Meine persönliche Ansicht über die Erschaffung von Rollenbildern

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      Meine persönliche Ansicht über die Erschaffung von Rollenbildern

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      Vor kurzen habe ich eine Begründung gelesen, wie Klischees entstehen. Ich teile diese Meinung nicht ganz. Schon gleich gar nicht im Bereich des SM. Meine nachfolgenden Gedanken beziehen sich nicht auf alle Neulinge oder jede Sub/Sklavin. Es ist nur ein geringer Teil von allen. Aber leider existent.

      Im Lauf der Jahre habe ich immer wieder Gespräche geführt, in denen mein Gegenüber seine Frustration bezüglich seiner eigenen SM-Neigung dargelegt hat. Sehr oft habe ich Aussagen vernommen, die die Schlussfolgerung begründet, dass mein Gesprächspartner nicht verstehen wollte oder konnte, warum seine eigene Befriedigung, und wahrscheinlich auch die seines Partners, bei „Sessions“ oder in einer derart gelagerten Beziehung nicht eintreten wollte.

      Als wir im Gespräch immer weiter an den Kern kamen, stellte sich sehr oft heraus, dass die Betreffenden eine von außen, ich nenne es mal „Rollen-Klischee-Bild“, vorgefertigte Meinung über ihr eigenes Verhalten und ihre eigenen Reaktionen verinnerlicht hatten und sie annahmen, dass es so richtig wäre. Meist war es nicht mit ihrer eigenen Neigung, ihren eigen Vorlieben bzw. Abneigungen konform. Sie füllten diese Rolle jedoch mit allen Mitteln aus ohne auf ihre wirkliche Neigung zu achten.

      Sätze wie: “Eine Sub/Sklavin hat so und so zu sein.“, „Eine Sub/Sklavin muss so und so reagieren.“, oder: „Eine Sub/Sklavin ist vollkommen Rechtlos und immer gehorsam.“hörte ich immer wieder. Auf die Frage, ob dies auch ihre eigene Neigung und ihre eigene Meinung darstelle, haben dies viele verneint. Allerdings gleich hinterher geschoben, dass man dies von einer Sub/Sklavin genau so, auf diese Art und Weise erwarte und auch verlangen kann.

      Die Nachfrage, vorher sie eben dies wisse, wurde meist mit Aussagen wie: „Habe ich in Büchern/Filmen gelesen/gesehen.“, oder: „Habe ich im Netz gelesen.“, oder: „Es wurde mir im Netz bzw. von „Doms“ so gesagt.“ geantwortet.

      Hier beginnt meiner Meinung nach schon dieses klischeehafte Rollenbild, welches zu viel Frust führen kann. Man, eigentlich müsste ich sagen Frau, da ich 90% meiner Gespräche mit Frauen durchgeführt habe, vertraut nicht mehr auf seine eigenen Gefühle, die Neigung betreffend, sondern versucht, fast auf Biegen und Brechen, meist ohne Rücksicht auf sich selbst, die perfekte Sub/Sklavin zu sein. Man nimmt sich keine Zeit mehr, sich selbst zu entfalten, sich selbst zu erforschen und das Ganze in einer Partnerschaft erwachsen zu lassen.

      Es ist nicht mein Ansinnen, Bücher, Filme oder das Netz jetzt per se zu verteufeln. Ganz und gar nicht. Sie können durchaus inspirierend sein und einen den vielleicht fehlenden Schubs geben, seine möglicherweise schon seit Jahren unterdrückte Neigung anzuerkennen und auszuleben.

      In den Medien, welche ich meine, herrscht eine gewisse einseitige Pornographie vor.

      Meist ist der Mann der dominante Part, welchen alles gelingt und der alles kann. Die Frau wird meist als zu Beginn ablehnend, aber neugierig dargestellt, welche im Verlauf der Geschichte all ihre Ressentiments oder Tabus hinter sich lässt und zur vollkommen, begeisterten und willenlosen Sub/Sklavin wird, die nur von dem Wunsch beseelt ist, ihren Herren zu dienen und zu gefallen.

      Und dies alles in einer sehr, sehr kurzen Zeitspanne.

      Eigentlich bräuchte man ja nichts dagegen sagen.

      Aber.

