Beziehungsfragen, BDSM mit der großen Liebe/ in der Ehe und was hab ich eigentlich genau?

      Beziehungsfragen, BDSM mit der großen Liebe/ in der Ehe und was hab ich eigentlich genau?

      Vorweg möchte ich sagen: Ich bin glücklich und soweit ich das beurteilen kann ist meine Liebste das auch. Ich habe also kein Problem, dass es zu lösen gilt, oder vielmehr schon, nur eben nichts gravierendes.

      Ich hab lange überlegt ob ich überhaupt darüber schreiben sollte. Irgendwie kommt mir das wie schummeln vor. Nicht selber erarbeiten, sondern beim wem anders abgucken. Außerdem offenbare ich nicht gerne private Dinge, werde ich zum besseren Verständnis aber müssen Aber wie ich es drehe und wende, alleine komme ich mit meinen Gedanken nicht weiter und Stammtisch oder Freunde mit ähnlichen Neigungen sind leider Fehlanzeige.

      Vorweg noch ein kurzer Überblick:

      Als meine Liebste und ich uns kennen lernten, war das unter recht ungewöhnlichen Umständen. Sie, nach mehr als 10 zermürbenden Jahren Ehe mit so einem feuchten Handtuch das Psychospielchen benutzt hat um sie zu halten, mit einer Art Burnout. Ich, unglücklich und allein, mit dem Leben abgeschlossen, heftige Depression und Suizidversuch. (Keine Angst, uns beiden geht’s blendend seit wir uns haben!)
      Da waren wir, beide etwas über 30, davon überzeugt dass das Glück uns vergessen hat und Zack!.. eine Woche später hat man uns nahegelegt die Klinik zu verlassen, weil unser Geturtel die anderen Patienten aufwühlt. Sie kam mit zu mir und nun sind wir schon mehr als 10 Jahre zusammen, 9 davon verheiratet, haben einen Sohn und lieben uns wie am ersten Tag!

      Sie wusste über BDSM wenig, außer den üblichen Klischees aus Funk und Fernsehen. Ich hatte halt so meine Neigungen und Fantasien, hatte aber die Suche nach jemandem mit dem ich das ausleben kann an den Nagel gehängt. Ich hatte mit der Partnersuche schon immer so meine Probleme, auch noch eine zu finden die auf zusammenschnüren und dergleichen steht schien mir unmöglich. Anfangs wollte ich die Beziehung gar nicht eingehen. War davon überzeugt das kann eh nichts werden, wie jedes mal davor. Aber aufgrund der Umstände hatte ich dieses Gefühl von "hast doch eh nichts mehr zu verlieren" und ließ mich drauf ein.
      Überhaupt, die Umstände.. Wir haben und von Anfang an völlig offen über alles mögliche ausgetauscht. Haben uns Dinge erzählt, die wissen andere Paare nach Jahren nicht voneinander. Ob das jetzt am Umfeld lag oder an unserer gegenseitigen Anziehung, kann ich nicht sagen.
      Jedenfalls wusste sie auch ziemlich zu Beginn schon über meine Neigungen bescheid. Ich mag Bondage, bin dominant (jedenfalls bein Sex, im Alltag nur wenn ich muss) und wohl auch einen Hauch sadistisch *hüstel* und das hat sie NICHT! abgeschreckt.

      Gentleman, der ich nun mal bin (und Hasenfuß (aber das hab ihr nicht gehört!)), habe ich aber nichts davon raus gelassen. Ich war noch nie so verliebt und wollte es nicht schon wieder vergeigen. Ich war bereit, für ein Leben mit ihr, das alles im Schrank zu lassen und wäre verdammt glücklich damit gewesen. Aber nein! Ich weiß nicht mehr genau wie, aber eines Tages fand ich mich plötzlich in einem Gespräch mit meiner Liebsten wieder. Sie würde diese Sache da gerne mal ausprobieren. Ich also erst mal wieder Luft geholt, Kaffee vom Hemd gewischt und dann alles mit ihr besprochen. Tabus, Safeword etc., vor allem aber was das genau für unsere Beziehung bedeuten würde.
      Uns beiden war die viel zitierte Augenhöhe sehr wichtig. BDSM gehört für uns ins Schlafzimmer (oder auch in den Rest der Wohnung wenn der Kleine bei der Oma ist ;))
      Und von da an gehörte das in unser Leben. Mal mehr, mal weniger, mal gar nicht, aber immer wieder.

      Im Moment ist wieder so eine "Mehr" Phase. Neulich meint sie so zu mir sie wäre gerne meine Sub.

