Schläge, um aus der Realität zu flüchten?

      Schokolade...tröstet, schmeckt gut,ist heimelig und entschädigt für kleine Unannehmlichkeiten. Sie belohnt, hält wach und lässt mich genießen.

      Sex...erdet, hebt die Stimmung, macht Nähe und Hitze und Hochgefühl .

      Ein Buch muss gut sein, dann interessiert es mich oder lässt mich baumeln.

      Ein Bad beruhigt, wärmt und entspannt.

      Rundholz, Flogger, Gürtel, Peitschen und Co. machen, geführt von der richtigen Hand was ganz anderes bei mir und für mich.
      Wenn mein Kopf voll ist, meine Energie auf Null oder so verstreut, dass ich nichts wirklich weiterbringen kann, wenn psychischer Schmerz, Unsicherheit, innerer Widerstand und Verwirrtheit mich fest im Griff haben, dann wird's höchste Zeit für den Einsatz oben genannter Instrumente.

      Es erdet, holt mich zurück ins Hier und Jetzt. Es zentriert, powert aus und verbindet mich. Mit mir selbst und mit dem, der mich festhält und den Gürtel schwingt. Und wenn es unaufgefordert passiert, er also genau weiß/wusste, dass es JETZT gebraucht wird, zeigt das doch, dass meine Bedürfnisse wahr genommen werden. Noch ein weiterer Pluspunkt.

      Ich denke nicht, dass dies bedenklich, ungesund oder fragwürdig ist, sondern einfach EINE Option mehr in der Trickkiste mentaler Einflussnahme. Wir sind schon ein bisschen im Vorteil, die wir das erleben und entdecken dürfen...wage ich zu behaupten. :D
      Vielleicht nochmal ein Gedankenanstoß bezüglich dieser Thematik aus meiner Sicht... Für mich ist z.B. eine schöne Flogger Session nämlich oft eine Belohnung für etwas, was ich vorher gut gemacht habe, oder "geschafft" habe. Sei es aus vorherigen Teilen der Session oder tatsächlich alltägliche Dinge, wie ein doofer Arztbesuch, den ich vor mir hergeschoben hab. Es entspannt mich ungemein, holt mein Selbstbewusstsein hoch, lässt mich meine innere Mitte finden.

      Ein weiterer Aspekt ist auch, dass eine dann etwas härtere SM Session für mich schon auch Sport gleichkommt. Das machen ja auch viele, um Stress abzubauen, sich auszupowern... Daher auch für mich absolut nicht ungesund. Einfach genießen und froh sein, dass man doch so ein gutes Ventil für sich gefunden hat.
      Ich, die lächelnd im Regen steht.
      Und du, der um diesen Tanz bittet.
      Ich glaube, ich weiß, was du meinst...allerdings weiß ich nicht so recht, ob ich schon mal Alltagsprobleme mit SM ‚gelöst‘ habe :gruebel: ...

      Sowohl Alltag als auch belastende Situationen werden durch das Halten meiner eigenen Mitte reguliert. Diese eigene innere Stabilität zu halten ist mir sehr wichtig und ich habe im Laufe meines bisherigen Lebens gute Strategien entwickelt, um dies dauerhaft durchzusetzen. Nicht nur in sehr stressigen Situationen, sondern auch in Ausnahmesituationen, wie z. B. das richtige Handeln nach schweren Unfällen, unvorhersehbaren Situationen etc. bleibe ich stets ruhig. Ich behalte die Kontrolle und lasse mich nicht von Emotionen leiten - Angst und Panik sind mir fremd.
      Eine mögliche Überforderung nach einem langen Tag nehme ich auch nicht als rein körperliche Empfindung wahr; vielmehr fühlt es sich so an, als schwimmt mein Gehirn in einem Wasserglas :S . Alles ist so weit weg...Dabei ist es dann schon mal vorgekommen, dass ich um Schläge gebeten habe. Dem kommt mein Mann auch gerne nach. SM und Sex gehören bei uns allerdings fast immer zusammen - logisch, dass er meinen zuvor beeinträchtigen Kopf dabei auch mit befreit.

