Zu unspontan zum Bestrafen? (Probleme mit Verhaltensmodifikation)

      Zu unspontan zum Bestrafen? (Probleme mit Verhaltensmodifikation)

      Hallo liebe Forengemeinde,

      Seit einiger Zeit beschäftigte mich die Frage, weshalb es innerhalb meiner H/s-Beziehung solche Schwierigkeit beim Thema Verhaltensmodifikation gibt, obwohl wir eigentlich an einem Strang ziehen und beide das gleiche wollen. Mein Sklave legt öfter mal freches, provokantes und aufmüpfiges Verhalten an den Tag, was ihm aber häufig gar nicht bewusst ist. Im Nachhinein kann ich ihm dann auch sagen, dass ich diese Aspekte seines Verhaltens an jenem Tag/Treffen nicht gut fand, was ihm bzw. uns aber kaum etwas bringt. Er versteht, gerade wenn die Situation bereits gelaufen ist, nicht, was ich frech finde und was akzeptables Verhalten ist. Ich kann aber auch schwer alle Möglichkeiten aufzählen, mit denen er über die Strenge schlagen könnte.

      Außerdem, und hier wird der Hund begraben liegen, tue mich unglaublich schwer damit direkt in der Situation zu reagieren.
      Manchmal habe ich Angst zu viel von ihm zu verlangen (wobei, s.o.), in den meisten Fällen weiß ich aber absolut nicht wie ich angemessen reagieren soll. Von einem Strafkatalog wird ja grundsätzlich abgeraten und ich kann schließlich auch hier nicht alle Eventualitäten bedenken. Wie aber spontan reagieren? Ich bin ein unglaublich unspontaner Mensch, wenn ich selbst agieren soll und wir haben daher auch kaum Sessions, da das von meiner Seite aus einfach immens viel Planung erfordert.

      Meine wesentliche Frage an euch also nochmal: wie habt ihr gelernt, spontan Strafen zu finden (wenn Sub/Sklave/Bottom euch da freie Hand lässt)?

      DieGoettin schrieb:

      Meine wesentliche Frage an euch also nochmal: wie habt ihr gelernt, spontan Strafen zu finden (wenn Sub/Sklave/Bottom euch da freie Hand lässt)?

      Im Alltag habe ich es einfach aufgeben, den mir fehlt oft die Spontanität eine angemessene Strafe festzulegen. Wir haben ein Strafbuch, welches Sub zu führen hat um Ihre „Vergehen“ eigenständig einzutragen. Meine Sub macht das nicht gerne und oft ist es schon „Strafe“ genug, sich einen Fehler oder Fehlverhalten einzugestehen.

      Wir haben dazu unsere Regeln, d.h. unsere gemeinsamen Vorstellungen, wie wir D/s im Alltag leben wollen schriftlich fixiert. Das ist kein starres Regelwerk, denn wir passen es immer wieder an unseren Alltag an. Gemeinsames Kopfkino im D/s ist die eine Sache, der gelebte reale Alltag das andere.

      Das Führen eines Strafbuches hat auch den Vorteil, dass man bzw. Sub eine Entwicklung chronologisch betrachten kann und sich damit auch eine Art von „bewusst machen“ ist. Gerne lasse ich auch mal die Strafpunkte auflaufen, damit steigt natürlich das Unbehagen beim Sub, was da wohl als Strafe kommen wird. Auf der anderen Seite auch die Gelegenheit, Strafpunkte als „Belohnung“ abzubauen.

      Sind wir für uns und ungestört, folgt auf Verhalten immer eine Reaktion, was dann im Sinne einer englischen Erziehung wäre oder ist.
      Das Geheimnis ist nicht, die Schmetterlinge zu jagen, sondern den Garten zu pflegen, so dass sie von alleine kommen - Mario Quintana
      ich könnte mit vorstellen, wenn Du einfach sein gesagtes( was unangemessen war) wiederholst.....

      Er...ich will das....

      Du: du willst!...das ..... oder Du bittest darum......


      so wird es deutlich für Ihn......und dann könnte er es ins Strafbuch eintragen zum Beispiel und Du hast Zeit Dir zu überlegen wie Du darauf reagieren willst.
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      Du könntest Dir auch eine „Pauschalstrafe“ im Vorfeld überlegen, z.B. Heute gibt es dafür 5 Schläge mit der Gerte. Dafür kannst du dir die Gerte schon mal griffbereit an die Seite legen und brauchst dann in dem Moment des Fehlverhaltens nicht mehr spontan eine Idee haben.

