Bescheidenheit

      Ich habe nun auch nicht alle Beiträge vollständig und in jeder Einzelheit lesen können ^^
      Aber ich ganz persönlich unterscheide nach Bescheidenheit in der Haltung und der inneren Einstellung und nach einer anderen Art von Bescheidenheit, nämlich der materiellen.

      Bei der immateriellen Bescheidenheit bemühe ich mich durchaus, meine Wünsche nicht in den Vordergrund zu stellen, nachgiebig gegenüber den Vorstellungen meines Herrn zu sein, ihm zuliebe Dinge zu akzeptieren, die nicht unbedingt meine erste Wahl wären. Da mein Herr auch mein Ehemann ist, müssen wir natürlich den Alltag zusammen organisieren, zwei Kinder großziehen, in die Arbeit gehen. Und mit mehr Bescheidenheit meinerseits klappt es um Längen besser, also vor unserer BDSM-Zeit in der ich (viel zu oft) eine garstige Kratzbürste war X/

      Die Bescheidenheit im materieller Hinsicht beurteile ich etwas zwiespältig. Ich habe ein ganz gutes Händchen dafür, nicht unsinnig, überteuert oder maßlos einzukaufen. Von daher bin ich ohnehin eher eine nüchterne und sachliche Einkäuferin.
      Aber hinsichtlich meines Erscheinungsbildes: nein, da mag ich nicht bescheiden sein! Meine Haare sind sorgfältig frisiert, ich bin dezent und klassisch geschminkt, meine Business-Kleidung ist meiner beruflichen Tätigkeit angemessen und ich fühle mich so rundum wohl.
      Und ich wage sogar zu behaupten, dass es meinem Herrn eine Ehre ist, mich so anzusehen, mich so in seiner Begleitung zu haben, und mich der (hinsichtlich BDSM zu 99% unwissenden) Öffentlichkeit als Dame zu präsentieren :saint:
      - unter Männern eine Kriegerin -
      - unter Frauen eine Dame -
      - sie steht aufrecht vor all den Anderen -
      - und kniet nur vor dem Einen -
      - weil sie es will -
      - weil sie ihm gehört -
      @Frl. Irrlicht, das sehe ich auch so. Das Eine hat doch mit dem Anderen nichts zu tun. Ich kann in meiner Devotion sowohl bescheiden sein, wenn wir unser Machtgefälle leben aber eben im normalen Alltag einfach nur ich sein. Bescheidenheit hat sich nicht zwingend einen abgesteckten Rahmen, sondern ergibt sich aus vielen Situationen heraus. Das muss ich nicht unbedingt an der Kleidung usw festmachen.
      Viele eurer Beiträge habe ich angelesen und mich schlussendlich nur gefragt, was ist denn die eigentliche Definition von Bescheidenheit?
      Nachgelesen und sichergestellt, es ist:

      genügsam

      Bin ich nun als Bottom/ Sub/ Sklavin genügsam, soll ich es gar sein? Will mein Top/ Dom/ Herr überhaupt, dass ich genügsam bin, oder ist das Ziel nicht doch, nach mehr, nach Verbesserung oder weiß der Geier nach was zu streben?
      Bin ich in dem Moment des Strebens tatsächlich schon ungenügsam und wen würde das stören, außer mich (aufgrund selbst auferlegter Werte, die ich ggf hege)?

      Wenn ich gedanklich Dinge durchgehe, auf welche ich tatsächlich stolz bin (was im übrigen eher Eigenschaften oder erreichte Ziele sind, weniger Äußerlichkeiten oder materielle Dinge), dann merke ich, dass ich mich hierfür durchaus manchmal schäme und diese 'Erfolge' klein rede oder für mich behalte. Falsche Bescheidenheit? Oder ist das jetzt angemessen?

      In meiner Rolle als Sub und auch als Mensch spielt es aus meiner Sicht keine oder aber zumindest eine sehr untergeordnete Rolle.
      In erster Linie treffen wir im näheren Kontakt auf einen 2. Menschen mit ähnlichen Wertevorstellungen wie unseren eigenen (sonst käme es sehr wahrscheinlich gar nicht zu dem näheren Kontakt). Daher sollte an und für sich niemand den Gedanken bekommen, 'Himmel was für ein Angeber' oder auch 'Herrje macht sie/er sich klein'
      Auch ich muss gestehen, ich habe bisher nicht alles gelesen, hole dies aber mit großem Interesse nach.

      Wenn ich @LiT86 ' Definition von Bescheidenheit verwende und es mit genügsam übersetze (was für mich sehr stimmig ist), dann bin ich der Ansicht, dass eine gewisse Genügsamkeit jedem gut zu Gesicht stünde. Da ich eine Verfechterin von Grautönen bin (für mich gibt es kein reines Schwarz und reines Weiss), bezeichne ich mich in gewissem Sinne als durchaus bescheiden. Mir sind neue technische Geräte gänzlich unwichtig, ebenso wie neue Kleidung, neue Autos u. ä. Was mir jedoch wichtig ist: Qualität. Es geht (weder meinem Mann noch) mir um "billig um jeden Preis", es geht uns aber auch überhaupt nicht um Marke/ Name, sondern rein um Qualität und (erhoffte) Langlebigkeit. Unsere Autos beispielsweise werden gefahren, so lange es sich lohnt, nicht nur so lang, bis ein besseres auf den Markt kommt. Unsere Handies werden verwendet, bis sie kaputt gehen, meist ist es so, wenn meines zuerst kaputt geht, bekomme ich Männes und er holt sich ein neues (ist das vielleicht die "Bescheidenheit der Submissiven?"). Für mich ist das stimmig so. Klamotten und Schuhe werden getragen, bis sie nicht mehr ausgefähig sind, danach werden sie Stallklamotten, bis sie auseinanderfallen.

      Ich schminke mich nicht, gehe zum Friseur lediglich zum Spitzen schneiden ab und an, dies hat für mich/ bei mir aber nichts mit Bescheidenheit zu tun, sondern einfach mit ... fehlendem Interesse vielleicht.

      Ich finde mich - im Gegensatz zu früher - durchaus hübsch (klar, ein paar Kilo müssen runter, ein Pickelchen hier und da etc. etc.), wenn ich mich schminke, bin das dann nicht ich, daher lasse ich es einfach.

