Warum Sadomasochismus als sexuelle Identität anerkannt sein sollte - Ein Spiegelartikel

      Ich bin nicht der Ansicht, dass man BDSM und LGBT(Q, etc) so einfach miteinander Vergleichen kann. Während homosexuelle Paare auf Gesetze angewiesen sind, die ihnen Ehen oder andere Rechte ermöglichen, kann man doch als BDSMler recht normal seine Neigung ausleben. (Dass man nicht wirklich rechtlich bindend auf freiwilliger Basis zum Sklaven/Sklavin einer Person werden kann, darf auch gerne so bleiben.)


      Abgesehen davon störe ich mich ein wenig an Aussagen wie "BDSM wird nicht als sexuelle Identität anerkannt, obwohl das eine Studie von 2019 nahelegt.". Eine gleich? Es ist ja ein netter Anhaltspunkt, aber das ist doch eine sehr dünne Basis.

      Das Argument, es gehe ihr nicht um die Praktiken sonderm um die Anziehung zu Menschen mit bestimmen Attributen, die sie deren sexuellen Identität als Tops (dominante Menschen)" zuordnet, überzeugt micht auch nicht.

      Ich sehe diese besondere Neigung lediglich als Vorliebe für gewisse Charaktereigenschaften. Jetzt in allen möglichen Charaktereigenschaften auf die man stehen könnte eine sexuelle Identität zu sehen ist dann doch etwas too much.

      Außerdem ist es auch nicht besonders gut definierbar, was denn jetzt die Identität ist. Auf wen steht man denn? Was sind denn die Attribute, die eine Dom ausmachen? Sagt mir bescheid wenn wir uns darauf mal geeinigt haben sollten.


      Deshalb finde ich den Artikel etwas zu breit. Es werden einige wichtige Punkte angesprochen (z.B. dass es eben weit verbreitet ist, kein Tabu Thema sein sollte, Menschen keine Benachteiligungen durch Outing befürchten sollten, zwischen BDSM und Gewalt unterschieden werden sollte), aber die ganze Bandbreite von Themengebieten lässt zu wenig Raum für eine vernünftige Begründung, warum das jetzt eine sexuelle Identität sein soll (ganz abgesehen davon, was genau das dann für Vorteile bringen würde).

      Adrian_2015 schrieb:

      dann muss ich mich auch an der kirchlichen Sexualmoral messen lassen
      Das kannst du nicht so pauschal sagen. Krankenhäuser mit kirchlichen Trägern z.B. oder andere kirchliche soziale Einrichtungen können sich das aufgrund von Fachkraftmangel nicht mehr leisten, die Bewerber soooooo genau unter die Lupe zu nehmen und zumindest ich trage meine Sexualmoral nicht beim Bewerbungsgespräch und auch nicht im Arbeitsalltag vor mir her. Das Thema gehört für mich in Gespräche mit Freunden, Familie, Forenmitgliedern.

      Aus diesem Grunde benötige ich auch keinen schwarzen Streifen auf der Flagge, würde mich jedoch über mehr Toleranz zu dem Thema BDSM in der Öffentlichkeit freuen.
      Ich habe irgendwann mal hier im Forum gelesen, dass es auch aktive christliche BDSMler gibt, ich finde den betreffenden Thread leider nicht mehr.

      Edit: Hab ihn doch noch gefunden: Gibt es unter euch praktizierende Christen?
      Da hast du sogar was gepostet, @Adrian_2015 ;)
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Isegrim_w_devot ()

      Nun habe ich es auch mal geschafft, den Spiegel Artikel zu lesen. Und bin ganz überrascht, wie so ein fast nichtssagender Artikel so eine interessante Diskussion hier entfachen kann.

      Zunächst... ich mag zwar schwarz sehr gerne, aber für mich braucht die Regenbogenflagge keinen schwarzen Streifen bekommen.
      Ich brauche auch es auch nicht, dass Sadomasochismus als eigene sexuelle Identität anerkannt wird. Denn mir entstehen im normalen Alltag dadurch keine Nachteile. Mobbing durch zufälliges Outing ist etwas anderes. Das kann jeden treffen, egal welche sexuelle Orientierung. Würde ich regelmäßig Partnertausch betreiben, zu Parkplatztreffen gehen, in einer Umkleidekabine .... wie auch immer und das kriegt eine falsche Person mit und will mir schaden, dann tut sie das. Egal ob das jetzt als sexuelle Orientierung anerkannt ist.
      Homosexualität, Transgender etc. rechtlich gleich zu stellen ist wieder etwas anderes. Aber auch das feit sie nicht vor schlimmstem Mobbing.

      Und doch @Adrian_2015 , es gibt sie, die Menschen, die ihren BDSM leben, auch wenn sie einen pädagogischen Beruf haben und bekennende bzw. praktizierende Christen sind. Ich spreche da aus persönlicher Erfahrung ;). Für mich gibt es auch keinen Widerspruch zwischen christlichen Werten und BDSM. Okay, meinen christlichen Werten und meinem BDSM. Vielleicht kann man das ja an anderer Stelle in einem extra Thread diskutieren.

      Zum Artikel zurück:
      Der Artikel spricht mich persönlich nicht sehr an. Ich kann die Gedanken und Argumente der Autorin zwar nachvollziehen, wage aber zu bezweifeln, dass sich an der Akzeptanz von BDSM etwas ändert, nur weil es als sexuelle Identität anerkannt würde. Also sinnbildlich (oder auch real) ein schwarzer Streifen hinzukäme. Akzeptanz von Anderssein ist etwas, was langsam im Bewusstsein der Menschen reifen muss. Das kann man nicht erzwingen.
      Das einzig Positive (und hoffentlich auch Intention der Autorin) an diesem Gastartikel ist, dass es in einem Medium veröffentlicht wurde, welches von verschiedenen Bevölkerungsschichten gelesen wird. Durch so etwas kann eine Veränderung bewirkt werden.
      "Erfahrung ist das, was man hat, kurz nachdem man es gebraucht hätte."