Zwang beim BDSM

      Zwang...ja, dafür hat Er bei mir grünes Licht. Und zwar in dem Sinn, dass Er bestimmt, wann etwas Neues gemacht wird. ZB Sperma schlucken. Er wusste, für ihn wollte ich es tun, aber mein Kopf ließ mich nicht.
      Ich gab die Verantwortung ab. Und mein Kopf wurde frei.
      Er würde nichts erzwingen, von dem er nicht glaubt, dass ich es schaffe und auch keine Tabus brechen.
      Ich denke, also spinne ich.
      Ich stime da @Foxxl zu - nicht was das Sperma betrifft, aber was den Umgang mit Zwang betrifft. :yes:
      Mir kommt da spontan der Satz "Jemanden zu seinem Glück zwingen" in den Kopf... ;)

      Ich kann Zwang in jeder Liebesbeziehung gutheißen, egal ob mit BDSM oder ohne. Allerdings nur, solange es niemandem schadet. Dann kann Zwang tatsächlich unnötige Mauern niederreißen, den Kopf frei machen, einen selber erkennen lassen, dass der Partner einen manchmal besser kennt als man sich selbst... :love:
      Wir haben alle irgendeinen Knacks - der Unterschied ist: bei manchen ist er diagnostiziert... :monster:

      Gentledom schrieb:

      Aus eigener Erfahrung gab es für mich durchaus Situationen wo ich Zwang genutzt habe, wobei es meist eher die Ausnahme war.

      Beim Sex mit einer homosexuellen Sub. Sie wollte BDSM aber keinen Sex, ich sagte ihr aber nach der ersten sexlosen Session, dass ich mir das nicht vorstellen kann und wenn sie BDSM mit mir betreiben will, eben auch Sex mit mir haben muss. Natürlich hatte sie die Wahl nein zu sagen, tat sie aber nicht, auch wenn ich recht sicher weiß, dass sie den Sex überhaupt nicht mochte, alles andere aber schon sehr und sie es daher ertrug.

      Oder eben wenn ich meinen Spaß haben wollte, Sub aber nicht in der Stimmung war und die Wahl hatte zwischen heftigen SM (als nichtmaso) oder eben meiner Aufforderung nachzukommen.

      Beides war keine Verletzung von Tabus sondern eben etwas was beide situativ sicher nicht wollten aber wegen der übergeordneten (und jeweils auch ausdrücklich gegebenen) Einwilligung bereit waren zu machen/ertragen. Hätte man ihnen aber gesagt, du kannst das verweigern und es hat keine negative Konsequenz, so wäre die Wahl eindeutig gewesen und sie hätten es verweigert.
      Daa alles ist für mich kein Zwang, sondern im Rahmen des Machtgefälles. Dom will, es ist kein Tabubruch, Sub hat die Möglichkeit aus der Situation rauszukommen.

      Ein Spielpartner hat mich gezwungen, ganz deutlich, klar und laut zu sagen was ich will. Und mich im Rahmen der Session und der vorherigen Kontakte mit bestimmten, sehr ordinäre Bezeichnungen zu belegen. Das empfand ich als Zwang. Es war für ihn ein Mittel, meine Kopfsteuerung zu mildern.

      Das ist mir furchtbar schwer gefallen, jetzt bin ich froh darüber, da ich sehr viel für mein Kommunikationsverhalten gelernt habe. Und im Nachhinein betrachtet, war es nur in der Situation Zwang, weil ich mir nicht drüber im Klaren war, dass das bereits Teil des Spiels war und ich es hätte beenden können.

      Vielleicht ist das sogar der wesentliche Punkt: Zwang ist dann Zwang, wenn der gezwungene Partner sich nicht über die Exit-Möglichkeit im Klaren ist?
      Wir leben kein tpe
      Aber trotzdem muss es mich schon mal zu meinem Glück zwingen .
      Für mich gehört das zusammen ich will an meine Grenzen und wenn möglich noch etwas darüber hinaus .
      Ich will mich Ängsten stellen .
      Aber es gibt auch Dinge wo er weiss wenn er mich dazu zwingen würde er eventuell Schäden anrichten.
      Aber für mich ist es extrem wichtig zu wissen im Prinzip kann und darf er alles von mir verlangen .
      Ob und in wie weit er das dann macht ist ja eine andere Sachen .
      Träume nicht dein Leben
      Lebe deinen Traum
      Für mich wirft sich die Frage auf: Wenn es zu einem derartigen Zwang, einer derartigen Überschreitung der Grenzen kommt, ist dann die Sub auf jeden Fall in der LAge ihr Safewort zu sagen? Wie oft lese ich hier, dass es in einer Situation einfach nicht möglich war das safeword zu sagen, das man gefangen in sich selbst war und ausgeliefert und abbrechen wollte es aber nicht geschafft hat.
      Um eine Grenze so massiv zu überschreiten (massiv in meinen Augen, als Masochist habe ich so meine Probleme mit devot sein) muss sich der dom schon sehr sicher sein dass der Bottom reagieren kann und abbrechen kann.

