Schläge, um aus der Realität zu flüchten?

      Ich kenne das auch. Ich muss in meinem Beruf meist seeeehr viel Geduld aufbringen und dabei immer extrem freundlich und ruhig bleiben, auch wenn ich innerlich oft koche, da tagtäglich immer wieder die selben Situationen und Probleme auftauchen. Dazu kommt, dass ich sehr angepasst erzogen wurde und eher ein ruhiger, schüchterner typ Mensch bin. Ich baue so oft Aggressionen auf, sie sich über Tage oder Wochen aufstauen können. Mir ist aufgefallen, dass diese Wut im Bauch, die ich dann mit mir herumschleppe, nach einer harten Session mit viel Schmerz und Leiden komplett verschwunden ist. Ich fühle mich dann fast unverwundbar. Seit ich das auslebe bin ich ein viel ausgeglichenerer Mensch.
      Hi,

      Grundsätzlich finde ich solche Gefühle nicht problematisch...Wenn man eine stressige Zeit hat, sich über irgendetwas geärgert hat, dann sehnt man sich doch gerne nach einer Entspannung, etwas das einem Gut tut. Ist das nun die heiße Badewanne, der Waldlauf ( wäre für mich ganz persönlich viel fragwürdiger ;) ) oder eben eine SM Session.

      Das man sich hinterfragt ist, denke ich, gut und natürlich. Es zeigt doch das man sich selbst bewusst ist, und eigentlich auch mit sich im Reinen wenn man dann merkt es fühlt sich einfach gut an? Ich möchte deine Gefühle nicht relativieren oder den couch psychonkel raushängen lassen, aber vielleicht hinterfragt man eine Session und die Gefühle eher weil das ja doch wieder aus den Normen fällt die man lange mit sich herumgetragen hat - insbesondere was Entspannung und Loslassen angeht in Verbindung mit Schmerz? Ich bin ja auch noch nicht so lange hier und man denkt warscheinlich schon länger darüber nach als jemand der schon jahrelang praktiziert.

      Black Velvet schrieb:

      [...]

      Doms, fühlt ihr euch da als Dienstleister eurer (komplizierten?) Sub? Zu etwas genötigt? Wenn ihr den Wunsch abschlagt, habt ihr ein schlechtes Gewissen? Oder fangt ihr eure Sub anders auf? Reden soll ja immer gut sein... ^^
      [...]
      Ich fühle mich von @Mandurugo nie zu etwas genötigt und auch nicht als Dienstleister. Zunächst liegt im BDSM Kontext die Entscheidung was ich mache bei mir. Wenn ich merke Ihr geht es nicht gut, dann versuche ich da zu sein und Ihr das zu geben was sie dann benötigt, grundsätzlich egal was. Dafür liebe ich sie zu sehr. Das hat dann nichts mit Dienstleistung oder Wunschzettel Sub zu tun - Ich kenne Sie ja und weiss sie würde meine Entscheidung akzepteren, egal welche und es ist dann ganz meine eigene Entscheidung für sie da zu sein.

      Auf SM bezogen müsste ich allerdings schon in Stimmung sein. Sie weiss aber auch sehr genau wie sie mich in Stimmung bringen kann... Im Kontrast dazu bin ich mir aber auch ziemlich sicher das das für Sie nicht entspannend wäre wenn sie das Gefühl hätte das ich das jetzt nur für Sie mache, ohne wirklich Lust darauf zu haben. Ob ich ein schlechtes Gewissen hätte wenn ich eine Session ablehnen würde? Nein ich glaube nicht, wir würden uns beiden dann ja keinen Gefallen tun. Mir würden aber bestimmt andere Dinge einfallen die zur Entspannung beitragen und auf die ich mich dann auch voll und ganz konzentrieren könnte.
      Ist es nicht auch so, dass man es genießt in einer stressigen Phase einfach mal den Kopf auszuschalten? Mal nicht drüber nachdenken was einen nervt oder Kraft kostet.
      Und gerade wir Frauen haben leider nicht den Komfort der "Nothing Zone" im Hirn, die Männer täglich fürs Einschlafen nutzen ;) und genießen doch dann mal die Momente in denen man nicht denken muss.