      Und damit kommen wir nun zu des Pudels Kern (was jetzt erst? Ja, verdammt, lass mich doch mal wenn ich schon am erzählen bin):

      Sie hat's gerne wenn ich mir nehme, was ich will. Sie mag Haue, aber es darf nicht zu dolle weh tun. (Tut es auch nicht, ich bin meistens eher zu vorsichtig). Sie liebt das Gefühl gefesselt zu sein. Zu Beginn sagte sie, niemand darf an ihren Hals. Aber ich darf und tue und sie liebt es. Sie mag Klammern, Haare ziehen, Atemkontrolle. Ihr seht, es geht zuweilen recht ruppig zu bei uns.
      Sie vertraut mir und weiß, ich würde sie nie ernsthaft verletzen, dafür liebe ich sie auch viel zu sehr. Sie hat mir sozusagen freie Hand gelassen. Ich darf mit ihr tun was ich möchte (natürlich absolute Tabus ausgenommen) und ich muss sagen, diese Art Freiheit ist ganz schön einschüchternd. Ich kämpfe deswegen immer noch mit mir. Ich weiß, sie kann jederzeit abbrechen wenn ihr was zu weit geht, andererseits möchte ich es nicht gerne überhaupt so weit kommen lassen.
      Bisher hat sie ihr Safeword noch nie benutzt. Wir hatten schon ein paar Momente, wo ich bemerkt habe es stimmt was nicht. Da habe ich etwas aus der teilweise unschönen Vergangenheit getriggert, aber immer war ich es der abgebrochen hat. Die Tränen in diesen Momenten haben was befreiendes, als ob ein Knoten geplatzt wäre. Wir haben das beide als etwas Positives erlebt. Wir sind schon manches mal an Grenzen gegangen, auch darüber hinaus und bisher war alles wunderbar.

      Bisher also alles gut und trotzdem habe ich das Gefühl ich stehe vor einer Wand und komme nicht drüber. Ich fahre sozusagen mit angezogener Handbremse. Ich habe Probleme damit mich drauf zu verlassen, dass sie im Notfall abbricht. Nicht weil ich ihr das nicht zutraue, sondern ich bin das Problem. Ich würde das irgendwie als Versagen betrachten, wenn sie das müsste. Das trifft es auch nicht genau aber es geht schon in die Richtung.
      Außerdem weiß ich nicht genau was ich da vor mir habe. Nach all den Jahren immer noch nicht. Sie ist nicht masochistisch. Aus Schmerzen, Demütigungen und dergleichen gewinnt sie keine Lust. Devot ist sie aber auch nicht besonders. Wenn ich ihr mit D/s käme, würde sie mir den Vogel zeigen. Beim Sex ist das anders, da sind klare Ansagen erwünscht und funktionieren. Ich habe immer wieder versucht das auszuloten. Was genau ihr das eigentlich bringt. Sie findet es eben schön den Kopf ausschalten zu können und einfach genießen. Und das tut sie. Ihr gefallen die gröberen Sachen ebenso wie mir.
      Ich lerne viel zum Thema BDSM, mache meine Hausaufgaben, damit ich alles im Griff habe. Damit ich reagieren kann wenn mal was sein sollte und damit sie sicher ist bei mir. Aber sowas wie uns beide scheint es nicht so oft zu geben.
      Wir haben kein S/M, wir haben kein D/s, Bondage, dickes Ja, das haben wir aber eben nicht nur. Was haben wir denn?
      Und warum ist das wichtig?
      Ist es ja eigentlich nicht. Wir haben beide Spaß und fühlen uns Pudelwohl.
      Aber manchmal kommt es mir so vor als würde ich im Trüben fischen. Bei allem was ich inzwischen weiß, weiß ich trotzdem nicht wie ich meiner Liebsten beikommen soll. Sie sieht das gar nicht so, findet alles was ich mit ihr mache gut so und ist zufrieden. Und ich bin das ja auch, nur der Kopf will eben manchmal nicht still sein. Kann einfach nicht akzeptieren, dass man manchmal eben nicht wissen sondern fühlen muss.
      Jetzt, wo ich das so schreibe, ist das vielleicht das Geheimnis? Nicht zuviel nachdenken mal wieder!

      Hat jemand schon mal solche Erfahrungen gemacht und kann mich an Einsichten teilhaben lassen? Gerne auch von Sub/Dev/wasauchimmer-Seite.

      P.S.: Ich bin auch niemandem böse, wenn er oder sie sich diesen Textschwall ausnahmsweise mal erspart.

