Die Suche nach dem "scheinbar" perfekten Partner

      Die Suche nach dem "scheinbar" perfekten Partner

      Wir alle streben immer nach dem Perfekten.
      Egal, ob es um Partner, Job, Haus, Freunde, Lebensgefühl usw. geht.

      Unsere Lebenszeit ist begrenzt und wir versuchen häufig, gerade deswegen, alles "richtig" machen zu wollen.

      Ich habe bei meiner Suche nach einem passenden Partner für mein BDSM viel erlebt.

      Scheinbare Kompabilität während des Schreibens z.B. Und dann wurden die ersten Fotos ausgetauscht...
      Und ich dachte nur: "Oh nein, das geht gar nicht".
      Warum?

      Obwohl ich keinen bestimmten Typ Mann im Kopf habe, gibt es trotzdem klare Ausschlußkriterien. Dazu muss ich mein Gegenüber noch nicht einmal "riechen können".

      Aussagen wie "Ich bin ein erfahrener Dom" usw. schrecken mich eher ab.
      Was bedeutet Erfahrung?

      Lebt jemand sein BDSM schon lange aus?
      Hat er es intensiv ausgelebt?
      Hat er seine Erfahrungen nur mit einer oder mehreren Personen gemacht?
      Hatte er die Möglichkeit, sich voll zu entfalten?
      Kennt er seine Wünsche aber auch seine Grenzen?
      Hat er genug Empathie, um auch sein Gegenüber "lesen" zu können und somit auch auf die Wünsche und Fantasien eingehen zu können?
      ....

      Nein, ich suche keine eierlegende Wollmilchsau.
      Ich suche einen authentischen Menschen, mit dem ich meine Neigung ausleben kann, mit dem ich Lachen kann, reden kann, Spass haben kann usw.

      Sind meine Ansprüche zu hoch?
      Nein, ich glaube nicht.

      Ich bin halt keine 20 Jahre alt mehr und meine Erfahrungen haben mich geprägt.
      Und ich habe gute und schlechte Erfahrungen auch bei der Online-Suche gemacht.

      Ich habe mit Menschen kommuniziert, die meine Offenheit und Ehrlichkeit gegen mich verwandt haben, als sich herausstellte, dass es nicht passt.
      Ich habe mit Menschen kommuniziert, wo beide feststellten, dass es eben nicht passt und mit denen ich weiterhin einen freundschaftlichen Kontakt habe.
      Ich habe mit Menschen kommuniziert, die mich verletzt haben, weil sie den Kontakt haben einschlafen lassen, ohne mich zu informieren, dass sie jemand anderen gefunden haben.
      ...

      Aber das ist Leben. Häufig nur eine Momentaufnahme...
      Es liegt in meiner Hand, wie ich damit umgehe.
      Ebenso, wie bei allen anderen Dingen im Leben.
      Ich entscheide mich für oder gegen einen Job. Ich vernachlässige Freundschaften. Ich treffe falsche Entscheidungen, die mir im Nachgang leid tun...

      Das einzige, was zählt ist, dass ich mich nicht selbst aufhalte und weiter an meine Träume, Wünsche und Hoffnungen glaube.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.
      Wollen wir wirklich das "Perfekte"? :gruebel:
      Streben wir danach?
      Was ist überhaupt "perfekt"?
      Das ist wohl für jeden etwas anderes, sonst gäbe es nicht so unterschiedliche Menschen.

      Ich würde lieber sagen, wir streben dach "Zufriedenheit" und "Glück".
      Das ist eben nur mit bestimmten Menschen möglich (oder für manchen sogar nur ohne Menschen).
      Wenn man die Suche nach diesen Menschen als Streben nach dem Perfekten sieht, dann mag das stimmen.
      Manche brauchen mehr als andere, um glücklich und zufrieden zu sein, andere weniger.
      Das wirklich Verrückte nach meiner Erfahrung ist jedoch, daß man, trifft man den EINEN, oft mit viel weniger zufrieden und glücklich ist, als man vorher dachte, :yes: .
      Viele Ansprüche, die man vorher an einen möglichen Partner hatte, können komplett verschwinden, wenn der Richtige vor einem steht.
      Das sollte man sich vor Augen halten und deshalb ist eine reale Begegnung auch so wichtig.

