Die BDSM Neigung, ein Fluch oder ein Segen?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

      Die BDSM Neigung, ein Fluch oder ein Segen?

      Diese Frage stelle ich aktuell den Besuchern der Hauptseite und obwohl sich sicher eher Leute auf der Seite aufhalten, die Spaß an BDSM haben, sehen es mehr als 15% der Befragten (eher) als Fluch denn neutral oder eben als Segen an. Bisher haben nur etwas mehr als hundert Personen abgestimmt, dennoch ist es ein Wert über den man diskutieren darf, denn auch hier im Forum gibt es Mitglieder die immer mal wieder oder gar häufig schreiben, dass es ihnen wegen BDSM schlecht geht. Ich vermute, dass weit mehr BDSM positive sich auf dem Projekt tummeln und daher kommen in diesem Kontext viele Fragen auf.

      Warum wird die Neigung als Fluch angesehen?
      Wenn es Menschen belastet, wäre es nicht richtig auch darüber aufzuklären, wie man von der Neigung wieder loskommt?
      Wie kann man Menschen helfen, denen BDSM mehr schadet als nutzt?

      Zur Umfrage: BDSM, Fluch oder Segen
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      da ich ja immer schon der Meinung war, dass im Grunde alle Menschen so fühlen, wie ich (und so ein bisschen glaube ich ja immer ncoh dass vielleicht nicht ganz so stark, aber in jedem ein kleiner Sadist oder Masochist steckt) habe ich damit nie in dem Sinne gehadert.
      Aber zu Deinen Fragen:

      Warum wird die Neigung als Fluch angesehen?
      Weil sie nicht der Norm entspricht und es für die meisten einfach viel Konfrontation mit sich selbst bedeutet und oftmals viele Umbrüche im Umfeld und in der Beziehung mit sich bringt. Das alles bedeutet Arbeit und meist herrscht der Wunsch nach einem unkomplizierten harmonischen Leben vor ( bis man zur Erkenntnis kommt,dass es das soundso nicht gibt und Leben immer auch "Arbeit" ist, was toll ist,weil Arbeit Entwicklung bedeutet)

      Wenn es Menschen belastet, wäre es nicht richtig auch darüber aufzuklären, wie man von der Neigung wieder loskommt?
      Aufklärung über das davon loskommen? hmmm kein Ahnung... aber Aufklärung über Wege einen Umgang damit zu finden, auch wenn dieser Umgang ein zur Seite schieben bedeutet aber so,dass es einen nicht belastet.

      Wie kann man Menschen helfen, denen BDSM mehr schadet als nutzt?
      Aufklärung! Aufklärung über Mechanismen, sei es über die grundeigenen aber auch darüber, wie andere funktionieren , wie die Szene funktioniert. Aufklärung über Wege zur Selbstermächtigung im Allgemeinen. Denn habe ich mein Leben und mich selbst in der Hand dann bin ich auch in der Lage schadhaftes aus meinem leben zu entfernen oder in Gutes zu wandeln.

      Gentledom schrieb:

      Warum wird die Neigung als Fluch angesehen?
      Keine Ahnung warum es als Fluch angesehen wird. Ich empfinde es nicht als Fluch, aber auch nicht als Segen. Es gehört nun mal zu mir wie meine roten Haare oder die braunen Augen, es ist teil meiner Persönlichkeit.



      Gentledom schrieb:

      Wenn es Menschen belastet, wäre es nicht richtig auch darüber aufzuklären, wie man von der Neigung wieder loskommt?
      Vielleicht wäre es eine Option, aber ist eine Neigung "heilbar"? Und wenn es so wäre, ist BDSM (in den Köpfen einiger) immer noch eine Krankheit?



      Gentledom schrieb:

      Wie kann man Menschen helfen, denen BDSM mehr schadet als nutzt?


      Hm, schwierige Frage. Was meinst du mit schadet? In ihrem sozialen Umfeld? Oder wie meinst du es?
      Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen. Astrid Lindgren
      Ich vermute, dass einige denken, dass sie es vielleicht leichter hätten mit der Partnersuche, mit dem Ausleben ihrer Sexualität.
      Dabei wird dann gern auch vergessen, dass es auch genug Menschen ohne entsprechende Neigung gibt, die sich damit nicht leicht tun.

      Aber wahrscheinlich ist es auch von der jeweiligen Ausprägung abhängig ob es zu einem Leidensdruck kommen kann.