      Sorin (*tapfer auf Absenden klickend*)

      Sorin schrieb:

      Wir haben kein S/M, wir haben kein D/s, Bondage, dickes Ja, das haben wir aber eben nicht nur. Was haben wir denn?
      Deine Schilderungen legen -denke ich- schon nahe, daß deine Frau den Kontrollverlust genießt. Das ist fast schon das Zentrale Thema bei Bondage und Atemkontrolle.

      Die Frage ist eben so ein bißchen, ob ihr nicht beide eine ziemlich enge Definition von D/s habt, in der ihr euch einfach nicht wiederfindet. Womöglich kann sie mit bestimmten Elementen, die ihr beide damit verknüpft, nichts anfangen. Aber, und vielleicht beruhigt dich das etwas: Die wenigsten Menschen stehen wirklich auf das volle Programm.
      'ist doch vollkommen in Ordnung, wenn ihr beide herausgefunden habt was euch jeweils kickt, wo die Schnittmenge liegt, und wie ihr das genießen könnt. Im Idealfall sollte das genau so laufen. Und ob sich jetzt ein Label auf die Dinge anwenden läßt, die ihr gerne miteinander tut, ist doch eigentlich sekundär, oder?

      Zumal ohnehin keinerlei Einigkeit darin besteht, wie D/s, 24/7, TPE oder was auch immer jetzt auszusehen hätte. 'ist dir als stillem Mitleser hier sicherlich auch schon aufgefallen. :icon_lol:

      Sorin schrieb:

      Bisher hat sie ihr Safeword noch nie benutzt. Wir hatten schon ein paar Momente, wo ich bemerkt habe es stimmt was nicht. Da habe ich etwas aus der teilweise unschönen Vergangenheit getriggert, aber immer war ich es der abgebrochen hat. Die Tränen in diesen Momenten haben was befreiendes, als ob ein Knoten geplatzt wäre. Wir haben das beide als etwas Positives erlebt. Wir sind schon manches mal an Grenzen gegangen, auch darüber hinaus und bisher war alles wunderbar.

      Sorin schrieb:

      Ich habe Probleme damit mich drauf zu verlassen, dass sie im Notfall abbricht. Nicht weil ich ihr das nicht zutraue, sondern ich bin das Problem. Ich würde das irgendwie als Versagen betrachten, wenn sie das müsste. Das trifft es auch nicht genau aber es geht schon in die Richtung.

      Sorin schrieb:

      Wir haben kein S/M, wir haben kein D/s, Bondage, dickes Ja, das haben wir aber eben nicht nur. Was haben wir denn?
      Und warum ist das wichtig?
      Ist es ja eigentlich nicht. Wir haben beide Spaß und fühlen uns Pudelwohl.
      Aber manchmal kommt es mir so vor als würde ich im Trüben fischen. Bei allem was ich inzwischen weiß, weiß ich trotzdem nicht wie ich meiner Liebsten beikommen soll. Sie sieht das gar nicht so, findet alles was ich mit ihr mache gut so und ist zufrieden. Und ich bin das ja auch, nur der Kopf will eben manchmal nicht still sein. Kann einfach nicht akzeptieren, dass man manchmal eben nicht wissen sondern fühlen muss.

      Hallo Sorin,

      drei Zitate habe ich mir aus Deinem Beitrag herausgegriffen, um Dir meine Sicht der Dinge zu schildern. Aber auch die Überschrift Deines Threads möchte ich gerne noch zitieren, bevor ich loslege: "Beziehungsfragen, BDSM mit der großen Liebe/ in der Ehe und was hab ich eigentlich genau?"

      Irgendwo habe ich einmal den Satz gelesen: "Peitsche mich, wenn Du mich liebst." In dem Text ging es darum, wie schwierig es ist, BDSM mit einem Menschen auszuleben, den man liebt. Und ich denke, da liegt der Hund begraben, sozusagen.

      Du hast Deine Neigungen und warst bereit sie für die Frau, die Du liebst zu unterdrücken. Weil Du Sorge hattest sie zu verlieren, wenn Du Dich offenbarst. Nun ist Dein Schatz selbst mit dem Thema auf Dich zugekommen, weil es sie reizt und sie es mit Dir ausprobieren wollte.

      Und siehe da, ihr hattet schon viele schöne Sessions und habt so einiges entdeckt, was Euch beiden gefällt.

      Allerdings gab es schon Situationen, in denen Du abbrechen musstest, weil sie getriggert wurde. Es gab Tränen bei ihr. Doch ihr habt miteinander geredet, sie hat sich Dir anvertraut, was los war und so konntet ihr das trotzdem als positiv wahrnehmen.

