Elphis

      Elphis

      Endlich hatten wir Karten für die Elbphilharmonie bekommen. Zwar an einem Mittwoch und "nur" ein koreanisches Orchester, aber immerhin spielten sie auch Ravel. Du warst direkt nach der Arbeit in deiner Stadt losgefahren, grade erst bei mir eingetroffen und dich jetzt schnell noch etwas frischmachen. Als du wieder aus dem Bad kommst sitze ich auf dem Sofa.

      "Und, geht's los?" fragst du.
      "Ja, gleich. Aber erst müssen wir noch was erledigen." Ich schaue dich an: Figurbetonte Bluse, edle schwarze Hose, schöne, aber nicht zu hohe Schuhe (wir wollen da ja zu Fuß hingehen und das sind dann doch ein paar Meter). Du siehst genauso elegant wie sexy aus. Dann sage ich: "Zieh die Hose runter."
      "Bitte?! Haben wir denn dafür Zeit?"
      "In 5 Minuten müssen wir los. Keine Zeit für lange Diskussionen. Also los!"
      Du siehst verunsichert aus. "Und was hast du vor?"
      "Das wirst du schon erleben."
      "Ja, aber warum?"
      "Samstag vor einer Woche."
      "Oh…"
      "Glaubst du etwa, das habe ich vergessen?"
      "Aber muss das denn jetzt sein?"
      "Den Zeitpunkt bestimme immer ich. Das ist unsere Abmachung. Und wir können hier noch lange diskutieren, aber irgendwann wird es dann knapp mit dem Essengehen vorher."
      Du siehst nicht grade glücklich aus, als du deine Hose endlich öffnest und auf die Fußgelenke fallen lässt.
      Als du nach dem Höschen greifst sage ich: "Den Slip nicht. Zieh deine Bluse hoch."
      Du willst sie über die Brüste ziehen, aber ich sage: "Stopp. Halt sie da fest."
      Dann greife ich unter das Kissen auf der Couch und hole das versteckte Seil hervor.
      "Komm her." Ich schlinge das dünne, schwarze Seil mehrfach um deine Taille. "Ausatmen." Und ziehe und knote es fest. Die losen Enden hängen von deinem Bauchnabel auf den Boden. "Umdrehen." Ich greife durch deine Beine die Seilenden und ziehe das doppelte Seil in deinem Schritt nach hinten.
      "Aua!" protestierst du.
      "Ruhe, ich muss arbeiten!"
      Ich ziehe das Seil in deiner Pofalte hoch und knote es stramm an dem Seil um deine Taille fest. Die überschüssigen Enden schneide ich ab.
      "Umdrehen."
      Durch den Seilgürtel hast du eine Wespentaille. Und das Seil schneidet deinen Slip tief ein. Es sieht sehr erotisch aus. Ich bin zufrieden.
      Du nicht. "Das drückt ganz schön."
      "Das soll es auch. Komm jetzt, wir müssen los."
      "Und muss ich das den ganzen Abend tragen?"
      "Das wird erst wieder abgemacht, wenn wir wieder hier in der Wohnung sind. Du solltest also nicht zu viel trinken."
      Du siehst so unglücklich und dadurch so niedlich aus, dass ich fast Mitleid mit dir bekomme. Fast.
      "Ich glaub', ich will das nicht…"
      "Hör zu: ich hab entschieden, dass die Strafe heute fällig wird und das ist unumstößlich. Ich zwinge dich zu nix, du hast die Wahl: entweder wir gehen jetzt, so wie du bist. Oder ich mach das Seil wieder ab. Ich bin dir dann auch nicht böse, aber ich werde dann die Eintrittskarten zerreißen, den Tisch im Restaurant absagen und wir bleiben heute Abend hier. Deine Entscheidung. Und überleg es dir schnell."
      Zögernd ziehst du deine Hose wieder an.
      Ich schau dich mit einem fiesen, aber auch amüsierten kleinen Lächeln an und sage: "Den ganzen Abend wird das Seil um deine Taille bei jedem Atemzug drücken. Bei jedem Schritt wird das Seil zwischen deinen Beinen reiben. Und vor allem wirst du es die ganze Zeit spüren, die du im Restaurant und in der Elphi darauf sitzt. Das wird dich permanent an deinen Fehler von vorletzten Samstag erinnern. Und daran, was deine Position in dieser Beziehung ist. Zieh jetzt deine Jacke an und lass uns gehen."
      Wir verlassen meine Wohnung. Du schaust etwas betreten aus, ich muss fett grinsen. Das wird bestimmt ein schöner Abend - für mich. Für dich eher bittersüß.

      Aber ich bin ja kein Unmensch. In meiner Jackentasche habe ich eine kleine, robuste Schere. Du hast deine Strafe akzeptiert und wenn du dich jetzt noch benimmst, dann ist Strafminderung auf Bewährung möglich, dann könnte ich dir die Schere im Restaurant geben und du dürftest das Seil auf der Toilette ablegen.
      Wenn du dich benimmst.

      Der Hamburger DOM schrieb:

      Intruder schrieb:

      Es ist manchmal schade, dass man "nur" ein Like vergeben kann. Deine Geschichte hätte fünf verdient, mindestens. :blumen:

      Ach so, fast die obligatorische Frage nach der Fortsetzung vergessen. Also wann? :rot:
      Vielen Dank! :)
      Diese Geschichte ist leider auserzählt. Aber ich hab schon mit dem nächsten Text begonnen.
      Also doch Fortsetzung, wenn auch "mit anderen Mitteln". Ich freue mich darauf.
      Die Frauen kosten uns achtzig Prozent unserer Kraft, aber ohne Sie hätten wir gar keine.


      Dieter Noll, "Kippenberg"