Verbiederung des Extremen

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      Ich finde den Artikel von vorne bis hinten gruselig. Man kann deutlich herauslesen, dass sich die Autorin nicht im geringsten mit dem Thema auseinandergesetzt hat und es im Grunde auch ablehnt.

      In einem Punkt gehe ich aber d'accord: Meiner Meinung nach braucht es keinen schwarzen Balken auf der Regenbogenflagge. Ich persönlich habe kein Bedürfnis damit hausieren zu gehen, was ich im privaten Bereich und in meinem Schlafzimmer treibe. Dafür brauche ich auch keine Lobby. Wer jetzt antwortet, das wäre auch bei LGBTQ so - nein, finde ich nicht. Denn wenn ich z.B. homosexuell bin, dann möchte ich mich auch mit meinem Mann oder meiner Frau in der Öffentlichkeit zeigen und gleiche Rechte (rechtlich und gesellschaftlich) haben, wie jedes andere Paar. Wenn wiederum mein Vanilla-Chef seine Gattin am liebsten mit aufgesetzten Hasenohren vögelt, dann ist das etwas, das ich nicht wissen will und muss. Gleiches gilt für das, was mein Partner und ich im Privaten so treiben.

      Ich persönlich lehne die 50-Shades, auch wenn sie inhaltlich völliger Nonsens sind, nicht so sehr ab. Denn sie haben schon dazu geführt, dass man über das Thema mit vielen im Bekanntenkreis offener sprechen kann, ohne dass gleich Schnappatmung erfolgt. Dennoch suche ich mir meine Gesprächspartner zu solchen Themen immer noch sehr genau aus. Das liegt aber nicht an meiner Orientierung - sondern an der Tatsache, dass ich auch als völliger Vanilla mein Sexleben nicht unbedingt mit dem Arbeitskollegen sondern bevorzugt mit ausgewählten Freunden diskutieren würde.
      A gentleman is a man who knows when not to be gentle.

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      Ich denke, es ist nicht nur das „Toleranzgeseier“, das eher mehr Intoleranz auslöst, sondern auch, dass Menschen gezwungen werden, etwas zu sehen und sich mit etwas auseinanderzusetzen, das sie nicht sehen wollen und das eigentlich zutiefst privat ist. Mir geht es ja genauso, ich mag auch nicht im mehr als absolut nötigen Maß mit dem Liebesleben anderer konfrontiert werden.

      Und der schwarze Streifen in der Flagge würde wohl eher jene an die Öffentlichkeit locken, die sowieso schon ganz gerne provozieren und deswegen nicht unbedingt repräsentativ sind.... und von denen ich evtl. auch nicht unbedingt repräsentiert werden möchte.

      Das wäre im schlimmsten Fall keine wie auch immer geartete Lobbyarbeit, sondern eine „in your Face, sucker!“- Provokation und damit würde der Mehrheit der Leute, die einfach in Ruhe zu Hause und in Clubs ihre Sexualität ausleben möchten, ein Bärendienst erwiesen... es würde Ablehnung und Intoleranz wohl eher fördern.

      Lobbyarbeit durch Aufklärung - gerne. Aber die Sau, die da im Moment von diversen Journalisten durchs Dorf getrieben wird, hat damit meiner Meinung nach wenig zu tun.

      Abgesehen davon, hasse ich es wirklich, wenn Außenstehende/meinen, mir meine Sexualität erklären und sie interpretieren zu müssen. Denn in aller Regel ist das wertend, invalidierend... weil es ein Außenstehender einfach nicht nachvollziehen kann. Deshalb liebe Journalisten... einfach mal raushalten. Ihr wollt doch auch nicht, dass euer Sexleben auf wertende und herablassende Weise „analysiert“ und (fehl-)interpretiert wird.

      "Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht".
      ~ Jean-Paul Sartre ~

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Poetin () aus folgendem Grund: Die liebe Kommasetzung...

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      Ich bin negativ überrascht dass ähnliche Aussagen wie diese hier mehrfach zu lesen sind.

      Master Bruce II schrieb:

      Ich verstehe auch nicht woher die Idee kommt, dass man unbedingt seine Privatsphäre in der Öffentlichkeit breitreten können muss. Sexualität inclusive. Ich brauche das nicht. Im Rahmen eines Forums den Austausch mit anderen suchen ist doch wohl ausreichend. Da muss ich das nicht jedem in der Arbeit und auf der Straße erzählen können müssen und dann auch noch erwarten dass man damit eine freudige Reaktion auslöst oder auf Verständnis trifft.