      Du liebst sie, sie liebt Dich. Ihr wollt einander nicht schaden. Du möchtest sie vor einem Absturz schützen, sie möchte Dich vielleicht auch nicht durch einen vorzeitigen Abbruch mittels Safeword enttäuschen. Durch die oben genannten Situationen ist bei Dir zu Recht die Sorge aufgekommen was passiert, wenn Du einmal den richtigen Zeitpunkt zum Abbruch verpassen solltest. Du versuchst sie (und auch Dich) zu schützen, indem Du Dich umfassend zum Thema BDSM informierst, hast aber das Gefühl, nicht in die gängigen Schubladen (SM, DS usw.) zu passen.

      BDSM ist ein sehr weites Feld, auf dem man sich miteinander ausleben kann und ein sehr spannender Weg, den man miteinander gehen kann. Man muss nicht alles machen was es da so alles gibt, wie Cu_Roi auch schon geschrieben hat. Und trotzdem lebt man BDSM miteinander aus. Erlaubt ist, was gefällt ;)

      Tja, wie kann man Dir die Sorge nehmen, dass Du nicht rechtzeitig abbrichst, wenn es ihr zu viel wird?

      Zunächst einmal ist es kein Versagen, wenn das Safeword fällt. Es ist eine Notbremse, ein Sicherheitsnetz, das Sub und auch Dom schützen soll. Ja, auch Dom kann ein Safeword aussprechen, wenn er an seine Grenzen stößt und einen Stopp braucht. Redet miteinander darüber, das ist sehr wichtig.

      Außerdem könnte es für Euch vielleicht hilfreich sein, wenn Ihr nicht nur ein Safeword habt, bei dem die Session komplett abgebrochen wird, sondern ein Ampelsafeword bzw. einen Ampelcode. Du kannst sie fragen, wo sie gerade steht und sie kann sagen "Grün", was für Dich heißt, es kann munter weiter gehen, alles ist in bester Ordnung.
      Oder sie kann "Gelb" sagen, dann weißt Du, dass Du Tempo oder Intensität rausnehmen musst, weil es gerade ein bisschen viel wird für sie. Oder sie kann mit "Rot" antworten, weil sie selbst merkt, es geht nicht mehr.

      Der Meine hat mich auch mit Ankündigung so oft zum Höhepunkt gebracht, bis ich das Safeword gesagt habe - einfach um zu testen, ob ich es auch wirklich mache. Vielleicht wäre das eine Option für Euch?

      Und dann komme ich zum letzten Punkt, der Dich beschäftigt: Du hast das Gefühl, im Trüben zu fischen. Weißt nicht, wie Du Deiner Liebsten beikommen sollst. Tja, damit hast Du absolut recht. Kein Dom kann seiner Sub in den Kopf rein gucken. Deshalb sollten Sub und Dom miteinander reden. Darüber, was gefällt und darüber, was nicht so sehr gefällt. Und vor allem darüber, was man gerne einmal ausprobieren würde, was man für Wünsche und Träume hat.

      Man kann darüber reden, man kann Sub auftragen, ein Tagebuch oder Briefe zu schreiben, wenn das Reden schwer fällt.

      Aber dann fischt Dom auch nicht mehr im Trüben, sondern hat eine grobe Richtung, in die er gehen kann.

      Ich wünsche Euch beiden noch viele schöne gemeinsame Erlebnisse und hoffe, ich konnte Dir mit meinem Beitrag ein paar Ideen mit auf den Weg geben.

      Liebe Grüße
      von Spätzle
      Lernen durch Schmerz ist nicht angenehm. Aber unglaublich effektiv.
      Klingt nach, du denkst zuviel darüber nach. Sieh es so, ihr beide seid seit 10 Jahren ein Paar. Es läuft reibungslos und ihr seid glücklich.

      Vielleicht hast du Angst Fehler zu machen und sie haut dann ab?
      Vielleicht ist es bloße Hirnwixxerei?
      Oder, oder, oder.....

      Mein Tipp ist, entspann dich und sei sorgsam wie bisher. Du hast eine Frau 10 Jahre glücklich gemacht und bist damit ein Held für viele Männer.
      Und Nein, dass ist kein Frauen schlecht machen, ich hab es nur noch nie so lange geschafft......dabei bin ich angeblich sehr aufmerksam.