      Ich frage mich ... ist Bescheidenheit etwas aktives oder etwas passives? Oder von beidem etwas? Eine Lebenseinstellung? Etwas Erlerntes? Was glaubt Ihr?
      "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)

      Frl Irrlicht schrieb:

      ich hab mich gestern sehr über deinen EP gefreut, weil wir unser DS anscheinend in Teilen sehr ähnlich leben.
      @Frl. Irrlicht Ja, das ist mir bei einigen Beiträgen von dir auch schon aufgefallen.
      Dein Beitrag hier hat mich ein wenig aufegmuntert :)
      Ich dachte schon ich wäre alleine so empfindlich, mit dem Gefühl mich verteidigen/erklären zu müssen.

      Ich finde es vom Thema her sehr interessant, empfinde allerdings die Entwicklung die das Thema stellenweise hat, sehr schade...dazu an anderer Stelle mehr.

      Ein Danke an die jenigen die Einblick in ihre Form von Bescheidenheit gegeben haben.

      Ich war absichtlich auf die Äusseren Dinge eingegangen, da diese auch schon in dem anderen Thread erwähnt wurden.
      Für mich ist aber auch diese Äusserlichkeit, eine emotionale Ebene und keine Materielle.
      Es gibt so viele weitere Dinge, nur mag ich da momentan wirklich nicht weiter drauf eingehen.

      Mal der Versuch zu erklären, wo ich mich wirklich stosse.
      Mir ist auch klar das dass geschriebene Wort anders rüber kommt.

      Wenn in den Antworten dann argumentiert wird, mir ist wichtig das Sub Selbstsicher, Authentisch, Selbstbewusst ist...
      Ist das sicherlich erst einmal eine Aussage.
      Es ist auch eine Aussage die Zustimmung bekommen sollte.
      Soweit soweit so gut.
      Nur als TE Frage ich mich dann natürlich, warum ist es gerade wichtig das zu erwähnen? Ich stehe dann mit vielen Fragezeichen über den Kopf. ?(
      Das gleiche wenn ich lese meinem Herrn / Dom ist es wichtig das ich ... oder er will nicht .... Die Punkte können beliebig ersetzt werden.

      Es scheint dem Schreiber also wichtig zu sein das mitzuteilen. Es muss sich irgendwie auf den EP beziehen, denn sonst wäre die Listen länger ;)
      Vollkommen ohne Bezug hat noch niemand geantwortet, sonst würden wir auch hier Antworten lesen ...mir ist es wichtig das Sub intelligent ist, empathisch ist, humorvoll oder dem Herrn ist es wichtig das ich meine Haare nicht grün färbe, ect...

      Diese Aussagen kommen allerdings nicht.
      Also gehe ich davon aus, es ist nicht eine reine Beschreibung dessen, was Dom für eine Sub möchte sondern bezieht sich doch irgendwie auf den EP.

      Also geht der Schreiber davon aus, den TE auf ein Problem/ Missstände hinweisen zu müssen. Zu erklären das er es anders sieht.
      Nur um einmal darauf einzugehen, wie solche Aussagen ankommen ;)


      Landlady_bb schrieb:

      Bescheidenheit und eben diesem sehr religiösen Touch war mir zuviel.
      Ich habe mir auch den anderen Thread noch mal durchgelesen, kannst du mir bitte auch nur eine Stelle mit religiösen Touch zeigen.

      So wie @Viva es schrieb das man eigene Assoziationen dazu hat, dass kann ich nachvollziehen. Nur ob man etwas assoziiert oder ob es wirklich geschrieben ist, sind unterschiedlich Dinge ;)

      Um jetzt noch mal auf das Hauptthema zurück zu greifen.
      Für mich hat wie schon oben geschrieben Bescheidenheit und Devotion viel miteinander zu tun. Ich bin Dankbar, dass ich es in meiner Beziehung ausleben kann, dass der Herr es genau als das ansieht was es ist, ich mich nicht verstellen muss, mir keine Gedanken darüber machen muss, dass es negativ gesehen werden könnte von ihm.
      Wenn du jemanden verstehen möchtest,
      höre nicht auf seine Worte
      sondern beobachte sein Verhalten.

      dornenspiel schrieb:

      Um jetzt noch mal auf das Hauptthema zurück zu greifen.
      Für mich hat wie schon oben geschrieben Bescheidenheit und Devotion viel miteinander zu tun. Ich bin Dankbar, dass ich es in meiner Beziehung ausleben kann, dass der Herr es genau als das ansieht was es ist, ich mich nicht verstellen muss, mir keine Gedanken darüber machen muss, dass es negativ gesehen werden könnte von ihm.
      Wie du geschrieben hast, es hat für dich viel miteinander zu tun, aber das muss ja nicht für alle Devoten gelten und wegen fehlender Bescheidenheit ist man auch nicht mehr oder weniger devot, das ist dein Weg, aber das muss nicht der richtige Weg für alle sein.

      Du solltest dich doch auch nicht erklären oder verteidigen, nur weil Einige es nicht so sehen, denn die Frage war ja wie andere zum Thema Bescheidenheit stehen und wenn das so für dich stimmig ist, ist doch die Meinung Andersdenkender kein Angriffoder herabwerten.

      Ich denke es ist auch ein ganzes Stück weit charakterabhängig wie man sich gibt oder geben kann ... ich für meinen Teil werde oder könnte niemals die stille Sub mit gesenktem Blick sein, weil es eben meinem Charakter nicht entspricht, dafür habe ich viel zu viel Temperament und das mag mein Herr auch an mir.

      Ich denke da gibt es kein Richtig und kein Falsch und auch kein Dogma, dass eine Sub bescheiden sein muss ... jedem so wie es für ihn passt und wie er/sie sich am wohlsten fühlt ... leben und leben lassen :blumen:
      Du siehst die Welt nicht wie sie ist, Du siehst die Welt so wie Du bist
      @Dalina an welchem Punkt haben ich behauptet das es für irgendjemand anderen gelten müsste?

      Es ist für mich auch kein Problem wenn andere es anders sehen.
      Ganz im Gegenteil ich mag verschieden Sichtweisen auf Dinge.
      Kommt es dann allerdings für mich zu Erklärungen die ich nicht nachvollziehen kann oder zu Schlussfolgerungen die in meinen Augen nichts miteinander zu tun haben. Dann komme ich in eine Situation, die ich entweder richtig stellen möchte oder ich denke mir meinen Teil und steige aus der Diskussion aus.

