Wie erkläre bzw rechtfertige ich den BDSM-Lifestyle?

      Wie erkläre bzw rechtfertige ich den BDSM-Lifestyle?

      Kurze Einleitung damit wir alle besser ins Thema finden: Ich bin ziemlich offen bei meinen Freunden was den Wunsch nach ner BDSM Beziehung angeht und versuche, sofern das Thema aufkommt immer ein wenig die festgefahrenen negativ-Assoziationen vom "bösen Fetisch" zu lockern. Gelingt mir soweit auch ganz gut, hat sich zumindest noch niemand darüber beschwert :D

      Der Punkt der Sache is, mir fehlen in solchen Konversationen leider doch oft die Worte um GENAU zu artikulieren was denn nun ne BDSM-BEZIEHUNG ausmacht dass sie so attraktiv ist. Und ich betone Beziehung so bescheuert weils mir tatsächlich um genau das geht wenn ich in dem Zusammenhang den neudeutschen Begriff "Lifestyle" verwende. Es geht mir in diesem Thema hier nicht um die Fetisch-Ecke sondern einfach nur das zwischenmenschliche in einer Beziehung mit Machtgefälle. Natürlich mögen da auch dinge wie strafen oder Belohnung usw ein Teil davon sein, aber vielmehr basiert auf dem Machtgefälle in der Beziehung und nicht einfach zur Bedienung des Fetisch aus der Luft gegriffen.

      Meine Frage dazu is, wie würdet ihr das jemandem erklären / beschreiben der keine Ahnung davon hat?


      Ich versuch immer die viel tiefer gehende Intimität zu beleuchten und dass man den Partner dadurch besser kennen lernt als wenn man Vanilla zusammen ein leben fristet. Wie viele Ehen gerettet und Paare neue Freude aneinander gefunden haben und all die wundervollen Geschichten die ich hier schon von Forenmitgliedern erzählt bekommen habe.

      Trotzdem bleibt immer das Gefühl den Nagel nicht auf den Kopf getroffen zu haben. Wie seht ihr das? Wäre das ein guter Anfang oder fehlt mir etwas essenzielles? Für mich selbst, würde eine bessere Erklärung von jemandem mit Erfahrung auch bedingt helfen, da ichs zwar im Herzen verstehe, aber der Kopf sich noch etwas schwer dran tut das zu quantifizieren.



      Bin auf die Eindrücke gespannt :thumbsup:
      "She´s the giggle at a Funeral"

      Cagna schrieb:



      Ich versuch immer die viel tiefer gehende Intimität zu beleuchten und dass man den Partner dadurch besser kennen lernt als wenn man Vanilla zusammen ein leben fristet.

      Wenn man mir als Vanilla das so erklären würde, wäre ich direkt auf Konfrontationskurs.
      Weil es mir absprechen würde, in meiner Beziehung auch entsprechende Intimität zu erreichen und meinen Partner auch wirklich gut zu kennen.

      Ich weiß nicht, ich erkläre, dass ich mich einfach sehr wohl in so etwas fühle und das Machtgefälle mir eine Struktur gibt, die ich für mich sonst mir nur schwer in einer Beziehung vorstellen kann.
      Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. (Rut 1,16)
      Meine Erfahrung ist, dass es mit manchen Menschen schwer ist, weil die wie ne Art Denkblockade haben. Die wollen gar nicht die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass BDSM was wunderbares, intimes, liebevolles, zärtliches sein kann. (Eine Freundin hat mich fast schon angeschrien: Du bist der liebste Mensch den ich kenne, ich will nicht das du auf sowas Böses stehst - oder nichts davon wissen!)
      Zum Glück trifft das nicht auf alle zu.

      Ich würde, wenn ich von Machtgefälle in der Beziehung rede immer dazu sagen, dass es eine Metaebene gibt auf der der submissive Part gleichberechtigt ist und sozusagen mit aushandelt was geht und was nicht. Zumindest würde ich es auch so leben ;)
      Und dass dann dieses Machtgefälle im vereinbarten Rahmen gilt, und da eben auch im Alltag und nicht nur als sexuelle Spielerei.

      Dann würde ich erklären, dass damit gerade für den submissiven Part viel innere Freiheit verbunden ist und das Gefühl ganz man selbst sein zu können.
      Und dann muss man halt immer sensibel auf die Reaktion des anderen eingehen, das läßt sich nicht wirklich planen.

