Wenn der Sadismus leise ist.....

      Wenn der Sadismus leise ist.....

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      Für mich ist aus gesundheitlichen Gründen SM-technisch alles außer leichtem Spanken zur Zeit eingefroren.
      Als ich @Pat fragte, was ich dann für unser nächstes Treffen in unsere Spieletasche packen soll, meinte er, alles, was ich an ihm (!) ausprobieren möchte.

      Da bekomme ich schon die Gelegenheit, mich uneingeschränkt an ihm auszutoben...und.... hab keine Lust, ihn zu schlagen, war im absoluten Kuschelmodus gelandet, passiv und aktiv. :pardon:

      Das sagte ich ihm, aber auch, dass ich ihn fesseln und mir was einfallen lassen würde. Zur Not findet sich ja immer etwas in der Küche eines Ferienhauses...
      Einiges schwebte mir schon länger durch den Kopf, einiges fiel mir dann ganz spontan an dem Abend ein.

      Am Samstag war es dann soweit. Ich gab ihm Ohrproppen, fixierte ihn mit Manschetten und Seilen am Bett, setzte ihm die Augenbinde auf, fixierte sein Becken mit Seil (gepolstert mit einem Handtuch) auf der Matratze und durfte die Augenbinde sowie die Handmanschetten gleich wieder entfernen, weil er Panik bekam.
      Hmmmm, da schoss mir erstmal der Gedanke durch den Kopf, dass er mir wohl doch nicht so ganz vertrauen würde, wie er immer sagt :gruebel:
      (daran lag es aber nicht, den Grund erfuhr ich im Nachgespräch). Ich ging aber selbstverständlich darauf ein, fragte ihn noch nach seinem Safeword, bei dem ich alle Aktivitäten einstellen solle.
      Okay, dann eben ein Schal über die Augen gelegt und die Anweisung, dass die Hände liegenbleiben müssen. Würde er mich anfassen, wäre das Spiel vorbei.

      Dann begann der Mindfuck
      • Granatapfelöl tropfenweise aus einem Meter Entfernung auf den gesamten Körper, einmassieren (ihn in Sicherheit wiegen)
      • ein Eisbonbon im Mund und sein bestes Stück oral verwöhnen (Wirkung setzte zeitverzögert ein, erst schnurrte er noch wohlig :D )
      • die Wäscheklammern auf die Nippel (ca. 1 Jahr, nachdem sie von mir wegen eines Missgeschicks zum Tabu erklärt wurden, damit es ja nicht nach Rache aussieht!)
      • dabei den Kopfkrauler auf der Kopfhaut genutzt (um ihn von dem Nippelschmerz abzulenken)
      • Klammern nach ca. 2 Minuten vorsichtig entfernt, wieder Kopfkrauler
      • 2 schon vorbereitete Teelöffel aus dem Gefrierfach des Kühlschrankes geholt und über seinen Körper gleiten lassen
      • Temperatur der Löffel am eigenen Hals geprüft und bei Körpertemperatur zwischen Hoden und Schenkel geklemmt und dort gelassen
      • 2 Gabeln geholt, damit, ohne Spuren zu hinterlassen, über seinen Körper gekratzt, meist gleichzeitig gegengleich aufeinander zu und dann an den Fußsohlen :evil:
      • ihn mit der Fingerkuppe voll Zahnpasta anal verwöhnt (auch hier zeitversetzte Wirkung)
      • das Eisbonbon wieder im Verwöhnprogramm eingesetzt
      • 2 weitere eisgekühlte Teelöffel
      • wieder die Gabeln
      Zwischendurch fragte Pat ständig, was ich da mache, ich ließ ihn das Besteck erfühlen, am Öl riechen, ihm das Bonbon nach einem Kuss auf die Zunge gleiten,
      gab ihm etwas Zahnpasta aus der Tube in seinen Mund, ergötzte mich an den Tönen,
      die er von sich gab und an seinen, dank der Fixierung, nur ganz gering möglichen Ausweichbewegungen.

      Als er dann irgendwann bei jeder noch so kleinen Berührung, auch wenn es nur die Fingerkuppe war, durchdrehte,
      ließ ich das Spiel langsam ausklingen, massierte ihm noch auf seinen Wunsch hin die (immer noch fixierten) Füße.