      Oder ähnlich wie @Viva es beschreibt, dir eine Geste und/oder einen Satz vorher zurechtlegen, die du dann in dem Moment sagst oder ausführst.

      Wenn dir sein Fehlverhalten erst im Nachhinein aufstößt, wenn du über es nachdenkst, dann hilft dir dies beides leider nicht. Dann würde ich einfach einen Haken dran machen und versuchen, beim nächsten Mal in dem genauen Moment zu handeln wie oben beschrieben.
      Fragen sind niemals indiskret, nur Antworten sind es zuweilen.
      - Oscar Wilde -
      Warum eigentlich keinen Strafkatalog?

      Und beim Lesen bemerkte ich: warum solltest du seine Fehler aufzählen müssen. So, wie du es schreibst, macht er die 'Frechheiten' bewusst oder er hat noch nicht genügend gelernt?!

      Mit würde da spontan eine Beicht&Lernstunde einfallen. Lasse ihn doch überlegen, was er wann verkehrt gemacht hat und bestrafe ihn dann dafür. Selbsterkenntnis Plus Strafe ist doch bestimmt sehr hilfreich. Und dann wird er eventuell auch genauer auf deine Reaktionen achten und wissen, was später kommt. So musst du auch gar nicht erst sofort reagieren ...
      Be blessed and unstoppable!
      Ich bin erstmal kein Mensch der gerne mit Strafen arbeitet, Konsequenzen ja, Strafen nein. Für mich liegt der Unterschied darin, dass die Konsequenz eben aus dem Handeln heraus ersichtlich ist.

      Ich würde statt zu überlegen, wie du "spontaner" strafen kannst, erstmal reden, warum er sich so verhält.
      Und ein "das passiert einfach" reicht da nicht, dann reflektiert er sein Verhalten nicht genug.

      Bottoms/Subs/Sklaven können aus ganz verschiedenen Gründen über die strenge schlagen.
      Hier ein paar die mir einfallen:

      Sub ist übermütig oder aufgeregt oder überdreht. Meistens passiert sowas aus der Situation heraus und ist nicht böse gemeint. Hier hilft Strafe evtl nicht Mal was, sondern ehr ein besserer Umgang, auch auf Dom Seite, mit der Situation. Ich werde um Beispiel schnell aufgedreht wenn ich mich sehr auf etwas freue/ gefreut habe oder aufgeregt bin. Da hilft keine Strafe, sondern ehr dass man mich liebevoll und bestimmt wieder in meinen Rahmen weist.

      Aufmerksamkeit des Doms erlangen, weil man sie gerade braucht oder wünscht.
      Hier geht es oft eigentlich um mehr Dominanz und Führung. Evtl weil man sich gerade unsicher ist, es etwas "härter" möchte, oder eben eine Session ohne das man danach fragen kann/will. Auch hier wird der Dom anerkannt, aber scheinbar ein Bedürfnis übersehen/ nicht richtig kommuniziert.
      Hier können auch sogenannte Funishments helfen, gerade wenn Sub es nicht schafft um eine Session zu bitten. Dann lieber das "darum bitten" trainieren und für den Anfang eben die Funishments nutzen, um die Hürde etwas niedriger zu machen.

      Dominanz wird nicht gespürt/ in Frage gestellt.
      Hier merkt Sub nicht genug Dominanz und schlägt deshalb über die Stränge. Hier hilft vielleicht strengere Handhabung, mehr regeln und sicher auch strafen.

      Man sieht es gibt so viele Gründe, warum Sind tut was Sub tut. Deswegen wäre es in meinen Augen sinnvoll vorher zu klären, warum sich so verhalten wird, bevor man neue Maßnahmen ergreift.
      Ist auch eine sehr gute Gelegenheit von beidem zu reflektieren und nochmal klar zu machen, was gewünscht ist, auch von deiner Seite aus.

      Wenn das dann rum Ist, kann man anfangen und Maßnahmen entwickeln.
      Zum Beispiel ein Strafbuch oder bestimmte Kategorien von Fehlverhalten ziehen bestimmte Kategorien von Strafe nach sich. (unerlaubtes naschen = 5km Joggen oder sowas) dann musst du auch nicht immer drüber nach denken welche Strafe jetzt gut wäre. Und die Strafe hat etwas mit dem vergehen zu tun.

