5.12. .★. Krampus

      5.12. .★. Krampus

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      . ★ .— 5. Dezember —. ★ .


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      Krampus

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      von
      @dreamscometrue


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      GESCHICHTE ZUM ANHÖREN
      Zu dieser Geschichte gibt es hier eine Hörversion:

      Adventskalendergeschichte - 05.12.19 - Krampus
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      Ich steckte meine eiskalten Hände in die Jackentasche. Susanne, die neben mir fröhlich dahin plapperte, zog mich zu einem Stand mit handgefertigtem Silberschmuck. Es war ihre Idee gewesen, den Adventsmarkt im Dorf zu besuchen. Meine beste Freundin meinte es gut, versuchte, mich aus meiner Lethargie zu reißen, doch meine Scheidung ließ sich nicht so einfach abschütteln, ich musste noch lernen, meine neu gewonnene Freiheit zu genießen. Mit Schaudern dachte ich an die letzten Monate zurück:

      Mein Ex-Mann, der mich emotional erpresst hatte, indem er mir immer wieder versichert hatte, ohne mich nicht leben zu können, mein dadurch resultierendes schlechtes Gewissen, weil ich frei sein wollte, unsere Bekannten, die Schwiegereltern. Ich war das schwarze Schaf und er ein fleißiger, braver Mann, den ich grundlos verlassen hatte. Ja, das alles war er, tagein, tagaus. Im Bett liebevoll, zärtlich. Egal, wie oft ich ihn gebeten hatte, mich nicht mit Samthandschuhen anzufassen, er konnte es nicht. Als ich anfing, die Wochenenden zu hassen, wusste ich, dass ich etwas ändern musste. Nach so vielen gemeinsamen Jahren konnte ich mir nicht vorstellen, bis an mein Lebensende so weiterzumachen.

      Während Susanne mit dem Verkäufer über den Preis eines Silberarmbandes feilschte, sah ich unauffällig auf die Uhr. Heute, am 5. Dezember, fand der alljährliche Krampuslauf statt. Ich fürchtete die kunstvoll geschnitzten Fratzen. Meine irrationale Angst kam nicht von ungefähr:

      In meiner Kindheit wohnten wir in einem alten Zweifamilienhaus. An die Geräusche, wenn der Wind durch die vermoderten Dachbalken pfiff, konnte ich mich noch gut erinnern. Manchmal, wenn unsere Eltern nicht zuhause waren, musste mein Onkel, der nur um zehn Jahre älter war als ich, auf mich aufpassen. Aus Wut und weil er damit seine Minderwertigkeitskomplexe kompensieren konnte, zog er sich eine hässliche Krampusmaske über das Gesicht und erschreckte mich. Nie wusste ich, wann und wo er zuschlagen würde. Wenn ich es am wenigsten erwartete, packte er mich, oder lief mir kettenrasselnd nach. Diese Ungewissheit war traumatisch und verfolgte mich lange in meinen Albträumen.

      War es der emotionale Stress, weshalb ich in letzter Zeit wieder davon träumte? Das Drehbuch hatte sich geändert, denn ich war kein Kind mehr. Ich lief noch immer davon, doch ich wollte gefasst werden, wollte die Gewalt. Unzählige Nächte, in denen ich verstört aufwachte, ein verhallter Schrei noch im Raum, die Nässe zwischen meinen Schenkeln.

      Wir schlenderten weiter und ich lachte über eine Begebenheit, die Susanne aus ihrem chaotischen Leben erzählte. Sie schaffte es immer wieder, mich aufzumuntern. Ich kaufte mir noch einen warmen, knusprigen Bauernkrapfen, dann verabschiedete ich mich. Sie hielt mich nicht auf, denn sie kannte meine Angst.

      Wütend schlug ich auf das Lenkrad meines Golfs ein. Ein letztes Mal drehte ich den Zündschlüssel, doch der Motor gab nur ein heiseres Stottern von sich. In meiner Zerstreutheit hatte ich die Scheinwerfer angelassen. Eisverkrustete Scheiben schotteten mich von der Außenwelt ab. Frustriert nahm ich meine Tasche, stieg aus und schmiss mit Wucht die Tür zu. Ich hatte keine Lust den Pannendienst zu rufen oder Passanten um Starthilfe zu bitten, deshalb beschloss ich mir die Beine zu vertreten, schließlich hatte ich acht Stunden im Büro verbracht. Morgen war mein freier Tag, also genug Zeit, das Auto mit meinem Nachbarn abzuholen.

      Es schneite, dicke Schneeflocken landeten auf meiner Daunenjacke. Ich setzte die Kapuze auf, biss in den mittlerweile kalten Bauernkrapfen und überlegte, welchen Weg ich nehmen sollte. Auf der beleuchteten Landstraße würde ich in etwa einer Stunde Zuhause sein oder ich nahm eine Abkürzung, die durch den verschneiten Wald führte. Ich kannte den Forstweg gut, war es doch einer meiner liebsten Spaziergänge, doch die Dämmerung hatte bereits eingesetzt. Während ich die beiden Alternativen abwog, holte ich bereits eine Taschenlampe aus der Handtasche.