      Besagte Freundin von mir zum Beispiel, hat sich später bei mir entschuldigt, und mir versichert dass sie mich lieb hat wie ich bin, und wir haben vereinbart, dass wir einfach wann anders mal weider drüber reden. Wenn sie sich innerlich bereit fühlt.
      Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.
      Friedrich Wilhelm Nietzsche
      Mir reicht (bisher) immer: "Ich fühle mich wohl so und brauche das so."
      MEINE Beziehung ist nicht besser oder schlechter als die anderer Menschen, aber eben die, in der ICH mich wohlfühle und die ich brauche und möchte.
      Wenn es stimmt, dass die Evolution zu immer höherer Perfektion strebt, welchen Sinn haben dann die Generationen nach mir? :gruebel:
      Ich finde es bedarf keiner Erklärung für die Gründe. Du lebst deine Beziehung, wie sie dir Spaß macht und andere leben sie, wie sie ihnen Spaß macht.

      Und wenn jemand Interesse hat, Gründe oä möchte, dann soll er ne konkrete Frage stellen, auf die du antworten kannst.
      Und die Antwort kommt dann am besten ausm Bauch heraus und ist nicht in defensiver Einstellung schon lange vorher vorbereitet worden :D
      Ich benutze zur Erklärung gern , das es eine Art der Beziehung ist , die mit Sicherheit und Zuwendung verkoppelt ist . Die mir Struktur ermöglicht ,die ich zur Entspannung brauche bzw. um Kontrolle zu bewahren - sowohl als Leitender als auch als Geleiteter .
      Das ich es als intensiver erlebe erkläre ich gern damit , das mir immer ein Puzzlestück zu meinem GroßenGanzen fehlt im Vergleich zu einer Vanillabeziehung . Diese fühlt sich für die Beteiligten perfekt an , weil ihnen nichts fehlt in ihrer Perfektion und Zuwendung und Tiefe - mir fehlt eben das Geregelte , das Machtgefälle und damit ist es nur perfekt wenn dieses Puzzleteil dazukommt . Mich ganz macht . Und es damit in die Tiefe und Intensität führt die ich brauche .
      Mir eine Freiheit ermöglicht in mir die ich sonst nicht finde - mich entlastet und auch fordert und mich auf eine Ebene bringt in der mich auch meine Wünsche nicht in Druck bringen - weil ich die Erfüllung nicht forcieren kann , mir keinen Druck machen muss damit .
      Wir leben alle unter dem selben Himmel , aber nicht mit dem gleichen Horizont
      Schonmal vielen Dank für die starke Beteiligung.
      Ich seh schon, ich bin fürchterlich darin, etwas rüber zu bringen dass ich selbst noch nich ganz in Worte gefasst bekomme :sofa:


      Ich hab das viel weniger schwarz-weiss und "belehrend" gemeint wie es bei euch wohl ankam. Zwar sind besagte Freunde in meinem Umfeld tolerant der Sache gegenüber, nur werde ich aber trotzdem das Gefühl nicht los dass eine Rechtfertigung tatsächlich von Nöten ist, da die Allgemeinheit, wenn von BDSM gesprochen wird, instiktiv das Bild von Fetischisten im Kopf hat die sie zuvor nur aus RTL kennt. Mal ganz stumpf ausgedrückt. Natürlich soll jeder Leben lassen und gelassen werden, wonach eine "Rechtfertigung" sich erübrigt, hat aber für mich dann wiederum etwas mit stolz zu tun diese Fremd-Assoziation nicht auf mir sitzen lassen zu wollen. Oder der Unfähigkeit die Sache einfach links liegen zu lassen und die Leute denken zu lassen was sie wollen. :whistling:

      Daher der schlecht formulierte Drang das ganze aufgedröselt haben zu wollen. Zu erklären wie vielschichtig und Tiefgründig das ganze sein kann wenn man sich drauf einlässt und wie viel mehr dahinter steckt als nur Peitschenhiebe und "Erniedrigung"
      "She´s the giggle at a Funeral"
      Die Frage ist, ist es wichtig?
      Ich für mich habe beschlossen, nein, ist es nicht.

      Ich lese bei dir raus, dass es vornehmlich um den Menschen geht, der eben mit dir auf dieser Wellenlänge sein sollte um die Form der Beziehung zu leben.