      Es wird dabei nicht auf den Menschen eingegangen. Auf seine realen Bedürfnisse, seine realen Sehnsüchte und Wünsche. Es wird auch nicht viel von dem Respekt und der Achtung gegeneinander erzählt. Von dem Vertrauen, welches nicht portionsweise irgendwo gekauft werden kann, sondern das, ähnlich wie eine Pflanze, langsam wachsen muss.

      Auch eine SM-Beziehung oder D/s-Beziehung, hier mal stellvertretend, ist im Grunde erst einmal eine Beziehung zwischen zwei Menschen und nicht die Interaktion zwischen zwei Rollenbildern. Es gibt wirklich keinen Grund warum sie eine andere Mechanik oder Dynamik haben sollte wie jede andere Beziehung. Auch wenn die Machtverhältnisse etwas anders gelagert sind.

      Zugegeben.

      Es ist als Neuling im SM alles andere als leicht, zu seiner Neigung zu stehen und sie auszuleben. Aber eine Geschichte ist nun einmal eine Geschichte. Von jemanden erfunden um zu unterhalten und um verkauft zu werden. Natürlich gibt es auch gute Geschichten. Diese findet man allerdings meist schwerer, da sie nicht so oft verkauft werden bzw. eben nicht so, ich überspitze mal, reißerisch sind. Und nicht alles was im Netz steht oder gesagt wird sollte unbesehen geglaubt werden. Hier kann man viel und vor allem leicht und anonym sehr viel Mist schreiben.

      Rudolf schrieb:

      Es gibt wirklich keinen Grund warum sie eine andere Mechanik oder Dynamik haben sollte wie jede andere Beziehung. Auch wenn die Machtverhältnisse etwas anders gelagert sind.

      Nun, es gibt Heerscharen von Psychologen und Therapeuten, die das ganz anders sehen. Es gibt auch einige Bücher, wo der interessierte Laie, das wieso und warum nachlesen kann.


      Bereits vor 30 Jahren hat sich die Journalistin und Autorin K. Dietl-Wichmann die Mühe gemacht und Paare aufgesucht und die „Dynamik“ dieser Beziehungen zusammen mit dem Psychoanalytiker Dr. Wilhelm Schmid-Bode untersucht. Ihr Buch fand auch in der damaligen SM-Szene einigen Anklang und ist auch in der Leseliste im DEBRIS-Handbuch als Empfehlung zu finden, denn das Verstehen der besonderen Dynamik einer (B)DSM Beziehung ist auch Grundlage für die sogenannten Exploration.

      Gut, so tief braucht man auch gar nicht einsteigen, denn bereits bei einer EPE-Beziehung, wo nicht weiter in den Tagesablauf einer Sub eingegriffen wird, hast du eine ganz spezielle und abweichende Beziehung Dynamik. Es fehlt die Komponente, der sexuellen Bedürftigkeit, als Beziehung störendes Verhalten. Auch das wurde schon eingehend psychologisch beleuchtet. Das wie und warum kann man in der Transaktionsanalyse von Dr. Eric Berne nachlesen (Spiele der Erwachsenen - Psychologie der menschlichen Beziehungen).

      Ich will damit nicht sagen, das SM-Beziehung oder D/s-Beziehung besser sind, sie folgen aber ihrer eigenen besonderen Dynamik, abweichend von einer "normal" Beziehung!
      Das Geheimnis ist nicht, die Schmetterlinge zu jagen, sondern den Garten zu pflegen, so dass sie von alleine kommen - Mario Quintana

      Rudolf schrieb:

      Auch eine SM-Beziehung oder D/s-Beziehung, hier mal stellvertretend, ist im Grunde erst einmal eine Beziehung zwischen zwei Menschen und nicht die Interaktion zwischen zwei Rollenbildern. Es gibt wirklich keinen Grund warum sie eine andere Mechanik oder Dynamik haben sollte wie jede andere Beziehung. Auch wenn die Machtverhältnisse etwas anders gelagert sind.
      Hallo donatin,
      ich denke man muss auch den Satz vor dem den du hier zitiert hast dazunehmen: Da steht "ist im Grunde erst einmal eine Beziehung zwischen zwei Menschen und nicht die Interaktion zwischen zwei Rollenbildern" und so sehe ich das auch, sonst würde mich das ganze doch stark an Schauspielerei zwischen zwei Menschen erinnern. Und das wäre für mich nicht mehr sehr authentisch. Wie sich dann das ganze Verhalten zwischen einem Paar in einer BDSM Beziehung weiter entwickelt steht auf einem anderen Blatt und ist sicher sehr unterschiedlich.
      So meine Meinung zu dem Thema.
      Gib niemals auf...., Kämpfe für deine Träume....., ändere den Weg....., aber niemals das Ziel!
      Eve
      Danke für deine Analyse zu diesem Thema. Schön, einen längeren Text zu lesen, der auf Gesprächen und Lebenserfahrung beruht.

