4. Januar 2019: Mein BDSM und meine Eltern?!

      4. Januar 2019: Mein BDSM und meine Eltern?!

      Guten Abend zusammen,

      nachdem wir für heute Nachmittag ein Thema der Woche angekündigt hatten und ich dann den "Es-kommt-zu-Verzögerungen"-Thread mal versehentlich flugs auf den 4. Januar 2018 (!) datiert hatte (nochmal danke an @FieserBoesewicht für den Hinweis), kommt jetzt endlich das Thema der Woche - je nach Zählung zwar mit einem Jahr Verzögerung, aber immer noch pünktlicher als mancher Flughafen :whistling:


      Es geht heute um ein besonders U29-spezifisches Thema: "Mein BDSM und meine Eltern?!"

      Konkret interessiert uns: Wie bringt Ihr BDSM und Eure Eltern "unter einen Hut"? Die Frage richtet sich natürlich vor allem an diejenigen, die noch bei den Eltern wohnen. Wer bei den Großeltern oder einer Tante wohnt, darf das natürlich gern entsprechend ummünzen. Wissen Eure Eltern Bescheid über Eure Neigung? Könnt Ihr zuhause spielen? Welche Einschränkungen bringt das in Eurem konkreten Fall mit sich?

      Wer nicht mehr zuhause wohnt, aber sich noch vage an die Zeiten erinnern kann, darf natürlich auch gern davon erzählen. ;)

      An alle außerdem die Fragen: Wie gehen Eure Eltern damit um, wenn sie es von Eurer Neigung wissen? Gebrüll und Enterbung? Peinliches Totschweigen? Oder ganz lässig? Wenn Euer Outing schon etwas zurückliegt, hat sich die Perspektive der einstmals Erziehungsberechtigten mit der Zeit gewandelt?


      Ihr seht, es ist nur eine kleine Handvoll sehr einfacher Fragen... :whistling:
      Ich bin gespannt auf Eure Schilderungen und die sich anschließenden Diskussionen! :)

      Liebe Grüße,
      D7
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
      Wie üblich mache ich den Anfang (sofern mir jetzt nicht jemand zuvor kommt, während ich das hier schreibe).


      Ich bin bei meiner Mutter aufgewachsen, meine Eltern sind geschieden. Meine Mutter weiß inzwischen von meiner Neigung, mein Vater nicht.
      Als ich noch zuhause (also bei Mama) gewohnt habe, hatte ich mich noch nicht geoutet. Mir war damals schon klar, dass da gewisse Phantasien sind. Mit einer ersten Freundin habe ich auch verschiedene Dinge ausprobiert, hauptsächlich gefesselt. Ich habe damals mein Bett immer schon selbst bezogen, so musste ich die Seile nicht vom Lattenrost lösen, um nicht aufzufliegen. Abgesehen von Seilen gab es noch Schläge mit der flachen Hand, aber nicht in einem Ausmaß, dass meine Partnerin laut geworden wäre. Andere Dinge haben wir nicht getan. Meine Mutter hat mir aber auch immer schon viel Privatsphäre gelassen, es wäre also vermutlich mehr gegangen.
      Interessant ist aber: Ich wohne seit einer ganzen Weile nicht mehr bei ihr. Mein Bett hat sie schon ein paar Mal anderen Familienmitgliedern zur Verfügung gestellt, während ich nicht da war. Da hat sie es natürlich neu bezogen. Trotzdem waren die Seile immer noch an den Rost gebunden, und sie hat nie was gesagt..... :pardon:

      ...als ich mich dann Mitte letzten Jahres vor ihr geoutet habe, war sie milde überrascht, aber nicht erschrocken oder dergleichen. Wir konnten über Sex immer schon ganz gut sprechen. Sie fragte mich lediglich, ob ich auch ohne BDSM Spaß am Sex haben könne ("kann ich, macht aber weniger Spaß"). Dann hatten wir eine kleine Diskussion über Einvernehmlichkeit und de Sade, von dem sie mehr gelesen hatte als ich (wir waren uns aber beide einig: was wir jeweils gelesen hatten, hat mit Einvernehmlichkeit nicht viel zu tun). Als sie erkannte, dass ich der gleiche Mensch war, der ich 10 Minuten früher auch noch gewesen war, dass ich Menschen um ihrer selbst willen liebe und respektiere - auch Menschen, mit denen ich BDSM auslebe - war zwischen uns alles wieder wie immer. Ich habe wirklich Glück gehabt.