      Mal ehrlich, außer den Klammern und der Zahnpasta war doch nix Sadistisches dabei oder? :engel:

      Klammern waren wegen der oben erwähnten Geschichte echt eine Gratwanderung und auch, weil die Nippel wegen des Öls total glitschig waren.
      Pat hat mir freiwillig noch zeigen wollen, wie die Klammern trotz Öl halten, war dann aber nicht nötig.
      Zahnpasta hatte ich an mir vorher noch nicht getestet, war also ein Tunnelspiel auf Risiko. :pardon:

      Für mich war es diesmal eine ganz andere Gefühlsebene als beim Schlagen, anders machtvoll, anders quälend, eher experimentierfreudig und überraschend.
      Am interessantesten fand ich seine Lautäußerungen und das Überreizt-sein am Schluss. Sogar einen Tag später war er noch am Sortieren seiner Eindrücke :D

      - Wie ist das bei euch Sadisten, wenn ihr keine Lust zum Schlagen habt? Lasst ihr euch etwas anderes einfallen oder gibt es dann auch Sessions ohne SM-Anteile?
      - Seid ihr Switcher schon mal in solch einer Situation wie ich gewesen, die Gelegenheit, den sonst überwiegend dominanten Partner zu schlagen, bekommen und nicht nutzen wollen?
      - Wie geht es euch als empfangender Part, wenn ihr euch auf Schläge freut und es kommen keine, sondern andere Aktivitäten?

      Ich freue mich auf eure Antworten :)
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Isegrim_w_devot ()

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      Interessante Frage(n)...

      Ich finde ja, man kann durchaus sadistisch handeln ohne zu schlagen. Das ist evtl. auch mal "subtiler" oder auch einfach "nur" in Form von Demütigungen oder anderen "Quälereien".
      Demzufolge finde ich es also auch sehr angenehm und reizvoll, "gequält" zu werden OHNE geschlagen zu werden. Schläge müssen nicht immer sein... also, ich finde halt, dass man es als Sub auch mal ganz gut "aushalten" kann, keine Schläge zu kassieren. ;)
      Klar ist es ärgerlich, wenn man sich auf eine Strafe und demzufolge (oder auch einfach "nur so") auf ein paar Hiebe (physischen Schmerz?) freut und dies dann nicht geschieht. Aber es geht ja auch nicht (immer nur) darum, was ich als Sub möchte. ;)
      Der Himmel dürfte aus klimatischer Sicht angenehmer sein als die Hölle.
      Allerdings vermute ich, dass die Hölle in gesellschaftlicher Hinsicht weit interessanter ist.
      - Moliere

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      Guten Morgen @Isegrim_w_devot,

      nun, ich lasse meinem Sadismus auch ohne Schlagen freien Lauf.
      Ich füge dann auch anders Schmerzen zu. Zum Beispiel habe ich ganz schwere Fuß- und Handschellen - die über längere Zeit zu tragen, ist sehr elendig, sehr schmerzvoll. Oder sub auf einem speziellen Kissen aus Kronkorken sitzen zu lassen,... oder oder oder... Wenn sub an einem Stuhl gefesselt ist, dann kann ich mein Austoben auch sehr variieren, ohne ihn zu schlagen: Tunnelspiele, auf die Füße treten, seine Hoden, sein Glied traktieren,... Es gibt sehr vieles, was ich auch ohne Schlagen machen kann.

      Wenn der Kuschelfaktor sehr hoch bei mir ist, dann verlagere ich uns ins Bett oder auf die Couch und dann läuft es ähnlich wie oben beschrieben bei euch.

      Viele Grüße
      Soultouch
      "Ich denke an Dich, an meine Markierungen, mein Dienen, mein Ausgeliefertsein - alles geführt von Dir, meiner wundervollen Rubensherrin, die jede Hemmung verliert, sich ausleben kann, es genießt und sich von ihrem Eigentum nimmt, was sie will - und das alles aus einer unendlich großen gemeinsamen Liebe zueinander...in der sich die Grenzen ständig verschieben und Tabus verschwinden..."