      Das mit der Geste und dem bestimmten Blick/ Unterton finde ich auch immer eine gute Lösung um darauf hinzuweisen, das etwas nicht stimmt und das dann gegeben falls später nochmal anzusprechen und zu klären.

      Also: erst Ursachen Forschung und dann den Ursachen entsprechend Maßnahmen ausarbeiten. ^^

      Laurana schrieb:

      Warum eigentlich keinen Strafkatalog?
      wäre für mich zu berechenbar.....

      Ich könnte mir vorher überlegen will ich das Strafmaß einstecken oder nicht...ist es mir das wert......Wiederholung wäre da nicht ausgeschlossen.


      Und gerade immer wieder andere Szrafen...womit man nicht gerechnet hat zeigen dann die Wirkung.
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      @AkiChan Deine Denkweise gefällt mir prinzipiell, da sie doch wesentlich mehr in die Tiefe geht als die Vergehen mit Pauschalstrafen abhaken zu wollen.

      Seine frechen Sprüche kommen aus seinem Bedürfnis heraus der Unterhalter und Bespaßer sein zu müssen und dabei fällt ihm immer mal wieder nicht auf, dass er wunde Punkte bei mir trifft. Da betont er aber wirklich, dass er es im Moment nicht merkt und ist im Nachhinein ziemlich traurig darüber mich verletzt (oder in harmloseren Fällen einfach genervt) zu haben. Manchmal hatte er krasse Energieschübe, die mich echt überfordert hatten, welche er aber abgestellt hat.

      Generell bin ich die stille Person von uns beiden und wenn ich meine, auch platonischen, Beziehungen betrachte, scheine ich immer jemanden zu benötigen, der sein Ding macht - auch wenn ich solche Entertainer teilweise unangenehm finde - um mich irgendwie sicher zu fühlen.
      Generell kollidiert meine passive Art ziemlich oft mit meiner Dominanz, aber wenn ich gar keinen Raum bekomme, kann ich den natürlich auch nicht einnehmen mit meiner Person. Wenn das irgendwie Sinn macht? Vielleicht bin ich deswegen besonders gehemmt, etwas im entsprechenden Moment zu sagen, weil mein Unterbewusstsein mir einredet, dass das der Preis dafür ist, dass es Unterhaltung gibt... Natürlich möchte ich sein Verhalten trotzdem so gestalten, dass es mir gefällt.

      Noch etwas, worauf ich eingehen kann ist, dass er absolut nicht merkt wenn mir etwas missfällt, wobei es meinen Mitmenschen aber generell schwer fällt mich zu lesen. Kann man solch eine Kommunikation erlernen? Der Vorschlag mit dem Handzeichen ist echt gut, aber ich lese hier oft, dass viele Paar es gänzlich nonverbal mit Blicken schaffen sich zu verständigen und langfristig wäre das ein schönes Ziel.

      DieGoettin schrieb:

      Noch etwas, worauf ich eingehen kann ist, dass er absolut nicht merkt wenn mir etwas missfällt, wobei es meinen Mitmenschen aber generell schwer fällt mich zu lesen. Kann man solch eine Kommunikation erlernen?
      Ich denke auch, dass direkte Bestrafungen dann nicht unbedingt der beste/effektivste Weg sind. Es scheint mir eher ein grundlegendes Kommunikationsproblem zwischen euch zu sein. Er muss ja erstmal merken, dass dir etwas wirklich missfällt. Wenn er das gelernt hat, kannst du entscheiden, wie du weiter vorgehen möchtest - abhängig davon, ob er darauf achtet und sich Mühe gibt oder trotzdem so weitermacht.

