13.12. – ♥– Die Vertreibung der Leere

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      13.12. – ♥– Die Vertreibung der Leere

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      .♥.— 13. Dezember —.♥.

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      Die Vertreibung der Leere

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      von
      @dreamscometrue

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      Mein Essen wurde kalt. Ich starrte auf mein Handy und las zum wiederholten Male ein Inserat, indem ein Model der besonderen Art gesucht wurde. Ein Link hatte mich auf die Website einer Fotogalerie verwiesen. Als mittellose Studentin im vierten Semester suchte ich zwar nach einem Nebenjob, aber das? Andererseits faszinierten mich die Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die ich da sah. Sie bewegten eine Seite in mir, die schon viel zu lange schlummerte.

      Ich und Steffi laufen durch den Wald. Meine Freundin schreit laut, denn Richard und Sebastian haben uns eingefangen. Sebastian zerrt Steffi zu einem Baum. Als er sie an den Baum fesseln will, wehrt sie sich mit Händen und Füßen. Richard lässt mich los, kommt ihm zu Hilfe. Eigentlich sollte ich davonlaufen, aber ich muss einfach nur lachen. Mit ihren dreckverschmierten, wütenden Gesichtern sehen die beiden Indianer einfach nur lustig aus. Auf einmal packt mich Richard am Oberarm: „Was lachst du so blöd, Emma? Ihr seid unsere Gefangenen und kommt an den Marterpfahl.“ „Uhhh, jetzt machst du mir aber Angst!“, antworte ich und pruste schon wieder darauf los. Bevor ich reagieren kann, packt er mich am Oberarm und drückt mich mit seinem ganzen Körper an den nächsten Baum. Sebastian hält mich fest, während Richard mit einem Seil in der Hand ein paar Mal rund um den Baum läuft. Nur am Rande kriege ich mit, dass Steffi noch immer schreit. Je fester ich an den Baum gefesselt werde, desto ruhiger werde ich. Ich habe keine Angst.

      Weshalb hatte ich mich in dieser hilflosen Situation behütet gefühlt? Diese Frage hatte ich mir schon oft gestellt. Natürlich ging es damals um nichts Sexuelles, schließlich waren wir noch Kinder. Im Gegensatz zu heute, denn die Bilder auf dem Display beschleunigten meinen Puls. Ich hatte einen trockenen Hals, deshalb trank ich das Glas Wasser aus.

      Die Ästhetik und Schönheit der Aufnahmen waren unglaublich. Nackte, blasse Frauenkörper, mit Hanfseilen gefesselt. Die Brüste kunstvoll umrahmt, zusammengepresst. Der Bauch, wie ein Gitternetz umspannt. Seile, die zwischen Schenkel verschwanden, als wären sie Geheimnisse, die es zu ergründen galt. Würde danach ein Muster auf der Haut zu sehen sein? Ich schluckte. So erotisch die Aufnahmen waren, waren es nicht die in Szene gesetzten Körper, die mir den Atem raubten. Es war die Nahaufnahme eines Gesichts.

      Es war das Spiegelbild, das ich sein wollte. Die Augen verbunden, die Mundwinkel nach oben gezogen. Das Model war glücklich, sie strahlte eine absolute Hingabe aus.

      Das Display verschwamm vor meinen Augen. Irritiert wischte ich mir die Tränen weg, verstand meine Reaktion nicht. Wieder las ich das Inserat. Es wurde nach einem weiblichen, schlanken Aktmodell für ein Bondage-Shooting gesucht. Die Bezahlung war sehr gut, ein zusätzliches Plus. Ich sah an mir hinunter: Meine Brüste etwas zu klein, mein Hintern etwas zu groß und mein Bauch auch nicht ganz flach. Ob das schlank genug war? Ich war bereit, es herauszufinden.

