Wie weit geht Toleranz?

      Wie weit geht Toleranz?

      Nun suche ich auch einmal Rat zu einem recht komplexen Thema und Problem. Es geht um eine Freundschaft zu einer Sklavin, wie sie sich selbst bezeichnet.
      Kurz zu mir: Ich bin vergeben, wir leben SM aus, aber es bestimmt nicht unseren Alltag. Wir haben ein Kind. Wir gehen normal einem Beruf nach und führen ein normales Sozialleben. Ich bin Switcher.
      Vor rund einem Jahr fand ich eine Freundin, mit der die Freundschaft bald recht intensiv wurde. Ein Treffen war häufiger geplant, aber wegen der örtlichen Entfernung hat es immer wieder nicht geklappt. Wir telefonieren und schreiben viel.
      Von Anfang an befand sie sich in einer 24/7 Beziehung, die allmählich ins TPE überging. Mit ihrem Herrn habe ich ebenfalls häufigen Kontakt und trotz seiner extremen Art, verstehe ich mich gut mit ihm.
      Er bestimmt ihre Kleidung, was sie isst, was sie tut, ihre Finanzen. Sie wohnen zusammen und sind seit ein paar Jahren ein Paar. Er hat bestimmt, dass sie ihre Arbeitsstunden reduziert. Teilweise sind mir ihre Praktiken zu extrem, z.B. Langzeitisolierung in einem Käfig über etwa drei Tage. Alles in allem konnte ich es aber noch akzeptieren auch wenn ich manchmal darüber ärgere wie passiv sie ist. Trotzdem verstehen wir uns ausgenommen gut. Wir erzählen uns alles, ich mag diese Freundschaft sehr gerne.

      Nun hatte er begonnen sie zu verleihen. Zuerst an einen Herrn, dann an eine Herrin. Sie erzählte mir wieder alles bis ins kleinste Detail. Ich war wieder ein wenig abgeschreckt, ein wenig neidisch. Was mich daran stört ist, dass sie diese Dinge in dem Sinne nicht macht, weil sie es toll findet, sondern nur weil er es möchte. Sie will überhaupt nicht von anderen gevögelt werden, er will es, sie tut es. Es muss eine extreme Überwindung gewesen sein.
      Irgendwann schrieb ich mit ihrem Herrn und er bot mir an, dass sie mich eine Woche besuchen kommen könnte um meine Sklavin zu sein. Obwohl er genau weiß, dass ich meinen SM nicht so extrem auslebe, kam er mit dieser Idee an. Ich war erst skeptisch, aber dann dachte ich warum ich dieses Angebot ablehnen sollte. Es reizt mich und er wird mich nicht kontrollieren können. Dieses Treffen ist also in nächster Zeit geplant.
      Dann kam aber die Info von der ich immer noch nicht weiß wie ich darüber denken soll. Er eröffnete mir, dass sie ihren Job aufgeben soll um als BDSM- Hure zu arbeiten. Außerdem soll sie keine Kinder bekommen. Ab dem Zeitpunkt stieg ich aus. Ich weiß genau, dass sie das nicht möchte, aber dass er sie auch dazu bekommen wird. Sie wird ihr restliches soziales Umfeld verlassen. Freunde hat sie nach eigener Aussage keine mehr, auch wenn er diesbezüglich wohl weniger Schuld hat.
      Ich weiß nicht was ich von der ganzen Sache halten soll. Sie begeht einen furchtbaren Fehler, den ich ihr aber nicht ausreden werden kann. Ihn werde ich erst recht nicht überzeugen können. Er wird sie dadurch zerstören. Bzw. diese Gefahr dahinter schätze ich als übergroß ein. Andererseits wenn sie sich zu diesem Leben entschieden hat, möchte ich es versuchen zu tolerieren. Alles in allem finde ich es eine schwierige Situation. Ich überlege, ob ich einfach erkläre, dass ich mit der ganzen Sache einfach nichts zu tun haben möchte und die Freundschaft beende, weil ich einfach nicht ertrage anzusehen wie sie sich zerstört. Es ist eine extreme Art einer DS- Beziehung, die einige tolerieren, andere absolut ablehnen würden.
      Also für Tipps und Ratschläge bin ich sehr dankbar, aber bitte nett bleiben…
      Puuhh ... das ist aber wirklich ne verzwickte Situation und das geht mMn nach fast schon in eine Debris Beziehung über, aber einerseits hat sie sich für dieses Leben entschieden, andererseits hätte ich aber auch im Hinterkopf ob sie denn überhaupt noch in der Lage ist die Situation für sich selbst richtig einzuschätzen und noch die Kraft hat nein zu agen zu etwas, was sie eigentlich garnicht will.