      Das befriedigt seinen Sadismus aber eher eingeschränkt. Weitaus erfüllender ist es für ihn/uns, wenn er meine eigene Mitte durch SM gehörig durcheinander wirbelt und meine innere Balance kurzzeitig außer Kraft setzt. Das erinnert mich immer ein wenig an ein Katz-und-Maus-Spiel ^^. Da gehört dann etwas mehr als mich erdene Schläge dazu, weil das einfach substantiell ist...und gleichzeitig auch wieder so intim, weil ich nur ihm gestatte, meine Seele derart intensiv zu berühren <3 .

      Also ja...ich kenne den Wunsch nach einem reinen Schmerzimpuls auch.
      Und nein...es stört ihn nicht, meinem Bedürfnis dabei nachzukommen. Aber sein Sadismus braucht ab und an doch noch ein ganz anderes Kaliber an ‚Futter‘ :pardon: .
      „Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst.
      So tiefen Grund hat sie.“

      Heraklit

      Black Velvet schrieb:

      Aber es klingeln auch innere Alarmglocken leise an, ob z.B. mein Kopf dann plötzlich Schläge mit Alltagsproblemen verknüpft?
      Natürlich fühle ich mich auch ohne Schläge in der Lage, mein Leben zu meistern, ich kann über alles mit meinem Mann reden, aber gelegentlich nehme ich unser SM als "Druckventil" wahr.....
      Ich bin jetzt lange um diesen Thread herum geschlichen, habe mitgelesen...
      Es kommt sicherlich auf jeden einzelnen an, wie er mit Problemen und Sessions umgeht.
      Für mich sind Sessions manchmal auch durchaus so etwas wie Therapie. Sie erden mich. Ich fühle mich anschließend wieder mehr bei mir.

      Letztes Jahr gab es z.B. so eine Situation, wie du sie beschreibst, @Black Velvet.
      Wir saßen auf der Terrasse und unterhielten uns über alle möglichen Themen. Schon den ganzen Tag hatte ich diese Unruhe in mir gespürt, die mich manchmal überfällt.
      ich war unkonzentriert und abwesend.
      Mein Sadist merkte das und fragte auf einmal: "Brauchst du Schmerz?" Und als ich mit ja antwortete, stand er auf, nahm mich an die Hand und führte mich ins Haus.
      Was folgte, war keine Session in dem Sinne. Er schlug mich so lange, bis endlich Tränen kamen und ich vor ihm lag. Dann nahm er mich einfach in den Arm. Ohne Ansprüche zu stellen.
      Danach ging es mir besser. Aber ich hatte auch ein schlechtes Gewissen ihm gegenüber.
      Wir haben anschließend darüber geredet und er hat zugegeben, dass ihn mein Anblick, als ich weinend auf dem Boden lag, schon sehr erregt hätte und er gerne weitergemacht hätte.
      Aber er wusste auch, wie es mir gerade ging und was ich brauche.
      Also hat er sich zurück genommen.
      Und das habe ich ihm sehr hoch angerechnet. Weil es in dem Moment nicht darum ging, dass er als Top die "Macht" hat, seine Wünsche durchzusetzen, sondern weil er als Mensch und Vertrauter auf mich eingegangen ist.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.
      Der Engel entscheidet recht eigensinnig, was er mit mir macht. Von meiner Stimmung hängt das so gut wie gar nicht ab. Es ist schon vorgekommen, dass er mich mehrere Treffen/Wochen in Folge nicht geschlagen hat, obwohl ich wiederholt darum gebeten hab. Nicht, weil es mir nicht gut getan hätte, sondern weil er was anderes im Sinn hatte. Irgendwann bin ich weinerlich geworden und hab angefangen, Druck zu machen. Das hat er sich eine Weile angehört und mir dann erklärt, wie der Hase läuft. Seitdem ist das Irrlicht wieder ganz klein mit Hut. :love:

      Er hat mich zwei Jahre lang so erzogen, dass ich mich jetzt auch in stressigen Zeiten recht gut selbst regulieren kann. Es ist noch Luft nach oben, und ich werd weiter an mir arbeiten.
      Es gibt Hunderte von Arten, niederzuknien und den Boden zu küssen. (Rumi)
      Das ist vermutlich eine ganz natürliche Strategie mit Stress umzugehen. Ist die stressige Situation erst mal vorbei, ist aller Stress nur noch Kopfsache. Das gedankliche Auge hängt noch in der Situation fest. Schmerz ist etwas, dass sofort die alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Plötzlich ist man nicht mehr in der Gedankenwelt sondern ganz konkret im hier und jetzt. ...und hier und jetzt ist kein Stress. Achtsamkeit und Meditation wirken auf ähnliche Weise.

      Black Velvet schrieb:

      Liebe Foris,

      mich treibt eine Beobachtung um, die ich gerade nicht so ganz einordnen kann:

      Wenn mich der Alltag sehr fordert, ich so richtig Stress in der Arbeit habe oder mich mit jemand gestritten habe, kommt in mir ein Bedürfnis nach Schmerz hoch. Dann sehne ich direkt eine Session herbei, am allerliebsten deutlich mehr SM als Sex, eine rein körperliche Empfindung.

      Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich nach einer saftigen Schlagsession so ruhig und friedlich bin, dass ich den Alltag nicht mehr ganz so unerträglich finde. Schmerzen schalten mein Denken aus, und das ist oft wie eine Flucht aus der Realität. Diese besondere Zärtlichkeit nach hartem SM kommt noch obendrauf, was ich dann auch sehr liebe und brauche.

      Aber es klingeln auch innere Alarmglocken leise an, ob z.B. mein Kopf dann plötzlich Schläge mit Alltagsproblemen verknüpft?
      Natürlich fühle ich mich auch ohne Schläge in der Lage, mein Leben zu meistern, ich kann über alles mit meinem Mann reden, aber gelegentlich nehme ich unser SM als "Druckventil" wahr.....

      Was ich unbedingt noch dazu sagen muss: mein Herr schlägt mich nie aus "niederen Beweggründen", etwa um seine eigenen Probleme zu bewältigen, einen Ehestreit zu sanktionieren oder weil er sich abreagieren müsste.

      Liebe Subs, kennt ihr diesen Wunsch?
      Liebe Doms, kommt ihr einem solchen Wunsch nach?

      Das kommt mir seeeeehr bekannt vor. Mir geht es genauso. Umso schlechter es mir geht desto größer ist mein Bedürfnis nach einer Spanking Session. Kein Lustspiel. Kein Bondage. Einfach nur Spanking bis der Damm bricht und ich alles aus mir rausheulen kann. Danach geht es mir so viel besser und ich kann mit freiem Kopf an meine Probleme ran gehen.
      Manchmal mache ich mir sorgen ob ich einen psychischen Schaden habe aber ich denke mir, solange es mir dabei insgesamt gut geht und ich keine bleibende Schäden behalte sehe ich das nicht als verwerflich an.
      Ich fege hier mal durch und berichte über meine aktuelle Erkenntnis zum Thema "Abschalten durch Schmerz" :fegen: :staubsaugen:
      Auf der gestrigen Session kamen mein Herr und ich so ins Gespräch, wie sich das mit der Lust am Schmerz bei mir im Laufe der Monate entwickelt hat. Und er stellte mir eine wirklich sinnvolle Frage: "Was genau kannst du daran genießen, wenn ich dich schlage?" Hm, da musste ich erstmal ein paar Sekunden angestrengt nachdenken :pillepalle: Und dazu sagen, dass meine masochistische Ader ein eher empfindliches Pflänzchen ist. Wo andere sich mit 100 von einer Sorte aufwärmen liege ich schon nach 15 total erledigt auf dem Boden rum und fühle mich miimiimiiiiii ^^