      —.♥.—

      Ich schloss die Augen, ließ Schneeflocken auf meinem Gesicht schmelzen. Der Adventsmarkt verschwand, das Gewusel um mich herum – unbedeutend. Von allen Richtungen wurde ich angestoßen, ich spürte es nicht. Als ich die Augen wieder öffnete und bewusst meine Umgebung wahrnahm, wunderte ich mich über die Hektik. Dabei war das nichts Außergewöhnliches, schließlich war in elf Tagen Weihnachten. So war es schon immer gewesen. Ich war keine Außenseiterin, hatte meinen Freundeskreis, passte mich an. Doch innerlich fühlte ich mich oft verloren. Irgendwas fehlte, ich konnte es nicht benennen. Ich sah auf mein Handy und war erstaunt, wie viel Zeit bereits verstrichen war. Wann war das geschehen? Das passierte mir ständig, dabei war ich rechtzeitig aufgebrochen.

      Unschlüssig stand ich vor dem Atelier, starrte auf die schwarze Tür. Du kannst das. Ich läutete. Nichts. Das Schneegestöber nahm zu, mich fröstelte. Ich blies auf meine eiskalten Finger, trat mit den Füßen an Ort und Stelle. Als sich niemand meldete, presste ich trotzig meinen Finger in die Türklingel, läutete Sturm.

      „WAS?“, dröhnte es auf einmal aus der Sprechanlage, sodass ich zurückzuckte.
      „Äh, ich bin hier wegen des Fotoshootings.“
      „Nein!“
      „Doch, wir haben einen Termin.“
      „Wir hatten einen Termin!“ Ein blechernes Geräusch war zu hören.
      „Hallooo?“ – Nichts! Was für eine bodenlose Frechheit!
      Das ließ ich mir nicht gefallen, schließlich hatte es mich einiges an Überwindung gekostet, überhaupt hierherzukommen.
      Ich läutete wieder.

      Plötzlich wurde die Türe aufgerissen. Ich stolperte erschrocken zurück, hielt mir die Hand auf die Brust. Dunkel – das war mein erster Eindruck und damit meinte ich nicht seine Kleidung, es war seine Aura. Er starrte mich an, sagte kein Wort. Ich berührte meinen Hals. Sein Blick folgte meiner Bewegung. Ich schluckte. Alles in mir schrie danach wegzulaufen und doch blieb ich stehen. Er war groß, ich musste den Kopf leicht in den Nacken legen und sog scharf die Luft ein, als mich sein intensiver Blick durchbohrte. Ich machte den Mund auf, schloss ihn wieder.

      „Du bist zehn Minuten zu spät!“, sagte er sachlich, mit einer Ruhe, die der Situation widersprach. Das brachte mich völlig aus dem Konzept. „Ja, also … ich habe das noch nie gemacht“, stammelte ich, sah unsicher zu Boden. Ganz toll, Emma! Beste Entschuldigungs- und Motivationsansprache ever! Ich hob den Kopf, in der Annahme, dass er mir die Türe vor der Nase zuschmeißen würde und starrte ungläubig auf seinen Mund, denn der war zu einem Lächeln verzogen.

      Er hielt mir die Türe auf. „Du hast zehn Minuten Zeit, um mich von dir zu überzeugen.“ Ich zögerte. „Die Zeit läuft.“ Schnell lief ich über die Schwelle, wäre beinahe gestolpert.

      Irritiert sah ich mich in dem Raum um, in dem das Shooting stattfinden würde. Schwarzer Boden, schwarz gestrichene Wände, ein Eisenring, der von der Decke hing, ein Sessel, ein rotes Ledersofa und eine Kameraausrüstung. Mehr war da nicht. Unschlüssig blieb ich stehen. Er ging an mir vorbei, setzte sich aufs Sofa, die Beine lässig von sich gestreckt. Seine Ruhe machte mich nervös. Er hielt ein Seil in der Hand, spielte damit, ließ das Ende gegen seine Handfläche klatschen.

      „Zieh dich aus! Ganz langsam. Leg deine Sachen ordentlich über den Sessel.“ Er hob die Augenbraue. „Tick, tack.“

      Nackt, nur in schwarzen Plateau-Pumps, stand ich jetzt mitten im Raum. Mein Puls pochte in meinen Ohren. Seine Blicke fixierten mich auch ohne Seile, wanderten langsam über meinen Körper. Als er bei meinem Gesicht angelangt war, wurden meine Knie weich. Seine dunklen Augen versprachen Abgründe.