      Wäre ich mit Jemandem befreundet in dieser Situation, ich denke ich würde eingreifen oder zumindest diese Woche mit ihr verbringen um zu sehen ob sie überhaupt noch psychisch so gefestigt ist, etwas zu verhindern, was sie vielleicht ihr Leben lang bitter bereuen wird.

      Einen wirklich guten Rat konnte ich jetzt nicht geben, aber ich drücke die Daumen und wünsche deiner Freundin die Kraft, dass diese Geschichte zu einem guten Ende führt .
      Du siehst die Welt nicht wie sie ist, Du siehst die Welt so wie Du bist
      Ich dachte auch sofort, ich würde die Woche mit ihr verbringen, und dann: Reden, reden, reden. Ich würde ihr sagen, was ich wahrnehme, kommen sehe. Und dann ihr natürlich die Entscheidung überlassen, aber trotzdem jederzeit meine Hilfe anbieten, wenn sie es möchte.

      Ich kann mir gut vorstellen, wie schwer das ist. Ich habe mal eine liebe Freundin an Drogen verloren; nicht das gleiche, aber ähnlich. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich ihr klar gesagt habe, was ich von ihren "Freunden" hielt und wie viel sie mir bedeutete, auch, wenn sie es leider nicht geschafft hat. Ich wünsche euch viel Kraft!
      Was sagt denn dein Herr dazu- wäre er einverstanden, wenn du eine Woche bei dem Herrn deiner Freundin dienst?

      (Ich hab mit DS wenig am Hut, deshalb versuche ich mich hier nur sehr vorsichtig zu äußern. Was ich aber wichtig finden würde-
      egal was ist, sag deiner Freundin du bist 24/7 für sie da. Auch wenn du aus der Freundschaft aus gegebenen Gründen aussteigen musst)
      Eine sehr, sehr schwierige Situation. Natürlich kann eine erwachsene Frau selbstbestimmt leben. Die Frage, die sich stellt ist allerdings, inwieweit ihr Leben noch selbstbestimmt ist. Von außen her ist es natürlich sehr schwer einzuordnen, ob die Beziehung, die deine Freundin führt noch "gesund" ist, oder ob sie sich bereits im Teufelskreis der Abhängigkeit / Hörigkeit befindet.

      Ich kann gut nachvollziehen, dass du dir große Sorgen um sie machst und es ist dein gutes Recht, dich zurückzuziehen, wenn du Situation nicht erträgst. Es wäre aber schön, wenn du die Tür nicht ganz zuschlägst, damit deine Freundin zumindest weiß, dass du im Notfall für sie da bist.

      Die Sache mit der "BDSM-Hure" könnte strafrechtlich relevant sein. Ich bin kein Jurist, aber es gibt einen Paragraphen, der die Förderung der Prostitution unter Strafe stellt. Ob das in diesem Fall zutrifft, weiß ich nicht. Und es bleibt auch zu befürchten, dass eine entsprechende Drohung wahrscheinlich mit Gegenmaßnahmen seitens ihres Herrn, wie auch deiner Freundin (die sich im schlimmsten Fall auf seine Seite schlagen wird) enden wird. Aber es gibt - wenn es denn Aussicht auf Erfolg hat - zumindest die Möglichkeit einer anonymen Anzeige / Hinweis. Und in so einem krassen Fall - wenn er sie wirklich dahingehend manipuliert - würde ich auch nicht davor zurückschrecken, bevor ich zusehe, wie eine Freundin in die Prostitution gezwungen wird. Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung.