      Allerdings erschließt sich mir auch nicht, warum es ein Segen sein sollte. Es gehört halt zu einem. Und natürlich tut es dann gut, wenn man dazu stehen und es ausleben kann. Aber wenn ich anders ticken würde hätte ich doch auch ein erfülltes Leben. Genauso wie ich nicht totunglücklich durch die Welt laufe wenn ich keinen Partner habe.
      Ich finde auch, es ist weder Segen noch Fluch. Die Neigung gehört zu mir, so wie meine Liebe zu Tieren und meine langen blonden Haare. Klar kann es frustrierend sein sich nicht ausleben zu können, aber wäre ich eine Vanilla ohne passenden Patner, dann wäre es doch genauso frustrierend.
      Ob man es kurieren kann? Ich sage nein, denn ich bin nicht krank! Ohne Bdsm aus zu leben zu leben wäre zwar nicht schön, aber möglich.
      Wer damit nicht leben möchte, der muss lernen es für sich nach hinten zu packen und dafür anderes zu verstärken zb. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden denke ich.
      Diese Welt ist seelenlos, nur bei dir finde ich trost.
      Halt mich fest in deinen Armen, lass mich niemals wieder los :love:
      Ein großes Dankeschön meinerseits für dieses Thema. Für mich ist es definitiv ein Fluch, ich habe auch so abgestimmt. Es ist wirklich schön zu sehen, dass ich nicht die/der einzige bin, der/dem es so geht. Fast wie ein zweites Outing :)

      Ich finde es halt einfach so kompliziert BDSMler zu sein. Was ist, wenn man geoutet wird? Was mache ich, wenn ich mich in jemanden verliebe, der mich dafür verurteilt oder sich gar von mir trennt? Bin ich imstande ein Doppelleben zu führen? Vor allem habe ich aber auch aus rein praktischen Gründen Angst. Ich meine, es ist schon passiert, dass Subs gestorben oder vergewaltigt worden sind bei Sessions. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es dieses Risiko wert ist.

      Auch aus moralischer Sicht habe ich Bedenken, einfach weil ich mir so oft denke, dass mit mir etwas nicht stimmt, oder dass ich deswegen kein Recht darauf habe, zu leben. Das hört sich vielleicht dämlich an, aber ich war noch ziemlich jung als ich herausfand, dass mit mir etwas anders ist. Ich wollte damals unbedingt Feministin, stark und unabhängig sein. Ich wurde depressiv, und wollte mir deswegen das Leben nehmen, aber das schlimmste war, dass mir niemand helfen konnte, weil offenbar alle anderen devot veranlagten Menschen "endlich zu sich selber gefunden haben", nachdem sie von ihrer Neigung erfuhren.

      Ich denke, es würde helfen, wenn man als Community prinzipiell Unterstützung geben würde. Wenn man auch Toleranz für "Neulinge" und "Andere" übt. Es ist nur begrenzt hilfreich, wenn man abgelehnt wird, weil man "sowieso nur einer von der Fifty Shades of Grey Welle ist", oder wenn man gesagt bekommt, dass man nicht gut genug ist, weil man auf xy steht.

      Wenn man sich mit anderen BDSMler gut versteht, ist meiner Meinung nach die Wahrscheinlichkeit höher, dass man sich selber als einer akzeptieren kann. Deswegen finde ich, dass es ein guter und sehr hilfreicher Ansatz ist, Stammtische für Neulinge anzubieten, wie es sie mittlerweile vielerorts gibt.
      Einer der Hauptgründe, warum es mir deswegen auch so schlecht ging, worauf BDSMler selbst aber keinen Einfluss haben, ist, dass ich von "normalen" Menschen oft gehört habe, dass BDSM krank und abartig ist. Ich meine, man ist als junger Mensch dazu verleitet, sich nach der Mehrheit zu richten.

      Was mir damals am meisten geholfen hätte, wäre gewesen, dass mir jemand gesagt hätte, dass es okay ist, anders zu sein. Und wenn ich von Beratungsstellen gewusst hätte, bei denen man sich als BDSMler Hilfe suchen kann.

      Ich bin aber froh, dass so viele angegeben haben, glücklich mit ihrer Neigung zu sein :) Mit sich selber zufrieden zu sein ist ein seltenes Glück. Ich finde, es gibt Hoffnung, dass es möglich ist.
      Verflucht habe ich die Neigung schon oft. Vor allem deshalb, weil sie Platz einnimmt. Weil sie sich breit gemacht hat in meinem Kopf und einen Platz in meinem Leben hat. Weil sie zu mir gehört, ohne dass ich sie mir ausgesucht hätte.

