestyle real kennen zu lernen. Ich solle dort arbeiten und lernen. Alles Weitere würde sich dann sicher ergeben.



      Er hält Wort und bringt mich mit einem Fluggerät zu diesem Ort. Dann hat er mich durch die Gänge geführt, bis er vor einer Tür angehalten ist und die Türglocke betätigt hat. Ein anderer Mann öffnet uns. Mein Begleiter begrüßt ihn und sagt:



      „Don Emiliano, hier habe ich eine neue Schülerin. Sie heißt Ana.“



      Der Mann in der Tür lächelt und antwortet:



      „Tal –Hallo- Don Genaro, dann werden wir mal sehen, ob wir etwas aus ihr machen können.“



      Und zu mir gewandt, ergänzt er:



      „So, Ana, dann komm’ herein.“



      Ich wende mich zu meinem Begleiter und sage noch:



      „Haben Sie vielen Dank für alles.“