      Was du schreibst, kenne ich aus eigener Erfahrung. Am Anfang war ich sehr ehrgeizig und habe zu wenig auf mich gehört bzw. -auch aus der Faszination wegen all den neuen Erlebnissen - nicht wahrgenommen, was denn nun wirklich „meins“ ist und was nicht. Dabei habe ich mich und auch meinen Partner ziemlich unter Druck gesetzt.

      Dazu kommt halt leider, dass man als Neuling gerade im Internet mit teils wirklich wertenden Aussagen und Begriffen wie „Wunschzettelsub“ und „Dummdom“ konfrontiert wird und so etwas (z.B. die Sub, die nicht wirklich voll Hingabe zu allem bereit ist - ob sie Lust daraus zieht oder nicht, steht in solchen Diskussionen meist gar nicht zur Debatte- kann gar keine echte Sub sein und wehe dem Dom, der sich mit ihr abgibt) gerade Anfänger sehr verunsichern kann. Bei den Doms ist es ja das Gleiche... und ich hatte manchmal auch den Eindruck, dass dabei wird aber nicht berücksichtigt, dass manche Subs/Doms aus o.g. verhalten Lust ziehen und andere eben etwas anderes brauchen.

      Irgendwann habe ich dann hier irgendwo Gott sei Dank einen Beitrag gelesen, in dem sinngemäß stand, dass nicht alles so heiss gegessen wird, wie es gekocht wird. Und ich habe gelernt, dass es „verschiedene Arten“ von Subs gibt... und dass ich halt in kein Schema 100% reinpasse, sondern meine persönliche Submissivität sich aus verschiedenen Elementen zusammensetzt. Ich bin froh, das für mich erkannt zu haben und keinem bestimmten „Bild“ (Ideal wäre zu hart ausgedrückt) hinterherlaufen zu müssen, dem ich nicht entspreche und mit dem ich mich nicht glücklich wäre.

      Ich finde es gut, dass es zumindest in diesem Forum eine kritische (und teils sehr humorvolle) Auseinandersetzung mit solchen Dogmen gibt, wobei ich den Eindruck habe, dass das in erster Linie die Doms betrifft (wo das „Ideal“ ja scheinbar recht eindimensional ist - der große Schweiger, der souverän und ernst über Allem steht, nie Gefühle zeigt und keine Schwächen hat).

      Andererseits gibt es gewisse Werte, die dazu beitragen, dass BDSM attraktiv für mich ist und ich mich sicher fühle. Wenn in einem Club z.B. mehr und mehr Swinger samt ihren Verhaltensweisen und Normen auftauchen und gewisse „Benimmregeln“ nicht mehr gelten, ist diese Lokation nicht mehr attraktiv für mich, und ich mag da nicht mehr hingehen.

      "Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht".
      ~ Jean-Paul Sartre ~
      Zum einen muss ich meiner Vorschreiberin anschließen. Die ganze Aussage des Abschnittes wäre vielleicht besser gewesen.
      Aber naja.

      donatin schrieb:

      Bereits vor 30 Jahren hat sich die Journalistin und Autorin K. Dietl-Wichmann die Mühe gemacht und Paare aufgesucht und die „Dynamik“ dieser Beziehungen zusammen mit dem Psychoanalytiker Dr. Wilhelm Schmid-Bode untersucht. Ihr Buch fand auch in der damaligen SM-Szene einigen Anklang und ist auch in der Leseliste im DEBRIS-Handbuch als Empfehlung zu finden, denn das Verstehen der besonderen Dynamik einer (B)DSM Beziehung ist auch Grundlage für die sogenannten Exploration.
      Das erwähnte Buch müsste "Hörigkeit - Die Sehnsucht nach Unterwerfung" sein.
      Die darin aufgeführten Fallbeispiele bezeugen allerdings nicht die Freuden einer Hörigkeit, die auch von vielen Betroffenen als "Scheinbar" und "kurzfristig" dargestellt weden, sondern eher die Qualen des Betroffenen und die negativen Auswirkungen auf sein Leben bzw. seine Integration in seiner Lebensumgebung.
      Und ja. Es fand damals durchaus Aufmerksamkeit. Allerdings, so in meinen bescheidenen Dunstkreis, nicht als "Nachahmenswert" sondern eher als negativ Beispiel. Aber das wäre ja auch schon ein Anklang.
      Meine Meinung über DEBRIS werde ich nicht kund tun.

