Ruhezone? Tabuzone?

      Ruhezone? Tabuzone?

      Gibt es so etwas bei euch? Die Frage richtet sich vornehmlich an Paare, die ständig zusammen leben oder wohnen. Es ist eigentlich auch keine Frage, sondern mehr eine Umfrage, was ihr dazu meint.

      Damit ihr wisst, was ich meine, beschreibe ich mal, wie es bei uns ist. Unser BDSM ist immer mit dem Alltag verknüpft. Es kann jederzeit und überall in der Wohnung oder im Haus beginnen, ob Küche, Wohnzimmer, Terrasse oder Garten, und wann immer ich Lust dazu habe. Mit einer Ausnahme: Unser gemeinsames Bett.
      Im Schlafzimmer kann schon mal was passieren, aber um das Bett ist ein unsichtbarer Zaun. Das Bett ist zum Schlafen da, zum Entspannen und zum Kuscheln. Im Bett muss ich nicht Dom sein und Subbie muss nicht Sub sein. Ok, kuscheln kann auch kneifen, kratzen, zwicken oder beißen sein. So ein paar kleine Aktionen vor dem Einschlafen – andere lesen halt ein Buch, hihi. Aber Subbie weiß ganz genau, dass daraus nichts größeres wird. Und ich muss zugeben, manchmal finde ich es auch schön, wenn Subbie mich mal ein wenig kneift. Im Bett passiert alles sozusagen auf Augenhöhe. Dort dudelt auch keine Musik und es bimmelt kein Handy.
      Der unsichtbare Zaun gilt auch, wenn wir – aus unterschiedlichen Gründen – mal getrennt schlafen.

      Wie ist das bei euch? Gibt es auch solche Tabuzonen? Arbeitszimmer, Fernsehsessel, Kinderzimmer, Gemüsebeet, … was auch immer.
      Erzählt mal! Bin gespannt auf Berichte und Ideen.
      Ich kann mich im Grunde nur @newbarbie anschließen, die eigenen vier Wände gerade nicht. In der Öffentlichkeit wäre bei mir auch Tabuzone, zumindest was deutliche Sichtbarkeit betrifft. Der Griff in den Nacken ist ja nicht unbedingt für einen Außenstehenden als solcher zu erkennen.

      Ich brauche aber für mich auch keine Tabuzone in dem Sinne, ich denke mein Partner weiß wann Augenhöhe benötigt wird.



      To cry is not to fear; to grieve is not to admit defeat.
      Jeder Raum und Ort wird zur Tabuzone, wenn ich deutlich mache (oder er es selber sofort merkt), dass ich gerade wirklich nicht für 'mehr' zu haben bin, z. B. weil ich Schmerzen habe oder mich psychisch sehr schlecht fühle. Das beziehe ich jetzt nur auf sexuelle Handlungen. Für D/s auf psychischer/geistiger/emotionaler Ebene bin ich jederzeit empfänglich.

      In der Öffentlichkeit gibt es bei uns nur unauffälliges D/s, also so, dass niemand etwas davon mitbekommt oder es nicht eindeutig als solches zu erkennen ist.
      Nun eine "natürliche " Tabu Zone ist das Zimmer unseres Sohnes, aber sonst kann im Prinzip überall was passieren.
      Wir leben im Beständigen Machtgefälle also kann schon theoretisch überall und jederzeit was passieren.
      Theoretisch.

      Praktisch kennt man ja seinen Alltag, weiß wann wer zum Beispiel Aufstehen muss und so weiter, da kennt man schon die Tendenz ob es was größeres geben kann oder nicht. ;)

      Dazu noch lieb gewonnene Praktiken und Orte die daher öfter gewählt werden...