      Wenn du und dein dominanter Part eine Beziehungsebene habt, auf der ihr beide glücklich seid, dann ist das doch eine ganz tolle Sache. Da musst du dich mit meiner Form der Beziehung, mit meinen Begriffen nicht auseinandersetzen wenn du das nicht möchtest.
      Es gibt hier im Forum viele verschiedene Beziehungsformen, ich setze mich auch nicht mit allen auseinander, einige kann ich noch nicht mal nachvollziehen.
      Ich lese da gerne mit um meinen Horizont zu erweitern um über den eigenen Tellerrand zu schauen, ich toleriere es ich akzeptiere es, auch wenn es nicht meines ist.

      So lange jemand mit seiner gewählten Form der Beziehung glücklich ist, ist doch alles gut.

      Schön ist es nur, wenn andere sich auch wenn sie in einer Minderheit sind austauschen können, ohne gegen Vorurteile kämpfen zu müssen ;)
      Wenn du jemanden verstehen möchtest,
      höre nicht auf seine Worte
      sondern beobachte sein Verhalten.
      Bescheidenheit ist für mich so ein zweischneidiges Schwert.
      In manchen Situationen wünschenswert, in manchen eher hinderlich.

      Für mich ist Bescheidenheit einfach ein individuumabhängiger Maßstab
      entsprechend deren persönlicher Werte und aufbauend auf persönliche
      Erfahrungen.
      Die Grenze der Bescheidenheit wird durch genau diesen Maßstab bestimmt. Wenn mein Partner und ich anfangen uns durch Einschränkungen unwohl zu fühlen oder gar unsere wertebedingten Grenzen verletzt werden, da hört es für uns auf.

      Doch ist dieser Maßstab den ich an mich und andere lege, lediglich der
      Meinige.
      Ich entscheide dann situationsbedingt selbst wie genügsam ich in welchen Maße
      sein kann und will.
      Das selbst Entscheiden ist mir hierbei besonders wichtig, weil ich in Bezug auf
      Bescheidenheit Diktatur- und Schicksaalsbedingt eben nicht nur Positives
      erleben musste. Da wurde Bescheidenheit erzwungen und notfalls mit Gewalt
      durchgesetzt, ohne Rücksicht auf Verluste.

      Daher finde ich die Sichtweisen zur Selbstliebe, Selbstbewusstsein und
      Authentizität durchaus erwähnenswert.
      Die Schreiber haben da vermutlich Ihren Anteil an Erfahrung eingebracht.
      Auch ich sah in meinem Umfeld erschreckend viele Devote Personen denen es
      reichlich an Selbstliebe und Selbstvertrauen mangelte.

      Ein Beispiel wo ich gewiss nicht bescheiden bin :D
      In Sachen Anerkennung und Leistung bin ich nicht genügsam. Da brauche ich einfach Anerkennung,weil diese für mich existenziell ist.
      Das heißt aber auch nicht, dass ich diese von Dritten einfordere. Im Gegenteil, ich
      habe so viel Selbstliebe und Selbstvertrauen aufgebaut, dass ich inzwischen in der Lage bin, mir diese Anerkennung bei Bedarf auch selber zu geben.


      @dornenspiel
      Einen Angriff gegen den man sich hätte verteidigen müssen, oder auch einen Bezug auf deine individuelle Beziehungsform habe hier gar nicht wahrnehmen können.
      Es zeigt sich hier meines Erachtens lediglich, welche verschiedenen Gefühle
      einige Worte in jedem auslösen können.
      Vielleicht kam das Gefühl von sich "verteidigen müssen" durch deine individuelle Wertung und ist durch eine andere Perspektive wandelbar?

      Haben die Vertreter dieser Meinung vielleicht einfach nur ähnliche Erfahrungen
      wie ich gemacht, und sind vermehrt Devoten mit oben genannten Mängeln
      begegnet? Und fanden es gerade deswegen auch erwähnenswert und wichtig?


      Auf einen weiterhin gelungenen Meinungsaustausch und bereichernde
      Vielfälltigkeit.
      (Auf Definitionen laut Duden oder Wikipedia verzichte ich einfach mal - ich möchte es so schreiben, wie ich es gerade wirklich selber denke und interpretiere.)

      dornenspiel schrieb:

      Bei mir und dem Herrn ist es so, dass es keine Gardrobe braucht, keine Halterlosen, keine Heels, Corsagen ect... die Sklavin ist
      unbekleidet.
      Sowohl privat als auch auf Veranstaltungen.

      Es gibt keine Kosmetik, ich verzichte auf Haarstyling das verklebt. Also ganz Natura.

      Für mich hat das so 'auf den ersten Blick' nichts mit Bescheidenheit der Sub/Sklavin zu tun. Wenn, dann eher noch als Bescheidenheit im Sinne von Genügsamkeit seitens des Herrn, also dass er zufrieden damit ist, was er sieht/hat und eben keinen Schnickschnack braucht. Wobei ich es wiederum doch mehr in Richtung Vorlieben einordnen würde, wenn er keinen großen Wert auf bspw. Dessous, eine tolle Frisur, besonders geschminkte Augen etc. legt und ihm seine Sub/Sklavin nackt am besten gefällt - und sie sich damit möglicherweise auch am wohlsten fühlt und diesem Wunsch/dieser Vorgabe nachkommt. Gefallen finden an/ eine Vorliebe haben für die 'pure Natur des Gegenübers' oder so...


      dornenspiel schrieb:

      Bei uns ist es im übrigen auch kein Zwang, sondern freiwillig.

      Bescheidenheit kann meiner Meinung nach so oder so kein Zwang sein. Bescheidenheit verstehe ich nicht als reine Verhaltensweise, zu der man jemanden bringen bzw. zwingen kann, sondern als Charakterzug (oder wie einige sagen: innere Einstellung/Haltung), aus dem ein bestimmtes Verhalten resultiert.

      Einen Charakterzug in dem Sinne kann eine zweite Person nicht erzwingen. Natürlich, man kann sein Denken verändern, auch die innere Einstellung und somit verändert sich auf lange Sicht wohl auch der Charakter. Und dabei kann einem selbstverständlich auch eine andere Person helfen bzw. einen dabei unterstützen und in diese Richtung 'treiben' oder sie einem 'schmackhaft' machen. Aber erst wenn man dies dann auch so für sich verinnerlicht hat und wirklich auch selber davon überzeugt ist, wird es zum Charakterzug - und ist somit kein Zwang mehr. Wenn man sich nur bescheiden verhält, ist man nicht unbedingt bescheiden. Vielleicht verhält man sich in gewissen Momenten dann auch nur so, weil es gefordert wird, es einem gerade vorteilhaft erscheint oder um jemandem einen Wunsch zu erfüllen ('ihm zuliebe'). Bescheidenheit als solche, so wie ich sie verstehe, findet im Inneren statt - im Denken, im Verlangen, in der Einstellung/Haltung - und sie zeigt sich in entsprechendem Verhalten.