      Also entspann dich. Goosfrabe :)
      Watzlawick, Anleitung zum unglücklich sein löst alle Problem.
      Ich will da gar nichts analysieren und zu einzelnen Abschnitten deines Posts kommentieren, @Sorin.

      Nur vier Punkte dazu:
      1. Es geht mir/uns genauso ^^

      2. Alles fühlt sich richtig an, aber ohne Bezeichnung, auch wenn es letztlich BDSM ist.

      3. Auch ich handele manchmal mit angezogener Handbremse, weil ich meine Zaubergeige nicht kaputt machen will. Sie selbst ist von meinen Aktionen aber geflasht.

      4. Ich finde es gerade ganz toll, dass Du geschrieben hast, was Du geschrieben hast.
      :thumbsup:

      Sorin schrieb:



      Hat jemand schon mal solche Erfahrungen gemacht und kann mich an Einsichten teilhaben lassen?
      In aller Kürze: Yepp das kommt mir alles bis auf Vorehe und Depressionen sehr bekannt vor, ist meiner Geschichte nicht ganz unähnlich. Eigentlich verdammt ähnlich :whistling:

      Mein Rat, Zweifel nicht nicht so viel, denke nicht zu viel und Genieße jeden Augenblick.
      Kreiert euer Leben und euren BDSM, überlasst die Schubladen den Anderen die sich dort Wohl fühlen ;)
      "Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch"
      Ich glaube, Du hast bei dem Thema zwei (ich mag nicht schreiben Denkfehler) aber Knackpunkte, die nicht unbedingt zusammenhängen.

      Der erste ist der Wunsch, Euer BDSM in eine Kategorie zu sortieren. Das ist oft nicht möglich. Es gibt so viele Spielarten, die nicht in eine Schublade passen. Dazu kommt, dass sich BDSM in einer langen Beziehung auch oft verändert, weiterentwickelt. Mein Mann und ich sind jetzt seit 18 Jahren zusammen. Spielen tun wir von Anfang an miteinander. Trotzdem hat sich das Spiel über all die Jahre verändert. Waren wir anfangs streng SSC unterwegs, sind wir irgendwann zu CNC übergegangen und spielen schon lange ohne Safeword. Tatsächlich kommt dadurch dem Top eine größere Verantwortung zu.

      Und damit sind wir glaube ich bei Deinem zweiten Punkt, der Sorge irgendwann einmal etwas zu übersehen. Ich finde es sehr verantwortungsvoll von Dir, dass Du Dir hier Sorgen macht. Aber Ihr spielt mit Safeword - und damit liegt bei ihr die Verantwortung, dieses auch zu verwenden. Natürlich kann es zu Konstellationen kommen, bei denen Bottom nicht mehr in der Lage ist, es zu äußern. Meiner Erfahrung nach aber in einer so verantwortungsvoll gespielten und langen Beziehung eher selten. Schade ist, wenn Du Dich durch die Angst bremsen lässt. Letztendlich bedeutet es, dass Du Angst hast, sie würde ihr Safeword ggf. nicht anwenden, ihr und Dir in der Hinsicht also nicht 100 % vertraust.

      Vielleicht würde es Dir helfen, sie einmal absichtlich über ihre Grenzen hinauszutreiben um zu sehen, ob sie es anwendet. Das natürlich auf keinen Fall ohne vorherige Kommunikation! Ich würde Deine Ängste mit ihr besprechen und sie fragen, ob sie mit so einem Test einverstanden wäre, um Dir Sicherheit zu geben. Wenn sie einverstanden ist, probierst Du es in einer Szene in naher Zukunft (sinnvoller Weise sollte sie nicht exakt wissen wann) aus. Der Vorteil wäre, dass Du in dieser Szene hoch aufmerksam bist, auf keinen Fall etwas übersiehst weil Du ja weißt, ab wann Du sie weitertreibst und dann im schlechtesten Fall selbst abbrechen kannst. Im besten Fall lernt Ihr dabei, dass das Safeword für Euch funktioniert.
      A gentleman is a man who knows when not to be gentle.
      Für mich klingt das auch nach: meeeeega klasse!

      Schubladen hin oder her! Wer sagt, dass BDSM immer im Extremen ausarten muss? Maso ist man erst, wenn man 100 Schläge mit dem Rohrstock wegsteckt und dann noch keine Tränen in den Augen hat?
      Devot ist man erst, wenn man 24 Stunden an der Leine durchs Haus gekrabbelt ist und danach noch brav "Danke" sagt?
      Ich denke nicht. Und es ist auch völlig egal wieviel von was.