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      Moin Moin!
      Ich gebe dann auch mal meinen Senf dazu.
      Ich lehne es eigentlich meistens ab, eine solche Situation zu nutzen, wenn ich es darf. Es macht mir dann ganz einfach keinen Spaß.
      Dann streue ich zwar meist solche kleineren Aktionen einfach mittendrin ein, aber das wars dann auch.
      Ansonsten kann ich mich einfach 1:1 @Soultouch anschließen ^^

      liebe Grüße

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      Da ich nicht schmerzgeil bin, freue ich mich in dem Sinne ja nicht auf Schläge. Da wäre das Wort Enttäuschung jetzt irgendwie nicht die richtige Vokabel. Aber natürlich ist es eine Überraschung, wenn etwas auf dass man sich gerade mental eingestellt und körperlich eingerichtet hat, nicht oder anders kommt und Überraschungen sind immer gut :yes:
      Seitdem ich perfekt bin, hält sich meine Arroganz in Grenzen!

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      Meine Erfahrungswelt:

      Den Sadismus, den ich an mir erfahre ...ist immer leise..

      ER kommt leise mit einem Lächeln,einem Augenzwinkern...
      ER kommt sanft mit viel Fingerspitzengefühl und wird beissed,ziehend,dumpf,brennend erfahrbar...

      lässt sich nieder ,breitet sich aus...wird durch Honigsüsse abgelöst und fordert auf ein NEUES meinen Tribut -meine LUST ein...

      DIE,die nicht still sein kann...
      IHR Schmerz,der sich im Lachen wiederfindet...Gehör findet...bis....

      SEIN Wort erschallt!

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      ich finde ja Sadismus ist immer leise.......ohne Schläge......geht auf jeden Fall.
      Gerade das Kopfkino mächtig anheizen.........ohne etwas zu sehen und über die Ohren.


      Mal so den Epilierer laufen lassen.......ok...benutzen kann man den auch. :engel:

      Ein Streichholz das entzündet wird........es kommt aber Eis....

      Wartenberg......ist verschiedenen Ausführungen.....
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von newbarbie ()

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      Meine Empfindung und Gefühle:

      Es war ein spannender Abend für mich, hat meine kleine Sub doch den Samstagabend auserkoren, mich zu bespielen. Andeutungen im Vorfeld, dass sie keine Lust auf Schlagwerkzeuge und Schlagen habe. Dafür gäbe es genug, was man in der Küche finden kann. Ich war sehr gespannt und gar nicht enttäuscht, dass unsere Spielzeuge bei ihr an der Wand geblieben waren.

      Also Samstagabend gefesselt am Bett, Arme frei, mit dem Versprechen, sie nicht einzusetzen. Die Augen mit einem Schal abgedeckt, stand ich unter Spannung, malte mir aus, was sie alles tun würde. Dachte an Kochlöffel, Kerzen, Eis.

      Es wurde etwas auf meinen Körper getröpfelt. Es fühlte sich kalt an, der Gedanke schoss mir durch den Kopf: Eiswürfel, aber es war nicht lange kalt, dann kamen die Hände, rieben mich ein, es war Öl. Es kam ein Kopfmassagegerät, was mich ablenkte, dann spürte ich eisige kleine Löffel, die auf meinen Körper gedrückt wurden, auf die Nippel, den Bauch, die Brust, die Sinne spielten verrückt, ich wußte nicht, wie ich mich drehen und winden sollte, war ich doch an Bauch und Beinen gefesselt. Dann kam ein Kratzen am Bauch, an der Seite, an den Oberschenkeln, das mich verrückt machte.

      Der krasse Hammer kam, als sie mein bestes Stück verwöhnte, es erst kalt wurde, dann anfing zu brennen. Ich genoss, dann schoss das Brennen durch ihn, ich zuckte, stöhnte auf und wurde verrückt. Ich rief: Was ist das? Sie kam zu mir, küsste mich und gab mir das Eisbonbon in den Mund.