      Vor dem Outing hatte ich immer etwas Angst gehabt, weil sie vorher oft sehr abfällig von "Sado-Maso-Spielchen" gesprochen hatte (wie sehr ich dieses "chen" gehasst habe!). Aber seitdem ist damit auch Ruhe, ich hab also wirklich gewonnen :D


      Habt Ihr auch so viel Glück gehabt, oder sind Eure Erlebnisse anstrengender?
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
      Ich habe Glück.
      Auf meine Mutter trifft "milde überrascht" ebenfalls zu, aber es half ihr, sich auf bestimmte Dinge einen Reim zu machen. Wir redeten etwa 2 Stunden darüber, also hauptsächlich redete ich und machte ihr klar, dass ich auf mich aufpasse und dass es bei BDSM um Einvernehmlichkeit geht etc. Nach 2 Stunden hatte sie genug Stoff zum Nachdenken und beendete das Gespräch, um sich Informationen anzulesen und einige Tage später wieder mit mir darüber zu reden. Sie kommt damit gut klar, mag meinen Partner und macht manchmal etwas merkwürdige Kommentare, wenn wir beide dabei sind und sonst niemand. Das stecken wir meist kommentarlos weg oder es geht so Richtung: "Wusstest du, dass Handschellen wirklich sehr effektiv gegen Neurodermitis helfen?" Davon ist sie dann etwas verunsichert, trägt es aber mit Fassung - muss sie eben einstecken, wenn sie frotzelt. Sie hat mich auch schon gecovert, das war auch ein Grund, weshalb ich mich outete.
      Mein Vater hat es nebenbei mitbekommen, auch wiel wir gespielt haben, als ich noch dort wohnte und er spricht lieber nicht darüber, hat aber nie was dagegen gesagt. Bei einem Spiel war es etwas lauter (nachts gegen 4, aber hat trotzdem nicht geholfen) und am nächsten Morgen wurde dezent darauf hingewiesen, man sei irritiert gewesen. Seitdem haben wir uns immer zurückgehalten.

      Ich erzähle keine Details. Ich rede nicht über konkrete Neigungen und vermeide es, zu sehr auf DS einzugehen, weil ich glaube, dass meine Mutter besser damit klarkommt, wenn sie bei meinem BDSM an SM denkt. Wenn sie uns besuchen, prüfe ich alles auf Vanillatauglichkeit, damit sie das Thema nicht unter die Nase gerieben bekommen.
      Na dann will ich auch mal :)

      Dominantseptakkord schrieb:

      Wissen Eure Eltern Bescheid über Eure Neigung?
      Ja. Suchverläufe von mir in ganz jungen Jahren... :sofa: War nicht besonders toll - passiert aber.

      Dominantseptakkord schrieb:

      Wie gehen Eure Eltern damit um, wenn sie es von Eurer Neigung wissen?
      Sie ignorieren es weitgehend und solange ich noch zuhause gewohnt habe, haben wir das Thema eigentlich nie wieder besprochen. Das lag aber definitiv auch an mir. Ich bin einfach jedes Mal weg gegangen oder laut geworden oder mir die Ohren zugehalten. Aber mal ehrlich- wer will mit 15 sowas auch mit Mama und Papa besprechen? :pardon:

      Heute ist es so, dass ich mal von Leuten hier oder da erzähle und wenn meine Eltern den Eindruck haben, dass ich die Leute "aus diesem Internet" kenne, wollen Sie, dass ich Freunden die Adresse gebe, wenn ich dahin fahre. Meine Mutter hat auch selber schon angeboten, dass sie auch die Adresse nehmen würde. Prinzipiell kann man also sagen, sobald ihnen was komischer vorkommt, bieten sie mir an, mich zu covern, auch wenn sie diese Begriffe nicht kennen / nennen. Sie denken also mit. Ich habe das Angebot aber noch nie angenommen. Bisher haben mich immer gute Freunde gecovert. :)

      Dominantseptakkord schrieb:

      Könnt Ihr zuhause spielen?
      Habe ich noch nie gemacht und kann ich mir auch nicht vorstellen. Bei meinen Eltern sind die Wände nicht so dick und wenn ich meine Eltern und Geschwister besuche, gibt es auch 150 andere Dinge, die ich machen mag :)

      Dominantseptakkord schrieb:

      Welche Einschränkungen bringt das in Eurem konkreten Fall mit sich
      Besondere Einschränkungen empfinde ich nicht. Als Teenager zuhause waren die Gesprächsversuche meiner Eltern darüber wohl das schlimmste. Heute sind meine Eltern sehr empfindlich, wenn ich einen Mann mitbringe ("Er schläft im Keller" und "Bis er kommt mache ich einen Waffenschein"). Ob das daran liegt, dass sie sich manche Dinge vorstellen müssen oder ob das ein ganz normales "Unser kleines Mädchen wird flügge" ist, kann ich nicht beurteilen :pardon:

      Im allgemeinen ist meine Mutter wesentlich entspannter, als mein Vater. Ich hab es also noch ganz gut getroffen. Besonders viel Theater hat es nie gegeben.
      "It doesn't matter what you've heard,
      'impossible' is not a word!

      It is just a reason - for someone not to try."
      - Kutless, What faith can do
      Mein Outing war absolut filmreif und mega super duper peinlich... Mein kleiner Bruder stürmte das Zimmer als ich gerade das Halsband unseres Hundes anprobierte und mich vor dem Spiegel betrachtete... :rot:
      Ich konnte mich irgendwie raus reden und mir fiel bloß ein, ich hätte den Verdacht dass es den Hund zwickt und ich wollte das selbst Mal testen. Damit gab er sich auch augenscheinlich zufrieden und die Monate vergingen.

      Eines Tages kam ich von der Schule,-ich hatte inzwischen eine kleine Spielzeug-Sammlung,vdarunter auch ein Fetisch-Halsband und Leine-, und meine Mutter stand mit vorwurfsvoll und verwirrtem Blick im Flur, mein kleiner Bruder daneben, in der Hand einen dieser billigen Flogger. Noch dazu rannte mein Hund mir freudig zur Begrüßung entgegen und trug das Halsband der O.
      Wenn ich mir nicht so eingeschissen hätte vor der Unterhaltung die mir nun bevorstand, dann wäre das vermutlich urkomisch gewesen.

      Mein Bruder hatte wohl meine Sachen durchwühlt und sich mit diesen interessanten Dingen auseinander gesetzt und experimentiert, wozu sie wohl zu gebrauchen wären... Meine Mutter hatte ihn dabei erwischt und somit mich ebenfalls :D

      Es war lange ein Problem, meine Mama macht sich immer übergroße Sorgen und noch heute fragt sie bei neuen potentiellen Partnern ob die sich "hauen lassen oder sie mich hauen". Als shades of Grey raus kam und sie es sich ansah hatten wir auch nochmal eine mittelschwere Krise deshalb...

      Inzwischen wird es besser, weil ich auch offener darüber sprechen kann und es selbst mehr verstehen und erklären kann.
      Wir sprechen manchmal schon recht detailliert darüber weil sie neugierig ist und fragt. Ich bedränge sie aber von mir aus nie mit dem Thema.

      Mein Vater hat mein Outing überraschend locker weggesteckt und mir im selben Zuge erklärt, er wäre dann vermutlich devot. Da war ich dann etwas geschockt :whistling:

      Zuhause gespielt hab ich mit anderen übrigens nie, nur mit mir selbst und das hat mich ja schon Kopf und Kragen gekostet manchmal :facepalm:

      Dominantseptakkord schrieb:

      Wissen Eure Eltern Bescheid über Eure Neigung?
      So genau kann ich das gar nicht sagen. Meiner Mutter gegenüber sind mir durchaus Andeutungen herausgerutscht. Aber offiziell geoutet hab ich mich nie.
      Gegenüber meinem Vater gab es noch nicht mal Andeutungen. Also kann ich davon ausgehen das er es nicht weiß.

