Gibt es im BDSM Narzissten und wie erkennt man sie?

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      Gibt es im BDSM Narzissten und wie erkennt man sie?

      Hallo ihr lieben,

      mich erreichte eben folgender Text mit der Bitte ihn anonym einzustellen.

      Danke für dein Vertrauen liebe Anonyme :blumen:

      Anonym schrieb:

      Mir geht es gerade nicht gut um nicht zu sagen, es geht mir gerade richtig mies. Was soll ich nur tun? Vielleicht könnt ihr mir helfen? Ich bin noch ziemlich neu im BDSM (beschäftige mich aber schon länger mit der Thematik) und habe das Gefühl immer an die falschen Doms zu geraten. Zuerst ist es immer toll, sie reden viel und fragen viel, aber mit der Zeit sind ich und meine Bedürfnisse anscheinend nicht mehr existent. Es geht immer nur um sie. "ICH will...", "ICH bin der Dom, Du musst...", "wenn ICH das sage...", aber am schlimmsten ist für mich die Aussage "du MUSST Dich glücklich schätzen MICH als Deinen Dom zu haben. Einen wie MICH bekommst du nie wieder!!!". Spätestens danach ist der Ofen bei mir aus und ich mache komplett dicht. Gibt es wirklich derartig viele narzisstische Doms? Wie erkenne ich solche Typen frühzeitig? Es ist wirklich frustierend immer wieder an diesen Typus Dom zu geraten.


      Ratlose Grüße einer anonymen Sub
      Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen. Astrid Lindgren
      Wegen der Einschränkung hier psychologische Themen zu besprechen... das Einstellen des Themas ist mit mir abgesprochen :)

      Mit der Zeit lernt man oder sollte es lernen Narzissten zu erkennen, wenn man Sub oder Betreiber einer BDSM Seite ist... und ich habe durchaus das Gefühl, dass es ein wichtiges Thema ist, da es gefühlt gar nicht so selten vorkommt.

      Nach meinem Empfinden sind diese Personen aber relative leicht zu erkennen.

      1. Sie glauben sehr verbissen an ihre persönliche Überlegenheit anderen gegenüber. Wenn man diese Überlegenheit infrage stellt, werden sie oft ungehalten.
      2. Da sie in der Regel aber nicht überlegen sind, versuchen sie sich mit Tricks in diese Position zu bugsieren. Sie manipulieren, lügen, nutzen gerne hochtrabende Worte und versuchen andere dümmer oder schlicht weniger kompetent neben sich aussehen zu lassen.
      3. Über eigene Leistungen, mit denen sie sich (vermeintlich) hervortun reden sie gerne und viel, worüber sie ungerne reden und schreiben sind eigene Gefühle, das macht sie nämlich verletzlich. Gefühle anderer für sie, sind hingegen ein Thema, welches aufkommen kann, zeigt es doch, dass sie begehrt oder was auch immer werden. Empathie ist in der Regel nicht ihre Stärke. Auch wenn sie in der Lage sind Gefühle zu erkennen, fehlt ihnen die Bereitschaft auf diese einzugehen.
      4. Im Streit sind die Argumentationen meist nicht wirklich logisch und wirken auf objektive Dritte oftmals amüsant. Was auch daran liegt, dass sie nicht nur Dritte sondern auch sich selbst täuschen, um eben ihr Selbstbild aufrecht zu erhalten.
      5. Druck aufbauen kann ein normales Mittel für sie sein. Ihren Anspruch an Perfektion (sie sind es ja, also können sie es auch erwarten) wollen sie durchsetzen, denn ihr Wille zählt und ist das Leitbild. Mal wird der Druck charmant, mal subtil oder auch sehr direkt aufgebaut. Die jeweilige Beziehung soll sich nach ihrem Willen entwickeln. Auf einige Subs wirkt dieses Verhalten sehr dominant und bestimmt, ist aber eigentlich nur der Unfähigkeit geschuldet, auch die Sorgen und Nöte anderer zu beachten und nicht nur zu benutzen.
      6. Sein Weltbild ist recht schlicht, wer ihm zustimmt, den mag er… wer ihn kritisiert den mag er nicht. Er geht also gerne auf Zustimmung ein und stellt darauf ab, wie viele Likes/Freunde/Subs er schon hatte.
      7. Er hat ein hohes Anspruchsdenken, sprich verlangt mehr als andere von den Menschen in seiner Umgebung.
      8. Er muss das Gefühl haben, im Mittelpunkt zu stehen und die Kontrolle zu haben.