      Wenn ich dich richtig verstehe, @dornenspiel, siehst du das ähnlich. Ich hatte aufgrund deiner Beiträge jedenfalls auch keineswegs den Eindruck, dass da irgendwas erzwungen ist/wird, sondern dass es dir/euch entspricht. Mir ist dieser Satz (Zitat) nur so besonders aufgefallen, darum wollte ich gerne kurz darauf eingehen.


      dornenspiel schrieb:

      Welche Bescheidenheit habt ihr bei eurem Äusseren?
      Welche bei Wünschen?
      An welchem Punkt würdet ihr Bescheidenheit komplett ablehnen.

      Wenn ich jetzt mal davon ausgehe, dass das Obenstehende (hinsichtlich des äußeren Erscheinungsbildes, Zitat 1) als bescheiden gilt (was ich, wie gesagt, eigentlich nicht so sehe), bin ich alles andere als bescheiden. Wenn mein Partner/Herr zu Besuch ist, bin ich immer geschminkt, elegant gekleidet (seit einigen Monaten gehören z. B. auch halterlose Strümpfe dazu, zwar nicht immer, aber oft), trage Schmuck (Halsband/Halsreif + Ring immer, manchmal auch mehr) und gerne mache ich mir auch eine schöne oder sogar aufwendige Frisur.

      Aber haben diese Dinge wirklich etwas mit (Un-)Bescheidenheit zu tun? Man kann das Ganze ja auch mal umdrehen:
      Manchmal habe ich auf all das überhaupt gar keinen Bock. Manchmal bin ich nämlich ziemlich lustlos, habe wenig Antrieb, fühle mich schlecht und kann mich kaum zu irgendwas aufraffen. Wenn aber Besuch meines Herrn ansteht, mache ich es trotzdem. Ganz allein für ihn und nicht, weil es in dem Moment meinem Wohlbefinden dient. Ich ziehe dann z. B. auch ein Kleid an, in welchem er mich ganz besonders attraktiv findet, welches mir gerade aber eigentlich viel zu eng ist und mich nur stört. Nur um ihm eine Freude zu machen. Ich stelle also mein eigenes Bedürfnis (welches in diesem Falle wäre: mich gehen lassen und gar nichts tun) hintenan und mache das einzig und allein für ihn. Sind meine Kleidung, Schminke, Frisur usw. dann immer noch Zeichen dafür, dass ich nicht bescheiden bin? Ich denke nicht.

      Zur zweiten Frage, in Bezug auf Wünsche: Ich habe Wünsche und Bedürfnisse, doch stehen an erster Stelle immer die meines Herrn. Das ist so in mir drin und war schon immer so, auch bevor ich überhaupt wusste, was eine Sub ist und was BDSM bedeutet. Tatsächlich stand schon in meinen Grundschulzeugnissen, ich sei 'höflich und bescheiden' und würde 'immer anderen den Vortritt lassen'. ^^ Im Kern ist das immer noch so, vor allem aber in der Partnerschaft. Und seit wir BDSM für uns entdeckt haben und es auch ausleben, merke ich umso mehr, wie wohl ich mich damit fühle. Irgendwie freue ich mich auch darüber, so zu sein, weil es mir das Gefühl gibt, dass ich da mit meiner Neigung 'richtig' bzw. gut aufgehoben bin und etwas gefunden habe, was zu mir passt und meinem Wesen entspricht (daran habe ich in meinen vorherigen Beziehungen nämlich nicht mehr so recht geglaubt, da das da auch nicht wirklich gewünscht war).

      Die dritte Frage finde ich schwierig, weil Bescheidenheit für mich erstmal etwas Positives ist. Ablehnen würde ich sie also nur dann, wenn sie als etwas definiert wird, was ich selbst eben nicht darunter verstehe.

      Wenn es also z. B. als bescheiden gilt...

      ...optisch so natürlich wie möglich aufzutreten, also komplett ungeschminkt, in 'neutraler', unauffälliger Kleidung, ohne Schmuck usw., dann lehne ich Bescheidenheit ab, denn es macht mir Spaß, zudem gefalle ich mir dann besser und - auch wenn mein Herr meinen 'natürlichen' Anblick wunderschön findet - würde ich doch auf so manches schönes Kompliment von ihm verzichten müssen.

      ...sich nur im Stillen über gute Leistungen zu freuen oder im entgegengesetzten Fall: Fehltritte und Enttäuschungen mit sich selbst auszumachen, weil man sich ja sonst in den Mittelpunkt stellen würde, dann lehne ich Bescheidenheit ab, denn ich möchte sowohl meine Freude und Erfolge sowie Traurigkeit und Niederlagen mit meinen Freunden und meinem Herrn teilen.

      ...seine Fähigkeiten und Talente nicht öffentlich zu präsentieren, weil man auch damit die Aufmerksamkeit auf sich ziehen würde, dann lehne ich Bescheidenheit ab, weil es a. Teil meiner Selbstverwirklichung ist, b. mein Beruf ist, es c. so eine Art 'Lebenselixier' für mich ist und d. mein Selbstbewusstsein stärkt.

      ...seine eigenen Bedürfnisse komplett hinter die des Herrn zu stellen, selbst wenn sie dann eigentlich gar nicht mehr oder nur unzureichend erfüllt werden, dann lehne ich Bescheidenheit ab, denn auch wenn ich im Großen und Ganzen das größte Glück aus dem Wohlergehen meines Herrn ziehe, habe ich dennoch auch Bedürfnisse, die dadurch nicht gestillt werden - und wenn das auf Dauer so wäre, könnte ich nicht glücklich werden und würde meine Beziehung nicht als harmonisch und erfüllend empfinden.

      ...keinerlei Forderungen an seinen Herrn zu stellen, dann lehne ich Bescheidenheit ab, denn dann könnte ich vermutlich kein BDSM ausleben. Mein Herr ist zwar mein Herr, weil er genauso ist, wie er ist - und meine Devotion ihm gegenüber ist so oder so immer in mir vorhanden, aber die allein reicht nicht aus, um meine Neigung auszuleben. Ich brauche gewisse Dinge seinerseits, um nicht nur den Wunsch zu haben, sondern mich auch wirklich bereit dazu zu fühlen, ihm zu 'folgen' und zu 'dienen'. So ganz ohne Weiteres funktioniert das bei mir nicht. Ich habe also eine gewisse Erwartungshaltung ihm gegenüber, ohne die es nicht geht. Es ist für mich kein rein selbstloser Akt und kein bedingungsloses Geben, ohne zu nehmen.