      Ich wünsche dir und deiner Freundin viel Kraft, die richtigen Entscheidungen zu treffen und heil aus der Sache rauzukommen.
      Es gibt zwei Tragödien im Leben eines Menschen: Wünsche, die sich nicht erfüllen ... und Wünsche, die sich erfüllen!
      (frei nach Oscar Wilde)
      Liebe Alona,
      ich kann Deinen Konflikt gut verstehen, ich selbst habe eine ähnliche Situation mit einer guten Freundin erlebt und war genau so überfordert mit der Frage "rausquatschen oder machen lassen?".
      Ich glaube es gibt keine richtige Antwort darauf. Letztlich muss sie es selbst erkennen ob das, was da gerade passiert, ihre Erfüllung ist, oder ob sie sich in eine ungesunde Abhängigkeit begeben hat. Alles was Du aus meiner Sicht tun kannst, ist ihr Anstöße zu geben, ihre Situation kritisch zu hinterfragen, sich Gedanken über die Motivation ihres Doms zu machen, sich zu fragen was ihr Bauchgefühl dazu sagt, und wenn Du den Eindruck hat sie zweifelt, ihr die Hand zu reichen und anzubieten ihr beim Ausstieg zu helfen.
      Achte dabei aber auf jeden Fall auf Dich, überlege wie viel Du leisten kannst und überfordere Dich nicht. Man darf die Belastung für einen selbst dabei nicht ausser Acht lassen, denn wenn Du nicht mehr klar kommst, kannst Du auch niemandem mehr eine Hilfe sein.

      Liebe Grüße
      Turnschuh.
      Hallo Alona,

      will sie das alles von Herzen für sich selbst (wenn auch nur ihm zuliebe und/oder um ihre Devotion zu spüren)? Oder meint sie, sie kann oder darf nicht anders oder sie weiß nicht, was sie sonst machen soll, als ihm zu gehorchen? Meiner Meinung nach ist sie nur noch einwilligungsfähig, wenn sie in der Lage ist, diese und ähnliche Fragen für sich selbst ehrlich(!!!) zu beantworten. Und die beschriebenen Praktiken/Lebensentscheidungen ohne gültige Einwilligung finde ich ethisch absolut nicht vertretbar.

      Ich erlaube mir, mich selbst aus dem Thread "Sind Gesetze Grenzen von TPE?" zu zitieren:

      Pygmalion schrieb:


      TPE erfordert, wie alles andere, das Einverständnis von Sub und Sub kann dieses jederzeit widerrufen und wird dabei vom Gesetz geschützt, egal wie viele Sklavenverträge Sub unterschrieben hat und egal wie verpflichtet sich Sub noch eine Minute vor dem Widerruf fühlt.
      Man könnte glatt ketzerisch fragen, ob freiwilliges TPE im Wortsinn überhaupt real existiert, denn zum T für "total" fehlt immer die Macht, das Einverständnis in Teilen oder ganz zurück zu nehmen. Und diese Macht kann Sub gar nicht abgeben, selbst wenn er/sie es wollte, denn dazu müsste Sub den im menschlichen Geist verankerten freien Willen permanent aus seinem/ihrem System löschen. Das ist schlicht nicht möglich, solange Sub bei Bewusstsein ist. (Wenn man nicht an den freien Willen glaubt, sondern an Vorherbestimmung oder Elementarteilchenbewegungen, hat Dom ohnehin keine Macht.)
      Selbst wenn Sub einen Vertrag mit Unwiderruflichkeitsklausel unterschreibt, in dem auch steht, dass jede Aussage, die auf den Widerruf des Vertrags abzielt, ungültig ist und im Rahmen des Spiels zu werten, kann Sub immer noch den Entschluss fassen, auszusteigen. Dom und Sub haben sich dann lediglich der Möglichkeit beraubt, dass der Wille von Sub auch wahrgenommen wird. Der Wille ist dennoch vorhanden und das Gesetz wird diesen im Zweifel werten.
      Die Frage hier ist: Hat Deine Freundin noch ihren freien Willen oder ist hier das, was ich damals noch als unmöglich beschrieb, eingetreten und dieser freie Wille wurde ausgelöscht?

      Wenn Du meinst, Deine Freundin macht das noch freiwillig und kann auch die Folgen absehen und bejaht auch diese, sei tolerant.

