Heimlich das Kondom weglassen

      Shayleigh schrieb:

      Und über die Handy-Nummern, die vielleicht hinterlegt sind, jemanden zu ermitteln, würde voraussetzen, dass bei Abschluss eines Mobilfunkvertrages die Daten aus dem Ausweis abgeglichen werden. Das passiert aber leider mittlerweile auch nicht mehr regelmäßig.
      Alles richtig, bei dem Punkt muss ich aber widersprechen. Es ist, vor allem wegen der Strafverfolgung, vor einigen Jahren eine Ausweichpflicht für jede Handynummer eingeführt worden. Sofern man nicht sehr "vorausschauend" gibt es daher so gut wie keine anonymen Simkarten mehr. Zwar gibt es noch Wege an solche zu gelangen, diese dürften den jenen die nicht illegal ihr Geld verdienen oder eben aus Verfahren und Ermittlungen die Tricks dieser Leute kennen, aber kaum möglich sein. An eine anonyme deutsche Handynummer ranzukommen traue ich dem typischen Stealther nicht zu.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      Um mal etwas zum Strafmaß in Höhe von 8 Monaten auf Bewährung und 3000 Euro Schmerzensgeld zu schreiben...

      Ich finde die Höhe der Bewährungsstrafe nicht falsch, vielleicht hätte ich einige Monate mehr gegeben aber in Relation zu anderen Taten halte ich es für angemessen. Das Schmerzensgeld hingegen finde ich zu niedrig. Ich bin sicher kein Freund des amerikanischen Systems (Strafgedanke) und finde den deutschen Gedanken (Kompensationsgedanke) viel sinnvoller. Aber auch für eine Kompensation halte ich 3.000 Euro für viel zu gering. Angenommen eine Frau hätte meine Kondome vorher aufgeschlitzt/durchlöchert oder bekäme es hin, dass es abgeht ohne dass ich das merke, hätte ich die Wahl zwischen 3.000 Euro zahlen und so einem Erlebnis würde ich gern die 3.000 Euro zahlen. Wenn ich mich dann 6-8 Wochen mit der Angst vor ansteckenden Krankheiten rumschlagen müsste, zudem in Zukunft anderen Sexpartner grundsätzlich erst einmal arg misstrauen würde und somit weniger Sex hätte, dann würde meine Lebensqualität so sehr leiden, dass ich da erst bei einem mittleren bis großen fünfstelligen Betrag die Kompensationsgrenze erreicht sehen würde. Alles unter 6 Monaten und über 15 Monaten Bewährung würde ich als zu hart oder eben zu soft bewerten, mit 8 Monaten konnte ich als Betroffener vermutlich leben, die 3.000 Euro hingegen empfände ich als schlechten Scherz, auch wenn ich weiß, dass man in Deutschland da sehr zurückhaltend ist.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      Ich bin weider gebeten worden etwas anonym einzustellen:

      Vor einiger Zeit hatte eine Freundin einen ONS, einvernehmlich und gewünscht. Die Nutzung eines Kondoms war explizit ausgesprochen. Als es dann in medias res ging, wurde das Kondom auch ausgepackt und übergezogen, nach dem Verkehr stellte die Freundin dann fest, dass das Kondom quasi unbenutzt neben dem Bett lag und sie demnach ungeschützten Verkehr hatten, was der Betreffende auch freimütig einräumte: "ich spür nix mit dem blöden Ding".

      Was direkt im Anschluss an die Erkenntnis zwischen den beiden geschah, weiß ich nicht, aber ich erinnere mich an die Tränen, Schluchzer und zusammengebrochene Welt, als die Freundin von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Ich begleitete sie zum Schwangerschaftsabbruch und auch durch die - wirklich sehr - schwere Zeit danach.

      Allein für Leiden wie das der Freundin ist eine sehr empfindliche Strafe (sie zeigte ihn nicht an) angebracht, ebenso für das getötete Leben.

      Ich habe hautnah miterlebt, wie sie gelitten hat und auch heute teilweise noch unter dem Schwangerschaftsabbruch leidet, daher ist der Weg von "Kondom weglassen/ entfernen" zu "Vergewaltigung" evtl. gar nicht so gross, wie angenommen, aber da kann ich - Gott sei Dank - nicht aus erster Hand mitreden.
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      noch ein anonyme Beitrag

      Auch ich habe diese Erfahrung machen müssen. Ich lernte den Mann auf einer BDSM Seite kennen und wir hatten uns bereits mehrfach getroffen. Als er bei einem Stellungswechsel nicht richtig reinkam, ergriff ich seinen Penis (Bezeichnung geändert) um ihn einzuführen und bemerkte, dass da das Kondom fehlte. Wenn ich hier von einer Geschlechtskrankheit und einer Schwangerschaft lese bin ich heilfroh, dass ich da mit einem riesigen Schrecken davongekommen bin. Als ich ihn zur Rede stellte wurde und aus dem gestandenen Dom sofort ein verängstigtes Etwas mit dem ich fast schon Mitleid haben musste. Da das alles noch keine zwei Jahre überlege ich, ob ich das nicht anzeigen sollte, wir hatten über den Vorfall per Messenger Kontakt. Dort hat er sich auch für sein Verhalten entschuldigt. Inzwischen weiß ich, dass er verheiratet ist und glaube so eine Anzeige würde mir wenig helfen, wohl aber seiner Frau und seinen zukünftigen Sexualkontakten.
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      ich denke, viele Leute leben einfach in der Illusion, dass um STDs viel zu viel Getue gemacht wird und es sowieso nur andere, aber niemals sie selber betreffen wird . Dass ein einziger dummer Zufall, ein einziger schicksalhafter (ist Naivität schicksalhaft?) Kontakt mit jemandem, der auch denkt, dass es ihn nie treffen wird, reichen kann, ist denen offenbar nicht bewusst... oder sie wollen es nicht wahrhaben.

      Ich schreibe das, weil ich in der Infektiologie mehrfach „scheckheftgepflegte“ brave Bürger mit AIDS-definierenden Erkrankungen erlebt habe, die nach eigenen Angaben einen einzigen one Night Stand hatten und bei denen niemand, nicht mal der Zuweiser, an eine HIV-Infektion gedacht hat. 2 verheiratet. Einer ist im ARDS verstorben, bei Pneumocystis jirovecii -Pneumonie, kurz nach Aufnahme ins Krankenhaus. Wenn man sowas erlebt hat, verliert man jegliche Naivität in der Hinsicht... bei mir gibt es außerhalb einer festen Beziehung mit getestetem Partner, die sich bewährt hat, keinerlei Sex (auch nicht oral) ohne Kondom.

      "Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht".
      ~ Jean-Paul Sartre ~

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      Es gab wieder einen anonymen Beitrag, ich habe mich aber vorerst dagegen entschieden ihn hier zu veröffentlichen, auch weil ich in dem Fall Bedenken wegen dem Jugendschutz hatte.

      Sehr gerne würde ich aber einen ausführlichen Beitrag auf die Hauptseite setzen. Sollte jemand diesen schreiben wollen, wäre ich sehr dankbar, denn dieses Thema scheint komplett unter meinem Radar geblieben zu sein und wie es scheint ist die Betroffenenanzahl alles andere als klein. Vom Inhalt her könnte es so aussehen: 1. wie es dazu kam 2. was die Folgen waren 3. wem wurde sich wie anvertraut 4. wie wurde es verarbeitet.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff

      Gentledom schrieb:

      Natürlich ist das meine persönliche Ansicht und es sind meine ganz individuellen Erfahrungswerte, aber mich schmerzt es, wenn Stealthing mit einer Vergewaltigung in einen Topf geworfen wird. Die Folgen der Vergewaltigung waren für mich extrem gravierenden und beim besten Willen nicht mit der Domsache zu vergleichen.
      Liebe Unbekannte, da gebe ich dir natürlich recht, denn der Unterschied ist eben die vorherige Einvernehmlichkeit zum Sex.
      Die Folgen meiner Vergewaltigung, potenziert durch andere "unschöne" Erlebnisse begleiten mich noch heute.
      Hätte es etwas für mich geändert, wenn ich den Mann angezeigt hätte? Ginge es mir heute besser?

      Und das auch Stealthing gravierende Auswirkungen haben kann, zeigt sich hier:

      Gentledom schrieb:

      Ich habe hautnah miterlebt, wie sie gelitten hat und auch heute teilweise noch unter dem Schwangerschaftsabbruch leidet, daher ist der Weg von "Kondom weglassen/ entfernen" zu "Vergewaltigung" evtl. gar nicht so gross, wie angenommen, aber da kann ich - Gott sei Dank - nicht aus erster Hand mitreden.
      Die Emotionen dazu erfolgen vielleicht erst später, weil man ungewollt schwanger geworden ist oder aber sich angesteckt hat und er erst dann das Ausmaß deutlich wird.

      Gibt es ein "gerechtes" Urteil?
      Aus meiner Sicht nicht, da letztendlich die/der Betroffene ein Leben lang unter den Folgen zu leiden hat.

      Ich bin nach wie vor der Meinung, dass es eine hohe Dunkelziffer von diesen Delikten gibt. Denn letztendlich ist man als Betroffene/r doch erst einmal in der "Beweispflicht", oder!?
      Das ist ein "Spießrutenlauf", der immer noch mit abfälligen Meinungen und Bewertungen der eigenen Person verbunden ist und es erfordert viel Mut und Kraft, sich dem zu stellen.

      Seit meinem "Erlebnis" sind 30 Jahre vergangen. Ich glaube schon, dass sich rechtlich etwas geändert hat und man heute mehr Möglichkeiten hat, Täter zu finden und zu verurteilen.
      Das Gefühl und die Tatsache, mit den Folgen zu leben, hat sich für die Betroffenen aber nicht geändert.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.
      Anonymer Beitrag

      Bei mir ist es einmal vorgekommen, dass ich mich im Nachhinein nicht erinnern konnte, ob ich aktiv kommuniziert habe, dass nur mit Kondom okay ist.
      Es war mit einem neuen Dom und wir haben im Vorfeld der ersten Session sehr viel darüber gesprochen was okay ist und was nicht. Er hat auch ganz viel gefragt und machte einen sehr vernünftigen Eindruck. Eigentlich dachte ich wir hätten auch über Safer Sex gesprochen. Es wäre aber auch möglich, dass ich aufgrund unseres Gesprächs davon ausgegangen bin, dass es selbstverständlich ist, dass er ein Kondom benutzt.
      Wir hatten einmal Sex bei dem er definitiv ein Kondom benutzt hat. Von daher bin ich auch nicht davon ausgegangen, dass er beim nächsten Mal auf die Idee kommen würde es wegzulassen. Beim nächsten Mal Sex hatte ich die Augen verbunden und hab einfach nicht gemerkt, dass er es weggelassen hat. Irgendwas kam mir auch komisch vor aber ich dachte mir noch so: "Das kann doch nicht sein." Als sich dann herausgestellt hat, dass er keins benutzt hat, meinte er ich hätte es nicht explizit kommuniziert. Das hat mich verunsichert und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob wir wirklich nicht darüber gesprochen haben.
      "Es ist gleich willkürlich, ob man den Leuten sagt: ihr sollt nicht frei, oder: ihr sollt und müsst gerade auf diese und keine andere Weise frei sein." Joseph von Eichendorff
      bei mir hat es mal einer versucht. Es war aber "nur" ein normaler ONS ganz ohne BDSM Bezug, insofern war ich nicht gefesselt und konnte mich gut wehren. Er dachte wohl, ich würde das im Hormonrausch nicht mitbekommen oder es wäre mir egal - tja hat er falsch gedacht, so schnell abgekühlt war ich noch nie und so schnell hab ich glaub ich noch nie einen Kerl aus meiner Wohnung geworfen...
      "Frauen haben auch ihr Gutes"

      JensAnders schrieb:

      Ich denke nicht dass man Stealthing mit Vergewaltigung vergleichen sollte. Beides ist sehr schlimm!
      Wenn beides schlimm ist - wieso dann nicht vergleichen?

      JensAnders schrieb:

      da man ja vorsätzliche Körperverletzung in Kauf nimmt. Besonders, da es ja ganz klar vorsätzliches Inkaufnehmen von Körperverletzung ist.
      Wo ist der Unterschied zwischen diesen beiden Gründen? ?(
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!