      ...es als Selbstverständlichkeit anzusehen, dass eine Sub ihrem Herrn dient und seine Wünsche erfüllt, dann lehne ich Bescheidenheit ab, denn ich brauche dafür Wertschätzung, hin und wieder mal ein Lob und höre auch gerne zwischendurch mal ein Danke (Ja, auch wenn es doch meine Leidenschaft ist!).


      (Ich muss den Beitrag hier leider teilen, weil die maximale Zeichenanzahl überschritten ist...)
      Ich hoffe, diese Punkte gehen nicht total am Thema vorbei, nur weiß ich nicht, wie die Frage sonst gemeint gewesen sein könnte. Ich möchte auch noch kurz erklären, warum diese Punkte für mich nicht unter Bescheidenheit bzw. nicht bescheiden sein fallen und weshalb ich in ihnen auch nicht zwingend etwas Negatives sehe:

      Es kommt immer auf das Maß, die Art und Weise sowie die Intention an.

      Zu 1 (Optische Natürlichkeit / schminken usw.): Es zeigt lediglich, dass ich mich gern mit mir und meinem Körper beschäftige - und dass ich mir wichtig bin, da ich es ja mache, um mir zu gefallen und mich wohlzufühlen. Sich gut fühlen zu wollen, spricht nicht gegen Bescheidenheit.

      Zu 2 (Sich im Stillen über gute Leistungen freuen usw.): Dass ich mich anderen mitteile, wenn ich etwas erreicht habe oder auch erfolglos war, halte ich zum einen für ein ganz normales Bedürfnis (Mitteilungsbedürfnis) und finde ich zum anderen schön, weil es meine Freunde und natürlich auch meinen Herrn interessiert und sie sich mit mir freuen bzw. Anteil nehmen, wenn mir etwas Schlechtes widerfahren ist oder ich eine Niederlage hatte. Das zählt für mich zur normalen Kommunikation, ist nichts als ein Teilhaben-Lassen am eigenen (Er-)Leben.

      Zu 3 (Talente nicht öffentlich zeigen usw.): Nicht bescheiden wäre es, wenn ich damit angeben würde oder der Meinung wäre, ich sei 'etwas Besseres', weil ich xyz besonders gut kann. Hier kommt es also stark auf die Art und Weise an, wie ich damit umgehe und wie/warum ich mich und meine Fähigkeiten präsentiere. Ich mache es mit Leidenschaft und Herzblut, also ist es für andere schön anzusehen/anzuhören. Meine Intention ist nicht in erster Linie Selbstdarstellung, sondern anderen mit meiner Darbietung ein paar schöne Stunden zu bescheren.

      Zu 4 (Bedürfnisse hintenanstellen): Bescheidenheit setze ich nicht mit völliger Bedürfnislosigkeit gleich.

      Zu 5 (Keine Forderungen stellen / Erwartungshaltung usw.): Wenn ich bestimmte Dinge wie Verhaltensweisen, Blicke, Gesten, einen gewissen Umgang mit mir, eine bestimmte Stimmung oder was auch immer brauche, um in meiner Submissivität anzukommen, in den 'Sub-Modus' zu gelangen und dienen zu wollen, dann ist das so. Für manche Bereiche von DS brauche ich eine spezielle Form von Interaktion - ein Miteinander, ein 'Geben und Nehmen'. Wenn ich das ohne nicht kann, heißt das lediglich, dass meine Art BDSM zu leben, 'so und so' aussieht, aber nicht, dass ich super hohe Ansprüche habe und irgendwelche großen Gegenleistungen erwarte. Hat also auch nichts mit Bescheidenheit/Unbescheidenheit zu tun.

      Zu 6 (Dienen als Selbstverständlichkeit / Anerkennung): Ich wünsche mir keine gleichberechtigte Beziehung, aber eine, in der mein Partner und ich gleichwertige Menschen sind. So ganz ohne ein Lob, eine wertschätzende Geste o. ä., wenn es angebracht ist, wäre mein Selbstwertgefühl in der Beziehung irgendwann ganz schön im Keller. Ich brauche Anerkennung. Sie tut mir gut und ist ein Ansporn, xyz erneut zu tun und es nach Möglichkeit sogar noch besser zu machen. Zudem ist sie ein Wegweiser - sie zeigt mir, was ihm gefällt, wie ich ihm gefalle oder woran ich eben noch arbeiten kann/soll. Ich nehme nichts als selbstverständlich hin. Und ich bedanke mich auch bei meinem Herrn für das, was er mir gibt oder ermöglicht - auch dafür, dass ich ihm dienen darf.


      Wie gesagt: Ich denke, das Maß, die Intention und das Wie sind ausschlaggebend dafür, ob man mit dem, was man macht, möchte und sich wünscht, bescheiden ist oder nicht.
      mir fiel noch ein winziger Gedanke ein, den ich dazwischenwerfen mag - er wird die Diskussion hoffentlich nicht unterbrechen :)

      Als Kind fand ich mal in einem Buch dür Poesiealbensprüche die Verslein:
      "Sei wie das Veilchen im Moose,
      sittsam, bescheiden und rein,
      und nicht wie die stolze Rose,
      die immer bewundert will sein."

      Weil ich Veilchen toll fand und Moos auch, hab ich das Gedicht irgendwo hingeschrieben, wo meine Eltern es gesehen haben. Die haben mich dann in Ruhe darauf angesprochen und mich gefragt, was ich damit sagen will, und mir klar gemacht, was diese Zeilen eigentlich aussagen, wenn man einem kleinen Mädchen (was ja die Zielgruppe dieses Buches ist) eintrichtert "sei bescheiden!" und aus welchen Zeiten dieses Buch eigentlich stammte und warum es gut ist, dass wir das versuchen, zu überwinden. Gerade im Zusammenhang mit Worten wie "was ziert eine Sub?", was ja ebenso von außen wertend ist und den ganzen Menschen betrifft, hat mich der Thread daran erinnert (wie bei @Viva auch: es ist eine persönliche Assoziation! gegen die muss sich keiner verteidigen, weil ich nur berichte, was in meinem eigenen Köpfchen aufploppte beim Lesen - es ist keine Wertung anderen gegenüberm nur eine Erzählung von mir!).

