Tepui

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      Was hat Rosa dazu gesagt? ‚Viele glauben nicht, wie hübsch und aufregend eine Frau sein kann, bis sie sehen, wie sie einen solchen Tanz vorführt. Es gibt nur wenige Möglichkeiten neben dem Tanz, die so deutlich zeigen, welch unsagbar schönes, atemberaubendes, kostbares und wunderbares Geschöpf die Frau ist.‘



      Don Genaro hat es sich wieder auf dem Bett bequem gemacht und die Peitsche neben sich gelegt. Ich habe Angst und will mich unbedingt von meiner besten Seite zeigen. Die momentane Situation erregt mich zudem über alle Maßen. Ich spüre, wie ein Feuer in meinem Bauch entfacht wird. Man erzeugt nicht nur Lüsternheit, sondern empfindet sie auch.



      Ich tanze vor ihm. Er bedient sich derweil von den Früchten und behält mich im Auge. Ich bewege mich durch den Raum. Als ich ihm nahe komme, sehe ich in seinen Augen etwas, das zu finden ich nicht erwartet habe: Er war beileibe nicht ungehalten über den Anblick, der ich ihm biete! Dies schürt meine Hoffnung und mein Herz wird erfüllt von lawinenartiger Begeisterung. Ich beziehe beim Tanzen die Kanten und Ecken der Truhen und Wände mit ein. Ich begreife mich selbst als aufreizend. Hemmungen bauen sich ab.



      ‚Welche Macht übt eine Tänzerin über die Gefühle der Männer aus!‘ fährt mir durch den Kopf. ‚Wie sie deren Lust zu kitzeln versteht, sie verrückt machen kann, wahnsinnig vor Leidenschaft! Jedoch: Wie begrenzt ist ihre Macht? Wird sie nicht, wenn die Musik verklingt wieder zu dem Geschöpf, das sie zu Füßen der Senores ist?‘



      Er steht wieder vom Bett auf, geht zur Musikanlage und dreht den Ton herunter, bis nur noch leise Hintergrundmusik zu hören ist. Dann klatscht er in die Hände. Ich beende meinen Tanz und gehe in Grundstellung. Don Genaro geht wieder zurück zum Bett und sagt:



      „Komm näher!“



      Ich gehe auf allen Vieren näher. Er füllt eine Schale mit etwas Gebäck und Früchten. Dann beugt er sich zu Boden und stellt die Schale vor mich hin.



      „Du darfst jetzt essen!“



      Ich lasse mich nach vorne fallen und versenke meinen Mund in der flachen Schale.



      „Bina ist hungrig,“ bemerkt er.



      Wenige Minuten später schaue ich hoffnungsvoll zu Don Genaro auf. Er hat jedoch entschieden, dass es genug sei.



      „Wir müssen auf deine Figur achten, nicht wahr, Bina?“



      „Ja, Senor,“ gebe ich ihm zur Antwort.



      Dann nimmt er einen Krug Fruchtsaft in seine Hände und hält ihn mir leicht schräg hin. Ich komme näher und halte meinen Mund an den Schnabel des Kruges. Nun kippt Don Genaro ihn leicht und lässt die Flüssigkeit vorsichtig in meinen Mund laufen. Nachdem mein Durst gestillt ist, muss ich mit geradem Rücken knien, während er mir mit einem Tuch den Mund abwischt. Schließlich reicht er es mir, damit ich meine Finger und den Oberkörper säubere.



      Als ich ihm das Tuch zurückgebe, sagt er:



      „Steh auf, Bina!“



      Auch er erhebt sich und geht langsam um mich herum. Ich bin noch nie so eingehend von einem Mann gemustert worden, wie jetzt von ihm. Das verunsichert mich und ist zugleich ungemein erregend. Ich halte mich aufrecht und den Kopf erhoben.



      Wie mir Rosa erzählt hat, erwartet man von einer Magd, dass sie schön aussieht, denn sie muss es wert sein, besessen zu werden. Man muss so wichtig und interessant gefunden werden, dass man längere Blicke auf sich zieht. In den Augen der Männer, die den gorean Lifestyle leben, verdienen Mägde Aufmerksamkeit in ihrer reinsten Form und erhalten sie auch. Das ist für mich einer der Gründe, die die Metamorphose von einer Freien Frau zur Magd fördern. Rosa hat mir berichtet, dass sich in ihrer alten Heimat jeder als ach so wichtig und unverzichtbar hält, und deshalb niemand auf seine Mitmenschen achtet, manchmal noch nicht einmal auf nahe stehende Mitmenschen.



      Die Hand Don Genaros gleitet bei der Betrachtung an meinem Becken entlang und streift den Hüftknochen. Während ich geradeaus über das Bett hinweg an die Wand starre, fährt er langsam weiter über meinen Körper und zwar nach unten an die Innenseite meines rechten Oberschenkels. Unwillkürlich beuge ich die Knie ein wenig und gerate leicht ins Wanken. Sofort fasst er mich fest an den Schultern und gibt mir damit Halt.



      „Magd,“ sagt er.



      Es hört sich nicht nach einer Anrede an, was ich zuerst annehme und zu ihm aufschaue. Vielmehr hat er nur eine Feststellung getroffen. ‚Er hat mich dazu gemacht!‘ fährt mir durch den Kopf. Aber ich bin nicht verärgert deswegen. Ich spüre, dass ich endlich Ich selbst sein darf. Genauso wie es Rosa beschrieben hat.



      Don Genaro lächelt.



      „Die Freie Frau unterwirft sich freiwillig,“ meint er.



      Ich vermeide es, ihm in die Augen zu schauen. Ich habe meinen Blick wieder gesenkt.



      „Wo ich doch dachte,“ fährt er fort, „Freie Frauen rühmen sich ihrer sexuellen Nüchternheit.“



      „Nicht hier, Senor,“ fährt es stoßartig aus mir heraus.



      „Hier ist dir diese Zurückhaltung nicht erlaubt, meinst du? Das heißt, du tust, was du meinst tun zu müssen, nicht was du aus dir heraus tun willst?“



      „Doch, Senor, ich will es! Ich sehne mich danach, deine Magd zu sein!“



      Wieso quält er mich so? Ich weiß, dass Mägde nicht frigide sein dürfen. Er betrachtet mich ruhig. Dann setzt er sich auf das Bett und weist mit der Hand neben sich. Schnell setze ich mich dorthin.



      „Leg dich!“



      Sofort lasse ich mich nach hinten in die Polster sinken, Unterschenkel und Füße noch neben dem Bett.



      „Du hast nicht übel getanzt,“ findet er.



      „Danke, Senor,“ sage ich.



      „Was hindert eigentlich Freie Frauen daran, sich so schön vor den Männern zu zeigen?“



      „Die meisten werden Angst davor haben, sich so ihren Männern zu zeigen,“ vermute ich.



      „Sie fürchten sich davor, Frauen zu sein?“



      „Ja, Senor.“



      Er betrachtet mich aus seiner Sitzposition neben mir. Ich schaue geradeaus hoch zur Decke und vermeide damit, ihm direkt in die Augen zu schauen.



      „Hast du dich auch gefürchtet?“



      „Ja, Senor.“



      „Das war unsagbar dumm!“



      „Ja, Senor.“



      Er dreht meinen Kopf, so dass ich ihn anschauen muss.



      „Du BIST eine Frau! Das versichere ich dir! Du bist keines dieser geschlechtslosen Wesen, die denken, dass sie Frauen wären, aber es nicht wirklich sind!“



      „Ja, Senor.“



      „Würdest du mir widersprechen?“



      „Nein, Senor.“



      „Willst du eine Frau sein?“



      „Ich BIN eine Frau,“ bekräftige ich.



      „Wie denkst du darüber, eine wirkliche Frau zu sein? Nicht bloß eine leere Hülle…“



      „Ich liebe es, eine Frau zu sein!“ bekenne ich.



      „Gut,“ sagt er.



      Ehe ich Don Genaro im Liebeskrieg zugefallen bin, habe ich nicht gewusst, wie wunderlich ehrenvoll, ja, wie traumhaft es ist, eine Frau zu sein. Und Rosa hat mir in den vergangenen Monaten sehr geholfen, diese Erkenntnis zu erlangen. Dass ich es erst in der Unterwerfung erfahre, hat wohl so sein müssen. Mägde dürfen ihr Geschlecht schließlich nicht verleugnen. Genauer gesagt, bin ich auf meine Geschlechterrolle gestoßen worden, denn ich habe keine andere Wahl. Ich muss sie ausfüllen, vollkommen und unumkehrbar. Und ich bin glücklich darüber!



      Don Genaro erhebt sich noch einmal und hebt eine Kette vom Boden auf, die neben dem Bett gelegen hat. Ein Ende befestigt er an einem Ring, der am Fußende des Bettes angebracht ist. Dann legt er die etwa zwei Meter lange Kette auf das Bett und befestigt das andere Ende an meinem Halsreif. Die Kette liegt nun locker auf den Polstern.



      „Du wirst mir jetzt Freude bereiten, Bina!“ kündigt er mir an.



      „Ja, Senor,“ sage ich.



      Und wie er mit mir schläft… So etwas habe ich mir seit der Pubertät erträumt! Seine Hände wandern über meinen Körper und erkunden meine empfindlichen Stellen. Bald werde ich immer erregter und winde mich und stöhne. Längst bin ich feucht, als er in mich eindringt wie ein Stier. Dann lässt er ab von mir und spannt mich auf die Folter – und wieder dringt er ein. Dieses Spiel wiederholt sich, bis ich bettele, so bin ich in Brand geraten. Ich hebe ihm meinen Unterleib entgegen, damit er mich endlich erlöst. Dann bewegt er sich in mir. Ich klammere mich an ihn und schließe die Beine in seinem Rücken.



      Dann stöhnt er und lächelt. Er löst mich von der Kette und schiebt mich aus dem Bett.



      „Heute Nacht wirst du hier schlafen!“ entscheidet er.



      Von den Bodenmatten schaue ich zu ihm hoch. Mir kommen die Tränen.



      „Dreh dich um und leg dich mit dem Kopf zu meinen Füßen hin!“



      Er gewährt mir eine Decke und ich tue, wie mir befohlen.



      „Vielleicht bekomme ich gegen Morgen noch einmal Lust auf dich.“
      Bald danach schläft Don Genaro ein. Ich liege dagegen noch lange wach und versuche meine Gefühle zu sortieren. Dann winde ich mich ein wenig und seufze leise. Schließlich schlafe auch ich ein. Ich habe in der Nacht, kaum ein Auge zugetan, während der Senor gut geschlafen hat. Als er wach wird, steht er auf und beugt sich zu mir herunter. Er fasst mich unter den Schulter und Kniekehlen und hebt mich auf das Bett. Dann dringt er noch einmal in mich ein, um mich bald im Bett allein zu lassen. Sicher ‚ruft‘ seine Arbeit. Bevor er das Schlafzimmer verlässt, dreht er sich noch einmal um und sagt:



      „Du hast gut getanzt, Magd! Und auch deine Bewegungen gefallen mir.“



      Dann geht er. Nach einer Weile betritt Ema das Schlafzimmer. Sie beginnt aufzuräumen und sauber zu machen.

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      -5-



      „Du wirst exakt auf diesem Fleck bleiben!“ lacht Bina, die frühere Senorita Maria Elena.



      „Ja, Herrin,“ presse ich zwischen den Zähnen hervor.



      Ich knie vor demselben Ring am Rand der Plaza de Isla Gorea, an den ich die Magd Bina festmachen wollte, als sie die Freie Frau beinahe umgerannt hat. Sie zieht meinen Kopf mit der Leine dicht an die Wand und verknotet sie anschließend.



      Bevor wir losgegangen sind, hat sie mich in der gleichen Art ausstaffiert, wie ich sie damals. Auch hat sie mir die Hände auf dem Rücken zusammen gebunden und an der Leine hierher geführt, wie ich es damals mit ihr getan hat. Dass wir die Rollen getauscht haben, ist aus folgendem Grund geschehen:



      Don Genaro hat bemerkt, wie ich mit der Senorita umgehe und mich aus erzieherischen Gründen gegenüber der Senorita gewähren lassen. Nun aber soll ich wohl erfahren, dass ich nicht wirklich über der Magd Bina stehe, sondern ihr gleichgestellt bin.



      Ist sie denn keine Freie Frau? Steht ihr in Wirklichkeit nicht mehr Respekt zu als ich ihr in den vergangenen Wochen erwiesen habe? Zwar hat Don Genaro mir erlaubt, sie wie meinesgleichen zu behandeln. Aber ist das nicht aus erzieherischen Gründen geschehen, nach dem herablassenden Verhalten, das sie in der Vergangenheit ihm gegenüber gezeigt hat? Nun gut, vielleicht habe ich des Guten zuviel getan und mich über sie gestellt. War ich also auf meine Weise nicht selbst eine ungezogene Magd?



      Die Senorita hat in der jüngsten Vergangenheit einen erheblichen Wandel in ihrem Charakter vollzogen. Je drastischer ich sie wie eine Magd behandelt habe, desto mehr habe ich den Eindruck gewonnen, dass sie die Behandlung mag. Dies muss einerseits dem Senor gefallen haben, andererseits hat er wohl daher den Entschluss zum Rollentausch gefasst, damit ich aus meiner Rolle als Erste gegenüber Bina heraus finde.



      Allem Anschein nach stellen wir beide jetzt nicht mehr eine Freie Frau und eine kajira dar, wie ich uns wahrgenommen habe, sondern nur noch zwei Mägde. Warum also soll ich das Recht haben, mich als Vorgesetzte zu benehmen, wo wir uns doch charakterlich kaum noch unterschieden? Bin ich gegenüber der Senorita, bzw. der Magd Bina ein wenig zu hochmütig, zu selbstverliebt gewesen? Gut, dann soll ich mich mit dem Rollentausch eben daran erinnern, dass man mit mir nach Belieben verfahren kann, dass ich nur eine Magd bin. Ich soll also ‚geerdet‘ werden.



      Don Genaro hat uns begleitet und weist Bina nun an, mir mehr Spielraum zu lassen, was sie grummelnd tut. Dann drehen die Beiden um und verlassen die Plaza in Richtung der hydroponischen Gärten.



      Zum Abschied drückt Bina ihre Fingerspitzen an ihre Lippen und berührt damit meine Wange.



      „Du wirst hier bleiben und auf uns warten, nicht wahr, Rosa?“ fragt sie.



      Ich schaue sie nur an.



      Don Genaro blickt mich urplötzlich streng an, so dass ich mich vor der Wand klein mache. Habe ich schnell genug reagiert? Mit der Stirn zu Boden gesenkt, sage ich:



      „Ja, Herrin.“



      „Bitte, Senor, schlag sie nicht! Sie ist meine Freundin,“ höre ich Bina bitten.



      Den weiteren Geräuschen entnehme ich, dass er sich umdreht und geht. Bina folgt ihm in gebührendem Abstand. Kurz darauf komme ich wieder hoch und setze mich auf meine Fersen. Verstohlen beobachte ich das Treiben auf der Plaza. Während Leute an mir vorbei gehen und auf mich herabsehen, tue ich so, als ob ich sie nicht bemerke. Nach einiger Zeit wird eine andere Magd an einen Ring in der Nähe gebunden, aber nur wenig später kehrt ihr Herr zu ihr zurück und ich schaue zu, wie die Beiden fortgehen.



      Plötzlich sehe ich den Wächter mit dem auffällig gearbeiteten Umhang wieder. Sofort schaue ich zu Boden. Wenige Minuten später höre ich:



      „Schau mich an!“



      Der Wächter steht vor mir. Ich schaue hoch, bis ich seine Augen erfasse. Schnell senke ich den Blick wieder und fixiere das Abzeichen auf seiner Brust. Es ist das gleiche Abzeichen, das Don Marco trägt, nur eben in Silber.



      „Wer hat dich hier angebunden, Rosa?“



      „Das war Don Genaro, durch die Hand seiner neuen Magd Bina,“ erwidere ich.



      „Er wird dich sicher gleich wieder holen,“ meint er.



      „Ja, Senor,“ antworte ich.



      „Ich bin Don Ernesto, seit kurzem Hauptman der Wache in Kak Aute,“ redet er weiter. „Ich denke, wir werden uns noch öfter begegnen.“



      „Ja, Senor.“



      Er nickt noch einmal kurz. Dann geht er weiter.



      Geraume Zeit später, ich bin schläfrig geworden und meine Augen zugefallen, reiße ich sie wieder auf, denn jemand nestelt an der Leine herum, mit der ich an den Ring gebunden bin. Es ist Bina. Don Genaro steht etwa zwei Meter entfernt und wartet.



      „Alles in Ordnung mit dir?“ fragt Bina mich.



      „Ja, Herrin,“ sage ich.



      Bina beugt sich zu mir herunter und gibt mir einen Wangenkuss. Dann hilft sie mir auf. Ich stehe etwas schwankend.



      „Kannst du stehen?“ fragt sie mit besorgtem Blick.



      Ich bejahe und stütze mich an der Wand ab.



      „Nimm ihr Leine und Fessel ab!“ entscheidet Don Genaro.



      Kurz darauf kann ich mich wieder frei bewegen. Sofort gehe ich wieder auf die Knie und senke meinen Mund über die Schuhe des Herrn.



      „Steh auf, Rosa,“ sagt Don Genaro, „ und folge.“



      Dann dreht er sich um und schlägt die Richtung zu Don Marcos Wohnung ein. Unterwegs berichtet Bina mit leuchtenden Augen:



      „Wir hatten eine wunderschöne Zeit. Wir haben alles Mögliche getrieben und soviel besichtigt.“



      „Ich freue mich für dich!“



      „Don Genaro ist ein wunderbarer Herr…“



      „Er hat schon eine Magd, Bina,“ erinnere ich sie.



      „Ich bin sicher, dass er uns beide gerecht zu behandeln weiß,“ meint sie und umarmt mich kurz.



      „Es tut mir leid,“ redet sie weiter, „dass du die ganze Zeit dort festgebunden verbringen musstest.“



      „Der Senor hat mir eine Lektion erteilt. Er hat mich ‚geerdet‘,“ antworte ich ihr.



      Dann haben wir die Wohnung Don Marcos erreicht und Don Genaro betätigt den Türgong. Elinor öffnet und knickst vor dem Senor.



      „Ist Don Marco zugegen, Elinor?“ fragt er.



      „Ja, Senor. Kommen Sie herein. Ich werde ihm Ihr Kommen melden.“



      Sie lässt uns eintreten und weist den Weg zum Tisch im Wohnraum. Während Don Genaro sich setzt, knien wir beide rechts und links neben ihm und setzen uns auf die Fersen. Elinor öffnet die Tür zum Arbeitszimmer und meldet uns nach einem Knicks beim Hausherrn an. Dann bereitet sie Tee. Kurz darauf tritt Don Marco durch die Zimmertür und begrüßt Don Genaro mit einem schnellen Blick über uns beide.



      Ein feines Lächeln umspielt seine Lippen, als er sagt:



      „Tal, Don Genaro. Sie führen ihre Mägde aus?“



      „Tal, Don Marco,“ erwidert der Senor den Gruß. „Ich bringe Ihnen ihre Magd zurück. Sie hat ihre Aufgabe wunderbar erfüllt. Bina!“



      Bina schaut den Senor erwartungsvoll an.



      „Gehorsam!“



      Sofort beugt sich die frühere Senorita zu Boden und beginnt Don Genaros Schuhe zu küssen. Während Don Marco sich zu uns setzt, küsst Bina die Knöchel und die Unterschenkel Don Genaros. Bevor sie dessen Knie erreicht, sagt er kurz:



      „Genug!“



      Sofort hält sie ein und lässt sich in ihre vorige Position zurückfallen. Wie weit sie nun die Schenkel spreizt! Bina hat nichts mehr mit der Senorita Maria Elena gemein.



      Don Marco nickt anerkennend.



      „Wie Sie sehen, Don Marco, brauche ich Rosa nun nicht mehr. Ich bin Ihnen sehr zu Dank verpflichtet.“



      „Nicht der Rede wert,“ wiegelt Don Marco ab. Dann wendet er sich zu mir: „Du wirst dich in eure Wohnung zurückziehen und dort weitere Anweisungen abwarten!“



      „Ja, Senor,“ sage ich.



      Dann erhebe ich mich und entferne mich langsam rückwärts in Richtung Wohnungstür. Danach gehe ich durch die Gänge in Richtung der Wohnung, die ich mit drei weiteren Mägden teile.



      *



      Zum Beginn der folgenden Woche bin ich wieder zum Dienst in Küche und Gastraum bei Don Francesco eingeteilt. Dort darf ich auch Don Ernesto bedienen. Mein Herz schlägt jedesmal bis zum Hals, wenn ich ihn sehe. Ich darf ihn aber nicht den anderen Senores vorziehen, will ich nicht bestraft werden. Ich kann ihn nur unauffällig anhimmeln.



      Den anderen Mägden in unserer Gemeinschaftswohnung fällt mein Verhalten natürlich auf. Rita ist es, die mich schließlich darauf anspricht.



      „Du hast nichts gegessen,“ stellt sie fest.



      Ich liege auf meinem Bett. Mein Blick ist zur Wand gerichtet, geht jedoch ins Leere. Die Sehnsucht hat mich gepackt.



      „Ich werde ihm nie näher kommen, als allen anderen Senores im Gastraum…“



      „Gib den anderen Mägden davon. Niemand wird erfahren, dass ich keinen Hunger habe.“



      Die anderen Mägde werden sich bestimmt über die größeren Rationen freuen. Im Augenblick bekomme ich keinen Bissen herunter. Rita setzt sich auf die Bettkante und beginnt sanft über meinen Arm zu streicheln.



      „Es könnte doch sein, dass ihn ebenfalls eine bestimmte Sehnsucht quält. Vielleicht darfst du bald sein Bett wärmen…“
      „Ja, genauso wie Don Francescos Bett, oder irgendeines anderen der Männer. Viel lieber wäre ich Don Ernestos persönliche Magd und würde ihm sein Essen bereiten, nur ihm dienen!“



      „Du weißt doch, was unsere Aufgabe ist! Nur die Männer können daran etwas ändern. Sie haben die Macht.“



      Rita küsst mich zum Trost auf die Wange. In dieser Nacht kann ich lange nicht schlafen.



      In der Folgezeit wird mit ständig schwer ums Herz, wenn ich im Gastraum bedienen muss und Don Ernesto ist zugegen. Ich muss mich immer wieder zusammen nehmen, um mich ihm nicht vor die Füße zu werfen. Was bin ich glücklich, als er mich zum ersten Mal des Abends zu sich bestellt, um ihn zu erfreuen. So habe ich mich wohl noch nie verausgabt. Von da an holt er mich regelmäßig zu sich. Die Abstände dazwischen kommen mir immer wie Ewigkeiten vor.



      *



      „Ich habe mir von Don Genaro berichten lassen, wie du mein früheres Mündel, die jetzige Magd Bina betreut hast, Rosa. Ich bin beeindruckt! Du könntest ohne weiteres als Instrukteurin bei Don Emiliano arbeiten, oder gar als zweite Lehrerin neben Uéi…“



      Don Marco macht eine Pause und ich schaue verstört zu ihm auf. Einerseits freut mich sein Lob. Andererseits hört es sich sehr nach einem ‚Wegloben‘ an. Natürlich würde es mir Freude bereiten mein Wissen weiterzugeben, aber das würde bedeuten, dass ich von Don Ernesto getrennt würde. Was ist also die Absicht meines Hausherrn? Worauf will er hinaus?



      „Wir haben einen speziellen Fall zu bearbeiten,“ redet Don Marco weiter. „Du wirst in der nächsten Zeit Don Danielo unterstellt, unserem Gefängnisleiter.“



      ‚Es ist zwar nicht die Schule, aber es ist trotzdem eine Trennung,‘ geht mir durch den Kopf. Traurig schaue ich zu Boden.



      „Rosa?“ fragt Don Marco.



      „Ja, Senor?“



      „Du siehst bedrückt aus. Was beschäftigt dich?“



      „Der Senor bestimmt und seine ergebene Magd gehorcht,“ sage ich, ohne ihm in die Augen zu sehen, die inzwischen feucht sind.



      Don Marco lässt eine Weile verstreichen, dann sagt er:



      „Komm näher, Rosa.“



      Ich lasse mich aus der knienden Stellung nach vorne fallen und krabbele näher an den Hocker, auf dem er sitzt.



      „Direkt neben mich!“



      Ich nähere mich mit gesenktem Kopf bis auf Tuchfühlung.



      „Schau mich an!“



      Mit wässrigen Augen, um Fassung ringend, schaue ich zu meinem Hausherrn auf. Eine Träne verlässt mein Unterlid und rinnt über die Wange.



      „Was hast du, Rosa? Denkst du, ich schicke dich weg? Ich entferne dich aus meinem Haus?“



      Er streckt seine Hand aus und streicht mir sanft über mein Haar. Dann redet er weiter:



      „Wir alle haben Aufgaben, denen wir uns stellen müssen, ob wir wollen oder nicht. Die Verantwortung für das Ganze lässt sie uns gewissenhaft erledigen. Das gilt umso mehr für Mägde! Aber sei gewiss: Du bleibst nicht bei Don Danielo. Sieh es als ähnlichen Auftrag wie den, der dich für ein halbes Jahr zu Don Genaro führte.“



      Ich seufze.



      „Der Senor wird mit mir zufrieden sein.“



      „Da bin ich überzeugt, Rosa!“



      *



      Ich knie auf dem Boden einer Halle, die ich bisher noch nicht kennen gelernt habe. Neben mir stehen Don Danielo und zwei Wächter aus dem Gefängnis von Kak Aute.



      Ich habe nicht gewusst, dass es hier auch solch eine Einrichtung gibt. Aber natürlich muss es solche Orte überall geben, wo es Menschen gibt, denn überall wo sich Menschen Regeln zum Zusammenleben gegeben haben, wird es Menschen geben, die diese übertreten.



      Eine Tür geht auf und mein Herz scheint kurz auszusetzen. Herein kommt Don Ernesto, der Hauptmann der Wache in Kak Aute. Hinter ihm geht eine Freie Frau verhüllt in ihrem Gewand, flankiert von zwei Wachen. Sofort falle ich nach vorne, stütze mich mit den Händen ab und berühre mit der Stirn die Bodenmatte.



      „Auf!“ lässt sich Don Danielo vernehmen.



      Unsicher komme ich wieder hoch, schließe meine Schenkel und schaue meinen neuen Herrn an. Doch Don Danielo schaut wieder zu der Szene, die sich uns bietet. In diesem Moment geht gegenüber eine weitere Tür auf und Don Marco kommt in Begleitung von drei weiteren Senores und einer Senora herein. Alle Senores haben andersfarbige Umhänge. Sie gehören verschiedenen Berufsgruppen an, sind als Hausherren Ratsmitglieder und fungieren hier als Beisitzer. Auch die Senora ist Hausherrin und Ratsmitglied. Don Marco und seine Begleitung setzen sich auf Hocker, die auf einem Podest stehen, zu dem drei Stufen hinaufführen.



      Don Ernesto tritt zur Seite und wirft mir kurz ein Lächeln zu, das in mir Wärme aufsteigen lässt. Die Senora wird von den Wachen einen Schritt weiter vor gewiesen. Die Senora wirkt ungeduldig und geringschätzig. Don Ernesto beginnt zu sprechen:



      „Dies ist Senora Elena aus der Zunft der Goldschmiede.“



      „Wo bin ich?“ ereifert sich die Frau. „Was tue ich hier?“



      „Sie wurden verhaftet und mit einem Kopfgeld belegt?“



      „Ich wurde verhaftet, ja.“



      „Wessen werden Sie beschuldigt?“



      „Ich habe mir nichts vorzuwerfen!“



      „Erkennen Sie dieses Collier wieder?“



      Don Marco weist neben sich, wo einer der Beisitzer ein wunderschönes Schmuckstück aus einem Spankästchen nimmt und hoch hält.



      „Es sieht einem Schmuckstück ähnlich, das ich zum Verkauf brachte.“



      „Es ist das Schmuckstück! Ich habe hier die dazu gehörenden Belege. Der Preis erscheint mir angemessen.“



      „Dann ist doch wohl alles in Ordnung.“



      Don Marco nimmt das Collier in die Hand und verdreht es. Schnell hat er mehrere Teile in der Hand.



      „Das Collier ist eine Fälschung! Für das nötige Gewicht sorgt ein Bleikern, dünn mit Gold ummantelt. Der Käufer hat es einer Nagelprobe unterzogen und die Fälschung erkannt. Dann hat er die Sache dem Gericht übergeben.“



      „Ich wurde betrogen! Einer meiner Arbeiter hat die Fälschung hergestellt!“



      Don Marco wendet sich an Don Ernesto:



      „Würden Sie den Zeugen herein lassen?“



      Don Ernesto öffnet die rückseitige Tür und lässt einen Mann herein.



      „Carlo!“ entfährt es der Frau.



      „Wir haben hier Zeugenaussagen aller Ihrer Arbeiter. Stellvertretend steht Ihr Vorarbeiter hier, um die Aussagen zu bestätigen. Was haben Sie vor zu bringen, Senor Carlo?“



      „Wir stellten diese Fälschungen auf persönlichem Geheiß von Senora Elena her. Sie waren aufwendig gearbeitet und darum sehr begehrt. Der letzte Kunde war dann vorsichtig und unterzog dem Schmuckstück eine Prüfung.

      Wir dachten dieser Tand wird an Herren verkauft, die damit ihre Mägde behängen wollen, wenn sie auf einem Fest tanzen. Dann stellte die Wache des Ortes plötzlich konkrete Fragen.“



      „Du lügst!“ ereifert sich die Senora wieder. Der Mann schaut ihr ruhig in die Augen.



      Don Marco erhebt seine Stimme wieder:



      „Im Anbetracht der Tatsache, dass dieses Exponat“ – er deutet auf die Teile in dem Spankästchen – „nicht die einzige Fälschung ist, ergeht folgender Spruch:

      Ihr Haus wird der Community unterstellt bis sich ein neuer Hausherr findet, der deine Geschäfte EHRLICH weiterführt. Sollten sich noch mehr geprellte Käufer melden, werden sie aus dem Vermögen Ihres Hauses entschädigt. Sie selbst werden mit einem Kopfgeld belegt und dem Zahler überstellt. Seien Sie froh, wenn einer ihrer Brüder Sie auslöst.“



      Einer der Beisitzer macht während der Verhandlung Notizen. Nun geht Don Danielo auf die Frau zu, tritt hinter sie und zieht zuerst die eine, dann die andere Hand auf den Rücken. Es klickt zweimal.



      „Handschellen!“ ruft sie aus. „Wie könnt ihr es wagen! Zieht sie mir sofort wieder aus!“



      Don Marco sagt ruhig:



      „Bis über Ihren weiteren Verbleib entschieden ist, bleiben Sie Gast unseres Gefängnisses!“



      „Meinen Verbleib?“



      „Ja, Senora.“



      Don Danielo befestigt eine Leine an den Handschellen und zieht sie ihr zwischen Arm und Taille hindurch.



      „Was macht der Rohling da?“



      „Er legt Sie an die Leine,“ antwortet Don Marco höflich.



      Sie schaut Don Danielo an.



      „Niemals! Nimm sie sofort wieder ab!“



      Ihre Stimme überschlägt sich fast.



      „Was?“ fragt einer der Wachen, die neben ihr stehen.



      Erregt äfft sie ihn nach: „Was?“



      „Ja, was?“ wiederholt der Mann. „Den Schleier? Das Gewand?“



      Sie duckt sich.



      „Du Monster!“ schnaubt sie.



      Don Danielo winkt mir zu. Ich stehe auf und laufe zu ihm. Dort gehe ich auf die Knie und beuge meinen Kopf in Richtung der Senora zu Boden.



      „Verzeih, Senora,“ sage ich und stehe auf, weil Don Danielo mir das Ende der Leine hinhält, die ich sogleich in die Hand nehme.



      „Ich werde mich doch nicht von einer Schlampe führen lassen!“ zischt sie.



      Darauf zeigt Don Danielo auf den Wächter, der gerade mit ihr geredet hat. Ich bin froh, die Leine weitergeben zu können. Der Mann nimmt die Leine und rückt der Senora auf den Leib. Die zeigt einen erschreckten Blick mit großen Augen. Sie macht einen Schritt rückwärts, wird aber von dem anderen Wachmann daran gehindert weiter Abstand zu nehmen.



      „Ich frage mich, ob sie ein hübsches Gesicht hat,“ sagt nun der andere Wächter.



      „Elena ist ein schöner Name für eine Magd,“ meint der Eine, der die Leine hält.



      „Genau,“ stimmt sein Kollege zu.



      „Bitte,“ unterbricht die Senora die Unterhaltung kleinlaut.



      „Glaubst du, einem einsamen Mann die Nacht versüßen zu können?“ fragt sie der Mann, der die Leine hält.



      „Ich würde doch gerne von der Magd geführt werden,“ sagt die Frau mit bebender Stimme.



      Die Männer lachen.



      Ich finde ihre Bitte klug. Besonders wenn sie nachts in ihrer Zelle keinen Besuch empfangen will, der sie dazu nötigt, ihn zu erfreuen.



      „Verzeih, Senora,“ sage ich wieder, als mir der Mann die Leine zurückgibt.



      „Schlampe!“ schimpft sie.



      „Ja, Senora,“ antworte ich ergeben.



      Die Senora wendet sich an Don Marco: „Vorsteher.“



      „Senora?“



      „Sie werden meine Lösegeldzahlung in die Wege leiten,“ verlangt sie. „Meine Brüder werden mich bald befreien.“
      „Ich hoffe,“ gibt er zur Antwort, „ mich schleunigst darum kümmern zu können.“



      „Falls es nicht klappen sollte, finden wir bestimmt einen anderen Platz für dich,“ wirft der Wachmann ein, der vorhin ihre Leine gehalten hat.



      „Du Tier!“ schimpft sie.



      „Was glaubst du, schwebt mir vor?“ fragt er.



      Sie wendet sich wieder Don Marco zu.



      „Ich erwarte, ehrbar, würdevoll und respektvoll behandelt zu werden! Ich bin reich. Daher erwarte ich nur die vornehmste Unterkunft!“



      Don Danielo schaltet sich ein:



      „Mir schwebt da ein lauschiges Plätzchen für Sie vor, Senora Elena, mit Blick aufs Wasser.“



      „Ausgezeichnet,“ befindet sie. „Sie sind doch ein Gentleman.“



      Ihre Stimmung hebt sich.



      „Die Sitzung ist beendet,“ lässt sich Don Marco vernehmen. Und zu Don Ernesto gewandt:



      „Wer ist der Nächste?“



      „Senor Ricardo.“



      Don Marco blättert in seinen Unterlagen.



      Don Danielo winkt mir, dann bietet er der Senora galant seinen Arm. Sie sieht es als persönlichen Sieg und berührt ihn mit dem gefesselten Arm. Sie schenkt ihm einen verführerischen Augenaufschlag und verlässt an seiner Seite die Halle, während die Wachmänner einen Mann herein führen. Anscheinend erhofft die Senora sich von Don Danielo eine bevorzugte Behandlung. Ich gehe hinter den Beiden her, die Leine haltend.



      Draußen nimmt Don Danielo eine Augenbinde aus seiner Tasche und zeigt sie ihr.



      „Muss das sein?“



      „Leider, Senora. Die Ein- und Ausgänge müssen geheim bleiben.“



      Widerstrebend lässt sie sich die Augen verbinden.



      *



      Die Senora hat man in einen Käfig gesteckt, der dem der Senorita ähnelt. Anscheinend handelt es sich um ein Standardmodell. Dann hat man ihn an einem an der der Hallendecke befestigten Steinanker hochgezogen, so dass die Senora über unseren Köpfen schwebt. Ein weiteres Merkmal der Halle ist ein Basin, in dem Wasserratten schwimmen. Einerseits soll ich die Senora betreuen, andererseits die Tiere füttern.



      Am Morgen nach der Einkerkerung gehe ich in Begleitung eines Wächters zu der Senora. Er lässt den Käfig herunter und zieht ihn an einer Kette neben das Basin. Dann platziert er sich neben den Ausgang der Halle. Ich öffne die Käfigtür und gehe mit dem Frühstück ins Innere. Mit gesenktem Blick begrüße ich dabei die Senora:



      „Guten Morgen, Senora Elena. Ich hoffe, Ihr hattet eine ruhige Nacht.“



      „Überhaupt nicht! Was ist das hier für ein Ort? Die fürchterlichen Tiere unter mir gaben keine Ruhe!“



      „Bald werdet Ihr Euch an das Fiepen gewöhnt haben, Senora.“



      „Ich verlange eine angemessenere Behandlung!“



      „Ich werde Don Danilo Euren Wunsch vortragen, Senora.“



      Ich habe ihr Frühstück vor sie gestellt und mich an die Stäbe des Käfigs wartend hingekniet. Die Senora beginnt zu frühstücken.



      „Bekommt ihr das Gleiche?“ fragt sie.



      „Euer Essen ist weitaus besser,“ erkläre ich. „Ich bin nur eine Magd.“



      „Der Wachmann dort,“ sie deutet auf meinen Begleiter im Hintergrund, „ist er nicht ein schnittiger Bursche?“



      „Ja, Senora.“



      Nach ein paar Bissen fragt sie:



      „Wie fühlt es sich an, von einem Mann berührt zu werden?“



      „Es bewirkt, dass wir gut dienen,“ antworte ich etwas nebulös, weil ich nicht weiß, worauf sie hinaus will.



      „Glaubst du, sie könnten auch mich dazu bringen ‚gut zu dienen‘?“ lässt sie nicht locker.



      „Provozieren Sie mich nicht zum Sprechen, Senora,“ bitte ich sie.



      Mir wird unbehaglich in der Nähe der Freien Frau bei diesem Thema.



      „Sprich,“ beharrt sie.



      „Ja, Senora,“ antworte ich mit gesenktem Kopf.



      „Schamlose Magd!“



      „Ja, Senora.“



      Sie rückt ebenfalls bis zu den gegenüberliegenden Stäben des Käfigs zurück.



      „Ich werde hier nicht lange bleiben,“ glaubt sie. „Meine Brüder werden das Lösegeld aus dem Vermögen des Hauses leicht aufbringen!“



      „Ja, Senora.“



      „Denkst du, er mag mich?“ fragt sie nach weiteren Bissen und deutet in Richtung des Wachmannes.



      „Keine Ahnung, Senora,“ sage ich. „Falls Sie sich darum bemühen, könnte es sein, dass er Sie mag…“



      „…wenn Sie nackt vor ihm liegen,“ ergänze ich, laut denkend.



      „Du Schlampe!“ ereifert sie sich.



      „Ja, Senora.“



      Sie hat fertig gefrühstückt und schiebt mir ihr Geschirr zu. Ich stelle es vor die Tür und reinige kurz den Käfig. Dann verschließe ich den Käfig wieder und der Wachmann zieht ihn wieder über das Basin.



      Die nächsten Tage verlaufen schweigsam. Dann sagt die Senora unvermittelt:



      „Dich haben diese Wüstlinge doch auch in ihrer Gewalt.“



      „Voll und ganz, Senora,“ gebe ich ihr zur Antwort.



      „Wie ich diese Narren verachte…“



      Darauf zu antworten wage ich mich nicht.



      „Ich werde bald frei kommen!“ sinniert sie.



      „Was ist Freiheit?“ wage ich zu fragen. „Ich bin innerlich frei. Man hat mich in die Leibeigenschaft befreit. Vorher war ich in einem Korsett von Moral gefangen.“



      „Du schamloses Ding!“ ruft sie wütend aus.



      „Ja, Senora.



      Nach einer Pause erhebt sie wieder ihre Stimme:



      „Männer sind Dummköpfe, Narren!“



      Ich sage nichts dazu. Die Männer hier kommen mir nicht wie Narren vor. Ganz im Gegenteil! Sie trotzen mir großen Respekt ab. Von meinem neuen Blickwinkel aus gesehen, stehen eher die Männer in meiner alten Heimat als Narren da. Hier dagegen haben sie sich eine natürliche Dominanz erhalten. Erst in Kak Aute habe ich eine Ahnung davon bekommen, was echte Männer ausmacht.



      „Wie ich sie hasse,“ redet Senora Elena weiter.



      Darauf will ich nun wirklich nicht reagieren. Ich persönlich hasse die Männer hier eigentlich nicht, und sie können mir auch nicht gestohlen bleiben. Sie erregen mich als Frau und ich betrachte sie mit gesunder Hochachtung. Ich bin sogar geneigt, sie zu bewundern.



      Die Senora hat sich in Fahrt geredet.



      „Wie könnte jemand wie du die Gefühle eines Menschen, wie ich einer bin, begreifen?“



      „Bestimmt nur sehr mühevoll, wenn überhaupt,“ entgegne ich gereizt.



      Was bin ich denn in ihren Augen? Ein Tier? Nur weil ich meine Gefühle in Gegenwart eines Mannes nicht zurückhalte?



      „Keine Angst,“ beschwichtigt sie. „Ich übe mich in Geduld mit dir. Wir sind ja trotz der sozialen Kluft Schicksalsschwestern.“



      Auch dies mag ich nicht kommentieren.



      „Mach dir nichts daraus, dass du nur eine Magd bist! Dein Stand hat vieles für sich,“ meint sie nun.



      „Gewiss,“ stimme ich ihr zu. Wie großzügig von ihr…



      „Du gehst mit deiner Figur hausieren und machst es dir zur Aufgabe, die niederen Instinkte der Männer rundum zu befriedigen. Solche wie dich kann man an jeder Straßenecke billig erstehen!“



      „Ich bin eine Kajira,“ sage ich nur.



      Seit meiner Pubertät gibt es etwas in mir, das mir als ein aufrichtiges Bedürfnis erscheint. Ich will Männern gefallen. Dies gilt gewiss nicht überall! In meinem früheren Leben habe ich die schlechten Seiten der Männer kennen gelernt. Dort haben sie mich ausgesaugt wie Vampire und mich dann fallen gelassen. Das ist hier anders!



      Sicher, viele von uns sind wirklich nicht teuer. Was genau ich gekostet habe, als mich Don Francesco für das Haus des Don Marco erworben hat, weiß ich nicht. Die Mühen der Schule Don Emilianos werden angemessen berücksichtigt worden sein. Auch ist es wohl abhängig von der unbeherrschbaren, leicht entflammbaren Leidenschaft, die ich in einem möglichen Käufer entwickele.



      Wie Männer Tiere aufgrund ihrer Schnelligkeit kaufen, um sie bei Rennen laufen zu lassen, oder wegen ihrer Stärke als Zugtiere, so mögen sie sich für eines, aufgrund von Schönheit und Leidenschaft entscheiden, um es in ihre Wohnung und ihr Bett mitzunehmen. Männer haben mich das gelehrt und jetzt gehöre ich ihnen. Ich kann nicht aus meiner Haut.



      Aber wie ist das bei den Freien Frauen eigentlich? Sie geht mit einem Mann die Freie Gefährtenschaft ein, die sie ein Jahr an diesen Mann bindet und dann jährlich erneuert werden muss. Ansonsten geht man wieder auseinander. Aber was ist es, was Männer und Freie Frauen aneinander bindet? Was sind die Kriterien, nach denen eine Freie Frau unter ihren Verehrern auswählt, falls nicht ihr Vater einen Bräutigam bestimmt, um zwei Häuser aus freundschaftlichen oder wirtschaftlichen Erwägungen aneinander zu binden? Wählt die Frau dann nicht den wirtschaftlich attraktiveren Verehrer? Verkauft sie sich also nicht ebenfalls?



      Mägde dagegen verkaufen sich nicht selbst, sondern werden verkauft. Sie müssen dem Mann aus bescheidenen Verhältnissen genauso hitzig und hingebungsvoll dienen, wie dem Reichen oder Mächtigen. Tragen wir also möglicherweise durch unsere Existenz zur Stabilität dieser Parallelgesellschaft bei? Ein Mann, dem eine Frau alles gibt, ist kaum unzufrieden, sondern ausgeglichen. Und solche Männer kommen nicht auf grausame, skrupellose Gedanken. Die Magd hofft außerdem darauf, ihren Liebesherrn zu finden, dem sie mit allem, was ihre Weiblichkeit ausmacht, dienen darf. Dankbar und freudig, weil er auf sie achtet, sie ebenfalls liebt und als Magd schätzt. Bei aller Zärtlichkeit wird er sie nie vergessen lassen, wessen Halsreif sie trägt, und dafür himmelt sie ihn und seine Gabe an, sie zur Gänze und ohne Kompromisse zu beherrschen.



      Ich frage mich im Stillen, ob in dieser Freien, mir gegenüber unter ihrem weiten Gewand, so hochmütig sie wirkt, überhaupt eine Frau, ja irgendetwas weibliches steckt. Sie scheint keine Ahnung zu haben, von dem was eine Frau ausmacht in der Tiefe ihrer Seele. Man wird sie sicher auslösen und dann wird sie es nie erfahren.



      Schlummert am Grunde ihrer Seele kein Weib, keine Magd? Hat sie wirklich keinen Begriff von dem, was wahres Glück ausmacht?
      Eine Woche etwa danach fragt Senora Elena während des Essens:



      „Wurde mein Lösegeld schon gezahlt?“



      „Ich habe noch nichts davon gehört,“ antworte ich ihr wahrheitsgemäß.



      „Es sollte längst angekommen sein!“



      Ihre Stimme klingt schrill. Ich zucke mit den Schultern.



      „Wirst du gefälligst nachfragen?!“



      „Ja, Senora,“ bestätige ich und reinige nach dem Essen erst wieder ihren Käfig bevor ich mich zurückziehe.



      Bei Don Danielo angekommen, gebe ich die Frage der Senora an ihn weiter. Tags darauf begleitet er mich zu der Gefangenen. Er wartet im Hintergrund, genauso wie es der Wachmann bisher getan hat. Wieder stellt mir die Senora die Frage.



      „Es ist noch nichts geschehen, in dieser Sache,“ gebe ich die Information Don Danielos an sie weiter.



      Dieser ist unbemerkt näher gekommen und sagt nun:



      „Die Angelegenheit zieht sich wohl noch etwas, Senora.“



      Sie dreht sich zu ihm und verlangt mit lauter Stimme:



      „Untersuche die Angelegegenheit!“



      Da Don Danielo gleichmütig bleibt, versucht sie es schmeichelnd:



      „Bitte, mein stattlicher Freund.“



      „Wie soll eine Freie Frau ihren Wärter nennen?“ fragt er lauernd.



      „Senor,“ antwortet sie.



      „Sie haben mir diese Höflichkeit gerade nicht gegönnt, glaube ich.“



      „Senor?“



      „Sie sollten verstehen, dass Sie an diesem Ort mir gehören,“ fährt er fort.



      „Jawohl, Senor.“



      Sie zittert. Ahnt sie etwas?



      „Sie sollten verstehen, dass ihre Behausung für nackte, gefesselte und kahlgeschorene Mägde gebaut wurde.“



      „Jawohl, Senor.“



      Mich schüttelt es. Scheren ist eine schlimme Strafe!



      „Ich werde in einem Käfig für Mägde gefangen gehalten?“



      Don Danielo bejaht das.



      „Ich bin eine freie Frau. Ich werde mich beschweren!“



      „Ihre Beschwerde ist vermerkt,“ erwidert er. „Wird aber abgewiesen.“



      „Bisher sind wir nachsichtig mit Ihnen umgegangen, aufgrund Ihres Standes. Falls Sie es nicht schaffen, den Grundsätzen der Höflichkeit Genüge zu tun, werden Sie ganz schnell eine Magd sein! Wir legen Sie nackt, gefesselt und kahl geschoren hinter Gitter.“



      „Jawohl, Senor.“



      Sie wirkt stark verängstigt, ob dieser Androhung.



      „Das ist dir also bewusst?“



      Don Danielo wechselt hörbar die Anrede.



      „Ja,“ flüstert sie.



      „Ja, was?“



      „Ja, Senor.“



      Nach dieser Unterweisung kehrt er zu seinem Platz an den Eingang der Halle zurück und ich beende meine Arbeit im Käfig der Senora. Dann zieht er den Käfig wieder an die Decke der Halle über dem Basin. Er sagt:



      „Halt dich an den Stäben des Käfigs fest, Senora. Steig auf die umlaufende Leiste!“



      Sie tut es. Dann zieht Don Danielo an einer Kette. Der Boden des Käfigs teilt sich und klappt nach unten. Matratze und Toiletteneimer fallen ins Wasser.



      Senora Elena klammert sich verzweifelt am Gitter fest. Die Frau schreit entsetzt und ich mit ihr. Gleich darauf höre ich ein Rauschen. Unter der Oberfläche des Basins kommt Unruhe auf. Etwas bewegt sich und ich höre Stoff reißen. Die Matratze ist nicht mehr zu retten.



      Die Freie Frau schreit weiter. Plötzlich sehe ich einen dunklen Schatten aus dem Wasser schnellen und wieder zurückfallen. Senora Elena versucht in ihrem Käfig höher zu klettern.



      „Senor, Senor!“ schreit sie panisch.



      Don Danielo zieht noch einmal an der Kette und der Boden des Käfigs schließt sich wieder.



      „Lass das Gitter los!“ befiehlt er der Senora.



      Zitternd geht sie vom Gitter zurück. Sie traut dem Käfigboden nicht mehr so recht. Zu mir gewandt sagt der Gefängnisaufseher:



      „Morgen bekommt sie eine neue Matratze und Eimer. Auch wirst du ihr ein neues Gewand bringen und dieses waschen!“



      „Ja, Senor,“ antworte ich, immer noch unter Schock. Was war das für ein Schatten? Was lebt dort im Basin?



      Don Danielo wendet sich zum Gehen.



      „Senor!“ ruft sie von oben. „Senor! Bitte, Senor!“



      Der Gefängnisaufseher schaut sich nach ihr um. Ich knie mich hin. Stehen bleiben fällt mir schwer, denn ich bin erschüttert und zittere.



      „Wie schreiten die Verhandlungen über meine Auslösung voran?“ fragt die Senora.



      „Ich weiß nicht, ob darüber überhaupt jemand verhandelt,“ gibt Don Danielo Auskunft.



      „WAS?“



      „Wie heißt das?“



      „Wie bitte, Senor?“



      „Mir gegenüber hat niemand etwas diesbezüglich gesagt,“ erläutert er.



      „Man wird mich doch nicht vergessen haben?“ sorgt sie sich.



      „Keine Ahnung.“



      „Wie lange muss ich denn noch bleiben?“



      „Vielleicht Monate? Vielleicht Jahre?“



      Die Freie Frau über uns schluchzt auf. Ich höre im Dämmerschein, dass sie am Gitter rüttelt und zu weinen beginnt.



      „Steh auf!“ sagt der Gefängnisaufseher zu mir, als sein Blick im Weggehen auf mich fällt.



      Ich beeile mich, seinem Befehl nachzukommen und ihm zu folgen.



      „Darf ich sprechen, Senor?“ frage ich.



      „Ja,“ antwortet Don Danielo.



      „Denkst du, man wird Lösegeld für sie bezahlen?“



      „Hoffen wir es um ihretwillen. Mir jedenfalls gefällt sie.“



      „Okay, Senor.“



      Schließlich erreiche ich mein Quartier und ziehe mich zurück. Ich lege mich auf meine Matratze und ziehe die Knie an. Dann liege ich noch lange wach. Ich versuche, das Erlebte zu verdauen. Wo soll ich anfangen, die Dinge, die mir bisher in Kak Aute widerfahren sind, zu rekapitulieren? Kann ich jemals mit dieser Wendung in meinem Leben fertig werden?



      Hier liegt eine Magd, eine Kajira gar. Ist es möglich, dass es sich um mich handelt? Was man mir aufträgt, muss ich ausführen. Gehorsam ist das oberste Gebot. Zitternd lasse ich Revue passieren, wie sich die Männer an mir Vergnügen verschafft haben. Beim Rekapitulieren meiner Gefühle kommt Furcht in mir auf. Furcht vor mir selbst. Denn selbst jetzt erregen mich die Gedanken daran, wie ich den Männern Freude gespendet habe. Mir wird ganz warm. Bestimmt erröte ich am ganzen Körper. Sie haben mich in Besitz genommen. Ich bin bezwungen und verzückt worden, unterworfen und befreit. Ich tue mir schwer damit, all das zu begreifen, mit dem Intellekt zu erfassen. Die stärksten Ketten bestehen nicht aus Metall, sondern aus Verlangen und Triebhaftigkeit. Wie ich so da liege im Halbdämmer, fühle ich mich ganz als Leibeigene, als Magd. Nichts anderes will ich mehr sein.