      Für diejenigen, die nichts aus ihrer Privatsphäre verschweigen können und jedem auf die Nase binden, mag das ja sinnvoll sein, dass großflächig für Toleranz geworben wird. Aber der Rest von uns hat anscheinend genug Selbstdisziplin um gewisse Dinge einfach für sich zu behalten.
      Ich muss es auch nicht jedem erzählen können. Aber ich wäre gerne gesellschaftlich an dem Punkt, dass ich nicht befürchten muss, beruflich benachteiligt zu werden, falls es doch jemand bemerkt oder jemand verbreitet um mir zu schaden.
      Was ist mit denen, die es nicht freiwillig preisgeben? Interessiert euch sowas nicht oder ist es euch einfach nicht eingefallen?
      Klar kann man argumentieren, dass ich halt einfach gut genug aufpassen muss und mein BDSM nur im komplett abgedunkelten Haus ausleben darf. Aber ehrlich gesagt finde ich das einfach nicht ausreichend.
      Und dann bin ich ja noch in einer relativ unvorbelasteten Situation als weibliche Switch. Ich glaube Männern egal ob Sub oder Top wird das eher ungünstiger ausgelegt.
      Und habt ihr euch noch nie Gedanken gemacht, dass sich die Gesetzeslage auch mal wieder zu unseren Ungunsten ändern könnten? Auch dafür macht es Sinn, Aufklärung zu betreiben. Und dafür, dass z.B. Polizisten oder das Jugendamt ausreichend über BDSM informiert sind?


      Ich brauche auch keinen schwarzen Streifen auf der Flagge, aber ich will mehr gesellschaftliche Toleranz. Ich finde auch, dass man mehr über Sex reden sollte, btw.
      Natürlich schimpft es sich unheimlich leicht über Journalisten, die über kleine Gruppen berichten. Ich bin ein großer Fan von inhaltlicher Kritik und finde sie auch oft berechtigt, aber Journalisten unter "Gutmenschentum" abzustempeln, sagt vielleicht mehr über den User aus als über den Journalisten? Ich sehe Berichte über Minderheiten als wichtige Aufgabe von Journalismus. Bevorzugt auch noch inhaltlich gut :) Davon gab es glücklicherweise aber auch einiges in der letzten Zeit.

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      Ich denke, das erreichst du aber auf diese Weise nicht.... für mich wäre ein Outing im Beruf auch äußerst unschön . Aber im Moment könnte ich mit „Rufschädigung“ argumentieren... wenn mein Gegenüber sich dann darauf zurückziehen kann, dass das ja alles „gar nicht so schlimm“ sei und was ich denn wolle, ist mir überhaupt nicht geholfen.

      Zumal... weis mal nach, dass du wegen deiner sexuellen Neigung diskriminiert wurdest... wenn ein Arbeitgeber dich loswerden will, läuft das anders. Da wird halt irgendwas an de Haaren herbeigezogen.

      "Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht".
      ~ Jean-Paul Sartre ~

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      Rehlein schrieb:

      Natürlich schimpft es sich unheimlich leicht über Journalisten, die über kleine Gruppen berichten. Ich bin ein großer Fan von inhaltlicher Kritik und finde sie auch oft berechtigt, aber Journalisten unter "Gutmenschentum" abzustempeln, sagt vielleicht mehr über den User aus als über den Journalisten? Ich sehe Berichte über Minderheiten als wichtige Aufgabe von Journalismus. Bevorzugt auch noch inhaltlich gut Davon gab es glücklicherweise aber auch einiges in der letzten Zeit.
      Unter Gutmenschentum abstempeln? Nicht Journalisten im allgemeinen. Nur die, die sich pseudomäßig engagieren, so tun, als würden sie Aufklärungsarbeit leisten, aber schlecht informiert sind und lediglich Klischees aufkochen. Und das kam mir in diesem Artikel so vor. Es geht doch noch um diesen Artikel, oder?

      Und was soll das über mich aussagen? (Jetzt wird's persönlich...) Du hängst dich an einem Wort, das ich genutzt habe auf. Gutmenschenreporter. Meiner Meinung nach sind Gutmenschen sind Leute, die sich als bessere Menschen darstellen wollen. Aber eben nur darstellen. Im Grunde sind diese Leute keinen Deut besser als der Durchschnittsmensch, tun aber so, als wären sie mit der ultimativ richtigen Moral ausgestattet. Dumm nur, dass sehr viele dieser Leute ihren Worten keine Taten folgen lassen, mit denen sie beweisen könnten, wirklich besser zu sein. In der Bibel nannte man solche Leute Heuchler.