      Wenn Du meinst, sie hat eine Gehirnwäsche bekommen, hilf ihr heraus, wenn Du kannst (und wenn Du Dich hier engagieren möchtest). Wenn sie eine Woche bei Dir ist, ist das eine gute Gelegenheit. Ohne Psychologe zu sein, hätte ich dafür folgende Ideen: Behandle sie dabei auf keinen Fall als Sklavin. Fordere sie auf, Dinge zu entscheiden, auch wenn es anfangs kleine Dinge sind, allein damit sie sich wieder ans Entscheiden gewöhnt. Was möchtest Du essen? Wo möchtest Du sitzen? Was machen wir heute? Vielleicht kannst Du mit ihr auch etwas zum Anziehen kaufen (was sie natürlich selbst ohne Deinen Einfluss aussucht). Wenn ihr das Entscheiden schwer fällt, beginne mit geschlossenen Fragen (ja/nein, entweder-oder). Gleichzeitig führe sie an die oben genannten Fragen heran. Vielleicht sind auch Was-wäre-wenn-Fragen sinnvoll. Was wäre, wenn Du sagen würdest, Du willst das und jenes nicht? Was wäre, wenn Dein Dom Dich verlässt und Du dann keine Kinder mehr haben kannst? Was wäre, wenn Du irgendwann nicht mehr als BDSM-Hure arbeiten möchtest und aus Deinem ursprünglichen Beruf aber schon draußen bist? Wo siehst Du Dich in 5, 10, 20, 30 Jahren (nicht nur beruflich)? Will Dein Dom das Beste für Dich oder geht es ihm nur um sich? (Das ist zwar nicht entscheidend, denn es geht darum, was sie selbst will, aber vielleicht muss sie auch auf seine Motivation schauen, um zu erkennen, dass sie selbst für sich einstehen muss, wenn notwendig.)
      Das sind aber nur meine 2 Pfennige, wenn Du dazu den Rat eines Psychologen bekommen kannst, wäre das natürlich besser.

      Viel Glück Dir und vor allem Deiner Freundin!

      Pygmalion
      Werde, der du bist. (Pindar)
      Das ist ein sehr heikles Thema, Alona, und ich wollte Dir zu allererst meine Bewunderung dafür aussprechen,
      wie Du bislang mit der Situation umgegangen ist. Dem Menschen ist es gewissermaßen in die Wiege gelegt,
      in Schemata zu denken, er hat einen bestimmten Hang zum Urteilen, welchem Du Dich meisterlich entzogen hast.
      Das kostet einiges an Charakterstärke und verlangt Dir nun um so mehr ab.

      Es geht um eine Freundin, die in Deinen Augen vor dem Rande eines schrecklichen Schicksals steht.
      Du fühlst Dich ohnmächtig und möchtest nicht zusehen, wie sie in ihr vermeintliches Verderben rennt.
      Dein Impuls ist es, Dich der Tragödie zu entziehen. Diese Reaktion ist mehr als verständlich und Du hättest,
      wie Mirage bereits geschrieben hat, jedes Recht darauf.