      Dominantseptakkord schrieb:

      Könnt Ihr zuhause spielen?
      Nein, bei der einzigen Gelegenheit bei der ich eine Partnerin mit zu meinem Vater brachte, kam keine Stimmung auf. Ebenso als ich von einer anderen Partnerin zu ihren Eltern mitgebracht wurde. Das hatte aber auch andere Gründe als nur bei den Eltern zu sein.

      Grundsätzlich behagt mir der Gedanke nicht bei meinen oder ihren Eltern zu spielen. Zumindest nicht bei den ersten Treffen.

      Solange ich keinen zwingenden Grund sehe mich zu outen, werde ich das auch nicht tun. Außerdem war die letzte Gelegenheit am ersten Weihnachtstag. Als im Fernseh-Krimi das Opfer "perversen Kram" mochte. Und das kam mir ziemlich unpassend vor.
      An sich hab ich aber nix dagegen mich zu outen gegenüber meinem Vater. Da muss ich keine Enterbung oder sonstige Reaktionen befürchten. Was meine Mutter angeht, da ist zu viel verbranntes Land zwischen uns.
      In unserer hektischen Welt muss man gelegentlich innehalten,
      um sich in aller Ruhe etwas Unanständiges auszudenken.
      :coffee:
      B. Traven
      BDSM und Eltern...ein Thema, das ich persönlich ganz lange gescheucht habe.

      Ich beginn mal ganz von vorne. Ich bin konservativ-christlich aufgewachsen und erzogen worden. Das hat hat auch dazu geführt, dass ich nach besagten Standards und Grundsätzen aufgeklärt worden bin. Soll heißen: Kondom und Pille gibt es zwar, ist aber beides schlecht. Die einzige sichere Verhütungsmethode ist Abstinenz und wenn Sex nach der Ehe, dann halt mit natürlichen Verhütungsmitteln und hoffen, dass man nicht schwanger wird. Wie ich aus dem heraus im BDSM gelandet bin, ist eine andere Geschichte. Aber so viel sei gesagt: meine Eltern verfolgen nach wie vor diese Glaubensrichtung und vertreten diese Meinungen.

      Ganz zu Beginn meiner Reise wussten meine Eltern nichts. Meine Doms waren alle von weiter her und wenn ich für ein Wochenende zu einem Spielpartner gefahren bin, war das halt offiziell ein Besuch bei einem Freund. Ich bin sehr froh über die Menschen, die damals meine Spielpartner waren, denn das hätte auch ganz anders ausgehen können. Vor lauter Sorge, dass meine Eltern was mitbekommen könnten, wusste nämlich keiner zu wem ich fahre und was ich da eigentlich mache und um mich covern zu lassen war ich ganz ehrlich zu naiv.

      Als ich im April 2018 dann begonnen hab mich in der lokalen Szene zu bewegen, ist innerlich ein Stein ins Rollen gekommen. Ich hasse es Leute anzulügen. Aus tiefstem Herzen. Ein Grund, der bestimmt auch zu dem geführt hat, was heute ist. In meiner Familie bin ich ein wenig die Wahnsinnige. Die verrückte Künstlerin, der man ohnehin alles zutraut und die man nicht so wirklich versteht. Auch wenn das andere Male schwierig ist, wars für mein Outing vor meiner Mum sehr hilfreich. Ich hab zu Beginn erstmal nur vom Bondage erzählt. Davon, wie sehr ich die Kunst schätze. Hab Fotos einer befreundeten Riggerin hergezeigt, die definitiv als Kunst sind und hab auch angemerkt, dass ich das auch sehr faszinierend finde, was man mit Seil so alles anstellen kann. Wie gesagt: in die Richtung schockt meine Eltern denk ich kaum mehr was. In einem Prozess der circa zwei Wochen dauert, hab ich in vielen Gesprächen immer mehr und mehr erzählt. Stückchenweise, solange, bis ich dann tatsächlich mit der ganzen Sprache raus bin. Ich hatte trotzdem das Gefühl sie ein wenig überfahren zu haben. Hinterher kam meine eindringliche Bitte, sich bei Fragen an mich und nicht an Dr.Google zu wenden und dann war erst mal einige Zeit stillschweigen über das Thema. Natrülich hat sie gegoogelt. Das hab ich erst später erfahren. Mittlerweile erzähl ich ganz locker von unseren Fesselstammtischen. Zwar oft zensiert, aber sie gewöhnt sich mehr und mehr daran. Die anderen Aspekte des BDSM lasse ich bewusst aus, wenn sie nicht danach frägt. Was ich ihr definitiv zu Gute halte: sie weiß mich in der Gruppe gut aufgehoben. Ich hab einiges über Consent und Negotiations erzählt und sie bewundert die Verantwortung und Verantwortungsbewusstsein innerhalb unserer Szene.