      Eine feste Tabuzone also nicht, aber deutliche Tendenzen wo was statt findet.
      Nie gezählte Tage liegen hinter dir,
      in denen der Moment, so oft,
      so wichtig für dich war.
      Es ist doch dein Traum,
      mit dem du diesen Weg gegangen bist,
      deine Gefühle, die dich haben glauben lassen
      und deine Sehnsucht, die dich noch immer
      nicht zu Ruhe kommen lässt.
      Es ist noch immer dein Weg,
      der zu dir gehört.
      Fang dir deine Träume - Staubkind.
      Also bis jetzt habe ich es noch nicht erlebt, dass es eine Tabuzone in meiner D/s-Beziehung gibt, sind was sowas angeht eigl. sehr offen.
      Klar ist auch noch nicht alles ausprobiert, sodass man es auch schlecht einschätzen kann, aber das Einzigste was mir so einfallen würde, wäre auch da Zimmer meiner Tochter.
      Ansonsten für alles offen. :)

      ramira schrieb:

      Die Frage richtet sich vornehmlich an Paare, die ständig zusammen leben oder wohnen.
      Ich antworte trotzdem, denn auch wenn man nicht zusammen lebt, verbringt man ja durchaus gemeinsame Zeit zusammen, wenn auch begrenzter.

      Meine Tabuzone ist definitiv mein Schlafzimmer, denn es ist meine Ruhezone.
      Ich brauche diesen Bereich für mich und daran würde sich auch nichts ändern, wenn ich mit meinem Partner dauerhaft zusammen lebe.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.
      Mir erschließt sich bei diesem Thema nicht ganz, warum Sub eine Art "Schutzbereich" brauchen sollte, in dem sie vor ihrem Dom in Sicherheit ist.

      Die selbstgewählte Form des Zusammenlebens sollte doch auf beiden Seiten für Wohlbefinden sorgen.
      Der aktive Part sollte seinen Partner schon so weit einschätzen können um zu merken, wann etwas geht und wann eben nicht.

      Und dies ganz unabhängig von seinem momentanen Aufenthaltsort. Zur Not kann Sub sich auch verbal verständlich machen (zumindest meistens).

      Einen Ort zu definieren, der mich in meiner Lebensweise beschneidet, würde ich daher ablehnen.

      Überlege mir gerade, wie strikt die Grenzen dabei einzuhalten wären. Darf ich Sub dann an ihren Haaren aus besagten Bereich ziehen, wenn diese über die vorher definierte Grenze reichen würden? ;)
      Aha.Ich sehe schon, dass es für viele von euch einen solchen Bereich inden eigenen vier Wänden nicht gibt. Vielleicht ist das auch nichtganz richtig angekommen. Es handelt sich nicht um eine"Schutzzone", nein, das brauchen wir auch nicht, und dasWort "Tabuzone" klingt vielleicht übertrieben.
      Für uns ist eben das Bett eine "Ruhezone", wo wir ganzbewusst kein BDSM haben wollen, auch ich als Dom nicht.

      Mr. Cane schrieb:

      Darf ich Sub dann an ihren Haaren aus besagten Bereich ziehen,
      Nein, das würde ich nicht machen, das wäre gegen die Abmachung. Aber ich darf sie schon mal an den Haaren ins Bett ziehen, bevor sie wieder die halbe Nacht am Schreibtisch hockt... :D
      Ich wohne mit keinem Dom zusammen und kann daher nur in der Theorie antworten. Da würde ich auf jeden Fall eine haben wollen. Jetzt in meiner nicht-Bdsm-Beziehung haben wir in allen 3 gemeinsamen Wohnungen je eigene Zimmer gehabt. Dort wird angeklopft, und die Tür darf wirklich nur geöffnet werden, wenn der andere dazu einlädt. Wenn wir gerade Ruhe wollen (Musik hören, lesen, zocken, masturbieren), dann antworten wir nicht. Der andere geht dann weg von der Tür und man kommt später wieder zusammen, ohne dass sich jemand rechtfertigen oder entschuldigen muss. Und selbst, wenn ich "ja" sage, betritt mein Partner nicht mein Zimmer (obwohl er dann dürfte) , sondern bleibt in der Tür stehen und ich komme raus zu ihm in die gemeinsame Wohnung. So ein eigenes Zimmerchen würde ich sicher auch wollen, wenn ich mit ihm in einem Machtgefälle leben würde oder einen anderen Partner hätte.
      Nein, so etwas gibt es hier nicht.
      Ich scheitere aber auch schon gedanklich bei dem Versuch, das irgendwie zu trennen - also in Bereiche, in denen ich BDSM haben will und in Bereiche, in denen ich kein BDSM haben will. Bei uns gehört das alles zusammen :saint: .
      „Die Grenzen der Seele wirst du nicht finden, auch wenn du alle Wege durchwanderst.
      So tiefen Grund hat sie.“

      Heraklit