16.12. –♥– Das Bewerbungsgespräch

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      16.12. –♥– Das Bewerbungsgespräch

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      .♥.—16. Dezember—.♥.

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      Das Bewerbungsgespräch

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      von
      @Izrah

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      Es war etwa einen Monat vor Weihnachten, überall lag dichter weißer Schnee. Fast kitschig und außerdem dieses Jahr nicht so tragisch, da mein Auto sich in gutem Zustand befand und gerüstet war für die widrigen Fahrverhältnisse. Ein kleiner Lotteriegewinn hatte mich in die Lage versetzt, meine alte Schrottlaube gegen ein neues, zwar nicht aufregendes, wohl aber sicheres und komfortables Modell einzutauschen. Auch Wohnraum konnte geschaffen werden, der mir und meinen Sprösslingen sehr entgegenkam.

      Nun, wie gesagt, es handelte sich um einen sehr kleinen Gewinn und nach etwa einem Jahr war es nun höchste Zeit, mir ein eigenes Einkommen zu verschaffen. Durch eine Freundin hatte ich erfahren, dass der Chef einer Automationsfirma in der Stadt eine Assistentin suche, die kleine Botengänge, ein paar Übersetzungsarbeiten vom Deutschen ins Englische und umgekehrt, sowie ein wenig Korrekturlesen erledigen konnte. Nicht gerade Raketenwissenschaft und die Bezahlung wäre wahrscheinlich nicht sehr hoch, aber es würde reichen. Schließlich musste Zeit für die Kids übrig bleiben. Also los!


      Rein in den engen, knielangen, hinten ein wenig geschlitzten Rock, das Seidentop und den Blazer, in hohe Stiefel und Strümpfe - irgendwer hatte mir mal gesagt, Strumpfhosen sollten verboten werden - und in die Stadt gekurvt. Dezente Weihnachtsbeleuchtung und geschmackvolle Dekoration begrüßten mich am Eingang des eindrucksvollen Gebäudes und stimmten gleich ein auf niveauvolle Räume und professionelles Personal. Letzteres bestand im ersten Moment lediglich aus einer kühlen, großen Blondine, die mit Headset bewaffnet hinter dem Empfangstisch saß, Anrufe entgegennahm, Besucher und Anliegen koordinierte und mir wortlos einen Platz im gemütlich aber elegant gestalteten Warteraum zuwies, wo leise Hintergrundmusik unaufdringlich an die Jahreszeit erinnerte.

      Ein paar Minuten später öffnete sich auf der gegenüberliegenden Seite eine Tür, durch welche einige Leute in Anzügen und mit Aktenkoffern drängten, sich eilig verabschiedend bereits zum nächsten Termin aufmachten. Ganz zum Schluss erschienen noch zwei Herren, beide geschmackvoll gekleidet und unterhielten sich noch konzentriert beim Verlassen des Raumes. Der eine klein, mit zurückgegelten Haaren, Anfang dreißig, redete ziemlich hektisch und schien keine Sekunde still halten zu können. Ich erkannte ihn vom Foto der Homepage, die ich vorher noch flüchtig betrachtet hatte. Der Personalchef! Mit dem würde ich gleich sprechen. Der andere war gut 185 cm groß, ziemlich massiv gebaut, gute 10 Jahre älter als der Hektiker und seinerseits die Ruhe selbst. Kein Wunder, dem Mann gehörte dieser Laden!

      Während er stirnrunzelnd versuchte, den aufgeregten Worten seines Kollegen zu folgen, schloss er die Tür ab und ließ seinen Blick schweifen. Er blieb an mir hängen. Dunkle, interessierte Augen schienen Maß zu nehmen und ich richtete mich instinktiv ein bisschen auf. Er schien es zu merken, denn seine Mundwinkel zuckten amüsiert. Einmal noch betrachtete er mich interessiert, dann sah er mir direkt in die Augen, hielt Blickkontakt und ließ mich einige Sekunden lang nicht mehr aus, dann nickte er kurz, bevor er sich irgendwohin entfernte.