      Mein Vater hingegen weiß nach wie vor nichts und das werd ich auch so beibehalten. Das liegt allerdings mehr an zwischenmenschlichen Differenzen zwischen uns, als an etwas Anderem.

      Alles in allem also eine recht positive Erfahrung. Ich finds angenehm mir keine Ausreden einfallen lassen zu müssen, wenn ich auf Stammis und co gehe und schätze das sehr. Gleichzeitig lerne ich auch, was ich meiner Mama erzählen kann und was nicht. Dinge, die sie nicht hören bzw. sich vorstellen will und Dinge, die ich ihr sogar zeigen kann. z.B. manche Fotos, die entstanden sind, während ich bekleidet in irgendeiner Fesselung hänge. Dennoch denk ich, dass sie eigentlich hofft, dass ich davon wieder ablasse und wieder klein, brav und unschuldig werde.

      Ganz zum Schluss noch ein Ding, das mich ganz besonders gefreut hat: Ich hab mir Weihnachten was Selbstgebasteltes gewünscht. Sie hat die Buchstaben meines Namens mit Facetten meiner Persönlichkeit verziert. Auf einem Buchstaben war ein Seil geklebt und ein Hase (als ein "bunny") zu sehen. Der spätere Satz "Ich versteh bei weitem nicht alles, aber ich hab dich trotzdem lieb" mag vielleicht extrem kitschig wirken, aber für mich hat er in dem Moment die Welt bedeutet.

      - Regenmädchen
      Ich finde das echt interessant, wie es bei anderen so läuft.

      Ich bin auch mit meiner Mutter alleine aufgewachsen. Als ich um die 14 war, hatte ich einen „Freund“, den ich allerdings nur übers Netz kannte. Wir haben geschrieben, auch und gerade über BDSM, er war/ist dominant und zwei Jahre älter.
      Diese Chats hat meine Mutter dann mal entdeckt, sie war wutentbrannt, furchtbar böse (heute: eher in Sorge) und erwähnte damals Dinge wie „krank“, „pervers“.

      Hat bis heute irgendwie Spuren, denn:
      Auch, nachdem ich eindeutig Peitschenhiebe bei uns Zuhause gehört habe (nicht von mir ;) ), hatte ich immer noch keinerlei Motivation, ihr das zu erzählen. Nicht im Ansatz.

      Glücklicherweise sind mein Herr und ich jetzt zusammengezogen und dementsprechend ist es deutlich einfacher, das alles zu regeln. Man braucht keine Ausreden, keine Lügen, nix. :yes:

      Für sie (und meinen Stiefvater) war mein Freund (12 Jahre älter) eh schon ein herber Rückschlag in ihrer Vorstellung von mir und meinem Leben, den sie mittlerweile nach gut zwei Jahren aber verkraftet haben :pardon:

      Ich möchte da aber nichts überstrapazieren, das aktuell gute Verhältnis soll auch schön so bleiben.
      Also es ist schonmal definitiv interessant, wie unterschiedlich sowas laufen kann :D