      Auch deshalb, weil sie ein Stück Einsamkeit mit sich bringt. Nicht hier, nein, im Gegenteil, aber im Alltag. Ich teile sie mit niemandem von denjenigen, die mir täglich begegnen. Ich oute mich bewusst nicht, zumindest nicht vor denen, die mir am nächsten stehen. So hat die Neigung mich zu einer Geheimnisträgerin gemacht, die ich nicht sein möchte.

      Am meisten verfluche ich die Neigung aber dafür, dass sie mir jegliche nachvollziehbare Logik aushebelt.
      Warum geht es mir gut, wenn ich Schmerzen spüre, wenn ich Spuren am Körper habe?
      Körper und Geist passen anscheinend nicht zusammen, denn muss nicht ein unversehrter Geist auch einen unversehrten Körper wollen?
      Ein für mich unlösbares Paradox, das mich immer wieder ins Stolpern bringt, und mich schon einmal dazu gebracht hat, mich selbst als krank abzustempeln.

      Und dann sehe ich den Segen, den die Neigung mit sich bringt, weil sie mich glücklich macht. So glücklich wie wenige andere Dinge. Und das, was sie in mir bewirkt, kommt letztendlich nicht nur mir sondern auch den Menschen in meinem Umfeld zugute.

      Ob die Neigung nun mehr Fluch oder mehr Segen ist, ich arrangiere mich mit ihr und habe sie mittlerweile akzeptiert. Und sehe es dabei als Segen an, dass mir die Neigung bewusst ist und ich ihr somit konstruktiv begegnen kann.
      "There must be something else, there must be something good, far away" (Chris Cornell)
      Norigh, ich kann deine Gefühle und Ängste nachvollziehen. Wenn ich sage, dass ich es weder als Fluch noch als Segen empfinde, dann ist das die Jetzt- Situation.

      Auf die Frage, ob ich BDSM schon mal als Fluch empfunden hatte, würde ich ganz klar mit einem Ja antworten. In meinem Alter ist man ohne Internet aufgewachsen, meine Neigungen hatten sich sehr früh gezeigt und ich habe sehr lange gedacht, dass mit mir ezwas nicht stimmt. Ich habe sehr lange gebraucht um mir meine Neigungen einzugestehen und mich damit auseinandersetzen. Aber genau das hat die Befreiung gebracht.

      Und sobald ich mit mir im Reinen war, konnte ich auch sehr entspannt mit der Frage umgehen, was wohl andere davon halten. Denn meine Erfahrung ist, dass die meisten sehr entspannt reagieren, wenn man ganz unaufgeregt und bodenständig zu dem steht wie man ist.

      Ich habe mir früher auch immwr Gedanken bezüglich Partnersuche gemacht. Geholfen hat mir, als mein Selbstmitleid etwas zu groß wurde, dass ich für mich abgefragt habe wie viele Männer es konkret gegeben hat, die mich näher interessiert hätten, aber wo es an der Neigung gescheitert ist. Das Ergebnis bei mir war Null :D . Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich leider einen Typ Mann anziehe, auf den ich nun so gar nicht stehe. Sollte mir aber so ein Mann begnen, dann würde ich darauf setzen, dass viele Männer harten Sex mögen und in der Regel nicht dagegen einzuwenden haben verwöhnt zu werden.
      Nein, für mich ist meine Neigung kein Fluch. Warum denn auch?
      Sie gehört doch zu mir und macht mich in der Verbindung mit ihm zu dem, was ich bin.
      Ich fühle mich da sehr im Reinen mit mir und spüre keine Ängste.

      Vielleicht wird sie von manchen als Fluch angesehen, weil Beziehungen zerbrachen/Enttäuschungen erlebt wurden/passende Beziehungspartner sich nicht finden und die Neigung damit in einen Zusammenhang gebracht wird :gruebel: .

      Für mich persönlich ist sie eher ein Segen.
      Das Ausleben meiner Neigung empfinde ich als sehr erfüllend und ermöglicht mir einen tieferen Zugang zu mir und meinen Gefühlen.
      Wäre ich mir über meine Neigung bewusst und nicht in gewünschter Verbindung, würde ich vielleicht auch anders (in Richtung 'Fluch'?) denken - weil ich die Leerstelle ahnen, wissen und spüren würde.
      „Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst.
      So tiefen Grund hat sie.“

      Heraklit

      Gentledom schrieb:

      Warum wird die Neigung als Fluch angesehen?