      Gleich darauf spürte ich ihre Finger an meinen Hintern, spürte ihn eindringen, es war kühl und glitschig und es fing an zu brennen. Ich stöhnte auf, zuckte und fragte gequält, ob es Ingwer ist? Es brannte, ich war dodal abgelenkt und wand mich, es wurde warm und brannte angenehmer. Sie kam wieder zu mir hoch und gab mir etwas zum Probieren. Durch das Eisbonbon schmeckte ich es aber nicht, nur die komische Konsistenz. Sie sagte belustigt, dass es Zahnpasta sei.

      Dann wieder der Kopfmassage, dann Klammern, der Schmerz schoss mir durch den Körper, zwischendurch die Frage: wie lautet das Codewort ? Ich völlig durch: Rot, Stopp, Gelb, Fanta? Ich wußte nicht genau, was ich da sagte. Erst als sie sich verbesserte und fragte, wie mein SAFEwort für den sofortigen Abbruch lauten würde, fiel es mir wieder ein.

      Dann die Erlösung. Klammern weg, Kopfmassage. Wieder Öl. Dann war die Stunde um, ich kopfmäßig und mental völlig durch und platt und voller emotionaler Spannung und ausgepowert. Aber eine geile, unerwartete und wiederholbare Erfahrung.

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Pat ()

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      Da sein Sadismus tendenziell stets größer als mein Masochismus ist, ist es noch nie vorgekommen, dass ich keinen Schmerz erfahren durfte, wenn ich es erwartet habe.
      ‚Begrenzungen‘ erfolgen daher immer durch mich im Vorfeld - häufig klage ich ihm dann schon im Alltag mein Leid und meine Wehwechen (Kopf-/Kiefer-/Rachenschmerzen oder andere Körperregionen, die mir einfach von den letzten Behandlungen noch weh tun), wenn er sie nicht vorher schon erspürt.
      Er fährt dann augenblicklich andere Antennen aus (ausgenommen sind davon Strafsituationen, die aber wirklich seltenst in solchen Konstellationen vorkommen; dafür müsste ich mir schon Schwerwiegendes geleistet haben).

      Wir können glücklicherweise unser Nähebedürfnis auch dadurch stillen, indem wir uns ganz eng und zärtlich fühlen. Er ist ja sowieso ein sehr tiefgründiger und tiefsinniger Mensch und eine seiner - für mich rein subjektiv betrachtet - besonderen Gaben ist seine Fähigkeit zu fühlen und dieses Gefühl zu transportieren. Er fühlt u.a. mit seinen Händen und versetzt mich damit empfundene Ewigkeiten in tranceähnliche Zustände, ich trete dabei richtig ‚weg‘ - völlig losgelöst von Sexualität. Es ist wie ein Schlangengift, das mich lähmt und ersetzt komplett die Leine/das Halsband. Es ist mir unmöglich, mich aus eigener Kraft aus dieser innigen - körperlichen und mentalen - Verbindung zu lösen und ich muss ernsthaft darum bitten, dass er kurz von mir lässt, damit ich mich überhaupt in Richtung Küche oder WC fortbewegen kann.
      Ich weiß nicht genau, was da passiert und ich habe es auch noch nie reell hinterfragt (Wozu auch? Es ist ja einfach nur wunderschön :love: ) ...aber es ist irgendwie eine andere Form des Fühlens, die wir alternativ auch im SM spüren. Er fühlt zum Beispiel auch mit jedem Schlagwerkzeug in seiner Hand während der Session bis in jede Faser seines Körpers - es ist wie ein Körperteil von ihm. Die Vorstellung fand ich während seiner Beschreibung schon sehr faszinierend. Das, was er so fühlt, erlebe ich spiegelbildlich.
      Das ist also eine Alternative zum SM bei uns.

      Erotisch gesehen kommen wir aber nicht ohne SM-Anteile aus (also auch nicht in meinen ‚schwachen‘ Zeiten) - dazu sind wir glaube ich sexuell schon ‚zu sehr verkrüppelt‘ (selbstironisch gemeint :D !). SM hat ja viele Facetten fernab vom gängigen Spanking. Erniedrigung, Demütigung, Atemkontrolle, Sexualpraktiken, die mir schwer fallen, usw. ...er hat da immer Ideen :rot: .
      „Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst.
      So tiefen Grund hat sie.“

      Heraklit