      und damit falle ich mal aus dem raster: ich wohne zwar noch zu hause, aber meine eltern haben absolut keine ahnung von allem, was in richtung bdsm geht und vermutlich wird das auch so bleiben :icon_lol:
      prinzipiell haben wir alle ein super verhältnis und können über alles reden. es gibt zwar bei uns zu hause durchaus ein paar feste regeln oder dinge die nicht so gern gesehen werden (sollte ich h.b. anfangen zu rauchen, wäre meine mutter nicht begeistert und würde dies auch kundgeben, allerdings würde sie es missbilligend aktzeptieren), aber eben nichts dramatisches. ich denke, irgendwie würden sie auch damit klar kommen. nur gab es bis jetzt keinen zeitpunkt, um mich zu outen und auch keinen grund.
      zum thema spielen: meine wände zu hause sind dick (gott sei dank) und ich ehrlich gesagt auch verdammt leise von natur aus :thumbsup:
      zum thema wer käme besser klar?:
      ich denke meine mutter würde es schneller tolerieren und wäre nur besorgt. sie geht auch mit zu piercern oder zum tätowieren, obwohl sie recht konservativ ist jnd beides absolut nichts für sie.
      mein vater wäre da schon schockierter und überbesorgt.. und erst etwas empört. er sieht vieles generell weniger entspannt, aber käme irgendwann damit klar (spätestens nachdem meine mutter ein machtwort gesprochen hätte).
      wie gesagt..ich sehe nur keinen grund ^^
      "Let's just call it an artifact of a misspend youth"
      Also bei mir gab es da nie wirkliche Probleme. Meinen Eltern, insbesondere meiner Mutter, sind Privatsphäre schon immer wichtig gewesen. Von daher habe ich immer meine Freiheiten genossen und auch dementsprechend zu Hause wenig Hemmungen gehabt zu spielen.

      Ich habe immer darauf geachtet, dass es ruhig vonstatten ging, aber das primär einfach aus Rücksicht wegen der Lautstärke des Zusammenlebens.

      Meinen Eltern habe ich im Januar 2015 etwas gesagt, da ich dann vorhatte nach Frankfurt zu einem Stammtisch zu fahren und mir ein ehrlicher Umgang mit ihnen wichtig ist. Parallel hatte ich auch mit einer Trennung zu kämpfen, von daher war es auch so ganz gut, offener reden zu können.

      Mein Vater weiß wenig, meine Mutter etwas mehr, aber da beide nicht sonderlich viel fragen, werde ich es auch dabei belassen. Meine Mutter meinte zu mir, dass sie es nicht wirklich überrascht, da ich schon im Kindergarten immer den anderen gegenüber so war. Was auch immer dieses "so war" bedeuten sollte... :D Ansonsten mahnte sie mich an, dass ich auf mich aufpassen sollte, da es auch Schattenseiten haben kann und zum Beispiel die Ehe meines Patenonkels und meiner Patentante sehr belastet habe, da sie nicht so dachte wie er. (Ich habe mich damals im Kopf nur für die Bilder bedankt :rolleyes: )

      Aber von daher habe ich auch nur positive Erfahrungen gemacht und konnte es immer im Hintergrund problemlos ausleben.
      Bekennender Schwarzteefetischist. Wehe dem, der meinen Tee kalt werden lässt...
      Es ist wirklich spannend, wie unterschiedlich die Reaktionen und das Vorgehen bei jedem von uns waren.

      Bei mir war das reichlich entspannt. Ich muss zugeben, ich habe sogar Probleme, mich zu erinnern, wann genau ich meinen Eltern von BDSM erzählt habe XD Sicher ist nur: Ich war schon ausgezogen.
      Zuhause gespielt habe ich nie, aber ich bin jetzt auch nicht sehr aktiv in der Hinsicht :pardon: Zudem habe ich erst "so richtig" anfgefangen mein - ich nenne es mal - BDSM-Selbst zu entwickeln, als ich schon lang ausgezogen war. Es ergab sich also nicht die Notwendigkeit.
      Meiner Cousine, die mich auch ein bisschen mit aufgezogen hat, hatte ich es mal erzählt bei einem Besuch bei meinem Vater. Damals war ich auch noch recht jung und sie war (mit den Erfahrungen, die sie in ihren Vanilla-Beziehungen gesammelt hatte) sehr besorgt. Jahre später erfuhr ich dann, dass sie im engeren Freundeskreis ein Paar haben, die BDSM leben. Sie erzählte mir dann auch, dass sie sich inzwischen auch sehr praktisch mit dem Thema auseinander gesetzt hat. :D Damit war die Kuh dann also auch vom Eis.