      Edit: Oder einfach sie sind der Mittelpunkt um den sich alles drehen soll.

      So ich hoffe das hilft ein wenig. So richtig zufrieden bin ich nicht aber evtl haben wir hier Leute mit einer psychologischen Ausbildung, die das noch besser in Worte fassen können. Wobei ich Narzissten nun nicht für sehr gefährlich halte, sie mögen schlechte Partner sein und nerven, jedoch gibt es weitaus gefährlichere Störungen.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Gentledom ()

      Ganz hervorragender Leitfaden - danke, dass du das Thema zugelassen hast @Gentledom :thumbup:

      Meiner Erfahrung nach ist die Emotionale Intelligenz und die damit verbundene Fähigkeit zur Empathie ausschlaggebend für die Qualität einer dominanten Führungspersönlichkeit.

      Jemand, der ausschließlich sich selbst und seine eigenen Interessen und Bedürfnisse sieht und nicht dazu in der Lage ist, seinem (submissiven) Gegenüber auch mit Einfühlung und Nähe zu begegnen, muss zumindest noch viel lernen, um seine narzisstische Persönlichkeitsstörung zu überwinden.
      "Die üste hat die freie Wahl,
      wählt sie ein W, dann bleibt sie kahl,
      wählt sie ein K, dann wird sie nass,
      die freie Wahl macht keinen Spaß!" (Robert Gernhardt)
      ...wählt sie ein Br, macht sie MIR Spaß!!! (Carmantus) ;)
      @Gentledom hat schon eine hervorragende Liste angebracht.

      Mein grober Richtwert: Je energischer jemand betont, wie dominant, gewaltbereit, führungssicher, stark, sadistisch, unberechenbar, streng etc. er/sie ist, desto vorsichtiger werde ich. Da springt mein "Deppenradar" sehr schnell an.

      Ebenso bei Menschen, die betonen wie sub-big sie doch sind.

      Da stimmt im Selbstwert und im Selbstbild schon etwas gewaltig nicht, wenn Mensch nicht einfach mal sein kann, sondern sich ständig selbst präsentieren und be-labeln muss.

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      Ich würde dazu raten, selbst eine/n Dom erst auf zwischenmenschlicher Ebene kennenzulernen. Sprich ist er/sie in der Lage beim Kontakt auch über normale Themen wie Alltag, Zeitgeschehen, Freizeit, Hobbies zu reden oder schwenken alle Themen immer wieder sofort ins Sexuelle und enden bei Lobpreisungen, wie oben genannt?

      Reagiert jemand mit Druckaufbau, Beschimpfungen, Anspruchsdenken, Wut, Beleidigt-Sein etc. wenn man mal nicht einer Meinung ist, mal nicht sofort verfügbar ist etc. ist das auch ein guter Indikator dafür, dass etwas nicht stimmt.

      Narzisst*innen kennen keine Grenzen, wenn es um andere außer sie selbst geht, deswegen werden diese schon von Anfang an, wenn auch zumeist erst subtil, überschritten. Da wird mitunter beim Erstkontakt schon rum-ge-dommt bzw. rum-ge-subbt.

      Viele haben bereits zu Anfang ein enormes Anspruchsdenken/Besitzdenken an einen Menschen, den sie kaum kennen. Das kann sich in unangemessenen Forderungen vom Dom-Seite, aber auch durch "Subbiequengeln" ausdrücken. Der Gegenpart ist Projektionsfläche der eigenen inneren, unbefriedigten Bedürfnisse; also reiner Dienstleister. Leistet er/sie diese Dienste nicht, kommen Wut, Ärger, passive Aggressivität zum Vorschein, denn der Narzisst hat in seinem Denken ein Anrecht darauf.

      Zudem würde ich Vorsicht walten lassen, wenn sich sehr schnell eine extreme emotionale Intensität aufbaut. Beziehungen, auch Spielbeziehungen im BDSM nehmen langsam an emotionaler Intensität zu und vor allem mit Zeit und Geduld.

      In einem Song heißt es "Helle Flammen brennen kürzer". So schnell wie es aufflammt, flammt es dann meistens wieder ab und zurück bleibt verbrannte Erde.