      donatin schrieb:

      Das wie und warum kann man in der Transaktionsanalyse von Dr. Eric Berne nachlesen (Spiele der Erwachsenen - Psychologie der menschlichen Beziehungen).
      Dr. Berne schreibt gute Bücher. Zweifels ohne. Eines meiner Lieblingsbücher von ihm ist "Sprechstunden für die Seele".
      Und ja. Ich stimme zu, das ab einen gewissen Punkt in der Partnerschaftsentwicklung eine Abweichung von "normalen Stinobeziehungen" eintritt. Allerdings, so meine Meinung und Aussage, bezogen auf Neulinge am Beginn einer (SM-)Partnerschaft nicht. Die muss, soll sie auf längere Sicht positiv bleiben, Zeit haben sich zu entwickeln.
      Wer ohne Ahnung und Wissen gleich soetwas wie TPE oder ähnliches anstrebt oder sich einläßt, braucht sich nicht zu wundern wenn er möglicherweise einen Schaden psychischer Art davon trägt.
      Solche Konstellationen funktionieren in den seltensten Fällen von 0 auf gleich Schadenfrei.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rudolf ()

      Eve Adam schrieb:

      ich denke man muss auch den Satz vor dem den du hier zitiert hast dazunehmen

      @Rudolf hat seine persönliche Ansicht über die Erschaffung von Rollenbildern zur Diskussion gestellt. Ich habe da einen ganz anderen Blickwickel ohne seine Ansichten dabei infrage zu stellen. Ich kann ihn auch nicht sein Erleben absprechen, teile es aber nicht weil ich eben andere Erfahrungen in meinen Leben gemacht habe.

      Ich gehe davon aus, das eine BDSM Beziehung immer authentisch ist und man mit seinem Partner einen Komplementär gefunden hat, mit dem man sein (B)DSM als Teil seiner Sexualität oder als Beziehungsmodell auch leben möchte. Die damit verbunden Erwartungshaltung an den Partner für mich durchaus legitim. Das diese den einen oder anderen Klischee entsprechen könnten ist sicherlich auch der Rollenverteilung im BDSM geschuldet. Es haben sich schon Beziehungen gefunden, mit Klischeevorstellungen, bevor SM die heutige Medienpräsenz hatte. Paare die nach der Geschichte der "O" eine Beziehung führen oder Ihr BDSM mit den entsprechenden Rollenbildern aus einem Roman leben, vielleicht nur ein passendes Beispiel. Dieser doch großen Fraktion im BDSM, Ihre Legitimation abzusprechen, findet vielleicht nur hier Beifall.

      Eine Diskussion lebt davon, das ein Thema von unterschiedlichen Seiten betrachtet wird, ohne dabei in richtig oder falsch zu unterscheiden. Es ist und bleibt ein Gedankenaustausch, für mich auch immer ein Blick über meinen eigenen Tellerrand.



      Das Geheimnis ist nicht, die Schmetterlinge zu jagen, sondern den Garten zu pflegen, so dass sie von alleine kommen - Mario Quintana

      donatin schrieb:

      Dieser doch großen Fraktion im BDSM, Ihre Legitimation abzusprechen, findet vielleicht nur hier Beifall.
      Diese Aussage finde ich persönlich befremdlich und nicht nachvollziehbar. Vielleicht magst du sie ja erklären?

      Ich kann @Rudolf nur zustimmen.

      Und gerade das macht es Anfängern schwer. Auch ich bin anfangs in diese "Fallen" getappt. Heute schmunzel ich darüber.
      Gerade wenn Nachrichten von Doms kommen, die mir "ihre" Welt des BDSM erklären wollen und dies für allgemeingültig halten.

