Die BDSM Neigung, ein Fluch oder ein Segen?

      Stell dir folgendes vor. Du bist erzkatolisch erzogen und lebst als Sohn einzelkind auf dem Land. Sehr sehr früh merkst du, dass es dir freude macht, andere zu verletzen.
      Natürlich bekommst du sofort ärger. Also ziehst du dich zurück.

      Früher brauchte es Glück, dass du an jemanden kommst, der deine neigung erkennt und nimmt, wie sie ist. Aber die meisten hatten das glück nicht und haben ihr innerstes vor der Welt versteckt.

      Heute googlest du und landest nach 3 klicks zB hier. Hier kannst du jemand fragen, was ist mit mir. Ich habe das und das. Was bin ich?
      Du bekommst mindesten 10 antworten. Die seite ist fsk 16.

      Mit 16 habe ich mich so fern wie es eben ging von mädchen gehalten. Heute mit 16 wäre ich hier gelandet.

      Ja, es ist generationenabhängig. Die Art, wie es dann gelebt wird, allerdings nicht. Das geht nur, wenn man den anderen von Angesicht zu Angesicht fühlt.
      Keine Ahnung ob das jetzt wirklich so'n Generationending ist, aber ich bin im vordigitalen Zeitalter aufgewachsen und folge meiner Neigung seit ich sexuell aktiv bin - ohne jedwede Probleme - und dabei stamme auch ich aus einem römisch-katholischen Elternhaus.

      Für mich war das nie Segen oder Fluch, wohl aber elementarer Bestandteil meiner Persönlichkeit. Ich bin deswegen nie irgendwo groß angeeckt, und das obwohl ich aus meiner Neigung nie ein Hehl gemacht habe.

      Es gibt Dinge, wegen derer ich heute tatsächlich schief angeschaut werde, aber die haben nix mit BDSM zu tun. Die Meinungen mir fremder Menschen gehen mir herzlich ab und bei denen, die ich kenne ist es ein ganz kleiner Kreis, dessen Meinung ich wertschätze. Der große Rest ist mir egal.

      Ob es ein Fluch ist, dürfte nicht zuletzt von zwei wesentlichen Faktoren abhängig sein:

      • wie stehe ich zu mir selber
      • wie sehr bin ich in einem Abhängigkeitsverhältnis zu meinem Umfeld

      Jammern jedenfalls hilft nix :old:
      We like to think we're the Roadrunner, but we're the Coyote.
      @MartinVanDueren Danke für das Generationen-Ding: fühle mich gerade 20 Jahre jünger :whistling:

      Ich glaube Dir gerne, dass es in einer erz-katholischen Umgebung schwerer ist als im eher protestantischen Norden oder dem verrückten Berliner Raum: aber dass das Internet hier helfen würde, kann ich nicht sehen ... Wenn die Realität fehlt, ist es für den "Andersartigen" aus meiner Sicht nicht weniger schwer, virtuelle und echte Welt in Einklang zu bringen. Und im Netz könnte ich mich zwar zeitweilig verstecken und meine Neigung ausleben ... meine echte Welt würde grausamst verarmen.
      Beides....

      Ich war mir selbst nie näher und doch weiter entfernt.
      Ich habe nie so viel Tiefe erlebt und wurde so tief verletzt.
      Ich habe nie solch innige Freundschaften erlebt und in solch menschliche Abgründe geschaut.
      Ich habe mit meiner Neigung gehadert und gelernt dazu zu stehen .... ähm, und weniger damit zu hadern ^^

      Manchmal habe ich mir gewünscht, es gäbe ein " Zurück", aber dann hätte ich nie erlebt welche Freiheit es mir gibt zu wachsen und so zu sein wie ich bin. Im Denken, Fühlen und im Handeln.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Sannisa ()

      Wie alles im Leben hat die Neigung zwei Seiten.

      Wenn man alle Möglichkeiten hat es in dem Umfang auszuleben ist es ein Segen.
      Wenn man es Teilweise ausleben kann Gut bis Sehr Gut
      Wenn man damit alleine ist ist es ein Fluch

      Aber manchmal bin ich hin und her gerissen ob es wirklich Gut ist...... ?(
      "Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch"
      Ich würde sagen, dass es für mich weder ein Fluch noch ein Segen ist

      Positiv ist, dass es meine Sexualität bereichert und dass ich tolle Leute kennen gelernt habe, die mir wohl ansonsten nicht begegnet wären.

      Negativ hingegen ist für mich das Doppelleben und die nochmals kompliziertere Partnersuche. Ich würde mich z.B. freuen, wenn ich theoretisch jedem Menschen erzählen könnte, wenn ich irgendwo auf einem BDSM-Stammtisch war.

      Trotzdem fühle ich für mich bei der Frage neutral. Kein Fluch. Kein Segen. Nur ein paar weitere Charaktermerkmal. :)

      Gentledom schrieb:

      Warum wird die Neigung als Fluch angesehen?

      Weil man Angst vor gesellschaftlicher Ausgrenzung hat, oder weil man seine Neigung wegen verschiedener Gründe nicht ausleben kann?
      Weil man sich schämt, anders zu sein?
      Weil einem von der Gesellschaft, der Werbung, etc. vorgebetet wird, wie man zu sein hat?