      Aber natürlich sollten gewisse Grundvoraussetzungen schon gegeben sein. Ich mache das aber eher daran fest, was nicht geht... als das, was geht. Das ist bei mir klarer, :rot: .
      Leben ist einfach spannnend, interessant... und überrascht mich auch mit fast 53 Jahren immer wieder, :D .
      "Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen" Sigmund Freud

      Feuerpferd schrieb:

      Ich würde lieber sagen, wir streben dach "Zufriedenheit" und "Glück".
      Da gebe ich dir recht.
      Ich wollte damit nur ausdrücken, dass es für manche dann doch eben "perfekt" sein soll.
      Aber das ist tatsächlich Definitionssache.

      Feuerpferd schrieb:

      Leben ist einfach spannnend, interessant... und überrascht mich auch mit fast 53 Jahren immer wieder,
      Und das ist eine Aussage, die ich nur unterschreiben kann!
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.
      Hi....interessante Gedanken..

      Ich finde, es verhält sich eigentlich bei mir umgekehrt. Meine Ansprüche sind gewachsen mit den Erfahrungen. Anfangs musste und wollte ich alles quer durch die Bank ausprobieren, um auf einen grünen Zweig bei mir selbst zu kommen, mittlerweile hat das dazu geführt, dass ich sehr genau weiß, WAS für ein Tier ich bin.

      Das erstmal zum Neigungsspektrum...ich bin immer noch neugierig und abenteuerlustig und für fast jeden Quatsch zu haben, aber was ICH brauche, ist mir jetzt klar.
      Perfekt im partnerschaftlichen Sinne ist für mich kein Katalog menschlicher Charakterzüge, den mein Gegenüber wie bei einer Checkliste aufweisen, sondern mehr ein Gesamtbild, das ein gutes Gefühl hinterlassen muss.

      Ihn gut 'riechen' zu können, stellt eine Ausnahme dar, das ist stimmige Chemie auf einer ganz einfachen Ebene und zumindest meiner Nase kann ich trauen, selbst, wenn alle anderen Zeichen go-go-go sagen.

      Und perfekt ist sowieso so eine Sache...Was, wenn man selbst nicht der perfekte Partner ist...? Was kann man erwarten?
      Welche Spinnereien, Schrulligkeiten, psychische Abgründe und Ergebnisse verletzender Vorerfahrungen kann/muss/will man akzeptieren? (gilt für beide Seiten)

      Mit 25 ist da noch nicht viel...aber das sind wir hier mehrheitlich nicht mehr, können also kaum erwarten, dass wir auf unbeschriebene Blätter in Originalverpackung treffen bei der Partnersuche. Schon von daher ist Fingerspitzengefühl angesagt und ein gewisses Maß an Gleichmut und Verständnis.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Izrah ()

      topaz schrieb:

      Sind meine Ansprüche zu hoch?
      Sehe ich nicht so.
      Du bist in der Selbstliebe, deswegen bist du es dir wert, auf den Partner zu warten, der zu dir passt, dich ergänzt und dir guttut. :huggy:
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -

      Emilia schrieb:

      Nicht mal Roboter sind 100% perfekt. Sie können auch mal ausfallen.
      Stimmt, aber mir ging es nicht um Maschinen bzw. deren technische Perfektion bzw. Störungen.
      Perfektionismus ist ein psychologisches Konstrukt, das versucht, übertriebenes Streben nach möglicher Perfektion und Fehlervermeidung zu erklären.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.

      topaz schrieb:

      Sind meine Ansprüche zu hoch?
      das denke ich nicht - sie sind eben mit weniger Kompromissen!
      Ich habe die Erfahrung gemacht, daß zuviele Kompromisse dann keine Beziehung von Dauer sein kann.

      Perfekt zu 100% - gibt es aber auch nicht....nur soviel wie irgend möglich und dabei geht man eben nicht unter 90%.?!?..

      Die Erfahrungen lehren einem ja auch...und um so sicherer weiß ich heute was eben nicht geht.
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      "Ich liebe all Deine Kurven und Kanten, all Deine perfekte Unperfektheit"

      Dieser Satz aus einem Liebeslied sagt alles über den Partner aus der für mich "perfekt" ist.

      Ob Du zu hohe Ansprüche stellst? Hmmm... :gruebel: Die Frage ist auf der anderen Seite: Was passiert, wenn Du Deine Ansprüche runterschraubst? Kannst Du dann mit dem was Du bekommst zufrieden sein? Oder gar glücklich? Und was passiert mit Deinem Partner, wenn Du nicht glücklich und zufrieden in der Beziehung bist?