      Weil man sie villeicht nicht ausleben kann.
      Weil man in einer monogamen Vanilla-Beziehung ist, aus der man sich nicht "nur wegen Sex" lösen möchte.
      Weil diese Neigungen nicht unbedingt gesellschaftlich akzeptiert sind.
      Weil man sich selber extrem dafür schämt und sich nicht traut, mit jemandem darüber zu reden.
      Weil man sie in einem Widerspruch zu anderen Gefühlen und Werten sieht (sei es nun der alltagsdominante Sub, der im Alltag sehr liebevolle Sadist oder sonst was).
      ...

      Ich sehe aber nicht die Neigung als solche als Problem oder gar Fluch, sondern eher den Umgang damit.

      Gentledom schrieb:

      Wenn es Menschen belastet, wäre es nicht richtig auch darüber aufzuklären, wie man von der Neigung wieder loskommt

      Dass man von seiner Neigung los kommen könnte, wäre mir neu. Ich sehe sie als Teil von uns, der tief in einem verankert ist.

      "Loskommen" halte ich daher für den falschen Ansatz. Ich bevorzuge, darüber aufzuklären, zu beraten, zu bestärken.

      Gentledom schrieb:

      Wie kann man Menschen helfen, denen BDSM mehr schadet als nutzt?
      Ich halte es für gut, wenn man man aufklärt, was BDSM ist und wie man damit umgehen kann. BDSM ist keine Krankheit, BDSM schadet (in der Regel) niemanden, durch BDSM wird man nicht zu einem schlechten Menschen. Wer unter seiner Neigung leidet, wieso auch immer, braucht Hilfe und Unterstützung.


      Die SMJG, die Hauptseite, die Paten, selber ein offenes Ohr anbieten, im Zweifel auch Psychotherapie ... sind alles mögliche Wege, die anderen helfen können, mit der Neigung umzugehen.



      Ich selbst habe sehr, sehr lange gebraucht, um meine Neigung zu akzeptieren und noch länger, um sie auch auszuleben. Ich bin mehrfach fast daran zerbrochen. Und wieso? Rückblickend weiß ich das gar nicht mehr so recht, weil die ganze Scham eigentlich so uuunglaublich unnötig ist.
      Heute ermutige ich andere dazu, sich zu informieren und biete, wenn möglich, auch an, sich auszutauschen. Das Leid, dass ich selber durchgemacht habe, wünsche ich keinem anderen. Und ich tu, was ich kann, damit das möglichst wenig andere Menschen durchmachen müssen.

      Gentledom schrieb:

      obwohl sich sicher eher Leute auf der Seite aufhalten, die Spaß an BDSM haben, sehen es mehr als 15% der Befragten (eher) als Fluch
      Das sehe ich durchaus positiv. Aktuell sind es ca 25 Leute, die angegeben haben, dass sie ihre Neigung (eher) als Fluch ansehen. Das sind 25 Menschen, die sich hier vermutlich informieren und austauschen und hoffentlich irgendwann auch Spaß an ihrem BDSM haben. Wären diese Leute nicht hier, würden sie womöglich einsam und auf ewig leiden. Und das wäre wirklich sehr schade.
      ~*~ Menschen hören nicht auf zu spielen, weil sie alt werden, sie werden alt, weil sie aufhören zu spielen! ~*~
      (Oliver Wendell Holmes)
      Moin.

      Für mich ist die Frage in der Umfrage unmöglich mit den vorgegebenen Antworten zu beantworten, denn:
      • ich weiß nicht ob ich glücklicher wäre ohne diese Neigung
      • ich weiß nicht ob ich unglücklicher wäre ohne diese Neigung
      • Ich kann noch nicht einmal sagen, ob es mit gleich gut oder schlecht ginge
      Ich habe diese Neigung. Die war da, die ist da und die wird wohl auch noch länger bleiben.

      Ich wüsste noch nicht einmal ob ich die gleiche Partnerin haben würde ohne diese Neigung.
      Wahrscheinlich nicht.
      Das wir uns kennengelehrnt haben hat wohl auch was mit meiner unnachahmlichen Art zu tun.
      Und da spielt ein gewisses Auftreten, vieleicht auch durch die Neigung bedingt, ja mit rein.

      Was ich sagen kann ist:
      • Ich war nicht unglücklich als ich diese Neigung noch nicht ausleben konnte
      • Ich habe das große Glück eine Partnerin zu besitzen.
      • Ich bin glücklich über den Umstand, dass besagte Partnerin eine submissive Neigung besitzt.
      In sofern, dass ich ich bin und ich diese Neigung in mir habe, sind für mich die Fragen nicht wahrheitsgemäß beantwortbar.