      Das zumindest ist bei mir einer der Gründe warum ich mich in solch Situationen nach Schmerz sehne.
      Für mich ist BDSM fast die einzige Möglichkeit einfach nur zu fühlen und nicht zu denken. Einfach Kopf aus.

      Und, mit dazu kommt noch, dass es für mich manchmal eine Möglichkeit ist zu weinen, was ich sonst selten kann. Und Tränen reinigen nunmal. Weinen nicht unbedingt vor Schmerz, sondern durch den Zustand des Loslassens.

      Wer sagt denn, dass man BDSM nur machen dürfte wenn die Stimmung sich in einem Hoch bewegt? Ich finde auch aus anderen Beweggründen als der rein sexuellen Lust darf man sich dem hingeben was einem hilft.
      Interessantes Thema. Ich habe meine Maso Neigung ja erst im letzten halben Jahr so richtig entdeckt und kenne diese Momente wo man Seiten an sich entdeckt die nur schwer einzuordnen sind nur zu gut.
      Aber auch ich habe an mir selbst festgestellt dass nach dem Stress der Arbeitswochen eine Session sich enorm entspannend auswirken kann. Nachher bin ich immer völlig ausgepowert und fühle mich einfach nur noch wohl und tiefenentspannt. Aber das ist mir generell aufgefallen, dass ich deutlich entspannter bin seit ich meine Neigung richtig ausleben kann.
      Teamwork makes the dream work :love:
      Ich kennen da auch sehr gut bei mir. Ich hatte in einem anderen Beitrag da schon mal etwas drüber geschrieben:

      " Es bringt mich dann einfach runter und "reduziert" mich (im positiven Sinne) auf meinen Kern, mein Wesentliches; pustet quasi meinen Kopf frei. Der Schmerz ist dann trotzdem u.U. ambivalent: ich hasse ihn teilweise (je nachdem, was wie und womit gemacht wird) und liebe ihn gleichzeitig. Ich habe keinen körperlichen Orgasmus rein durch Schmerzen, bin aber nach einer solchen Session viel zufriedener und fühle mich viel länger befriedigt als wenn er mich hätte 10x kommen lassen - einfach ein sehr pures Gefühl, das sich im Kopf freimacht. Anders kann ich es für mich nicht beschreiben. Man kann es evtl. mit einem Marathon vergleichen: dabei ist es auch anstrengend, tut weh und man denkt: bleib doch einfach stehen! Und im Nachhinein macht sich einfach die Empfindung von Zufriedenheit und "Wie geil war das denn?!" breit."

      Dabei weiß ich gar nicht so genau, ob es unbedingt die Schmerzen an sich sind, die das bewirken, oder eben das Gefühl, das durch die Session an sich ausgelöst wird: dieses "sich abgeben", alle Gedanken ablegen und einfach fallen lassen. Den Kopf frei kriegen....
      Interessant... Würde man diese Frage in einem psychologischen Forum stellen, würden sicher 1000 Alarmglocken auf einmal läuten. :gruebel:

      Ich kenne das Gefühl nicht und würde jedem, der mir gegenüber diesen Wunsch äußert, raten, er soll bitte auf sich aufpassen - wenn er keinen BDSM-Hintergrund hat.
      Bei Menschen, die nicht SM praktizieren, könnte das meiner Meinung nach schnell in selbstverletzende Handlungen und Gewohnheiten abdriften.
      Mit einem Partner in einer BDSM-Beziehung sehe ich das allerdings anders. Da wird im Normalfall der Dom oder Top entscheiden, ob und wie der Wunsch erfüllt wird. Und er wird ein Auge darauf haben, dass es nicht überhand nimmt oder krankhafte Züge annimmt.

      Ich halte es aber durchaus für möglich, dass der Wunsch gleichgesetzt ist mit anderen Entspannungsmöglichkeiten und schlichtweg nur der Entspannung dient und keinen psychologischen bzw krankhaften Hintergrund hat.