      Wenn dir etwas wirklich widerstrebt, dich etwas nervt, stört o. ä., kannst du es mit deinem Tonfall, der Wortwahl, Blicken, Gesten und der Körperhaltung unterstreichen. So könntest du in solchen Situationen bspw. darauf achten, wenige, aber deutliche Worte zu finden - und das genauso ernst, wie du es eben meinst. So, dass im Grunde kein Widerspruch möglich ist. Der Tonfall kann sich in solchen Situationen verändern, ernster und 'härter' klingen. Eine sehr klare und gut verständliche Artikulation/Aussprache sowie eine selbstbewusste Körperhaltung finde ich dabei ebenfalls wichtig. Begleitet von einem ernsten, ermahnenden Blick dürfte das schon Wirkung haben. Keine Unsicherheit zeigen, denn die verursacht beim Gegenüber ebenfalls Unsicherheit bzw. kann dazu führen, dass du nicht ernst genommen wirst. Es sollte meiner Meinung nach nur nicht nach Schauspiel aussehen. Bei würde es zumindest nicht dafür sorgen, dass ich den Ernst der Lage bzw. das Anliegen meines Herrn erkenne.

      Vielleicht reicht für den Anfang auch ein klares, bestimmtes 'Stopp! So nicht!'. Damit weist du ihn deutlich darauf hin, dass du sein Verhalten gerade nicht in Ordnung findest, ohne dass du große Worte dafür zu finden brauchst.
      Also ich sehe hier zwei Dinge:

      Erstens sein verlangen der Entertainer zu sein, welches du mögen und unterstützen kannst, oder eben auch nicht.

      Und zweitens das du das eigentlich magst und dann doch wieder nicht.

      Wenn daran was falsch ist, einfach kurz Bescheid geben. ^^
      Dann würde ich sagen, müsst ihr den Rahmen in dem er Entertainer sein kann besser fest legen. Und du musst ihm tatsächlich zeigen, was noch in Ordnung ist und was nicht.

      Ja man kann lernen expressiver zu werden. Sei dir selbst darüber bewusst, was du Aussagen willst. Dann kannst du es deutlich machen am Anfang, bis er lernt solche Zeichen auch unauffälliger zu verstehen.

      Zum Beispiel: dich nervt etwas, stelle dich mit verschränkten armen hin und trippel so nen bisschen mit den Fingern auf dem Oberarm. Wenn er das zu lesen gelernt hat, reicht wahrscheinlich auch eine kleinere Art von Geste.

      Dabei musst du selber aber konsequent sein in diesen Gesten.

      Ich weiß nicht wie das in deiner Kindheit war, aber wenn meine Mom der Meinung war ich hab was ausgefressen, dann hab ich das schon an ihrem Tonfall gehört, wie sie mich gerufen hat. Sowas kann man eben auch als Dom nutzen. ^^
      Für konsequentes Bestrafen bin ich leider viel zu oft viel zu tolerant. Dadurch kommen direkte Bestrafungen eher selten bei uns vor. Wir nehmen uns zwar immer mal wieder vor, etwas mehr DS mit in den Alltag einzubauen, aber das klappt nicht immer so wie gedacht.

      Was aber ganz gut funktioniert, wenn mir denn tatsächlich mal etwas missfällt, ist, dass ich einfach "Fünf" sage, so dass Subi weiß, dass sie gerade dabei ist, sich ein paar besondere Aufmerksamkeiten einzuhandeln. Wenn sie darauf noch nicht reagiert, folgt ein "Zehn" und so weiter. Das gibt dann bis zur eigentlichen Bestrafung auch noch Zeit, darüber nachzudenken, welche Art von Bestrafung es dann genau wird. Als Methode funktioniert das bei uns eigentlich relativ gut.
      Hab etwas überlegt, ob ich dazu was schreiben soll... naja:
      Der Sadist in mir kommt grad durch, wenn ich mir das so durchlese. Ich hätte da die Idee, Subbie emotional zu strafen.
      Nehmen wir mal an es tritt ein Fehlverhalten auf, nachdem man im Vorfeld bereits das Unterlassen vereinbart hatte. Ein kurzes "Schade...", ein betrübter Blick zu Boden. Danach Schweigen. Subbie wird schon wissen wollen was schade ist, dann könnte man erwähnen, was man denn mit Subbie Schönes geplant hätte. Jetzt ginge das nicht mehr, weil es als Belohnung gedacht war.
      Den Verlust von "Extrakeksen" androhen würde auch funktionieren, denke ich.

      Oder so wie ich als Sadist es halten würde, gemäß einem alten chinesischen Sprichwort:
      Wenn du nach Hause kommst, verprügle deine Frau. Wenn du nicht weißt warum: Sie weiß es. :ironie:
      Erst in Leid und Ekstase offenbaren Frauen ihre wahre Schönheit.