      Echten Freunden gegenüber muss man sich nicht rechtfertigen. Die sind glücklich, wenn du es auch bist.
      Und ob ihr dann bei euch im rosa Tütü Samba im Bett tanzt oder eben BDSM betreibt, ist euers.
      Viele Grüße
      safine
      Hallo cagna,

      ich finde, man „muss“ da nichts rechtfertigen. Vielleicht stattdessen eher relativieren? Wer ein Lifestyle-Bild im Kopf hat, ist auch schnell bei „höher, schneller und weiter“. Das sind aber gar nicht die Punkte, auf die es ankommt. Den Ansatz von @Félin, dass es Struktur geben kann finde ich gut. Da ist erstmal gar nichts „typisches“ drin, was man als Normalo mit dem Bösen BDSM verbindet...

      Insofern würde ich mehr den Fokus darauf legen, dass es eben nicht um „Arschvoll“ geht, sondern Dieb Punkte hervorheben, die Dir wichtig sind und die nicht unbedingt zuerst genannt werden, wenn das Thema BDSM bei Vanillas aufkommt...
      Musst Du Dich wirklich rechtfertigen oder ist das nur eine "gefühlte Notwendigkeit", nämlich Dein eigenes Bedürfnis, einer imaginäre "Allgemeinheit" etwas erklären zu müssen? Hast Du Deine Freunde mal gefragt, ob es notwendig ist? Würde ich knallhart mal machen, wenn das Thema wieder aufkommt. ;)

      Grundsätzlich ist meine Meinung dazu, dass es nicht notwendig sein sollte, die Besonderheiten der eigenen Beziehungsform herauszustellen. Für mich ist meine BDSM-Beziehung schlicht Alltagsnormalität und so behandele ich sie auch nach außen. Ich muss nicht betonen, wie tief diese Beziehung geht. Schon gar nicht im Komparativ, denn für mich ist meine Beziehung nicht besser oder schlechter, intensiver oder weniger intensiv als andere. Sie ist schlicht für mich passend.

      Indem ich allgemein formuliert herausstelle, dass eine Art der Beziehung "besser" (intensiver, tiefer etc.) ist als andere, werte ich andere Beziehungen automatisch ab - wo ein Besser ist, gibt es eben auch ein Schlechter. Das ist in meinen Augen kein Ansatz, der Verständnis fördert. Sollte es jemand wirklich wissen wollen, kann ich zwar Auskunft geben, was die Beziehung für mich bedeutet, warum ich mich darin wohl fühle, aber Verallgemeinerungen oder "Erfolgsberichte" von Paaren, die eine (unglückliche) Vanillabeziehung in eine glückliche BDSM-Beziehung umwandelten oder die Ehe dadurch retteten, würde ich mir verkneifen.

      Ich muss die Welt nicht missionieren und davon überzeugen, dass real gelebter BDSM nicht immer RTL-tauglich ist. Es lebt ja auch nicht jeder im realen Leben wie im Dschungelcamp oder bei Frauentausch. In meinem Freundeskreis gehe ich einfach mal davon aus, dass jedem dieser Unterschied bewusst ist.
      Ich glaube man muss zunächst einen Unterschied klar machen. Nämlich zum einen was ist Fetischismus. Also die sexuelle Besetzung eines Objektes oder einer Verhaltensweise etc. Und was ist diese Beziehung von der du sprichst. Da klingt deine Vorstellung für mich nach D/S oder auch TPE, durch das von dir heraus gestellte Merkmal des Machtgefälles.
      Einen leichten Fetisch (oder mehrere) haben die meisten Menschen. Sogar die ganze Gesellschaft hat Fetische. Wenn man gute Freunde hat, mit denen man sonst auch über pikantere Themen sprechen kann, kann man auch mal Fetische reden. Die meisten Frauen haben einen Fetisch für Hände und/oder Unterarme. Auch der Stino kauft sexy Lingerie. Geht in Richtung Materialfetisch. Die Grad Wanderung ist hier nur minimal zwischen Spitze und Latex. Ich glaube wenn man aufzeigt das z. B. der Fetisch nicht in einer dunklen Ecke wohnt, sondern direkt im Sonnenschein in der Gesellschaft, verliert das den "Schrecken".
      Davon abgesehen haben statistischen gesehen eine Mehrzahl an Frauen z.b. Unterwerfungsfantasien beim Sex. Auch das eigentlich voll Stino.