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      Ich denke schon, dass sich im Bereich BDSM viele Narzisst*innen tummeln. Ich denke auch auf der Sub-Seite. Eben so Viele, wie in der "normalen" Außenwelt auch. Mitunter bietet ein BDSM Umfeld eine Spur geeignetere Parameter, um diese Persönlichkeitszüge oder gar diese Persönlichkeitsstörung offener auszuleben, da im BDSM ein Machtgefälle - was Narzisst*innen ja brauchen für ihre Zufuhr, Standard ist bzw. sein kann.
      “Everything has been figured out, except how to live.” (Jean-Paul Sartre)
      Der „ich bin der größte/beste/tollste“-Narzisst ist in der Tat recht schnell zu entlarven, viel gefährlicher ist für das eigene emotionale Wohl eher die Sorte, die subtil manipuliert (ich halte mich zwar durchaus für reflektiert und kritisch, aber bei mir musste ziemlich viel Wasser den Rhein herunter fließen, bis ich begriffen habe bzw. greifen konnte, was mein damaliger Partner für ein Problem hatte!).
      Grundsätzlich würde ich mal bei der Suchmaschine mit dem großen G den Begriff „Umgang mit Narzissten“ suchen. Gleich der erste Hit ist die richtige Seite. Sehr informativ wird dort der Narzisst, aber auch der Partner des Narzissten unter die Lupe genommen.
      Dort las ich mal den provokanten Satz „der Narzisst bleibt in deinem Leben, bis du deine Lektion gelernt hast“. Und es ist wahr! Sich von einem Narzissten zu befreien (oder zu verhindern, dass man immer wieder auf den gleichen Typen hereinfällt) gelingt nachhaltig nur dann, wenn man verstanden hat was man selbst eigentlich im Partner sucht und welche Knöpfe der Narzisst bei einem selbst drückt um die Abhängigkeitsspirale am laufen zu halten. Nur wenn ein tieferes Verständnis für die eigenen Belange gegeben ist kann es möglich werden den Partner in seinem sein zu erkennen und sich nicht nur von der Projektion (auch der eigenen Wünsche) blenden zu lassen.
      Ob es im BDSM mehr Narzissten gibt als im normalen Leben, sei mal dahingestellt. Nicht jeder der sich selbst als die Krone der Schöpfung sieht ist auch gleich ein Narzisst. Häufiger finden sich in der BDSM-Szene vielleicht eher jene, die hinter der Pseudodominanz ihre Unsicherheit verbergen möchten.
      Zum Narzissmus gehört psychopathologisch allerdings deutlich mehr.
      VG
      Liebe Anonyme, ich bin grade ein wenig nachdenklich geworden, denn ich kenne diese Frage, aber ich bin nicht sicher, ob ich eine Antwort weiß, die dir merklich helfen kann. Ich bin keine Psychologin und kenne weder dich noch deine Partner, ich lasse dich hier einfach mal an den Gedanken teilhaben, die ich zu der Thematik hatte und habe.

      Mein erster Impuls war zu sagen, Vorsicht, du triffst offenbar gehäuft auf narzisstische Menschen. Sind das jetzt aber wirklich Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitstörung?

      Klar, du hast dich grade in erster Linie auf die Doms bezogen, aber wenn du narzisstische Menschen anziehst, dann hast du davon vermutlich auch noch andere in deinem Umfeld. Denn Narzissten suchen sich ihre co-narzisstischen Partner schon ganz gezielt aus. Weil sie ihre Lebensenergie daraus beziehen, sich extrem auf diesen einen Menschen einzuschießen, den gefügig zu machen, und sich quasi wie ein Vampir von der Energie dieses Menschen ernähren. Permanente Grenzüberschreitungen sind eine Konsequenz im Alltagsleben. Sie arbeiten massiv damit, bewusste und unbewusste Unsicherheiten ihres Gegenübers für sich ausnutzen zu können.

