„Latex, Gummi, Masken...“ oder: wie alles anfing

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      „Latex, Gummi, Masken...“ oder: wie alles anfing

      „Latex, Gummi, Masken...“ oder: wie alles anfing

      Man entwickelt sich. Man wird in diese Welt geworfen, ist Kleinkind, Kind, Jugendlicher. Schließlich Erwachsener. In dieser Zeit lernt man sich selber kennen. Lernst, dass man sich selber nicht los wird. Und das man sich doch immer weiterentwickelt, es immer wieder Neues zu entdecken gilt. Aber das man andererseits auch Anlagen in sich trägt, die man nicht los wird, die man akzeptieren und leben sollte.

      Seit 2016 war ich mir sicher. Mein inneres Outing vollzogen, ich wusste, dass alles, was im mir schlummert, in Ordnung ist. Mehr als das: es ist umsetzbar für mich. Es gibt passende Gegenstücke für mich, ich kann, ja ich sollte mich entsprechend öffnen und mutig sein. Ich ging auf erste Stammtische, wurde auch hier in der Com und im Forum aktiv. Ich knüpfte erste Kontakte, probierte mich aus. Schließlich lernte ich mein Gegenstück, meine sub kennen...
      Doch zurück zum Anfang....

      Manches sitzt tief... In den 70er-Jahren lief die Kinderserie „Flipper“ im Fernsehen. Festgesetzt hatten sich damals schon Taucher in ihren engen Anzügen, die noch dazu aus Flaschen atmeten. Es hatte etwas, ich weiß nicht mal zu sagen was. Etwas sexuelles kann es nicht gewesen sein, dafür war ich zu klein. Es war einfach ein sehr schönes Gefühl, es zu sehen.

      Später dann andere, kleine Episoden: in der Grundschule Besuch bei der freiwilligen Feuerwehr des Dorfes. Ein Feuerwehrmann demonstriert ein Atemschutzgerät.
      Als Kind und Jugendlicher war ich in einem Schwimmverein aktiv. Es gab da so enge Latexbadekappen. Diese hatten irgendwie etwas magisches, als Jugendlicher zog ich mir solche Kappen manchmal unter der Dusche an.
      In einem Oberstufenchemiebuch gab es ein Foto von einer Bademeisterin, die geschützt durch eine Gasmaske eine Chloranlage überprüft.
      Später musste ich im Rahmen eines Praktikums Latexhandschuhe tragen, damit dann Gegenstände putzen. Es gefiel mir.

      Das lief so bis Mitte der 90er-Jahre, immer mit Unterbrechungen. Es war halt da, aber nichts, womit ich mich besonders auseinander setzte. Es gab da für mich kein Internet, SM hieß in den Boulevard-Medien „Sadomaso“ und hatte eher etwas bedrohliches für mich. Darüberhinaus war ich ohnehin ein eher schüchterner Spätentwickler, an einen Austausch mit anderen war für mich gar nicht zu denken.

      Ende der 90er/Anfang der 2000er etablierte sich immer mehr das Internet. Ich hatte nach dem Studium meine erste eigene Wohnung. Stieß auf entsprechende Homepages mit Bildern, die mich nicht mehr losließen. Auch auf damalige BDSM-Seiten. Die Seiten des „Datenschlag“ habe ich mit großem Interesse verschlungen, mich eingelesen. Blieb dann aber innerlich an einem Punkt stehen... in mir verwurzelt war ein „Das ist cool für die Leute, die es betrifft, aber das bis nicht Du.“ Mein Innerstes akzeptierte nicht, mein inneres Outing blockierte. Hatte erste, kurze Vanilla-Beziehungen, aber dort kam ich gar nicht auf die Idee „sowas“ anzusprechen.
      Zwischendrin kaufte ich für mich selber erste Latexsachen auch Gasmasken die ich dann aber wieder schamhaft wegwarf. Zuletzt gab es eine solche eine Episode, als ich 2005 mit meiner Exfrau zusammenkam und zusammenzog.

      Diese Beziehung war, ohne dass ich hier auf Einzelheiten eingehen will, schwierig und schädlich. Meine Sexualität blieb bei Vanilla stehen, offene Kommunikation kannte ich nicht. 2014 kam es zur Trennung und später Scheidung.