      Ich glaube ein bisschen kniffliger ist die Sache mit der dauerhaften Beziehung im Machtgefälle. Gerade als Frau stößt man da oft auf die "du schmeißt die ganze Emanzipation über den Haufen" Rede. Aber ich denke, dass echte Gleichberechtigung doch das Recht mit sich bringt: Das ich es mir aussuchen kann. Niemand muss so leben. Aber man darf es. In alle Richtungen. Und für mich klingt der Satz "Da muss ich erst meinen Mann fragen"...eben wir Gold in den Ohren und nicht nach Pech.

      Ich kann nachvollziehen, dass es einem wichtig ist, dass menschen die einem nahestehen ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen für die Art wie ich lebe. Das funktioniert glaube ich am besten durch echtes Interesse füreinander. Und den Versuch eine Wertung erstmal beiseite zu lassen. Egal ob für Vanilla oder alles andere. Neugierde ist ein großer Wert. "aha... So ist das also bei dir/für dich... Also für mich fühlt sich das so und so an/ich verstehe es auf diese Art und Weise.."
      Und ein bisschen "anders" sein ist doch, wenn wir ehrlich sind, eigentlich ganz toll.
      Mein kleines Geheimnis voll Freude.
      Meine (BDSM-) Beziehung ist vielleicht anders....als (Normale?!-) Vanilla- Beziehung...aber - Eine Schwulenbeziehung ist auch anders.....

      Der Kern ist doch: Hauptsache glücklich und zufrieden mit dem Partner. Das genaue "wie" entscheiden doch die Partner selbst.

      Mag sein, das anderer so nicht leben können oder wollen.....müssen sie ja auch nicht......aber ich bin so halt glücklich und habe das selbst so gewählt.

      Die Sexualwelt ist groß und bunt.......
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      Wer mich und meinen Freund zusammen erlebt, bemerkt, dass es eine liebevolle, auf Achtsamkeit und gegenseitigem Respekt basierende Beziehung ist, die uns beiden gut tut. Anderen fällt das auf, und ich bekomme immer wieder entsprechende Rückmeldungen.

      Bei mir weiß auch nur meine beste Freundin und mein Bruder sowie einige seiner Freunde Bescheid.
      Ich habe nicht das Bedürfnis, da irgendetwas zu erklären. Meine Freundin (die einzige Person, mit der ich über meine Beziehung reden würde) möchte das gar nicht genauer wissen, was für mich völlig ok ist, zumal in unseren Beziehungen vieles ähnlich läuft (Beziehung und Beruf vereinbaren, Arbeitsteilung etc, die bei ihr wie bei mir eher „traditionell“ ist...), so dass gar keine Notwendigkeit besteht, auf den Faktor „BDSM“ näher einzugehen.

      Seine/unsere gemeinsamen Freunde sind sehr offen, was Sexualität im Allgemeinen angeht, machen manchmal Witze, haben aber meines Wissens kein Problem. Auch da habe zumindest ich nicht das Befürfnis, etwas zu erklären.
      „Jetzt ist einfach nicht die Zeit für Partys“
      D. Kalayci, Gesundheitssenatorin Berlin

      "Ein großer Teil der Sorgen besteht aus unbegründeter Furcht".
      ~ Jean-Paul Sartre -
      Schon bei deiner Eingangsfrage war ich etwas irritiert.
      Warum Rechtfertigung oder Erklärung?

      Lifestyle? Für die, die sich durch SoG animiert fühlten , mag das zutreffen.

      Cagna schrieb:

      Ich seh schon, ich bin fürchterlich darin, etwas rüber zu bringen dass ich selbst noch nicht ganz in Worte gefasst bekomme
      Das liegt vielleicht daran, das du von Theoretiker zu Theoretiker argumentierst.

      Ich persönlich habe nicht das Bedürfnis, jedem in meinem Bekannten- oder Freundeskreis meine Neigung zu erklären.
      Liegt vielleicht auch daran, dass ich den Hauptaugenmerk auf S/M und nicht auf D/S lege.
      Aber ich möchte auch nicht zwingend Einzelheiten bzgl. ihrer sexuellen Aktivitäten von anderen Menschen hören.
      In vielen D/S-Beziehungen sind Übergänge zu "Vanilla-Beziehungen" ja auch schleichend.

