Machtspiel Kommunikation

      Machtspiel Kommunikation

      Sanft_wie_Hart schrieb:

      Und um ins (SM-) Gespräch zu kommen stelle ich mir immer wieder die gleiche Herausforderung: Geist und Sprache! Herrlich!
      Inspiriert durch diesen Satz im Thread "Wie wichtig sind euch Körpermarkierung ..." von @Kirie Omega komme ich von der Körpermarkierung zur Kommunikation.
      So kann's gehen. :pardon:

      Für mich ist auch Kommunikation ein Machtspiel, das ähnlichen Mechanismen folgt, wie bdsm:
      • Führung und Folgschaft
      • "Fesseln" des Gegenübers
      • beherrschen / beherrscht werden / begehren, nicht beherrscht zu werden
      • generieren von Macht / ausüben von Macht / Macht willentlich übertragen / Machtlosigkeit / Ohnmacht
      • Jemanden dazu bringen, etwas zu tun, was er / sie sonst nicht getan hätte
      Wie seht Ihr das? Ich freue mich auf Eure Ansichten.
      Liebe Grüße, grace

      P.S.: Ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass ich beruflich in der Kommunikation zuhause bin, oder? :D
      Man kann einen Menschen nichts lehren; man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.

      (Galileo Galilei)
      Oh ja, die Sprache ist ein sehr subtiles Werkzeug! Beispielsweise haben mein Freund und ich eine Art Code auf der sprachphilosophischen Ebene: Im alltäglichen Leben bin ich "Jess" - stolz, selbstständig und -bewusst, freiheitsliebend, "normal" etc. ... Wenn es jedoch zur Session kommt, oder als Warnung, dass etwas in dieser Richtung passieren könnte, nennt er mich "die Jess" und signalisiert so, dass ich zum Objekt degradiert bin bzw. werden könnte - zum Pet, geknebelt, fixiert etc ... . Der bestimmte Artikel ist eine Art Schalter - ähnlich wie ein Collar - und macht den Unterschied.
      Ich hatte auch einmal einen Online-Dom, der verlangte, dass ich meinen Namen klein schreibe - also z.B. jessica -, als Zeichen meiner Submission. Selbstverständlich schrieb er meinen Namen ständig klein, seinen hingegen mit großem Anfangsbuchstaben ...
      ~x~Suchst du dich selbst, so suche draußen in der Welt. Suchst du die Welt, so suche in dir selbst~x~

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jazy ()

      Herzlichen Dank für diesen schönen Thread und das spannende Thema :blumen:
      Eine Welt ohne gute Kommunikation, sei sie verbal, schriftlich oder körpersprachlich mag und kann ich mir nicht vorstellen.
      Nicht nur weil es im Beruf mein wichtigstes Handwerkszeug ist. Sie macht einfach Spaß und Freude. Schlechte Kommunikation hingegen bewirkt bei mir, dass ein 2 Minuten-Gespräch sich wie endlose, quälende Stunden anfühlt.

      Ich sehe Kommunikation und die Macht der Sprache und Gestiken natürlich auch als Machtinstrument. Eine der bekanntesten Aussagen zum Thema Kommunikation kommt ja vom Psychologen Paul Watzlawick. „Man kann nicht nicht kommunizieren“.

      Jeder Mensch kommuniziert mit anderen. Ständig.

      Habe ich keine Lust mich zu unterhalten und schweige, ist auch das bereits Kommunikation.

      Ich z.B. liebe die langen Gespräche mit meiner Sub. Keine Langeweile die sich einstellt. Über alles, auch die absurdesten Themen sprechen zu können. Ja, ich liebe besonders dann die Feinheiten. Die Pause an der richtigen Stelle zu machen, die Stimme zu modulieren, leise zu sprechen, gerade wenn ich ihre Aufmerksamkeit steigern möchte. Wundervolle Werkzeuge. Richtig eingesetzt.

      Und natürlich zuzuhören. Denn Kommunikation besteht ja nicht nur aus dem sprechen, sondern in erster Linie dem aktiven zuhören. Meine Sub lesen zu können. Sie mit ihren eigenen, verborgenen Gedanken zu überraschen. Mmmhhh. Göttlich.

