Unholys Blog

    Unholys Blog

    Hier stehen wir, wieder. Wieder haben wir uns viele gute Vorsätze gemacht, haben uns in der jüngsten Vergangenheit kritisch betrachtet und uns nach mindestens vier oder fünf Minuten intensivem Nachdenken einen Plan zurechtgelegt. Er beinhaltet, wer wir in den nächsten zwölf Monaten sein/werden wollen, mit wem wir uns heute, in genau einem Jahr umgeben möchten. Wir wollen es endlich tun. Wir wollen es endlich schaffen. Wir wollen endlich es. Aber was ist es eigentlich?

    Was ist das? Ist das Leben? Ist das Leidenschaft? Ist das Erfüllung? Oder kann das vielleicht weg? Heute, vor genau einem Jahr, hatte ich bereits einen Entschluss gefasst. Nennen wir es einen "guten" Vorsatz für 2017. Auch wenn er mir nicht so sehr gut vorkam.
    Ich wollte aufhören. Es war nicht mehr so, wie ich es wollte, wie ich es brauchte. Aufhören? Nun ich hatte ein paar "Spielbeziehungen" (schreckliches Wort, oder?) geführt und war irgendwie nicht wirklich glücklich darüber. Weder danach, noch währenddessen. Ich kann mich erinnern, wie meine damalige Partnerin mich fragte, warum in unserem damaligen Forum niemand wissen sollte, dass wir zusammen sind. Ich sagte ihr, dass ich es für unpassend hielt, da sie zu den Moderatoren gehörte. Aber das war es nicht. Nicht nur. Nein, ich war mir einfach nicht sicher, ob wir zusammen gehörten. Ob das, was uns beide verbindet, auch das war, was wir beide suchten.
    Jedes einzige Mal, wenn sie mir sagte, ich hätte die "Sub" (auch kein schönes Wort) in ihr erreicht, fragte ich mich innerlich immer: "Womit? Mit meiner halbärschigen Dom-Manier?". Und dann hasste ich den Menschen, den solche Gedanken aus mir machten. Weil ich einfach nicht so tun wollte, als ob alles in Ordnung war. Ich war es so leid, irgendwas zu erleben, um überhaupt was zu "spüren".

    Ich war gleichgültig geworden. Es war mir so dermaßen egal, was wurde. Und dann wurde es mir auch irgendwie egal, wenn ich es nicht mehr ausleben konnte. Weil sich einfach nichts anfühlte, wie es sein sollte, vielleicht, weil die Lust, oder die Erwartung, oder was weiß ich, über all die Jahre sich derart verändert hatten, dass ich immer mehr und immer konkreter dieses bestimmte Gefühl suchte. Und das schien es nicht zu geben.

    Ja, ich führte eine offene Ehe. Auch nicht ganz richtig, weil diese Verbindung, diese Absprache, dieses Vertrauen zwischen uns wirklich besonders ist..... oder war.

    Ich hatte irgendwie meinen sicheren Hafen.... oder war es das berühmte Netz? Der doppelte Boden? War es vielleicht etwas, was mich wirklich davon abhielt, mich ganz fallen zu lassen? Ich war einfach nicht mehr bereit, es herauszufinden. Nicht für ein halbherziges Gefühl...

    Meine guten Vorsätze begegneten ihrer Reifeprüfung am zweiten Januar, 2017. Als SIE unvermittelt zur Tür herein kam. Und das ist nichtmal übertrieben, weil irgendwie keiner mit ihr gerechnet hatte und man sie schon wegschicken wollte...
    … Nun, sie blieb und so blöd sich das anhören mag, bereits am zweiten Tag haben wir schon über Dinge gesprochen, die man wirklich guten Freunden erzählt. Fanden Gemeinsamkeiten in unserer Vergangenheit (ja, dieser „Nebenjob“ über den du dich so gerne lustig machen willst). Und irgendwann fragte sie mich dann, warum so viele Kontakte in meinem Handy nur Nummern sind... Und ich erzählte einfach, was ich die letzten 14 Jahre so getrieben habe.

    Es war ein wunderbares Jahr, welches wir in vollen Zügen genießen konnten. Wir blieben „locker“ schuldeten uns nichts gegenseitig sondern haben einfach nur die Zeit genossen, ohne Ziel und ohne Plan...

    … nun, es ist vorbei. Und es fühlt sich so endgültig an, wie sich etwas nur anfühlen kann, das ein Ende gefunden hat. Und mehr noch, es gibt kein Netz und keinen doppelten Boden (mehr). Einfach nur den freien Fall, einfach nur abwärts....

    Ich habe Nacht um Nacht damit verbracht, mich mit der Frage zu quälen, ob ich bereit bin, nochmal ganz von vorne anzufangen. Als ich noch früh und nachts im Wechsel arbeiten musste, konnte ich meine Schlaflosigkeit darauf schieben. Aber in meinem Urlaub musste ich mich der Tatsache stellen, dass ich ein Problem hatte.

    ...und nun? Ich falle nicht. Nicht mehr. Ich bin immer noch hier. Aber nicht wie zuvor. Nicht, wie ich es in diesem Jahr, das hinter mir liegt, war. Anders. Sehr anders. Und doch sehr vertraut. Da ist wieder dieser kleine Funke, der das alles mal entfacht hatte. Ich fühle mich....gut.