      Wie hier schon in anderen Beiträgen angemerkt wurde, solltest du dich vielleicht einfach mal fragen, warum du BDSM als besonderes Merkmal hervorheben möchtest.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.
      Ein rechtfertigen brauche ich nicht, aber wenn es zu einem Gespräch kommen würde,wäre das für mich so ein Argument:
      DieMaja liebt das devote.Das steckt in ihr und ist so tief drin, das es ein Teil ihres Lebens ist.
      Bei mir ist es konträr genauso.
      Warum soll ich diese Neigung nicht ausleben, wenn es in beiden steckt und beide es wollen?
      Warum soll ich an den Strand fahren,wenn ich die Berge liebe?

      Beispiel: Sie ist manchmal in einigen Dingen ein bisschen nachlässig. So in der Art, mach ich morgen oder übermorgen . So Kleinigkeiten die jeder aus Beziehungen kennt.
      Früher gab es in meiner "Vorzeit BDSM" immer mal reibereien und Streit.
      Heute stelle ich das in unserer Beziehung ab.
      Beide sind zufrieden und es fällt in unserem Umfeld auf,das von unserer Neigung nichts weiss, wie glücklich, zugewandt und fürsorglich wir miteinander umgehen.
      Wir sind beide ausgeglichen und haben gefunden, was wir einen Großteil unserers Lebens vermisst haben.
      Das Leben ist kein Ponyhof. Aber geritten wird trotzdem !
      Hallo Cagna,

      ich hätte mal ne Gegenfrage... haben Deine Freunde das Bedürfnis, Dir ihre sexuellen Vorlieben zu erklären oder ihre Rollenverteilung oder Arbeitsteilung in ihrer Beziehung? Ich vermute, eher nicht...

      Es ist doch einzig und allein Dein Ding und das Deines Partners, wie ihr Eure Beziehung lebt. Jede Beziehung hat ihre Besonderheiten, aber ich sehe keinen Grund, dies als "anders" oder gar "besonders" zu erklären, verteidigen oder herauszuheben. Wenn zwei gemeinsam die aufregendsten Momente beim Briefmarken sammeln erleben, so what?

      Als ich mit meiner jetzigen Partnerin zusammen kam und sich Nachwuchs einstellte, hat es sich so ergeben, dass sie trotzdem weiter Vollzeit arbeiten ging, weil sie einen gut dotierten Job in einem Großunternehmen hatte, und ich als Selbständiger mir die Arbeit und Zeit so einteilen konnte, dass ich eben den Großteil des Haushalts geschmissen habe. Eine Rollenverteilung, die komischerweise immer noch bei den meisten Unverständnis auslöst. Und wie erklär' ich das meinen BDSM-Kollegen, ich als Dom und sie meine Sub... ganz einfach: gar nicht. Wenn jemand eine konkrete Frage hat, dann bekommt er eine passende Antwort. Die große Mehrheit geht es aber erst gar nichts an. Inzwischen ist ihr Job wegrationalisiert und ich bin wieder der Versorger. So stimmt auch wieder das Bild für die Subs, die zu ihrem Dom "aufschauen" wollen, und für die die andere Konstellation vermutlich genauso "unerklärbar" ist, wie Dein BDSM für viele andere und vielleicht auch ein paar Deiner Freunde ist und vielleicht auch bleiben wird.

      Aber wirklich wichtig ist das nicht.

      LotOfKnots

      Cagna schrieb:

      Ich versuch immer die viel tiefer gehende Intimität zu beleuchten und dass man den Partner dadurch besser kennen lernt als wenn man Vanilla zusammen ein leben fristet
      Puhhh....
      Bei solchen Aussagen sträuben sich mir die Nackenhaare.
      Es gibt ganz viele Nicht-Bdsm-Beziehungen die eine Tiefe erreichen, von denen auch Bdsm-ler nur träumen können. Es kommt doch darauf an, wie man eine Beziehung führt.
      Viele Bdsm-ler empfinden diese Tiefe auch einfach nur, weil sie sich in einer solchen Beziehung erst "ganz" fühlen. Es wird aber häufig nicht gesehen das in vorherigen Beziehungen, nicht offen genug kommuniziert wurde. Das eigene Bedürfnisse zu weit hinten angestellt wurden.

      Was ist denn mit den vielen offenen Beziehungen?
      Ist da die Bdsm-lästige Beziehung immer die intensivere?


