Mehrwertsteuererhöhung bei Fleisch auf 19%, was denkt ihr über diesen Vorstoß?

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      Mehrwertsteuererhöhung bei Fleisch auf 19%, was denkt ihr über diesen Vorstoß?

      In Deutschland haben wir bei der Mehrwertsteuer (eigentlich ist Umsatzsteuer korrekt) zwei Steuersätze, der ermäßigte mit 7% und der normale mit 19%. Bestimmte Dinge die der Staat fördern oder als Lebensgrundlage ansieht bekommen den ermäßigten Steuersatz, da Fleisch als Grundnahrungsmittel angesehen wird gilt für dieses also 7%. Seit einiger Zeit gibt es den Vorschlag Fleisch nicht mehr mit 7% sondern eben 19% zu besteuern. Vorwiegend wird dabei mit dem Tierwohl und dem Klimaschutz argumentiert, wie seht ihr das, wäre ein solcher Schritt sinnvoll oder nicht und wie sollten (dass dies schwer umsetzbar ist mal außer acht gelassen) eventuelle Mehreinnahmen verwendet werden?

      Bitte bleibt am Thema und der Fragestellung :thumbup:
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      Nicht sinnvoll bzw. nicht zu Ende gedacht :( .
      Mehr Mehrwertsteuer kommt nicht unbedingt den Tieren zugute.
      Gut 50% Fleisch wird exportiert.
      Würde Biofleisch extrem teuer machen.
      Wäre sozial ungerecht.

      Mehr Förderung von besserer Tierhaltung und Bio-Landwirtschaft fände ich sinnvoller - und die Gesetzgebung zur konventionellen Tierhaltung muss verschärft werden.
      Wenn es stimmt, dass die Evolution zu immer höherer Perfektion strebt, welchen Sinn haben dann die Generationen nach mir? :gruebel:
      Ich wäre dafür, wenn es tatsächlich eine Garantie gäbe, dass es ausschliesslich dem Tierwohl und dem Klimaschutz dienen würde. Zumal es für finanziell Schwache kein deutlicher Einschnitt/Aufwand wäre.
      Tatsächlich ist es aber so, dass die Mehrwertsteuereinnahmen flexibel aufgeteilt werden, sie sind nicht Zweckgebunden. Ich glaube also nicht, dass diese Sinn macht.

      Auf lange Sicht sehe ich eine Kombination aus Reduzierung des Fleischkonsums und alle Arbeiten vor Ort als eine sinnvolle Lösung an.
      Solange jeder Supermarkt zu jeder Tageszeit voller Fleisch bleiben und die Tiere zwecks Verarbeitung und das daraus entstehende Fleisch weiterhin durch ganz Europa gefahren werden sollen, kann ich politische Diskussionen über Tierwohl und Klimaschutz nicht wirklich ernst nehmen. Auch die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist an der Stelle nicht der optimale Schritt in die richtige Richtung.
      Neben den Punkten Klimaschutz und Tierwohl kommt mir auch Gesundheit in den Sinn, denn zu viel Fleisch soll ja angeblich nicht gesund sein.

      Die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleisch wird in meinen Augen kaum bei den Tieren in Bezug auf eine Verbesserung des Tierwohls ankommen. Zumal ja alles teurer wird auch das Biofleisch, der ein oder andere wird dann womöglich sogar zum günstigeren Produkt greifen, wenn sich Bio um mehr als 10% erhöht. Wir haben uns an günstiges Fleisch gewöhnt und ich denke nicht, dass eine Steuererhöhung das ändern wird, womöglich wird der Kostendruck der Supermarktketten sogar gegenüber den Produzenten weiter steigen, womit es noch mehr Großbetriebe gibt. Die Idee wir machen etwas das nicht gut ist teurer und tun damit etwas gutes ist in meinen Augen sehr gefährlich wenn eben nicht alles bedacht wird.