      Ich bin übrigens der Meinung, dass viele Bücher zum Thema Kommunikation neu geschrieben werden sollten, da die Kommunikation per Mail, WhatsApp oder was auch immer stark zugenommen hat und eigenen, ganz neuen Regeln unterliegt. In einer Fernbeziehung ist es doch wichtig, den geschrieben Text richtig zu interpretieren. Nicht nur das, was geschrieben wurde sondern wie es geschrieben wurde. Abweichungen zu erkennen. Teilweise an einer geänderten Interpunktion. Lesen zu können, ob Sub traurig, fröhlich, erregt ist. Unabhängig von den geschriebenen Worten.

      Neben den langen Gesprächen gibt es die klaren Anweisungen. Kurz. Auf den Punkt. Diese müssen keineswegs verbal geäußert werden. Ein Blick, eine Geste. Sind beide eingespielt, die Puzzleteile verschmolzen, sind Worte oft überflüssig. Dies benötigt übrigens keineswegs Jahre. Interesse ist viel wichtiger.

      Kommunikation manipuliert. Ja. Sich dagegen zu wehren ist sehr schwierig. Betritt ein dominanter Mensch den Raum, merken dies die Anwesenden und reagieren entsprechend. Sind also bereits manipuliert.

      Strahlt der Mensch Unsicherheit aus, wird auch dies wahrgenommen und die Reaktionen sind entsprechend. Alles noch bevor der erste Satz gefallen ist.

      Wenn ich mich mit befreundeten Subs über "unglückliche Treffen" unterhalte stellen wir immer wieder fest, dass Kommunikation entweder gar nicht oder nur sehr reduziert stattgefunden hat. Es endete dann meistens in einem Hau-drauf oder Rein-raus Spiel. Wobei es auch da sicher eine Zielgruppe gibt. Es gehören ja immer mindestens zwei dazu.

      Liebe Grüße und einen schönen Sonntagabend noch.
      Der Herr ^^
      „Unterwerfung ist ein Geschenk, geboren aus der Stärke, genährt durch Vertrauen, erhalten durch Respekt und Achtung."
      Sokrates
      @DerHerr Da ich seit gut einen Jahr in einer Fernbeziehung lebe und der Handy-Empfang bei meinem Freund am Bodensee grottig ist, kann ich deiner Erläuterung nur zustimmen. Gerade das "Zwischen den Zeilen lesen" - egal ob in eine E-Mail, einem "analogen" Brief und in einem privaten Chat - wird so unheimlich wichtig und muss auch etwas geübt sein. Es ist ja eigentlich der subtile Austausch, der in einer Beziehung - eigentlich in jeder menschlichen Interaktion! - wichtig ist und der uns am meisten bewegt.
      ~x~Suchst du dich selbst, so suche draußen in der Welt. Suchst du die Welt, so suche in dir selbst~x~
      @DerHerr:

      DerHerr schrieb:

      Herzlichen Dank für diesen schönen Thread und das spannende Thema :blumen:
      ....
      Ich bin übrigens der Meinung, dass viele Bücher zum Thema Kommunikation neu geschrieben werden sollten, da die Kommunikation per Mail, WhatsApp oder was auch immer stark zugenommen hat und eigenen, ganz neuen Regeln unterliegt. In einer Fernbeziehung ist es doch wichtig, den geschrieben Text richtig zu interpretieren. Nicht nur das, was geschrieben wurde sondern wie es geschrieben wurde. Abweichungen zu erkennen. Teilweise an einer geänderten Interpunktion. Lesen zu können, ob Sub traurig, fröhlich, erregt ist. Unabhängig von den geschriebenen Worten.
      An dem Punkt kann ich Dir nur zustimmen.... :yes: Das ist leider eine Kunst, die mein Dom leider überhaupt nicht beherrscht. Und die fehlenden Aspekte von Kommunikation wie Stimme, Tonfall oder Mimik rauben unglaublich viel....