      Die Aufgabe von Journalisten ist die Information der Bevölkerung und nicht deren moralische "Programmierung". Die Presse ist nicht die 4. Gewalt im Staat, auch wenn sie gern so tut, als wäre sie das in moralischer Hinsicht. Und genau diesen Eindruck habe ich von dem Artikel, bzw. von sehr vielen Artikeln in letzter Zeit.

      Rehlein schrieb:

      Ich muss es auch nicht jedem erzählen können. Aber ich wäre gerne gesellschaftlich an dem Punkt, dass ich nicht befürchten muss, beruflich benachteiligt zu werden, falls es doch jemand bemerkt oder jemand verbreitet um mir zu schaden.
      Was ist mit denen, die es nicht freiwillig preisgeben? Interessiert euch sowas nicht oder ist es euch einfach nicht eingefallen?
      Klar kann man argumentieren, dass ich halt einfach gut genug aufpassen muss und mein BDSM nur im komplett abgedunkelten Haus ausleben darf. Aber ehrlich gesagt finde ich das einfach nicht ausreichend.
      Wenn sowas passiert, dann ist man eben selbst gefragt. Geht man offen mit den Thema um, oder lässt man den Lästermäulern freie Bahn? Es gibt eben Situationen im Leben, die man selbst klären muss und nicht drauf hoffen baucht, dass jemand angeritten kommt und alle Kämpfe für einen austrägt. Selbstbewusster Umgang mit sich selbst und den eigenen Neigungen wäre hier gefragt. Und nicht "Kopf einziehen" und beten, dass sich jemand anderes darum kümmert und man selbst nichts tun muss. Und selbst wenn BDSM eine Lobby hätte: Das ändert die Sichtweise der Leute doch nicht. Die werden sich trotzdem über einen auslassen. Sieht man ja bei den Schwulen. Die werden trotz Medienpräsenz immer noch diskriminiert.

      Hab mich auch schon mal selbst aus Versehen geoutet. Ja und? Die Kollegen haben sich zwar eine Weile ihre Mäuler zerrissen, aber das wars dann auch. Wurde schnell akzeptiert und fertig. Gelegentlich kommen schon mal ein paar Witze in der Richtung, da steht mein Selbstwert aber drüber.

      Oder wurdest du geoutet und hattest schwerste Probleme danach in der Arbeit?
      Erst in Leid und Ekstase offenbaren Frauen ihre wahre Schönheit.

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      Rehlein schrieb:

      Ich bin negativ überrascht dass ähnliche Aussagen wie diese hier mehrfach zu lesen sind.
      Ehrlich gesagt: Ich nicht.
      Aus dem einfachen Grund weil es eben privat und persönlich ist.

      Rehlein schrieb:

      Ich muss es auch nicht jedem erzählen können. Aber ich wäre gerne gesellschaftlich an dem Punkt, dass ich nicht befürchten muss, beruflich benachteiligt zu werden, falls es doch jemand bemerkt oder jemand verbreitet um mir zu schaden.
      Ich glaube, das jeder gerne diesen Punkt erreichen würde. Jedoch schätze ich, das er in den nächsten Äonen nicht zu erreichen ist.

      Rehlein schrieb:

      Was ist mit denen, die es nicht freiwillig preisgeben? Interessiert euch sowas nicht oder ist es euch einfach nicht eingefallen?
      Persönliche Meinung eines davon Betroffenen der deswegen schon einen Job verloren hat: Es interessiert schon. Aber man kann in dieser hinsicht absolut nichts machen. Außer sich komplett im dunklen Kämmerlein zu verbergen, hilft gar nichts. Und dann hat man noch einen zweiten Partner, welcher, falls er es nach einer Trennung böse meint, auch noch ans Licht bringen kann.
      Also glaube ich schon, das die Schreiber hier auch dies mit bedacht haben.

      Rehlein schrieb:

      Klar kann man argumentieren, dass ich halt einfach gut genug aufpassen muss und mein BDSM nur im komplett abgedunkelten Haus ausleben darf. Aber ehrlich gesagt finde ich das einfach nicht ausreichend.
      Mit Verlaub bemerkt: Dies ist eine "Milchmädchen-Argumetation". Und Ja. Sie ist nicht ausreichend.

      Rehlein schrieb:

      Und dann bin ich ja noch in einer relativ unvorbelasteten Situation als weibliche Switch. Ich glaube Männern egal ob Sub oder Top wird das eher ungünstiger ausgelegt.
      Ob dies bei Frauen viel anders ist glaube ich noch gar nicht. Es ist halt ein anderes Klischeebild.