      Rudolf schrieb:

      Es wird dabei nicht auf den Menschen eingegangen. Auf seine realen Bedürfnisse, seine realen Sehnsüchte und Wünsche. Es wird auch nicht viel von dem Respekt und der Achtung gegeneinander erzählt. Von dem Vertrauen, welches nicht portionsweise irgendwo gekauft werden kann, sondern das, ähnlich wie eine Pflanze, langsam wachsen muss.
      Und gerade das finde ich eine sehr treffende Aussage, die meine Erfahrungen wiederspiegelt.
      Mut ist nur die Abwesenheit von Angst.

      Rudolf schrieb:

      Die darin aufgeführten Fallbeispiele bezeugen allerdings nicht die Freuden einer Hörigkeit, die auch von vielen Betroffenen als "Scheinbar" und "kurzfristig" dargestellt weden, sondern eher die Qualen des Betroffenen und die negativen Auswirkungen auf sein Leben bzw. seine Integration in seiner Lebensumgebung.
      Vielleicht solltest Du das Buch nochmals lesen oder einfach nochmal Kapitel 8? Vor 30 Jahren vielleicht noch ungewöhnlich, heute einfache Realität im D/s. Interessant sind einfach die Kommentare zu den Beispielen, die eben auf die Dynamik einer SM Beziehung eingehen.
      Das Geheimnis ist nicht, die Schmetterlinge zu jagen, sondern den Garten zu pflegen, so dass sie von alleine kommen - Mario Quintana

      donatin schrieb:

      Ich gehe davon aus, das eine BDSM Beziehung immer authentisch ist und man mit seinem Partner einen Komplementär gefunden hat, mit dem man sein (B)DSM als Teil seiner Sexualität oder als Beziehungsmodell auch leben möchte.
      Ich habe den Eingangspost von Rudolf so verstanden das es gerade bei noch nicht gefestigten unerfahrenen Personen im BDSM um falsch verstandene Rollen geht z.B. durch entsprechende Litereratur/ Filme, das sie denken unbedingt eine bestimmt Rolle einnehmenzu müssen um z.B. eine "gute Sub" zu sein. Ich denke es ging nicht um ein gefestigtes Beziehungsmodell bzw. Partner die sich schon gefunden haben, oder genau wissen was sie wollen bzw. nicht wollen.
      Aber vielleicht habe ich das auch falsch verstanden.
      Gib niemals auf...., Kämpfe für deine Träume....., ändere den Weg....., aber niemals das Ziel!
      Eve

      topaz schrieb:

      Diese Aussage finde ich persönlich befremdlich und nicht nachvollziehbar. Vielleicht magst du sie ja erklären?
      Es gibt eine große Fraktion im BDSM, die Ihr D/s nach einer Blaupause aus Romanen Leben, z.B. "O" oder eben GOR. Gerade mit den entsprechende Rollenbildern und Regeln. Muss nicht jeden gefallen, kann man aber einfach mal akzeptieren ohne es zu bewerten?

      Eve Adam schrieb:

      Aber vielleicht habe ich das auch falsch verstanden.

      Die Intention von @Rudolf habe ich schon verstanden, jedoch ist das nur eine Sicht auf die Dinge und es ist eben nicht immer alles nur schwarz oder weiß. Vielleicht sollte man den Personen einfach auch die Chance geben, Ihre eigenen Erfahrungen zu machen?
      Das Geheimnis ist nicht, die Schmetterlinge zu jagen, sondern den Garten zu pflegen, so dass sie von alleine kommen - Mario Quintana

      donatin schrieb:

      Es gibt eine große Fraktion im BDSM, die Ihr D/s nach einer Blaupause aus Romanen Leben, z.B. "O" oder eben GOR. Gerade mit den entsprechende Rollenbildern und Regeln. Muss nicht jeden gefallen, kann man aber einfach mal akzeptieren ohne es zu bewerten?
      Das beantwortet leider nicht meine Frage bzw. löst mein Unverständnis nicht auf. Du hast ja in deiner Aussage dieses Forum kritisiert.

      Ich denke, niemand von uns ist immer wertfrei in seinen Äusserungen, auch du nicht. Aber macht nicht gerade das die Lebendigkeit eines Forums aus?
      Ich denke, es ist durchaus wichtig, Personen die Chance auf eigene Erfahrungen zu geben.
      Aber gerade Threads von Anfängern hier zeigen doch, dass sie überfordert sind, weil sie eben mit Standardsätzen abgecancelt werden oder falsch informiert werden.
      Und gerade da entsteht ein falsches Rollenbild bzw. ein Verständnis für BDSM.
      Mut ist nur die Abwesenheit von Angst.
      @Rudolf
      Mir gefällt dein Beitrag sehr gut, aber ich will dennoch ein paar Kleinigkeiten dazu sagen.

