Plötzlich nicht mehr anonym...

      @topaz, es ging mir explizit um die Verantwortlichkeit für ein ungewolltes Outing nach einer Recherche anhand von Informationen, die in einem ganz normalen Gesprächsverlauf schon einmal ausgetauscht werden, ohne dass diese Informationen besonderes detailliert wären. Für mich bleibt so eine Recherche weiterhin grenzüberschreitend und ich werte sie als Fehlverhalten meines Gesprächspartners. Natürlich kann ich mich auf den Standpunkt stellen "selbst schuld", muss ich aber nicht...

      Über die eigene weitere online-Betätigung bleibt jedoch in der Tat nachzudenken, da hast du sicher recht.
      Hey zusammen!

      Also ganz ehrlich, nur weil es heutzutage leicht ist, jemanden zu finden, berechtigt das meiner Meinung nach niemanden, das auch zu tun. Ich glaube nicht, dass alle FB, Whatsapp oder sonstige Nutzer genau wissen, wie sie sich möglicherweise outen oder schützen können. Es ist ein Rechtsstaat...natürlich muss ich mein Fahrrad absperren um zuverlässig zu verhindern, dass es jemand klaut, trotzdem gebe ich niemandem das Recht es zu klauen, wenn ich das nicht tue. Er hat die Entscheidung gefällt und gehört bestraft. Ist in meinen Augen sonst Humbug, Gesetze aufzustellen.

      Erstens...Wenn mir jemand "versehentlich" verrät, wo er wohnt oder arbeitet, weise ich den diskret drauf hin und meistens merkt man schnell, wie wichtig Privatsphäre demjenigen ist. Google kann 10mal wissen, wer er ist, wenn er's mir nicht sagen will, hab ich das zu respektieren.

      Zweitens....Es herauszufinden, absichtlich oder nicht heißt noch nicht gleich, es zu veröffentlichen. Wer sowas tut, hat eher keinen Genierer. Dem würde ich mit rechtlichen Konsequenzen kommen.

      Dasselbe gilt für Leute, die Infos hinter meinem Rücken verbreiten...geht gar nicht. Gerade im Bereich BDSM können Job und Reputation schaden nehmen. Soziales Umfeld könnte ebenfalls schlimm angekratzt werden. Ich möchte nicht auswandern müssen, weil ich mich nicht mehr ohne Spott im Umfeld bewegen kann.

      Talara schrieb:

      Kinners, es gibt nix mehr anonymes. Schminkt Euch das ab. Dann müsste man ohne Handy und PC auskommen müssen. Und das will niemand.

      Von daher ist die Beschaffung von Daten ein Kinderspiel.
      Kinners, mit zwei Handynummern und nichtsynchronisierten Geräten geht es sehr wohl. Lasst euch nicht terrorisieren ;) es ist sehr einfach, auf seine Daten aufzupassen, wenn man nicht alles vernetzt, teilt und synchronisiert, was man in die Hand nimmt.

      topaz schrieb:

      cogitem schrieb:

      Das mag sein Topaz, aber für den einen hat so ein ungewolltes Outing unter Umständen mehr Konsequenzen als für den anderen... oder ich werde langsam einfach nur paranoid...
      Ich weiß es nicht. Welche Konsequenzen kann es denn haben? Was ich in meiner privaten Zeit mache, geht doch niemanden etwas an und hat keine Auswirkungen auf meinen Job.
      Dann bist du kein Pfleger, Erzieher, Arzt, Lehrer, Sporttrainer,Pädagoge, Schulbegleiter, Polizist, Richter, Schulbusfahrer, Pastor, Psychologe... Oder arbeitest in sonst einem Beruf, in dem Leute ihre Kinder oder schutzbedürftigen Angehörigen dir anvertrauen, richtig? Die wollen oft keinen Sadisten allein mit ihrem Opa lassen oder eine devote Frau als Vorbild für ihre Tochter. Oder jemanden, der sich anpinkeln lässt, als Prediger. Da macht man all das lieber privat und anonym.

      Tinili schrieb:

      Dann bist du kein Pfleger, Erzieher, Arzt, Lehrer, Sporttrainer,Pädagoge, Schulbegleiter, Polizist, Richter, Schulbusfahrer, Pastor, Psychologe... Oder arbeitest in sonst einem Beruf, in dem Leute ihre Kinder oder schutzbedürftigen Angehörigen dir anvertrauen, richtig? Die wollen oft keinen Sadisten allein mit ihrem Opa lassen oder eine devote Frau als Vorbild für ihre Tochter. Oder jemanden, der sich anpinkeln lässt, als Prediger. Da macht man all das lieber privat und anonym.
      Nein, bin ich nicht.
      Ich bin ein Mensch, der am normalen sozialen Leben teilnimmt.
      Egal, ob schwul, lesbisch, Masochistin, Sadist, Mensch mit psychischen Erkrankungen, Alkoholikerin usw.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.
      Das sind aber viele Satzzeichen ;)

      Aber ja, für die meisten Pfleger, Lehrer, Ärzte, Pastoren, Schulbusfahrer, Richter etc etc hat ein schwuler Partner weniger negative Auswirkungen als BDSM. Aber ganz ehrlich, das überrascht dich nicht wirklich. Das ist pure Rhetorik. Ich verstehe nicht, was genau du damit bezweckst, aber irgendworauf zielst du ab. Sag es doch einfach direkt, damit man zum Thema zurückkehren kann.