      Mit meinen warmen Stiefeln stapfte ich darauf los, ließ die Geräusche des Dorfes hinter mir, genoss die Winterlandschaft. Ich liebte das Landleben, das Gewusel in der Stadt machte mich unruhig, gab mir das Gefühl, fehl am Platz zu sein. Doch wenn ich ehrlich war, lag es nicht nur an meiner Umgebung. Ein Gefühl der Ausgeschlossenheit, das ich nicht benennen konnte. Von dem abgesehen, dass ich mir als frisch Geschiedene die überteuerten Mieten in der Stadt sowieso nicht leisten konnte. Mich schauderte, als ich entfernt die Kuhglocken und das Gegröle der Krampusse hörte. Ich kicherte, wenigstens war ich außer Reichweite.

      Im Wald war es still. Eine Stille, die jedes Geräusch unnatürlich laut erscheinen ließ. Auf dem schneebedeckten Boden, nur das Knirschen meiner Schritte. Ich schreckte hoch, als ich einen Waldkauz hörte. Ich war nicht abergläubisch, doch die unheimliche Atmosphäre trug dazu bei, um mein rationales Denken in den Hintergrund zu drängen. Der Vorbote des Todes, der Totenvogel. „Komm mit! Komm mit!“, rief es, ließ mich schneller gehen. Plötzlich ging die Taschenlampe aus.

      „Das hat mir gerade noch gefehlt!“, schimpfte ich vor mich hin, steckte das unnütze Ding weg. Ich blieb stehen, versuchte, nicht in Panik zu verfallen. Immerhin war es nicht so dunkel, wie ich befürchtet hatte, denn der Vollmond schien zwischen die mächtigen Tannen, reflektierte den Schnee. Die Äste der kahlen Laubbäume griffen nach mir.

      „Bleib ganz ruhig, du bist bald zuhause. Eigentlich ist es doch ganz schön hier im verschneiten Wald“, versuchte ich mich selbst zu beruhigen, „zur späten Stunde, so ganz alleine“, musste ich dämlicherweise hinzufügen.

      Ich dachte an ein Gedicht, das ich selbst verfasst und das mich in schweren Zeiten immer wieder motiviert hatte, den richtigen Weg zu finden. Immer, wenn mich Zweifel quälten, sagte ich es gedanklich auf und es ging mir besser. Ich legte den Kopf in den Nacken, sah zum Mond und lächelte, als ich Schneeflocken auf meinen Wangen spürte. Intuitiv sagte ich es zum ersten Mal laut auf:

      „Schnee deckt alles zu,
      auch das Hässliche.
      Das Geräusch,
      wenn dicke Schneeflocken
      auf vertrocknete,
      braune Blätter fallen,
      ich hab's vergessen.
      Wann hab' ich's vergessen?
      Das Gesicht himmelwärts,
      eisige Kristalle auf meiner Haut.
      Wie schmeckt Schnee?
      Die Zunge rausgestreckt,
      erinnere ich mich
      und betrachte die Welt
      mit neuen Augen.
      Zeit, der Sehnsucht
      nach Unterwerfung nachzugeben.
      Zeit, zu sein.“

      Mit dem Geschmack des Schnees und dem letzten ausgesprochenen Wort gefror mein Lächeln. Es donnerte, doch es kam nicht vom Himmel, der Boden unter mir erzitterte. Das kann nicht sein, ein Erdbeben in unserem Breitengrad? Vor mir eine mondbeschienene Lichtung, die zum Albtraumszenario wurde:

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      Die Luft dehnte sich, es roch nach Schwefel. Ein Hügel brach auf, Pulverschnee stob davon, eisige Wolken, die in sich zusammenfielen. Etwas Dunkles hockte am Boden. Es hob langsam den gehörnten Kopf. Glühende Augen, die mich musterten. Trotz der Entfernung ahnte ich, dass es groß sein würde und so war es auch. Als es aufstand, die mächtige, nackte Statur streckte, wollte ich fliehen, doch ich konnte nicht, konnte das Unfassbare nicht verarbeiten, war erstarrt.

      „Kleines Menschlein, du hast mich gerufen an diesem bestimmten Tag“, sagte es mit tiefer, sonorer Stimme, die unerträglich war. Unerträglich, denn sie verführte, lockte. Langsam kam es näher.

      Mein Atem ging hektisch. Es war hässlich, es war schön, alles in einem. Ein gefährliches Tier, dessen geschmeidige Bewegungen nicht von dieser Welt waren. „Lauf!“, rief mein Unterbewusstsein. Endlich gehorchte ich und mein Albtraum wurde wahr.