      Rehlein schrieb:

      Und habt ihr euch noch nie Gedanken gemacht, dass sich die Gesetzeslage auch mal wieder zu unseren Ungunsten ändern könnten? Auch dafür macht es Sinn, Aufklärung zu betreiben. Und dafür, dass z.B. Polizisten oder das Jugendamt ausreichend über BDSM informiert sind?
      Auch bei diesen Gedankengängen gehe ich nicht davon aus, das die anderen Schreiber sie sich noch nicht gemacht haben.
      Natürlich kann sich die Gesetzeslage wieder einmal ändern. Aber von diesen Damoklesschwert sind beiweiten nicht nur SMler betroffen.
      Gericht, Polizei und Jugendämter sind schon etwas besser darüber informiert als vor 10 - 15 Jahren. Jedoch beiweiten nicht so, wie wir es und vielleicht alle wünschen.

      Rehlein schrieb:

      Natürlich schimpft es sich unheimlich leicht über Journalisten, die über kleine Gruppen berichten. Ich bin ein großer Fan von inhaltlicher Kritik und finde sie auch oft berechtigt, aber Journalisten unter "Gutmenschentum" abzustempeln, sagt vielleicht mehr über den User aus als über den Journalisten? Ich sehe Berichte über Minderheiten als wichtige Aufgabe von Journalismus. Bevorzugt auch noch inhaltlich gut Davon gab es glücklicherweise aber auch einiges in der letzten Zeit.
      Es schimpft sich aber auch unheimlich leicht über Schreiber, welche sich über solchen Journalimus beklagen.
      Wenn ich mir aber die beiden Artikel ansehe, welche hier in letzter Zeit besprochen wurden, finde ich leider weder eine objektive Darstellung der SM-Szene bzw. des SM allgemein, noch eine objektiv kritische Aussage gegenüber der Öffentlichkeit.
      Berichte über Minderheiten sind gut. Aber halt nur wenn sie auch objektiv sind.

      Soviel zu meiner persönlichen Meinung.

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      Ich persönlich brauche weder eine Lobby noch Leute die sich berufen fühlen selbige zu füllen.
      Wenn jemand das braucht, nun gut, meinen Segen hat er.

      Mir geht dieses ganze "Randgruppen-In-Den-Fokus-Zerren-Und-Toleranz-Einfordern" etwas auf den Sack. Wir brauchen min 8 verschiedene öffentlich Toiletten um ja niemanden beim Pinkeln zu diskriminieren, jede sexuelle Ecke bekommt ein Streifchen auf der Fahne die imho nur eines auslöst - Langeweile, jeder Mensch muss! geliebt werden, Genderwahnsinn überall........ :monster:
      Es hinterlässt für mich immer den Geschmack der Selbstinszenierung und vor allem wird die ganze Toleranzforderung durch ihren inflationären Gebrauch nicht mehr Ernst genommen.
      An jeder Ecke steht irgendein Gutmensch und setzt für jemand Anderen ein ob der will oder nicht.

      Toleranz ist gut und wichtig und sollte dem Menschen gegenüber gebracht werden und nicht dem armen, unterdrückten Randgruppenbüttel weil der ja so arm dran und unterdrückt und...... ist. *schniiiief*
      "Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch"

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      wow! sorry aber ich würde mir ein wenig Differenzierung wünschen. Hier werden grad sehr viele Sachen über einen Kamm geschert. Einfach mal pauschal von Selbstinszenierung etc zu reden, war selber offensichtlich noch nie in der Situation herb teils existenziell diskriminiert zu werden. Wenn Du Wohnungen nicht bekommst, weil du zusammen mit deiner Frau als Frau suchst ( mir so mehrmals vor nicht allzu langer Zeit passiert) , auf der Strasse beschimpft zu werden weil man hand in hand läuft, Freundinnen zu haben, die ihre Partnerinnen bei der Arbeit nicht erwähnen oder sogar als männlich deklarieren aus Angst vor Repressalien und dann pauschal mal vor den Kopf geknallt zu bekommen man soll sich mal nicht so inszenieren.... wow, Glückwunsch!
      Catch me if you can...

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      Viva schrieb:

      Einfach mal pauschal von Selbstinszenierung etc zu reden, war selber offensichtlich noch nie in der Situation herb teils existenziell diskriminiert zu werden.
      Du musst es wissen.....

      Aber du hast wohl nicht zu Ende gelesen. ;)
      Natürlich will ich Toleranz und halte sie für wichtig. Diese sollte aber allumfassend und nicht partiell sein.

      Im Anbetracht der Dummheit der Spezies Mensch finde ich das solche klischeeverseuchten Schmachtfetzen wie Shades Of Grey mehr für die Anerkennung von BDSM im Alltag tun als der erhobene Zeigefinger und moralin verfärbte Forderungen auf SPON.

      Wie gesagt, muss niemand genau so sehen.......
      "Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch"