Verbiederung des Extremen

      Lesenswert ist er, zustimmen kann ich aber nur in Teilen. BDSM soll sich gar nicht erst um öffentliche Anerkennung bemühen, weil dann der Reiz des Verbotenen verloren ginge, der BDSM nunmal ausmache? Wenn ich es richtig verstanden habe, war das eine der Kernthesen...
      Wenn es so einfach wäre und so viele Menschen einfach nur BDSMler wären, weil das gesellschaftlich verpönt ist, müsste sich die Tabakindustrie doch redlich um flächendeckende Ächtung des Rauchens bemühen, um den Umsatz kräftig anzukurbeln... :pillepalle:

      Bei aller berechtigten Kritik an Stahlmanns SPON-Artikel bin ich nicht überzeugt, dass Schmid von der NZZ ganz verstanden hat, wovon sie da spricht.
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
      Zitat:
      "Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch Angehörige der Subkultur das Recht einforderten, wahrgenommen zu werden. Die Autorin Leona Stahlmann, 31, schrieb neulich auf «Spiegel Online», man sollte die Regenbogenflagge um einen schwarzen Streifen ergänzen. Schwarz für BDSM. Während sich die LGBT-Gemeinde öffentlich feiern könne, müssten Sadomasochisten ihre Sexualität nach wie vor in Hinterzimmern ausleben. Sie hätten keine Lobby, ihre sexuelle Identität sei nicht anerkannt."

      Ich habe diesen Absatz jetzt mehrfach durchgelesen und mir immer wieder die Frage gestellt: Brauche ich eine Lobby? Brauche ich es wirklich, mich öffentlich feiern zu können? Brauche ich diesen "schwarzen Streifen" auf der Regenbogenfahne?

      Ehrlich gesagt, aus persönlicher Sicht: Nein.
      Weder das eine. Noch das andere. Und das dritte schon gar nicht.

      Was bringt es mir, persönlich, wenn ich "ordnunggemäss" in der Öffentlichkeit als SMler wahrgenommen werde? Nichts.
      Die Akzeptanz für meine sexuelle Neigung ist in der breite Masse der Bevölkerung nicht vorhanden. Und wird es wahrscheinlich auch nicht werden. Unabhängig ob ich dieses "Recht" habe oder nicht. Und durch dieses nicht vorhanden sein der Akzeptanz bleiben mir die selben Nachteile erhalten, z.B. im Beruf oder der Gesellschaft, erhalten, wie die welche ich jetzt auch habe. Vielleicht hätte ich die "neue rechtliche" Möglichkeit meinen Arbeitsplatz auf Grund divereser Rechte besser als Im Moment zubehalten bzw. wieder zu erhalten, aber ob dies der Weisheit letzter Schluß ist möchte ich bezweifeln.
      Und was sollte eine Lobby bewirken? Noch mehr "Freiheiten" für mich erstreiten? Noch mehr "Rechte" erkämpfen?
      Und vor allem wo sollte sie dies tun? Im Bundestag? Beim BGH? Beim BVG?
      Und was sollte die Lobby durchsetzten? SM ist, wie wir alle bekunden, bunt und vielfälltig. Wenn man sich die äußersten Pole betrachtet schon fast konträr. Würde, aus meiner Sicht auch nicht viel bringen.
      Und selbst wenn man dies alles irgendwie unter einen Hut bringen und durchsetzen könnte, was wäre in der Zeit bis dahin?
      Habe ich dann Spielpause, da ich ja noch nicht "ordnungsgemäss" SM betreiben kann und auch nicht anerkannt bin?
      Oder was ist, wenn es später einmal ein "Konter-Lobby" geben sollte und diese sich durchsetzen kann. Binn ich dann vielleicht sogar noch ein Straftäter?
      Außerdem bleibt für mich die Frage noch zu beantworten, ob ich meine sexuelle Neigung überhaupt öffentlich machen möchte. Und hier komme ich zu einem persönlichen Nein. Meine Sexuallität ist privat, bleibt privat und geht niemannden etwas an.

      Zitat:
      "Sadomasochismus tritt zudem unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung auf, er gehört niemandem exklusiv. Wenn Opfer, dann ist das der Sklave – aber der lässt sich meines Wissens freiwillig in Handschellen legen."