      Soviel zu mir und meinen Schwierigkeiten mit der Fragestellung in der Umfrage

      Nun zu deinen Fragen @Gentledom:
      Warum wird die Neigung als Fluch angesehen?
      • Es bedeuted sich selbst zu akzeptieren, dass man "außerhalb der 'Norm'" tickt. Das kann hart sein.
      • Es gibt auch in den besten BDSM-Beziehungen immer wieder Phasen in denen alles nur noch :monster: ist. Das kann ebenfalls hart sein. Selbstzweifel im Preis inbegriffen.
      • Lebensbeziehungen können daran zerbrechen, z.B. weil ein Partner sie heimlich auslebt.
      • Welche Neigung/Veranlagung wird nicht auch teilweise als Fluch gesehen?


      Wenn es Menschen belastet, wäre es nicht richtig auch darüber aufzuklären, wie man von der Neigung wieder loskommt?
      Nein, höchstens eine Aufklärung wie gehe ich "sozial- und beziehungs-verträglich" mit meiner Neigung um.
      Ein "wie kommt man von der Neigung wieder los" wäre für mich ähnlich sinnreich und menschenverachtend, wie beten dasmit der schwule Sohn/die lesbische Tochter wieder "normal", also hetero wird.

      Wie kann man Menschen helfen, denen BDSM mehr schadet als nutzt?
      Erst einmal muss nachgeschaut werden, ob da nicht andere Faktoren reinspielen.
      • Missbräuchliche Beziehung mit BDSM als Deckmantel? Mutmachen, Anlaufstellen bei Verbänden, der Polizei o.ä. gesammelt zur Verfügung stellen.
      • Psychische Störung, die einen zu Aktionen verleiten, die BDSM zugeordnet werden könnten, wäre keine psychische Störung vorhanden? Psychische Anlaufstellen sammeln und publizieren
      • Kulturelle/religiöse Gründe?.... Da bin ich überfragt... Frag mal deinen Imam/Priester/Whatever...
      • Sonstige Gründe...
      Insgesammt sehe ich hier ein weites Feld von Tretminen, denn zu Beziehungsproblemen und psychischen Störungen, da sind es dann doch meist eher die Nicht-Praktiker ohne Neigung zum BDSM, die die Leute dahin verfrachten/ dahin treten.

      Bei Kulturellen/Religiösen Gründen... Im Zweifelsfall wird da dann doch die "Abnormität" des/der Ratsuchenden betont, statt des es zur Hilfe kommt.
      Ich habe in den langen Jahren in der kath. und evgl. Kirche zwar immer wieder auch Priester getroffen, denen war nichts menschliches fremd, aber leider auch Priester denen war schon das Wort Sex vor der Ehe ausgesprochen eine Sünde und des Teufels.

      Ich hoffe ich habe mich verständlich genug und nicht zu geschwurbelt ausgedrückt, damit du was damit anfangen kannst :)

      Gruß

      imaginary
      Die Gedanken sind frei.
      Denken muss man sich erarbeiten.
      Ich sehe es ähnlich wie andere hier: Meine Neigung ist weder Fluch noch Segen. Sie gehört zu mir wie meine blaugrauen Augen.

      @imaginary hat es hier gut ausgedrückt:

      imaginary schrieb:

      ich weiß nicht ob ich glücklicher wäre ohne diese Neigung

      ich weiß nicht ob ich unglücklicher wäre ohne diese Neigung

      Ich kann noch nicht einmal sagen, ob es mit gleich gut oder schlecht ginge
      Ich kenne es nicht anders und weiß daher nicht, wie es anders wäre.

      Klar. Manchmal habe ich die Neigung verflucht, einfach, weil ich dachte, ich bin nicht normal... und wollte doch nur immer normal sein. Weil ich gewünscht habe, durch "normalen" Sex zum Orgasmus kommen zu können oder wenigstens irgendwie befriedigt zu sein... ging aber nicht wirklich (obwohl ich schon auch Spaß dabei hatte, es fehlte nur immer etwas).
      Manchmal empfand ich BDSM jedoch auch als Segen... weil ich mich dadurch nicht als den normalen Durchschnitt empfand. Mein es wilder Anteil in mir war. Etwas, das mich scheinbar abhob von der Masse. Mich zu etwas Besonderem zu machen schien. Mir Gefühle bescherte, die mir nichts anderes so geben konnte.