      Es gibt diesen - inzwischen etwas abgegriffenen - Spruch : "Liebe muss nicht perfekt sein, sie muss nur echt sein"

      Meine Ansprüche sind höher... Sie muss beides sein. Echt UND perfekt... Nämlich "perfekt unperfekt" .
      Dementsprechend muss mein Partner auch echt und perfekt unperfekt.
      Warte nicht auf den perfekten Moment
      sondern nimm den Moment und mach ihn perfekt.
      Schöne Gedanken von dir, topaz.

      Die Frage nach den zu hohen Ansprüchen, kenne ich von mir auch. Dann begann ich Abstriche zu machen und sei es nur auf etwas nicht so viel Wert zu legen, bei dem Anderen. Weit gekommen bin ich damit nicht, weil meine Gefühle und Eindrücke nicht mehr passten, es war nicht mehr stimmig. Früher sollte auch alles perfekt sein, ob es der Mensch, mein Leben oder die Arbeit ist. Das macht aber das Leben in seiner Ganzheit nicht spannend. Ich finde es auch nicht spannend und interessant, solch einen perfekten Menschen kennenzulernen.

      Ich selbst bin herrlich unperfekt und mag das auch sehr gern bei meinem Gegenüber. So wie @Charley00 es schon sagt; "perfekt unperfekt", macht den Menschen authentischer.

      Und perfekt ist in meinen Augen wohl auch nur eine Momentaufnahme. Davon gibt es ganz viele, die etwas besonderes sein können und man sich gern daran erinnert.

      "Es sind die Begegnungen mit Menschen,
      die das Leben lebenswert machen".

      Guy de Maupassant
      Das Folgende klingt jetzt völig unromantisch und resigniert, aber so ist es gar nicht gemeint:

      Wichtig ist "gut genug", "perfekt" ist unwichtig.

      Auf der Suche nach Perfektion läuft man in einem Hamsterrad. Da ist man nie am Ende der Suche und hat starke Probleme, sich auf etwas dauerhaft einzulassen. Das ist eine sichere Anleitung um unglücklich zu werden. Dazu kann einen die Suche nach Perfektion blind machen. Blind für das Schöne, was man schon hat. Und Blind für Probleme, weil man bei der Menge der Aspekte, die für Perfektion nötig sind, den Blick auf das Wesentliche verliert.

      Das gilt von Liebe, Sexualität, Job, teure Anschaffungen und anderes.
      Ich mag Deine Überlegungen :) .
      Aber ich denke, dass es nicht den perfekten Partner gibt, sondern ‚nur‘ so etwas wie eine perfekte Partnerschaft.

      Am Anfang muss, glaube ich, eine starke Anziehungskraft stehen. Daraus kann sich - bei gleichem Wunsch - durch Beziehungsarbeit etwas Wunderbares und vielleicht auch Einzigartiges entwickeln.

      Aber den scheinbar ‚perfekten Partner‘ zu suchen...weiß ich nicht :gruebel: ...Menschen machen immer Fehler und haben Schwächen - das macht sie ja gerade menschlich. Fraglich bleibt dabei nur, was wir für eigene Erwartungen haben und wie wir mit menschlichen Schwächen im Gegenüber umgehen können.

      Perfektion so wie Du es eingangs beschrieben hast, ist an sich ist ja schon ein hohes Ziel.
      Obwohl ich leider in Teilen perfektionistisch veranlagt bin, unterscheide ich dennoch zwischen Alltag und Beziehungsebenen. Erwarte ich im Alltag (auch von mir selbst!) 200%, lässt sich das für mich persönlich auf keine Beziehungsebene übertragen.

      Auf Beziehungsebene gilt für mich persönlich das allumfängliche JA zum Menschen: So wie ich meine Kinder wirklich ausnahmslos annehme und liebe wie sie sind, verfahre ich auch mit meinem Mann. Seine Schwächen sind keine Schwächen im ‚schwachen‘ Sinne, sondern zeichnen ihn aus, geben ihm Charakter und Ausprägung.
      Ich selbst bin ja auch nicht perfekt :pardon: .
      „Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst.
      So tiefen Grund hat sie.“

      Heraklit
      Es gab einmal ein Experiment mit Studenten und einem Poster. Jeder Teilnehmer durfte sich eines aussuchen. Die eine Gruppe wurde beauftragt eines nach Gefühl die andere es mit dem Verstand auszusuchen (sprich, Gründe zu haben, warum nur dieses). Nach einer Woche waren die mit Verstand arbeitenden Unglück mit der Wahl.

      Das sagt mMn schon alles :D
      Watzlawick, Anleitung zum unglücklich sein löst alle Problem.