      Ich kann kaum sagen, wie ich an Deiner Stelle reagieren würde. Ich kann lediglich Vermutungen anstellen.
      Vermutlich würde ich die Freundin eine Woche lang zu mir holen, also das Angebot ihres Herren annehmen.
      Ich würde mich mit ihr an einen Tisch setzen und die Karten offen auf den Tisch legen. Ihr das sagen, was du uns
      anvertraut hast: Ich würde ihr vermitteln, dass ich sehr froh darüber bin, sie zu Besuch bei mir zu haben. Dass ich
      sie als Mensch und Freundin unglaublich schätze und ihre Gesellschaft um nichts in der Welt missen möchte.
      Ich würde sie erzählen lassen: Wie es ihr geht, ob sie momentan glücklich ist - im Allgemeinen wie im Speziellen,
      ob die Beziehung zwischen ihr und ihrem Herrn so ist, wie sie es sich erträumt. Ich würde mich um viel Empathie
      bemühen und eine entspannte, keinesfalls bedrohende Atmosphäre. Es soll ein Gespräch unter Vertrauten sein,
      kein Verhör. Ich würde sie nach ihren Träumen und Wünschen für die Zukunft fragen, mich erkundigen, was sie
      sich vom Leben erhofft. Fragen, ob sie einmal Kinder möchte. Helfen kann es, auch etwas von sich preis zu geben.
      Wie geschrieben, es ist ein Gespräch, kein Verhör. Ich würde abwägen, wie sehr ihre Träume, Hoffnungen und Wünsche sich mit den Plänen decken, die ihr Herr mir offenbart hat. Dann würde ich nach dem Eventualiter fragen: "Was wäre, wenn dein Herr dir plötzlich
      befehlen würde, das Leben einer BDSM-Hure zu führen? Was, wenn er dir verböte, Kinder zu haben?"
      Sie wird antworten oder misstrauisch werden. Im ersten Fall gilt es wieder abzuwägen wie ihre Aussagen zu den Plänen des Herrn
      passen, im zweiten Fall würde ich offenbaren, welcher Stein mir auf dem Herzen liegt. Dass das Eventualiter ein festes Vorhaben
      ihres Herrn ist und ich mir seitdem große Sorgen um sie mache, da ich ihr Glück - welches mir als ihre Freundin wichtig ist -
      in Gefahr sehe. Ich würde ehrlich sagen, wie sehr es mich trifft und um Erlaubnis bitten, auch mit ihrem Herrn darüber zu sprechen.
      Indem Du um Erlaubnis bittest, gibst Du ihr etwas, was sie sonst nicht hat: Macht. Sie entscheidet, wie es weiter geht.
      Das kann ganz essentiell sein. Erläutere aufrichtig, dass Du sie keinesfalls verurteilen willst und ihren Lebensstil ebenso sehr respektierst
      wie sie als Menschen, Du aber besorgt bist. Schildere ohne drohend zu wirken und das ist hier ein furchtbar schmaler Grad,
      wie es Dir gehen wird, wenn sie sich den Plänen des Herrn fügt. Beschreibe, dass es Dich verletzt und erkläre, erkläre, erkläre.
      Sag ihr, welche Konsequenzen Du daraus ziehen musst - um Dich selbst zu schützen und versuche herauszufinden, ob sie sich im Klaren ist,
      was es bedeutet, das Leben einer Hure zu führen. Sichere ihr im Fall, solltest Du es leisten können, dass sie nicht mit den Plänen ihres Herrn einverstanden ist, uneingeschränkte Hilfe zu. Das kann sehr beängstigend für sie sein. Sie könnte Angst haben einen Menschen zu verlieren, der bislang ihr ganzes Leben bestimmt hat und der ihr unendlich viel bedeutet. Vermittle ihr, dass Du diese Dilemma Situation verstehst.
      Sollte sie Dir erlauben mit ihrem Herrn zu sprechen, ist besondere Vorsicht geboten. Es darf nicht wirken, als haben Deine Freundin und Du
      euch hinter seinem Rücken gegen ihn verbündet. Sprich ihn darauf an, dass Du Dich mit Deiner Freundin über ihre Zukunftspläne unterhalten hast und dass Du diese von seinen Plänen abweichend findest. Frag ihn nach seinen Gefühlen für sie und lass Dir versichern, dass auch ihm das Glück Deiner Freundin am Herzen liegt. Vielleicht ist er schlichtweg verblendet und kann nicht erkennen, dass es nicht in ihrem Ermessen wäre BDSM-Hure zu werden (vielleicht ist es das ja sogar)? Erläutere ausführlich, weshalb Du glaubst, dass sein Vorhaben Deine Freundin ins Unglück stürzen wird. Mach Deine Zweifel und Sorgen offenbar.

      Das klingt nach einem Rezept, was ich verfasst habe. Ist es natürlich nicht.
      Es ist nur eine Erwägung meinerseits, wie ich vorgehen würde. Einen Masterplan gibt es leider nicht, obgleich ich Dir gerne einen zukommen lassen würde, Alona. Ich kann Dir nur weiterhin viel Kraft wünschen und alles, alles Gute.
      You think it's just a puppet
      A puppet on a string
      Loyal marionette to your will

      But beware, master, beware!
      The net you weave
      the strings you play
      may play with you as well
      Ihr Lieben, das sind so tolle Denkanstöße!! Vielen Dank hierfür! :blumen:
      Sie weiß dass sie hörig und abhängig ist. Sie hat sich bewusst dafür entschieden und akzeptiert es so. Sie sieht ihre Bestimmung darin bzw. glaubt diese darin zu finden.
      Ich bin selbst nicht 100% in der Lage für mich eine Grenze zu ziehen, wie es z.B. bei Drogenabhängigkeit der Fall wäre, weil ich eben selbst diese Welt als faszinierend betrachte und mich darin aufhalte.
      Ich werde eure Ratschläge absolut zu beherzigen wissen, es ist so viel wahres daran! Sei es in juristischer oder sozialer Richtung.

      @Lilith Se: Dass ich eine Woche ihrem Herrn diene, ist ausgeschlossen. Das hätte er zwar gerne, aber selbst wenn ich die Erlaubnis von meinem Herrn hätte, würde ich mittlerweile den Teufel tun... :D
      An dem Punkt, Sub zur Hure ausbilden endet meine Toleranz. Für mich ist das eben nicht mehr das BDSM was ich als gesund, vertretbar und/oder legal ansehe.

      Vielleicht würde sie sogar früher enden, dafür müsste ich die Person aber besser einschätzen können um zu wissen, ob hier ein in meinen Augen ungesundes BDSM vorliegt. Da mit der Hurenausbildung aber für mich objektiv der Punkt Legalität überschritten ist, sofern Dom eben die Kontrolle über das Vermögen hat, wovon ich bei diese Konstellation ausgehe, bin ich an dem Punkt raus.

      Wäre es nur um den Verleih gegangen, würde ich hier rein objektiv kein Problem sehen. Eine Sklavin in einer TPE Beziehung zu verleihen, ist in meinen Augen durchaus Doms Recht, sofern die Beziehung eben nicht mit den entsprechenden Tabus definiert wurde. Ihr zu verbieten Kinder zu bekommen, finde ich ebenfalls in Ordnung. Zum Kinderbekommen gehören zwei und wenn ihr Dom definitiv keine Kinder will, ist es in Ordnung dies auch zu festzulegen. Wobei in meinen Augen die Verhütungsmaßnahmen auch bei einer TPE Sklavin immer reversibel sein müssten. Auch die Aufgabe des Berufs geht in meinen Augen, wobei ich dann Mister Dom in der Pflicht sehe, ihr Alter abzusichern und auch für den Fall einer Trennung mit Geld für Schulung und Übergang zur Seite zu stehen.

      Zwar zweifel ich bei solchen Konstellationen immer daran, ob das wirklich gesund ist, jedoch bedeutet Zweifel eben auch, dass es genau das sein kann was beide brauchen und nur weil meine Erfahrung in der Tendenz dagegen spricht, dass es auf Dauer gut für Sub ist, kann es im Einzelfall genau das sein, was Sub eben braucht.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff

      Gentledom schrieb:

      Da mit der Hurenausbildung aber für mich objektiv der Punkt Legalität überschritten ist
      Wieso ist die Ausbildung zur Sexarbeiterin, sofern die Einnahmen ordnungsgemäß versteuert werden und die Krankenversicherungsbeiträge angepasst werden, illegal bzw. nicht legal? Wenn sie ihm die Verwaltung des Vermögens freiwillig und einvernehmlich übertragen hat? Das ist weder sittenwidrig noch sonstwie strafbar, sofern sie nicht mehr unter 21 ist. und was meinst du genau mir "für mich objektiv"?

      Zum Rest des Themas ist viel gesagt, und ich selbst betrachte es als unangenehme, aber notwendige Freundschaftspflicht, bei drohenden Problemen wie Alkoholismus, Drogensucht und anderen Abhängigkeiten früh und radikal zu intervenieren. Auch wenn es die Abhängigkeit von einem gemeinsamen Freund ist.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Freudenschwalbe ()

      Alona schrieb:

      ...Was mich daran stört ist, dass sie diese Dinge in dem Sinne nicht macht, weil sie es toll findet, sondern nur weil er es möchte. Sie will überhaupt nicht von anderen gevögelt werden, er will es, sie tut es. Es muss eine extreme Überwindung gewesen sein.


      Weiß ihr Herr das auch? Ist dieses 'nicht wollen' und die 'Überwindung' noch Teil des Spiels? Ist sie noch in der Lage, zu irgendeinem Wunsch vom ihm 'NEIN' zu sagen? Reden die beiden noch auf Augenhöhe über solche Erlebnisse, über ihre Empfindungen dabei?
      TPE bedeutet, dass er wohl auch die finanzielle Kontrolle hat, demnach wäre er eben direkter Nutznießer des Anschaffens. Legal ist Prostitution sofern man weder eine persönliche noch wirtschaftliche Abhängigkeit vorhanden ist. Bei einer TPE Beziehung dürfte Sub aber zum einen persönlich abhängig sein, wie eben auch wirtschaftlich, wenn sie nicht frei über das Vermögen verfügen kann, bzw keines hat. Wenn man sich also Gedanken macht, ob Sub das gut tut und sie macht es bereits... kann man mit der Konversation die man mit ihrem Dom darüber geführt hat zur Polizei gehen und ihn anzeigen, nach einem Blick ins Gesetz dürfte der § 180a StGB einschlägig sein (Voraussetzungen: zur "Prostitution anhält", wobei auch im "Hinblick auf sie ausbeutet" passen dürfte wenn er sich was vom Geld nimmt), wobei dort die Höchststrafe mit drei Jahren noch recht moderat ist. Aber meist bleibt es dann nicht dabei sondern es gibt wegen der Finanzkontrolle auch Anzeigen wegen den Steuern und Co. Wobei es eben erst geht, wenn sie der Tätigkeit nachgeht, die Vorbereitung bzw Planung ist eben nicht strafbar, man kann ihn aber durchaus auf die Strafbarkeit hinweisen, wobei das meist nur zur Folge hat, dass die Leute es dann besser verschleiern werden.

      Die Grenze 21 Jahre bei der Prostitution ist mir gänzlich neu. Ich persönlich halte sie zwar für sinnvoll, der Gesetzgeber ist da aber konsequent und sagt, dass man ab 18 erwachsen ist und daher dieser Tätigkeit nachgehen kann. Steht indirekt sogar im gleichen Paragraphen 180a :)
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff

      Gentledom schrieb:

      Die Grenze 21 Jahre bei der Prostitution ist mir gänzlich neu. Ich persönlich halte sie zwar für sinnvoll, der Gesetzgeber ist da aber konsequent und sagt, dass man ab 18 erwachsen ist und daher dieser Tätigkeit nachgehen kann. Steht indirekt sogar im gleichen Paragraphen 180a
      Oh, ich dachte, nach dem neuen Prostitutionsgesetz sei es so, dann man nachträglich noch mehr machen kann (ich formuliere es als Nichtjuristin betont vage), wenn die Frau zu Beginn dieser Tätigkeit, zu der sie ein anderer gebracht hat, unter 21 war. Auch wenn sie mit 18, 19, 20 noch deutlich zugestimmt hat, aber es sich dann eben anders überlegt hat. Hab da irgendein Aufklärungsvideo über Loverboys auf einer Frauenhausseite gesehen, ich bin natürlich nicht ganz drin in dem Thema...
      Benutzt man eine Person die besonders schutzwürdig ist, fällt das Strafmaß bei Gerichten regelmäßig höher aus. Unter 21 kann ein Richter sagen, man hat die Unerfahrenheit besonders schändlich ausgenutzt, das hat aber nichts damit zu tun, ob es grundsätzlich legal ist anzuschaffen wenn man gerade 18 geworden ist. Jemanden zur Prostitution anhalten (sprich aktiv auf sie einwirken, so wie es der Dom tut) ist strafbar, egal ob die Person 18, 30 oder 80 Jahre alt ist. Auch wenn ich kein Strafrechtler bin, sehe ich bei den Punkten ist abhängig, muss Geld abgeben, usw strafverschärfende Punkte, wobei ich glaube, Dom würde sicher nicht die Höchststrafe erhalten, die ist dann eher für Leute vorgesehen, die dass im größeren Stil machen. Aber in der Konstellation kann alles bei rauskommen, je nachdem wie das Gericht die Freiwilligkeit bewertet, aus dem Bauch heraus bei ausgeübter Tätigkeit und Finanzkontrolle, sowie Dom als Initiator gehe ich mal von 9 bis 26 Monaten im Strafmaß aus... normalerweise ist die Range viel kleiner, aber hier kommt es sehr stark darauf an wie jeweils was gewertet würde. Immerhin trennt sich Sub könnte sie danach auch gut zivilrechtlich gegen Dom vorgehen und ihn auf ein schönes Sümmchen verklagen. So gesehen gibt es irgendwie doch eine Altersvorsorge...