      Der einzige Punkt der wohl wirklich hilft ist, dass eine Verteuerung zu einem geringeren Fleischverbrauch führen dürfte, ich vermute aber nicht, dass dieser Effekt irgendwo zwischen 2-5% liegen dürfte. Das bedeutet 2-5% weniger Tiere dürften geschlachtet werden, 2-5% weniger Umweltverschmutzung und einige Leute werden sich evtl etwas gesünder ernähren.

      Rina schrieb:

      Tatsächlich ist es aber so, dass die Mehrwertsteuereinnahmen flexibel aufgeteilt werden, sie sind nicht Zweckgebunden. Ich glaube also nicht, dass diese Sinn macht.
      Richtig, daher auch meine Anmerkung, dass es kaum umsetzbar ist, wobei man schon schätzen kann, was der Staat mehr einnimmt und daraus Mittel für andere Projekte freimacht... aber gerade bei der Mehrwertsteuer ist das schwer, wegen der Art der Steuer...

      Was in meinen Augen wirklich wichtig wäre ist eher mal die Steuerlisten zu überarbeiten und zu schauen, was ist wirklich Grundnahrung und täglicher Bedarf und die Listen an die aktuellen Gegebenheiten anzupassen, wenn unter der Prämisse dann Fleisch von 7 zu 19 wandert und anderes von 19 zu 7, dann ist das für mich vollkommen ok :)
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      Es wäre viel mehr damit getan, wenn in der Bevölkerung endlich mal das Bewusstsein ankommt, dass überspitzt gesagt, Fleisch für 1,99 € / KG Müll ist. Eine Verteuerung des Fleisch generell würde nur dazu führen, dass "vernünftiges" Fleisch für noch mehr Menschen unerschwinglich wird.

      Ich bin selbst bekennender Carnivore, aber mir ist und bleibt ein halb so großes Steak von vernünftiger Qualität immer lieber als der Dreck, der beim Discounter verkauft wird. Ein Umdenken bei den Produzenten bekommt man nur hin, wenn deren Fleisch in den Regalen liegen bleibt. Statt mehr Umsatzsteuer zu zahlen, sollte jeder Konsument überlegen, ob er nicht gleich höherwertige Produkte kauft. Ich weiß, dass es für viele in der Bevölkerung finanziell nicht leicht ist, aber wie gesagt lieber mehr Geld in ein vernünftiges Produkt, als in eine Erhöhung der Steuern investieren.
      I'm not the hero, you wanted - I'm the monster, you needed.
      Keine Mehrwertsteuererhöhung.
      Aber Fleisch zweckgebunden verteuern.
      Auf ausländischem Fleisch welches aus unklaren Haltungsbedingungen stammt, entweder Importstop oder drastisch verzollen.
      Mir ist klar, das nicht gewollt ist, aber ich stehe dazu.
      Das Leben ist kein Ponyhof. Aber geritten wird trotzdem !

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Majasdom ()

      @Bdn130671
      Ich glaube ehrlich gesagt nicht dass es unbedingt am Geld scheitert. Wenn ich sehe dass vorm Aldi Porsches und co stehen habe ich da so meine Zweifel...(hier ist das öfter zu sehen)
      Ich möchte nicht sagen dass es bei einem Teil der Bevölkerung nicht wirklich daran liegt aber ich glaube ehrlich gesagt dass es vielen schlichtweg egal ist.
      Daher bin ich mittlerweile der Ansicht dass es nur über gesetzliche Vorgaben möglich ist Tierschutz und auch Umweltschutz zu verbessern.
      Das Problem der Massentierhaltung und des u.a. daraus resutlierenden CO2 Ausstoßes wird damit ja wohl in keiner Weise gelöst.

      Unter solchen Mehrwertsteuererhähungen leiden i.d.R. nämlich mal wieder nur die Produzenten und die Händler.

      Komme aus dem Einzelhandel und als damals von 16% auf 19% erhöht wurde, sind die Preise bei uns im Laden trotzdem gleich geblieben. Somit hatte nur der Staat was davon.