      Aber im Endeffekt ist es einfach meins. Das zu mir gehört. Kein Fluch. Kein Segen.
      Etwas, das mich ganz macht und glücklich.
      Das reicht mMn, ^^

      Ich glaube iü, dass man Menschen, die es als Fluch sehen, einfach aufklären muss, dass die Neigung an sich neutral ist. Wäre man iü wirklich so anders, wenn man sie nicht hätte? Würde sich wirklich so viel ändern? Wäre man glücklicher?

      Los wird man sie meist eh nicht (Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel, ich denke, es kommt darauf an, wie ausgeprägt die Neigung ist).
      Warum dann nicht akzeptieren und auch das Glück akzeptieren, dass diese Neigung bringen kann?

      Ich muss dazu jedoch ergänzen, dass ich lange, wirklich sehr lange damit gehadert habe und meine Akzeptanz für mich wie ein Befreiungsschlag war. ^^
      "Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen" Sigmund Freud
      BDSM ist für mich Fluch und Segen zugleich. Segen, weil ich es als große Bereicherung für mein (Sexual-)leben empfinde und nicht mehr missen will. Weil ich dadurch viele neue Freunde gefunden habe, die ähnlich ticken wie ich. Und weil es da immer noch etwas neues zu entdecken gibt, auf dem verschlungenen Pfad :D

      Fluch ist es manchmal für mich, wenn der Alltag mit Kind und Terminen und Arbeit einfach keinen Raum lässt für das Ausleben der Neigungen. Da wird die Sehnsucht dann groß und man vermisst schmerzlich die Momente, in denen man lustvoll BDSM genießen kann.

      Was ich mich auch manchmal frage ist, wie viel habe ich wohl schon verpasst, weil ich meine Neigung erst relativ spät erkannt habe. Aber darüber sollte man eigentlich nicht nachgrübeln, sondern vielmehr nach vorne schauen und sich auf das freuen, was noch kommt.
      Lernen durch Schmerz ist nicht angenehm. Aber unglaublich effektiv.
      Hallo,

      seit ich erkannt habe das meine Gefühlslage den Namen BDSM trägt und als emotional gestörtes Verhalten gilt habe ich es eher als Stein in meinem Weg betrachtet.
      Es hat mein Leben komplizierter gemacht und war eine zusätzliche Bürde.

      Ich habe nie völlig aufgehört es zurückzuweisen mir das schön zu reden mit Formulierungen "als Chance betrachten" oder ähnliches. Ich habe gelernt damit zu leben, daraus zu nehmen was an Chancen drin ist, mit den gefährlichen Aspekten umzugehen und aus einem Bündel Impulsen ein lebbares Konzept zu machen.
      Unterm Strich ändert es aber nichts daran, dass es für mich etwas ist, das ich nicht gewählt habe und auch nicht gewählt hätte wenn ich eine Wahl gehabt hätte.

      Horst
      Mich beunruhigt die Frage. Sie stellt in den Raum das etwas nicht in Ordnung sein sollte und spannt zwei extreme Poole auf. Sie ist für mich ähnlich wie für @imaginary und @Feuerpferd nicht sinnvoll zu beantworten. BDSM ist ein Teil von mir. Nicht der wichtigste aber doch etwas das mich reizt. Ich möchte es nicht als Fluch oder Segen begreifen.

      Ein Fluch wird es nur durch genau das was @imaginary und @Norigh beschrieben haben. Auf die Punkte von @imaginary muss ich nicht nochmals näher eingehen. Ich denke das ist weitgehend eine vollständige Beschreibung von dem was ich dazu zu sagen hätte. Aber den Beitrag von @Norigh möchte ich um ein eigenes Erlebnis ergänzen.

      Vor etwa 12 Jahren bin ich an meine beiden ersten Stammtische gegangen. Jung und hatte weder Erfahrungen mit BDSM noch mit "Blümchensex". Das erste Treffen war noch ganz okey das zweite nachhaltig abstossend. Eine der anwesenden Personen erzählte Ausführlich über ziemlich extreme S/M Praktiken. Für mich am Schluss ein Grund um dort nie mehr hinzugehen. Es war für mich mehr als zuviel. Später habe ich mich immer wieder mal eingelesen und es war schwierig überhaupt in irgendeiner Form einen Anschluss zu finden aus ähnlichen Gründen. Vieles habe ich nicht als Einsteigerfreundlich empfunden und krass überfordernd. Die Vielfalt die im BDSM möglich ist wurde mir erst später klar und das ich innerhalb dieses Label mich doch verordnen kann.