      „Du darfst bleiben“, sagte er die erlösenden Worte, verdrängte die Stille.

      Als er auf mich zukam, fühlte ich mich überfordert, sah zur Seite. Er schob seine Hand unter mein Kinn, drehte meinen Kopf, zwang mich ihn anzusehen. „Ist deine Möse feucht?“ Schockiert starrte ich ihn an, atmete hektisch. „Soll ich mit unserem kleinen Spiel aufhören? Ein Wort genügt.“ Sein sachlicher Ton stand im Widerspruch zu seiner sanften Berührung, mit der er mein Kinn festhielt.

      Auf meinen Unterarmen stellten sich die feinen Härchen auf und ich spürte, wie meine Brustwarzen steif wurden. Seine dominante Präsenz schüchterte mich ein und turnte mich gleichzeitig an. Ich war mir überdeutlich bewusst, dass er angezogen war, während ich nackt vor ihm stand. Die Sehnsucht, vor ihm auf die Knie zu sinken, nur damit er zufrieden war, überkam mich. Wenn er mir dann noch über die Haare streichen würde, könnte ich dann diese Leere vertreiben?

      Ich nickte.
      „Ich erwarte klare Antworten. Soll das Nicken bedeuten, dass deine Möse feucht ist oder das ich aufhören soll?“
      Herz, schweig still. Weshalb wusste er, nach was ich mich sehnte? Anweisungen, die keine Überlegungen zuließen.
      „Ja, ich … ich bin feucht und ich will, dass du weiter machst“, sagte ich leise.
      „Klare Antworten!“, wiederholte er.
      Ich räusperte mich. „Meine Möse ist feucht. Mach weiter!“
      Er presste seine Finger in mein Kiefer, sagte gefährlich leise: „Du hast ein Wort vergessen.“
      „Bitte!“, flehte ich, mittlerweile dermaßen erregt, dass ich das Gefühl hatte, zu zerfließen.

      Seine Hände auf meinen Schultern übten kurzen Druck aus, drehten mich um. „Leg deinen Kopf in den Nacken!“ Ich gehorchte, sah nach oben. Der Metallring hing direkt über mir. Das war das letzte, was ich sah, bevor er mir mit einem kühlen Seidenschal die Sicht nahm.

      Als ich das Seil auf meiner Haut spürte und der Druck zunahm, lächelte ich, denn ich wusste, dass ich angekommen war. Mein Atem wurde ruhiger, alles verlor seine Bedeutung, nur dieser Augenblick, der die Leere verzehrte, zählte. Jedoch waren es zwei Worte, die mein Herz übergehen ließen und mich mit Wärme umhüllten …

      „Braves Mädchen.“

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      Bitte liked jedoch nicht diesen Beitrag, da er nicht von der Autorin eingestellt wurde, sondern im Rahmen des Geschichtenadventskalender. Die Autorin wird, sofern sie es möchte, zeitnah hier eine Antwort posten. Diese dann bitte liken, so dass eure Likes auch bei ihr ankommen.



      Fragen sind niemals indiskret, nur Antworten sind es zuweilen.
      - Oscar Wilde -
      Hach.... seufz :love:
      @dreamscometrue da ist dein Name Programm
      Zwischen dem, was ich denke, dem, was ich sagen will, dem, was ich zu sagen glaube und dem, was ich wirklich sage und

      dem,

      was Du hören willst, dem, was du wirklich hörst, dem was du zu verstehen glaubst, dem, was Du verstehen willst und dem, was Du wirklich verstehst, gibt es 9 Möglichkeiten, sich nicht zu verstehen.

      Passagno
      Unterkiefer mühsam wieder hochklapp!

      Jedes mal wenn ich denke, "das kann nicht mehr besser werden", werde ich eines besseren belehrt.

      Wobei besser eigentlich nicht korrekt ist, anders schöner, trifft es vielleicht besser.

      Danke dafür. :blumen:
      Die Frauen kosten uns achtzig Prozent unserer Kraft, aber ohne Sie hätten wir gar keine.


      Dieter Noll, "Kippenberg"