      Forseti schrieb:

      Ist das nun die heiße Badewanne, der Waldlauf ( wäre für mich ganz persönlich viel fragwürdiger )
      Warum dir, @Forseti , diese Möglichkeiten aber als fragwürdiger erscheinen, verstehe ich allerdings nicht. Heißes Wasser und alles, was mit einem Bad so einhergeht, ist definitiv entspannend; und die Bewegung beim Waldlauf baut Adrenalin ab und beruhigt durch die pure Anwesenheit im Wald - wenn man denn nicht ständig über irgendwelche rücksichtslosen Mitmenschen stolpert... :huntsman:

      Mein Fazit: BDSMler haben einige Möglichkeiten und Lösungen mehr als Vanillas. :thumbsup:
      Wir haben alle irgendeinen Knacks - der Unterschied ist: bei manchen ist er diagnostiziert... :monster:

      Artepus schrieb:

      Das Gefühl kenne ich auch recht gut. Gerade wenn es auf Arbeit mal wieder argen Stress oder Krach gab, oder ich mich über Kollegen aufgeregt habe, habe ich recht oft das Bedürfnis nach Schlägen um den inneren Druck los zu werden. Ich merke, dass ich bei diesen Schlagsessions dann auch recht deutlich mehr aushalte als es im Normalfall der Fall wäre.
      Genauso empfinde ich das auch. Man hat das Gefühl, man kann den Druck viel besser loswerden. Manchmal kann man gar nicht richtig erklären, was einen gerade anmöpt, wenn man sauer ist, Krach hat. Da kann so eine Schlagsession helfen. Man kann das Problem, was einen beschäftigt, "loslassen" oder besser verarbeiten in dem Moment. Alles natürlich in gesundem Rahmen und nach Absprache mit dem Herrn.
      Sometimes what you're most afraid of doing is the very thing that will set you free.

      Lilly13 schrieb:



      Forseti schrieb:

      Ist das nun die heiße Badewanne, der Waldlauf ( wäre für mich ganz persönlich viel fragwürdiger )
      Warum dir, @Forseti , diese Möglichkeiten aber als fragwürdiger erscheinen, verstehe ich allerdings nicht. [...]
      Hi Lilly,
      Komisch, da hat sich in deinem Zitat doch tatsächlich einfach der zwinkernde Emoji davon gemacht...hier ist er nochmal ;) .
      Aber vieleicht hätte ich auch deutlicher machen können das ich das nicht so ganz ernst meine...das Thema und den Eingangsthread insbesondere natürlich schon - aber da ich es, was körperliche Ertüchtigung angeht, inzwischen eher mit Winston Churchill halte, (oder, vorsicht Emoji! :peitsche1: vielleicht doch mit Zorro?) ist für mich, wie gesagt - ganz persönlich, die Entspannung beim Waldlauf eher abwegig - was natülich ebenso im Umkehrschluss nicht bedeutet das das für andere Menschen nicht ein probates Mittel sein kann.

      Der Zweck dieses Vergleiches sollte eigentlich sein, das Stressabbau für mich sehr individuell funktioniert, und wenn man Schmerz und die Gefühle einer Session im Rahmen von BDSM damit assoziiert, das für mich nicht abwegig erscheint.
      Wenn ich mal wieder so RICHTIGEN Stress im Geschäft hatte, springe ich in meine Lederklamotten, Purzeltüte auf und dann die "Hayabusa" mit mehr als dreihundert Sachen über die Autobahn getrieben.

      Wenn ich wieder heim komme, ist der Kopf frei. Du bist also nicht allein mit einer "anderen Art der Stressbewältigung". Wobei ich deine Art als wesentlich gesünder erachte.

      Und wenn du nicht wegen jeder Kleinigkeit den Popser voll haben willst, ist meines Erachtens alles im grünen Bereich. Ich wäre auch nicht der Meinung, ein Wunscherfüller zu sein.

      Schließlich hätte ich es in der Hand, bei der Stressbewältigung zu helfen, oder bei der Suche nach einem anderen Weg zu helfen.

      Ich danke dir jedenfalls ganz herzlich für deinen Thread. :blumen:
      Die Frauen kosten uns achtzig Prozent unserer Kraft, aber ohne Sie hätten wir gar keine.