      Wichtig ist für mich das Vertrauen zueinander, und das scheint ihr offenbar zu haben. Nur du nicht in dich! Wieso?
      Wieso wäre es schlimm, wenn deine Frau einmal das Safewort sagt? Schlimm ist nicht das Wort, schlimm ist nicht der Abbruch. Schlimm wäre, wenn du sie danach mit ihren Gefühlen im Regen stehen lassen würdest.
      Ich denke in deiner Frau schlummert bestimmt noch was, etwas das sich nur durch rantasten erfahren lässt. Und ja, dann riskiert man (oder Frau) eben auch mal, dass es mal kurz zwickt und zwackt. Vielleicht kann man daran wachsen, vielleicht war es wirklich zu viel.

      Ich glaube so ziemlich jeder hier im Forum wird schon mal über die ein oder andere Grenze hinaus geschossen sein. Die große Frage ist nur immer: wie gehe ich danach damit um. Und gut gehalten, so wie du den Anschein machst, kann so ein Sturz gar nicht so weh tun.

      Die Idee mit dem Austesten des Safeworts finde ich übrigens auch sehr gut!

      Trau dich!

      Ziva schrieb:

      Ich glaube so ziemlich jeder hier im Forum wird schon mal über die ein oder andere Grenze hinaus geschossen sein.
      Ganz wichtiger Punkt! Und auf keinen Fall auf das Forum zu beschränken. Ich bin mir sehr sicher, dass jeder, der schon länger in der Szene unterwegs ist, irgendwann mal sein persönliches Waterloo erlebt hat. Das kann bei kleinen Fehlern, wie einem nicht sauber sitzenden Schlag, der dann unerwünschte Körperzonen mit unerwünschten Folgen erreicht, über Subdrop bis hin zum ungewollten Auslösen irgendwelcher Trigger reichen. Genau wie @Ziva schreibt - wichtig ist, wie man damit umgeht.
      A gentleman is a man who knows when not to be gentle.
      Ich möchte euch allen danken!

      Es ist unheimlich schön, zu hören dass ich nicht der Einzige bin, der solche Schwierigkeiten hat. Eigentlich ist das ja klar, wann ist man in Irgendwas schon mal der Einzige? Trotzdem wirklich beruhigend.

      Ich habe hier viele gute Ratschläge und Ideen gelesen. Damit lässt sich wirklich was anfangen. Ist das toll mal mit wem zu reden der weiß worum es geht!

      Madame hat zur Zeit Nachtschicht, daher tagsüber Schlafbedarf. Und ich kümmere mich Nachmittags dann um Kind und Haushalt, daher war heute nicht viel Zeit. Kurz geredet haben wir dann aber doch, wir reden überhaupt viel und werden uns nie langweilig. Nach so langer Zeit... hielt ich für unmöglich. Schon zusammenleben war mir früher nicht geheuer. Aber ich Schweife ab...

      Ende vom Lied war jedenfalls, dass sie mir durch die Blume mitgeteilt hat, ich möchte doch im Alltag bitte auch "etwas mehr den Dom raushängen lassen"! Spucke weg, Schnappatmung!
      Auf konkrete Nachfrage hat sie das auch nochmal bekräftigt. Also schätze ich es geht auf zu neuen Abenteuern! ;)

      Vorstellungen oder gar Wünsche wohin das alles führen soll hat sie eher nicht. Wie erwähnt, sie hat nicht wirklich die Vorstellung vom weiten Feld BDSM. Auch nicht wirklich die Zeit um sich da groß was anzulesen (Heil- und Pflegeberufe eben). Ist auch wirklich nicht der Typ Frau, der z.B. Handbücher liest. Macht aber nichts, ich hab Ideen für zwei. Manchmal habe ich auch den Verdacht sie geniert sich ein bisschen. Diese Frau! So unanständig und trotzdem zuweilen schüchtern. Hinreißend!

      Kurzum: Auch wenn mein Problem ja nicht wirklich ein Problem war/ist sondern eher so latente Gedanken die mich eben begleiten und sogar manchmal hemmen, habe ich doch neuen Mut gefasst.
      Ich bin bin ja eigentlich gut vorbereitet und sie ein großes Mädchen, das wirklich nicht auf den Mund gefallen ist und jederzeit kommunizieren kann wenn was ist. Ich trage eben nicht allein die Verantwortung, auch wenn ich das gerne würde und es ein Lernprozess werden wird davon was abzugeben. Aber wir haben ja Zeit!

      Danke für eure offenen Ohren und aufmunternden Worte!

      Sorin
      Hallo @Sorin und danke fürs Teilhabenlassen an eurer Entwicklung.