      Was ich übrigens ganz furchtbar finde - Schweigen als Kommunikation einzusetzen. So schön ich Schweigen finde, wenn ich mich für ein paar Tage an einen besonderen Ort zurückziehe - so furchtbar kann es sein, wenn Sub in der Verunsicherung nur auf zwei blaue Haken schauen kann und die Antwort bleibt aus.......
      So eine Code Sprache kenne ich auch Jazy, aber bei uns ist die Kurz- bwz. Langform des Namens der Unterschied. Das geht aber noch ein bisschen weiter, zum Beispiel wird "ich finde" zu "mache" wenn wir unter Leuten sind. Wenn ich also sage "du solltest x nicht machen", "ich halte x für keine gute Idee" oder was auch immer ist es ihre Entscheidung. Sage ich aber "ich finde x ist keine gute Idee" ist es immer ein Befehl.

      Noch was das in die Richtung geht ist, das sie es mag mich draußen zu reizen, im Sinne von "wir sind nicht allein, du kannst es also nicht durchsetzen". In so einer Situation tue ich immer so als wäre nichts, aber erwähne unauffällig eine Strafe. Also sie holt sich zum Beispiel wenn wir mit Freunden weg sind irgend ein extrem süßes Getränk was sie nicht darf, was ihr nicht mal sonderlich schmeckt, und ich sage dann sowas wie "ach das erinnert mich an dieses Zeug das wir getrunken haben, auf dieser einen Party an dem Wochenende vor drei Monaten, wie hieß das nochmal?" und nur sie und ich wissen das es in der Nacht, nach dieser Party eine Strafe gab.

      Ich liebe diese Form von unauffälligem hin und her spielen unter Leuten.

      Alleine ist das was anderes. Ein Wechsel der Stimmlage ist ausreichend um die ganze Situation sofort in eine Ds Situation zu verwandeln.
      Vergiss was du vergessen kannst, das was übrig bleibt ist wirklich von Bedeutung.

      DerHerr schrieb:

      Ich sehe Kommunikation und die Macht der Sprache und Gestiken natürlich auch als Machtinstrument.
      Absolut.
      M.E. stellt Kommunikation per se einen Machtraum dar, den alle Beteiligten betreten.
      Aber wie äußert sich in diesem Machtraum Herrschaft? Was verleiht Herrschaft? Wie wird Macht generiert?
      Ist es nur die Kraft des besseren Arguments?
      Man kann einen Menschen nichts lehren; man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu finden.

      (Galileo Galilei)

      grace schrieb:

      Was verleiht Herrschaft? Wie wird Macht generiert?

      Ich glaube, Macht entsteht erst durch den passenden Gegenpart.

      Wenn ich mit einem dominanten Mann in Kontakt trete, hat er noch lange keine Macht über mich. Die kann nur derjenige über mich haben, der meine Art der Devotion anspricht und dem ich (deswegen) Macht über mich zugestehe.

      (Ganz vereinfacht ausgedrückt. ^^ )
      Mist, eigentlich wollte ich nur kurz ins Forum, und bin dann bin ich auf diesen tollen Thread gestoßen.

      Hallo zusammen,

      zuerst möchte ich um Entschuldigung bitten, dass ich die bis dato vorhandenen Beiträge (der späten Zeit geschuldet) nur überflogen und daher nicht verinnerlich habe.

      Ich beziehe mich jetzt mal zuerst auf den Bereich einer Session. Hier halte ich die Kommunikation für extremst wichtig . Sei es verbal, durch Körpersprache oder andere Signale.

      Der aktive Part und der passive Part leben ja von der Kommunikation. Der Kommunikation, die sie miteinander haben.

      Durch die Kommunikation wird entweder Stimulation kommuniziert oder eben Signale, die in die entgegengesetzte Richtung gehen.

      Zur Kommunikation außerhalb BDSM

      Zum einen existiert ein Machtgefälle zwischen Chef und Untergebenen. Ein Autoritätsgefälle.
      Das muss aber nicht automatisch heißen, dass in der verbalen Kommunikation zwischen diesen beiden ein Machtgefälle bestehen muss!

      Mir ist bekannt, dass es Kurse gibt zum Thema "Gewaltfreie Kommunikation".
      (Nicht im Sinne von körperlicher Gewalt) :)

      Paul Watzlawick (Man kann nicht nicht kommunizieren) wurde schon erwähnt.

      So, gute Nacht.

      Liebe Grüße

      DominusBremen