      Kurz darauf bedeutete mir die kühle Blonde, ich möge mich auf den Weg machen - den Gang runter, dritte Tür rechts. Ich nickte und rief mir beim Gehen noch mal Titel und Namen des Personalchefs ins Gedächtnis. An besagter Tür angekommen, klopfte ich und trat ein. Ein riesiges Büro mit dunklem hochglanzpoliertem Holzboden, cremefarbenen Wänden und der selben geschmackvoll dezenten Dekoration lag da vor mir und am anderen Ende des Raumes stand ein massiver, dunkler Eichentisch, eindeutig das Reich eines gut organisierten, pragmatischen Kopfes... der ebenso eindeutig NICHT zu dem kleinen, hektischen Männchen gehörte, das ich hier erwartet hatte. Stattdessen saß der Chef persönlich vor mir. Der ruhige, prüfende Blick wanderte erneut über meinen Körper und auf einmal war ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich optimal auf dieses Gespräch vorbereitet war. Wieder zuckten seine Mundwinkel als er meine Unsicherheit bemerkte. Da fiel mir auf, dass ich mich keinen Zentimeter von der Tür wegbewegt hatte. Rasch beschloss ich, nicht auf eine Extraeinladung zu warten und ging los.

      Gefühlte drei Kilometer später stand ich vor seinem Schreibtisch und wusste erst wieder nicht wohin mit mir. Er ließ mich zappeln, blieb erstmal einfach sitzen, hatte mich den ganzen Weg beobachtet. Dann stand er langsam auf und kam um den Tisch herum, direkt auf mich zu. Zu behaupten, meine Knie wären weich gewesen, wäre sachte untertrieben. Was passierte hier gerade? Dieses verdammte Rot musste schnellstens aus meinem Gesicht. Herrgott, ich war doch keine Volksschülerin mehr, die ein Muttertagsgedicht aufsagen sollte! Schnell streckte ich die Hand aus und stellte mich vor. "Ich hatte eine Terminbestätigung, um mich hier vorzustellen, bei Herrn Kern und ich..." Immer noch hielt er meine Hand fest... oder nein, verdammt, ICH hielt SEINE immer noch. Ich zog sie zurück. Dabei konnte ich nicht anders als seine Hände kurz zu betrachten. Sie lagen nun auf der Stuhllehne und er bot mir wortlos einen Sitzplatz an.

      Ich nickte dankbar und ließ mich nieder. Beim Zurücklehnen streifte ich seine Fingerknöchel leicht. Er war stehen geblieben. Ich spürte seinen Blick auf mir. "Nervös?" Ich hörte ihn direkt schmunzeln. "Mein Kollege musste unerwartet das Haus verlassen und da sie, falls über ihre Bewerbung positiv entschieden würde, ohnehin direkt unter mir arbeiten werden, dachte ich mir, es wäre besser, mir selbst ein Bild zu machen." Diese tiefe, warme Stimme mit dem sympathischen Akzent forderte volle Aufmerksamkeit. Ihre Wirkung entfaltete sich sofort. Natürlich wählte er genau den Moment, wieder in mein Sichtfeld zu treten, als ich erneut knallrot anlief, da ich merkte wie mein Körper auf diesen Mann reagierte.

      "Ihr Aufgabengebiet ist in der Stellenausschreibung klar umrissen. Ich interessiere mich weniger für Universitätsabschlüsse oder Computerskills, solange sie des Schreibens und Lesens, sowie der englischen Sprache mächtig sind. Letzteres haben sie, zumindest für den Moment hinreichend unter Beweis gestellt, indem sie ihr Bewerbungsschreiben gleich in zwei Sprachen eingereicht haben. Sie müssen sich allerdings darauf einstellen, dass sie an Geschäftsreisen teilnehmen würden, also sollten sie keine Flugangst haben." Er saß nun wieder genau mir gegenüber und musterte mich. Ganz Herr in seinem eigenen Reich. "Sehen sie da ein Problem, Frau D.?"

      "Nein, ich bin schon ein paarmal geflogen, das sollte kein Hindernis darstellen." Noch während ich das sagte, tauchten Bilder in meinem Kopf auf, wie nahe mir dieser Mann in einem Flugzeug kommen würde und die Spannung wurde fast unerträglich. Die ganze Zeit über hatte ich seine Hände vor mir, die langsam einen eleganten schwarzen Stift drehten. Richtig große, kräftige Hände... nicht auszudenken, was er mit denen alles anstellen könnte. Seine Unterarme durch die hochgekrempelten Hemdsärmel sichtbar, ließen ahnen, wieviel Kraft überhaupt in diesem Griff stecken würde. Wie sah wohl der Rest von ihm aus?