      Klar gehört "sich zurücknehmen" und "Dinge erdulden" zum S von BDSM dazu. Aber halt nur als Teil der Sexualität/Erotik/Beziehunhskonstellation und dem Menschen gegenüber, mit dem man gemeinsam BDSM lebt und nur soweit, wie es beiden was gibt. ich zumindest fänd es seltsam, wenn eine Freundin, nur weil sie neuerdings einen Freund hat, mit dem sie BDSM betreibt, ihren Charakter auch mir gegenüber verändert...

      Romanico schrieb:

      Das selbst Entscheiden ist mir hierbei besonders wichtig, weil ich in Bezug auf
      Bescheidenheit Diktatur- und Schicksaalsbedingt eben nicht nur Positives
      erleben musste. Da wurde Bescheidenheit erzwungen und notfalls mit Gewalt
      durchgesetzt, ohne Rücksicht auf Verluste.
      @romanico Es geht hier in dem Thema aber um die Bescheidenheit einer Sklavin/ Sub.
      Da ist es eine freiwillige Handlung und im Vorfeld abgeklärt.

      romanico schrieb:

      Daher finde ich die Sichtweisen zur Selbstliebe, Selbstbewusstsein und
      Authentizität durchaus erwähnenswert.
      Die Schreiber haben da vermutlich Ihren Anteil an Erfahrung eingebracht.
      Auch ich sah in meinem Umfeld erschreckend viele Devote Personen denen es
      reichlich an Selbstliebe und Selbstvertrauen mangelte.
      Ich sehe es auch so das es Menschen (es sind ja nicht nur Devote) gibt denen Selbstliebe und Selbstvertrauen fehlt.
      Verstehe allerdings immer noch nicht ganz den Zusammenhang.
      Aus meiner Sicht der Dinge, gibt es auch Menschen die sich selber noch nicht gefunden haben, einige davon suchen sich dann Partner im BDSM Bereich, andere suchen halt in Religionen, dann gibt es welche die anfangen zu Trinken oder Drogen zu nehmen,einige suchen sich einen Therapeuten.
      Aber was hat das alles mit Bescheidenheit zu tun???
      Wenn es um diesen Personenkreis geht, müsste in jedem Thread ein Verweis kommen auf Selbstliebe, Selbstbewusstsein.
      Dann müsste in den vielen OT-Threads jedes mal darauf hingewiesen werden welche Risiken es birgt, den Ärger um ein schlechtes Date mit Rotwein runter zu spülen.
      Dann müsste hinterfragt werden warum jemand sich schlagen lässt, gerade wenn es ihm emotional nicht gut geht, oder warum es den Wunsch gibt sich in solchen Situationen ich fesseln zu lassen.
      Da gibt es solche Hinweise nicht.

      Das Problem ist dann aber nicht Bdsm, es ist nicht Bescheidenheit, sondern ein Mangel an Selbstbewusstsein. Es ist dann falsche Bescheidenheit.

      Meiner Meinung nach, braucht es für eine authentische Bescheidenheit, die gelebt wird, ganz viel an Selbstbewusstsein, nur wenn man mit sich selber im Reinen ist, kann man sich zurücknehmen ohne darunter zu leiden.

      Dazu muss ich mir meiner Selbst und meiner Werte bewusst sein.

      Vielleicht mag ja jemand zu dem Thema Selbstwert und Selbstbewusstsein ein Thema aufmachen, evtl. hilft das Betroffenen dann wirklich. Dann ist es gebündelt und nicht nur in diversen Ds-Themen als kontroverse Diskussion.
      Wenn du jemanden verstehen möchtest,
      höre nicht auf seine Worte
      sondern beobachte sein Verhalten.

      dornenspiel schrieb:

      @romanico Es geht hier in dem Thema aber um die Bescheidenheit einer Sklavin/ Sub.
      Da ist es eine freiwillige Handlung und im Vorfeld abgeklärt.
      Genau aus dieser Konstellation heraus war es von mir gemeint. Ich kann das nicht voneinander trennen, es geht vom Alltag ins BDSM hinein. Ich lebe in einer D/s Beziehung, 16/7 weil man auch Schlaf benötigt ;) .

      dornenspiel schrieb:

      Verstehe allerdings immer noch nicht ganz den Zusammenhang.
      Es ist nur eine Vermutung von mir, dass diese Beiträge auf Erfahrungen ähnlicher Art zurückzuführen sind. Du sie jedoch anders, nämlich als provokant empfindest und dadurch zu dem Gefühl gekommen, dich rechtfertigen zu müssen. Und solche Gefühle enstehen meist aufgrund von Wertungen. Dritte können jedoch nichts dafür wie wir etwas auslegen und bewerten und fühlen. Daher habe ich die vermutliche Erklärung erwähnt.

      dornenspiel schrieb:

      Aber was hat das alles mit Bescheidenheit zu tun???
      Eben, dass unter Umständen gerade bestimmte Verhaltensweisen darauf hinweisen können, dass Bescheidenheit nur ein Deckmantel der/des Devoten sein kann und sich dahinter etwas ganz anderes verbergen könnte. So habe ich die Beiträge für mich eingeordnet und sie genauso ihre Berechtigung.

      dornenspiel schrieb:

      Dann müsste in den vielen OT-Threads jedes mal darauf hingewiesen werden welche Risiken es birgt, den Ärger um ein schlechtes Date mit Rotwein runter zu spülen.
      Dann müsste hinterfragt werden...
      Dieser Anspruch ist mir irgendwie einfach befremdlich, sorry. Das Leben ist nicht durch "müssen" regulierbar. Es wird immer wieder Threads geben, wo Dinge die man als unangenehm emfindet auftauchen. Allein schon aufgrund der verschiedenen Erfahrungen die genau in ein Thema einfließen und eben diesen vielseitigen Austausch erst möglich machen. Oder verstehe ich gerade etwas nicht? :gruebel:

      dornenspiel schrieb:

      Meiner Meinung nach, braucht es für eine authentische Bescheidenheit, die gelebt wird, ganz viel an Selbstbewusstsein, nur wenn man mit sich selber im Reinen ist, kann man sich zurücknehmen ohne darunter zu leiden.
      Erst wollte ich uneingeschränkt "Ja" zu dieser Aussage sagen, nach einigem Überlegen jedoch ist dies nicht mehr ganz so. Ich würde sagen, jemand, der ein gesundes Selbstbewusstsein hat, sich also seines Selbstwertes bewusst ist und keine Bestätigung von außen benötigt, lebt seine Bescheidenheit vielleicht aus anderen inneren Motiven als jemand, dem es an Selbstvertrauen und/ oder Selbstbewusstsein fehlt. Wobei ich zu behaupten wage, dass jeder in gewissen Bereichen mal mehr, mal weniger Selbstbewusstsein an den Tag legt.