      Das ist für mich persönlich des Pudels Kern.
      Aber um dieses zu Leben, auszuleben, braucht ich weder eine Lobby, noch einen schwarzen Streifen.
      Ich brauche einen Menschen der meine Neigung teil und mit dem ich sie ausleben kann.

      Mein ganzes hier abgegebene Meinungbild ist vielleicht etwas über karrikiert. Aber im Kern meine persönliche Meinung.
      Moin,

      Es ist immer wieder erstaunlich mit wie mit ausreichend großem Nichtwissen, am besten gepaart mit Ignoranz, Geld verdient werden kann.

      Ich habe mir den zweifelhaften "Spass" gegönnt noch einige Beiträge in der Kolumne «In jeder Beziehung», in der die Authorin wöchentlich über "unser" Verhältnis zueinander und zur Welt (in einer, für mich nur schwer zu ertragenden, selbstgefälligen Art) schreibt, zu lesen.

      Frau Stahlmann war für mich schon kaum zu ertragen (weil ich ihre Auffassung nicht teilen mag, dass BDSM eine Lobby braucht und ihre Schreibe eher an Kind und Lolly erinnert), aber hier kommen Borniertheit, Nichtwissen und ein absolutes Desinteresse zusammen, welches sich durch ihre ganze Kolumne (oder zumindest durch die 4 Beiträge die ich mir angetan habe) zu ziehen scheint.

      "Das tut weh, aber nicht auf schöne Art."


      m2c

      imaginary
      Die Gedanken sind frei.
      Denken muss man sich erarbeiten.
      Ich brauche auch keine öffentliche Anerkennung meiner Neigung, keine Streifen in einer Fahne als Symbol.
      Aber ich Frage mich ob das der Weg wäre, um in der Zukunft keine Sorgen haben zu müssen dass die eigene Neigung bekannt wird.
      Denn in meinem Beruf, der mit Kindern zu tun hat, würde das sicherlich Wellen schlagen.
      Sich als lesbisch outen wäre heute kein Problem mehr...also verändert es doch viel wenn es gesellschaftlich akzeptiert ist.

      So sehe ich das zumindest.
      Tini69
      Der Artikel halt eine Menge inhaltliche Fehler aber trotzallem sprang mir ein Absatz ins Auge:
      "Liebe durch Schmerz lebt doch von der Dunkelheit, es steht für eine Subkultur und also das Unangepasste. Bloss weil die Neigung tabuisierter ist als andere Liebesformen, bedeutet das noch nicht deren Diskriminierung. Eher nehme ich es als Verbiederung des Extremen wahr: Das Extreme bringt sich durch den Wunsch nach Anerkennung genau um jene Lust, die es im Extremen auslebt."
      Da auch hier im Forum immer wieder gern diese Aussenseiterrolle, das Unangepasste gefeiert wird und herausgestellt wird , man bezeichnet sich stolz als "Perverse". Etwas was ich persönlich nicht nachvollziehen kann.

      Dominantseptakkord schrieb:



      Wenn es so einfach wäre und so viele Menschen einfach nur BDSMler wären, weil das gesellschaftlich verpönt ist, müsste sich die Tabakindustrie doch redlich um flächendeckende Ächtung des Rauchens bemühen, um den Umsatz kräftig anzukurbeln... :pillepalle:
      der Vergleich hinkt mit der Tabakindustrie, da diese in ihren Ursprung einen positives Bild in der Gesellschaft hatte und sogar bis ins letzte Jahrhundert als gesundheitsfördernd verkauft wurde.


      Rudolf schrieb:



      ... Brauche ich eine Lobby? Brauche ich es wirklich, mich öffentlich feiern zu können? Brauche ich diesen "schwarzen Streifen" auf der Regenbogenfahne?
      als gestandene BDSMler brauchen wir evtl keine Lobby um uns im Privaten auszuleben, aber ich denke solche Plattformen, wie gentledom. de, Organisationen wie die SMJG ,die nicht in der Schmuddelpornoecke ihren Platz suchen und viele sehr gute Beiträge in den Medien von den immer gleichen Akteuren sind auch eine Form von Lobby Arbeit und diese ist extrem wichtig, um das Image zu korrigieren und Menschen im Allgemeinen den Umgang zu erleichtern und zu normalisieren.... ja in einem gewissen Sinne zu Verbiedern.
      Catch me if you can...
      Moin,
      Gerade dieser Absatz, im besonderen dieser eine Satz hier

      Viva schrieb:

      "Bloss weil die Neigung tabuisierter ist als andere Liebesformen, bedeutet das noch nicht deren Diskriminierung."
      jagt mir Schauer über den Rücken.