      Generell fände ich aber eine Lösung oder Idee sinnvoll, die den Fleischkonsum drastisch reduziert, denn der ist pro Kopf immer noch viel zu hoch.


      Zum Thema Gesundheit kann ich mit meinem leichten Wissen aus der Ökotrophologie nur sagen, dass 1-2 mal die Woche Fleisch für eine gesunde Ernährung völlig ausreicht (sprich: auch nicht täglich Wurst aufs Brot ;) )
      Fisch ist gesundheitstechnisch eher 2-3 mal die Woche zu empfehlen, aber da wären wir ja beim Problem der Überfischung, wobei ich jetzt nicht weiß, in wieweit sich das auf das Klima auswirkt... :pardon:
      Eigentlich bin ich wie ein offenes Buch.
      Es hat nur noch nie jemand {richtig} gelesen.

      Kalimaa schrieb:

      Daher bin ich mittlerweile der Ansicht dass es nur über gesetzliche Vorgaben möglich ist Tierschutz und auch Umweltschutz zu verbessern.
      :yes: Absolut. Und ich sehe das jeden Tag bei jemanden, den ich verdammt gut kenne: BEI MIR :pardon: Einsicht vorhanden, schlechtes Gewissen vorhanden - und trotzdem siegt meist die Faulheit und der Geiz ;(
      Seitdem ich perfekt bin, hält sich meine Arroganz in Grenzen!

      Kalimaa schrieb:

      dass es vielen schlichtweg egal ist.
      Das ist irgendwie eine Denkweise, die ich einfach nicht nachvollziehen kann.
      Wenn es mir schon nicht um das Tierwohl geht, sollte ich mir das doch schon aus purem Egoismus wert sein.
      Aber wahrscheinlich hast Du recht. 50.000 € für ne neue Karre sind egal, aber 150 € im Monat mehr für vernünftige Nahrung (so man es sich leisten kann) sind zu viel …
      I'm not the hero, you wanted - I'm the monster, you needed.
      Moin,

      Ich sehe die Erhöhung mit gemischten Gefühlen.
      MWn. kann eine Steuer niemals zweckgebunden erhoben werden. (Bsp. Einkommenssteuer)
      Eine Abgabe hingegen schon (Bsp. Soli).

      Somit fände ich, wenn das eingenommene Geld wirklich dem Tierwohl und der Bio-Landwirtschaft zu Gute kommen soll, eine Abgabe auf nicht Bio/ökologisch hergestellte Produkte als die bessere Wahl.

      Dadurch könnten dann Bio-zertifizierte Produkte subventioniert werden, so dass auch einkommensschwache Bevölkerungsschichten sich diese Produkte leisten könnten.

      jm2c

      imaginary
      Die Gedanken sind frei.
      Denken muss man sich erarbeiten.
      Ich habe eigentlich regelmässig Wild zu verkaufen.
      Ein Beispiel:
      Ökologisch, in Ruhe bejagt - also kein Adrenalin im Fleisch - sauber verarbeitet und fachlich korrekt gekühlt.
      Das ganze kostet grob zerlegt , für ein durchschnittliches Reh so um den Dreh einen 100er.
      Was meint ihr, was das manchmal für Diskussionen gib!
      Ich habe letztes Jahr so einen Fall gehabt. Der betreffende hörte mit dem Handeln gar nicht auf.
      Er fuhr ohne Wild nach Hause, ich verschenkte das Stück an die ortansässige Tafel.
      Die Geiz ist Geil Mentalität ist seit jahren in den deutschen Genen.
      Das Leben ist kein Ponyhof. Aber geritten wird trotzdem !