      Noch vor einigen Jahren war mein Selbstbewusstsein um einiges geringer als es heute ist. Bescheiden war ich allerdings damals schon (meine Gedanken zu Bescheidenheit s.o.). Ich behaupte, damals war allerdings meine Grundeinstellung zu mir selbst eine andere, ich hielt andere Menschen, andere Lebensentwürfe für mehr wert als meine. Damit waren auch die Gründe für Bescheidenheit bzw. bescheidenes Handeln (z. B. Kleidung tragen, bis sie nicht mehr tragbar ist in der Öffentlichkeit) andere. "Wenn ich bescheiden bin, kommt das beim Gegenüber gut an, besser, als wenn ich zu Ich-Bezogen bin". Heute ist es eher ein "ich fühle mich genau so, wie ich bin, richtig und dazu gehört es für mich, meine Kleider zu tragen, auch wenn sie vielleicht seit zwei Jahren aus der Mode sind".

      Auf BDSM bezogen könnte ich sagen, früher stand hinter einer gewissen "Bescheidenheit" eher der Gedanke: "mir als sub steht das nicht zu und das ist dann genau richtig, weil mir ja eh nichts zusteht, weil ich wertlos bin, also sage ich auch gar nicht, was mich überfordert oder wo ich mich vielleicht ausgesaugt fühle" (übertrieben formuliert); heute wäre es eher vor dem Hintergrund, dass beide Partner so viel von sich einbringen, dass es nur fair ist, wenn beide sich insoweit bescheiden, als dass sie das BDSM glücklich macht, ohne den anderen zu überfordern, auszusaugen o.ä. und dies auch dem anderen gegenüber jeweils kommunizieren.

      Um noch mal auf obiges Zitat zurückzukommen und warum ich dem nicht uneingeschränkt zuzustimmen vermag: ich leide ggf. nicht unter der Bescheidenheit, die ich an den Tag lege, sondern ich leide eher unter dem dahinterstehenden mangelnden Selbstwert. Meine Bescheidenheit ist trotzdem echt, authentisch, nur die Motive dahinter sind jeweils unterschiedlich, dies wage ich jedoch nicht zu bewerten, sondern lediglich zu konstatieren.

      Hoffe, das war jetzt nicht zu wirr :S
      "Until I next see you, Safe Home will you go." (an der Wand eines irischen Pubs gelesen)

      Romanico schrieb:

      Genau aus dieser Konstellation heraus war es von mir gemeint. Ich kann das nicht voneinander trennen, es geht vom Alltag ins BDSM hinein
      Wir reden also von einvernhmlichem BDSM.
      Wo zwei oder auch mehrere Personen sich dazu entschieden haben, eine ganz bestimmte Form der Beziehung zu führen.
      Denn darauf hatte ich geantwortet

      romanico schrieb:

      Bescheidenheit Diktatur- und Schicksaalsbedingt eben nicht nur Positives
      erleben musste. Da wurde Bescheidenheit erzwungen und notfalls mit Gewalt
      durchgesetzt, ohne Rücksicht auf Verluste.
      • Denn Schicksalsbedingt, und Diktatorisch, ...mit erzwungener Gewalt ohne Rücksicht auf Verluste, hört sich für mich nach einvernehmlichem Bdsm an.
      Kann es sein, dass du da ganz persönlich schlechte Erfahrungen gemacht hast?
      Anders kann ich mir die Vermischung von BDSM und dem oben geschilderten gerade nicht erklären.

      Um es jetzt noch mal explizit zu Erwähnen.
      Mir geht es um Bdsm!
      2 oder mehrer mündige Personen einigen sich freiwillig auf eine bestimmte Art der Beziehung.
      Die Betonung liegt auf mündig und freiwillig!!!

      Das hat nichts, absolut gar nichts, mit irgendwelchen missbräuchlichen Beziehungen zu tun, nichts mit fehlendem Selbstbewussten, Selbstwertgefühl, Eigenliebe...

      Ich hätte absichtlich "nur Äusserlichkeiten" benannt, weil ich da von einer gewissenToleranz ausging.
      Um noch mal zur Bescheidenheit zu kommen.
      Auch wenn der Devote Part um jeden Schluck Wasser um jede Scheibe Brot betteln muss, kann dieses einvernehmlich sein.
      In einem vorher (Wie auch immer) abgesteckten Rahmen. Und es wäre doch schön, wenn davon berichtet würde.
      Von dem Empfinden, was diese Form der Bescheidenheit für den jenigen ausmacht,welche Gefühle dabei im Vordergrund stehen.
      Wieso, weshalb, warum lässt sich der Devote derart in eine Bescheidenheit führen.
      Was macht es mit ihm/ihr.
      In wie weit werden Werte verinnerlicht?

      Wenn die Diskussion dann abdriftet in Richtungen Diktatur, Religiösen Touch.
      ... werden diese Fragen wohl offen bleiben....
      Denn wer mag da noch schreiben?
      So bleibt es wohl eine rein theoretische Diskussion, wie schon viele andere.
      Wenn du jemanden verstehen möchtest,
      höre nicht auf seine Worte
      sondern beobachte sein Verhalten.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von dornenspiel ()

      Mittlerweile glaube ich, reden wir eher aneinander vorbei. Wir haben keine Basis einer gleichverständlichen Definition von Bescheidenheit.


      Das was im Eröffnungspost dazu angedeutet wurde, sehe ich nicht als Bescheidenheit, sondern eher als einen Teil von Hingabe und Devotion oder auch nur als die jeweiligen Vorlieben an. Insofern ist für mich etwas schwer erkennbar worauf der Eingangspost eigentlich abzielte.

      Ob anerzogen, eingefordert oder freiwillig, für mich ist Bescheidenheit kein Charakterzug.
      Bescheidenheit ist für mich lediglich die Handlungsfähigkeit sich situations-, motiv- und zielbedingt aktiv zurücknehmen zu können.
      Deshalb ist es für mich auch ein zweischneidiges Schwert.
      Es kann halt in manchen Situationen unpassend und sogar schädlich sein, in anderen genau passend.

      Warum sollen negative Gedankengänge dazu verschwiegen oder ausgeblendet werden?
      Für mich gehören immer beide Seiten der Medaille dazu, unabhängig davon ob ich negative Erfahrungen in etwas gesammelt habe.
      Und ich bin dankbar wenn in einigen Threads immer wieder auch daran erinnert wird und fände es schön wenn auch dazu mehr Toleranz gezeigt wird. Weil ich kann von mir nicht behaupten, dass ich immer an alles denken und im Auge behalten kann. Die Threads eines offenen Forums sind doch für alle gedacht?


      Wie die Ablehnung von Bescheidenheit aussehen kann, hat "Zofe" wunderbar ausgeführt, vielen Dank :-).
      In Vielem finde ich mich darin wieder.


      Auch in diesem Satz:

      Zofe schrieb:

      Es ist für mich kein rein selbstloser Akt und kein bedingungsloses Geben, ohne zu nehmen.
      An Selbstlosigkeit zu glauben, wäre mir auch zu illusionsbehaftet, da bin realistisch :D



      @dornenspiel
      Wie soll man auf etwas befriedigende Antworten geben, wenn schon allein die Definitionsbasis unstimmig ist?
      Wenn für mich jede einzelne Frage nur situationsbedingt beantwortet werden könnte, aber eben nicht unter der Benennung "Bescheidenheit", sondern eher "Hingabe und Devotion"?
      Wie soll man befriedigend antworten wenn bei einem Thema Alltag und BDSM für einen schlichtweg nicht trennbar sind?
      Für mich ist das alles ein Ganzes und somit habe ich sowohl als Sub, wie auch als Mensch geantwortet. Ja insofern vermische ich es durchaus, weil ich eben nicht nur als BDSMlerin sondern als ganzheitlich wahrgenommen werden möchte.


      Nun weiß ich zu den bereits bereichernd, ausführlich und unterschiedlichen Beiträgen nichts weiter hinzuzufügen und mache vom sich zurücknehmen Gebrauch und wünsche allen einen angenehmen Tag.

      romanico schrieb:

      Mittlerweile glaube ich, reden wir eher aneinander vorbei. Wir haben keine Basis einer gleichverständlichen Definition von Bescheidenheit.
      Ja, das Gefühl habe ich mittlerweile auch.


      romanico schrieb:

      Das was im Eröffnungspost dazu angedeutet wurde, sehe ich nicht als Bescheidenheit, sondern eher als einen Teil von Hingabe und Devotion oder auch nur als die jeweiligen Vorlieben an. Insofern ist für mich etwas schwer erkennbar worauf der Eingangspost eigentlich abzielte.
      Wie bei vielen Dingen im D/s kommt es wohl auf darauf an, was der Hintergrund für ein bestimmtes Handeln ist, welche Einstellung man dazu hat.
      Für mich entspricht das nun mal meinem Bild einer Sklavin, dass sie nicht gestylt und rausgeputzt ist. Damit sind wir bei bescheiden. Das ist die Empfindung die ich damit Verbinde. Sicherlich ist das nur meine und andere können es gerne anders sehen.

      romanico schrieb:

      Ob anerzogen, eingefordert oder freiwillig, für mich ist Bescheidenheit kein Charakterzug
      Sich kann Bescheidenheit auch ein Charakterzug sein.

      Als Beispiel:
      Wenn man deinen Profiltexr liest steht dort ziemlich genau drin, was du dir vorstellst.
      Welche Aufgaben der Dominante erfüllen sollte.Es geht dir um deine Entwicklung, darum das du in deinen Zielen gefördert wirst. Ich hoffe wir sind uns zumindest hier einig, dass solche Forderungen nicht bescheiden sind.
      (Sicherlich legitim und richtig, wenn es dir wichtig ist, allerdings nicht bescheiden.)

      Für mich käme es nicht infrage solche Forderungen gerade wenn es meine Ziele sind zu stellen.

      Und da sehe ich schon Unterschiede im Charakter.

      Es gibt allerdings ganz viele Dinge, die ich nicht einfordern würde, weil es für mich nicht mit meinem Verständnis einer D/s Beziehung so wie ich sie mir vorstelle zusammen passt.

      Und da sind wir an dem Punkt, wo ich sage, Devotion und Bescheidenheit gehen Hand in Hand.
      Wichtig ist nur, dass man bei allem zufrieden ist, dass es keine falsche Bescheidenheit auf Grund von mangelndem Selbstwert ist.
      Wenn du jemanden verstehen möchtest,
      höre nicht auf seine Worte
      sondern beobachte sein Verhalten.
      Für mich haben Bescheidenheit und BDSM primär nichts miteinander zu tun. Ich hatte da zuvor nie darüber nachgedacht, insofern freue ich mich über den Thread. Aber jetzt ist es für mich klar: Die beiden Dinge sind unabhängig voneinander.
      Generell kann man wohl sagen, dass Bescheidenheit allgemein in den Köpfen als tugendhaft wahrgenommen wird (von mir auch). Ich finde deutlich wird das gerade dann, wenn man überlegt, was denn die Gegenteile von Bescheidenheit sind.
      Und grundsätzlich gibt es wohl die eine Neigung im BDSM dazu, Sub und/oder Frau (da bin ich mir nicht ganz sicher) in den Spagat des Frauenbildes zwischen Heilige und Hure einzuspannen. Da passt Bescheidenheit wunderbar mit rein.

      Trotzdem finde ich nicht, dass Sub bescheiden sein sollte. Menschen sollen sie selbst sein und die Neigung soll ihr Leben bereichern. Ich wenn eine Sub sich nun aufwendig stylt und gerne teure Dinge kauft und trägt? Who cares? Solange sie glücklich ist? Mein Bild von Devotion stört das jedenfalls nicht ^^

      Ich stimme @Zofes Darstellung zu, was Bescheidenheit nicht sein sollte bzw. was der große Schatten von Bescheidenheit wäre, wenn es unter die Definition Bescheidenheit fiele.
      Wohin Leben ohne Bescheidenheit führt, sollte jeder erkennen.
      Da ist Raffgier und Ausbeutung als Folge von Hochmut, Eitelkeit und Arroganz.
      Das wäre das Gegenteil von Bescheidenheit.

      Ohne Bescheidenheit wird eine sklavin nie Demut empfinden können, sie wird nie ganz tief in ihre sklavenseele blicken können, nie wirklich ankommen. Hingabe, Devotion,Ergebenheit, Demut, Ehrerbietung, brauchen Bescheidenheit.
      Um es nicht unter jeden Beitrag schreiben zu müssen. Zwischen mir und den Meinen herrscht Einvernehmen und ich werde niemanden gegen seinen Willen, misshandeln, der Freiheit berauben oder sonst irgendwie Schaden zufügen.