      Cagna schrieb:

      Wie viele Ehen gerettet und Paare neue Freude aneinander gefunden haben und all die wundervollen Geschichten die ich hier schon von Forenmitgliedern erzählt bekommen habe.
      Genauso so viele Beziehungen, wenn nicht sogar nach mehr, sind gescheitert.

      Bdsm ist ja keine Garantie die eine Beziehung rettet.
      In mancher Beziehung ist es auch gerade die Neigung, die dann nicht kompatibel ist und zum Ende einer Beziehung führt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von dornenspiel ()

      Eine Rechtfertigung brauche ich nicht warum auch ?
      Ich führe ein glückliche und harmonische Beziehung .

      Wir führen eine glückliche herr und Sklavin Beziehung.
      Aber sind jetzt anders orientierte langweiliger oder unglücklich??
      Ich denke nicht ich war in eine normalen Beziehung unglückliche.
      Kenne aber viele glückliche Paare
      Träume nicht dein Leben
      Lebe deinen Traum

      Cagna schrieb:




      ....
      Ich versuch immer die viel tiefer gehende Intimität zu beleuchten und dass man den Partner dadurch besser kennen lernt als wenn man Vanilla zusammen ein leben fristet. Wie viele Ehen gerettet und Paare neue Freude aneinander gefunden haben und all die wundervollen Geschichten die ich hier schon von Forenmitgliedern erzählt bekommen habe.


      ....

      Ich finde solche Aussagen auch kritisch. Wie zuvor erwähnt glaube ich der Schlüssel ist eine Bewertung zunächst zu vermeiden.

      Ich wundere mich aber auch sehr, wenn aus der Frage nach dem "Wie (erkläre ich)" ein "Ob überhaupt" gemacht wird. Wenn jemand fragt wie mache ich es (wie macht ihr es?) und eine häufige Antwort ist "mach es nicht" oder "warum willst du es überhaupt machen" und "ich mach es nicht" dann ist dies auch eine Bewertung (der Frage und des Autors). Es handelt sich hier nicht um z.b. notwendige Warnhinweise weil körperliche Unversehrtheit in Gefahr ist oder um Bereiche aus dem Strafrecht.
      Davon abgesehen hat der Fragende ja klar eingeleitet das er niemanden die Sexualität auf den Bauch bindet sondern eben offen über seine Wünsche spricht. Wenn das jemand nicht tun möchte ist das ja okay, aber wenn doch ist eine Unterstützung bei Formulierungen an denen es vllt etwas hapert etwas Gutes, oder nicht?

      Und natürlich gibt es Unterschiede in Beziehungen die auch durch Rahmenbedingungen bestimmt werden. Z. B. Gibt es Studien die gezeigt haben das homosexuelle Beziehungen weniger Auseinandersetzungen auf Grund von Rollenbildern haben. Einfach da nicht per biologischen Geschlecht von gewissen Verteilungen wortlos ausgegangen werden kann. Es muß explizit oder implizit ausgehandelt werden. BDSM ist kein Heilmittel aber es kann Anlass sein den Grad an Differenziertheit zu erhöhen. Weil Verhandlung und Kommunikation notwendiger wird. Dann ist eine Beziehung nicht besser oder schlechter als eine andere. Aber sie unterscheidet sich durchaus.
      Würde ich jemandem meine Sexualität und Beziehungsform erklären wollen, würde ich dabei weitestgehend auf BDSM-spezifische Begriffe verzichten. Sie schrecken oft nur ab und rufen bei Nicht-BDSMlern Gedanken und Bilder hervor, die von Klischees und Vorurteilen geprägt sind, vielleicht nicht mal im Ansatz meiner real gelebten Beziehung entsprechen und nur schwer wieder aus ihren Köpfen herauszubekommen sind.

      Ein ganz einfaches Beispiel: Dominanz und Unterwerfung. Für mich klingt das erstmal völlig harmlos, weil ich eben weiß, was es in meiner Beziehung bedeutet, wie wir es auf den verschiedenen Ebenen unserer Beziehung ausleben und wie es sich in unserem gemeinsamen Alltag gestaltet. Zudem habe ich mich natürlich über mehrere Jahre hinweg intensiv damit auseinandergesetzt und weiß, dass es zahlreiche andere Möglichkeiten gibt, wie es ausgelebt werden und was es beinhalten kann; dass mir vieles davon zusagt und bereits Einzug in das Miteinander zwischen meinem Herrn und mir gehalten hat, während viele andere Dinge bei uns überhaupt keinen Anklang finden und deshalb gar nicht infrage kommen - und dass es trotzdem alles unter den Oberbegriff DS fällt.