      Dieter Noll, "Kippenberg"
      Eine gute Freundin von GD hat mich gebeten, folgendes anonym hier in den Fred zu posten:

      A. Nonym schrieb:

      Ich habe lange überlegt, ob ich als devote sub etwas dazu schreiben soll. Ich möchte dazu sagen, dass wir meine masochistische Seite langsam zusammen entdecken und ich aus diesem Grund Schläge in Momenten, wie ihr sie beschreibt, nicht wirklich helfen, den Kopf frei zu bekommen. Wie meine Vorposterinnen habe auch ich Tage, an denen mir der Alltagsstress zu viel wird, mein innerer Druck steigt und ich ein Ventil benötige, um meine Mitte wieder zu bekommen. Mein Herr kann mich sehr gut lesen und spüren. Er merkt, wenn ich angespannt bin. In diesen Momenten brauche ich Erniedrigung. Das ist für mich das, was für Euch Schläge sind. Erniedrigung zeigt mir, wer ich bin und wo mein Platz ist. Es erdet mich und bringt mich tief in den sub Modus hinein. Ich liebe es, wenn bei meinem Herrn der Sadist Oberhand hat und dieser meinen Körper und meine Seele für seine Befriedigung benutzt. Jedoch muss ich anmerken, dass er die Intensität steuert und die Art und Weise der Erniedrigung. Er beschützt mich vor mir selbst. Ich ziehe daraus innere Sicherheit und Ruhe. Es ist wie eine Reinigung meiner Seele. Falls es OT ist, bitte löschen.
      Wenn es stimmt, dass die Evolution zu immer höherer Perfektion strebt, welchen Sinn haben dann die Generationen nach mir? :gruebel:

      Valeris schrieb:

      Artepus schrieb:

      Das Gefühl kenne ich auch recht gut. Gerade wenn es auf Arbeit mal wieder argen Stress oder Krach gab, oder ich mich über Kollegen aufgeregt habe, habe ich recht oft das Bedürfnis nach Schlägen um den inneren Druck los zu werden. Ich merke, dass ich bei diesen Schlagsessions dann auch recht deutlich mehr aushalte als es im Normalfall der Fall wäre.
      Genauso empfinde ich das auch. Man hat das Gefühl, man kann den Druck viel besser loswerden. Manchmal kann man gar nicht richtig erklären, was einen gerade anmöpt, wenn man sauer ist, Krach hat. Da kann so eine Schlagsession helfen. Man kann das Problem, was einen beschäftigt, "loslassen" oder besser verarbeiten in dem Moment. Alles natürlich in gesundem Rahmen und nach Absprache mit dem Herrn.
      ...und in ganz große Bredullien kommen, wenn der Herr nur spielen kann, wenn er den Kopf komplett frei hat und entspannt ist. Das ist die Kehrseite der Medaille...
      Ihr Lieben, hier ein "Praxis-Update" zu meinen Gedanken, dass ich mich nach einem schrecklichen Tag nach Schmerz sehne. Und ich kann euch sagen: es hat geklappt ^^

      Mein Vormittag war wirklich ätzend: zuerst gab es in aller Früh schon ein Mißverständnis mit meinem Herrn, dann waren die Kids ungewöhnlich aufgedreht. Anschließend war ich beim Friseur, da hat's mir auch nicht gefallen, ich musste noch einen Gutschein in einem Geschäft einlösen und fand nur mit größter Mühe was Passendes, die Verkäuferin war unfreundlich und als ich heim kam, war ich mit den Nerven am Ende ;(

      Mein Herr hat sich Gott sei Dank dieser Stimmung angenommen, und nach einem guten Spanking ging es mir um Längen besser! :paddel2:
      Wir haben die neu bestellten Rohrstöcke ausprobiert, ich sitze in dieser Sekunde eher unbequem auf meinem Allerwertesten, und ja - meine Gemütslage hat sich dadurch beruhigt.
      Natürlich hat es auch dazu beigetragen, dass er mich emotional aufgefangen hat, wir haben viel geredet und am Schluß sogar etwas zusammen gelacht. Aber dieser unmittelbare Schmerzreiz hat mein Grübeln und Jammern ausschalten können, ich habe es auf eine verrückte Art sogar genossen :yes:
      - unter Männern eine Kriegerin -
      - unter Frauen eine Dame -
      - sie steht aufrecht vor all den Anderen -
      - und kniet nur vor dem Einen -
      - weil sie es will -
      - weil sie ihm gehört -
      Der rote Faden sieht sich wieder durch bei allen, die die Erfahrung so gemacht haben - durchweg sehr positive Wirkung, stress relief spanking die Uberschrift einer solchen Session. Mich wundert allerdings der Titel des threads...es ist doch keine Flucht aus der Realität... nach der Session ist sub doch in ihrer Realität zurück..
      Gerade in stressigen Situationen in denen man sich vllt auch schon anfängt im Kreis zu drehen, ist die Sehnsucht nach einer rituellen Session bei mir sehr groß. Um runter zu kommen, ruhiger zu werden und vor allem Gedanken neu fassen zu können. Ob es eine Flucht aus dem Alltag ist, glaube ich eher nicht, eine kleine Oase in stürmischer Zeit, trifft es eher.
      The greater your storm, the brighter your rainbow.

      Forseti schrieb:

      Auf SM bezogen müsste ich allerdings schon in Stimmung sein. Sie weiss aber auch sehr genau wie sie mich in Stimmung bringen kann... Im Kontrast dazu bin ich mir aber auch ziemlich sicher das das für Sie nicht entspannend wäre wenn sie das Gefühl hätte das ich das jetzt nur für Sie mache, ohne wirklich Lust darauf zu haben. Ob ich ein schlechtes Gewissen hätte wenn ich eine Session ablehnen würde? Nein ich glaube nicht, wir würden uns beiden dann ja keinen Gefallen tun. Mir würden aber bestimmt andere Dinge einfallen die zur Entspannung beitragen und auf die ich mich dann auch voll und ganz konzentrieren könnte.
      wenn meine Sub eine stress relief session braucht bekommt sie die. Ich merke wenn die Notwendigkeit besteht und bin dann in der Lage sie mit einer Schlagsession zu beruhigen. Für diese Art von Unterstützung (wie jede andere auch) brauche ich keine Stimmung, ich fühle mich nicht genötigt und würde es ihr nie abschlagen (lieber zuschlagen, ) Weil ich sehr genau weiss wie effektiv so eine stress relief Session ist muss ich mir keine Gedanken über Alternativen machen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Viva () aus folgendem Grund: Zitat eingekürzt zwecks lesbarkeit

      Da ticke ich irgendwie ganz anders.
      Es würde sich für mich total falsch anfühlen SM zum Stressabbau zu betreiben, auch wenn es nur manchmal wäre.

      Ich möchte den Kopf frei haben, möchte positive Gefühle erleben...anders funktioniert es nicht für mich.
      Stress kann ich anders abbauen, gute Musik einen Tee dabei...ein langer Spaziergang...eine Fahrradtour ect. Bei Problemen hilft mir reden, in den Arm genommen werden und auch kuscheln.

      Wir gehen beide mit positiver Grundstimmung in eine Session.
      Wenn du jemanden verstehen möchtest,
      höre nicht auf seine Worte
      sondern beobachte sein Verhalten.
      Ich hab mir auch zusätzliche Strategien zum Stressabbau zurechtgelegt: Spaziergang, Baden, Sauna, etwas Gutes kochen, mit den Kindern etwas unternehmen, auch mal Schoki und Fernsehen.