      Tinili schrieb:

      Ich verstehe nicht, was genau du damit bezweckst, aber irgendworauf zielst du ab. Sag es doch einfach direkt, damit man zum Thema zurückkehren kann.
      Es waren genau 3 Satzzeichen.
      Ich bezwecke gar nichts damit. Und ich bin im Thema.
      Ansonsten: Alles weitere gerne per PN, damit du nicht weiter OT bist.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.
      Im Fall A käme es darauf an, mit welcher Motivation der/diejenige das tut. Um ein Druckmittel gegen mich zu haben oder im schlimmsten Fall sogar eine Erpressung vorzubereiten? Oder aus ehrlicher Sorgen, um mich darauf hinzuweisen, wie unvorsichtig ich mit meinen persönlichen Daten umgegangen bin?

      Fall B fände ich praktisch unentschuldbar, denn wer sich lieber auf das verlässt, was Dritte ihm erzählen statt sich darauf zu verlassen, was ich selbst von mir preisgebe, der hat anscheinend ein Vertrauensproblem - und das ist ganz bestimmt keine Voraussetzung für Freundschaften oder Partnerschaften jeder Art. Wer etwas von mir wissen möchte, kann ich mich jederzeit fragen. Und wenn ich über bestimmte Dinge (noch) nicht sprechen möchte, dann gehe ich davon aus, dass das bei ehrlichem Interesse respektiert wird.

      Zum Thema ungewolltes Outing: Selbst wenn mich jemandem bei meinem Arbeitgeber outen sollte, bin ich recht zuversichtlich, dass mir dadurch kein Verlust meines Arbeitsplatzes drohen würde. Ich arbeite im Büro eines großen Industrieunternehmens, ohne Kundenkontakt, ohne Verantwortung für Schutzbefohlene und bin auch kein Geheimnisträger im engeren Sinn. Trotzdem wäre es mir natürlich sehr unangenehm und ich würde auf jeden Fall über rechtliche Schritte nachdenken.
      Ich hatte es so verstanden, dass es in dem ET nicht um spezifische Berufe bzw. Neigungen geht.
      Sondern wie man grundsätzlich damit umgeht, dass andere übers Internet Informationen bekommen kann, die man selbst vielleicht nicht preisgegeben hätte.

      Ich sehe es ähnlich, wie @Talara, sobald ich mich im Internet begebe, muss ich damit rechnen, das ich geroutet werde.
      Da ist sind mein Beruf und auch meine Neigung, meine Ambitionen oder auch meine Krankheiten usw. völlig irrelevant.

      Was bleibt? Ich ziehe mich konsequent zurück, gebe nirgends mehr online Informationen über mich preis.
      Weder auf Online-Foren, Online-Shopping, Online-Banking usw.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.
      Nehmen wir an, jemand aus meinem beruflichen odervsozialen Umfeld glaubt, mich im Internet, beim Betreten eines einschlägigen Clubs gesehen oder sonstwo im Zusammenhang mit BDSM gesehen zu haben, und verbreitet das, outet mich also. Mein Ruf nimmt dabei Schaden.

      Wäre das ein Straftatbestand? bzw unter welchen Bedingungen? Üble Nachrede ist es ja nicht, weil es ja schon der Wahrheit entspricht.

      Gäbe es in so einem Fall Möglichkeiten, mich zu „wehren“ bzw juristisch dagegen vorzugehen?

      "Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht".
      ~ Jean-Paul Sartre ~

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Poetin ()

      Das Thema hat mir durchaus auch schon Bauchweh bereitet. Wir hatten mal einen Fall, da hat ein Lehrer in seiner Freizeit Paintball gespielt. Irgendwann ist jemand aus dem Elternbeirat darauf gekommen und mehrfach an die Rektorin der Schule herangetreten, was denn ein Waffennarr an einer Grundschule zu suchen hätte. Da hat @Tinili schon recht, in manchen Berufen ist der Freizeitspaß eine durchaus sensible Information.

      Andererseits haben es auch schon viele erwähnt: wirkliche Anonymität gibt es kaum noch. Irgendwo habe ich mal einen Artikel über eine Forschungsdatenbank in Amerika gelesen. An die 80.000.000 anonymisierte Datensätze über Behandlungen. Es muss erschreckend einfach gewesen sein, die Daten zuzuordnen. Verstauchter Knöchel am 23.03.2011, Kind entbunden am 01.08.2014, schon bleiben selbst bei solchen Datenmassen nicht mehr viele Datensätze über.