      1. Rollen

      Das Problem sehe ich nicht in "Rollenbildern" sondern in der Reihenfolge der Dinge. Die vernünftige Reihenfolge und Verwendung von Rollen sehe ich so: Ich habe mit Leuten Sex, lerne Dinge kennen die diese Leute wollen, lebe Dinge aus die ich will > Ich fange an halbwegs zu begreifen was mir wirklich gefällt > ich informiere mich über meine Vorlieben > Ich finde einen Begriff der halbwegs das abdeckt was ich will (z.B. Sadist, Dom, Little, etc.) das ich z.B. beim online Dating sagen kann "Bin Dom, suche Sub".

      Das was du da beschreibst ist genau umgekehrt, ich suche mir erst eine Rolle die im Kopfkino ansprechend ist, und versuche dann mein Verhalten dementsprechend zu verändern. Das ist nicht sonderlich ratsam, aber wie gesagt liegt das Problem nicht in Rollenbildern, sondern darin wie man mit ihnen umgeht. Ich für meinen Teil nutze sie nur als Werkzeug zum Denken und effizienten Kommunizieren.

      2. Pornographie

      Es kann sein das ich hier falsch liege und ich es bin der hier einen Bias hat, wegen meiner Zeit und meiner Generation. Mir kommt es aber dennoch so vor als sei die Art wie Leute die vor der heutigen Verbreitung des Internets aufgewachsen sind ziemlich "über besorgt" auf Pornographie reagieren.

      Was ich sagen kann ist das der Umgang mit Nacktheit, das reden über Sex, Fetische, Kink, Beziehungen, etc. mir unter den Menschen meines Alters bisher immer wesentlich entspannter vor kam als bei der Generation meiner Eltern und erst recht in der meiner Großeltern. Das ist natürlich völlig subjektiv, nur meine Erfahrung.

      Ich will nur sagen alles hat zwei Seiten, zum Beispiel die Tendenz das heute so viele Leute in jungen Jahren Nacktbilder von sich verschicken. Viele sind deswegen besorgt und denken "das werden sie bereuen wenn sie erstmal 35 sind", ich denke mir eher das es möglich ist das es in 100 Jahren wenn sowieso jeder nackt im Internet ist hoffentlich nicht mehr so viel Verklemmtheit gibt wie heute noch.

      Abschließend zur Pornographie kommt es auch immer noch darauf an was man sich so anschaut. Ich kenne niemanden, wirklich niemanden, und ich habe bestimmt mit etwa 50 Leuten darüber geredet, der sich irgend welche "Klischee Pornos" anschaut wie man sich das vorstellt. Das mit Abstand beliebteste was ich, natürlich wieder subjektiv, mit bekommen habe sind Videos von Amateur Pärchen deren Sexleben etwa in die Richtung geht die man sich vorstellt.
      Vergiss was du vergessen kannst, das was übrig bleibt ist wirklich von Bedeutung.

      topaz schrieb:

      Aber gerade Threads von Anfängern hier zeigen doch, dass sie überfordert sind, weil sie eben mit Standardsätzen abgecancelt werden oder falsch informiert werden.
      Und gerade da entsteht ein falsches Rollenbild bzw. ein Verständnis für BDSM.

      Und wer entscheidet über das falsche Rollenbild bzw. über das falsche oder richtige Verständnis von BDSM?
      Das Geheimnis ist nicht, die Schmetterlinge zu jagen, sondern den Garten zu pflegen, so dass sie von alleine kommen - Mario Quintana

      donatin schrieb:

      Ich gehe davon aus, das eine BDSM Beziehung immer authentisch ist und man mit seinem Partner einen Komplementär gefunden hat, mit dem man sein (B)DSM als Teil seiner Sexualität oder als Beziehungsmodell auch leben möchte.
      Stimmt. Davon gehe ich auch aus.
      Allerdings ist doch die Voraussetzung dafür, damit es überhaupt funktonieren kann, ein gewisses Maß an Wissen über sich und die Sache selbst. Wissen in dieser Hinsicht sieht für mich nicht so aus, das ich ein paar Artikel in irgendeinen Forum lese oder mich von Romanen leiten lasse. Das kann man alles tun, Wenn einen der Sinn danach ist. Aber ohne dieses, ich nenne es mal "Grundwissen", wird es nicht einfach werden.