      Über diesen Satz bin ich "gestolpert":

      Sorin schrieb:

      nur der Kopf will eben manchmal nicht still sein. Kann einfach nicht akzeptieren, dass man manchmal eben nicht wissen sondern fühlen muss.
      Genau das kenne ich auch. Und genau das ist es, was bei mir immer wieder so vieles infrage stellt, anzweifeln lässt, überlegen lässt, ob das alles so gut und richtig ist. Dabei kommt mir ganz oft das Fühlen in der Situation zu kurz. Auch ich muss mir dann immer wieder sagen: Wenn es sich gut und richtig anfühlt, dann ist es auch so.
      Trotzdem sind dann immer wieder die Gedanken und dann frage ich auch meinen Herren, wie er gewisse Dinge sieht oder empfindet. Und spätestens dann läuft mein Kopfkarussell wieder an und ich hinterfrage die Dinge. Kann nicht mehr den Augenblick genießen. Nur befinden mein Herr und ich uns noch ziemlich am Anfang unseres gemeinsamen BDSM, noch in unserer Findung. Da muss ich doch fragen. Es ist für mich eine Zwickmühle.
      Manchmal genügt es mir, wenn ich mich selbst frage: Will ich es überhaupt so genau wissen?

      Wie viele vor mir dir bereits schrieben, euer Weg hört sich doch ganz gut und stimmig an.
      Viel Freude bei eurer weiteren Entwicklung!
      "Erfahrung ist das, was man hat, kurz nachdem man es gebraucht hätte."

      Promise schrieb:

      Sorin schrieb:

      nur der Kopf will eben manchmal nicht still sein. Kann einfach nicht akzeptieren, dass man manchmal eben nicht wissen sondern fühlen muss.
      Genau das kenne ich auch. Und genau das ist es, was bei mir immer wieder so vieles infrage stellt, anzweifeln lässt, überlegen lässt, ob das alles so gut und richtig ist. Dabei kommt mir ganz oft das Fühlen in der Situation zu kurz. Auch ich muss mir dann immer wieder sagen: Wenn es sich gut und richtig anfühlt, dann ist es auch so.Trotzdem sind dann immer wieder die Gedanken und dann frage ich auch meinen Herren, wie er gewisse Dinge sieht oder empfindet. Und spätestens dann läuft mein Kopfkarussell wieder an und ich hinterfrage die Dinge. Kann nicht mehr den Augenblick genießen. Nur befinden mein Herr und ich uns noch ziemlich am Anfang unseres gemeinsamen BDSM, noch in unserer Findung. Da muss ich doch fragen. Es ist für mich eine Zwickmühle.
      Manchmal genügt es mir, wenn ich mich selbst frage: Will ich es überhaupt so genau wissen?

      Wie viele vor mir dir bereits schrieben, euer Weg hört sich doch ganz gut und stimmig an.
      Viel Freude bei eurer weiteren Entwicklung!
      Das kommt mir beides so bekannt vor...
      Die Zwickmühle, das Gedankenkarussel und zu wenig auf eine Situation einlassen und einfach fühlen...
      Immer wieder was hinterfragen.
      Anstrengend für mich und andere...
      Aber so bin ich nunmal... :P
      Ich tue mich schwer damit, das abzulegen... :fie:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von MaybeYourGirl ()

      hallo @Sorin,

      erstmal: toll geschrieben, vielen Dank dass Du uns an Eurer Entwicklung teilhaben lässt, und Kompliment zu über 10 Jahren glücklicher Beziehung!

      Mit sind beim Lesen hauptsächlich zwei Dinge in den Kopf gekommen. Vielleicht kurz vorweg: ich führe eine relativ ähnliche Beziehung, ein Jahr länger, zwei Kinder, vergleichbares "BDSM-Betätigungsfeld". Der Unterschied: meine Frau tut sich verdammt schwer mit reden, und seit dem 2. Kind liegt BDSM seit fast 5 Jahren auf Eis (wir würden schon gerne, ist aber eine andere Geschichte). Aber zurück zum Thema: Auch ich bin so ein Kopfmensch, wie Du nach Deiner Beschreibung einer zu sein scheinst. Ich bin da in der aktiven Zeit auch oft genug dran "gescheitert", sprich: man macht sich so viele Gedanken (nicht nur im Vorfeld, auch während der Session), weil man seiner Partnerin ja gerecht werden will. Wenn man sie schon quälen darf, soll sie sich wenigstens so gut wie möglich dabei fühlen. Und wenn das Safeword fallen würde, wäre das das persönliche Waterloo. Tatsächlich habe ich öfter Abstriche an meinem eigenen Vergnügen gemacht (zumindest im Nachhinein betrachtet) als ich es geschafft habe, das Hirn einfach abzuschalten. Blöde Sache, aber ich fürchte, da können Menschen wie wir einfach nicht anders.

