Vor wem seid ihr als BDSMler geoutet

      Mein Vater weiß es seit ein paar Monaten. Das war allerdings eher Zufall... ^^ Wir haben uns lange nicht gesehen und hatten nur hin und wieder mal kurzen Kontakt per E-Mail. Als wir dann vor einiger Zeit mal wieder ein bisschen mehr geschrieben haben und weil es gerade so gut passte, schickte ich ihm ein aktuelles Foto von mir. Dass ich auf dem Bild den Ring der O und einen Edelstahl-Halsreif trage, nun ja, darüber habe ich gar nicht weiter nachgedacht, weil ich beides so gut wie immer trage und irgendwie schon so zu mir gehört... Noch bevor er überhaupt auf den Inhalt meiner Mail einging, kam erstmal nur die Frage zurück, ob ich das als 'Modeschmuck' tragen würde oder... :rot: Ich habe ehrlich geantwortet. Seine Reaktion: 'Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm...' - und er erzählte mir, dass er SM-ler ist. :D

      Außer mit ihm habe ich mit niemandem darüber gesprochen. Ich wüsste nicht, warum ich es jemandem erzählen sollte. Wenn ich Gesprächsbedarf habe, wende ich mich einfach ans Forum. :) Mein engster Freund müsste es sich mittlerweile eigentlich denken können, hat bisher aber nichts gesagt.
      Ich habe es am Wochenende einer meiner Töchter erzählt. Sie wird nächsten Monat 20 und hat selbst Tendenzen in Richtung BDSM.
      Also hab ich bei ihrem Besuch tief Luft geholt und hab mich geoutet. Ihre Reaktion war cool, sie verwies auf jede Menge neuen Gesprächsstoff.
      Ganz uneigennützig war es aber nicht, denn so konnte ich ihr wärmstens dieses Forum und die Hauptseite empfehlen, um sich eingehend und (für mich) gut aufgehoben mit dem Thema auseinanderzusetzen.

      Vor meiner 2,5 Jahre jüngeren Tochter hüte ich das Geheimnis weiterhin, im Freundeskreis bin ich sehr offen mit dem Thema.
      Nicht im Genuß besteht das Glück, sondern im Zerbrechen der Schranken, die man gegen das Verlangen errichtet hat. (Marquis de Sade)
      Mein Chef weiß es.
      Vorausgegangen war meine Strafanzeige gegen einen "Dom". Dieser hatte danach ohne mein Zutun auch meine Telefonnummer im Büro herausbekommen und mich dort mehrmals telefonisch belästigt und zur Rücknahme meiner Strafanzeige zu nötigen versucht. Das ganze Erlebnis - die Gründe für die Strafanzeige, das ganze Prozedere damit und dessen Folgen - hatte mich so mürbe gemacht, dass man's mir ansah und auch meine Arbeitsleistung beeinträchtigte. Meinem Chef fiel's auf, er fragte nach, und da zog ich ihn ins Vertrauen. Um so mehr, als ich nicht wusste, ob dieser "Dom" nicht vielleicht wirklich versuchen würde, mich beruflich zu diskreditieren.
      Ansonsten wüsste ich nicht, wem ich's sagen sollte und warum ...
      Außer anderen BDSMlern, die wir kennen, ist es mein Bruder, meine beste Freundin, die gemeinsame Bekannte, die meinen Freund und mich zusammengebracht hat, meine frühere Gynäkologin in Berlin, meine frühere Psychotherapeutin und ein weiterer Arzt in Berlin. Sonst niemand.

      Und auch diese Personen wissen nur über die Tatsache, dass, Bescheid, Details kennen sie nicht.

      "Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht".
      ~ Jean-Paul Sartre ~
      Ein alter Bekannter, der sich mit mir "treffen" wollte.
      Habe klar zu verstehen gegeben, dass ich wahrscheinlich nicht seinem gesuchten Typ entspreche, was meine Neigung angeht...

      Weit gefehlt... bis auf kleine Unterschiede passte es perfekt. :D

      Er ist bisher der Einzige.
      - Man muß das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen. -
      Hermann Hesse
      Ach, mir fällt gerade noch jemand ein: der damalige Quartiergeber des "Doms", den ich - wie weiter oben erwähnt - angezeigt hatte. Er wusste von den BDSM-Neigungen seines Untermieters und empfand diesen genau deshalb als ebenso furchterregend wie imponierend. Mich kannte er als die (spätere Ex-)Freundin seines Untermieters. Damit war ich ihm gegenüber geoutet.
      Nach meiner Strafanzeige gegen den "Dom" freundeten wir uns ziemlich gut an.
      Bei einem Abendessen mit seinen Arbeitskollegen schnappte er, der bis dahin mit BDSM nichts am Hut hatte, plötzlich über. Neben mir sitzend, griff er an meinen Oberschenkel und raunte: "Nimm die Beine auseinander, Sub!"
      "??? Wieso 'Sub'?"
      "Na, du warst doch A.'s Sub! Und als Sub musst du gehorchen. - Also, nimm die Beine auseinander, sonst verkackst du!"
      "Okay - dann verkack' ich eben ..."

      ... und merke mir, dass ich nicht als Wunscherfüller für Phantastereien sexuell unterversorgter Männer herhalten möchte. Auch deshalb oute ich mich lieber nicht.
      Hi!

      Bei mir wissen es drei enge Freunde, mein Lebensgefährte, der damit nichts anfangen kann, mich aber "machen lässt", natürlich mein "partner in crime" :engel: und ein ehemaliger Freund, der leider nicht damit umgehen kann, dass ich nicht mit ihm spiele.

      Ob ich damit irgendwann offener werde? Keine Ahnung, kein Bedarf... Allerdings KÖNNTE es sein dass meine Eltern und mein erwachsener Sohn mir auf die Schliche kommen... so langsam :saint: ... Is nur so ein Gefühl.... :gruebel:

      Izrah
      Wir hielten wieder eine unserer Lesungen. Und das in einer familiären Stammkneipe in unserem Viertel.
      Freunde, Bekannte und Kollegen, waren unter den Gästen.

      Das Thema ist seit einem Jahr 'Gelebte Poesie'. Diesmal der Untertitel, 'Erotica'...

      Nachdem wir uns mit unseren Texten von allgemeiner Erotik- bzw Liebes-Philosophien, über dunkler werdende Vanilla, bis zum BDSM steigernden, standen nicht nur Münder offen, sondern, unerwarteter Weise auch Herzen.
      Bewegte, neugierige Herzen :))

      Das sprach sich herum. Die schönste Reaktion übermittelte mir ein Bekannter, der nicht bei der Lesung war aber davon hörte: "Jetzt verstehen viele eure besonders intensive Ausstrahlung als Paar!"

      Trotzdem war es auch strange. Als ich während der Lesung spontan sagte, ich hâtte das Gefühl, jeder hier würde an unserer Schlafzimmerwand lauschen, war das durchaus ernst gemeint. So nervös war ich bei einer Lesung noch nie. :)))

      Mein älterer Sohn 17 und ihre ältere Tochter, auch 17, sind länger schon Fans unserer "extremen Magie", wie mein Sohn mal sagte... Und sie sind nicht blind :D
      Ich liebe die halbwissenden Subtextgespräche mit den beiden. :))

      Dann noch mein Dad in einer Art des Gentleman Agreement. Spätestens seid er hörte, wie mein Mädchen mich leise fragte, wieviele Punkte sie heute schon hätte. Als er lachend einwarf, ob wir wieder so eine Art Wiedergutmachungsspiel an diesem Abend anstrebten, war's eigentlich klar.
      Vor ein paar Freunden, der eine kennt sich aus ohne was damit zu tun zu haben, der andere ist einschlägig bekannt und noch einer reißt manchmal blöde Witze. Beim letzten mal hat er ein Szene Lokal vorgeschlagen und mir angeboten den Hintern zu verhauen, nur weil mir seine Vorschläge zu fad waren :D
      Watzlawick, Anleitung zum unglücklich sein löst alle Problem.
      Nur vor anderen BDSMlern. Ansonsten weiß es bei mir niemand und ich glaube es ahnt auch niemand. Was mich etwas verwundert, weil es z.B. schon ungewollt offensichtliche Dinge gab... Aber vielleicht checken total Außenstehende es echt wirklich nicht.

      Für mich ist die Situation so total ok. Ich muss meine sexuellen Vorlieben nicht vor allen Bekannten, Arbeitskollegen, Familie usw. ausbreiten. Bei Vanilla-Bekannten und Freunden ist es mir auch nicht wichtig, dass sie es wissen. Bzw. ich verspreche mir keinen "Mehrwert" davon, dass sie es wissen.
      a b s o l u t e l y n o r e g r e t s
      :D Es steht eigentlich in dem Interview, das @Talon mit mir führte: "Ich verlor einmal das Bewusstsein, nackt, mit BDSM-Maske, auf dem Bett fixiert. Atemkontrolle und Durchkitzeln waren zu viel gewesen. Die Sanitäter mussten kommen und so wurden unsere Leidenschaft hier im Dorf bekannt.
      Positiver Nebeneffekt: Die Eltern eines Sanis führen die Eisdiele hier im Dorf. Seither bekomme ich eine Kugel Nuss-Eis und einen Schuss Eierlikör gratis dazu.
      Mein Freund hingegen war froh, als er kurz darauf, nach seinem Ingenieurstudium, einen Job am Bodensee angeboten bekam - so ist dies nun eine Fernbeziehung."

      Davor wussten es nur die Hofbesitzer. Einige, die mich besucht hatten, hatten wahrscheinlich etwas geahnt gehabt, da mein Lieblingscollar gleichzeitig als Deko in meinem Bücherregal dient. Aber danach wusste es bald die ganze Gemeinde :whistling: ... es wurde aber akzeptiert und gut und interessiert aufgenommen - also echtes Interesse, nicht geiles, sexistisches.
      ~x~Suchst du dich selbst, so suche draußen in der Welt. Suchst du die Welt, so suche in dir selbst~x~