      Welch ein Glück ist mir hier zuteil geworden! Welche andere Frau aus meinem früheren Leben kann das von sich behaupten? Ich fühle mich eigenartig erregt und innerlich aufgewühlt. Hier bin ich zum ersten Mal in meinem Leben an den Kern meiner persönlichen Wirklichkeit vorgedrungen, die man mir hinter der Fassade der westlichen Zivilisation stets vorenthalten hat. Mir ist in meinem früheren Leben aufgezwungen worden, eine Lüge zu leben, die mich selbst in meinen Träumen heimgesucht gehabt hat. Hier habe ich erfahren, dass ich die Wahrheit, dass ich meine Weiblichkeit praktizieren und mir selbst treu bleiben muss. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit und Glück.



      Aber was bringt es, darüber nachzusinnen? Ich bin eine Magd und muss dienen. Mein Wille bedeutet nichts – und wie wohl ist mir dabei! Ich gebrauche alle meine Sinne, keiner verkümmert! Ich muss folgen. Etwas anderes will ich überhaupt nicht.



      Die Leibeigenschaft wirkt sich unterschiedlich auf die Frau aus: Sie wird zarter und schöner. Sie gewinnt ein besseres Verständnis von sich selbst und fühlt sich davon durchdrungen. Sie spricht schneller auf sexuelle Reize an, sieht ihre Fähigkeit zur Liebe tausendfach vergrößert. Die Männer, die den gorean Lifestyle leben, beherrschen uns vollkommen. Sie leben ihre Virilität.



      Ich schlafe schließlich ein.



      *
      Einige Wochen später, die Senora wurde mit der Zeit immer umgänglicher, erlaubt Don Danielo ihr in meiner Begleitung das Gefängnis zu verlassen. Den Freigang soll sie gefesselt, an der Leine und in Sklavenkleidung antreten. Ich habe die volle Verantwortung und die Befehlsgewalt über sie. Geht etwas schief, wird nicht sie, sondern ich dafür bestraft, schärft mit Don Danielo ein.



      Insoweit ist die Situation die Gleiche, wie ich sie bei Bina, der früheren Senorita Maria Elena, kennen gelernt habe. Anscheinend hat so ein Freigang für uns eine erzieherische Wirkung. Jedenfalls freue ich mich über die Abwechslung im täglichen Einerlei.



      Die Senora muss ihr Gewand ausziehen, was sie ohne zögern macht. Das wundert mich. Dann erhält sie von mir zwei Tücher. Eines verdrehe ich und binde ihr einen BH. Das Andere binde ich ihr um die Hüfte. Es reicht ihr gerade über die Leiste. Wir werden von Gefängniswachen bis zum Ausgang in die Oberwelt geleitet. Zum Abendessen müssen wir wieder zurück sein.



      Wie bei der früheren Senorita Maria Elena werden auch die Hände der Senora Elena auf den Rücken gefesselt. Dann wird eine Kette mit einer Lederschlaufe an ihrem Halsreif befestigt, der sie als „Staatsmagd“ Chica ausweist. „Staatsmagd“ deswegen, weil sie momentan herrenlos ist. Über ihr Schicksal entscheidet der Rat dieses Ortes. Das heißt für den normalen Passanten, dass sie alsbald zum Verkauf freigegeben wird. Das kann aus verschiedenen Gründen geschehen: Entweder weil ihr Herr gestorben ist und keinen Erben hinterlassen hat, oder wie im Fall der Senora, dass mit dem Verkauf entstandener Schaden wieder gut gemacht wird.



      Wir gehen in den Park der hydroponischen Gärten. Tageslichtlampen an der Decke simulieren in den Gärten das Sonnenlicht. Im angeschlossenen Park kann man viele Blumen bewundern. Die Senores sind sehr ‚blumenverrückt‘. Daher gibt es hier eine Symphonie der Farben, die der Seele schmeicheln.



      „Wie wunderbar es hier ist!“ freut sich die Senora.



      „Pst, Senora,“ flüstere ich.



      „Du sollst mich nicht ‚Senora‘ nennen,“ raunt sie zurück.



      „Entschuldige, Chica,“ berichtige ich.



      „Und bitte mich nicht um Entschuldigung,“ kritisiert sie mich weiter. „Ich meine, wenn das jemand mithört. Stell dir einfach vor, ich sei eine Magd, für die du die Verantwortung trägst.“



      „Okay, ich versuche es,“ antworte ich.



      „Da kommt jemand,“ sagt sie.



      Wirklich, hinter der Wegbiegung, die um einen Busch mit betörend duftenden Blüten verläuft, tritt uns ein Mann entgegen, der auf den ersten Blick als Ausländer kenntlich ist. Er hat helle Haut und rote Haare. Er trägt einen dunklen Umhang mit Ärmeln. In meinem früheren Leben hat das Kleidungsstück Anzugjacke geheißen. Auf dem Kopf sitzt eine flache runde Mütze in einem leuchtenden Karomuster. Das Auffallendste jedoch ist, dass er keine kurze Hose trägt, wie alle anderen Herren hier, sondern einen Rock in dem gleichen Karomuster, wie seine Mütze.



      Die Erscheinung ist so unwirklich, dass ich sekundenlang da stehe. Dann entsinne ich mich meiner Ausbildung und falle auf die Knie, lasse mich nach vorne fallen und berühre mit der Stirn den Boden.



      „Bitte um Vergebung, Senor,“ sage ich schnell.



      Ich hoffe, noch rechtzeitig reagiert zu haben. Da bemerke ich, dass die Senora immer noch steht.



      „Auf die Knie, Chica! Sofort!“ sage ich laut und reiße an der Kette.



      Die Senora erwacht und sinkt sofort auf das Pflaster des Weges. Der Mann sagt in einem fremdländischen Akzent:



      „Weiß sie nicht, wie sie zu reagieren hat?“



      „Sie ist den Halsreif noch nicht gewohnt,“ entschuldige ich mich ohne aufzusehen.



      „Geh nicht leichtfertig mit ihr um,“ mahnt er mich. „So richtet man neue Mägde nicht ab.“



      „Ja, Senor. Verzeiht, Senor,“ antworte ich.



      „Sie ist schon ein leckeres Törtchen,“ schätzt der Mann. „Wann steht sie zum Verkauf?“



      „Ich weiß es nicht, Senor,“ sage ich.



      „Heb den Kopf, Magd!“ Er wendet sich an die Senora.



      Sie schaut zu ihm hoch.



      „Ein hübsches Gesicht, schöne Kurven,“ sagt er zu mir.



      „Ja, Senor,“ antworte ich.



      Ich habe mich inzwischen auf meine Fersen gesetzt, da er ein Gespräch mit mir begonnen hat. Er hat die Bewegung nicht durch einen Stopp-Befehl unterbrochen. Er scheint Interesse an der Senora zu haben. Er schnippt mit den Fingern.



      „Halsreif!“



      Sofort springe ich auf und nähere mich ihm, damit er die Aufschrift lesen kann.



      „Rosa, aus dem Haus Don Marcos – das ist doch der Ortsvorsteher hier?“



      „Ja, Senor.“



      „Und sie ist herrenlos?“



      „Zurzeit, ja, Senor.“



      „Ihr Name?“



      „Chica, Senor.“



      „Nomen est Omen.“



      „Senor?“



      „Ach, nichts weiter. Seid ihr öfter hier?“



      „Dies ist das erste Mal, Senor.“



      „Sehen wir uns wieder?“



      „Ich weiß nicht, ob man uns wieder Freigang gewährt, Senor.“



      „Und wenn?“



      „Dann vielleicht, Senor.“



      „Dann treffen wir uns vielleicht wieder,“ stellt er in Aussicht.



      „Ja, Senor.“



      „Ihr dürft gehen!“



      „Danke, Senor.“



      Nachdem wir den duftenden Busch umrundet haben, ist der Senor aus unseren Augen verschwunden.



      „Werden wir ihn wiedersehen?“ fragt mich die Senora.



      „Ich weiß es nicht!“ sage ich. „So wie er angezogen ist, stammt er nicht von hier. Er könnte ein Geschäftsmann sein.“



      Ich wundere mich, dass er alleine unterwegs ist. Ich habe angenommen, dass Fremde immer in Begleitung einer Kajira in Kak Aute unterwegs sind. Rita, oder eine der beiden Anderen hätte an seiner Seite sein müssen. Aber vielleicht kennt er sich ja schon leidlich aus und seine Escordmagd hat von ihm einen Auftrag bekommen, der sie anderweitig beschäftigt.



      „Dann reist er wohl bald ab,“ vermutet die Senora.



      Höre ich da Enttäuschung aus ihrer Stimme?



      „Das ist anzunehmen,“ meine ich.



      „Ich hätte nicht gedacht, dass man sich so schnell nach einem Mann sehnen kann.“



      „Auch er schien interessiert zu sein.“



      „Meinst du?“



      „Ja, allerdings wird er sicher der Meinung sein, dass du in die Peitsche eingewiesen werden solltest.“



      „Ist das auch deine Ansicht?“



      „Wenn du eine Magd wärst, ganz bestimmt!“ antworte ich. „Aber da du ja frei bist, braucht dich das nicht zu kümmern.“
      Die Unterweisung in der Peitsche schließt übrigens nicht ein, dass die Schülerin tatsächlich gezüchtigt wird. Es kommt darauf an, dass sie weiß, es KÖNNTE passieren. Generell ist es so, dass eine Magd, je höher ihre Intelligenz und je rascher ihre Auffassungsgabe, desto seltener unter der Peitsche leidet. Die Senores sind keine Sadisten! Sie erfreuen sich nicht an einer sich vor Schmerzen krümmenden Magd.



      „Als freie Frau solltest du dir darüber nicht den Kopf zerbrechen,“ ergänze ich.



      Wir spazieren noch eine Weile herum. Der Mann im Rock mit Karomuster ist uns nicht wieder begegnet. Schließlich verlasse ich mit der Senora die Oberstadt und melde mich bei den Wächtern, die uns wieder nach unten begleiten.



      „Du wirst mich doch wieder mit nach oben nehmen?“ fragt die Senora in den Gängen zu ihrem Käfig.



      „Ich kann Don Danielo darum bitten.“



      „Bitte, bald. Der fremde Senor könnte sonst fort sein.“



      „Mal sehen.“



      Den Rest des Weges ist sie auffallend still. In ihrem Käfig angekommen, hebt sie wieder an zu sprechen.



      „In der Nähe des Mannes fühlte ich mich unwohl, furchtsam, schwach.“



      „Es war ein Mann…“



      „Kann man einem solchen Mann widerstehen?“



      „Es ist uns nicht erlaubt.“



      Sie schüttelt sich.



      „Meinst du, er hätte mich für eine Magd gehalten?“



      „Er tat es – und du gäbst auch eine wunderbare Magd ab.“



      „Wirklich?“



      „Ja.“



      „Brächte ich einen hohen Preis?“



      „Bestimmt!“



      „Würden sich die Männer nach mir sehnen?“



      „Auch das! Sie würden sich qualvoll verzehren!“



      Ich sehe, wie ihr das gefällt.



      „Du nimmst mich auf den Arm!“



      „Gar nicht!“ behaupte ich wenig überzeugend. „Aber das braucht dich nicht kümmern. Du bist ja eine freie Frau.“



      „Mochtest du ihn?“



      „Gar nicht! Dieses Tier! Dieses überhebliche Ekel!“ ereifert sie sich.



      „Sag bloß…“



      „Ja,“ beteuert sie.



      „Wenn du wirklich eine Magd wärst, wäre es egal ob du ihn verachtest oder nicht. Du müsstest ihm auf jeden Fall bis zur Perfektion dienen.“



      „Siehst du das so?“



      „Ja. Solche Männer lassen sich von keiner Frau zum Narren halten.“



      „Liegt nahe…“ flüstert sie.



      „Ich muss jetzt gehen.“



      „Bitte frage den Gefängnisaufseher, ob wir wieder hinauf dürfen.“



      „Werde ich,“ verspreche ich.



      „Rosa?“



      „Was denn noch?“



      „Meine Verkleidung wirkt bestimmt noch überzeugender, wenn du mir ein bisschen was von den Verhaltensmustern einer Magd beibringst.“



      „Keine dumme Idee,“ pflichte ich der Senora bei.



      „Lehre mich, wie ich meine Lippen gebrauchen soll.“



      Entgeistert schaue ich sie an.



      „Du bist eine Freie Frau!“



      „Bitte!“



      „Dies tut man auf verschiedene Weise,“ deute ich vage an. „Dies gilt aber auch für deine Hände, Füße und Haare. Eine Magd lernt, ihren ganzen Körper auf die eine oder andere Art nutzbar zu machen.“



      „Zeige es mir!“



      „Ich halte es für besser, wenn du nichts von alledem erfährst. Du bist eine Freie Frau!“



      „Bitte, Rosa!“



      „Diese Kenntnis schickt sich eher für eine echte Magd. Eine Frau, die aus ihrem Herzen heraus dienen will.“



      „Bitteee…“



      „Ich werde darüber nachdenken.“



      „Rosa, ich weiß, was ich bin.“



      „Eine Freie Frau im vorübergehenden Gewahrsam.“



      „Und nichtsdestoweniger eine Frau, ein Weib!“



      „Ach…“



      „Ja, Rosa. Ich träumte schon lange von so einer Begegnung wie der heutigen!“



      *



      „Siehst du ihn irgendwo?“ fragt die Senora, die nun wieder den Halsreif mit der Gravur ‚Chica‘ trägt.



      „Er wird bestimmt hier sein. Es ist die gleiche Zeit wie letztens,“ mache ich ihr Mut.



      Sie hat wieder die Hände auf dem Rücken zusammen gebunden bekommen und ich halte die Kette in der Hand, die an ihrem Halsreif befestigt ist.



      Wir müssen darauf achten, möglichst keinen Anstoß zu erregen, also habe ich gut daran getan die Senora im Verhalten einer Magd zu unterweisen. Selbst hier, wo Mägde ein alltäglicher Anblick sind, erregen wir Aufmerksamkeit. Es gibt kaum einen Mann, der sich nicht an ihrer Erscheinung erfreuen würde und deshalb einen Blick auf uns wirft im Vorbeigehen. Genauso wie die duftenden Blumen und bunten Blumenwiesen, wie die schillernden Schmetterlinge und die Juwelen der Lüfte, die Kolibris, sind wir wie optische Höhepunkte einer Stadt und müssen sehr auf unser Aussehen und unser Benehmen achten.



      Die Magd ist ein reizendes Geschöpf, sowohl zart und verletzlich, als auch elegant, vor allem aber lüstern. Sie kann selbständig denken, fühlen, sprechen, dienen und nicht zuletzt lieben. Welcher wirklich maskuline Mann und Naturfreund würde unsere Gegenwart nicht als Zierde empfinden. Es gibt bestimmt nur wenige Männer, die eine ihnen unbekannte Stadt besichtigen, sei es geschäftlich oder touristisch, ohne die einheimischen Mägde mit denen ihrer Heimat zu vergleichen.



      Ich betrachte die Senora. Sie sieht wirklich liebreizend aus. Und wie gut ihr ihr Halsreif steht!



      Wie sie ihn am Morgen vor dem Spiegel betrachtet und zurecht gerückt hat, so behutsam und selbstverliebt, dieses hübsche, kleine Biest! ‚Chica‘ haftet inzwischen etwas von dem Feuereifer, dem Interesse und der Neugier einer Magd an. Es hat den Anschein, als sei ihre Natur erst jetzt erwacht, eine Bereitschaft zum Leben und erfahren.



      „Siehst du ihn?“ fragt sie wieder.



      „Nein,“ antworte ich.



      „Glaubst du, ich gefalle ihm so?“



      „Ja.“



      „Hoffentlich,“ überlegt sie besorgt.



      „Mit einem Halsreif kann jede Frau genauso gut nackt sein,“ erwidere ich.



      „Oh.“



      Der Halsreif zeugt von ihrer Verfügbarkeit, der Ausweglosigkeit ihrer Situation, ihrer Ergebenheit.



      Da bemerke ich den Mann im Karomuster, den Mann im Rock. Er hat uns schnell erreicht. Sofort gehe ich auf die Knie und beuge meinen Kopf zum Pflaster. Fast gleichzeitig macht die Senora mich nach.



      „Tal, ihr Mägde,“ begrüßt uns der Mann.



      „Tal, Senor,“ kommt es im Chor zurück.



      „Gib mir die Kette,“ sagt der Mann.



      „Bitte, Senor, ich bin für die Magd verantwortlich,“ versuche ich zu widersprechen.



      „Ihr wird nichts geschehen, bei meiner Ehre!“ verspricht der Mann.



      Vielleicht soll ich noch erklären, dass den Männern, die nach dem gorean Lifestyle leben, ihre persönliche Ehre heilig ist. ‚Dein Wort sein ein Wort!‘ heißt es. Wer wortbrüchig wird kann leicht von den Anderen geächtet werden. Dieser Mann ist mir jedoch fremd. Was sage ich Don Danielo, wenn Chica etwas passiert? Was, wenn ich gar ohne sie in die Unterwelt Kak Autes zurückkehre?



      „Mein Name ist Clark MacLaurie,“ stellt er sich vor. „Ich bringe sie wohlbehalten an diesen Platz zurück!“



      „Wir müssen am späten Nachmittag zurück sein, Senor,“ gebe ich zu bedenken.



      „Ich werde das berücksichtigen,“ bestätigt er.



      Ich richte mich kniend auf und überreiche ihm die Kette der Senora. Er nimmt sie und löst die Leine von ihrem Halsreif.



      „Halsreif!“ höre ich nun seinen Befehl.



      Ich springe auf und nähere mich ihm. Er befestigt nun die Kette an meinem Halsreif. Dann schaut er sich suchend um und findet in einiger Entfernung auf einem kleinen Wiesenstück eine Stange mit einem Ring. Dorthin führt er mich und befestigt mich mit der Kette am Ring. Chica ist dem Senor mit einem Schritt Abstand gefolgt. Dann dreht er sich zu ihr um und löst ihre Handfessel, die er zu meinen Füßen fallen lässt.



      Die Senora scheint Oberwasser zu bekommen. Sie sagt spöttisch zu mir:



      „Mach dich nicht davon, Rosa! Ich mag dich sehr!“
      Dann beugt sie sich zu mir herunter und gibt mir einen Kuss, um sich gleich darauf zu dem Mann umzudrehen und eine Hand auf seinen Arm zu legen.



      Der dreht sich um und geht davon. Chica beeilt sich, hinter ihm her zu kommen, um an seiner Seite zu gehen. Ich sehe noch, wie er mit ärgerlichem Gesicht auf sie einredet. Sofort fällt sie auf die Knie und küsst seine Schuhe. Dann dreht er sich wieder weg und sie steht auf, um dann gemessenen Schrittes etwa einen Meter hinter ihm zu gehen.



      Ein paar Meter weiter dreht er sich wieder um, sagt etwas und reicht ihr seinen Arm. Sie hakt sich mit einem glücklichen Ausdruck im Gesicht bei ihm unter und schon sind sie aus meinem Blickfeld verschwunden.



      Es vergehen einige Stunden, ich bin zwischenzeitlich unter dem Ring auf der Wiese eingeschlafen, als mich eine Hand rüttelnd aufweckt.



      „Alles in Ordnung mit dir?“



      Es ist Chica, die frühere Senora Elena. Sie lächelt glücklich.



      „Ja,“ sage ich.



      Chica gibt mir einen Kuss. Sie macht die Kette vom Ring los. Ich habe mich inzwischen wieder auf meine Fersen gesetzt, denn ihre Begleitung, Senor Clark MacLaurie, steht neben ihr.



      Als sie sich wieder aufrichtet, dreht er sie zu sich um und nimmt sie in seine Arme. Chica bietet ihm ihre Lippen an. Wie zart sie an seiner Brust wirkt, wie sie dahinschmilzt! Er steht neben ihr, groß und unerschütterlich. Die Senora ähnelt stark einer Magd in der Umklammerung ihres Herrn. Ich bin verblüfft! Wie kann das sein? Ist sie keine Freie Frau mehr? Man hat sie doch frei erzogen! Besitzt sie denn keinen Stolz?



      Aber ja doch, hier sehe ich eine Magd in den Armen ihres Herrn!



      „Ich liebe dich, Senor!“ flüstert sie tatsächlich und streckt ihren Mund an sein Ohr.



      Er drückt sie an sich und seufzt. Dann stößt er sie plötzlich von sich.



      „Senor?“ fragt sie.



      „Es ist nichts,“ gibt er zur Antwort.



      Sie kniet vor ihm nieder, so gefühlvoll und natürlich wie jede Magd. Er dagegen scheint von Emotionen übermannt worden zu sein.



      „Verflucht sei die Ehre!“ ruft er plötzlich aus.



      Ich bin sicher, die Senora versteht diesen Ausbruch genauso wenig wie ich.



      „Werde ich dich wiedersehen, Senor?“ fragt sie mit gesenktem Kopf.



      Er schaut mit feuchten Augen und geballten Fäusten auf sie herab.



      „Senor?“



      „Ich besitze dich nicht!“ presst er zwischen den Lippen hervor. „Du gehörst einem anderen Mann!“



      Verwirrt schaut sie zu ihm auf.



      „Du bist Ware!“ fährt er fort. „Bloßes Eigentum!“



      „Senor?“



      „Das muss ich mir vor Augen halten!“



      „Ja, Senor.“



      „Deinesgleichen kann man auf jeder Auktion ersteigern!“



      „Ja, Senor.“



      „Warum habe ich dann solche Gefühle?“ fragt er sich verwundert.



      „Welche meinst du, Senor?“ fragt die Senora.



      „Ich fürchte, ich habe mich in eine Magd verliebt.“



      „Ist das nicht vorstellbar? Selbst wenn es sich um ein so unbedeutendes Etwas handelt?“ fragt sie zurück.



      „Verflucht sei die Ehre!“ wiederholt er sich.



      „Wann sehen wir uns wieder, Senor?“ hakt sie nach.



      „Niemals mehr!“



      Fassungslos starrt sie ihn an. Fast wäre sie aufgestanden. Sie kann sich gerade noch zurückhalten. Es ist anzunehmen, dass er ihr während ihres Zusammenseins einige Lehren erteilt hat. Was sich insofern nachvollziehen lässt, da er sie für eine Magd hält.



      „Niemals mehr,“ sagt er nochmals und schaut dabei auf das Pflaster des Weges vor sich.



      „Falls ich meinen Herrn erzürnt habe,“ sagt sie untröstlich, „werde ich mich bemühen, mein Verhalten zu verbessern!“



      „Ich habe zuviel Zeit schon in Kak Aute vergeudet,“ antwortet er. „Morgen, denke ich, habe ich meine Geschäfte hier abgeschlossen und werde abreisen.“



      „Nein,“ schluchzt sie auf.



      Er dreht sich um und geht mit zügigen Schritten davon.



      „Senor!“ ruft sie ihm gequält hinterher. „Senor!“



      Dann sackt sie weinend auf dem Pflaster zusammen.



      Ich wünsche mir fast, Senora Elena wäre eine echte Magd und gehöre einem Privatmann. Dann könnte der Senor mit dem karierten Rock sich mit diesem treffen und auf einen Handel einigen. Stehlen will er sie augenscheinlich nicht. Das zeigt der wiederholte gequälte Hinweis auf seine Ehre. Er bringt es genauso wenig übers Herz, sie mitzunehmen, wie er ein Silbergefäß oder einen Goldteller aus dem Haus entwenden würde, dessen Gastfreundschaft er genießt. Ich weiß dagegen nichts einzuwenden. Denn wie könnten sie ohne hohes Ehrgefühl Männer sein? Wären sie keine echten Männer, eventuell nur Männlein, würden sie auch nicht perfekt als Herren zu uns passen!



      Nach einer Weile steht Senora Elena – oder die Magd Chica? – mit rotgeweinten Augen auf. Auch ich erhebe mich. Sie schwankt ein wenig, als ich ihr wieder die Hände auf den Rücken fessele und die Kette an ihrem Halsreif befestige.



      „Es tut mir leid für dich,“ sage ich leise.



      „Wir hatten einen wunderschönen Tag,“ antwortet sie. „Wir haben alles Mögliche unternommen und soviel besichtigt! Jedesmal, wenn ich später an diesen Orten vorbei komme, werden sie mich an ihn erinnern!“



      Ich nicke.



      „Komm, wir wollen rechtzeitig zurück sein!“



      „Wir haben etwas Obst für dich aufgehoben,“ sagt sie im Gehen. „Es steckt in meiner Ta’teera. Ich werde es dir geben, wenn wir unten sind.“



      „Vielen Dank.“



      Senora Elena schluchzt.



      *



      „Du hast gar nichts gegessen.“



      Sie liegt mit rotgeweinten Augen auf der Matratze in ihrem Käfig und hat die Knie angezogen. Sie starrt an die Wand – vermutlich ins Leere.



      „Ich werde ihn nie wiedersehen!“ klagt sie.



      „Iss,“ bitte ich sie.



      „Iss du!“ erwidert sie.



      „Nur wenn du auch etwas isst!“



      „Na gut.“



      Sie stochert in ihrer Schale herum.



      „Ich habe eine Nachricht für dich,“ sage ich nach einer Weile.



      „Von IHM?“



      „Ach was, nein! Trotzdem wirst du dich freuen. Dein Lösegeld wurde gezahlt. Ich habe das Formular bei Don Danielo gesehen.“



      Trotzdem weint sie leise weiter.



      „Was ist nur los mit dir?“ frage ich.



      „Ich möchte viel lieber an der Kette in der Küche eines armen Mannes sein, als Hausherrin in einem reichen Haus!“



      „Was?“



      Sie sieht mir in die Augen.



      „Du weißt, dass ich keine Freie Frau mehr bin!“



      „Und ob du das bist! Du musst es sein!“



      „Warum?“



      Ich weiß keine Antwort darauf.



      „Ich will Besitz sein und einen Senor erfreuen können.“



      „SENORA ELENA!!“



      „Begreifst du denn nicht? Ich will mit allem, was ich bin, lieben und dienen, ohne etwas zurück erhalten zu wollen! Ich will alles geben!“



      Ich bleibe stumm.



      „Du weißt, wovon ich spreche!“



      „Ich bin nur eine Magd im Halsreif! Ich kann nicht anders…“



      „Oh, du Glückliche!“



      „Psst! Ich glaube, ich höre die Wache. Zieh schnell dein Gewand an, Senor Elena! Und verhülle dein Gesicht! Wahrscheinlich wirst du abgeholt, um dem Gericht vorgeführt zu werden.“



      Sie tut es und zieht den Schleier über den Kopf bis nur noch ihre roten Augen sichtbar sind. Ich reiche ihr ihre Riemchensandalen.



      „Gestern war der glücklichste Tag meines Lebens!“ kommt gedämpft unter dem Stoff hervor.



      Ich umarme sie.



      „Ich werde ihn niemals wiedersehen! Nie mehr!“



      Dann hat der Wachmann uns erreicht. Er begleitet uns zu Don Danielo und der Senor erlaubt mir die Senora nach oben zu begleiten.



      *



      Mein Hausherr Don Marco sitzt auf der Empore inmitten seiner Beisitzer, vor sich eine Mappe, als wir den Saal betreten. Wir führen die verschleierte Senora Elena in den roten Kreis vor der Empore.



      „Ist das Senora Elena?“ fragt er.



      „Ja,“ antwortet Don Danielo.



      Ich knie mich etwas abseits auf den Boden der Halle. Don Marco wendet sich jetzt an die Verschleierte.



      „Sind Sie Senora Elena?“



      „Die bin ich,“ erwidert sie.



      „Sie wurden verhaftet und mit einem Kopfgeld belegt?“



      „Ja,“ bestätigt sie.



      „Kommen wir nun zum Collier,“ fährt Don Marco fort. „Erkennst du das Collier wieder?“



      Sein Beisitzer zur linken Seite öffnet ein Spankästchen und zieht ein Stück eines aufwendig gearbeiteten Schmuckstücks heraus.



      „Es sieht aus, wie das Schmuckstück, weswegen ich hier vorgeladen bin.“



      „Es ist das Collier,“ bestätigt Don Marco.
      Der Beisitzer verschließt das Kästchen wieder. Don Marco redet weiter:



      „Wissen Sie, warum Sie heute vorgeladen wurden, Senora Elena?“



      „Mein Lösegeld wurde bezahlt.“



      „Ist Ihnen die Identität Ihres Retters bekannt?“



      „Ich denke, es ist einer meiner Brüder.“



      „Nein.“



      „Ich verstehe nicht.“



      Senora Elena sieht ratlos aus.



      „Dass einer Ihrer Brüder das Lösegeld aufbringt, liegt sicher nahe…“



      „Es ist nicht einer meiner Brüder?“ fragt sie verwirrt.



      „Dass sich die Zahlung hinzog, haben Sie sicher bemerkt,“ spricht Don Marco weiter.



      „Ja.“



      „Ihre Brüder sperrten sich dagegen. Von ihrer Position aus betrachtet, ist es tatsächlich fragwürdig, Sie freizukaufen und wieder in alle Ihre Ämter einzusetzen. Ihr älterer Bruder hat das Haus übernommen und sich verpflichtet, für alle entstandenen Schäden aufzukommen. Er wird sich in seine Entscheidungen sicher nicht hinein reden lassen wollen. Und Ihnen mit einer monatlichen Apanage aus dem Gewinn einen angemessenen Lebensstandart zu gewährleisten, würde in der momentanen Situation Ihres Hauses die Bücher zu sehr belasten.“



      Senora Elena schaut zu Don Marco hinauf.



      „Wer hat mich denn nun losgekauft?“



      „Knie Gefangene!“



      Senora Elena fällt inmitten des rotmarkierten Kreises auf die Knie.



      „Es handelt sich um das Haus MacLaurie in Europa. Es gehört zu der Gruppe der Geschädigten Ihres Geschäftsgebarens!“



      Entgeistert sieht sie zu Don Marco auf.



      „Offenbar wurde ein Eid geschworen,“ erläutert er. „Und zwar auf die Ehre des Hauses MacLaurie. Zu dessen Erfüllung gehört es, Sie als Magd in das Haus zu bringen. Sie sollen nackt und in Ketten zu Füßen des Hausherrn vorstellig werden. Und Ihre Überstellung wird gemäß der Inhalte des Eides erfolgen!“



      Senora Elena beginnt zu zittern. Also das sind die Geschäfte, die diesen Clark MacLaurie nach Kak Aute geführt haben. Er hat gewartet bis die Überweisung des Geldes hier angekommen ist, und wird nun die Senora in Ketten nach Europa bringen.



      „Wollen Sie nicht aufspringen und zu fliehen versuchen?“ fragt Don Marco nun. „Wollen Sie nicht Einspruch erheben, aufschreien und das Gericht um Gnade anflehen? Oder Ihr Schicksal beklagen und Ihr Gewand zerreißen?“



      „Nein!“



      Er zeigt sich überrascht.



      „Was haben Sie noch zu sagen?“



      „Ich werde versuchen, meinem Herrn so gut zu dienen, wie ich es vermag.“



      Don Marcos Blick sucht meine Gestalt. Um seinen Mund spielt ein feines Lächeln.



      „Das garantiere ich Ihnen,“ sagt er zu Senora Elena.



      Dann liest er ab:



      „Es geschieht wie folgt: Sie soll entkleidet und mit einem Halsreif versehen werden. Dann erhält sie einen einfachen Schleier. Ferner erhält sie einen Knebel, da ihre Worte, Bitten und Klagen nicht von Interesse sind und das Haus MacLaurie nicht kümmern. Folglich soll sich das ehrenwerte Haus nicht belästigt fühlen. Gegen Mittag soll sie im Hangar nicht einem Bevollmächtigten des Hauses MacLaurie, sondern einem Mitglied der Familie übergeben werden, um sie an die Küste zu bringen, wo ein Schiff des Hauses vor Anker liegt.“



      Don Marco winkt den beiden Wachen an der Tür der Halle, die nun auf die Senora zugehen, um sie abzuführen.



      Kaum haben sie sich mit der Senora entfernt, geht eine andere Tür auf. Ein Mann tritt ein. Er sieht sehr verärgert aus. Im Halsreif lernt man schnell, dass man sich vor Männern in dieser Stimmung in Acht nehmen muss. Auf den ersten Blick kommt er mir aufgewühlt, zornig vor. Sind sie derart verdrießlich, muss man mit Schlägen rechnen, obwohl man gar nichts getan hat. Ich bin froh, im Schatten zu knien. Außerdem ist Don Danielo zugegen. Und auch Don Marco, mein Hausherr, weiß mich zu beschützen. Trotzdem ducke ich mich.



      „Warum lässt man mich warten?“ fragt der Mann laut.



      „Wir haben Verhandlungen zu führen,“ sagt Don Marco ruhig. „Aber da sie schon einmal hier sind…“



      Der Mann trägt eine karierte Mütze, eine Anzugjacke und einen karierten Rock. Er hat rotes Haar.



      „Bringt die Magd herein,“ sagt er zu dem Wachmann, der in diesem Moment die Halle wieder betritt.



      Der Mann verlässt die Halle wieder und kommt nach einigen Minuten zurück. An einer Kette führt er eine gefesselte und geknebelte Frau, die im Gehen zu Boden schaut. Ihr Kopf ist durch einen Schleier verhüllt.



      Der Mann dreht sich zu dem näherkommenden Paar um. Der Wachmann lässt die Kette los und zieht sich zurück. Don Marco sagt:



      „Die Magd…“



      „Du gehörst mir!“ ruft er mit zorniger Stimme.



      Sie scheint auf einmal zu zittern unter dem Schleier und will aufschauen, doch er redet wütend weiter:



      „Wag es nicht mich anzusehen, du wertlose Schlampe!“



      Er winkt dem Vorsitzenden wütend zu. Don Marco winkt den Wachmann zu sich, der Senora Elena hereingebracht hat. Wenige Worte, dann nähert sich der Mann der Senora und öffnet mit einem Schlüsselchen den Halsreif. Der Besucher öffnet nun ein Spankästchen und entnimmt ihm einen anderen Halsreif, den er ihr anlegt, nachdem er sie grob umgedreht hat. Dabei sagt er:



      „Auf dem Halsreif steht: ‚Ich bin Eigentum des Clark aus dem Haus MacLaurie‘.“



      Clark – bleiben wir nun bei diesem Namen - zieht einmal kräftig daran. Der Halsreif schmiegt sich bestimmt umso fester an, besonders da der Stoff des Schleiers unter ihm klemmt. Dann höre ich ein Klicken.



      Unbewusst, ohne dass ich mir etwas dabei denke, wandern meine Finger an meine Kehle. Ich küsse meine Fingerspitzen und führe sie dann an meinen Halsreif. Don Danielo wirft mir einen kurzen Blick zu.



      Da lege ich meine Hände schnell wieder flach auf meine Oberschenkel und richte mich ängstlich wieder auf. Ich bin erleichtert, dass Don Danielo nichts dazu sagt. alsHH





      „Dreh dich um und behalte den Kopf unten, du namenlose Schlampe,“ sagt Clark gerade.



      Sie gehorcht.



      „Knie nieder,“ redet Clark weiter. „Vielleicht entsinnt sich die Magd, die vormals Senora Elena war, dass sie das Haus MacLaurie betrogen hat. Wir haben den Namen Elena tu Kak Aute nicht vergessen. Vor wenigen Wochen kam uns zu Ohren, dass sie verhaftet wurde und auf ihre Auslösung wartet.

      Nun, du kannst dir sicher denken, dass wir es nur ungern sähen, wenn die feine Senora irgendwo auf einer Auktion landet, um auf diese Weise ihr Lösegeld aufzubringen und in irgendeinem Halsreif zu landen. Nein, wir wollten sie vor diesem Schicksal bewahren. War sie nicht ein ehrenwertes Mitglied unserer Zunft?

      So entschieden wir, als Geste der Zunftzugehörigkeit und Gutmütigkeit, ihr Lösegeld zu zahlen, und damit einen Teil des Schadens, den sie verursacht hat, wieder gut zu machen. So brachten wir diese Summe auf, eine beileibe nicht geringe, das versichere ich dir! So stellten wir sicher, dass wir sie als freie Frau in unsere Hände bekommen. Wie wollen wir danach mit ihr verfahren? Wir befürchteten, dass sie sich dem Willen und Handeln eines anderen Herrn unterwerfen muss, und nicht dem Willen und Handeln des Hauses MacLaurie. Unsere Bedenken waren jedoch unbegründet, denn jetzt untersteht sie unserem Willen und Handeln und ist ganz besonders MEINE Magd. Die des letztgeborenen Sohnes des Hauses MacLaurie. Auch dieser Bedeutung bist du dir bestimmt bewusst, dass du nun als die niederste Magd des Hauses MacLaurie giltst! Sei dir trotzdem sicher: Ich werde dich dem Hausherrn, dem Obersten des Hauses MacLaurie präsentieren, denn darauf wurde ein Eid geschworen! Genau darum bin ich nach Kak Aute gekommen: Ich werde dich meinem Vater nackt und in Ketten vor die Füße werfen!“



      Tiefer kann die Magd ihren Kopf nicht senken.



      „Wir werden dir strengste Disziplin auferlegen,“ schiebt er seinem Vortrag hinterher. „Es wird lustig, dich den Gästen vorzuführen und ihnen deinen Werdegang zu unterbreiten, während du das Essen servierst. Und damit du nicht vergisst, wer du einmal warst und was du getan hast, erhältst du einen passenden Namen!“



      Sie drückt ihre Stirn auf den Boden.



      „Du sollst Elena heißen!“ bellt er erhitzt.



      Etwas weniger laut ergänzt Clark:



      „Du darfst dich wieder aufrichten, Magd! Aber behalte den Kopf gesenkt!“



      Die Magd, namens Elena, gehorcht zitternd.



      „Ich hasse dich,“ sagt er ruhig. „Ich hege einen tieferen Grund für meinen Groll, als deinen Betrug an uns! Wirst du wohl deinen Kopf unten behalten?“



      Sie tut es.



      „Du begreifst nicht, was ich meine, nicht wahr?“



      Sie brummt zweimal unter dem Knebel.



      „Ah, du hast schon gelernt, wie man sich geknebelt verständigt? Ausgezeichnet!“



      Sein Zorn ist mir schleierhaft.
      „Du hast dem Haus MacLaurie in doppelter Hinsicht Schaden zugefügt: Zum Einen dem Haus selbst, zum Anderen mir persönlich, als Mitglied des Hauses. – Du sollst mich nicht ansehen!“



      Eilig weicht sie seinem Blick aus. Er ballt die Fäuste.



      „Verflucht sei die Ehre des Mannes!“ platzt es unvermittelt aus ihm heraus.



      Sein Aufbrausen erschreckt mich zutiefst. Ich schaue auf. Nicht so verstohlen wie bisher, sondern offen, genauer und weniger unauffällig. Er dreht mir den Rücken zu. Bisher habe ich ihn noch nie so erlebt. Die wenigen Male, die wir ihn getroffen haben, ist er ruhig gewesen, humorvoll und bisweilen väterlich befehlend.



      „Wie schwer du mich getroffen hast!“ schreit er vor Wut. „Deinetwegen habe ich die schönste und begehrlichste Magd der Welt verloren - die Frau, die ich liebte! Ja, hier in diesem Felsennest habe ich die Liebe meines Lebens gefunden, und was muss ich tun? Mich mit dieser Sache herumschlagen, die Schlampe Elena auslösen! Geld ausgeben um sie loszukaufen, statt es auszugeben für die, die für mich unvergleichlich ist. Verflucht sei die Ehre! Ginge es nicht um die Ehre des Hauses MacLaurie, könnte ich dich vergessen und statt deiner den Herrn der Magd Chica aufsuchen. Müsste ich nicht ehrbar bleiben, fände ich meine Liebe und nähme mit ihr Reißaus. – Knie dich hin und behalte den Kopf unten!“



      Er umrundet die Magd und geht hinter ihr in die Hocke, um einen ihrer Knöchel zu umfassen. In ihrer Furcht versucht sie, den Fuß ein wenig weg zu ziehen.



      „Hast du Angst davor, von einem Mann angefasst zu werden?“ fragt er. „Du wirst dich daran gewöhnen! Nicht übel, der Knöchel! Er ist genauso schlank wie IHRER! Eine Fessel wird sich gut daran machen!“



      Er schiebt seine Hand weiter unter den Schleier, vermutlich an die Innenseite eines Oberschenkels. Sie zuckt, wirft kurz den Kopf zurück, schaut dann aber wieder zu Boden.



      „Du wirst dich daran gewöhnen,“ meint er und steht wieder auf. „Dein Körper mag viele Reize haben, dennoch wirst du es nie mit IHR aufnehmen können. Ist sie die Sonne, so bist du der Mond!“



      „Du, meine feine Senora Elena, möchtest vielleicht wissen,“ redet er weiter, „dass deine Nebenbuhlerin, die ich dir tausendmal vorziehe, eine der niedersten Mägde in Kak Aute ist. Oft trug sie nur ein paar Lumpen.“



      Jetzt fängt die Magd Elena unbeherrscht an zu zittern. Sie wirkt sehr aufgewühlt, zerrt an der Fessel und stößt unverständliche Laute unter dem Knebel hervor; behält aber den Kopf unten.



      „Stimmt etwas nicht?“ fragt Clark. „Was ist los?“



      „Sie will bestimmt betteln,“ mutmaßt er. „Erwarte nicht den geringsten Gefallen oder Rücksicht, neue Magd!“



      Sie wimmert mitleiderregend und voller Verzweiflung.



      „Ach ja, ich hörte Gerüchte, die Senora Elena hätte wunderschöne Kurven unter ihrem Gewand. Du brauchst keine Angst zu haben, zu kurz zu kommen!“



      Die Magd bebt vor Emotionen. Ich bin froh, die Senora im Gefängnis ein wenig in die Leibeigenschaft eingewiesen zu haben. Es ist ihr ein dringendes Bedürfnis gewesen zu lernen, wie sie einem gewissen Besucher von Kak Aute noch näher kommen konnte. Ich muss sagen, sie ist eine gelehrige Schülerin gewesen.



      „Deine Befindlichkeit ist ganz wichtig!“ erklärt er ihr. „Dein Verstand, deine Gefühle und Begierden… In der Leibeigenschaft liegen dein Herz und deine Zuneigung begründet und blühen auf.“



      Ich habe mich in unseren Gesprächen besonders auf den psychologischen Aspekt konzentriert. Ich habe ihr von der Natur und ihren Gesetzen erzählt, wie ich es von Uéi –Sonne- gehört habe. Ich habe über die mentale Gesundheit, Dominanz und Unterwerfung geredet, von Respekt, Achtung, Ehre und Verantwortung. ‚Sei ergeben und feminin,‘ habe ich ihr geraten. ‚Sei eine Magd. Höre deinem Herrn zu! Besonders achte auf die Zwischentöne!‘ Wir möchten, dass die Senores zärtlich und liebevoll sind, gleichzeitig aber auch ein strenges Regiment führen.



      „Wir müssen den Ort bald verlassen,“ sagt er. „Heb deinen Kopf! Schau mich an!“



      Sie sieht ihn an wie von Sinnen.



      „Oh nein!“ klagt er auf einmal. „Deine Augen sind wie IHRE! Sie erinnern mich an SIE!“



      Sie fällt vor ihm auf den Bauch und widmet sich seinen Schuhen und Unterschenkel mit Küssen.



      Wütend stößt er sie mit dem Fuß von sich.



      „Sie hat die gleichen Augen wie meine geliebte Magd!“



      Sie ist dadurch auf die Seite gefallen mit den Händen gefesselt im Rücken und schaut zu Clark auf. Da bückt er sich plötzlich, packt sie grob und zieht sie auf die Knie.



      „Ich nehme an, deine Haare sind ebenfalls dunkel, so wie IHRE,“ seine Stimme nimmt einen sanften Ton an. „Vielleicht erfährst du – wenn du mich so sehr an sie erinnerst – Milde von mir, wie du sie anderweitig nie erwarten könntest. Es kann sein, dass ich manchmal die Peitsche zurückhalte, weil ich meine geliebte Chica in dir sehe.“



      Nun zieht er sie ganz hoch.



      „Du hast ja Tränen in den Augen,“ stellt er fest. „Richtig so! Tränen der Furcht! – Wir müssen zum Hangar. – Wie, du trittst so eifrig vor? Schaust mich so an?“



      Clark dreht sich um und macht einen Schritt zum Ausgang. Dann wendet er sich wieder zu ihr um.



      „Du ziehst nicht an der Kette?“



      Sie schüttelt heftig den Kopf, allem Anschein nach glücklich.



      „Überhaupt – was hat es eigentlich mit diesem Schleier auf sich? Sollst du meinem Vater nicht nackt vorgeführt werden?“



      Er lässt die Kette los, die nun locker vom Halsreif herab baumelt. Dann fasst er mit beiden Händen zu und zieht den Stoff unter dem Halsreif hervor.



      „Aiiii,“ ruft er überrascht aus und lässt den Schleier los, der zu Boden schwebt.



      Er macht einen Schritt rückwärts, um die Gestalt im Ganzen zu erfassen. Sie sinkt jedoch zu seinen Füßen. Er beugt sich zu ihr hinunter, geht in die Hocke und entfernt den Knebel.



      „Ich liebe dich, Senor,“ schluchzt sie, „Ich liebe dich.“



      Er richtet sie auf den Knien auf und hockt sich vor sie, sie an den Oberarmen festhaltend.



      „Was für ein Wahnsinn! Ich fasse es nicht! Bist du nicht meine Chica?“



      „Ich bin, was immer ich für dich bin, Senor,“ bekennt sie.



      „Aber was ist mit Senora Elena tu Kak Aute?“



      „Ich war sie,“ schluchzt sie.



      „Du bist Chica!“



      „Chica war Senora Elena tu Kak Aute,“ antwortet sie leise.



      „Chica war eine Magd!“



      „Nein, sie war frei. Der Gefängnisaufseher erlaubte ihr in seinem Großmut, in der Stadt auszugehen unter der Bedingung, dass sie einen Halsreif und Mägdekleidung trägt. Glaube mir, sie wäre niemals geflohen.“



      Ungläubig starrt er sie an.



      „Du warst Senora Elena tu Kak Aute?“



      „Bis heute morgen, geliebter Herr.“



      „Warum hast du mir dann nie gesagt, dass du frei bist?“



      „Wärst du dann nicht gehemmt gewesen? Hättest du mich überhaupt angesehen? Deshalb solltest du mich nicht als das sehen, was ich aufgrund irgendwelcher Rechtswege war, sondern als das, was mein Herz mir sagte, was ich immer sehnlichster zu sein wünschte: eine vollständige Frau, kein Wesen zwischen den Geschlechtern, kein Mannweib!“



      „Und genauso habe ich dich auch wahrgenommen.“



      „Zu Recht, Senor.“



      „Trotzdem hättest du mir gestehen müssen, dass du frei bist!“



      „Nein, Senor.“



      „Warum nicht?“



      „Weil in deiner Nähe fühlte ich mich unfrei, fühlte ich mich von Anfang an von dir besessen!“



      Plötzlich küssen sich beide.



      „Und ich,“ ruft er, „wollte dich von Anfang an in meinem Halsreif sehen!“



      „In deinem Halsreif stecke ich nun,“ flüstert sie und schmiegt sich vollflächig an ihn.



      Er hält sie von sich ab und fragt mit Falten in der Stirn:



      „Wie konntest du Senora Elena tu Kak Aute sein?“



      „Vergiss diese kalte, raffgierige und arrogante Frau,“ bittet sie. „Denk nur an die Magd in deinen Armen, die für dich sterben würde!“



      „Ich muss dich meinem Vater vorführen.“



      „Tu es! Ich bitte darum.“



      „Was soll ich nur mit dir machen?“



      „Ich hoffe, mein Herr macht mit mir, was er möchte.“



      „Ich liebe dich!“



      „Ich liebe dich auch, Senor!“



      „Chica!“



      „Elena,“ berichtigt sie ihn.



      „Du wirst schnell genug auf beide Namen reagieren,“ sagt er vorausschauend.



      „Ja, Senor,“ beteuert sie glücklich. „Ich werde dir dienen.“



      „Mir dienen?“



      Es scheint, als erwache er aus einem Traum. Er stößt sie von sich, so dass sie rücklings auf die Bodenmatten fällt.



      „Beine auseinander, Magd!“



      „Ja, Senor,“ sagt sie lächelnd und nimmt die Position ein, die ich ihr beigebracht habe.



      „Schamlos,“ sagt Don Danielo zu mir.



      „Ja, Senor,“ antworte ich lächelnd.



      „Ich frage mich, wie sie sich als Magd machen wird,“ resümiert er.



      „Bestimmt ausgezeichnet, Senor!“



      „Senor,“ sagt Don Marco nun. „Das Gericht muss einen weiteren Fall behandeln.“



      „Wir brechen sofort auf,“ erwidert Clark MacLaurie.



      Er wendet sich zum Gehen. Sie folgt ihm durch die Tür und ist damit unseren Blicken entschwunden.

      .

      .

      .



      -6-



      Monate später, ich diene wieder im Gastraum Don Francescos, sehe ich dort einen fremden Gast sitzen. Der Senor ist hellhäutig und hat helle Haare. Ich schätze ihn nur wenig älter als ich. Ich gehe zu ihm, mache einen Knicks und frage:



      „Darf ich dem Senor das Standart-Essen bringen?“



      „Wie heißt du?“ fragt er mich zurück.



      „Ich bitte um Entschuldigung. Rosa, wenn es dem Senor gefällt,“ antworte ich.



      „Okay, Rosa. Ja, bring’ mir das Essen!“ entscheidet er.



      Wenige Minuten später serviere ich ihm den dampfenden Teller.



      „Was darf ich dem Senor dazu zu trinken anbieten?“ frage ich nun.



      „Einen Fruchtsaft, Rosa,“ sagt er.



      Er beginnt zu essen, während ich ihm schnell sein Getränk besorge.



      Die Männer der Wache von Kak Aute sitzen nach ihrem Essen noch ein wenig zum Reden beieinander. Don Marco begleitet einen Gast zur Tür, der gekleidet ist wie ein nordafrikanischer Beduine. Durch die Schwingtür der Küche sehe ich, dass mein Hausherr den neuen Gast mit Kopfnicken im Vorbeigehen begrüßt, dann ist er aus meinem Blickfeld verschwunden.
      Als die anderen Männer einer nach dem anderen aufbrechen, etwa zehn Minuten später, schaue ich noch einmal nach dem neuen Gast. Er sieht unschlüssig aus. Ich räume Teller und Besteck ab und frage ihn, ob er einen weiteren Wunsch hat. Er bestellt einen Tee, den ich schnell frisch aufbrühe und ihm serviere. Der Mann sieht sehr nachdenklich aus. Bald darauf betritt Don Marco den Gastraum erneut.



      „Hallo, Don Pedro. Ich hoffe, das Essen meines Küchenmeisters hat Ihnen geschmeckt,“ vermutet er lächelnd.



      „Aber ja, sehr gut sogar,“ gibt er lächelnd zurück, was mich freut.



      Don Marco nimmt neben dem neuen Gast Platz und ruft nach mir.



      „Rosa! Bring mir einen Mate-Tee!“



      Minuten später bringe ich ihm den Tee und fülle die Teeschale des Gastes noch einmal nach. Währenddessen fragt Don Marco den Gast:



      „Sie sind Geologe, Don Pedro?“



      „Noch nicht, Don Marco. Ich befinde mich in der Endphase meines Geologie-Studiums. Mein Professor hat mir zu dieser Reise geraten, um eine wissenschaftliche Abhandlung zu schreiben, die Teil meines Examens wird,“ antwortet dieser.



      „Sie brauchen dafür Gesteinsproben aus verschiedenen Schichten des Tepui, die sie chemisch behandeln?“



      Der Gast nickt.



      „Und Sie machen sich professionelle Fotos, exakt ausgeleuchtet, für ihre Arbeit?“ fragt Don Marco weiter.



      „Leider nein. Sie würden das Ganze sicher auflockern, veranschaulichen – und hätten einen Aha-Effekt, der mir bestimmt von Vorteil wäre bei der Bewertung… Warum fragen Sie?“



      „Wir haben seit vier Monaten einen deutschen Naturfotografen im Ort, der ein Fotobuch über die Pflanzen- und Tierwelt auf einem Tepui realisieren will. Donna Martinez kümmert sich um sein Projekt, das natürlich etwas in die Länge gezogen wird, da Don Hernando nebenbei die Feinheiten eines Herrn im gorean Lifestyle erlernt, was ich Ihnen ebenfalls ans Herz legen würde! – Ich mache Ihnen einen Vorschlag: Erlernen Sie den Umgang mit einer alten Waffe und den spirituellen Bezug dazu. Welche das sein wird, das dürfen Sie in den nächsten Tagen selbst entscheiden. Dann klettern Sie beide unter Führung unseres Mitarbeiters, des Pemón Ronaldo halbtags auf und im Tepui herum. Sie beide erhalten dadurch die Fotos, die Sie brauchen – und Sie, Don Pedro, hätten einen professionellen Fotografen dabei, der das Beste aus den Bildern herausholt.

      Während Ihres Aufenthalts wohnen Sie natürlich als unser Gast hier in Kak-Aute in einem eigenen Zimmer und ich gebe Ihnen eine Magd dazu, die sich im Ort auskennt,“ schlägt mein Hausherr dem Gast vor.



      „Das Angebot ist verlockend, Don Marco! Was muss ich denn dann für Sie tun?“ fragt dieser zurück.



      „Für mich persönlich nichts, Don Pedro. Für die Community! Und zwar – was sagen Sie dazu, ein sterbendes Dorf in Alemannia mit finanzieller Anschubhilfe der Community wieder zu beleben?“



      Der Gast zieht die Stirn in Falten und Don Marco lacht gewinnend.



      „Don Pedro, auch in Alemannia gibt es Verstädterung. Die Menschen streben in die Metropolen auf der Suche nach Arbeit und Einkommen und die Dörfer bleiben leer zurück. Die älteren Mitbürger sterben aus und die Erben veräußern ihren Besitz unter Wert. Natürlich ist auch die Infrastruktur ausgedünnt. Hier wäre eine Aufgabe für Sie, wie Uéi es sicher andeutete.“



      Don Pedro, wie der Gast wohl heißt, macht ein nachdenkliches Gesicht.



      „Sie brauchen sich jetzt noch nicht zu entscheiden!“ relativiert Don Marco. „Sie sind noch mehrere Monate hier. Danach kümmern Sie sich erst um ihr Examen! – Und wenn Sie wollen, greift Ihnen die Community unter die Arme!“



      „Okay, Don Marco. Der Fahrplan gefällt mir! Ich hätte da noch eine Frage: In meiner Begleitung befand sich eine Studentin, namens Marion Müller…“ nimmt der Gast an.



      „Die Kleine befindet sich in Obhut der Community. Sie zeigte Anlagen zu einer Magd, die wir herausbilden wollen. Sie befand sich in Ihrer Begleitung und sie fühlen sich für Sie verantwortlich? Oder sind da noch andere Gefühle dahinter?“ forscht Don Marco.



      „Sowohl, als auch, Don Marco,“ antwortet der Gast.



      „Ich verspreche Ihnen, dass die Kleine Sie bei Ihrer Rückkehr nach Deutschland begleiten wird! Vielleicht ergibt sich ja schon eine frühere Zusammenführung,“ verspricht Don Marco und zuckt mit den Schultern.



      „Rosa!“ ruft er dann.



      Ich weiche erschrocken von der Schwingtüre zurück. Eine Magd hat nicht neugierig zu sein. Dann aber folge ich dem Ruf und gehe hinaus in den Gastraum. Dort knickse ich und schaue erwartungsvoll, ob Don Marco noch etwas aus der Küche wünscht.



      „Senor?“ beginne ich.



      „Ausziehen! Grundstellung!“ kommen zwei schnelle Befehle aus seinem Mund.



      Erschrocken hebe ich meinen Poncho über den Kopf und lasse ihn zu Boden gleiten. Dann knie ich mich hin und setze mich auf die Fersen. Dabei öffne ich die Beine weit und senke den Kopf. Der Gast begutachtet mich ausgiebig.



      „Gefällt sie Ihnen?“ fragt Don Marco. „Sie gehört Ihnen während ihres Aufenthalts hier, solange Sie mögen!“



      „Gern, Don Marco,“ freut sich der Gast.



      „Du darfst dich wieder anziehen, Rosa! Räume ab und folge uns dann!“ weist mich Don Marco an.



      „Ja, Senor,“ bestätige ich gehorsam und werfe mir den Poncho wieder über.



      Als ich in der Küche fertig bin, folge ich den Senores in gebührendem Abstand zu Don Marcos Wohnung. Don Marco ruft beim Eintritt seine Magd zu sich. Elinor begrüßt ihren Herrn wie es sich für eine von uns gehört mit einem tiefen Knicks, nimmt seine rechte Hand, die er ihr entgegen hält, küsst den Handrücken und drückt anschließend ihre Stirn gegen den Handrücken.



      Don Marco erklärt dem Gast lächelnd:



      „Diese Magd begann von selbst, sich so zu verhalten. Niemand hat es ihr antrainiert. Es war ihr ein Bedürfnis. Es ist keinesfalls ein Rollenspiel! Und wissen Sie auch, warum?“



      „Nein, Don Marco…“ dehnt Don Pedro.



      „Elinor, sprich du!“ fordert mein Hausherr seine persönliche Magd auf.



      Diese wendet sich nun dem Gast zu, deutet einen Knicks an und senkt den Blick.



      „Ich grüße Sie, Senor,“ beginnt sie. „Ich habe meinen geliebten Herrn vor ein paar Jahren in den Oststaaten kennen gelernt und war fasziniert. Ich wurde Ihm als Guide zur Seite gestellt von meiner damaligen Firma. Mein späterer Herr lud mich nach Feierabend öfter zu Eventbesuchen ein und an Wochenenden zu kleineren Ausflügen in die Umgebung. Es tat mir wohl, in seiner Nähe zu sein. Er war immer zuvorkommend und rücksichtsvoll, bedrängte mich nie. Er bestimmte bald, was wir unternahmen und ich ließ es zu. Unsere Beziehung gewann über Wochen eine große Nähe und Gefühlstiefe, beschreibbar etwa mit dem griechischen Wort ‚Agape’, nicht ‚Eros’. Dann musste mein Herr wieder in seine Heimat. Es hinterließ ein riesiges Loch in meiner Seele. Wir hielten Kontakt übers Internet und er erzählte mir von einem völlig anderen, dem gorean Lifestyle. Ich fuhr im Urlaub zu Ihm und bekam einfühlsam Einblick in diesen Lebensstil. Als ich nach vier Wochen wieder zurück in die Staaten musste, an meinen Arbeitsplatz, da stellte er mich vor die Wahl, unter Ihm leben zu wollen oder mein altes Leben weiterzuführen. Natürlich entschied ich mich für meinen geliebten Herrn – und würde das immer wieder tun.

      Ich weiß, wie sich eine Magd zu benehmen hat, aber mein Herr hat, um mit seinen Worten zu sprechen ‚mir alle Zeit der Welt gegeben’ mich hinein zu finden. Und – Sie können mir glauben, Senor: Wenn eine Frau das Bedürfnis verspürt zu dienen, dem Mann zu dienen, der sich einfühlsam um sie bemüht, dann ist der genannte Zeitraum kürzer, als wenn er sie sich unterwirft!“



      „Alle ihre Gesten, die Sie sehen, kommen aus ihrem Herzen, Don Pedro. Keine Ausbilderin wurde vorgeschaltet. Sie war sich selbst die beste Ausbilderin. – Und ich denke, die kleine Magd in Ihrer Begleitung bei der Ankunft in Kak-Aute, ist sich ebenfalls ihre beste Ausbilderin. Sie ist ein Naturtalent!“ ergänzt Don Marco noch.



      „Wo ist sie, Don Marco?“ fragt der Gast.



      „Keine Chance, Don Pedro. Wir haben den Fahrplan besprochen und weichen keinen Deut davon ab!“ bleibt Don Marco hart.



      „Ich habe die Verantwortung für Marion!“ versucht es Don Pedro weiter.



      „Es zeigt mir, dass Sie auf einem guten Weg sind, Don Pedro! Starkes Verantwortungsbewusstsein und Pflichtgefühl unter Vernachlässigung der eigenen Gesundheit zum Wohle des Ganzen, zeichnet einen guten Herrn aus! Zusammen mit anderen Eigenschaften, wie zum Beispiel Achtung, Respekt, Ehrenhaftigkeit, Ehrlichkeit, Offenheit. Bilden Sie diese mittels des besprochenen Fahrplanes weiter heraus und nehmen sie dann die kleine Magd wieder mit zurück nach Deutschland! Bis dahin garantiere ich Ihnen, dass wir genauso gut auf sie achten, als wären Sie an ihrer Seite!“



      Don Marco gibt Elinor einen Wink und sie geht zu einem Krug, schüttet zwei Schalen halb voll Tee und bringt sie den Senores. Nacheinander führt sie jede Schale an ihre Lippen und reicht die Eine zuerst Don Marco, die Zweite dann Don Pedro. Don Marco geht zu einem Schrein an der Zimmerwand, taucht seine Finger in den Tee, murmelt etwas und erklärt dem Gast:



      „Dieser Stein ist unsere Verbindung zur Mutter Natur. Mit dieser Zeremonie ehren wir die Natur, von der wir ein Teil sind. In Gegenwart des Steins, werden Schwüre geleistet und Verträge geschlossen. Ich möchte, dass sie diese Zeremonie hier unter Zeugen wiederholen, wenn sie gewillt sind, unsere Vereinbarung einzuhalten, Don Pedro.“



      Der Gast zieht erstaunt die Augenbrauen hoch und benetzt den Stein ebenfalls mit ein paar Tropfen.
      „Nun lassen Sie uns die Schalen leeren! Auf eine gemeinsame Zukunft zum Wohle der Natur und der Erde!“



      „Zum Wohl der Natur und der Erde!“ wiederholt der Gast die von Don Marco verwendete Formel und trinkt seine Schale leer.



      Dann sagt Don Marco:



      „Rosa wird sie nun zu ihrem Zimmer bringen, Don Pedro. Was Sie tun in Bezug auf unsere Vereinbarung bleibt in Ihrem Ermessen. Sie sind verantwortlich! Rosa wird Ihnen alle Fragen beantworten können. Sie wird Ihnen auch sagen können, wo Sie mehr erfahren können. Sie gehört Ihnen!“



      Don Pedro aus Alemannia schaut mich an. Sofort gehe ich vor ihm auf die Knie und beuge meinen Kopf in seine Richtung. Er verabschiedet sich von Don Marco und sagt:



      „Auf, Rosa!“



      Dann wendet er sich zur Tür. Ich erhebe mich um ihm zu folgen. Im Hinausgehen sagt Don Marco lächelnd zu Don Pedro:



      „Der goreanische Gruß hält die Menschen aus Respekt auf Distanz. Man hebt die rechte Hand in Höhe des Herzens auf der linken Brustseite. Aber das lernen Sie noch alles…“



      Don Pedro nickt meinem Hausherrn kurz zu und Elinor lässt uns mit einem Knicks hinaustreten. Draußen auf dem Gang wendet er sich zu mir um und sagt:



      „Dann wollen wir mal. Zeige mir meine Wohnung, Rosa!“



      Don Marco hat mir eine Nummer genannt, so dass ich weiß, welches der Gästequartiere er für Don Pedro vorgesehen hat und ich ihn führen kann.



      „Ja, Senor,“ bestätige ich und darf nun an der Seite des Herrn gehen, während ich ihm sonst ja folgen müsste.



      Unterwegs spricht mich Don Pedro auf die Erzählung Elinors an:



      „Ist das, was Elinor eben erzählte, eigentlich die Regel, Rosa? Entdecken alle Frauen die Magd in sich auf diese Weise?“



      Ich bleibe stehen und schaue den Mann lange an.



      „Senor, das nenne ich den Idealfall! Die überwiegende Mehrheit der Frauen entdecken da etwas in sich, was sie lange nicht wahrhaben wollen und unterdrücken. Dann lernen sie einen Mann kennen, von dem sie annehmen, dass er zu ihnen passt und dieser nutzt den Charakterzug der Frauen schamlos zu seinem Vorteil aus – ganz in der Tradition der westlichen Kultur.“



      Don Pedro kräuselt etwas die Stirn. Ich fahre fort, indem ich ihm meine Vorgeschichte unterbreite:



      „Ich stamme aus Haiti. Ich wurde als Fünfzehnjährige mit einem doppelt so alten Mann verheiratet, der trank und mich schlug. Irgendwann lief ich weg. Für meinen Lebensunterhalt ging ich abends mit anderen Männern nachhause. Das ging einige Jahre so bis ich einen Mann kennen lernte, der mich aufnahm. Ich kochte und wusch für ihn, hielt seine Wohnung sauber. Er war auf verschiedenen Sexseiten im Internet unterwegs und zeigte mir, was er dort sah, um es mit mir nachzuspielen. Es begann erst ganz harmlos. Ich hatte inzwischen großes Vertrauen zu dem Mann gefasst. Ich war naiv…“



      Plötzlich nimmt Don Pedro meine Hand. Erschrocken schaue ich zu ihm auf und entziehe mich ihm reflexartig. Gleich darauf fällt mir der Fehler auf und ich werfe mich ihm zu Füssen. Bevor ich jedoch etwas sagen kann, ist er vor mir in die Hocke gegangen und streicht mir sanft über meine Haare.



      „Rosa, keine Angst!“ kommt es mit einer nie gehörten Seelenwärme aus seinem Mund.



      Meine Augen werden feucht. Er fasst mich an den Schultern und hebt mich im Knien in eine aufrechtere Haltung. Ich rede stockend weiter:



      „Senor, was dann folgte war schlimm. Er war nie zufrieden. Immer mehr, immer härter, immer…“



      Ich muss mir über die Wange wischen.



      „Anfangs hat er mit mir gekuschelt, mich nach den Sessions immer beruhigt. Auf einmal war er verschwunden…“



      Don Pedro legt mir den Arm um die Schultern. Ich muss, in der Erinnerung gefangen, kurz laut aufschluchzen. Dann lehne ich mich bei ihm an und presse meine Stirn an seine Hand.



      Nach einigen Sekunden habe ich mich soweit wieder in der Gewalt, dass ich, wenn auch mit zittriger Stimme, sagen kann:



      „Ich sollte Sie nicht mit meiner Vergangenheit belästigen, Senor.“



      „Steh’ auf, Rosa. Du belästigst mich nicht damit!“ antwortet der Senor und erhebt sich selbst. „Ich habe dich schließlich gefragt und du hast mir ein Beispiel aus dem Leben genannt… Wie kamst du dann mit der Community in Kontakt und hierher?“



      Ich rappele mich auf und weise auf den Weg. Im Gehen erkläre ich dem Mann:



      „Wissen Sie, Senor. Ich hatte ein schlimmes Bild von den Männern. Ich dachte, das ist normal so. Ich ging in ein Internet-Café, um mir einen neuen Herrn zu suchen. Gleichzeitig wollte ich aber auch weg von Haiti. Da entdeckte ich zufällig die Seite der Community. Ich meldete mich neugierig an, las die Beiträge, kommentierte hier und da und lernte auf diese Art einen Herrn kennen, der mich nach Venezuela einlud. So kam ich hierher.“



      „Der Mann wurde dein Herr?“



      „Nein, er bot mir an, den gorean Lifestyle real kennen zu lernen. Ich solle her kommen und hier arbeiten und lernen. Alles Weitere würde sich dann sicher ergeben, versprach er mir.“



      „Ah,“ macht Don Pedro.



      „Ich kam zu der Ausbilderin Uéi und nach mehreren Monaten fragte der Küchenmeister von Don Marco nach einer Küchen- und Servierhilfe. Ich wohne hier in einem Zimmer mit drei anderen Mägden. Die Nächte schlafe ich dort oder bei diesem oder jenem Herrn, der sich Entspannung wünscht.“



      „Don Marco hat gesagt, ich könne dich haben, das heißt wohl für immer.“



      „Ja, Don Pedro, solange ich Ihnen gefalle.“



      „Mein Herz hängt wohl an einer anderen Magd, die für mich im Moment unerreichbar ist.“



      „Ich hörte das aus den Gesprächen heraus, Don Pedro. Ich will mich trotzdem bemühen, Ihnen perfekt zu dienen – bis die andere Magd ihre Ausbildung beendet hat und Sie Kak-Aute verlassen. Ich hätte einen großen Wunsch für danach… Nein, das ist nicht richtig!“



      „Was ist nicht richtig, Rosa?“



      „Ich möchte dazu jetzt nichts sagen, Don Pedro. Das wäre nicht gut. Lassen wir die Zeit entscheiden. – Wir sind da.“



      Inzwischen haben wir die Wohnung erreicht, die Don Marco für Don Pedro vorgesehen hat. Er öffnet die Eingangstür und schaut sich eingehend um. Dabei öffnet er auch die Türen der zur Wohnung gehörenden Nebenräume. Dann geht er quer durch die Halle zum Fenster und schaut hinaus in den Höhlenraum mit den Pflanzen und dem See am Grund. Schließlich inspiziert er neugierig die Truhen. Erfreut ruft er dabei aus:



      „Ah, meine Ausrüstung befindet sich auch schon hier!“



      Er nimmt verschiedene Gegenstände in die Hand, besieht sie sich von mehreren Seiten und legt sie vorsichtig zurück.



      Während er sich mit seiner Wohnung vertraut macht, habe ich mich neben den Tisch gekniet, auf meine Fersen gesetzt und die Schenkel gespreizt. Ich schaue dem Senor unschlüssig zu. Er hat mich scheinbar kurzzeitig völlig vergessen.



      Dann wendet er sich wieder zu mir und sagt: „Ich glaube, der heutige Tag war etwas viel für mich. Diese Fülle an Information hat mich zerschlagen. Es ist zwar erst Nachmittag, aber ich mache heute nichts mehr.“



      „Senor?“ frage ich, denn in seiner Erklärung finde ich keine Anweisung für mich.



      „Ja?“



      „Darf ich mich dann zurückziehen? Oder darf ich meine persönlichen Sachen hier bei Ihnen einräumen?“ frage ich ihn.



      „Ich mag im Moment nur allein sein, Rosa. Komm morgen früh zur Frühstückszeit wieder zu mir,“ meint er nun.



      Kajiras wird antrainiert ihre Gefühle im JETZT auszuleben. Sie dürfen sich nicht zurückhalten, weil gesellschaftliche moralische Zwänge das gerade nicht für ‚schick‘ halten. Die meisten Kulturen auf der Erde billigen das sofortige Ausleben der Gefühle nur Tieren zu. Deshalb auch wurden wir zu Anfang unserer Ausbildung in Kak Aute auf die Stufe der Tiere zurück geworfen: Wir sollten die gesellschaftlichen und moralischen Hürden überwinden, die wir in unserem früheren Leben anerzogen bekommen haben. Dies bedeutet natürlich nicht, dass wir ständig lüstern, ‚heiß‘, sein sollen. Sondern die gesamte Palette der Gefühle, denen ein Lebewesen fähig ist zu spüren, sollen wir sofort zeigen. Wir sollen unser Innerstes nach außen kehren und ausleben. Sie, lieber Leser, mögen nun erschrecken, wenn sie denken „Das kann und will ich nicht! Das macht mich verletzlich und angreifbar! Das macht mich kontrollierbar!“, aber genau das ist so gewollt! Nicht etwa, um uns mental zu zerstören, sondern um uns leichter führbar zu machen in Verantwortung für unser Wohl. Denn sehen Sie: Genauso wie Sie ihr Auto pflegen und ständig reparieren, weil Sie den Wert Ihres Eigentums erhalten oder vielleicht sogar steigern wollen, genauso halten es die Herren im gorean Lifestyle für ihre Pflicht, ihre Mägde in Verantwortung für deren Wohl als ihr Eigentum zu nutzen. Herren im gorean Lifestyle können sich nicht hinter der Selbstverantwortung ihrer Magd verstecken! Eigentum kann nicht für sich selbst verantwortlich handeln.
      Als Don Pedro mich nun fort geschickt hat, befällt mich eine tiefe Traurigkeit, und das sieht man mir infolgedessen deutlich an. Aber ich habe eine Anweisung erhalten, die es auszuführen gilt. Vielleicht will mich der Senor ja auch nur prüfen…



      Ich erhebe mich also und gehe rückwärts mit gesenktem Kopf auf die Tür zu.



      „Rosa?“ lässt sich der Senor nun vernehmen.



      „Ja, Senor?“ frage ich mit tieftrauriger Stimme.



      „Geh deine persönlichen Sachen holen.“



      Mein Herz macht einen Sprung! Spontan laufe ich mit drei schnellen Schritten auf Don Pedro zu und falle vor ihm zu Boden, umfasse seine Unterschenkel und bedecke seine Füße und Unterschenkel mit Küssen. Als ich seine Knie erreiche, lege ich sekundenlang meinen Kopf darauf.



      „Danke, Senor! Vielen Dank!“ jauchze ich.



      Don Pedro lächelt und sagt:



      „Nun geh, Rosa! Bis gleich.“



      „Bis gleich, Senor!“ antworte ich, springe auf und bin in wenigen Sätzen durch die Tür, die offen stehen bleibt.



      Kaum zehn Minuten später klopfe ich an die inzwischen von Don Pedro geschlossene Wohnungstür. Hoffentlich bestraft er mich nicht für die Nachlässigkeit im Überschwang der Gefühle. Er öffnet mir und lässt mich ein. Ich kann nicht anders: Vor Freude drücke ich dem Senor im Vorbeigehen einen Kuss auf die Wange.



      Ich habe die Truhe mit meinen persönlichen Sachen auf einer zweirädrigen Karre gestellt und bugsiere sie an einen freien Platz an der Zimmerwand.



      Inzwischen hat sich der Senor ins Schlafzimmer zurückgezogen. Als ich fertig bin, gehe ich an der Schlafzimmertür auf die Knie und will ihn fragen, was weiter geschehen soll. Da sehe ich, dass er schon eingeschlafen ist. Ich lege mich also neben den Senor auf den Boden und versuche ebenfalls zu schlafen.



      *



      Am nächsten Morgen gehe ich leise in die Halle und bereite alles für den neuen Tag vor, wie ich es gelernt habe. Einige Zeit später steht Don Pedro in der Tür zum Schlafzimmer. Ich stehe also aus der Grundposition auf und gehe zum Wasserkocher, um ihn einzuschalten. Dann hänge ich ein Teesieb in den Krug auf dem Tisch und überbrühe es mit dem heißen Wasser. Den Rest heißes Wasser schütte ich in die Waschschüssel und fülle kaltes Wasser nach, bis es wohltemperiert ist. Daneben lege ich ein weiches flauschiges Tuch aus dem Fach darunter.



      Der Senor ist inzwischen wieder ins Schlafzimmer zurück gegangen. Ich gehe zu ihm und knie mich neben ihn auf den Boden.



      „Senor,“ sage ich, „das Wasser für Ihre Morgentoilette ist bereit und der Tee zum Begrüßen des neuen Tages ist auch gleich soweit.“



      „Vielen Dank, Rosa,“ erwidert er. „Guten Morgen. Wo hast du denn geschlafen?“



      „Ich freue mich, dass dem Senor gefällt, was ich mache,“ gebe ich ihm zur Antwort. „Es gehört zu den Selbstverständlichkeiten einer Magd, die dafür keinen Dank ihres Herrn erwartet. – Der Senor war gestern so schnell eingeschlafen, dass er keine Anweisung mehr geben konnte, wo ich schlafen darf. Also habe ich mir aus den Fellen am Boden zu Füßen des Senors ein Lager bereitet.“



      „Ja, entschuldige, Rosa. Ich war gestern nicht mehr aufnahmebereit,“ antwortet er murmelnd und geht zur Waschschüssel.



      „Senor, Sie brauchen sich für ihr Handeln bei Ihrer Magd nicht entschuldigen. Eine Magd erwartet nichts von ihrem Herrn und ist darum weder enttäuscht noch verärgert, wenn der Herr ihr nichts gewährt. Alles was der Herr seiner Magd gewährt – auch ob oder ob nicht – entscheidet der Herr. Die Magd dagegen freut sich für alles, was der Herr ihr gewährt, ob für den Augenblick positiv oder negativ gesehen, denn dadurch lernt die Magd, sich auf ihren Herrn einzustellen.“



      Ich sehe, dass ich hier von Don Marco einem Herrn zugeteilt worden bin, der noch nicht viel von natürlicher Dominanz im Allgemeinen und vom gorean Lifestyle im Besonderen versteht. Mein Hausherr muss meine Eignung sehr hoch einschätzen. Nicht nur, dass ich als Escort für Senores aus anderen Orten der gorean Community dienen soll, wie früher die Geishas im alten Japan. Ich soll auch frühere Freie Frauen in die Geheimnisse der Kajiras einweisen und nun sogar einem Mann zeigen wie ein Senor im gorean Lifestyle mit einer Magd umgeht.



      „Ich sehe, ich muss noch viel lernen, während meines Aufenthalts in Kak-Aute, Rosa,“ meint Don Pedro nun und geht zu der Truhe, in der er gestern Abend seine Ausrüstung gefunden hat.



      Er sucht etwas darin herum und entnimmt der Truhe ein kleines Täschchen. Damit geht er zur Waschschüssel. Danach fragt er mich, wo er angemessene Kleidung für den Aufenthalt in Kak Aute findet und ich zeige ihm die Truhe. Nachdem er sich umgezogen hat, setzt er sich an den Tisch. Ich schütte eine Schale halb voll Tee, führe sie an meine Lippen und reiche sie ihm.



      „Was möchte der Senor frühstücken?“ frage ich dann.



      „Welche Möglichkeiten haben wir denn hier, Rosa?“ fragt er zurück.



      „Brot, Beerenmus, verschiedene Wurstsorten, Senor,“ biete ich ihm an.



      Er entscheidet schulterzuckend:



      „Bring einfach alles auf den Tisch, Rosa.“



      Also nehme ich aus den Kästen im Regal und aus einem Minikühlschrank, was ich dort vorfinde und bringe alles auf den Tisch. Zwei flache Teller aufeinander und eine weitere Teeschale stelle ich vor den Senor, sowie ein Messer, eine hier übliche zweizinkige Gabel und einen kleinen Löffel.



      Der Senor schaut verdutzt.



      „Du magst nichts frühstücken, Rosa?“ fragt er mit verständnisloser Miene.



      ‚Don Pedro ist ja gänzlich ahnungslos,‘ denke ich mir, äußere mich aber nicht dazu. Ich nehme es als gegeben hin, dass ich ihm alles erläutern muss. Don Marco wird schon seine Gründe dafür haben.



      „Die Magd kümmert sich um das Wohl des Herrn, Senor,“ erkläre ich also. „Sie ist bestrebt, ihrem Herrn zu gefallen mit ihrem Körper, ihren Werken, Worten und Gedanken. Der Herr dagegen wird so viel Verantwortungsbewusstsein besitzen, dass er über sein Wohl hinaus, das Wohl seiner Magd, seines Besitzes, der uns umgebenden Natur – des ganzen Planeten im Auge hat, bei allem was er tut. Jedenfalls innerhalb des für ihn überschaubaren Bereichs.“



      „Oh… Sind die Männer einer solchen Verantwortung denn überhaupt gewachsen?“ fragt Don Pedro erstaunt.



      „Nicht alle Männer, Senor. Wahre Herren schon. – Außerdem: Was der Herr alleine nicht schafft, das schafft er in der Gemeinschaft mit anderen Herren. Einer hat eine Idee und sucht zur Verwirklichung Mitstreiter. Der Ideengeber führt die Gruppe – das ‚Haus’ an – die anderen folgen. Es gibt autokratische Hausherren und auch kooperative. Eine Anzahl Häuser bilden zusammen einen ‚Ort’, eine Anzahl Orte bilden die Community.“



      „Ah, so ist die Gemeinschaft aufgebaut. – Niemand ist allein,“ erkennt der Senor.



      „Das ist richtig, Senor,“ bekräftige ich. „Auch lässt die Community niemanden allein!“



      „Ich stelle fest, dass wir viel voneinander lernen können, Rosa. Was möchtest du denn frühstücken?“ antwortet er nun.



      „Was Sie mir gewähren, Senor,“ sage ich.



      Er schiebt mir nun Teller und Teeschale hinüber und sagt:



      „Nimm dir selbst, was du magst. Damit ich durch Beobachtung lerne, Rosa.“



      Ich schaue ihn groß an. Das geht doch gar nicht! Er darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen, will er von der Magd als Herr anerkannt werden!



      „Wenn der Herr seiner Magd erlaubt, das Gleiche zu essen, was auch er isst, dann hat er mehrere Möglichkeiten,“ erkläre ich nun. „ Er kann sie von seinem Teller füttern, sie aus seiner Teeschale trinken lassen. Er kann ihr einen eigenen Teller mit Speisen, eine eigene Schale mit Tee überlassen, oder er kann ihr eigenes Besteck genehmigen, mit dessen Hilfe sie von seinem Teller isst!“



      „Wenn ich dir eigenes Geschirr und Besteck genehmige – wie mache ich das nach hiesigen Gepflogenheiten?“



      „Sie befehlen mir zum Beispiel, dass ich einen zweiten Teller und eine zweite Schale genauso füllen muss, wie Sie Ihren Teller gefüllt haben…“



      „Okay Rosa, dann tue das so!“



      Ich schaue auf den Teller des Senors und fülle einen Zweiten in genau der gleichen Weise. Dann hebe ich den Teller an meine Lippen und reiche ihn dem Senor. Er schaut nun etwas verdutzt drein und fragt, während er mir den Teller aus der Hand nimmt:



      „Und was passiert jetzt?“



      Ich schaue zu Boden und flüstere:



      „Der Herr gibt seiner Magd, was ihr Seiner Meinung nach zusteht…“



      Nun stellt Don Pedro den Teller vor mich hin, ohne an meinem Arrangement darauf etwas zu ändern.



      „Okay Rosa, dann soll dies DEIN Frühstück sein.“



      „Vielen Dank, Senor,“ sage ich und beginne nun auch zu essen.



      *



      Nach dem Frühstück wünscht Don Pedro eine Führung durch den Ort. Beim Spazieren durch die Gänge und über die Treppen erkläre ich ihm die Lage der einzelnen Bereiche. Kak Aute ist als Ganzes auf dem Reißbrett entstanden und dadurch gut strukturiert, was eine schnelle Orientierung ermöglicht. Da ich bei der Begegnung mit Freien stets auf die Knie gehe und bei Freien Frauen mich so klein wie möglich mache, spricht er mich bald darauf an.



      „Wenn ich das öffentliche Leben hier mit dem in Alemania vergleiche, komme ich mir vor, als befände ich mich in einer anderen Welt, Rosa. Schon Uéi hat mich darauf aufmerksam gemacht. Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, würde man solch eine Frau nach Kak Aute versetzen.

      Welche Schau wäre Petra, die aktuelle Flamme meines Kommilitonen Andreas, zum Beispiel: Stünde ihr dieser Poncho – wie nennt ihr das Kleidungsstück doch gleich?“
      „Camisk, Senor.“



      „Ja, stünde ihr wohl der Camisk als einziges Kleidungsstück, während sie einen Korb Früchte auf dem Kopf balanciert, wie die Magd, die uns gerade entgegen kam? Und meine Kommilitonin Anne! Wie würde sie sich in diesem Longshirt…“



      Don Pedro schaut mich wieder an. Ich helfe ihm:



      „Ta’teera, Senor.“



      „Okay, wie würde sie wohl in einem Ta’teera aussehen mit Halsreif, während sie sich zu Füßen eines hiesigen Mannes befindet – weil sie stets so redselig ist, selbstkritisch bis zynisch im Hinblick auf ihre weiblichen Reize.“



      „Ich weiß es nicht, Senor,“ antworte ich vorsichtig mit gekräuselter Stirn.



      „Was würden deine früheren Freundinnen wohl jetzt denken, wenn die Sprache auf dich kommt, Rosa?“



      „Ich hatte nicht viele Kontakte, Senor. Was würden die wenigen heute sagen, wenn sich eine an mich erinnert? Ob sie sich fragen, was aus mir geworden ist? Ich denke, sie haben mehr damit zu tun, was sie am Abend zu essen bekommen können. Haiti ist sehr arm, wissen Sie?

      Was würden sie denken, wenn sie mich jetzt so sehen könnten? In dieser durchsichtigen Ta’teera, die mehr offenbart als verhüllt. Auch sie zeigen viel Haut, aber der Rumpf, das Geschlecht, ist streng verhüllt! Sie kämen wohl nie darauf, dass ich nun nichts mehr mit ihrer einstigen Bekannten zu tun habe und wären erschrocken! Können sie es fassen, dass ihre Freundin nun folgen, dienen und Lust spenden muss, dass sie Eigentum ist? Sie würden alles versuchen, mich aus dieser ‚Hölle‘ zu befreien, die ihnen wie eines der Freudenhäuser auf Haiti vorkäme, und verstünden nicht, dass sie mich damit entwurzeln würden. Ich bin abhängig von den Männern hier, aber nicht gezwungenermaßen, sondern weil ich mich erst hier als die Frau fühlen kann, die ich bin! Die Männer zeigen mir meinen Platz und versorgen mich. Ich habe keine Alltagssorgen mehr, wie früher auf Haiti!

      Nein, vermutlich würden sie es nicht begreifen! Ich dagegen finde es ungemein erregend, hier zu sein!“



      „Meine Kommilitonin Marion, zwei Semester unter mir, kam mir immer sehr unnahbar vor. Sie kam in meine Gruppe, in der ich Mitstudenten als Tutor bei den Klausuren helfe. Vor einigen Monaten fragte sie mich, ob ich mit ihr ausgehen wolle. Dieser Abend ist gründlich schief gegangen!

      Zuerst gestand sie mir, dass sie devote Träume plagen. Dann wies sie das weit von sich. Wochen später bot mir unser Professor an, hier die Geologie eines Tepui zu studieren, für meine Examensarbeit, und Marion bot sich an, mich zu begleiten. So sind wir hierher gekommen.“



      „Ah, Senor. Darf ich frei sprechen?“



      „Ja, gerne, Rosa.“



      „Sie hatten bis dahin keinen Schimmer von Dominanz und ihre Begleiterin gerade eine intuitive Ahnung von Submission, die sie aus gesellschaftlicher Sicht für sich zu verneinen suchte, da nicht sein kann, was nicht sein darf?“



      „Ja, so ungefähr kann man das ausdrücken.“



      „Und nun sind Sie beide hier, um ihre jeweiligen Rollen in der natürlichen Ordnung der Welt zu finden.“



      „Das denke ich auch, Rosa. Mein Professor muss diesen Tepui wohl kennen, dass er mich auf den Pemón Ronaldo aufmerksam machte, ihn mir als Führer empfahl. Er muss das Geheimnis dieses Tepui kennen.“



      „Sprechen Sie Don Marco doch darauf an, Senor.“



      „Du hast recht, Rosa. Das werde ich bei Gelegenheit machen. Im Augenblick hat er mir einen dichtgedrängten Terminplan gegeben…“



      Einer der Passanten, denen wir begegnen, trägt einen roten Umhang mit silberner Paspelierung. Ich mache einen so tiefen Knicks, dass mein Knie fast den Boden erreicht und schaue zu Boden. Dabei huscht mir ein Lächeln über das Gesicht.



      Als der Senor vorbei ist, der mich geflissentlich übersieht, dafür den Senor neben mir grüßt, fragt Don Pedro:



      „Wer war das, Rosa?“



      Ich antworte mit freudestrahlendem Gesicht:



      „Das war Don Ernesto, der Chef der Wächter des Ortes. Er untersteht Don Marco direkt. Don Ernesto hat mich schon oft in seine Decken geholt.“



      „Ah, du hast ihn gern, stimmt’s?“ hakt Don Pedro nach.



      „Ja, Senor.“



      Während ich dem Senor die Waffenschule zeige und wir über den Basar gehen, ist er auffallend still. Auf dem Basar kauft Don Pedro einige Sachen, die wir dann zurück in seine Wohnung bringen. Danach gehen wir zu Don Marcos Gastraum Mittagessen. In der Siesta danach holt mich Don Pedro in sein Bett zum Kuscheln. Mehr mag der Senor anscheinend nicht. Bestimmt ist er in Gedanken bei dieser Marion…



      Nach Ende der Mittagspause verabschiedet sich der Senor, um selbständig zu der Waffenschule zu gehen. Unterdessen kümmere ich mich um die Wohnung und bringe sie auf Hochglanz, bis der Senor gegen Abend wiederkommt. Als er zurückkommt sitze ich wartend in Position in der Nähe des Teekochers, den ich dann sofort einschalte.



      Wenige Minuten später serviere ich ihm einen erfrischend entspannenden Tee und höre zu, wie er den Aufenthalt in der Waffenschule Revue passieren lässt. Er hat einige alte Waffen ausprobieren dürfen und sich gewundert, dass keine Schusswaffen im Angebot sind. Don Pedro erzählt mir:



      „Der Ausbilder hat mir folgendes gesagt: Schauen Sie sich die Entwicklung seit der Erfindung des Schießpulvers an: Mit der Entwicklung dieser heutigen Distanzwaffen, die eine hohe Zerstörungskraft entwickeln können, in Verbindung mit der westlichen Philosophie, dass die Welt im wesentlichen den Gesetzen der Mechanik gehorcht und der Mensch alles beherrscht, hat er die Ehrfurcht vor der Natur verloren.

      Die Menschen früherer Jahrtausende und die heutigen ‚Barbaren’ kannten noch keine Naturgesetze, für sie ist der Mensch, die Pflanze, das Tier, der Stein, die Luft, alles beseelt. Er versuchte sich in seinen Gedanken zu versenken, durch Meditation eins mit der Natur zu werden und entdeckte, wie viel mehr ihm dadurch gelang. Meditation ist in der westlichen Kultur inzwischen als Randgebiet der Medizin und Psychologie anerkannt. Man hat erkannt, dass man einfach nicht an ihr vorbei kommt.“



      „Das ist richtig,“ pflichte ich ihm bei. „Der menschliche Körper, zum Beispiel, ist mehr als ein Zusammenspiel von Klappen und Ventilen, gesteuert durch schwache elektrochemische Reaktionen. Die Menschen, die noch Kontakt zur Natur pflegen, wissen das! Alles hängt miteinander zusammen und voneinander ab.“



      „Eine Waffe mit der Hand zu führen, gelingt nur, wenn man sich geistig mit ihr vereint, meinte er.“



      „Womit der Senor sicher Recht hat! Ohne Konzentration und Versenkung klappt kaum etwas im Leben! Da ist das Handwerk des Kriegers ein gutes mentales Training für den Alltag des Senors,“ gebe ich zu bedenken.



      Don Pedro grübelt noch eine Weile mit der Teeschale in der Hand, dann schaut er einmal in die Runde. Ein Lächeln erscheint in seinem Gesicht und er lobt:



      „Wunderbar hast du den Raum dekoriert!“



      „Es freut mich, dass es dem Senor gefällt,“ antwortet ich glücklich lächelnd. Dann kommt mir ein Gedanke.



      „Möchten Sie im Badehaus entspannen, nach dem langen Tag?“ frage ich ihn, ganz eine Escort.



      „Ja, Rosa, das ist eine gute Idee, aus der ein tägliches Ritual werden könnte,“ antwortet er. „Du hast mir das Badehaus zwar heute im Vorbeigehen gezeigt, aber sag mal… Dürfen dort auch Mägde hinein?“



      „Es gibt dort ja Mägde, die sich um die Entspannung der Senores kümmern, habe ich Ihnen dort gesagt, Senor. Aber wenn Sie mich unbedingt dabei haben wollen, statt die Dienste der Bademägde in Anspruch zu nehmen, muss ich Sie natürlich begleiten.“



      „Ich nehme an, dass Tücher, Öle und Shampoos dort vorhanden sind? Ich muss nichts mitnehmen?“



      „Nein, Senor. Es ist alles im Eintrittspreis enthalten,“ erkläre ich.



      „Dann komm‘ mit, Rosa. Wir gehen ins Badehaus!“ entscheidet Don Pedro.



      Wir verlassen die Wohnung und gehen mehrere Etagen abwärts bis etwa auf das Niveau der Höhle, die man vom Fenster aus überblicken kann. Hier befindet sich der Eingang zur ‚Blauen Grotte’. Wir betreten das Foyer und Don Pedro zahlt zehn Kupferstücke. Dafür erhält er einen der nummerierten Schlüssel und Badelatschen in seiner Größe. Der Schlüssel passt auf einen Spint, in dem ein frisches Badetuch liegt. Er zieht seine Kleidung aus und schlingt sich das Tuch um die Hüften. Ich lege meine Ta‘teera zu seiner Straßenkleidung in den Spint. Nun trage ich nur noch den Halsreif.



      Dann gehen wir zum Wasserbecken. Es ist mit kobaltblauen Kacheln ausgelegt. Eine breite Treppe führt in knietiefes Wasser. Dann wird das Wasser mit jedem Schritt schnell tiefer. Bald stoße ich mich vom Boden ab und schwimme in kraftvollen Zügen auf die Wandöffnung zu, zu der hin die Felsdecke immer niedriger wird. Ein dicker lichtdurchlässiger Vorhang schließt den Luftraum des Bades vom See draußen ab. Ich atme tief ein und tauche ab. Unter Wasser gibt es keine Abtrennung.



      Don Pedro taucht nun ebenfalls ab und wir kommen jenseits des Vorhangs wieder hoch. Er bleibt in der Nähe des Höhleneingangs, während ich den See durchschwimme. Bald komme ich aber wieder auf den Senor zu geschwommen, lächele ihn an und tauche wieder ab, um ins Innere des Bades zurückzukehren. Don Pedro folgt mir und hält sich dann am Rand des Beckens auf. In einer Ecke sind Wirlpool-Düsen angebracht, die einen künstlichen Strudel erzeugen. Dort dreht er ein paar Runden. Als ich auf ihn zu schwimme, entfernt er sich aus dem Strudel in Richtung Treppe. Er sucht eine der angrenzenden Nischen auf und legt sich dort auf eine Liege. Ich folge ihm sofort. Eine Bademagd nähert sich. Sie trägt ihr blondes Haar lang und hat ihre Schläfenhaare zu Zöpfen geflochten, die am Hinterkopf zu einem Zopf zusammen geführt wurden. Ihre Augen sind wasserblau. In den Händen hat sie ein Tablett mit mehreren bauchigen gläsernen Fläschchen.
      Don Pedro lächelt sie an und schüttelt den Kopf.



      „Du darfst das Tablett gerne meiner Magd geben,“ sagt er.



      Ich übernehme das Tablett, stelle es neben der Liege ab und öffne eine Flasche. Daraus lasse etwas auf meinen Handteller laufen und beginne beim Nacken, den Senor zu massieren. Dazu beuge ich mich über ihn und massiere das Badeöl kräftig in seine Haut.



      „Nicht so fest,“ lässt sich der Senor leise vernehmen, begleitet von Wohllauten.



      „Ja, Senor,“ antworte ich ihm.



      Die Bewegung und die Massage hat ihn scheinbar müde gemacht.



      Nach einer kurzen Entspannungsphase gehe ich mit Don Pedro noch ein wenig im Badehaus herum, um ihm das Angebot zu zeigen. Es gibt mehrere dieser Massagenischen, dazwischen Bänke zum Ausruhen und auch einen künstlichen Wasserfall zum Duschen. Das schaumige Wasser in dem Becken wird abgesaugt und gereinigt, bevor es in den natürlichen Wasserkreislauf zurückgeführt wird, erkläre ich ihm.



      Er lässt sich auf einer der Bänke nieder und scheint zu träumen, denn sein Blick ist in undefinierbare Fernen gerichtet. Der Senor hat mich an seine Seite befohlen. Er genießt es sichtlich, meine nackte weiche Haut an der Seinen zu fühlen und zeichnet gedankenverloren mit dem Finger zart die Konturen meines Gesichtes nach. Bald schaut er mir tief in meine Augen, während seine Finger sich sanft meiner Körpermitte nähern. Wie ich es gelernt habe, schmiege ich mich nun eng an ihn und reibe meinen Unterleib mit kreisenden Bewegungen an seinem Oberschenkel.



      *



      Nach dem Aufenthalt in der ‚blauen Grotte’ geht Don Pedro mit mir bei Don Francesco essen. Er setzt sich an einen Tisch mit der Wand im Rücken. Ich lasse mich neben ihn auf meine Fersen nieder. Rita kommt aus der Küche, fragt den Senor nach seiner Bestellung und lächelt mir zu. Während Don Pedro seine Bestellung abgibt, gebe ich Rita das Lächeln zurück.



      Vorneweg bekommt er einen kleinen Krug Mate-Tee. Dann stellt Rita das Essen vor mich und kümmert sich um andere Herren, die jetzt nacheinander herein kommen.



      Ich beuge mich tief in Richtung Don Pedros und sage:



      „Entschuldige, Senor. Darf ich Sie mit einigen Gepflogenheiten der Herren vertraut machen, damit Sie in Gesellschaft nicht als Neuling auffallen?“



      „In Ordnung, Rosa. Was habe ich denn hier im Gastraum zu beachten?“ fragt er mich.



      „Ich bitte um Vergebung, Senor, aber das beschränkt sich nicht auf den Gastraum, sondern durchzieht das ganze Leben des Herrn. Es bestimmt die Beziehung zwischen Herrn und Magd. Wenn der Senor zu weich ist, der Magd zuviel Entscheidungen überlässt, dann nimmt sie ihn mit der Zeit nicht mehr ernst. Dann führt sie ihn erst unmerklich, später ganz offen.“



      „Und wie weise ich der Magd ihren Platz neben mir zu, Rosa?“



      „Nicht neben Ihnen, Senor. Unter Ihnen! Begegnung auf Augenhöhe ist der Beginn der Abgabe Ihrer Führungsrolle! Schauen Sie, ich knie hier, muss dadurch zu Ihnen aufschauen. Aber es gibt noch mehr Gesten. Auch durch das Knicksen mache ich mich kleiner. Der Herr übernimmt mit der Aufnahme einer Magd in seinen Haushalt die Verpflichtung für sie zu sorgen, sich um ihr körperliches und seelisches Wohl zu kümmern. Dazu führt er sie verantwortungsbewusst, während sie sich ihm unterwirft und ihm mit großem Vertrauen in sein immerwährendes Verantwortungsbewusstsein gehorcht, ohne jedoch ihre Augen zu verschließen. Sie dient ihm und ist bestrebt ihn stets stolz auf sich zu machen. Er achtet sie als sein Geschöpf, wertschätzt ihren Dienst und zeigt das auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit – jedoch nicht, indem er sich zurücknimmt und ihr die Entscheidung überlässt, sondern indem er ihr zeigt, dass sie sein Eigentum ist!“



      „Hm, ich hoffe, dass ich das mit der Zeit schaffe, Rosa. Deine Erklärungen sind mir Gold wert und ich werde mir für dich irgendwann eine große Freude ausdenken! Wie verhalte ich mich denn jetzt richtig?“ fragt er weiter.



      „Die Magd gehört dem Herrn. Sie gehorcht ohne Bedingungen zu stellen! Eine Unterwerfung mit Bedingungen ist keine rechte Unterwerfung mehr. Die Bedingungen sollen dem Verantwortungsgefühl des Herrn geschuldet sein. Alles, was die Magd besitzt, erhält sie vom Herrn, alles was sie erhält – selbst Lob oder Tadel – nimmt sie dankbar entgegen. Dadurch macht er ihr gegenüber stets seine Position klar.“



      „Aber dann rutscht die Frau doch in eine Hörigkeit gegenüber dem Mann! Das ist doch krankhaft…“



      Don Pedro hat sich auf seinem Hocker zurück gebeugt und schaut mich entgeistert an.



      „Wenn sich die Magd nicht mehr aus der Abhängigkeit zu ihrem Herrn lösen kann und bei einer Trennung Anstalten macht in den Tod zu gehen, ist das krankhaft, Senor. Glaube mir, ich kenne mich da aus. Es ist zugegebenermaßen ein schmaler Grat, aber er ist gangbar, wenn der Herr davon weiß und darauf achtet!

      Doch jetzt zum Essen: Vom Herrn kommt alles! Sei es nun neue Kleidung, sei es nun das Essen, sei es Zuwendung oder Zurückweisung. Die Magd nimmt alles dankbar entgegen! Die Magd bedient ihren Herrn. Der Herr gibt ihr Nahrung. Nun sind heute keine anderen Mägde hier, so dass du durch Zuschauen lernen kannst, darum habe ich meinen Herrn darauf angesprochen. Entschuldige, wenn ich zu weit ausgeholt habe zur Erklärung.“



      „Das geht schon in Ordnung, Rosa. Also dann bediene mich,“ fordert er mich auf.



      Ich nehme nun Lebensmittel aus der Schüssel und vom Servierteller und fülle damit einen Teller. Den führe ich an meine Lippen und gebe ihn ihm. Don Pedro stellt den Teller vor sich ab und nimmt seine Gabel auf. Ich sehe das und frage ihn:



      „Darf deine Magd nun auch etwas essen?“



      „Gern,“ antwortet mir Don Pedro.



      Ich schaue ihn mit krauser Stirn kurz an, lege mir auch etwas auf den zweiten Teller, führe ihn ebenfalls an meine Lippen und reiche ihn ebenfalls dem Senor. Er nimmt ihn mir ab und schaut mich dann fragend an.



      „Der Herr gibt seiner Magd Nahrung…“ flüstere ich ihm zu.



      Nun gibt er mir den Teller zurück. Ich stelle ihn vor mir ab und beginne auch zu essen.



      Nach dem Essen begleite ich Don Pedro zurück zu seiner Wohnung.



      *



      Am Abend nachdem der Senor wie üblich in der Waffenschule trainiert hat, betritt er wieder die Wohnung. Ich höre, wie sich die Tür öffnet und sinke schnell auf meine Knie. Während meine Stirn den Boden berührt, sage ich:



      „Guten Abend, mein Herr.“



      Ich habe gerade Teewasser aufgesetzt und liege nun vor dem Wandregal mit den Geräten. Der Senor begrüßt mich ebenfalls und kommt auf mich zu. Ich erhebe mich in kniende Stellung und ergreife seine Hand, die ich mit dem Handrücken an meine Stirn drücke.



      „Mein Herr, Evita war heute Nachmittag kurz hier und hat ein Geschenk von ihrem Herrn gebracht,“ informiere ich den Senor.



      „Wer ist Evita,“ fragt er interessiert.



      „Evita ist die Magd von Don Hernando aus dem Haus Donna Martinez’,“ erkläre ich.



      „Wer ist Don Hernando?“ fragt er mich nun.



      „Ich habe keine Ahnung, Senor, aber das Haus Donna Martinez’ ist mir bekannt. Donna Martinez gehört als Hausherrin dem Rat von Kak-Aute an und es beschäftigt sich mit der Öffentlichkeitsarbeit.“



      „Das heißt?“



      „Donna Martinez fördert Projekte, die den Menschen die Schönheit der Natur nahe bringen, Senor.“



      „Ah, und dieser Don Hernando gehört zum Haus der Donna Martinez. Was ist es denn für ein Geschenk, Rosa?“



      Ich erhebe mich, gehe zum Tisch und nehme ein kleines braunes Spankästchen auf, das mit einem schwarzen Band verschlossen ist. Ich überreiche es dem Senor, der das Band öffnet und den Deckel des Kästchens hochzieht. Als erstes kommt ein Tütchen aus festem braunem Papier zum Vorschein. Das Tütchen gibt er an mich weiter. Ich öffne den Clip und schaue prüfend hinein. Dann rieche ich daran und erkläre:



      „Das ist Koka–Tee, Senor. Er ist belebend, leistungssteigend und bewusstseinserweiternd. Die Andenvölker trinken ihn gern und kauen auch Koka-Blätter.“



      In der Zwischenzeit hat Don Pedro noch einen gefalteten Zettel von Boden des Kästchens genommen und aufgefaltet. Dort liest er etwas in einer fremden Sprache ab. Dann sagt er:



      „Ein interessantes Angebot. Don Hernando lädt mich zu einem Gespräch am Samstag in der Taverne ‚Apok-Uéi’ ein. Ich denke, ich nehme die Einladung an.“



      Nach einer kurzen Pause ergänzt er:



      „Wenn der Tee belebende Wirkung hat, dann brühst du ihn morgen Mittag auf, bevor ich zur Waffenschule gehe.“



      Dann setzt er sich an den Tisch und sagt:



      „Bring mir Tee, Rosa. Und bereite zwei gefüllte Fladenbrote zu!“



      „Ja, Senor.“



      Ich stelle den Krug und zwei Schalen auf den Tisch, knie nieder und fülle eine Schale, die ich wie üblich an meine Lippen führe und ihm reiche. Danach erhebe ich mich wieder, um zwei kleine Fladenbrote horizontal aufzuschneiden und mit Salatblättern und Schinkenwürfeln zu füllen. Ich lege die gefüllten Fladenbrote aufeinander gestapelt auf zwei aufeinander liegende flache Teller und bringe sie ebenfalls an den Tisch.