      Ich denke es ist die Aufgabe einer aktiven Community wirklich gute Anlaufstellen zu schaffen und sichtbar zu sein und das beinhaltet aber auch das Menschen ohne jedes Gespür für andere Menschen im Zaum zu halten wären. Denn diese prägen ein negatives Bild in der Gesellschaft nachhaltig mit und sind die welche am lautesten sind. Ein Forum wie das hier ist sicher ein gutes Projekt. Aber mittelfristig braucht es Organisationen wie in der Gay-Community die sich auch politisch begreift und klar auf Misstände hinweist. Dazu gehört aber dann wohl auch eine Diskussion über Grenzen innerhalb der Praxis und wie sich die Pool "Sane/Safe" and "Consensual" zueinander verhalten und wie eine Community sich präsentieren möchte.

      Profitieren werden am Schluss die Betroffenen die sich und ihre Neigungen besser annehmen können wenn es weniger mit einem Stigma verbunden ist.

      Ich hätte noch eine Nachfrage an @Horstdu schreibst, dass du dir das nicht ausgesucht hast. Aber du hast dir doch viele Dinge nicht ausgesucht? Ich habe meine Nationalität genauso wenig gewählt wie meine Begabungen und Neigungen. Letztlich blieb mir nichts anderes übrig als damit zu arbeiten was ich durch Biologie/Sozialisation erhalten habe. Konkret: Würdest du BDSM also als etwas betrachten, dass dir auf eine andere Art zugewiesen wurde anstatt anderen Eigenschaften die du nicht gewählt hat?
      Wenn man in einem Konservativen Land leben würde, wäre es sicher ein Fluch. Also es kommt auf dein Umfeld an.

      Aber BDSM war für mich immer privatsache, und das geht keinen was an, deswegen ist es für mich auch weder Segen noch Fluch. Jeder hat seine dunklen Geheimnisse, und noch dazu ist die Neigung ja bei jeden anders ausgeprägt. Selbst als BDSMler kann man sich in der BDSM Community als Außenseiter fühlen, weil man einfach garnichts mit den anderen gemeinsam hat.

      Farben schrieb:

      Ich hätte noch eine Nachfrage an @Horstdu schreibst, dass du dir das nicht ausgesucht hast. Aber du hast dir doch viele Dinge nicht ausgesucht? Ich habe meine Nationalität genauso wenig gewählt wie meine Begabungen und Neigungen. Letztlich blieb mir nichts anderes übrig als damit zu arbeiten was ich durch Biologie/Sozialisation erhalten habe. Konkret: Würdest du BDSM also als etwas betrachten, dass dir auf eine andere Art zugewiesen wurde anstatt anderen Eigenschaften die du nicht gewählt hat?
      Die Frage ging zwar nicht an mich, aber ich konnte mich mit seinem Beitrag sehr identifizieren, also hast du hoffentlich nichts dagegen, wenn ich auch ein Statement dazu abgebe.

      Natürlich können wir uns nichts aussuchen, das ist klar, aber ich denke ich kann für die meisten hier sprechen wenn ich sage, dass wir es ganz gut getroffen haben, um auf dein Beispiel mit der Nationalität einzugehen.

      Vielleicht sind wir deshalb ein wenig 'verwöhnt' und beschweren uns darüber. Obwohl, beschweren, man kann sich ja an niemanden für eine offizielle Beschwerde melden. An meine Eltern? An das Schicksal? Wir wissen ja noch nicht einmal, woher es kommt.

      Es ist eben einfach ärgerlich, weil es einen aus der Komfortzone schmeißt und einen zwingt, anders zu sein. Gerade bei der momentanen gesellschaftlichen Akzeptanz ist es irgendwie schwer. Ich meine, man sieht es uns nicht an, aber reden dürfen die meisten nicht darüber. Zumindest ich habe schon üble Reaktionen bekommen.

      Um auf deine konkrete Frage einzugehen: Es geht gar nicht so darum, was wir denken. Das Problem ist doch, dass die anderen von uns denken, dass wir ein psychisches Trauma oder so haben. Als 'Eigenschaft', fürchte ich, wird es nur von den tolerantesten angesehen.
      Warum wird die Neigung als Fluch angesehen?
      Für mich nicht nachvollziehbar. Fluch bedeutet ja auch "Strafe" bzw. sich "willenlos ausgeliefert fühlen". Der Mensch hat aber doch einen Willen und wenn er sich bestraft fühlt, sollte er die Ursachen dafür herausfinden.