      Meinem Vater dürfte ich es wohl im Rahmen eines Telefonats erzählt haben. Er wollte mich besuchen kommen und damals hatte ich noch eine Spielbeziehung. Und ich erklärte ihm halt die Thematik, er hörte zu und irgendwann meinte ich: "Es kann sein, dass du den Mann triffst, mit dem ich eine Spielbeziehung habe. Wehe du sagst: "Ach! Sie sind also der Mann, der meine Tochter schlägt!"."
      Er meinte daraufhin lakonisch: "Früher hab ich das gemacht." Was mich ein wenig überraschte, also hab ich widersprochen.
      "Du hast mich nie geschlagen!"
      "Aber ich war SO kurz davor!"
      :D :pardon:
      Lief gut, würd ich sagen. Ich habs aber dann auch nicht weiter erwähnt. Es spielte einfach keine Rolle. Er kannte meinen Spielpartner und mochte ihn sehr gern.

      Wann genau meine Mutter es mitgeschnitten hat, weiß ich gar nicht mehr.
      Ich erinnere mich nur noch, wie ich bei ihr im Wohnzimmer vor einem Youtube-Tutorial saß und einen Flogger gebastelt habe. Sie besah sich das einen Moment und meinte dann: "Das bringst du deinem Bruder aber noch nicht bei, ja?" (Mein Bruder war damals zwölf oder so? Heute ist er vierzehn XD Ich bring da erstmal gar nichts bei.)
      Und damit war auch da der Drops gelutscht. :pardon:

      Eigentlich alles reichlich unspektakulär.
      "I aspire, Sir, to be better than I am."
      -Data-
      bei uns war das relativ einfach:
      erst waren meine eltern enttäuscht, dass ich bi/les aber nicht hetero bin und da ich erst eine freundin, dann einen freund und dann beides hatte waren sie eh schon verwirrt und ich sollte mich doch mal entscheiden.
      dann kam "das mit dem bdsm" dazu und das war dann erst recht der grund das sie froh waren mich etwas loszuwerden und nicht mehr ihrem freundeskreis sagen zu müssen was denn die anna-lena nun hat: freund-freundin usw.
      sie wollten mit dem thema, mir und meinem freund (nun herr) gar nichts zu tun haben und haben auch schon bald 2j keinen kontakt mehr.

      umso mehr freue ich mich, dass die mama von meiner freundin da eher offener ist. ich und wir mit ihr über alles reden können und ich glaube sie ist meiner freundin und ihre zweiten/jüngeren tochter eine total gute stütze wenn es um das ausleben der sexualtiät geht und dem gefühl einen sicheren hafen zu hause zu haben. ihr jetziger freund ist selbst auch etwas dom und sie redet mit uns auch etwas darüber wie es sich bei ihr "im schlafzimmer" verändert hat und was wir da so machen und wie sie an dinge herangehen kann. von daher hab ich einfach die mama meiner freundin geklaut und ist nun auch meine mum ;)
      Freut sich immer über liebe PM.s... :)

      Tiffany_Aching schrieb:

      ich habe sogar Probleme, mich zu erinnern, wann genau ich meinen Eltern von BDSM erzählt habe XD Sicher ist nur: Ich war schon ausgezogen.
      Also als ich mit meiner Mutter darüber gesprochen habe, war ich ja angezogen :pardon: :lol:


      Ich wollte eigentlich nur einmal kurz zwischenmelden, dass ich mich wahnsinnig über die zahlreichen Beteiligungen hier freue! Danke allen, die bisher etwas beigetragen haben und wer das noch nicht hat, ist herzlich dazu eingeladen, das noch zu tun. :blumen:
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
      Also ich gehöre auch zu den Menschen bei denen die Eltern nicht bescheid wissen :gruebel: . Zuhause hab ich sowieso nie gespielt, die Handschellen an meinem Kleiderschrank galten als rebellierende Deko meiner Jugend und das Spielzeug war immer gut versteckt in einer Kiste unter meinem Bett. :D Ich glaube, meine Mutter ist nachts mal in mein Zimmer gekommen (Privatsphäre war und ist bei meiner Familie ein Fremdwort) als mein damaliges Halsband im Bett lag, es kann sein dass sie das gesehen hat, wird das aber meinem eher alternativen Stil zugeschrieben haben. ^^ Jetzt wohne ich allein und meine Familie bekommt von meinen Beziehungen eh nichts mit.
      "I often think that the night is more alive and more richly coloured than the day"
      - Vincent van Gogh
      Meine Eltern wissen nicht von meiner Neigung. Zuhause wohnen und Bdsm ließ sich ganz leicht unter einen Hut bringen, weil ich meinen Partner sowieso nur im Hotel getroffen habe und unsere Sessions dem entsprechend auch dort stattfanden. Ich finde das war gut so. Es wäre auch mit deren Wissen über unsere Beziehung komisch gewesen, sich zuhause zu treffen.
      Jetzt bin ich jedenfalls ausgezogen und Eltern sind kein Thema mehr.
      There will be a time when we must choose between what is easy and what is right.
      Interessant zu lesen wie es doch bei jeden unterschiedlich läuft.