      Und so lief ich schreiend davon, gefolgt vom spöttischen Lachen eines Jägers, dessen Lust es war, mit seiner Beute zu spielen. Schemenhafte Baumriesen, die sich vor meinen Augen in Ungeheuer verwandelten. Bei dem Versuch auszuweichen, rutschte ich auf einer vereisten Wurzel aus, fiel schmerzhaft auf die Knie. Ich schluchzte. Es war genau hinter mir, die feinen Härchen in meinem Nacken stellten sich auf. Hilflos umarmte ich mich, ein lächerlicher Versuch mich zu schützen und bemerkte gleichzeitig etwas Unsinniges. Ich lachte hysterisch, dass das angesichts des Todes meine letzte Feststellung sein sollte.

      „Weshalb lachst du, Tochter Lillith's?“

      Ich war eine Marionette, meines Willens beraubt. „Ich habe meine Handtasche verloren“, antwortete ich mit zittriger Stimme, versuchte aufzustehen. Seine heiße Hand auf meiner Schulter hinderte mich.

      „Bleib zu meinen Füßen, Sklavin! Dort wo du hingehen wirst, sind irdische Güter nutzlos.“

      Wut stieg in mir auf. War es die Todesangst, das Wissen, nichts mehr verlieren zu können, weshalb ich den Mut fand, zu widersprechen? Was immer es auch war, es ließ mich gewähren, als ich kniend herumfuhr und es anfauchte: „Ich bin keine Sklavin und gehe nirgendwohin mit dir! Meine Mutter heißt nicht Lillith und überhaupt … Woahhh!“

      Es grinste spöttisch auf mich hinunter, während ich mit offenem Mund auf die nackte Anatomie eines Wesens starrte, das mich in absehbarer Zeit wohl umbringen und vergewaltigen würde. „Vorzugsweise umgekehrt?“, dachte ich, als ich auf sein Glied starrte, dessen beachtliche Größe stramm in Richtung Bauchnabel zeigte. „Ist das ein Sixpack?“ Ich zählte nach. „Nein, ein Eightpack.“

      „Widerspenstige Sklavin, ich werde dich brechen und zu meinem Vergnügen benutzen, bis du um Gnade flehst.“

      „Niemals!“, rief ich, sprang auf und wollte davonlaufen. Es riss mich herum, drängte mich rückwärts, bis ich an einem Baum anstand. Ich trommelte auf seine steinharte Brust, was ihn nur ein amüsiertes Lachen kostete. Es nahm meine Hände, hielt sie gefangen und presste seinen Körper an mich. Ich stöhnte unwillkürlich, als ich sein erigiertes Glied fühlte. Seine Gegenwart hüllte mich ein, machte jeden Atemzug zur Qual, weil es mich erregte. Mit schamvoll geröteten Wangen, spürte ich die Kälte nicht.

      „Niemals ist eine lange Zeit in der Ewigkeit“, sagte es mit rauer Stimme und leckte mit gespaltener Zunge über meine heiße Wange. Ich keuchte, als ich seinen Atem auf meinem Hals spürte, bog mich ihm entgegen. Es biss in meinen Hals. Das Letzte, was ich hörte, bevor mir die Sinne schwanden und mich ein Lavawirbel in den Abgrund zog, war:

      „Und so schließt sich der Kreis.“

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      Ein Kelch an meinen Lippen. Ich trank gierig. Träumte ich? Verschwommen nahm ich meine Umgebung wahr: Loderndes Kaminfeuer warf Schatten von verschlungenen Leibern an die Wand, ein scharlachroter Baldachin über dem Bett, auf dem es ausgestreckt lag. Eine schwarze Schlange schlängelte sich träge auf dem seidenen Laken. Mein Verstand war ausgeschaltet, ich war seinen glutvollen Augen ausgeliefert. Seltsam losgelöst bemerkte ich, dass meine gestreckten Hände über meinem Kopf angekettet waren. Es sollte mich beunruhigen, dass ich nackt und hilflos vor ihm stand, doch dem war nicht so. Ich fühlte die Nässe zwischen meinen Schenkeln, als ich die Oberschenkel aneinander rieb.

      Als es aufstand, zischte die Schlange, stellte sich auf. Unbeeindruckt griff es danach und nicht einmal die Tatsache, dass sie sich vor meinen Augen in eine schwarze Peitsche verwandelte, konnte mich aus meinem lustvollen Zustand reißen. Es presst sein hartes Glied von hinten an mich, überragte mich mit seiner Präsenz.

      „Dein Schmerz ist deine Lust, ist meine Lust. Erwache und werde zu der, die du wirklich bist, Sklavin!“

      Als mich die Peitsche zeichnete, erwachte ich und erkannte, dass es meine Bestimmung war zu dienen. Als es mich benutzte, mich voll und ganz in Besitz nahm, fand ich endlich meinen Platz, der von nun an zu seinen Füßen sein würde.


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      Ich freue mich sehr, wenn euch meine Geschichte gefällt!
      Ja, sie ist sehr fantasievoll ausgefallen, passend zum Krampus.
      Hinter jeder Geschichte steckt ein Fünkchen Wahrheit. In meinem Fall, das mit meinem Onkel und dem alten Haus. Er hat mich wirklich als Kind mit einer Krampusmaske erschreckt, wenn wir alleine waren ...