      Aber trotzdem fühle ich mich erleichtert mit dem Wissen, dass mir eben noch dieser andere Weg offen steht: Schmerz, der damit verbundene körperliche Reiz, der auf eigentümliche Art mein Grübeln unterbinden kann. Und ich empfinde diese (kurzen) Schlagsessions tatsächlich als Flucht aus der Realität, wenigstens für eine halbe Stunde. Und danach komme ich in einer anderen Realität wieder an, die mir nicht mehr so verzwickt oder grau erscheint. Das ist es ja gerade, was ich daran so schätze. Natürlich ist das nur mein ganz persönliches Empfinden, aber für meinen Herrn und mich hat es sich als Segen erwiesen ^^
      - unter Männern eine Kriegerin -
      - unter Frauen eine Dame -
      - sie steht aufrecht vor all den Anderen -
      - und kniet nur vor dem Einen -
      - weil sie es will -
      - weil sie ihm gehört -
      Ich habe lange überlegt. Und ja, auch ich kenne das Bedürfnis nach Schmerz zum Druckabbau. Als Autistin ist dieser Druckabbau oder gar Druckprävention mein täglich Vollkornbrot.
      Da ich dies aber im gesunden Maße mühsam erlernen musste und in meiner unbewussten Vergangenheit zu hochrisikobehafteten Verhaltensweisen neigte, um diesen Druck loszuwerden, sehe ich davon ab mit so einer Grundstimmung SM zu betreiben.

      Mir geht es da wie @dornenspiel. Ich möchte mit freiem Kopf in eine Session gehen, damit ich - wenn notwendig - klare Rückmeldung geben kann was die Intensität angeht und auch in der Lage bin, jederzeit unser Ampelsystem nutzen zu können.
      Ich war ein Mal nicht wirklich frei im Kopf und habe trotzdem gespielt und war hinterher sehr sehr nahe an einem Absturz, weil mein Körper mehr einstecken musste, als er ertragen konnte.
      Der Druckabbau hat sozusagen mein "normales" Level überdeckt und dementsprechend fiel dann auch die Kommunikation aus.
      Ich verlasse mich nicht darauf, dass mein Herr das jederzeit komplett erkennt und steuert. Es lag in meiner Verantwortung dann lieber nicht zu spielen. Ich habe sie zu diesem Zeitpunkt nicht wahrgenommen, weil mir der Bedarf nicht klar war.
      Nach dem langen Auffangen haben wir uns dann gemeinsam entschlossen nur zu spielen, wenn wir im Kopf vollkommen frei sind, weil alles andere unsere gegenseitige und eigene Wahrnehmung verändert.

      Der Druck ist jedoch weiterhin da, gepaart mit dem Wunsch sich in etwas federleicht fallen zu lassen und einfach mal nicht mehr denken und nicht mehr funktionieren zu müssen.
      Aber ich habe mir mittlerweile ein paar Skills angeeignet, die ohne Hochrisikoverhalten funktionieren: Wannenbäder, Meditation, Katzenstreicheln, mit Freunden sprechen oder auch einfach mit meinem Herrn kuscheln und sprechen.

      Menschen, die diesen negativen und hochrisikobehafteten Umgang mit innerem Druck nicht in ihrer Vergangenheit haben, können sicher mit SM zum Stressabbau besser umgehen und wohler dosieren.
      Als Realitätsflucht würde ich zumindest unser BDSM nicht ansehen. Wir haben es in die Realität integriert und es stellt kein Alternativangebot dazu dar.
      “Everything has been figured out, except how to live.” (Jean-Paul Sartre)
      Schmerz als Ventil zum Druckabbau kenne ich auch von mir.

      Obwohl SM in unserem Bdsm eigentlich keinen wirklich nennenswerten Stellenwert hat und mich auch nicht sonderlich erregt, eigentlich gar nicht.

      Habe ich den Kopf allerdings übermäßig voll und merke, dass das 'Fass quasi überläuft' wünsche ich mir körperlichen Schmerz um mich auf mich selbst fokussieren zu können.

      So schaffe ich es mich auf das rein körperliche Empfinden zu konzentrieren und den Kopf auszuschalten. Am Ende folgt dann ein komplettes Loslassen, was eigentlich immer mit einem heftigen Weinanfall endet. Für mich ist das ein Ventil den ganzen Druck rauslassen zu können, danach fühle ich mich ruhig, geerdet und entspannt.

      Ich brauche das nicht immer, zum Stressabbau, geht auch gar nicht und kann mich auch anders regulieren, aber es tut auch einfach mal gut, darauf zurückgreifen zu können.