      Damit soll der Ausflug ins Recht an dieser Stelle aber auch enden, außer ich habe irgendwo Mist geschrieben und ein Strafrechtler will mich korrigieren :)
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      @Alina
      Interessant wäre es imho zu hinterfragen warum sie dir das erzählt.
      Möchte sie einfach nur reden?
      Möchte sie eine Meinung dazu hören?
      Möchte sie Hilfe?
      Vielleicht hinterfragst du das mal.

      Alona schrieb:

      Sie weiß dass sie hörig und abhängig ist. Sie hat sich bewusst dafür entschieden und akzeptiert es so. Sie sieht ihre Bestimmung darin bzw. glaubt diese darin zu finden.
      Diesn Absatz finde ich wichtig.
      Sie scheint sich Gedanken darum gemacht zu haben, was sie will. Sie will eine bestimmte Beziwhungsform. Wenn sie sich von Anfang an darüber im klaren war ist es gut möglich, dass sie es genau so will.
      Wenn du Bedenken hast dann äussere sie und schaue wie sie reagiert.

      Zu Legalität lässt sich ohne weitere Information sicher nicht allzuviel sagen.
      Allerdings würde ich persönlich es als absolut übergriffig empfinden, wenn sich einer meiner Freunde und meine Beziehung einmischt. Würde es dann noch zu einer Anzeige kommen, hätte sich die Freundschaft erledigt.

      dornenspiel schrieb:

      Allerdings würde ich persönlich es als absolut übergriffig empfinden, wenn sich einer meiner Freunde und meine Beziehung einmischt. Würde es dann noch zu einer Anzeige kommen, hätte sich die Freundschaft erledigt.

      Das kann man auch anders sehen. Ist es nicht auch die Aufgabe von einem Freund etwas zu tun, wenn jemand auf einem stark absteigendem Ast ist? Gerade wenn jemand wirklich hörig ist, kann er seine eigene Belange nicht mehr so wie notwendig gegenüber der Person vertreten, zu der eben die Abhängigkeit besteht. Wenn einem Freund also Schaden durch strafrechtliche Handlungen entstehen, dieser hat aber nicht die Kraft, den Mut oder den Weitblick, sich dagegen zu wehren, sollte dann ein Freund ihm nicht zur Seite springen? Dass ein von Dom initiierte Prostitution strafbar wäre, kann man schon mit einem Blick in den Gesetzestext erkennen, da sie nach der Darstellung keinen eigenen Antrieb hat sich anderen sexuell hinzugeben und dies nur ihm zuliebe macht, macht die Sache recht eindeutig. Ich glaube wenn Nachbarn und Freunde sich bei solchen und Themen wie der häuslichen Gewalt früher aktiv einmischen würden, indem sie die Behörden einschalten, würde es deutlich weniger dieser Straftaten geben. Wenn es um einen Freund geht, riskiere ich auch unsere Freundschaft, wenn ich ihm dadurch helfen kann, da gehe ich weiter und bin weitaus einsatzfreudiger als eben bei jemandem, zu dem ich nicht dieses enge Band habe.

      Wobei so etwas sicher nicht leichtfertig erfolgen sollte, aber als letztes Mittel kann es eben eine Option sein auch jemanden anzuzeigen, der einem Freund schadet, sofern eben wirklich eine Strafbarkeit recht wahrscheinlich vorliegt.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff