Meine erste Bestrafung

      Mich beunruhigt an der geschilderten Situation allein schon, wie sehr Yuko die Schuld auf sich nimmt und nahezu alles, was ihr Dom sagt und tut, von vornherein entschuldigt und für richtig erklärt. Wenn ich den Eingangspost lese, frage ich mich als erstes: Warum haben die beiden drei Tage lang über das Thema diskutiert, wenn er angeblich so entgegenkommend, großzügig und verständnisvoll war? Dann fallen mir Widersprüche in seinem Verhalten bzw. seinen Aussagen auf: Angeblich hat er die andere Frau nur dazuholen wollen, um Yuko einen Gefallen zu tun - wenn das so wäre, hätte sich das Thema doch im Grunde sehr schnell erledigt, nachdem sie gesagt hat, sie möchte das nicht? Dann klingt aber doch wiederholt durch, dass es in Wirklichkeit *sein* Wunsch ist, den Yuko ihm an sich auch gern erfüllen würde, nur eben nicht mit genau dieser anderen Frau - was im Grunde auch jeder Partner akzeptieren sollte, D/s-Verhältnis hin oder her.
      Ich empfinde es als manipulativ, dass er ihr versucht weiszumachen, es ginge ihm um ihre Wünsche, wenn es eigentlich seine eigenen sind, die er durchsetzen möchte. Und in dieselbe Richtung gehen die inzwischen mehrfach zitierten Aussagen, die ich ebenfalls hochgradig bedenklich finde, weil sie genau Yukos verletzliche Stellen treffen und darauf abzielen, sie dazu zu bringen, in Zukunft dreimal zu überlegen, bevor sie eine eigene Meinung äußert. Dieses Verhalten in Kombination mit Liebesentzug, Schweigen und Ignorieren lässt bei mir viele Alarmglocken läuten.
      “To live is the rarest thing in the world. Most people exist, that is all.”
      ― Oscar Wilde
      Beim Lesen Deines Beitrages wurde mir ganz mulmig zumute, weil ich Dich teilweise sehr gut verstehen kann...Ich versuche mich mal auf Deine Frage „wie es mit der Liebe und Ds-Beziehung läuft“ zu fokussieren, damit es nicht zu ausufernd wird.

      Zuerst möchte ich zu bedenken geben, dass es ja verschiedene Arten zu lieben gibt. Keine ist schlechter als die andere, manche sind etwas ausgereifter als andere. Im Idealfall treffen sich zwei Menschen, die Liebe auf dieselbe Art und Weise verstehen und spüren.
      Mein Herr und ich lieben besitzergreifend, was sich dann in der Exklusivität ausdrückt. Das passt einfach zusammen ohne dass Eine/r nachgeben muss, um lieben zu können/geliebt zu werden. Schwierig stelle ich es mir vor, wenn da unterschiedliche Facetten aufeinanderprallen. Ob die Brücke zueinander dann dauerhaft geschlagen bleiben kann, ist für mich fraglich...

      Zu Deiner Frage zwecks Aushalten von Bestrafung...es ist einfach ein Mittel zur Gestaltung unserer Beziehung. Einerseits sicherlich eine erotische SM-Komponente, andererseits der Erziehungsgedanke aus dem Ds-Bereich. Er bestraft mich, weil ich es (Aufmerksamkeit/Mühe/Zeit) ihm wert bin und er mich liebt. Ich lasse mich von ihm bestrafen und ertrage das, weil er mir so viel wert ist und ich ihn liebe.
      Liebe und BDSM sind bei uns miteinander verflochten. Wenn Du es bei Euch anders empfunden hast, würde ich es unbedingt ansprechen.

      Zu seiner Art der von Dir beschriebenen Führung fällt mir nicht viel ein...ich persönlich würde es auch als Manipulationsversuch auslegen, was Autoritätseinbussen zur Folge hätte. Jemand, der führt bzw. führen will, kennt seinen folgenden Part in der Regel recht gut (bzw. sollte ihn gut kennen, um führen zu können). Er weiß also um Deine Bedürftigkeit und Deine Sehnsüchte. Und genau da setzt er unter der Gürtellinie an und nutzt meines Ermessens nach seine Position aus.
      Er sollte sich seiner Verantwortung bewusst sein, was nicht heißt, Dich nicht zu fordern. Man kann sich ja gerne an Grenzen herantasten und je nach Absprache auch mal übertreten.
      Aber wenn Du noch nicht so weit bist, bist Du noch nicht so weit und vielleicht wirst Du auch nie so weit sein...Sub zu sein bedeutet ja nicht willenlos zu sein. Und klar kann man als Sub/Sklavin so tief gehen wie der andere sich das wünscht. Aber was kommt danach? Was kostet das wirklich und was sind die Konsequenzen für Euch als Dom/Sub? Es kann in einigen Fällen sicherlich bereichernd sein - es kann aber auch gehörig daneben gehen; gerade wenn Gefühle wie Liebe im Spiel sind.

      Mein Mann sagt immer: „Es mag alles schön für einen Moment sein, aber Du und das was wir an uns haben, ist mir zu wertvoll, um das irgendwo und irgendwie aufs Spiel zu setzen.“
      Das ist die Art und Weise, wie Liebe und Ds-Beziehung bei uns funktionieren: durch beidseitige, uneingeschränkte Wertschätzung und Respekt.
      „Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst.
      So tiefen Grund hat sie.“

      Heraklit