      Warum ich das weiß? Ich bin mit ausgeprägten Narzissten großgeworden und lebe mit einem offiziell durchdiagnostizierten Narziß (NPS), der sich beruflich in der Therapeutenszene bewegte, zusammen. Das geht nur, weil mir derartige Persönlichkeitsstrukturen vertraut sind durch die Kindheitserlebnisse und er in mir lange Zeit jemanden sah, der zu seinen Bedürfnissen passte (umgekehrt durchaus auch, aber es herrschte lange ein enormes Ungleichgewicht zwischen uns, das eben nicht nur mit meiner Lebensunerfahrenheit und extremen Unsicherheit zu tun hatte) und er als er mich kennenlernte, bereit aus der schlimmsten Phase raus war, sehr oft auf die Nase gefallen war und er anfing mich nicht nur als narzisstischen Zusatz zu brauchen, sondern eben auch klare Abhängigkeiten erlebte. Man kann so einen Menschen "ausbalancieren" wenn man der "passende" Partner ist und es Lebensumstände erzwingen, das der Narziß den Wert des Partners als "annähernd gleich" oder zuverlässig auf mehreren Ebenen anerkennen muss. Annähernd gleich ist wohlgemerkt nicht dasselbe wie gleich.
      Vieles dazwischen ist die Hölle. Und ich persönlich würde Menschen zwischen 30-45 mit narzisstischen Tendenzen aus dem Weg gehen, denn in dem Alter fahren die teilweise richtig viel gegen die Wand. Erst wenn der Scherbenhaufen richtig groß ist, fangen minimale Verhaltensänderungen an, die zum Teil aber eben erstmal dem Erhalt der Sozialkontakte dienen. Ohne Sozialkontakte vertrocknet so ein Mensch quasi, weil er keine Energie mehr von anderen bekommt. Das klingt hart, das ist aber leider das Schema, an dem man sich in etwa orientieren sollte und was man aus Selbstschutzgründen beachten sollte.

      Mit dem Thema Narzißmus wird gerne kokettiert, meinen Lebenserfahrungen nach kann ich nur sagen, das ist absolut nichts, womit man spaßen sollte. Auch wenn ich alle mir bekannten Menschen mit narzisstischen Strukturen auch viele liebenswerte, aufregende, einmalige und tiefgehende andere Persönlichkeitsseiten haben. Zum Teil sehr komplexe, bei denen dieser eine Zug eben mehr oder weniger stark durchkommt. Denn es sind auch Menschen. Menschen, mit denen man allerdings sehr bewusst umgehen muss und bei denen man diese eine Seite nicht einfach ignorieren darf.

      Wenn du dich über das Thema Narzissmus und Beziehungsstrukturen informieren möchtes, kannst du ganz allgemein für den Überblick google bemühen (ich stelle keinen Link hier ein), es gibt anschaulich formulierte Infoseiten dazu.
      Aus deiner Frage geht für mich noch nicht klar hervor, dass du auf echte Narzissten gestoßen bist, es könnte sich auch um Menschen mit narzisstischen Tendenzen handeln. Ist auch schlimm genug, aber nicht vergleichbar von der Intensität her. Dazu kommt, dass alle Menschen alle Persönlichkeitsstrukturen in sich tragen und je nach Situation kommt halt mal mehr der eine oder andere Zug stärker hervor. Da müsste man dann fragen, warum kommt grade dieser Zug stärker vor?

      *grübelt noch mehr* Aus deinem Dichtmachen schließe ich jetzt mal, das du Grenzüberschreitungen als solche erkennst und stoppst. Sehe ich das richtig so?
      Das würden nämlich ausgeprägte Co-Narzissten nicht unbedingt können oder nur sehr schwer lernen. Je kleiner du bist, umso mehr Raum nimmt der Narzißmus deines Gegenübers ein. Daher setzen meine Abblockstrategien mit klaren Neins, klaren Grenzziehungen und auch dem Durchsetzen dieser Grenzen an.
      Je "größer" du selbst bist, umso weniger kann dir so jemand anhaben. Je unterwürfiger und nachgiebiger du erscheinst, umso eher wird so jemand versuchen, dich auszunutzen. Es ist wichtig, das du selbst so sehr im Einklang mit dir selbst bist wie möglich und damit deinen Selbstschutz erhöhst. Sei nicht zu nett und verteidige deine Grenzen, diese sind wichtig für dich. Gibt nicht zu schnell nach, sei an einigen Punkten beim Kennenlernen gezielt schwierig, dann merkst du, wie dein Gegenüber reagiert. Narzissten kokettieren auch mit ihrem Narzissmus, nicht alle sind hyperintelligent und manipulativ - aber sie machen so gut wie keine Fehler in ihrer Wahrnehmung, immer sind die anderen schuld, sie respekieren Grenzen nicht und sie sind die besten. Zumindest Männer sind in der Hinsicht sehr plakativ, Frauen verhalten sich etwas anders.