      Ansonsten kann ich dem nicht mehr viel hinzufügen. Wer mir damit böses will, der kann das vermutlich auch. Und auch dritte, die meine Daten weiter geben, würde ich nicht mehr zu meinen Freunden zählen wollen.
      "And all those exclamation marks, you notice? Five? A sure sign of someone who wears his underpants on his head."
      -Terry Pratchett, Masquerade
      Fall A: ... damit muss ich rechnen... lässt sich vermutlich kaum verhindern.
      Die Frage ist, was will jemand mit den Informationen? Ist das absehbar, richte ich danach meine Reaktion aus.

      Fall B: ... auch damit muss ich in gewisser Weise rechnen... „oiver anner Leuens“ ist für manche Menschen angeborene erste Fremdsprache. Da muss ich drauf achten, was ich anderen preisgeben will, oder ob ich den Menschen, denen ich sensible persönliche Informationen gebe, vertrauen kann.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von jg72 () aus folgendem Grund: Ausbügeln kleiner Fehler...

      für mich wäre entscheidend welche Absicht denn dahinter steckt.

      Fall A - kann passieren.... :pardon: - welche Daten ich von mir wie preisgebe darüber muss ich mir selbst Gedanken machen. Und - Daten zusammenführen ist ja nicht verboten.

      Fall B - nunja.....mir fällt da dieser Satz ein: ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich ganz ungeniert....

      was andere Personen von mir wissen und welchen Eindruck ich da hinterlassen habe .....nur das kann ja erwähnt werden...

      Für mich kämen Sanktionen nur in Frage wenn es da sowas wie "Missbrauch" - üble Nachrede oder ähnl. gäbe.......
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      Also Fall B ist für mich indiskutabel und zwar auch unabhängig vom BDSM. Ich hab schon Freunde sehr klar zurecht gewiesen, weil sie meine Handynummer im Sportkontext ungefragt weiter gegeben haben. Ja wenn man , also Hacker o.ä. etwas von Dir wissen wollen, dann ist es ein leichtes, aber trotzdem ist es eine Unverschämtheit wenn jemand deshalb meint er dürfe mit meinen Daten und Informationen zu meiner Person machen, was er will. Ich habe kein Problem mit BDSM und vielem anderen trotzdem geht es meine Mitarbeiter einen feuchten Dreck an. Und ja ich glaube auch, dass das Auswirkungen auf das berufliche Umfeld haben kann.
      Catch me if you can...
      Kurz und bündig, weder A noch B würden mich wirklich in irgendeiner Form anheben. Dafür bin ich einfach zu alt.
      Und ja, ich war 8 1/2 Jahre lang in der Seniorenpflege tätig und ich wurde nicht gesteinigt. Wussten aber auch nicht alle von meiner Neigung ^^
      Ich -b.z.w. wir- drängen die Tatsache, das wir BDSM leben niemandem auf, aber wir verheimlichen es auch nicht. Damit entfällt natürlich schon mal jede Form von Druck, die über Version A oder B ausgeübt werden könnte.
      Dein Körper liegt vor mir im Staub. Aber mein Herz kniet vor deinem Herz. Und wir beide wissen es.

      Tinili schrieb:

      Kinners, mit zwei Handynummern und nichtsynchronisierten Geräten geht es sehr wohl. Lasst euch nicht terrorisieren es ist sehr einfach, auf seine Daten aufzupassen, wenn man nicht alles vernetzt, teilt und synchronisiert, was man in die Hand nimmt.
      Mein Job war es jahrelang Leute ausfindig zu machen, die keine Kohle zahlen wollten. Ich habe auch die gefunden, die weder bei FB, Insta oder sonstwo waren.
      Ihr glaubt gar nicht, was alles im Netz steht und welche Möglichkeiten man da hat.

      Seit bitte nicht so blauäugig und glaubt, ihr wärt nicht auffindbar.

      Books schrieb:

      Talara schrieb:

      Kinners, es gibt nix mehr anonymes. Schminkt Euch das ab. Dann müsste man ohne Handy und PC auskommen müssen. Und das will niemand.

      Von daher ist die Beschaffung von Daten ein Kinderspiel.
      wenn jemand in deinem Umfeld Deine Telefonnummer hat, und bei Facebook und co ist, bist du auch nicht mehr anonym.

      Ich habe damit kein Problem. Ich bin BDSMler und stehe dazu. Das ist der Unterschied. Dass das nicht jeder aus Gründen kann, ist eine andere Sache....
      Dein freier Wille ist alles, was für mich zählt 7.7.2019

      Tinili schrieb:


      Dann bist du kein Pfleger, Erzieher, Arzt, Lehrer, Sporttrainer,Pädagoge, Schulbegleiter, Polizist, Richter, Schulbusfahrer, Pastor, Psychologe... Oder arbeitest in sonst einem Beruf, in dem Leute ihre Kinder oder schutzbedürftigen Angehörigen dir anvertrauen, richtig? Die wollen oft keinen Sadisten allein mit ihrem Opa lassen oder eine devote Frau als Vorbild für ihre Tochter. Oder jemanden, der sich anpinkeln lässt, als Prediger. Da macht man all das lieber privat und anonym.

      Was passiert denn, wenn du Psychologe bist?