      Nun stellt der Senor sie vor sich neben die Teeschale, zieht einen der Teller heran, legt ein gefülltes Fladenbrot darauf und reicht es mir.



      „Schenke eine zweite Schale Tee aus, Rosa,“ fordert er mich auf.



      Ich lächele verhalten und das Ritual wiederholt sich. Dann essen wir. Er hat dieses Ritual verinnerlicht!



      *

      Der Senor tritt mit der Zeit immer selbstsicherer und dominanter auf. Zu Beginn hat er noch eine ambivalente Ausstrahlung gehabt, etwa so als schlummere etwas in ihm, was nur geweckt werden muss. Genau so als ob er die Anlage zur Dominanz in sich birgt, die sich aber durch gesellschaftliche Zwänge in seiner Heimat nicht ausbilden konnten. Diese ambivalente Ausstrahlung Don Pedros ist es wohl auch gewesen, die das damalige private Treffen mit seiner Begleiterin Marion überschattet gehabt haben.
      Während des Trainings in der Waffenschule von Kak Aute bricht nun diese Anlage auf. Immer deutlicher tritt seine Dominanz zutage, befreit sich von den feministischen Fesseln, die sich seit den 68ern in der westlichen Gesellschaft aufgebaut haben.



      Da der Leiter unserer Waffenschule japanischer Herkunft ist, erhält der Senor neben der praktischen Ausbildung auch Einblick in die dahinter stehende Ethik, die der Community für die Charakterbildung der Senores wichtig ist. Japan hat eine Jahrhunderttausende alte Tradition in der Achtung der natürlichen Ordnung der Lebewesen. Sie ist Grundlage der dortigen Gesellschaftsordnung, des Shinto-Glaubens und des Ehrenkodex der Samurai.



      Eines Abends spricht er mich darauf an:



      „Rosa, der Ehrenkodex für Herren im gorean Lifestyle ist sehr komplex. Er lässt sich zwar auf eine kleine Menge Merksätze zusammenfassen, diese müssen aber verinnerlicht und die Wechselwirkungen erkannt werden. Dies erreicht man nicht durch auswendig lernen! Man muss sie leben, rund um die Uhr!

      Ich schreibe sie dir einmal auf und du machst mich immer wieder auf Einzelne aufmerksam in Alltagssituationen! Ich denke, dass diese Einwendungen deinerseits mit der Zeit immer seltener werden – in dem Maße, indem ich sie verinnerliche.“



      „Oh, Senor! Sind Sie sicher, dass ich dafür die richtige Person bin? Ich bin nur eine Magd! Sie brauchen einen Mentor, der Sie begleitet!“ sage ich unsicher.



      „Rosa, muss ich meine Anweisung wiederholen?“



      „Nein, Senor!“



      Ich sinke auf meine Knie und berühre die Bodenmatte mit meiner Stirn.



      „In der Schule habe ich einen Mentor. Das Verinnerlichen der Ethik geht aber rascher, wenn ich mich rund um die Uhr daran orientieren kann. In meiner Freizeit wirst du mein Gewissen sein! Du wurdest doch als Escort ausgebildet?“



      „Ja, Senor. Ich bin eine Kajira.“



      „Na also, dann begleitest du mich auf meinem Weg zu einem goreanischen Herrn!“



      „Ja, Senor.“



      Ob Don Marco gewusst hat, was für eine Aufgabe er mir überträgt, als er mich Don Pedro geschenkt hat für die Dauer seines Aufenthaltes hier?



      Don Pedro zitiert das Gelernte aus dem Gedächtnis. Ich schreibe es mit. Immer mehr verstehe ich, was mich hier in Kak Aute hält. Solche Senores gibt es wohl sonst nirgendwo auf der Welt, auch wenn nicht alle Senores gleich sind, und einige sicher mehr oder weniger außerhalb des Kodex leben.



      „Da wäre die Beständigkeit,“ beginnt der Senor. „Die Beständigkeit beeinflusst alle anderen Tugenden und bedeutet Berechenbarkeit in den Handlungen und das Festhalten am rechten Verhalten, aber auch Vertragstreue. Ein Herr steht zu dem, was er denkt und sagt. Man kann sich immer auf ihn verlassen. In unverschuldeten Fällen sorgt er unverzüglich für die bestmögliche Alternative.

      Ihr entgegen steht die Unbeständigkeit! Es ist ein Verhalten, bei dem man ‚seinen Wimpel nach dem Winde dreht‘, mit den Gedanken nur an sich und dem Handeln nur für sich. Zusagen werden nicht eingehalten, Verträge gebrochen und es wird gelogen, um persönliche Bereicherung zu erreichen und das Ego zu befriedigen.“



      Nach einer kurzen Atempause redet er weiter:



      „Der Beständigkeit folgt die Ehre! Ehre gewinnt man stets zuerst durch Ehrlichkeit. Sie bildet den Charakter. Ehrgefühl wird durch immer liebevolle, wenn nötig durch strengere Erziehung vermittelt. Der Herr soll immer bemüht sein, sich für soziale Zwecke einzusetzen, denn nur durch uneigennützigen Dienst in der Gesellschaft wird ihm Ehre und Respekt zuteil - Werte, die man sich immer verdienen muss und sie begründen keinerlei Verpflichtung der Gesellschaft, dem Herrn gegenüber. Der Herr ehrt auch seine Feinde und gibt immer eine zweite, falls nötig eine dritte Chance. Er verzichtet darauf, sich einen in seinen Augen unfairen Vorteil zu verschaffen. Er nutzt eine Notlage nicht aus und vermeidet es, andere zu übervorteilen.

      Der Ehre steht die Schande gegenüber! Hier handelt es sich um einen Zustand des gesunkenen Ansehens und des beschädigten Rufes. Schändliches Handeln bedeutet das Verpassen keiner Gelegenheit, unehrenhafte Dinge zu tun, mit unehrenhaften Leuten oder mit denen zweifelhaften Rufes zusammen zu kommen, um korrupten Handel zu treiben, um sich alleine zu profilieren und zu bereichern.“



      Der Senor macht wieder eine Pause.



      „Es folgt das Maßhalten. Es steht über allem. Es bedeutet ‚rechtes Maß zu halten‘ und den Mittelweg zwischen Exzess, Übertreibung und Passivität zu finden. Nur durch Maßhalten wird richtiges, gutes Leben und Handeln erreicht. Dem entgegen steht die Maßlosigkeit, das ist mangelnde Selbstbeherrschung. Die Maßlosen raffen ständig und überall nach Sattheit, Geld und/oder Titeln. Sie sind die Ersten am Buffet und dort, wo es etwas umsonst gibt. Sie sind aber auch immer gerne bereit, jeden Preis zu bezahlen, wenn es der eigenen ‚Erhöhung’ dient.“



      Don Pedro schaut mich an und wartet bis ich den Punkt zu Ende notiert habe. Dann zitiert er weiter aus dem Gedächtnis:



      „Nun folgt die Zucht. Sie bedeutet Selbstbeherrschung und Moderation im eigenen Verhalten und ermöglicht erst das Zusammenleben mit Anderen in der Gesellschaft. Zucht hat in diesem Sinne nichts mit Züchtigen zu tun. Dem Herrn ist es untersagt, ihm Untergebene aus reiner Lust zu züchtigen. Die Unzucht nun, meint ungezogenes Verhalten und ist ein Kennzeichen antisozialer Handlungsweise. Durch ungezogene Gestik, unangemessen lautes Lachen oder unüberlegte Sprache disqualifizieren sich Unzüchtige stets selber. Man erkennt sie am ehesten daran, dass sie ‚Wasser predigen und selber Wein saufen’.“




      Er schaut mich kurz an und redet dann weiter:

      “Dann komme ich zur Demut, das heißt ‚Dienstwilligkeit, Dienstbereitschaft’. Sie ist völlig unabhängig von der eigenen Position. Sie bedeutet Loyalität gegenüber den Vorgesetzten, oder auch ‚Mut zum Dienen’ zum Schutz der Armen oder Machtlosen. Wir wenden uns immer tätig gegen geoffenbartes Unrecht und sagen offen unsere durchdachte Meinung. Dem gegenüber steht der Verrat, das bedeutet ‚Verweigerung des Dienstes’.“



      Eine weitere bedeutungsvolle Pause folgt.



      „Jetzt spreche ich die Höflichkeit an. Dieser Begriff bezeichnet das Verhalten bei jeder Begegnung mit einem Mitmenschen und bedeutet gesitteter Umgang untereinander. Besondere Ehrerbietung genießen Ältere und freie Frauen. Der Herr ist eher zurückhaltend. Das Gegenstück ist die Rüpelhaftigkeit, unkontrolliertes Benehmen, Fresssucht, Ausschweifungen aller Art.

      Als nächste Tugend folgt die Milde. Damit sind Großzügigkeit, Barmherzigkeit und Nächstenliebe gemeint. Ein Herr gibt freigiebig an in Not Geratene, was er geben kann. Die vielleicht schwierigste Gratwanderung hier liegt darin, dass er sich erstens nicht mit dem Armen gemein macht, sondern edle Distanz wahrt und zugleich zweitens nicht herablassend oder herrisch auftritt. Freundlicher Gleichmut, die in der Ausübung der Mildtätigkeit das eigene Selbstverständnis verwirklicht, ist der Grundton seiner barmherzigen Handlungen. Dagegen steht Geiz oder Egoismus. Er bezeichnet den Hang zum Raffen und Horten, um ganz alleine über den zusammen getragenen Reichtum zu verfügen. In der Folge lässt Geiz den Charakter allein dastehen, der Herr erfährt selbst keine Unterstützung mehr.

      Dann kommt die Treue. Sie beschreibt Loyalität und auch das Einhalten von Versprechungen und Hilfsverpflichtungen gegenseitiger Art oder gegenüber der übergeordneten Instanz. Der Herr ist sich in erster Linie selbst treu, steht treu zu seinen Überzeugungen, um so auch treu anderen gegenüber zu sein. Die Umkehrung ist die Untreue. Sie ist ein mieses Übel, denn dazu zählen auch Eifersucht, Missgunst und Neid, die allesamt das menschliche Zusammenleben gefährden. Man sollte sich stets aufeinander ‚blind’ verlassen können.“



      Don Pedro holt einmal kurz Atem und schaut auf das Blatt, auf dem ich schreibe.




      „Nun kommt die Arbeitsamkeit. Sie beinhaltet die ständige Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, zur Weiterbildung und Verbesserung der Qualifikationen. Dagegen steht die Trägheit, Faulheit, Unfähigkeit - fehlende Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und tätiger Mitarbeit.

      Dann komme ich zum Guten Mut. Er beschreibt das Selbstbewusstsein, den Stolz auf seine persönliche Tüchtigkeit, die Liebe zum Leben. Dagegen wirkt die Trauer oder Depression, ein Zustand des Klagens, sowie das Zeigen schlechter Befindlichkeiten, aber auch der Zustand der verletzten Ehre. Damit ist nicht die Trauer um einen verstorbenen Menschen gemeint!

      Jetzt folgt die Mannhaftigkeit. Sie beschreibt Tüchtigkeit und Kühnheit, wenn es sein muss unter Einsatz des eigenen Lebens. Der Herr hat natürlich Respekt vor Gefahren und verachtet die Angst. Ihr entgegen steht die Zaghaftigkeit, Feigheit im Leben und vor dem Leben, aber auch Angst vor materiellem Verlust, Angst vor Verletzung, Angst generell.

      Ihr folgt die Schönheit. Gemeint ist damit ausschließlich die innere Schönheit des Herzens. Sie wird durch ein ehrliches Lächeln zum Ausdruck gebracht. Ein Herr ist authentisch. Er handelt, wie er redet und denkt. Die Umkehrung ist die Hässlichkeit. Sie bedeutet analog eine meist anfangs unsichtbare Verunstaltung als Zeichen von Lasterhaftigkeit, daraus resultierender unfairer Handlungsweise, sowie Ausdruck von Falschheit durch Missachtung der Menschlichkeit.“
      Wieder gibt er mir Zeit fertig zu schreiben, bevor er weiterredet.



      „Dann komme ich zum Verstand,“ rezitiert Don Pedro das Gelernte. „Er bezieht sich auch auf die Kontrolle von Emotionen (was nicht immer leicht fällt). Dagegen wirkt die Torheit, Dummheit, und sie ist der Feind aller anderen Tugenden. Sie bedeutet Verlust der Selbstkontrolle, aber auch mangelnde Reife.

      Danach folgt der Reichtum. Gemeint ist innerer Reichtum und Wohlstand. Er ist die Grundlage für gesellschaftliches Ansehen. Er wird durch die Einhaltung der vorgenannten Tugenden erreicht.“



      Puh, das ist eine Menge, was einen echten Herrn ausmacht. Aber genauso ritterlich und in sich ruhend in ihrer Dominanz mag ich sie, die Männer hier in Kak Aute, die den gorean Lifestyle leben! Ganz besonders hat es mir Don Ernesto angetan, der Hauptmann der Wache. Er hat mich bisher verschiedentlich zu sich genommen, um ihm die Nacht zu versüßen. Dabei habe ich festgestellt, dass er alleine lebt, also noch keine persönliche Magd besitzt. Das wieder hat mich besonders angespornt, möchte ich doch so gern die persönliche Magd eines Senors sein!



      Je öfter ich mit diesem Mann zusammen gewesen bin, desto bewusster ist mir geworden, dass er Weitblick besitzt. Ich glaube, obwohl uns – also Frauen allgemein – die Schönheit eines Mannes nicht kaltlässt, lassen wir uns weniger stark von Äußerlichkeiten leiten, als sich das starke Geschlecht umgekehrt von unserer Anmut. Das für unsereins Anziehende, ja, überwältigend Maskuline definiert sich durch Intelligenz, Macht, Verwegenheit.



      Sozusagen sehnen wir uns nach dem Sultan mit Harem, während wir die einzige Frau darin sein möchten. Uns schwebt ein Mann vor, zu dessen Füßen wir das Gefühl haben, zu Recht auf die Knie gegangen zu sein – als Frau und Magd, Seine Magd. Wir streben keine Gleichheit an. Das ist uns zu wenig, wir wollen mehr! Wir brauchen einen Herrn! Dieser soll ehrgeizig und besitzergreifend sein, dazu eifersüchtig, lüstern und dominant. Er soll uns beschützen, über uns wachen und verfügen mit maskulinem Feuer und dem Bewusstsein, dass wir sein Eigentum sind. Er soll uns das Gefühl geben, es sei das Wichtigste auf der Welt, ihm in allem gefallen zu wollen. Wir wollen ihm etwas bedeuten, nicht ignoriert oder vernachlässigt werden.



      Eine persönliche Magd, das versichere ich Ihnen, liebe Leser, erhält eine Menge Aufmerksamkeit, eventuell mehr, als ihr zuweilen lieb ist. In ihrem Dienst, wenn sie Seinem Befehl und Ermessen unterworfen ist, tut sie nichts unbemerkt. Eine der grausamsten Strafen, die wir erleiden können, besteht darin, uns genauso zu vernachlässigen und wahrgenommen zu werden, als seien wir einfach nur anwesend, kaum auffällig, vielleicht wie allzu viele Ehefrauen auf der Welt. Umso emsiger legen wir uns ins Zeug.



      Der Senor soll neugierig auf unsere Gedankengänge sein. Auch unser Innerstes, unser Herz und unsere Gedanken gehören ihm. Er soll verbissen Besitz von uns ergreifen, seiner geschätzten Habe, seiner Magd.



      Normalerweise folgt die Magd ihrem Herrn, wenn sie ihn begleitet. Hin und wieder befiehlt der Senor ihr aber, vorauszugehen, damit er ihren Gang beobachten und sich an den Bewegungen ihrer Hüften erfreuen kann. Dabei ergibt sich zugleich die Möglichkeit, ihren Reiz auf andere Männer zu erkennen, indem der Senor beobachtet, ob andere Männer ihr im Vorbeigehen nachschauen. So erhält er eine Vorstellung von ihrem Wert. Doch unabhängig davon ist diese Gepflogenheit nicht nur für ihn, sondern auch für die Magd, für uns, selbst interessant. Als eitle Tiere möchten wir erfahren, was die Männer bereit sind zu geben, um uns zu erlangen.



      *



      Wenige Wochen danach verändert sich der Charakter Don Pedros noch einmal gravierend. Er erscheint mir härter und dominanter als zuvor. Schließlich eröffnet er mir, dass er mit mir zur Arena geht. Dort sei ein Termin anberaumt, ein Zweikampf.



      „Sie möchten sich anschauen, wie zwei Senores einen Streit ausfechten? Möglicherweise geht es um eine Magd?“ frage ich ihn.



      „Es geht um eine Magd. Das stimmt!“ antwortet mir der Senor. „Mein Gegner ist Don Ernesto und ich erhebe Anspruch auf seine Magd, meine Marion!“



      Erschreckt reiße ich die Augen auf. Der Termin ist in wenig mehr als einer Stunde. Schnell mache ich mich zurecht und folge dem Senor zur Arena. Sein Gegner ist mein geliebter Senor Don Ernesto!



      *



      Ich werde von den Helfern des Arenabetreibers in die Arena geführt und an einen Pfahl gebunden. An einem anderen Pfahl steht schon eine andere Magd gefesselt. Die Zuschauerreihen sind bis zum letzten Platz gefüllt. Herausforderungen kommen hin und wieder vor. Aber dieses Mal ist einer der Kämpfer der Chef der Wache selbst. Ich bin innerlich vollkommen aufgewühlt und das sieht man der anderen Magd ebenfalls an.



      Dann betritt Don Pedro die Arena.



      Ein Mann in weißer Sportkleidung, der Arenabetreiber, fragt: „Sind die Mägde gefesselt?“



      Zwei in gleicher Weise gekleidete Männer neben den Pfählen bestätigen ihm das. Der Arenabetreiber fungiert gleichzeitig als Schiedsrichter. Als Don Ernesto die Arena betritt, geht er auf Don Pedro zu, der ihn zuerst nicht bemerkt, so hängen seiner Augen an der anderen Frau.



      „Kommen Sie, wir wollen uns die Mägde ein letztes Mal ansehen, Don Pedro,“ höre ich meinen geliebten Herrn zu dem Senor sagen.



      Sie kommen zu mir und dann gehen zu ihr. Ich schaue schmachtend zu Don Ernesto auf und so ähnlich verhält sich die andere Frau, was Eifersucht in mir aufsteigen lässt. Eigentlich schickt sich das für Kajirae nicht, doch ich kann nicht anders.



      „Fangen wir an,“ lässt sich Don Ernesto mit ruhiger Stimme vernehmen.



      Daraufhin lässt der Schiedsrichter die Mitte der Arena von den beiden Helfern mit Harken säubern.



      Die beiden Senores tragen jetzt die Rüstung mit Papierschindeln und auf dem Rücken jeder sein Schwert. Der Knauf überragt die linke Schulter. Am linken Unterarm tragen beide einen Schild.



      „Der Kampf soll beginnen,“ sagt der Schiedsrichter nun.



      Don Pedro tritt einen Schritt zurück, und versucht festen Stand zu finden. Vorsichtig macht Don Ernesto einen Schritt auf ihn zu, zögert einen Augenblick und geht dann zum Angriff über. Don Pedro pariert den Schlag mit seinem Schild, aber nun drängt Don Ernesto energisch vor, so dass Don Pedro weiter zurückweichen muss, kann aber jeden seiner Angriffe defensiv abwehren.



      Nach einer Weile macht Don Pedro etwas Ungewöhnliches. Bisher ist er vor Don Ernesto immer zurück gewichen. Als hätte ihm der Gebrauch des Schwertes den Waffenarm ermüdet, setzt er sich plötzlich in den Sand auf seinen Schild und nutzt ihn auf diese Weise als Drehscheibe. Dann nimmt er das Schwert in die linke Hand und atmet schnaufend, als hätte er sich verausgabt. Don Ernesto umkreist ihn unschlüssig, um einen Schwachpunkt zu finden, doch er dreht sich auf dem Schild sitzend mit. Ab und zu startet Don Ernesto einen Testangriff und jedesmal lenkt Don Pedro den Schlag mit seiner Klinge harmlos zur Seite ab.



      Dieses Spiel dauert jetzt schon eine kleine Ewigkeit, mehrere Minuten. Don Ernesto wird immer erregter und damit unkonzentrierter. Dann weicht er zurück. Sofort nutzt Don Pedro den Augenblick und steht auf. Geschwind hat er den Schild in die linke und sein Schwert in die rechte Hand genommen. Don Ernesto bestürmt ihn nun und zwingt ihm einen Nahkampf auf.



      Für uns an den Pfählen in der Arena und die Zuschauer auf den Rängen – es herrscht vollkommene Stille bis auf das Klirren der Schwerter – sieht es aus, als ob sie aneinander lehnen, fast unbeweglich bis auf die schnellen Bewegungen der Arme und das Zucken der Handgelenke.



      Plötzlich schnauft Don Ernesto. Er stolpert zurück.



      Don Pedro setzt sofort nach und kann weitere Treffer landen. Kleine Schnittwunden hoffentlich nur, die man mit Pflastern oder leichten Verbänden behandeln kann, die aber höllisch schmerzen müssen. Don Ernesto weicht immer weiter zurück. Bestimmt eine Viertelstunde lang treibt Don Pedro ihn durch die Arena, ab und zu durchschlägt Don Ernesto Don Pedros Deckung, dann geht Don Ernesto in die Knie.



      Sofort ist Don Pedro bei ihm. Don Ernesto versucht noch einmal das Schwert gegen Don Pedro zu heben, aber der Senor drückt es mit seinem Stiefel in den Sand. Don Ernesto lässt los und lässt auch sein Schild vom Unterarm rutschen. Don Pedro wirft sein Schwert weg. Der Schiedsrichter ist heran und auch ein Sanitäter kommt hinzu. Die beiden Helfer nehmen Don Ernesto zwischen sich, der unwirsch die Hilfe abwehrt.



      „Don Pedro, das war ein großartiger Kampf,“ sagt Don Ernesto und hebt erschöpft lächelnd die rechte Hand zum Gruß an sein Herz.



      Dieser grüßt ihn ebenfalls und kommt zu mir. Er bindet mich los und einem Impuls folgend laufe ich zu Don Ernesto. Ich falle ihm um den Hals. Don Ernesto geht in der Zwischenzeit zu Marions Pfahl und löse auch ihre Fesseln. Sie steht mit gesenktem Kopf vor ihm.



      Sie sagt etwas, worauf er ihr laut und mit bebender Stimme „In den Sand mit dir!“ befiehlt.



      Sofort sinkt sie auf die Knie und beugt sich über seine Stiefel. Ich nähere mich den Beiden zögerlich.



      „Senor, ich bitte um Entschuldigung. Ich habe mich gehen lassen,“ sage ich zerknirscht und sinke ebenfalls auf die Knie.



      „Rosa,“ sagt Don Pedro zu mir. „Du liebst Don Ernesto, habe ich Recht?“



      „Ja, Senor.“



      „Geh’ zu ihm, Don Ernesto ist dein Herr!“ befiehlt er.



      „Aber Senor, willst du deine Magd nicht mehr? Habe ich dir nicht gefallen?“ frage ich.



      Tränen schießen mir in die Augen.
      „Doch, Rosa, sehr sogar! Aber Gefühle lassen sich nicht rational steuern. Du weißt, an wem mein Herz hängt und ich weiß, an wem Dein Herz hängt. Es war ein guter Kampf. Aus Anerkennung darüber schenke ich dich Don Ernesto!“ bestimmt Don Pedro nun.



      „Oh, Senor. Vielen Dank, Senor. Vielen, vielen Dank!“ ruft ich freudig aus, springe auf und laufe zu Don Ernesto zurück.



      Dort verhalte ich etwas im Schritt, schleiche förmlich auf ihn zu mit gesenktem Kopf und frage ihn leise:



      „Möchte der Senor denn überhaupt die Magd Rosa haben?“



      „Nein,“ sagt Don Ernesto hart. „Die Magd Rosa mag ich nicht besitzen. Du wirst mir als Namenlose dienen. Dann werde ich überlegen, welchen Namen ich dir gebe.“



      Ich sinke vor Don Ernesto in die Knie und umklammere seinen Oberschenkel. Ein Weinkrampf schüttelt mich.



      „Auf, Magd! Du weißt, wo ich wohne. Lauf und erwarte mich dort!“ sagt Don Ernesto nun.



      Zu den Helfern gewandt ergänzt er: „Bringt mich in den Sanitätsraum!“



      *



      Die folgenden Tage sind himmlisch. Don Ernesto hat nach meinen persönlichen Sachen bei Don Pedro geschickt und ab jetzt schlafe ich nicht mehr in unserer Mägdeunterkunft, sondern ich diene ihm persönlich. Don Marco ist schließlich damit einverstanden, dass ich nicht mehr als Escort für ihn arbeiten muss. Er wird bei Don Emiliano eine andere Kajira finden, die mich ersetzt.



      Dann aber soll ich noch einmal zu Don Pedro zurückkehren. Von etwa Mittag bis Mitternacht soll ich die Organisation und den Ablauf einer Feier überwachen, weil seine neue Magd darin noch keine Erfahrung hat. Natürlich lässt sich Don Ernesto meine Dienste von Don Pedro bezahlen. Don Pedro garantiert ihm für meine Unversehrtheit, sagt er.



      Pünktlich um die Mittagszeit betätige ich den Türgong von Don Pedros Wohnung. Er öffnet mir persönlich und lässt mich eintreten. Ich begrüße ihn mit einem tiefen respektvollen Knicks und überblicke die Szene. Die neue Magd kniet neben dem Hocker des Hausherrn am Tisch.



      „Darf ich fragen, wer in Ihrer Wohnung die Erste Magd ist, Senor?“ frage ich, ohne den Senor direkt anzusehen.



      „Du bist die Erste Magd,“ antwortet er mir.



      „Du bist die Erste Magd!“ sagt nun auch das hübsche kleine Geschöpf neben dem Hocker.