      Mir wurde furchtbar heiß und instinktiv presste ich meine Knie zusammen. Meine Finger spielten zwanghaft mit dem Saum meines Rockes. Nur nicht auffallen! Reiß dich zusammen! Ich war so abgelenkt durch den Sturm, den der Anblick seiner Hände in mir auslöste, dass ich erst merkte, dass er aufgehört hatte zu sprechen, als er den Stift mit Absicht auf die Tischplatte fallen ließ. Mist, ich hatte nicht mehr zugehört! "Na gut, dann würde ich sagen, wir versuchen es. Sie haben ab Montag genau drei Wochen Zeit, mir zu zeigen wie… belastbar sie sind." Mit diesen Worten stand er auf und verabschiedete sich von mir - reichte mir seine rechte Hand. Diesmal achtete ich darauf, sie in angemessenem Tempo wieder loszulassen, was mir ein erneutes Schmunzeln einbrachte.

      Ich drehte mich um und ging mit wackeligen Beinen, seinen Blick im Nacken in Richtung Tür. Meine Gedanken waren mit Flucht beschäftigt und damit, die Erregung zurückzudrängen, die die Körpersprache dieses Mannes bei mir zündete, als ich sein leises aber bestimmtes "Stopp!" hörte. Als hätte sich ein Schalter umgelegt, blieb ich regungslos stehen - wartete. Ich spürte ihn näher kommen. Er ging um mich herum, blockierte mit seinem massiven Körper den "Fluchtweg" und ich konnte ihn wieder in voller Größe und ohne Tisch zwischen uns betrachten. Ich schluckte. Er fasste in seine Hosentasche und zog ein elegantes rotes Schlüsselband heraus, an dem eine Karte mit dem Firmenlogo baumelte. Er öffnete den Clip-Verschluss und sagte ruhig: "Das hier werden sie am Montag brauchen, sonst lässt Blondie an der Rezeption sie nicht weiter. Es wäre doch schade, wenn sie am ersten Tag schon zu spät hier erscheinen würden, nicht wahr?" Mit diesen Worten legte er mir das Band um den Hals und ließ den Verschluss in meinem Nacken zuschnappen. Klick!

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      Fragen sind niemals indiskret, nur Antworten sind es zuweilen.
      - Oscar Wilde -
      Liebe @Izrah, das ist eine sehr schöne Geschichte! Wie gut, dass ich mich nicht mehr vorstellen muss, sonst würde ich Gefahr laufen, deine Geschichte im Kopf zu haben!
      Klar, auch ich hätte gerne weiter gelesen, aber ich finde das Ende überraschend und gut so! :blumen:
      Mein Leben findet heute statt! Nicht gestern oder morgen oder irgendwann.
      Und wieder wurde ich durch wunderschöne Beschreibungen in ein Szenario hineingezogen, in dem ich mich als Beobachter pudelwohl fühlte. Für den Rest des Tages werde ich mir die Freiheit nehmen, der faszinierenden Dame heimlich auf auf ihrem Heimweg zu folgen, bis sich dann irgendwann ihre Spur in meinem Kopf verliert...
      Auf jeden Fall ist deine Geschichte wieder absolut als Turbo für das eigene Kopfkino geeignet!

      Ich denke, ich werde auch in Zukunft lieber auf die Festanstellung von Restauratoren verzichten,
      zumal sie ja meistens ...innen sind.

      Ich danke dir für diese Geschichte. :blumen: :blumen: :blumen: :blumen: :blumen: Blümchen für die Autorin
      Die Frauen kosten uns achtzig Prozent unserer Kraft, aber ohne Sie hätten wir gar keine.


      Dieter Noll, "Kippenberg"
      :rot: Danke ihr Lieben!

      Schön, eure positiven Rückmeldungen zu lesen.... Ein gewisser naturgewaltiger Herr hat beantragt...( oder besser angeordnet), dass die verlegene kleine Übersetzerin gleich am ersten Arbeitstag eine Kostprobe davon bekommen sollte, was ihr blüht, wenn der Boss nicht einverstanden ist... Falls mir was Brauchbares einfällt.... wer weiß.... Liebe Grüße

      Izrah