      Wenn ich nun jemandem, der sich nie näher damit beschäftigt hat, von Dominanz und Unterwerfung erzählen würde, hätte die Person vielleicht etwas ganz anderes im Sinn, z. B. einen herrischen Mann, der seine Partnerin herumkommandiert, und eine Frau, die sofort kuscht, weil sie sich nicht traut, den Mund aufzumachen. Oder aber zwei Menschen in einer Beziehung, in der einer von beiden als wertvoller erachtet wird. Sicher wird es auch oft mit Unterdrückung oder Hörigkeit in Verbindung gebracht.

      Von Dominanz und Unterwerfung, einem Machtgefälle, Submissivität u. ä. würde ich so explizit also gar nicht erst sprechen. Eher würde ich auf einzelne Punkte eingehen, die mir persönlich wichtig sind, weil sie auf meine Beziehung zutreffen. So würde ich bspw. erzählen, dass ich mich oft schwer damit tue, Entscheidungen zu treffen und es daher gerne meinem Partner überlasse, dies für mich und uns zu übernehmen.

      Auch von Anweisungen oder Vorschriften würde ich nicht sprechen, sondern davon, dass ich mich in verschiedener Hinsicht gerne nach meinem Liebsten richte, weil er gut darin ist, meine Bedürfnisse zu erkennen und einen Weg zu finden, wie diese erfüllt werden können. Zudem gibt es mir Sicherheit und eine Struktur, die ich alleine bisher nicht finden / dauerhaft beibehalten konnte. Er unterstützt mich dabei, indem er mir eine Richtung vorgibt oder vorschlägt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass ich mich da voll und ganz auf ihn verlassen kann. Wenn er mich führt und anleitet, fühle ich mich geliebt und sehr geborgen.

      Unerwähnt lassen würde ich außerdem den Begriff dienen, denn bei uninformierten Personen könnte er das Bild hervorrufen, dass bei mir zu Hause ein Macho auf dem Sofa sitzt, der sich nach Lust und Laune von mir bedienen lässt und dass das Geben und Nehmen in unserer Beziehung völlig unausgeglichen ist. Das ist natürlich überhaupt nicht der Fall. Um ein solches Bild gar nicht erst aufkommen zu lassen, würde ich es vielleicht so formulieren: Ich darf ganz viel für ihn tun - und er genießt es sehr. Es macht mich glücklich, wenn ich ihm Gutes tun kann und mich nicht damit zurückhalten muss, ihn gewissermaßen zu 'umsorgen' (z. B. wenn er nach einem langen, anstrengenden Tag noch zu Besuch kommt, sein Lieblingsgetränk und etwas zu essen für ihn bereitzuhalten, alles schön und gemütlich für ihn herzurichten und in jeder Hinsicht dafür zu sorgen, dass er sich bei mir wohl fühlt und sich entspannen kann usw.) oder ihm kleine Arbeiten abzunehmen, um ihn zu entlasten. Ich gehe voll darin auf und finde es absolut erfüllend, mich seinen Belangen und Bedürfnissen zu widmen, denn damit werden gleichzeitig auch meine eigenen Bedürfnisse erfüllt.

      Das waren jetzt nur ein paar Beispiele. Sicher, das ist alles recht blumig ausgedrückt, aber wenn es im Grunde doch dem entspricht, was für mich/uns dahinter steht, warum sollte ich dann negativ konnotierte Begriffe verwenden, die bei anderen Leuten Vorstellungen auslösen, die nur schwer umzukehren und geradezurücken sind? Ich glaube, auf diese Weise könnte ich auf recht einfache und verständliche Weise erklären, was ich in meinen vergangenen (Vanilla-)Beziehungen vermisst habe und deshalb in meiner derzeitigen (BDSM-)Beziehung als besonders schön und erfüllend empfinde. Es würde außerdem aufzeigen, dass eine BDSM-Beziehung nicht krank, pervers oder sonst was ist, sondern einfach nur anders ist - weil meine bzw. unsere Bedürfnisse zum Teil eben etwas anders gelagert sind als bei vielen anderen Menschen.