      „Welche Befehle haben Sie für mich, Senor?“ frage ich Don Petro.



      „Heute Abend,“ erklärt er mir, „will ich hier ein kleines Abendessen geben, nichts Besonderes, nur einige Freunde kommen. Ich möchte, dass du einkaufst und dekorierst. Das Essen musst du bei Don Francesco bestellen und hierher schaffen. Dabei wird dir meine Magd zur Hand gehen.“



      „Ich verstehe, Senor,“ sage ich.



      „Die Wohnung muss natürlich tadellos in Schuss sein,“ ergänzt der Senor.



      „Ja, Senor.“



      „Und ich verlasse mich darauf, dass du es hier hübsch mit Girlanden und Blumen und so weiter ausschmückst. Und außerdem sorgst du für ein wenig geschmackvolle Unterhaltung.“



      „Ja, Senor.“



      „Wenn nicht alles bestens läuft, werde ich mich unzufrieden zeigen,“ meint er.



      „Der Senor wird zufrieden sein,“ versichere ich ihm.



      Nach einer kurzen Pause frage ich: „Senor?“



      „Ja?“



      „Wie soll die Magd behandelt werden?“



      „Du bist die Erste Magd hier. Richte dich danach!“



      „Sie sprachen von einer kleinen Unterhaltung für ihre Gäste.“



      „Ja?“



      „Soll die hübsche kleine Magd daran mitwirken?“ frage ich konkreter und deute mit einer Kopfbewegung auf die neue Magd.



      „Selbstverständlich,“ bestätigt der Senor.



      Auftragsgemäß gehe ich zuerst in den Basar. Das Dekorationsmaterial brauche ich nicht bezahlen, da Don Pedro mir ein Schreiben mitgegeben hat. Angehängt ist eine Liste, in die der Händler das ausgehändigte Material einträgt mit Angabe des Preises. So hat der Senor nachher eine Kontrollmöglichkeit und kann die Händler nachträglich bezahlen. Dass eine Magd mit einer größeren Summe draußen unterwegs ist, ist eher unüblich. Bella, wie die neue Magd nun heißt, begleitet mich, um mir tragen zu helfen.



      Unterwegs erzählt mir Bella ihre Geschichte. Sie hat in Alemannia, seit sie Don Pedro kennt, Nacht für Nacht gewisse wiederkehrende Klarträume gehabt, in denen sie sich als gefesselte Magd zu Füßen Don Pedros gesehen hat. Das ist völlig konträr zum vorherrschenden gesellschaftlichen Alltag, darum hat sie dieser Traum so stark beunruhigt, dass sie sich in psychologische Behandlung begeben hat. Aber da die Fachleute sich als inkompetent erwiesen haben, hat sie sich endlich dazu entschlossen, Don Pedro durch die Blume darauf anzusprechen. Auch dieses Treffen ist für sie unbefriedigend verlaufen, da Don Pedro ebenfalls in der westlichen Kultur gefangen gewesen ist.



      Schließlich sind beide auf Betreiben Professor Daniels, des Mentors von Don Pedro nach Kak Aute gekommen. Wie ich von Don Marco weiß, ist Professor Daniels vor einigen Jahren auch schon hier gewesen. Hier hat man sie getrennt in der Gesellschaftform Kak Autes, getreu der natürlichen Ordnung der Lebewesen, unterrichtet.



      „Was bin ich nun?“ redet Bella weiter, die frühere Senorita Marion Müller. „Ich habe die Antwort insgeheim erkannt. Ich wandele nicht mehr wie losgelöst von mir selbst umher. Dieses Gefühl habe ich seit dem wiederkehrenden Traum über Tag gehabt. Nein, ich kenne endlich mein wahres Ich. Davor musste ich eine Identität vorgeben, die mir zunehmend hohl erschien. Eine Identität, die mit Stereotypen konform gehen musste, die mir von außen auferlegt wurde seit der elterlichen Erziehung, und meinem Wesen nicht entspricht.

      Hier endlich fühle ich mich befreit, das zu sein, was ich bin. Hier gibt es eine Wirklichkeit zum Anfassen, wie Baumrinde oder Gras.

      Es gefällt mir, schön zu sein und das auch offen zu zeigen. Früher hätte ich damit den Jungs den Kopf verdreht und mit ihren Gefühlen gespielt. Hier habe ich erfahren, dass die Männer nicht mit sich spielen lassen, dass ich in ihrer Gewalt stehe. Hier lassen uns die Männer, falls wir mit dem Gedanken spielen, so etwas nicht durchgehen. Welch süße Gewalt, welch wunderbare Fürsorge ich hier erfahren darf!

      Gleichzeitig habe ich auch die Schattenseite dessen erkannt, denn so macht man die Männer auf sich aufmerksam und erregt sie. Aber wenn man einem Senor gehört, beschützt dieser sein Eigentum vor Übergriffen Anderer. Oh, ich liebe das und finde meine Erfüllung darin, mein Glück und meine Freude!“



      Bellas Wangen glühen, stelle ich fest. Sie hat Feuer gefangen, und auch Don Pedro ist in einem Stadium angekommen, dass sich eine Kajira nichts sehnlicher wünscht, als von ihm besessen zu werden. Schließlich bringen wir unsere Besorgungen zurück und dekorieren Don Pedros Wohnung in seiner Abwesenheit.



      *



      „Noch einen Obstsalat, Herr?“ fragt Bella, links hinter Don Pedro stehend.



      Er dreht sich zur Seite und nimmt eine neue gefüllte Schale aus ihrer Hand. Dann wendet er sich wieder der Tänzerin zu. Sie trägt ein durchsichtiges Etwas. Ich habe es einem glücklichen Zufall zu verdanken gehabt, dass ich sie für heute Abend mieten konnte. Sie gehört zur Taverne Apok-Uéi –Sonnenfeuer-. Der Wirt hat nichts dagegen gehabt, heute Abend noch ein paar Münzen zusätzlich mit ihr zu verdienen.



      „Sie ist wunderschön,“ sagt Don Hernano.



      „Vielen Dank,“ entgegnet ihm Don Pedro lächelnd.



      Beide Senores sind aus Alemannia und haben sich hier getroffen.



      Zu Beginn des Abends habe ich die Senores mit meinem Lautenspiel unterhalten und Lieder gesungen. Dafür hat man mir freundlichen Applaus gespendet. So etwas erfreut unsereins immer. Jetzt stehe ich hinter dem Buffet, überwache Bellas Arbeit - und warte auf mein Zeichen.



      Wieder wendet Don Pedro seine Aufmerksamkeit der Tänzerin zu. Sie bewegt sich anmutig und reizvoll. Ihre Bewegungen sind hübsch anzuschauen und zurückhaltend.



      „Mehr Maisbier, Senor?“ fragt Bella in diesem Moment.



      „Ja,“ sagt er.
      Sie füllt seinen hingehaltenen Becher aus dem Krug, den sie vom Buffet zum Tisch gebracht hat.



      „Genug, mein Mädchen,“ stoppt er sie mit schmeichelnder Stimme.



      „Ja, Senor.“



      Die Musik kommt aus einer kleinen Anlage, die Don Pedro vor kurzem in einem Geschäft hier im Ort gefunden hat. Mit einem lebhaften Wirbel endet die Musik, dann ist der Tanz beendet. Die Senores klatschen Beifall. Die Tänzerin ist gut gewesen. Mit gesenktem Kopf steht sie vor den Männern. Lächelnd, von neu aufklingender Musik begleitet, eilt sie dann zum Buffet, wo sie Bella beim Servieren helfen soll. Die Musik spielt leise weiter.



      „Ein hübsches Ding,“ sagt Don Hernano in diesem Moment und deutet auf Bella, die die Männer unterwürfig bedient.



      Errötend senkt sie den Kopf, wie ich erkennen kann.



      Don Pedro setzt seinen Becher ab, und wischt sich verstohlen über die Augen.



      „Was ist los?“ fragt Don Hernano lächelnd.



      „Der Rauch von den Kerzen,“ meint er mit rauer Stimme und wischt noch einmal die Feuchtigkeit aus den Augen.



      „Nein,“ widerspricht Don Hernano lächelnd. „Es liegt daran, dass Sie stolz auf ihre Magd sind.“



      Bella und die Tänzerin servieren den Senores den nächsten Gang der Mahlzeit, den Nachtisch, dem

      dann Tee und süße Liköre folgen sollen.



      Don Pedro wendet sich an Don Hernano.



      „Was haben Sie für Pläne?“



      „Ich werde morgen in den Tepui steigen,“ antwortet er, „wenn Sie Lust haben, können Sie mich schon Morgen begleiten.“



      „Was ist mit Bella?“ fragt Don Pedro.



      „Sie ist doch hier, um Ihnen zu assistieren,“ gibt Don Hernano zurück. „Nehmen Sie sie also ruhig mit in den Fels. Ronaldos Frau Meru hat uns ja auch beim Aufstieg in den Tepui begleitet.“



      Wieder wischt sich Don Pedro über die Augen.



      „Sie brauchen sich ihrer Gefühle nicht zu schämen,“ ermahnt Don Hernano ihn.



      „Ich bin in meiner Kindheit mit der Maxime ‚Ein deutscher Junge weint nicht’ erzogen worden,“ erklärt dieser.



      „Tränen sind nichts Ehrenrühriges für einen dominanten Mann,“ sagt Don Hernano. „Der Herr ist ein Mann tiefgreifender Leidenschaften und Gefühle. Viele Menschen verstehen die Tiefe seiner Seele nicht. Sie brauchen keine Angst zu haben vor den Strömungen, die Sie in sich spüren. Im Herrn blühen Blumen und toben Stürme. Beides gehört zu ihm, beides ist greifbar vorhanden. Beides muss man hinnehmen, keine Seite darf man von sich weisen.“



      „Ich danke Ihnen, Don Hernano,“ erwidert der Senor seinem Gast.



      „Ah, Nachtisch!“ ruft Don Hernano jetzt freudig aus.



      Bella und die Tänzerin gehen an den Tisch. Sie tragen Tabletts mit leckeren Nachspeisen und knien nieder, zeigen vor, was sie zu bieten haben und bedienen die Männer dann.



      „Gebäck, Herr?“ fragt Bella ihren Senor.



      Ihre schlanken Hände halten das Tablett. Don Pedro nimmt ein kleines Stück Gebäck herunter und sie wendet sich Don Hernando zu, während die Tänzerin auf der anderen Seite des Tisches Ronaldo bedient, den Fremdenführer aus dem Volk der Pemón. Das Gebäck findet guten Zuspruch.



      „Ausgezeichnet!“ lässt sich Ronaldo vernehmen und hebt ein kleines Gebäckstück in die Höhe.



      „Vielen Dank,“ antworte Don Pedro.



      Sein Blick geht wieder einmal in die Runde. Die bunten Bänder an den Wänden und der Decke des Wohnraumes verbreiten festliche Stimmung, die Lampen sind hübsch anzuschauen, ebenso die Blumen, die einen angenehmen Duft verströmen.



      „Gefällt dir das Essen?“ fragt Don Pedro Ronaldo, der bisher ziemlich schweigsam gewesen ist.



      „Ja“, antwortet dieser, „sehr sogar.“



      Die beiden Mägde haben das Tablett mit dem restlichen Nachtisch auf dem Tisch stehen gelassen und sind zum Buffet zurückgekehrt. Gleich werden sie Tee und Liköre servieren.



      Ich gehe nun umher und beginne die Lampen zu dimmen. Auch blase ich jede zweite Kerze aus.



      „Was machst du?“ fragt mich Don Pedro mit Falten in der Stirn.



      „Verzeih, Herr!“ antworte ich schnell und husche wieder hinter das Buffet.



      Ich habe es absichtlich getan, um eine romantische Stimmung zu erzeugen für die kleine Vorstellung, die nun folgen soll. Don Pedro hat nichts Genaues angewiesen. So habe ich mit Bella den Ablauf besprochen.



      Nur vor dem Tisch der Senores habe ich das Licht noch etwas heller belassen. Als Bella nun den Raum verlässt, stoppe ich die Musik. Interessiert schauen die Senores auf.



      „Was ist los?“ will Don Hernano wissen.



      „Ich weiß nicht,“ gibt Don Pedro ehrlich zu.



      „Eine kleine Vorstellung?“



      „Vielleicht,“ meint der Senor und beginnt zu lächeln.



      Die Tänzerin geht nun zum Tisch und legt ein schmales weißes Tuch darüber. Dann entzündet sie eine niedrige dicke Kerze, die auf einem Teller steht und stellt sie auf das Tuch.



      Don Pedro betrachtet das Arrangement im Halbdämmer. In ihm werden Erinnerungen wach.



      Ich starte die Musik wieder, nachdem ich eine CD mit Jazz ausgewählt habe. Bella betritt den Raum. Sie hat sich auf der Toilette umgezogen.



      „Sie ist wunderschön,“ bemerkt Don Hernano.



      „Aber diese Kleidung…“ dehnt Ronaldo.



      Die hübsche dunkelhaarige junge Frau steht im Licht auf den Fellen vor dem Tisch, an dem die Senores sitzen. Das Haar hat sie streng zurück gekämmt und festgebunden. Ihren Körper umhüllt ein schulterfreies gürtelloses Seidenkleid. Goldene Schnüre winden sich um ihre Füße.



      „Welche Bedeutung hat das Ganze?“ fragt Don Hernano.



      Don Pedro schaut stumm auf die Szenerie. Er ist sicher von der Erscheinung überwältigt.



      „Mir bedeutet es sehr viel,“ sagt er. „Ich erkläre es euch.“



      Anmutig dreht sich Bella vor den Senores hin und her.



      „Die Bekleidung soll mich hier und jetzt an die Kleidung erinnern, die diese Magd vor über einem halben Jahr als freie Frau getragen hat, bei einer wichtigen Begegnung.“



      „Ich verstehe,“ sagt Don Hernano in die Pause hinein.



      „Und es war die Kleidung, in der sie meines Wissens zum ersten Mal ihre Weiblichkeit eingestanden hat.“



      „Viele fürchten sich davor,“ nickt Don Hernano.



      „Ja, die westliche Kultur ermutigt die Frauen, sich als Pseudo-Männer zu gebärden. Auch in ihrer strengen Aufmachung, die ihre Tüchtigkeit und Männlichkeit darstellen soll.“



      „Das trifft auf dieses Kleid aber nicht zu. Es ist dafür zu weiblich.“



      „Richtig. Solche Ungereimtheiten,“ antwortet Don Pedro, „sind für viele Frauen in der westlichen Kultur nicht untypisch. Sie deuten auf Unsicherheiten im Eigenbild der Frau hin, und vor allem auf eine gewisse Verwirrung in Bezug auf ihre Sexualität. Es wird auch noch viele andere Gründe geben. In manchen Fällen kann eine solche Aufmachung andeuten, dass tatsächlich der Weg zur wahren Weiblichkeit schon betreten wurde.“



      „Das Tuch auf dem Tisch und die Kerze,“ sagt Don Hernano, „sollen also an den Ort der Zusammenkunft erinnern, von dem Sie sprachen.“



      „Ja,“ gibt er schlicht zurück. „Sie suchte diesen Ort auf, um mit mir eine delikate, intime Angelegenheit zu besprechen.“



      „Sie wollte sich Ihnen als Magd anbieten?“



      „Wenn das der Fall war, dann war dieser Wunsch noch zu sehr von den Zwängen der westlichen Kultur unterdrückt.“



      Die hübsche Erscheinung aus Don Pedros Vergangenheit beginnt sich anmutig im Takt der Musik zu wiegen, dreht sich, streckt die Hände dabei aus. Er betrachtet sie gebannt. Wie schön sie ist! Sie blickt ihn an und beginnt entschlossen im Takt zur Musik ihr Haar zu öffnen.



      Am Tisch gibt es Beifall dafür, denn sie bewegt sich wohlgefällig für das Auge.



      Vorsichtig löst sie das Kleid unter dem Arm, an der Hüfte, am Oberschenkel und am Knie und zieht es aus. Dabei erkennt man, dass hier lediglich ein rechteckiges weißes Tuch genommen und geschickt umgeschlagen und vernäht worden ist, um einem schulterfreien Kleid zu ähneln.



      Leiser Applaus klingt auf.



      Bella setzt sich anmutig nieder und beginnt die goldfarbenen Riemen von den Füßen zu lösen. Im Jazzlokal hat sie goldfarbene Pumps getragen, die ähnlich festgeschnallt gewesen sind, hat sie mir erzählt. Auch so etwas ist in Kak Aute leider nicht zu kaufen gewesen. Also haben wir mit Schnüren aus einem Geschenkartikelladen improvisiert. Sie sieht Don Pedro an. Jeder der Anwesenden weiß inzwischen, was ihre Vorstellung bedeuten soll.
      Unter Applaus richtet sie sich auf. Der Büstenhalter ist auf raffinierte Weise mit weichem weißem Stoff nachgebildet worden. Hier in Kak-Aute gibt es so etwas nicht zu kaufen. Sie hebt lasziv die Hände, greift nach hinten und lässt den Stoffstreifen fallen.



      Bellas und Don Pedros Blicke begegnen sich.



      „Sehr gut,“ kommentiert Don Hernano.



      Bella bewegt die rechte Hand an die Hüfte, öffnet den Stoff des kurzen Lendenschurzes, den sie noch trägt, windet ihn ab und lässt ihn zu Boden fallen. Anschließend geht sie in zwei schnellen Schritten zu Don Pedro und kauert sich neben ihn, an seine Beine gelehnt.



      „Ausgezeichnet!“ sagt Don Hernano wieder einmal lächelnd und klatscht Beifall. Ronaldo fällt darin ein.



      Der Senor fasst seine Kleine an den Oberarmen, zieht sie hoch und hält sie fest. Tief blickt er ihr in die Augen. Sie atmet schwer, von Gefühlen überwältigt. Flehend blickt sie zu ihm auf. Mit ihrem Auftritt hat die kleine dunkelhaarige Schönheit zu ihrem Senor gesprochen. Ein wunderschönes Geschenk für ihn.



      Ich zünde die gelöschten Kerzen wieder an. Das Zimmer ist nun wieder normal beleuchtet und die Tänzerin hat die Kerze und das Tuch zwischenzeitlich fortgeräumt.



      „Herr“, flüstert Bella verlangend.



      „Es wird Zeit für den Likör, Magd,“ sagt Don Pedro hart.



      „Ja, Herr,“ antwortet sie ihm leise. Ich meine, Enttäuschung in ihrer Stimme schwingen zu hören.



      Dann richtet sie sich auf und eilt zum Buffet.



      „Bella!“ rufe ihr Don Pedro hinterher.



      „Ja, Senor?“ fragt sie zurück.



      „Du wirst bedienen, wie du bist.“



      „Ja, Senor.“



      Sie kehrt an den Tisch zurück und beginnt den Senores das Getränk auszuschenken. Sie ist nun vollkommen nackt.



      „Sie ist wunderschön“, sagt Don Hernano zum wiederholten Mal. „Sie werden sie gut zu nutzen wissen.“



      „Soviel steht fest!“ antwortet der Senor lächelnd.



      „Wie ihr Männer über uns redet!“ wage ich zu bemerken.



      „Still, Magd!“ höre ich aus Don Pedros Mund.



      „Ja, Senor,“ antworte ich und senke scheu den Kopf.



      Wenig später brechen Don Hernano und Ronaldo auf.



      „Es war ein schöner Abend,“ sagt Don Hernano zum Abschied.



      Don Pedro schließt hinter seinen Gästen die Tür und bringt mich und die Tänzerin persönlich zu ihren Senores zurück. Voll Vorfreude denke ich an Don Ernesto, meinen Liebesherrn. Wie ich mich danach sehne, mich an seine Brust zu schmiegen und wieder einmal daran erinnert zu werden, dass ich sein Eigentum bin.



      *



      Wieder einmal habe ich Don Ernesto gedient. Mir gefällt seine außerordentliche Freude daran, mich als Frau, als Weib zu knechten und in Erregung zu bringen, mich in seinen Armen zucken und zappeln zu lassen, mich zum Keuchen und Stöhnen, zum Lecken und Küssen zu bringen, in jeder Hinsicht eine besiegte Magd.



      Wieder einmal muss ich danach neben seinem Bett angekettet auf den Bodenmatten schlafen, mit dem Kopf zum Fußende gedreht, weil dort der Ring am Bettrahmen befestigt ist. Eine Magd mit dem Kopf zu den Füßen des Senors schlafen zu lassen, ist durchaus üblich. Auch kann sie dort neben dem Bett, wenn den Senor die Lust überkommt, ihm Freude spenden müssen. Demgemäß bedeutet die Erlaubnis, sich auf das Bett legen zu dürfen, eine große Ehre, die mir zeigt, dass in meinem Herrn Gefühle geweckt wurden. Anscheinend tut er sich jedoch schwer damit, sie zu akzeptieren.



      Aus diesem Grund, nehme ich an, stößt er mich regelmäßig aus dem Bett, wenn er sein Haupt zur Ruhe betten will. So liege ich nun unter einer Decke, die er mir gnädigerweise überlassen hat und bin noch lange gefangen in den Gefühlen, die er mir gespendet hat, bevor ich selber einschlafe.



      *



      Am Morgen danach wache ich auf, als der Klangstab angeschlagen wird, der mit dem Uhrwerk verbunden anzeigt, wann es Zeit ist mit dem Tagwerk zu beginnen. Ich richte mich in kauernde Stellung auf. Mehr Bewegungsfreiheit erlaubt mir der Ring am Bett nicht.



      Don Ernesto richtet sich im Bett auf und schwingt seine Füße heraus. Sofort beuge ich mich herunter und bedecke sie mit Küssen.



      „Du beunruhigst mich“, sagt er auf einmal.



      „Es tut mir leid,“ flüstere ich zwischen den Küssen, „wenn ich meinem Herrn missfalle.“



      „Ich verstehe die Gefühle nicht, die ich dir entgegenbringe. Du bist doch nichts weiter als eine Magd!“



      „Deine Magd,“ betone ich.



      Er schiebt mich mit dem Unterschenkel zurück und steht auf. Seine Laune heute morgen beunruhigt mich.



      „Ich habe sogar Angst vor dir,“ sagt er wie im Selbstgespräch. „Immer wieder versuche ich, dich als Besitzstück besonders schonungslos zu behandeln. Warum habe ich das Gefühl, dies mit dir tun zu müssen?“



      Verwirrt blicke ich zu ihm auf.



      „Ich habe Angst vor mir selbst. Angst vor dir und vor mir,“ präzisiert er, während er mich vom Bettring losmacht.



      „Du machst mich schwach,“ fährt er fort, „mich, den Hauptmann der Wache!“



      „Verzeih mir, Senor!“ sage ich, immer mehr verwirrt, und beeile mich ihm das Frühstück zu bereiten.



      Don Ernesto geht ins Bad und setzt sich bald darauf an den Tisch, wo ich ihm sein Frühstück serviere.



      „Sollte ich dich freilassen?“ fragt er unvermittelt.



      Sorgenfalten furchen seine Stirn.



      „Nein, Senor!“ rufe ich aus.



      „Keine Angst,“ antwortet er. „Ich bin Don Ernesto tu Kak Aute. Ich lasse keine Mägde frei.“



      Dann verlässt er mich um seine Arbeit aufzunehmen, die öffentliche Sicherheit in unserem Ort zu gewährleisten und die nötigen Entscheidungen zu treffen. Zurück bleibt eine verunsicherte Frau. Nein, freilassen wird mich der Senor nicht. Er ist nicht dumm. In meinem geliebten Senor ist ein Feuer entfacht, dass ihn zu verzehren droht. Er fürchtet, seine Gefühle könnten seine Entscheidungen beeinflussen.



      Zu Beginn der Siesta ist er wieder zurück und ich serviere ihm das Mittagessen. In den vergangenen Stunden habe ich seiner Wohnung meine besondere Sorgfalt gewidmet. Jetzt darf ich ihm eine Entspannungsmassage gönnen. Dabei frage ich wie beiläufig:



      „Die Senores erfreuen sich an der Schönheit und dem Duft der Blüten. Sie möchten sie nicht missen. Eine umgepflügte Wiese Wildblumen treibt ihnen Tränen der Trauer in die Augen…“



      „Ja?“ fragt Don Ernesto zwischen Wohllauten.



      Ich unterbreche mein Tun, falle vor ihm auf die Knie und bedecke seinen Leib mit meinen Tränen. Von einem Weinkrampf geschüttelt, kann ich minutenlang nichts sagen. Dann bricht nur eine kurze Metapher aus mir heraus:



      „Bitte, Senor, lass mich die geringste Blume in deinem Garten sein! Schick mich nicht weg!“



      ER setzt sich auf, nimmt meinen Kopf in die Hände und sagt:



      „Du wirst tun, was ich sage!“



      „Ja, Senor!“



      Ich schlucke den imaginären Kloß im Hals herunter und atme tief ein. Dann nicke ich.



      „Gehen wir bald zur Auktion, Senor?“ frage ich.



      Ich erkenne meine Stimme selbst kaum wieder.



      „Ja, noch heute Nachmittag.“



      Ergeben senke ich den Blick.



      Als die Siesta sich ihrem Ende zu neigt, sagt Don Ernesto:



      „Es ist Zeit, dass wir den Auktionator aufsuchen.“



      Schüchtern berühre ich seinen Arm.



      „Bitte, Senor!“ flehe ich ihn an.



      Der Blick, mit dem er mich mustert, ist beinahe zärtlich. Er scheint bekümmert zu sein.



      „Ja,“ sagt er und bedeutet mir, ihm ins Schlafzimmer zu folgen.



      Ich knie mich links unten ans Fußende des Bettes, während er sich aufs Bett legt. Dann beuge ich mich nach vorne und küsse die Decken, bevor ich auf die Schlafstatt krieche. Mein Senor ist, wie die meisten Menschen, Rechtshänder und findet es praktischer, sich zur linken Seite zu drehen, um seine Magd mit der obenliegenden freien Hand mit Klapsen oder Streicheleinheiten zu bedenken. Ein letztes Mal darf ich ihn erfreuen. Dieses Mal ist er besonders hart mit mir. Trotzdem genieße ich diese Nähe.



      Schließlich lässt er ab von mir und gürtet sich zum Aufbruch. Vor Don Manuels Tür angekommen, nimmt er mich noch einmal in seine starken Arme. Seine neuerliche Zärtlichkeit erstaunt mich.



      „Du wirst mir fehlen, Rosa,“ sagt er.