    Es ist ein Weg, den ich immer und immer wieder gehen würde. Natürlich ist er total egoistisch. Und natürlich ist er manchmal steinig. Aber verdammt, ich kann nichts Anderes. Ich bin nunmal so.
    Hin und wieder, wenn es still wird, um mich herum, wandert dann diese Stille auch in meinen Kopf, drückt mit kalten Fingern in meine Brust, an die Stelle, wo ihr Herz neben meinem im Gleichtakt schlug... Der Platz bleibt. Nun ist er ein Teil von mir. Und das ist es. Genau dieses Gefühl habe ich gesucht.
    Wenn aus Du und Ich Wir werden. Und du einfach über eine weiße Seite meines Lebens rennst und deine Farbspritzer hinterlässt, dann ist dies etwas, was niemals jemand mehr nehmen kann. Ich kann immer wieder zurückblättern und schauen, wie es war. Und es verändert den Ausgang der Geschichte. Es verändert meine Gegenwart, es verändert mich. So, wie mich jede einzelne Begegnung mit einem Menschen zuvor verändert hat.

    Ja, es ist vorbei. Und ja, es tut so schrecklich weh. Aber ich möchte mich wirklich nicht mit solchen Dingen aufhalten. Das Leben ist viel zu kurz und ich habe noch mehr vor, als ich in zwei Leben schaffen könnte. Aber ich werde es schaffen. Zur Not auch mit dem Kopf durch die Wand. Nur suchen und planen werde ich nicht. Ich lasse den Dingen seinen lauf. Und ich bin gespannt, wer über die nächste freie Seite stolpert und seine bunten Fabspritzer hinterlässt. Gerne auch ein paar Seiten länger....

    Unholy
    - Rede MIT mir, nicht ÜBER mich -
    Sehr schön geschrieben. Ich bin da absolut bei dir und wünsche dir von Herzen alles gute. Die Scherben unseres Herzens, die wir liegen lassen, werden wir vermutlich nie gänzlich alle wieder aufsammeln können. Wichtiger ist es, jemanden zu finden, der weiß, die Bruchstücke wieder zusammen zu kleben und die Leere zu füllen. Ich bin mir sicher, dass du das schaffen wirst. Wir sind da für dich ^^
    Krasse Worte, berührend, nachdenklich machend.

    Der 1. Gedanke, der mir dabei kam: Nimm dich so an, wie du bist und kämpfe nicht dagegen an, weil du anders sein möchtest
    und vor allem: rechtfertige dich nicht dafür, dass du bist, wie du bist.

    Alles, was du bisher erlebt hast, hatte seinen Sinn, auch wenn du den jetzt vielleicht noch nicht erkennen kannst.
    Alle Menschen, denen du bisher begegnet bist, haben ihre Spuren bei dir hinterlassen, du aber auch deine bei ihnen ;)
    Sei dankbar für Erlebnisse, für Begegnungen, es verändert deinen Fokus (das ist keine Kritik, lediglich eine Anregung, ich habe es selbst ausprobiert).
    Auch wenn es widersprüchlich klingt:
    Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
    Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

    - John Bradshaw, Das Kind in uns -

    newbarbie schrieb:

    mir kam so der Gedanke an einen Spruch:

    Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.........


    Auch die Taube auf dem Dach kann man sich betrachten und damit glücklich sein.....und man muss sich nicht um den Spatz in der Hand kümmern......
    Da hast du recht. Ich bin sogar soweit, den Spatz loszulassen und ihn zu betrachten, wo auch immer er landet.

    Oder auch ein wunderschönes Zitat, welches ich dieser Tage oft im Kopf habe:

    Was dir lieb ist, das lass gehen. Kehrt nicht zurück, war es nie dein. Kommt es wieder, gehört es dir für immer.
    - Rede MIT mir, nicht ÜBER mich -
    Hallo Unholy
    Es ist eine sehr intensive und Aussagekräftig "Geschichte" und vor allem kann ich Dich so gut verstehen, ging es mir bis vor kurzem nicht anders. Man sollte einfach nicht suchen oder versuchen, etwas mit der Brechstange zu erreichen, das macht oft wenig Sinn. Aber das Unverhoffte , das nicht erwartete im Leben ist das, was einen erfüllt, einem den Weg zeigt und Mut und Kraft zum weiter gehen gibt. Auch wenn es die Wege sind, die holprig und steinig sind, lohnen diese sich am meisten, diese zu gehen.
    Ich wünsche Dir, das Du bald wieder bunte Seiten in Deinem neuen Jahr gestalten kannst. Liebe Grüße Ches
    @Unholy

    Vielen vielen Dank für deine wundervollen Zeilen.
    Wenn man bei deinen Beiträgen anfängt zu lesen kann ich einfach nicht aufhören. Muss es bis zu Schluss lesen.
    Deine Zeilen müssen einen einfach berühren es geht einfach nicht anders.

    Besonders aus deinem letzten Zitat spricht sehr viel Wahrheit und Gefühl.
    Genauso versuche ich zu leben. Es zu verinnerlichen. Denn wenn man Menschen gehen lässt die man sehr mag und sie kommen wieder zurück zu dir weiss man das man Ihnen sehr viel bedeutet.


    Besonders der 1. Satz davon kommt mir in den letzten Tagen sehr oft in den Sinn.
    Ich musste eine liebe Freundin für immer gehen lassen.
    Sie wird nie wieder zurückkommen. Werde nie wieder lachen, scherzen, streiten können mit ihr.
    Nur eins hilft mir gerade. Das ich ihrer Tochter ein wenig über den Schmerz hinweghelfen kann. Zwar nur durch kleinigkeiten aber immerhin.



    Ich bitte dich...schreibe weiter.
    Du regst mit deinen Texten zum nachdenken an. Lässt einen im Alltag innehalten. Man besinnt sich darauf was wichtig ist im Leben.

    Danke!