      Ja, Tabuisierung ist ungleich Diskriminierung, aber ...

      ohne Tabuisierung wäre manche Diskriminierung erst gar nicht möglich.

      Damit möchte ich in keinster Weise ausdrücken, dass Tabus grundsätzlich abgeschaft gehören, denn sie geben den gesellschaftlichen Wertekanon wieder.
      Wo Tabuisierung aber zu Stigmatisierung führt ist die Diskriminierung nicht weit.
      Das sollte man auch mal im Hinterkopf behalten, wenn man solche Kolumnen verfasst.

      So würde ich mir zwar wünschen, dass BDSM sein schlechtes Image verliert (Enttabuisierung der Neigung) aber das aggressive öffentliche Ausleben der eigenen Neigung oder sexuellen Präferenz weiterhin einem Tabu unterliegt.

      m2c

      imaginary
      Die Gedanken sind frei.
      Denken muss man sich erarbeiten.

      Viva schrieb:

      bedarf es Lobbyarbeit
      Nur um sicher zu stellen das wir das gleiche meinen:
      Lobbyarbeit wie zum Beispiel hier auf GD, in der SMJG oder ähnlichen SM-Vereinigungen welche den Kontakt zu Menschen herstellen. Um zu zeigen und zu erklären was SM wirklich bedeuten kann und Klischees auszuräumen.
      Ja brauchen wir!
      Eine Lobby welche sich für die Thematik im Öffentlichen, wie z.B. bei Gesetzgebung, stark macht.
      Nein, brauchen wir nicht.
      Den das letztere bringt doch auch nur eine gewisse Stimatisierung.

      Ich habe jetzt gerade die furchtbare Vision im Kopf: Es gäbe wie bei Behinderung oder der den Frauen eine Quotenregelung für SM. (Z.B. im öffentlichen Dienst.) :ironie:
      Moin,

      die Frage, die sich mir, trotz 'Like', stellt:
      Bedarf es einer weithin sichtbaren Lobby um Lobbyarbeit zu betreiben, geht es nicht auch ohne Lobby? Oder wäre eine aufklärende Öffentlichkeitsarbeit ohne Ziel BDSM in irgendeiner Form in die Gesetzgebung einfließen zu lassen nicht zielführender? :gruebel:

      Ich weiß es nicht.

      m2c

      imaginary
      Die Gedanken sind frei.
      Denken muss man sich erarbeiten.
      Moin,

      Gem. Duden ist Lobbyarbeit die Beeinflussung von Abgeordneten oder anderen Vertreterinnen und Vertretern offizieller Stellen durch Interessengruppen.
      Gem. der erweiterten Beschreibung auf Wikipedia kann, aber muss nicht, dies auch die Beeinflussung der öffentlichen Meinung via Massenmedien beinhalten.
      Öffentlichkeitsarbeit hingegen ist gem. Duden das Bemühen von Organisationen oder Institutionen der Öffentlichkeit eine vorteilhafte Darstellung der erbrachten Leistungen(, Interessen oder Produkten) zu geben.
      Das über die (positive) öffentliche Darstellung auch eine Einflussnahme auf Exekutive und Legislative erfolgen kann ist dabei nicht ausgeschlossen, jedoch, anders als bei der Lobbyarbeit, nicht das vorrangige Ziel.

      m2c

      imaginary
      Die Gedanken sind frei.
      Denken muss man sich erarbeiten.
      Lobbyarbeit, Aufklärung, Interessenerweiterung, Akzeptanzerhöhung .... letztlich geht es doch nur um mehr Akzeptanz und Flexibilität und den Weg dorthin, da ist auch ein (streitbarer) Artikel immer ein Hilfe...

