Wenn der Weg steinig wird

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      Wenn der Weg steinig wird

      Sechs Monate Funkstille.
      „Warum hast du dich so lang nicht gemeldet?“ Dass ich sie gebraucht hätte, habe ich nicht dazu gesagt.
      „Ich wusste nicht, was ich sagen sollte.“
      Es wäre egal gewesen. Hauptsache sie hätte mich nicht alleine gelassen. Kein unbeholfenes Wort, keine peinliche Geste wäre so schmerzhaft gewesen wie dieser Rückzug, nachdem bei mir etwas Schreckliches passiert war. Das Signal: Was du gerade durchlebst ist mir sogar aus der Ferne zu heftig. Werd mal schön allein mit dieser Realität fertig, mit der ich mich nichtmal gedanklich beschäftigen möchte.

      In dieser Zeit (ich war gerade mit der Schule fertig) habe ich mir geschworen, zu meinen Lieben zu stehen, wenn das Leben sie in den Würgegriff nimmt. Auch wenn ich nicht weiß, was ich sagen soll. Auch wenn ich das Gefühl habe, ich strahle nichts aus, als Unbeholfenheit. Lieber stehe ich unbeholfen zu ihnen, als gar nicht. Einfach die Fahne halten, wenn ein Freund, eine Freundin oder mein Partner sich durch eine Schlacht schlagen muss, die ich nicht mit-kämpfen kann. So habe ich mir das damals vorgestellt. Das Wörtchen „einfach“ würde ich mittlerweile streichen, denn einfach ist es nicht, was ich mir da vorgenommen habe.

      In den letzten Jahren und Monaten sind mein Dom (@'Eiskalter Engel'), seine Lebenspartnerin, mein Mann und ich nicht verschont geblieben. Wir können ein langes Lied singen von schweren Krankheiten und anderen Problemen, die viele nur aus dem Fernsehen kennen. Mittlerweile sind wir recht geübt darin, uns gegenseitig zu stärken, wenn die steife Brise weht. So manche Last hat sich in unserem polyamoren Beziehungsgeflecht schon auf mehrere Schultern verteilt und war so leichter zu stemmen.

      Ob das DS, das ich mit @Eiskalter Engel lebe, ein Spiel ist, und ob unsere Beziehung eine Spielbeziehung ist, weiß ich nicht. Wenn „Spielbeziehung“bedeutet, dass man sich ausschließlich miteinander beschäftigt, wenn alles gut und leicht und geil ist*, und dass man sich nicht lieben darf,dann nicht. Wenn mit „Spiel“ etwas gemeint ist, das „aus Freude an sich selbst und an seinem Resultat ausgeübt wird" (vgl. Duden), dann ja.

      Wie wir den zukünftigen Herausforderungen gewachsen sein werden, wissen wir nicht. Wir sind vorsichtig geworden, Aussagen über die Zukunft zu treffen.
      „Schauen wir mal, wo uns das Schiff des Lebens hinbringt,“ sagt mein Mann gerade.

      Wir genießen jeden Tag, an dem es uns gut geht, und dass wir uns haben.
      Darin sind wir gut.







      * So eine Art von Spielbeziehung habe ich auch mal als sehr erfüllend erlebt.
      Es gibt Hunderte von Arten, niederzuknien und den Boden zu küssen. (Rumi)