      Gentledom schrieb:

      Richtig, daher auch meine Anmerkung, dass es kaum umsetzbar ist, wobei man schon schätzen kann, was der Staat mehr einnimmt und daraus Mittel für andere Projekte freimacht... aber gerade bei der Mehrwertsteuer ist das schwer, wegen der Art der Steuer...
      Schätzungen zufolge ca. 5 Mrd. jährlich. Ob das so stimmt, weiss ich persönlich nicht.
      Wenn man bedenkt, dass die MwSt in 2007 von 16% auf 19% dem Staat in 10 Jahren eine Mehreinnahme von ca. 275 Mrd Euro einbrachte...ich bin kein Mathegenie, aber der Vergleich zeugt in meinen Augen von sowohl zu hohem Fleischkonsum, als auch einem enorm wichtigen Wirtschaftszweig, in welchen durchaus investiert werden muss, wenn man bedenkt, dass dieser Zweig nach wie vor subventioniert wird.

      Ich habe aber auch ein Problem mit Steuereinnahmen unter Vorwand bestimmter Zwecke, welche aber nicht bedient werden müssen.
      Wenn es heisst, die Mehrwertsteuer würde zugunsten von Klima und Tierwohl erhoben, jedoch gibt es aber gar keine gesetzliche Regelung, die dies garantiert oder zu diesen Ausgaben/Investitionen verpflichtet, fühle ich mich - nett ausgedrückt - veräppelt.

      Natürlich haben wir genug Baustellen, wie z.B. Bildung und steigende Kinderarmut, welche von den Mehreinnahmen profitieren könnten, würde man diese in die betreffenden Schwachstellen einfliessen lassen...aber letztendlich, wenn man aus bestimmten, benannten Gründen die MwSt erhöhen möchte, sollte der Staat auch garantieren können, dass diese auch entsprechend fliessen und investiert wird.
      PS: Ich habe gerade mich noch einmal schlau gelesen: gemäß bpb sind sowohl Steuern als auch Beiträge und Gebühren allesamt Abgaben die der Staat erheben kann. Davon sind Steuern nie zweckgebunden, bei Gebühren liegt ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen konkreter Leistung und Gegenleistung vor und bei Beiträgen stellt der Staat grundsätzlich eine Leistung und bezahlt diese aus den Einnahmen der Beiträge. Dabei ist ein Beitrag von jedem zu zahlen, unabhängig davon ob er die Leistung in Anspruch nimmt während eine Gebühr nur bei Inanspruchnahme anfällt.

      Somit wäre ich für eine Gebühr in Höhe von ca.12%. :D

      Natürlich könnte man es auch Öko-Zuschlag nennen und als Ergänzungsabgabe vermarkten, welche dann wiederum zweckgebunden sein kann.

      imaginary
      Die Gedanken sind frei.
      Denken muss man sich erarbeiten.
      Ich gehe jetzt sogar mal soweit und sage eine höhere Steuer wird für das Tierwohl noch schlimmer sein. Der Preisdruck im Deutschen Einzelhandel und die Konkurrenz sind so hart dass Aldi und Co die Preise nicht erhöhen werden sondern den Preisdruck an den Fleischproduzenten weitergibt! Dadurch muss dieser die Tiere ja noch billiger halten, also noch billigeres Futter kaufen, die Tiere noch schneller mästen, mehr Tiere auf gleicher Fläche halten und so weiter. Es wird also genau das Gegenteil erreicht!
      Und falls die Erhöhung wirklich an den Verbraucher weitergegeben wird, also mal ehrlich, dann kostet die Packung Steaks statt 3€ halt 3,30€ deswegen sagt doch keiner oh das geb ich jetzt aber nicht aus...

      imaginary schrieb:

      Ob die Erhöhung an die Kunden weitergegeben werden kann oder muss liegt im Ausgestaltungsspielraum des Gesetzgebers.
      Warum?
      Der Gesetzgeber kann den Handel nicht zwingen, das Produkt XX nach der Steuererhöhung um genau diesen Faktor preislich anzuheben.Ich bin da eher bei JohnMcClane..
      Das Leben ist kein Ponyhof. Aber geritten wird trotzdem !