      Streitbar ist, wie ich immer wieder in dern LBQTI (und auch was immer noch da hin gehört)-Grabenkämpfen der Begriffsbestimmungen, ja leider doch alles, bis es dann in eine Beliebigkeit mündet. Und anstregend wird und dann in der öffentlichen Wahrnehmung, die man ja eigentliche erreichen und 'ändern' möchte, genau das Gegenteil erreicht. Und nein, ich brauche keine weitere Streifen auf der Flagge ... vielen Dank.

      Damit es bitte keiner in den falschen Hals bekommt: als selbst Betroffene bin ich glücklich und froh um und für alles, was bisher erreicht worden ist und noch hoffentlich kommt. Dennoch schaue ich auch immer mit einem kritischen Auge auf meine Mitstreiter.
      Be blessed and unstoppable!
      Ich finde den Artikel leider nicht besonders lesenswert, weil er mir zu viele Vorurteile und Klischees enthält.
      Wer sagt denn bitte, daß alle BDSMler nur deswegen BDSMler siind, weil BDSM im Verborgenen ausgeübt werden "muss"?
      Ich finde den Artikel eher erschütternd.
      "Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen" Sigmund Freud
      Für Toleranz gegenüber BDSM in der Öffentlichkeit... aha. Uns BDSMlern ein Lobby bieten sozusagen... aha.

      Ganz im Ernst: Es ist in den letzten Jahren mit der Presse etwas merkwürdiges passiert: Die suchen sich eine Randgruppe und versuchen Toleranz zu erzwingen, indem sie jede noch so kleine Splittergruppe auf eine Bühne zerren, als normal hinstellen und dann fordern, dass man doch bitte tolerant sein soll. Was soll denn diese gequirlte Scheiße? Toleranz kann man nicht erzwingen, egal wie oft Randgruppen ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden.

      Hier wird BDSM instrumentalisiert von einem Gutmenschenreporter, der sich selbst in ein gutes Licht rücken will. "Seht her ich kämpfe für die Rechte der Schwachen!" Was für ein Scheiß... Ich brauche es nicht, dass ich mit meiner sexuellen Vorliebe hausieren gehen kann. Mir reicht es vollkommen, wenn ich meiner Lust nachgehen kann ohne strafrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. (Als Sadist nicht immer einfach.)

      Ich verstehe auch nicht woher die Idee kommt, dass man unbedingt seine Privatsphäre in der Öffentlichkeit breitreten können muss. Sexualität inclusive. Ich brauche das nicht. Im Rahmen eines Forums den Austausch mit anderen suchen ist doch wohl ausreichend. Da muss ich das nicht jedem in der Arbeit und auf der Straße erzählen können müssen und dann auch noch erwarten dass man damit eine freudige Reaktion auslöst oder auf Verständnis trifft.

      Für diejenigen, die nichts aus ihrer Privatsphäre verschweigen können und jedem auf die Nase binden, mag das ja sinnvoll sein, dass großflächig für Toleranz geworben wird. Aber der Rest von uns hat anscheinend genug Selbstdisziplin um gewisse Dinge einfach für sich zu behalten.
      Erst in Leid und Ekstase offenbaren Frauen ihre wahre Schönheit.
      Lobby ist grundsätzlich gut. Und BDSM braucht Lobby, wie alles andere, was potentieller Gegenstand staatlicher Repressalien ist auch (Homosexuelle, Transen, Dieselfahrer etc.). Damit meine ich aber klassischen Lobbyismus, der versucht, auf staatliche Organe einzuwirken (konkreten Handlungsbedarf sehe ich für BDSMler derzeit jedoch nicht). Und nicht diese Kacke, die Journalisten veranstalten, wenn Sie meinen, sie müssten breite Massen mobilisieren und dort für Toleranz werben. In der Praxis führt das nur dazu, dass immer mehr Menschen von dem ewigen Toleranzgeseiere genervt sind und in Folge immer intoleranter werden. Im Bezug auf Homosexualität ist der Effekt im Übrigen sogar in einer Studie nachgewiesen worden: Während vor kurzem alles laut "Ehe für alle" geschrien hat ist gleichzeitig die Toleranz gegenüber Homosexuellen im persönlichen Umfeld zurückgegangen.