      Ich fand erst danach tiefer zu mir selbst. Zunächst auf dem Erotik-Teil eines Chatservers, rein virtuell. Dachte mich ein. Chattete mit devoten Frauen. Probierte mich da aus. War in der Phase eher der Typ „Virtueller-Dumm-Dom“ ohne Plan von irgendetwas. Aber ich merkte: es ist ernst. Für die Chatpartnerinnen, für mich. Bis mir dann 2016 ein Kontakt klarmachte: „Warum lebst Du es nicht? Was hast Du zu verlieren? Du bist doch so?“

      Ja, warum nicht? Ich war frei. Ich war endlich klar. Meine „Schere im Kopf“ war plötzlich weg.
      Ich war bei mir angekommen. Bestellte mir Bücher, sog wieder so ziemlich alles Theoretische auf, was ich ansonsten im Netz finden konnte (Kopfmensch halt!). Ging meine ersten, noch unbeholfenen Schritte in der Realität....

      .... und: es funktionierte! Erkundete meine dominante Seite, entdeckte meine sadistische Seite. Diese zu akzeptieren war der letzte Punkt. Zu verstehen, ich kann, ich darf, es ist ok, Schmerzen zuzufügen, wenn meine Partnerin zustimmt. Das es mir Lust und Befriedigung bringen kann.

      Schließlich bin ich angekommen. Ich habe meine @Petite Ange als sub angenommen. Wir führen mittlerweile eine sehr enge D/s-Beziehung. Wir schaffen es, was im Rahmen einer Fernbeziehung nicht einfach ist, 24/7 für uns lebendig zu gestalten. Und das im Rahmen einer monogamen Partnerschaft, Grundlage ist für uns Exklusivität und Treue.

      Meine dominante Seite entwickelt sich stetig weiter, so wie auch ihre Hingabe. Beides sind für uns die beiden Seiten einer Medaille. Es ist immer da, mal leise, mal deutlich.

      Hierdurch können wir sehr weit gehen. Sie teilt meine Fetische, war schon zum Anfang sehr neugierig und aufgeschlossen. An ihren Reaktionen spüre ich deutlich, dass das etwas echtes ist, nichts, dass sie nur mir zuliebe macht.

      Wir sind angekommen! Und es liegt noch eine lange, spannende Zukunft vor uns...
      vielen Dank für Deinen Einblick! Mich würde interessieren, wie sich Dein Latex Fetisch ( ich nenne es mal so) weiter entwickelt hat, weil Du es ja an Dir selber als reizvoll empfunden hast. Ich würde mich freuen, wenn Du vielleicht über diesen Part noch erzählen würdest, wie er sich kombiniert mit Deinem BDSM ( das muss ja nicht immer miteinander zusammen hängen) und was es für Dich bedeutete es auf Deine Sub zu übertragen, rein von der emotionalen Entwicklung ^^ :blumen:

      Viva schrieb:

      vielen Dank für Deinen Einblick! Mich würde interessieren, wie sich Dein Latex Fetisch ( ich nenne es mal so) weiter entwickelt hat, weil Du es ja an Dir selber als reizvoll empfunden hast. Ich würde mich freuen, wenn Du vielleicht über diesen Part noch erzählen würdest, wie er sich kombiniert mit Deinem BDSM ( das muss ja nicht immer miteinander zusammen hängen) und was es für Dich bedeutete es auf Deine Sub zu übertragen, rein von der emotionalen Entwicklung ^^ :blumen:

      Es hängt zusammen und es lässt sich perfekt kombinieren. Vielmehr sind meine Sexualität, mein Fetisch und mein BDSM alles Facetten meiner Persönlichkeit, ich kann und will es gar nicht trennen. Es geht fließend ineinander über.

      Unser gelebter BDSM ist sehr vielseitig. Grundlage ist das 24/7-Machtegfälle. Sexualität kann komplett in Latex stattfinden aber auch komplett ohne. Meine Lust hängt definitiv nicht nur vom Fetisch ab, aber er ist ein Teil von mir, der immer wieder einfließt. Auch Masken kommen immer wieder zum Einsatz. Teilweise tragen wir beide entsprechende Sachen, teilweise nur sie.
      Noch dazu macht unser D/s weit mehr aus als das Sexuelle, wir leben es im Alltag, es gibt uns beiden Sicherheit.

      Wie beschrieben, existierte mein Fetisch schon immer. Die Entwicklung ist vielleicht, dass sich jetzt all das Kopfkino umsetzen lässt, dass mich schon Jahre umtreibt. Und das tolle ist: die Realität enttäuscht nicht, im Gegenteil: es ist alles noch viel schöner als erhofft.

      Konkret zu unserem Fetisch haben wir hier auch schon gepostet. Ich freue mich über die Rückmeldung und verlinke es hier für Interessierte (meine @Petite Ange ist mit den Links einverstanden):
      Insbesondere das letzte Posting sagt alles.... es passt einfach perfekt ineinander!

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Gordon ()