      donatin schrieb:

      Die damit verbunden Erwartungshaltung an den Partner für mich durchaus legitim. Das diese den einen oder anderen Klischee entsprechen könnten ist sicherlich auch der Rollenverteilung im BDSM geschuldet.
      In der Entwicklung einer wie auch immer gelagerten SM-Beziehung durchaus richtig und legitim.

      donatin schrieb:

      Es haben sich schon Beziehungen gefunden, mit Klischeevorstellungen, bevor SM die heutige Medienpräsenz hatte. Paare die nach der Geschichte der "O" eine Beziehung führen oder Ihr BDSM mit den entsprechenden Rollenbildern aus einem Roman leben, vielleicht nur ein passendes Beispiel
      Auch hier sind wir, wage ich mal zu behaupten, konform.
      Der Unterschied zu heute liegt eben in dieser Medienpräsenz und der Möglichkeit das jeder leicht an sie heran kommt. Dies ist, so meine Meinung, eben auch die zweischneidigkeit dieser Möglichkeit. Suchende, welche sich für einen Teil, diesen Teil ihre Persönlichkeit interessieren, können diese Informationen leichter erhalten als damals. Auf der anderen Seite haben aber auch diejenigen es viel leichter, welche in den Suchenden nur leichte Beute sehen.

      donatin schrieb:

      Dieser doch großen Fraktion im BDSM, Ihre Legitimation abzusprechen, findet vielleicht nur hier Beifall.
      Von welcher Größenordnung reden wir hier? 10% der gesamten Szene? Mehr?
      Das möchte ich bezweifeln. Diejenigen welche sich diese Literatur zum Vorbild genommen haben und es noch tun war noch nie besonders groß.
      Zugegeben. Es kommt halt immer darauf an, in welcher Szene man sich aufhält.
      Aber wer, und dies ist jetzt für interessant, spricht diesen Teil der SM-Szene die Legitimation ab?
      Also ich auf jeden Fall mal nicht, da ich damals auch ein Anhänger von "O" gewesen bin.
      Mein Tellerrand ist auch etwas kleiner als mein Horizont.

      Und wenn, mit Verlaub bemerkt, dir der Beifall, wie du es nennst, zuviel ist, auf dem ich es übrigens nicht im geringsten abgesehen habe, dann melde dich doch einfach ab. Mir zeigt er nur das noch andere diese, meine Ansicht teilen oder ähnlich sehen.
      An einer anderen Stelle hast du ja schon die Aussage gemacht, das man bei "harten Thematiken" hier gleich den erhobenen Zeigefinger bekommt. Zwar sehe ich dies anders, denn hier hat es schon solche Diskutionen gegeben, aber ich stimme einigen, vielleicht sogar der Masse zu, das diese nicht unbedingt im Öffentlichen Raum geführt werden müssen.

      Und Nein. Ich habe keine Beziehung oder Verbindung zum Betreiber.

      donatin schrieb:

      Vielleicht solltest Du das Buch nochmals lesen oder einfach nochmal Kapitel 8? Vor 30 Jahren vielleicht noch ungewöhnlich, heute einfache Realität im D/s. Interessant sind einfach die Kommentare zu den Beispielen, die eben auf die Dynamik einer SM Beziehung eingehen.
      Das besondere an diesen Kapitel 8 ist doch nur die Tatsache der Züchtigung. Alle anderen Beispiele und Kommentare gelten genauso für SM-Beziehungen.

      LordMarlboro schrieb:

      Das was du da beschreibst ist genau umgekehrt, ich suche mir erst eine Rolle die im Kopfkino ansprechend ist, und versuche dann mein Verhalten dementsprechend zu verändern. Das ist nicht sonderlich ratsam, aber wie gesagt liegt das Problem nicht in Rollenbildern, sondern darin wie man mit ihnen umgeht.
      Werter @LordMarlboro
      Das ist ja genau das, was ich damit aussagen möchte.
      Deine Aufzählung der Reihenfolge finde ich ebenfalls als die bessere. Aber wie gesagt. Ich habe halt bei meinen Gesprächen genau den Gegenteiligen Vorgang erlebt.

