Unser BDSM - unsere Kunst

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      Unser BDSM - unsere Kunst

      Als ich die ersten Male von BDSM hörte bzw. darüber las und mir Fotos ansah, konnte ich daran nichts Ansprechendes, Erregendes oder Schönes finden. Ganz im Gegenteil: Es wirkte kalt und hart und zum Teil sogar abstoßend auf mich. Genaueres darüber habe ich vor einiger Zeit in einem Blogbeitrag geschrieben.

      Mittlerweile sehe ich das natürlich mit anderen Augen, mache seit mehr als drei Jahren meine eigenen Erfahrungen und habe eine völlig andere Wahrnehmung und Einstellung dazu. Die tiefen Emotionen, die Vertrautheit und Innigkeit, die emotionale und geistige Nähe und Verbundenheit - all das, was so viele Bereiche des BDSM mit sich bringen und ich in der Beziehung mit meinem Herrn finde, ließen die Bilder, die ich damals sah, nicht vermuten. Diese vermeintliche gefühlskalte Härte und Gewalt nehme ich jetzt - seit ich mir meiner Neigung bewusst bin und sie aktiv auslebe - nicht mehr wahr, selbst dann nicht, wenn es tatsächlich mal hart zugeht und 'schmutzig' ist.

      Was ich nun sehe, ist Kunst. Diesen Gedanken hatte ich schon mehrfach und als ich meinen Herrn kürzlich nach einer Session fragte, ob er das, was wir machen, eigentlich auch als kunstvoll empfindet, stimmte er mir uneingeschränkt zu. Unsere Sessions gleichen manchmal einem Tanz, bei dem auf der nonverbalen und emotionalen Ebene unaussprechlich viel zwischen uns, den Tänzern, stattfindet. Dazu harmonische Bewegungen, die perfekt aufeinander abgestimmt sind, als hätten wir ewig an der Choreografie gearbeitet; so viel Schönheit und Ästhetik; ein wahrer Zauber! Auch auf unser D/s trifft es zu, sowohl in Sessions als auch im gemeinsamen Alltag. Es ist, als würden wir gemeinsam ein Lied spielen: Er spielt die Hauptmelodie und ich begleite ihn dazu passend mit der 2. Stimme auf meinem Instrument. Den Großteil der Partitur hat er geschrieben, fehlende Akkorde durfte ich ergänzen. Es ist mein Lieblingslied!

      Mein Herr ist mein Dirigent. Hebt er den Taktstock, weiß ich, was zu tun ist und befolge es. Aber auch ein Dirigent ist nicht unfehlbar. Möchte er ein neues Stück mit mir einstudieren, stellt sich unter Umständen auch einmal heraus, dass manche Passagen meine Fähigkeiten übersteigen. Entweder überspringen wir diese Stelle vorerst oder wir schreiben sie um. In jedem Falle arbeite ich darauf hin, diese Noten bald spielen zu können. Schreibt er ein Duett für uns, fordert er evtl. Töne, die außerhalb meines derzeitigen Stimmumfangs liegen, weil er mich nicht ganz richtig eingeschätzt hat oder mich fordern möchte. Liegen ihm diese Töne wirklich am Herzen, werden sie automatisch zu meinem Ziel, schließlich ist es mein Wunsch, dass wir unser Duett seinen Vorstellungen entsprechend singen können! Vielleicht schaffe ich es, vielleicht nicht - ich habe nun mal auch meine Grenzen. Es lassen sich aber fast immer Töne finden, die ebenfalls passen und zusammen einen harmonischen Klang ergeben. Auch wenn normalerweise ich diejenige bin, die spielt oder singt, was er in meiner Partitur notiert hat, wird unser Lied dadurch nicht gestört. Denn es geht nicht darum, jede seiner Ideen eins zu eins umzusetzen, sondern etwas zu erschaffen, was uns beiden liegt und gefällt. Und dazu darf auch ich aktiv beitragen.

      Letztlich finden wir ja doch immer in den gleichen Rhythmus (zurück), schwingen im Gleichtakt und schreiben dabei eine Melodie, zu der nur wir zwei tanzen und singen können. Mal ist es eine ruhige Ballade, mal ein opulentes Klassik-Arrangement, mal ist es Hardrock, mal sind es gleichförmige, sphärische Klänge, die uns in tranceartige Zustände versetzen; doch inhaltlich ist all die Musik, die wir mit und in unserem BDSM komponieren, immer ein wunderschönes Liebesduett - von uns geschrieben – für uns geschrieben. Wir geben uns unseren Liedern mit Leidenschaft hin, variieren sie im Laufe der Zeit, indem wir die Tonhöhe und Lautstärke verändern oder mit dem Timbre unserer Stimmen spielen. Und wir tanzen dazu - eng umschlungen, dann auf Distanz, bis wir uns einander wieder nähern und uns nicht mehr loslassen mögen. Langsam und schneller, sanft und härter, leise und lauter - aber immer in unserem Takt und nach unserem Gefühl. Mit Worten, mit Blicken, mit Gesten malen wir Bilder in die Gedanken des anderen - selten klar und präzise; viel lieber Raum lassend für Fantasie und Kreativität.

      Ja, unser BDSM ist oft ein hoch erotischer Tanz voller Ekstase, Leidenschaft und Magie.
      Unser BDSM ist Musik nach unserem Geschmack - Musik, die aus der Tiefe unserer Herzen und Seelen kommt.
      Und unser BDSM ist voll von Zeichnungen, an denen wir gemeinsam arbeiten; voll von Bildern, die nach und nach zu Gemälden werden.

      Ja, unser BDSM ist kunstvoll - voller Kunst und Gefühl, voller Ästhetik, Schönheit und Feinheit.

      Er führt, ich folge - Gleichtakt und Harmonie.