      Der zweite Punkt ist die Intensität: ich finde es wohltuend zu hören, dass es noch BDSMler gibt, die nicht dem Hauptziel "schneller, höher, weiter" hinterher rennen. Inzwischen sehe ich diese in der Minderheit. Dabei muss die berechtigte Frage doch lauten: wenn ihr zwei Euch mit dem Erreichten beide wohl fühlt, welchen Grund sollte es geben, das Reiseziel zu ändern? Das Kopfkino mag manchmal etwas anderes erzählen. Aber ich lese Deine Worte so, dass Du mit dem Status Quo ebenfalls zufrieden bist, und Du die Handbremse nur deshalb lösen willst, weil Du meinst, ihr mehr bieten zu müssen. Auf der anderen Seite ist da aber die Angst, dabei aus der Kurve zu fliegen.

      Nach Deinem letzten Beitrag hat sich ja trotzdem ein neues "Betätigungsfeld" ergeben, in dem man neue Erfahrungen sammeln kann. Aber trotzdem kann man es ja wieder ruhig angehen lassen, und muss nicht innerhalb kürzester Zeit ständig neue Höchstleistungen aufstellen. Denn gerade in einer Langzeit-Beziehung stellt sich sonst doch irgendwann die Frage "und was kommt danach?", und mindestens einer würde ernüchtert die Segel streichen.

      Zusammengefasst klingt für mich überzeugend was ihr macht, und wie ihr es macht. Und vermutlich werdet ihr genau dabei auch noch viele schöne Jahre vor Euch haben. Völlig egal, wie andere es nennen oder bewerten würden.

      Herzliche Grüße
      LotOfKnots
      Weißt du, @LotOfKnots da hast du genau den Punkt getroffen. Ich konnte das wohl nicht so richtig in Worte fassen, aber das trifft es genau!

      Ich will ihr was bieten! Ich weiß nur eben nicht genau was und wie viel. Sie weiß das ja selbst nicht. Also biete ich Schrittchen für Schrittchen was an und wenn sie anbeißt prima. Falls nicht, gings eben daneben. Genau betrachtet ist es eigentlich die ganzen Jahre davor auch schon so gewesen, nur ohne dass ich das so ausformuliert habe.

      Dank der guten Tipps und netten Worte hier und per PN glaube ich, ich kann diese, ja hmm.. nennen wir es mal Angst, ich könnte übers Ziel hinausschießen überwinden. Ich arbeite zumindest daran. Weil es sich lohnt.

      Bisher hat ja alles prima geklappt soweit. Sie hatte ja nun genug Zeit und Gelegenheit, das Weite zu suchen. Wird sie auch immer haben. Tut sie aber nicht. Sie kann mich jederzeit stoppen, wenn es nötig wäre. Ich liebe sie, sie mich und wir sind füreinander da.

      Mir diese Punkte klar zu machen war wohl das, was gefehlt hat. Nicht dass ich das nicht gewusst hätte, aber manchmal brauch ich es eben in doppelter Ausführung und in weichem Torf gesteckt. Kopfmensch eben, das stimmt.

      Genaue Details finden sich mit der Zeit. Zeit lassen wir uns immer schon. Ich kann warten, bin eh nicht so der hastige Typ ;)

      Was mich auch erstaunt sind die Komplimente für die lange Beziehung. Das ging wie im Sauseschritt. Aber wenn man das hier so liest.. ja das ist schon ein ganzes Stück. Wie erwähnt, meine erste längerfristige Beziehung. Meine güte, ich glaub ich werde langsam erwachsen

      Ihr alle habt mir dabei geholfen, das zu sortieren. Vielleicht stolpert eines Tages mal jemand über dieses Thema und kann was davon gebrauchen. Dann hätte ich auch mal was zu dieser tollen Community beigetragen.

      Sorin

      Neu

      • Oooops, bin hier über den vom Eingangstext reingestolpert, hab mich/uns teilweise sehr treffend wiedererkannt, und hier auch für uns, bzw. gerade mich sehr tolle und vor allem praktische, weil umsetzbare Hilfe mitnehmen können! Danke erstens für das Thema, die mitfühlenden Antworten mit den vielen prägnanten und hilfreichen Ausformulierungen! :D