      Meine Antwort ist dann so ausgefallen, dass mir inzwischen der reine Schmerz zu wenig ist. Also dass er z.B. 25 ankündigt, der Hintern rot ist, brennt, dass man Striehmen sieht oder es blaue Flecken gibt.
      Vielmehr ist ein Gefühl in mir gewachsen, dass ich nach wie vor gern Schmerz hab, um meinen Kopf auszuschalten. Aber sie sind kein reiner Selbstzweck, denn der ganz entscheidende Punkt ist, dass mein Herr diesen Schmerz kontrolliert. Hoffentlich kann ich mich verständlich ausdrücken.... :bahnhof:
      Mich macht der Gedanke ruhig, dass er nach seinem Empfinden Schläge austeilt, von denen er weiß, dass ich sie a) ertrage, b) will und c) die in dieser Situation von Härte, Anzahl und Rhythmus her angemessen sind, damit ich eben abschalten kann. Also dieses Konstrukt, dass ich Kontrolle abgebe und er entscheidet, was er mit mir anstellt. Genau dieses Loslassen ist es mittlerweile für mich, das nach einem ätzenden Tag Entspannung in meinen Kopf bringt. Das hab ich mir bisher noch gar nicht so klar gemacht, aber die neue Erkenntnis gefällt mir :rolleyes:

      Sicherlich auch für ihn eine Gratwanderung, denn hellsehen kann ja keiner. Aber er ist so gut auf mich eingestellt, dass er schon daran spürt, wie ich mich bewege, meinen Kopf wegdrehe oder ein Piepserchen von mir gebe, was mit mir los ist.
      - unter Männern eine Kriegerin -
      - unter Frauen eine Dame -
      - sie steht aufrecht vor all den Anderen -
      - und kniet nur vor dem Einen -
      - weil sie es will -
      - weil sie ihm gehört -

      Black Velvet schrieb:

      Mich macht der Gedanke ruhig, dass er nach seinem Empfinden Schläge austeilt, von denen er weiß, dass ich sie a) ertrage, b) will und c) die in dieser Situation von Härte, Anzahl und Rhythmus her angemessen sind, damit ich eben abschalten kann.
      Das kann ich auch so bestätigen, weiss nur nicht ob ich so schöne Worte dafür gefunden hätte. :blumen: Mir sehr bewusst, dass ich dem Herrn mit dieser Einstellung sehr große Verantwortung aufbürde. Aber wenn Vertrauen und gegenseitiges Kennen groß genug sind, dann ist das etwas Wunderschönes und bringt einander immer noch wieder ein bisschen näher. :love:
      Eine Sub kann himmlisch lachen, göttlich verwöhnen und Paradiese schenken dem, den sie liebt :saint:
      Black Velvet

      Black Velvet schrieb:

      Meine Antwort ist dann so ausgefallen, dass mir inzwischen der reine Schmerz zu wenig ist. Also dass er z.B. 25 ankündigt, der Hintern rot ist, brennt, dass man Striehmen sieht oder es blaue Flecken gibt.

      Vielmehr ist ein Gefühl in mir gewachsen, dass ich nach wie vor gern Schmerz hab, um meinen Kopf auszuschalten. Aber sie sind kein reiner Selbstzweck, denn der ganz entscheidende Punkt ist, dass mein Herr diesen Schmerz kontrolliert. Hoffentlich kann ich mich verständlich ausdrücken.... :bahnhof:
      Mich macht der Gedanke ruhig, dass er nach seinem Empfinden Schläge austeilt, von denen er weiß, dass ich sie a) ertrage, b) will und c) die in dieser Situation von Härte, Anzahl und Rhythmus her angemessen sind, damit ich eben abschalten kann. Also dieses Konstrukt, dass ich Kontrolle abgebe und er entscheidet, was er mit mir anstellt. Genau dieses Loslassen ist es mittlerweile für mich, das nach einem ätzenden Tag Entspannung in meinen Kopf bringt. Das hab ich mir bisher noch gar nicht so klar gemacht, aber die neue Erkenntnis gefällt mir :rolleyes:

      Sicherlich auch für ihn eine Gratwanderung, denn hellsehen kann ja keiner. Aber er ist so gut auf mich eingestellt, dass er schon daran spürt, wie ich mich bewege, meinen Kopf wegdrehe oder ein Piepserchen von mir gebe, was mit mir los ist.
      Da spricht mir mal jemand aus der Seele. Ich kenne das Gefühl, wenn einem der Alltag schier zur Last wird und man sich einfach nur fallen lassen und den Kopf freibekommen will. In solchen Momenten "brauche" ich den Schmerz, um wieder runter zu kommen, abzuschalten etc. Ansonsten werde ich ernsthaft gereizt, frustriert und irgendwie laufe ich nicht mehr "rund". Mir das einzugestehen, dass ich das BRAUCHE...joah...hat mich einiges gekosten :dash: Auch der Gedanke an den Dom, dem man sich anvertraut, der genau weiß, was man braucht trägt zur Entspannung bei. :abi: Allerdings hatte ich das Gefühl bis jetzt nur bei einem, dem ich zu 100 Prozent vertraut habe. Er schaffte es immer, mich runterzuholen, mir genau den Schmerz zuzufügen, den ich brauchte und mich auch zum fliegen zu bringen. :engel:
      Mir geht es wie so einigen hier, die das teilweise so schön beschrieben haben! Eine Session erdet mich, fegt meinen Kopf frei! Ich kann loslassen, mich fallenlassen, einmal ganz abgeben. Natürlich löst es die eigentlichen Probleme des Alltags nicht, aber schafft wieder Platz und Puste, sie danach entspannter anzugehen. Der eine fährt ein paar Tage an die See, zum Wandern oder anderweitig in den Urlaub, der andere treibt Sport bis zum Umfallen oder gönnt sich einfach einen Abend mit gutem Essen, Wellness oder Ausgehen mit Freunden.... Gut ist, was gut tut manchmal! Ganz einfach! Da muss man auch nicht immer psychologisch rangehen. Was mich aber interessieren würde: ist es bei Doms auch so? Erdet euch eine Session ebenso bzw bringt sie Entspannung im Kopf? Die Verantwortung ist ja schon eine andere...

      sklvn1411 schrieb:

      Was mich aber interessieren würde: ist es bei Doms auch so? Erdet euch eine Session ebenso bzw bringt sie Entspannung im Kopf?
      Bei meinem Herrn ist das definitiv so, ja! Wir hatten das Thema erst vor wenigen Tagen nach einer kurzen Schlagsession. Er sagte, es habe ihm sehr gut getan und seinen Kopf geklärt.
      Nach ausgiebigeren Sessions (nicht nur SM) fühle er sich meistens viel leichter und freier im Kopf und habe das Gefühl, für den Rest des Tages durch nichts und niemanden mehr angreifbar zu sein. Während einer Session vergesse er alles um sich herum und sei nur noch in dieser Situation, nur noch bei mir/uns. Sowohl psychisch als auch körperlich sei es eine Art Druckabbau für ihn.
      Ich hatte das heute erst wieder, bzw. gestern abend. Da reicht bei mir sogar virtueller Schmerz, eine virtuelle Schlagsession.

      Ich war besonders stolz auf mich, hab trotz Riesenfrust und schlechter Laune die Süßigkeiten im Schrank gelassen und nur um die Session gebeten :pump:
      Die Tränen sind auch reell geflossen zum Ende hin und jetzt geh ich mit virtuellen blauen Flecken und virtuellen tiefroten Striemen am Körper ins Bett und lege dort mein reelles Halsband, meine reellen Manschetten und meine reelle Leine an und werde wie ein Baby schlafen :sleeping:

      Danke, mein Herr :huggy:
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -
      Ich gebe auch mal meinen Senf dazu....
      Ja, eine solche Session erdet mich, bringt mich zur Ruhe und inneren Frieden, fließende Tränen sind so, als spülen sie alles schlechte in mir weg, das los lassen befreit einfach und das danach kuscheln tut sein übriges dazu.
      Eine absolut schöne Zeit der Geborgenheit und der Kopf ist wieder frei, alles was mich an Gedanken vorher erdrückt hat ist vorbei und ich kann wieder durchatmen.
      Also ich habe lange zeit meine Bedürfnisse danach zurück gestellt und mir Gedanken gemacht ob es Gesund wäre diese zuzulassen...
      Dann habe ich einen Menschen gefunden dem ich mich öffnen kann und mich nicht mehr für meine Bedürfnisse schämen muss da er die gleichen besitzt.
      Nach den ersten zwei Sessions habe ich mich besser den je Gefühlt.. ich habe gemerkt wie sehr ich es brauche und wie gut es mir tut..
      Es bringt mich auf den Boden der Tatsache zurück und zeigt mir wo ich hingehöre und wo mein Platz ist.
      Da ich in meinem Job immer volle Aufmerksamkeit haben muss und sehr diszipliniert sein muss tut mir das in dem Moment super gut um los zulassen...
      Wenn der erste Schlag meine Haut berührt ist es wie als würden 1000 Lasten von meinen Schultern fallen und ich kann es kaum erwarten bis ich die nächsten spüren darf..
      Jeder weitere Schlag von meinem H&M ist Entspannung pur und erdet mich auch so wie die meisten hier...
      Es dient mir als Druckausgleich zu Job, Alltag, Familie und Stress... seit dem ich es zugelassen habe brauche ich das aber auch.. ich merke wie es mir fehlt wenn ich ein paar Wochen keine Treffen hatte und mich das auch leicht unentspannt...
      Ich würde nicht sagen das ich durch die Schläge aus der Realität flüchte sondern diese meine Realität erträglicher machen...
      Aber sie zeigen mir auch Zuneigung und Aufmerksamkeit genau wie Intimität und Verbundenheit weil das eine Sache ist die sonst keiner bei mir machen darf außer mein H&M...

      Black Velvet schrieb:

      Wenn mich der Alltag sehr fordert, ich so richtig Stress in der Arbeit habe oder mich mit jemand gestritten habe, kommt in mir ein Bedürfnis nach Schmerz hoch. Dann sehne ich direkt eine Session herbei, am allerliebsten deutlich mehr SM als Sex, eine rein körperliche Empfindung.

      Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich nach einer saftigen Schlagsession so ruhig und friedlich bin, dass ich den Alltag nicht mehr ganz so unerträglich finde. Schmerzen schalten mein Denken aus, und das ist oft wie eine Flucht aus der Realität. Diese besondere Zärtlichkeit nach hartem SM kommt noch obendrauf, was ich dann auch sehr liebe und brauche.
      Ja das geht mir als Sub ganz genau so. Wenn es mir psychisch nicht gut geht, ist Schmerz bzw. eine Session eine willkommene Möglichkeit wieder runter zu kommen und ein wenig Abstand von meinem Stress und meinen Sorgen zu bekommen. Problematisch würde es meiner Meinung nach erst, wenn ich mich davon abhängig machen würde. Wenn ich also kein anderes Mittel hätte, um mit Stress umzugehen und es mir nur durch Schläge besser gehen würde.

      Wenn ich viel Stress habe, fällt es mir eher schwer in ein Dom-Mindset rein zu kommen. Dann tut es gut Verantwortung abgeben zu können und nicht noch zusätzliche zu bekommen.

      Als Dom würde ich so einen Wunsch bei meinem Sub in den meisten Fällen bedienen. Allerdings hat jemand bei mir mal den konkreten Wunsch geäußert, von mir mit Schlägen dafür bestraft zu werden, dass er keine Freundin hat. Damit war ich zunächst überfordert und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Ich hab es nicht gemacht, weil es sich furchtbar falsch angefühlt hätte und ich bin mir auch nicht sicher, ob ihm das gut getan hätte.

      topaz schrieb:

      Für mich sind Sessions manchmal auch durchaus so etwas wie Therapie. Sie erden mich. Ich fühle mich anschließend wieder mehr bei mir.
      Das hast du gut beschrieben, das geht mir auch so. Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass BDSM mir geholfen hat negative Beziehungserfahrungen und Grenzverletzungen aus der Vergangenheit zu heilen.