      LordMarlboro schrieb:

      Mir kommt es aber dennoch so vor als sei die Art wie Leute die vor der heutigen Verbreitung des Internets aufgewachsen sind ziemlich "über besorgt" auf Pornographie reagieren.

      Was ich sagen kann ist das der Umgang mit Nacktheit, das reden über Sex, Fetische, Kink, Beziehungen, etc. mir unter den Menschen meines Alters bisher immer wesentlich entspannter vor kam als bei der Generation meiner Eltern und erst recht in der meiner Großeltern. Das ist natürlich völlig subjektiv, nur meine Erfahrung.
      Ich glaube nicht das meine Generation jetzt überbesorgt ist. Die Generation ist durchaus etwas anpassungsfähig. :)
      Es ist auch nicht der Umgang mit Nacktheit oder Fetischen. Es geht auch nicht darum sich Pornos anzusehen oder nicht.
      Es dreht sich aus meiner Sicht um die Inhalte welche dabei transportiert werden. Und der ist, ebenfalls subjektiv betrachtet, sehr Frauenfeindlich und Menschenverachtend.
      Wenn diese Art von Pornos, die ich meine, nicht so regen zulauf hätten, würde es sie bald nicht mehr geben. Zumindest nicht in diesen Umfang.
      Neben dem gesunden Menschenverstand vielleicht auch das, was man über sich selbst erfährt, wenn man es zulässt. Sich von eigenen und fremden Erwartungen, zu festgelegten Vorstellungen, wie etwas zu sein hat, und Druck von außen oder dem eigenen Ehrgeiz nicht ablenken lässt.
      Was für eine Person richtig bzw befriedigend und erfüllend ist, ist ja auch unterschiedlich. Man muss sich zugestehen, da (gemeinsam mit dem Partner) seinen eigenen Weg zu finden.

      Ich denke aber, dass es eine gewisse innere Reife braucht, jemand, der neu, unsicher und ängstlich oder sehr ehrgeizig ist, oder jemand, der sich nie wirklich ernsthaft damit auseinandergesetzt hat, was denn die eigenen Bedürfnisse wirklich sind (oder wie man die überhaupt wahrnimmt), fällt das nicht leicht. da ist es gut, einen guten Partner oder auch Mentor zu haben. Mein Partner und ich z.B. sind 2 Jahre zusammen und arbeiten immer noch daran.

      "Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht".
      ~ Jean-Paul Sartre ~

      Rudolf schrieb:

      Und wenn, mit Verlaub bemerkt, dir der Beifall, wie du es nennst, zuviel ist, auf dem ich es übrigens nicht im geringsten abgesehen habe, dann melde dich doch einfach ab.

      Nur weil ich einen eigene Meinung habe, meinen Standpunkt auch vertreten kann, muss ich mich nicht abmelden. Mit Verlaub bemerkt nicht mein Niveau, dieses – dann geh doch zu Netto!
      Vielleicht auch nur ein Totschlagargument, um sich nicht mit sachlicher Kritik auseinandersetzen zu müssen?

      Mit meiner Anmerkung zum „Beifall“, war ganz generell der Mainstream gemeint, man müsse irgendjemand, besonders die Anfänger, bekehren zum richtigen BDSM. Wo bei man Ihnen gleich den fehlenden „gesunden“ Menschenverstand abspricht.
      Das Geheimnis ist nicht, die Schmetterlinge zu jagen, sondern den Garten zu pflegen, so dass sie von alleine kommen - Mario Quintana

      donatin schrieb:

      Dieser doch großen Fraktion im BDSM, Ihre Legitimation abzusprechen, findet vielleicht nur hier Beifall.

      donatin schrieb:

      Mit meiner Anmerkung zum „Beifall“, war ganz generell der Mainstream gemeint, man müsse irgendjemand, besonders die Anfänger, bekehren zum richtigen BDSM. Wo bei man Ihnen gleich den fehlenden „gesunden“ Menschenverstand abspricht.
      Es bleibt immer noch befremdlich für mich, da du meiner Meinung nach gezielt dies Forum hier bzw. die Menschen kritisierst.
      Deine Aussagen finden sich in all den Beiträgen nicht wieder.
      Mut ist nur die Abwesenheit von Angst.