      Und um es auf mich selbst umzulegen- es wäre ein absolutes no go. Auf Zwang dieser Art, wie im Anfangsbeispiel beschrieben, würde ich massiv körperlich reagieren. Es wäre so ungefähr das Schrecklichste was ich mir für mich vorstellen könnte. Nicht umsonst habe ich die Miteinbeziehung dritter Personen als absolutes Tabu belegt. Kein Verhandlungsspielraum.

      Um es auf ein Beispiel umzulegen das mir weniger Panik (ja das erste Beispiel löst in mir derartige himmelschreiende Panik aus, echt nicht gut) auslöst-

      Knebel- er hat mir Angst gemacht. Nicht diese himmelschreiende irre Panik aber doch ziemlich Angst. Nun gut, mein dom hat ihn mal gelassen. Irgendwann dann erwähnt das er einen für mich hat. Nur erwähnt. Ich hab tief geschluckt und ihn mir dann einmal auf meinen Wunsch hin zeigen lassen. mehr nicht.
      Irgendwann war ich reif genug dafür und seither liebe ich ihn. Hätte er mich mit Gewalt dazu gezwungen wäre alles in mir zerbrochen. Ich unterwerfe mich nur freiwillig, nie mit Gewalt oder Zwang.
      Für Subs wie mich wäre das Unterwerfen und Zwingen mit Gewalt der verkehrte Weg. Der mich zerstören würde, zerbrechen und schwere Schäden in meiner Psyche anrichten würde. Wie gesagt in meiner Psyche. Das es für andere der richtige Weg ist ist mir schon klar. Wir sind nicht alle gleich. Pauschale Empfehlungen kann es da nicht geben
      Für mich ist es so, dass das Machtgefälle mir die Möglichkeit gibt Zwang auszuüben ... Welche Form von Zwang oder welche Stärke für den Partner angemessen ist (am Anfang stand hier was vom lauwarmen Kinderplanschbecken ...), das ist meine Verantwortung.
      Jeder ist ein Mond und hat eine dunkle Seite, die er niemandem zeigt. (Mark Twain)

      kitz schrieb:

      Hätte er mich mit Gewalt dazu gezwungen wäre alles in mir zerbrochen. Ich unterwerfe mich nur freiwillig, nie mit Gewalt oder Zwang.
      Yep. Gilt auch für mich. Für mich kann aller Zwang nur ein gewollter, gespielter, freiwillig "erlittener" Zwang sein.

      Damit jetzt keine Missverständnisse aufkommen: Ich habe meine Ansicht seit ca. 30 Jahren und mich immer daran gehalten. Aber selbstverständlich respektiere ich auch andere Ansichten, die in diesem Thread ganz deutlich geäußert wurden.

      AlterNarr schrieb:

      Naja, es scheint halt drauf hinauszulaufen wie man Zwang definiert.
      Was mich allerdings ein bisschen verwundert - und damit komme ich noch einmal auf meinen oben zitierten Beitrag zurück: Es wurde hier soviel über Zwang geschrieben, aber es wird (kaum) hinzugefügt, was mit "Zwang" wirklich gemeint ist.
      • Generell Handlung gegen den Willen des/der Sub?
      • Tabubruch (wäre für mich absolutes NoGo)
      • Für den/die Sub völlig unerwartete Grenzüberschreitung? Das ist für mein Verständnis etwas anderes als Tabubruch.
      • Versuch eine Grenze zu verschieben? Eventuell aber nicht unbedingt abgesprochen?
        Das habe ich schon ein paar mal erlebt und es hat sich während der Session mehr oder wenig von alleine ergeben.
      • Oder ... ... ?
      Durch die Leidenschaften lebt der Mensch, durch die Vernunft existiert er bloß.
      Nicolas Chamfort