      Gentledom schrieb:

      Wenn es Menschen belastet, wäre es nicht richtig auch darüber aufzuklären, wie man von der Neigung wieder loskommt?

      Kann man von einer Neigung, die man tief verwurzelt in sich trägt, wieder ganz los kommen? Und ist es gut und gesund, diesen Versuch zu starten?

      Irgendwie erinnert mich das gerade an den Aufklärungsfolder, der an unseren Schulden verboten wurde, weil darin stand, dass Homosexualität heilbar ist (und noch ein paar so seltsame Dinge).

      Wobei ich auch den ein oder anderen kenne, der mit den Jahren ohne BDSM, heute seine Neigung auch wirklich nicht mehr leben möchte. :gruebel:
      Die Entscheidung kommt allerdings von demjenigen selbst, ohne Therapie oder dergleichen.


      Gentledom schrieb:

      Wie kann man Menschen helfen, denen BDSM mehr schadet als nutzt?

      Schwierig, kann eine Privatperson so jemandem helfen?
      Das hängt sicherlich auch davon ab, welche Bereiche von diesem "Schaden" betroffen sind -jede Hilfe hat irgendwo Grenzen und diese gilt es zu erkennen.


      Ist BDSM für mich ein Fluch oder ein Segen?
      Ich kann das ganz einfach beantworten: Es ist, was es ist... :pardon:

      Ich mache mir darüber keine Gedanken, ich posaune meine Neigung jetzt nicht in die Welt hinaus und zwänge sie nicht jedem auf, aber ich habe auch keinerlei Probleme damit, dazu Stellung zu nehmen oder etwas anklingen zu lassen, wenn jemand fragt.
      Im Endeffekt ist es mir in so ziemlich allen Lebensbereichen egal, was andere über mich denken, es ist mein Leben und ich muss es leben und das Beste daraus machen und damit glücklich sein oder werden.

      Mit dem richtigen Partner also sicherlich wunderschön (aber ein Segen?) - mit dem falschen Partner wohl wahrlich ein Fluch...
      Fluch oder Segen?
      Es ist mal das eine, mal das andere. Ich erinnere mich, als ich erkannte, wie ich ticke, an die Euphorie.
      Es gab dann auch furchtbare Momente, und ich wäre gern wieder zurück hinter die Linie. Ich musste erkennen,dass das nicht geht, wie mit allem anderen, was man in seinem Leben entdeckt. Erfahrungen, Bewusstseinserweiterungen kann man nicht ungeschehen machen.
      Fluch oder Segen.
      Das ist für mich eine überhöhende Ausdrucksweise für etwas, das doch normal ist, jedenfalls für mich. Das ist meine Sexualität. Und wenn ich es immer noch mal als Fluch, mal als Segen empfinde, heißt das vor allem: Ich bin noch nicht wirklich angekommen.

      Das möchte ich bald sagen können: Es ist weder Fluch noch Segen. Es ist "nur" BDSM, ein Teil meines Lebens.
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      Ich glaube das man das nicht pauschal beantworten kann und auch nicht darf.

      Für mich, da ich BDSM eben nicht offen lebe sondern das Spiel nur in den eigenen 4 Wänden und bei einigen wenigen SB Outdoorsessions zulasse, empfinde es als Segen, da es mein Leben für mich bereichert. Ich bin so nicht zwangsweise von einem Dom abhängig und da ist auch gut so. Sicher ist es schöner wenn man zu zweit spielt. Aber für einen SB´ler ist das gemeinsame Spiel nicht zwangsläufig prioritär.

      Zum Fluch wird der BDSM Bereich eigentlich nur wenn dom es übertreibt (Hat mein Ex getan), oder die sub sich zu viel zumutet um dem dom zu gefallen (habe ich getan). Klar, das ist sehr allgemein. Aber es trifft in meinen Augen zu.
      Für mich ist meine Neigung ein Segen und ein Fluch zugleich.
      Ein Segen, weil ich noch nie so Vertrauen konnte, weil ich weiss was mir immer gefehlt hat und weil ich ausspannen, abschalten und auch mal nur ich selbst sein kann.

      Ein Fluch ist es, weil mein Kopf teilweise weiter geht , weiter spinnt und sich ausmalt " was wäre wenn " und ich mich dann in Gedanken verlieren kann und kaum noch klar denken kann . Das mag vllt niedlich wirken auf manche, oder aber gut, aber für mich ist es teilweise anstrengend und zu viel.
      Allein die Achtung voreinander , bestimmt den Umgang miteinander ..
      Ich denke, das Auffassen einer Neigung als Fluch hängt zumeist mit dem Umfeld zusammen.
      Ich bin zwar in „Generation aufgeklärt“ aufgewachsen - aber ich persönlich denke, dass das „aufgeklärt und tolerant“ nicht immer und nicht in großem Maße stimmt.
      Ich kann mit Freunden nicht im Ansatz darüber sprechen -> im Gegenteil, das stößt auf Ablehnung bis zum Gehtnichtmehr.

      Dennoch würde ich eine Neigung nicht negativ sehen, denn, wie so viel, ist es eben eine Sache, die man an sich selbst akzeptieren muss, und die sich, sofern man sie akzeptieren kann, durchaus positiv auf sein Selbstbild auswirken kann.
      So war es zumindest bei mir. ^^