      Da hängt für mich mit der 2. Frage zusammen. Wenn es ihn belastet, heißt das nicht zwangsläufig, die Neigung aufzugeben, vielleicht würde Hilfe bei der Ursachenforschung das Bild von sich selbst ins Positive kehren.

      Wenn BDSM mehr schadet als nutzt, liegt es ja nicht zwingend an der Neigung, sondern an anderen Umständen, wie z.B. Partner, falscher Partner, Umfeld, mangelnde Akzeptanz der Gesellschaft usw.
      Auch hier hilft u.U. Aufklärung und Hilfestellung.

      Zu meiner Person kann ich nur sagen, dass sich mir in meiner aktuellen Situation die Frage nach Fluch und Nutzen nicht mehr stellt.
      Vielmehr war es so, dass das nicht Erkennen bzw.nicht Anerkennen meiner Neigung mir in der Vergangenheit geschadet hat und das ich daher eher einen Nutzen aus dem "Outing" vor mir selber ziehen konnte.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.

      Norigh schrieb:

      Um auf deine konkrete Frage einzugehen: Es geht gar nicht so darum, was wir denken. Das Problem ist doch, dass die anderen von uns denken, dass wir ein psychisches Trauma oder so haben. Als 'Eigenschaft', fürchte ich, wird es nur von den tolerantesten angesehen.
      Ja damit es akzeptiert wird braucht es aber eben auch Arbeit. Die Gay-Community hat extrem viel erreicht in den letzten Jahren in aufgeklärten (das ist explizit normativ gemeint) Gesellschaften. Die Rechte von homosexuell fühlenden Menschen ist zunehmend ein legitimes Anliegen geworden für die Gemeinschaft in der wir leben.

      Wobei natürlich auch hier noch brutal viel Arbeit geleistet werden muss. Ich denke ein wichtiger Schritt war, dass sie klar kommunizieren konnten: "Wir sind anders und doch gleich wie ihr". Einen ähnlichen Schritt muss auch hier geschehen.

      Konkret wäre ein Schritt in diese Richtung Einfluss in den Medien zu gewinnen. z.B. Artikel zu schreiben die sich mit BDSM auseinander setzen und gucken wo die platziert werden können. Dabei muss aber auch überlegt werden wie BDSM thematisiert wird und den reflektierten Teil der BDSM-Community in den Vordergrund zu rücken.

      Etwas das ich in diesem Forum schön beobachten kann. Ich habe über verschiedene Konstellationen hier gelesen die ich für mich so nicht möchte. Eine war auch darunter die ich sogar aus moralischen Gründen ablehnen würde. Entscheidend für mich ist aber das ich mehrheitlich den Eindruck hatte das sich viele der hier Anwesenden durchaus bewusst sind das ihre Eigenschaft nicht in jeder Hinsicht unproblematisch sind. Das ein Körper und ein Geist limitiert ist in dem was vernüftigerweise ertragbar ist. Diese Form der Reflexion ist etwas das den ganzen Vanillas sehr gut tun würde, die sich oftmals schlimmeres antun als ein/e Top mit krassen sadistischen Tendenzen dem Bottom.

      Wir können einer Gesellschaft zudem auch sehr viel bieten.

      So wurde durch die Gay-Community vielen Menschen klar, dass Sexualität im Bezug auf Geschlecht viel eher ein Spektrum ist als ein klar zugewiesene Eigenschaft. Homosexualität mag der eine Pool sein und Heterosexualität der andere. Dazwischen ist aber eine sehr breite Varianz von Möglichkeiten und ich würde sogar anzweifeln das es überhaupt Menschen gibt die ausschliesslich die Empfindungen eines einzigen Pools haben. Auch wenn es sicher starke Tendenzen gibt sich irgendwo hinzuneigen.

      Was ich mir von einer Stärkung der Akzeptanz der Poly-Community und der BDSM-Community verspreche ist ein stärkeres Bewusstsein was Konsens/Verlässlichkeit bedeutet und das verstehen eines Menschen als Individuum. Über Konsens zu sprechen bedeutet aber wie bereits oben erwähnt über Grenzen des Konsens zu sprechen. Aber den Gedanken möchte ich hier und jetzt nicht ausführen.


      Den Punkt auf den ich hinaus will ist das dies eine Waffe werden kann im Kampf um Akzeptanz. BDSM eben nicht zu framen als Perversion die halt irgendwie geil ist. Sondern als ein Konzept das zum reflektierten Umgang mit Körper und Geist zwingt.