      Im Alltag war und ist es für mich unglaublich wichtig, auf meiner Seite zu sein und nicht aufgrund von Druck nachzugeben und Dinge zu tun oder zu akzeptieren, die ich ohne den Druck nicht akzeptieren würde. Ich passe auf wie ein Luchs bei Argumentationen und mache mir die Mühe, mir die Verläufe dieser Argumentationen zu merken. Denn es passiert immer und immer wieder, das die Narzissten in meinem Umfeld versuchen, nachträglich das Ergebnis von Argumentationen zu verändern, sei es durch Behauptungen, ein Argument wäre so nicht gebracht worden von mir, oder ich würde mir einbilden etwas gehört zu haben, was so nie gemeint war und überhaupt wäre ich ja total unkonzentriert und labil. Es kann passieren, dass ich aus so einer Situation rausgehe und Wochen, in einigen Fällen sogar Jahre später wird versucht, den Inhalt und das Ergebnis solcher Argumentationen komplett zu ihrem Vorteil zu verändern. Und es bin immer ich die diejenige, die den Fehler gemacht hat, sowas wie Übernahme von Verantwortung für Fehler kennen Narzissten nur in aboluten Ausnahmefällen, wenn immer es geht, ist jmd. anders verantwortlich, dem damit sukzessive das ohnehin schon kaum vorhandene Selbstbewusstsein entzogen wird. Wenn ich nicht teilweise Zeugen gehabt hätte und auch psychologische Unterstützung sowie einen stabilen Freundeskreis wäre ich gar nicht in der Lage, mich zu wehren. Denn wenn so jemand Druck auf dich ausübt, dann ist es möglichst existenzieller mit dem größtmöglichen Drohpotential, das grade verfügbar ist. Und das jedes Mal, bei jeder Kleinigkeit.

      Ein bisschen kannst du es dir vorstellen wie eine Waage mit Gegensätzen, die nicht im Gleichgewicht ist. Deine Unsicherheit stärkt den Narziß, sie gibt ihm Sicherheit, deine Kraft kostet ihn Kraft, sie negativ gegen dich zu verkehren, gibt ihm Kraft. Jeder Versuch deinerseits, Selbstsicherheit aufzubauen, wird sofort torpediert werden, es sei denn er zieht irgendeinen Nutzen daraus. Je mehr du von deiner Seite aus von Anfang an in die Waagschale werfen kannst, umso weniger Chancen hat er. Und das Schwarz-Weiß-Denken ist sehr ausgeprägt, was Erfolg und Kostennutzenrechnungen anbelangt.

      Ich hoffe, irgendwas von diesem langen Post hilft dir ein wenig. Denn dadurch, das ich weiß, wie gefährdet ich bin, was diese Beziehungsstruktur anbelangt, fällt es mir selbst auch wahnsinnig schwer, beziehungstechnisch irgendwas zuzulassen, was mich daran erinnert.

      Und falls ich etwas wiederhole, ich habe etwas zu lange gebraucht zum Schreiben und daher nicht gesehen, was andere in der Zwischenzeit geschrieben habe :)
      Die einzige Red Flag, die du in deinem Post ansatzweise andeutet, ist lovebombing.
      Sonst könntest du z.b. auch auf techniken wie fastforwarding, futurefaking und gaslighting achten.

      Man kann sich auch die unangenehme Frage stellen, ob einem bdsm wirklich gut tut, wenn man dabei zunehmend in ungesunde Beziehungsmuster gerät.
      Ich habe bei mir beobachten können wie gut Ds toxische Muster kaschieren und verstärken kann.
      Leider ziehen einen ja nicht nur Dinge an, die einem tatsächlich gut tun. Nicht wahr, Schokolade?!

      Toll, dass du deine Grenzen so im Blick behältst!
      Hallo zusammen,

      es wurde schon viel gesagt/geschrieben was ich nur bekräftigen kann.

      Ein Dom der so narzistisch ist, dass er von seiner eigenen Unfehlbarkeit überzeugt ist und gar nicht in Betracht zieht Fehler zu machen ist eine echte Gefahr. Psyschich wie physisch kann das ziemlich nach hinten los gehen. Das oben erwähnte Deppenradar sollte sofort anspringen.

      Das folgende macht es zwar auch nicht besser (im Gegenteil): Ich denke mir in vielen Fällen ist dieser Narzissmus möglicherweise nur vorgeschoben. Es ist denkbar, dass besagte Doms nicht fest und gefestigt in ihrer Rolle stehen. Oder ein vollkommen falsches Verständnis von Dominanz haben. Eine denkbare Unsicherheit könnte so im Verhältnis zur Sub überspielt werde. Das macht es definitiv nicht besser, ein Dom der nicht immer weiß was er tut, es aber nicht eingesteht, ist genauso gefährlich wie jemand der seine eigene Unzulänglichkeit nicht wahr nimmt.

      DAHER: Subs, seit aufmerksam und sucht im Zweifel weiter.

      Und als Scherz zum Ende, der natürlich nicht ernst gemeint ist: "Sorry, ich kann nicht für alle da sein"
      Geh duschen, ich will dich dreckig machen!

      Carpe_Noctem schrieb:

      DAHER: Subs, seit aufmerksam und sucht im Zweifel weiter.
      Das kann ich nur bekräftigen.

      Auch wenn es hier in erster Linie anhand des anonymen Schreibens um narzisstische Doms geht; gibt es sehr wohl auch narzisstische Subs.

      Dies wollte ich nur angemerkt haben. Es fiel ja schon der Satz, dass sich Narzissmus unterschiedlich äußern kann, auch zwischen den beiden Geschlechtern.

      Vielleicht wäre es angesichts des Themas, ob es Narzisst*innen im BDSM gibt hilfreich, wenn hier Erfahrungen beider Seiten, auch über narzisstische Subs, Gehör finden könnten.

      Habt ihr Erfahrungen damit, liebe Dominante?
      “Everything has been figured out, except how to live.” (Jean-Paul Sartre)
      danke @Chat.Noir, ja es gibt narzisstische Subs und auch nicht zu wenig. Allerdings ist es weniger auffällig für die meisten, weil man bei einem devoten Menschen dies weniger assoziiert. ich hatte einen ganz extremen Kontakt der sich in seiner Unterwerfung absolut in den Mittelpunkt gestellt hat und in allerletzter Konsequenz keine Rücksicht auf meine Bedürfnisse genommen hat.
      Catch me if you can...

      Viva schrieb:

      danke @Chat.Noir, ja es gibt narzisstische Subs und auch nicht zu wenig. Allerdings ist es weniger auffällig für die meisten, weil man bei einem devoten Menschen dies weniger assoziiert. ich hatte einen ganz extremen Kontakt der sich in seiner Unterwerfung absolut in den Mittelpunkt gestellt hat und in allerletzter Konsequenz keine Rücksicht auf meine Bedürfnisse genommen hat.
      Hat sie das schleichend entwickelt @Viva oder hattest du von Anfang an, sagen wir ein komisches Bauchgefühl und hast noch versucht erzieherisch entgegenzuwirken? Magst du preisgeben, inwiefern sich diese Ignoranz deiner Bedürfnisse äußerte?

      ---

      @Mermaid: Möchtest du uns daran teilhaben lassen; an deinen Erfahrungen mit narzisstischen Subs?
      “Everything has been figured out, except how to live.” (Jean-Paul Sartre)
      es tut noch weh, es war keine gute Erfahrung für mich. Trotzdem möchte ich ein wenig darüber schreiben, um die anderen Mitforisten zu warnen.

      Erst mal ist die Beschreibung von @Gentledom seht gut.
      Hinzufügen möchte ich noch, dass so einer wie ein Traummann daherkommt.
      Du hast zu Beginn der Beziehung das Gefühl, dein seelisches Gegenstück gefunden zu haben. Das Jing zum Jang, den Clyde zur Bonnie...
      meiner kam mit Titel und Amt , mit tollem Auto und Einkommen , dann unheimlich lieb uns sensibel erkannte er sehr gut meine seelischen Wünsche und Bedürfnisse
      erfüllte meine Träume nicht nur sexueller Art, sondern auch z.B. dass ich mir gewünscht habe die alten antiken Stâdte und Orte, über die ich Geschichten während meines Latinums übersetzen musste, mit eigen Augen sehen zu können und z.B. die Säulen in Ephesus, wo Teile der Bibel geschrieben wurden, mit eigenen Händen zu berühren.
      Ich konne über Pflastersteine mit meinen Füßen laufen, über die Maria , Johannes und Paul liefen.
      Dann leise, Tropfen für Tropfen fing er an, mein Leben zu vergiften. Mir einzureden , ich wäre dumm unfähig selber Entscheidungen zu treffen und mich zur bloßen Erfüllerin seiner Wünsche zu versuchen zu formen.
      Was mich gerettet hat? Wohl meine Dominanz.
      Ich habe mich gewehrt und es gab einen wirklich schmutzigen Kieg zwischen uns.
      Es ist nicht so, dass ich bei meinem Sub alles bestimmen will. Allerdings brauche ich auch Bereiche in meinem Leben, in dem ich bestimmen darf und mein Ding machen möchte.
      Ich bin Mermaid und ich bin mal reingefallen.
      Habe daraus gelernt und habe bemerkt, dass BDSM Soziopathen anzieht. Es ist sehr attraktiv für Narzisten und Psychopathen.
      Unter dem Mäntelchen des BDSM können sie sich lange gut tarnen. Frei nach dem Motto: Ich bin ein Schwein, hier darf ich‘s sein.
      Natürlich ist das schlimm für jeden, der hier empathisches BDSM betreiben will, welches Sub und Dom Lust und seelische Befriedigung gibt. Es verdirbt unseren Ruf als BDSMler.
      Noch möchte ich positiv hervorheben, dass der Anteil an gruseligen Menschen hier in diesem Forum erfreulich niedeig ist. Soziopathen scheinen sich hier nichz lange zu halten.
      danke :blumen:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mermaid () aus folgendem Grund: Tippfehler

      Danke für diesen Thread und die excellenten Beiträge.

      Ich kann fast alles meiner Vorredner mit unterschreiben. Beim mitlesen ging mir durch den Kopf, das ich dieses Jahr gleich mit vier solcher Exemplare im engeren Kontakt stand.

      Auch ich habe den Eindruck das sich in unserem Kontext mehr und mehr diese Typen ansammeln. Es schadet unserem BDSM, aber es schadet auch sehr den Betroffenen.

      Die Fragen, die ich mir stelle, ist die Häufigkeit solcher Begegnungen eher Zufall oder Muster? Gibt es etwas an mir oder an meinem Profil das diese Sorte triggert?

      Ich hab noch keine Antwort, aber ich lerne von Typ zu Typ sie zu entlarven - mein Bauchgefühl wird immer besser.

      Es tut jedesmal weh, weil jedesmal auch ein Stück Hoffnung auf Mr. Right den Bach runter geht.
      Was mir hilft, durchzuhalten, weiter zu machen?
      Meine Kompromislosigkeit und Fokusierung, wie Mr Right sein sollte.
      Hallo Anonyme!
      Ich stimme meinen Vorrednern zum größten Teil zu und möchte nur noch auf eine Aussage eingehen.

      sherazade schrieb:

      Mein erster Impuls war zu sagen, Vorsicht, du triffst offenbar gehäuft auf narzisstische Menschen. Sind das jetzt aber wirklich Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitstörung?

      Klar, du hast dich grade in erster Linie auf die Doms bezogen, aber wenn du narzisstische Menschen anziehst, dann hast du davon vermutlich auch noch andere in deinem Umfeld. Denn Narzissten suchen sich ihre co-narzisstischen Partner schon ganz gezielt aus.
      Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, warum ich immer wieder Partner mit ähnlicher Persönlichkeitsstruktur hatte.
      Aus meiner Sicht geht es gar nicht so sehr darum, solche Menschen frühzeitig zu erkennen, sondern sich die Frage zu stellen, welchen Anteil man selbst daran hat.
      Warum ziehe ich bestimmte Menschen an? Welche Signale sende ich aus?

      Seit ich mich gefunden habe und mehr bei mir bin, tappe ich nicht mehr in die Falle.
      Im Gegenteil, Männer mit einer bestimmten Persönlichkeit fallen mir heute eher unangenehm auf und ich distanziere mich sehr schnell.
      Mut ist nur die Abwesenheit von Angst.
      Ein Narzist hat einen sehr hohen Selbstwert, ist er doch in seiner Welt der Nabel des Universums. Zumindest ist das mein Kenntnisstand. Überspielen muss er eher selten denn er denkt er kann das eh sehr sehr gut oder gar am besten. Sie täuschen eben nicht nur andere sondern auch sich selbst über ihre Fähigkeiten und glauben anschließend an ihr überragendes Talent.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Viva ()

      Afaik hat ein Narzist einen Selbstwert, der ebenso hoch wie fragil ist.

      Er/Sie hält sich für den Nabel der Welt, aber das übersteigerte Selbstwertgefühl kommt nicht von echten Errungenschaften im Leben oder einer echten persönlichen Weiterentwicklung, sondern von Selbsttäuschung und Selbstdarstellung. Entlarvt man die Täuschung oder relativiert man die Darstellung, fühlt sich ein Narzist angegriffen und wird defensiv (kann dann zB in Aggression oder Überheblichkeit oder Distanzierung münden). Alles was sein/ihr Weltbild angreift, greift damit automatisch auch den Wert des Narzisten an. Das Problem dabei ist, dass auch konstruktive Kritik nicht angenommen wird und aus Fehlern nicht gelernt werden kann.

      Ein Warnsignal, auf das ich bei so etwas achten würde, wäre eine Übersteigerte Identifikation mit bspw. dem Dom-sein oder dem Sub-sein und der Überzeugung eigentlich der/die beste darin zu sein. Lässt sich auch analog auf Gamer, Rollenspieler, Musiker, Programmierer etc. anwenden.

      Der wichtigste Faktor, damit ich als Sub einer Dom vertraue, ist immer die Einstellung. Kann sie offen über Fehler sprechen, die sie gemacht hat? Hat sie etwas daraus gelernt bzw Konsequenzen gezogen? Wenn ich etwas höflich hinterfrage, fühlt sie sich dann in der Defensive, oder kann sie eine ehrliche Antwort geben?
      Normalerweise erzählen Menschen mit einem gesunden Selbstbewusstsein auch von ganz alleine davon, was ihnen schon so für Missgeschicke passiert sind und was für Fehler sie schon gemacht haben.
      Auch der Umgang mit Erfolgen offenbart etwas über das Selbstverständnis des Gegenübers: Warum war etwas ein Erfolg? Konnten persönliche Ziele erreicht werden oder hat es einfach besonders viel Spaß gemacht? Oder war es doch nur ein Erfolg, weil es dafür ganz viel Anerkennung von anderen gab?
      "Du gibst Widerworte X( " – "Nein :miffy: "
      Wenn wir von Narzismus reden, als Krankheit, liegt die Verbreitung unter 1%, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen.
      Alles andere sind narzistische Charakterzüge.
      Meist geht Narzismus auch mit anderen psyschichen Erkrankungen einher.

      Ich bezweifle das man an Hand von ein paar Stichpunkten, als Laie Narzismus diagnostizieren kann.
      Mir erschließt sich der Sinn auch nicht so ganz.

      Ist es nicht viel Sinnvoller zu schauen, inwiefern man mit seinem Gegenüber kompatibel (auf menschlicher, emotionaler Ebene) ist.
      Wenn es da gewisse Charakterzüge gibt, mit denen man nicht klar kommt, dann passt es nicht. Da braucht man dann auch keine Diagnose.

      Bei einer schon existierenden Beziehung ist es mit Sicherheit noch mal etwas anderes.
      Allerdings würde ich auch dort schauen, wie sehr es belastet und wie weit der Partner bereit ist, an sich zu arbeiten, ggf mit professioneller Hilfe.

      Allerdings sollte auch klar sein, dass man lediglich das eigene Verhalten die eigene Einstellung aktiv ändern kann.

      Jede psyschiche Erkrankung und Persönlichkeitsstörung belastet eine Beziehung.
      Auch ein Narzist hat sich diese Krankheit nicht ausgesucht, ebenso wenig wie ein Depressiver oder ein Borderliner ect.
      Einige Krankheitsbilder sind nur gesellschaftlich akzeptierter als andere.

      Ob und wie weit man bereit ist damit dann umzugehen, und das auch kann ohne selber darunter zu leiden, kann jeder nur für sich entscheiden.
      Wenn du jemanden verstehen möchtest,
      höre nicht auf seine Worte
      sondern beobachte sein Verhalten.