      Meine Eltern wissen bisher nichts von meiner Neigung. Das kommt natürlich auch dadurch zustande, dass ich mich erst seit kurzen aktiver mit BDSM auseinandersetze und nicht mehr Zuhause wohne.

      Meine Mom wäre glaube ich anfänglich geschockt könnte sich damit aber abfinden, sie ist manchmal sehr konservativ obwohl sie das Gegenteil behauptet :D
      Zuerst stelle ich wie D7 mit Begeisterung fest, wie viel mehr Leute hier schreiben :)) ist sehr spannend, so viele verschiedene Beiträge zu lesen!

      Meine Eltern wissen absolut nichts von meinen Neigungen. Ich schwanke auch noch ein wenig, ob ich es ihnen erzählen soll oder nicht. Da steht momentan "ich möchte nichts verheimlichen" gegen "mein Sexleben geht sie auch einfach nichts an".
      Zum aktuellen Zeitpunkt steht das allerdings absolut nicht zur Debatte, da es wegen meinem neuen Freund (und Herrn) schon ein paar Reibereien gibt, wenn ich dann noch anfangen würde à la "er ist übrigens auch BDSMer" wäre es wohl endgültig vorbei mit dem Familienfrieden ...

      Ich wohne inzwischen allerdings auch (zum Glück) viele Autostunden von meinen Eltern entfernt, so dass sie davon, wie ich BDSM auslebe, nichts mitbekommen. Vorher habe ich lediglich Selbstfesselung betrieben, das geht ja zum Glück sehr ruhig vonstatten. Mehr als ein schnelles "Nein, gerade nicht" wenn es an der Tür klopfte war da nie nötig. Aktiv ausleben tue ich es erst seit kurzem, so dass da keine Konflikte mehr mit meinen Eltern entstehen können.

      Was mir leid tat war, dass ich, wie ich meinen Herrn kennen gelernt habe, eine Geschichte erfinden musste, "über eine BDSM-Webseite" wäre da definitiv die falsche Antwort gewesen. Vielleicht erzähle ich es ihnen irgendwann noch, aber ich kann auch gut damit leben, wenn sie es nicht wissen. Dafür wissen zwei meiner engsten Freunde Bescheid, jemand zum Reden ist also auch da ;)

      Bei meinen Eltern spielen würde ich allerdings nie, da ihr Schlafzimmer direkt neben meinem ist und die Wände nicht gerade schalldicht ... was ich allerdings machen würde (und wahrscheinlich auch werde) ist verstecktes DS. Mein Herr und ich haben da ein paar Regeln für den Alltag festgelegt, die von außenstehenden nicht bemerkt werden (z.B. setze ich mich nicht vor ihm, fange nicht vorher an zu essen etc.), aber eine Session würde ich nicht starten ^^
      Ich bin immer artig. Großartig, unartig, einzigartig.
      Meine Eltern wissen auch nichts von meinen Neigungen. Ich war schon von zuhause ausgezogen, als ich angefangen habe, mich mit BDSM zu beschäftigen. Die Frage nach dem Ausleben im Elternhaus hat sich also zum Glück nie gestellt.

      Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, mit meinen Eltern darüber zu sprechen. Was meinen Vater betrifft, kann ich die Reaktion schwer einschätzen. Es gäbe aber auch für mich keinen Anlass, das zu thematisieren. Bei meiner Mutter bin ich mir sehr sicher, dass sie mich nicht verstehen und meine Neigung wahrscheinlich sogar als "krank" bezeichnen würde.

      Das ist für mich aber kein Problem, da ich weiß, dass ich das nicht bin. Ich wahre dann lieber den schönen Schein und erspare mir Endlosdiskussion und Streit:)