Autismus & BDSM

      Sternenglanz schrieb:

      Auf der einen Seite die große Empathiefähigkeit, auf der anderen Seite aber auch, dass Menschen die unschuldige sehr offene, direkte Kommunikation als grenzüberschreitend empfinden können.

      @SirElijah hat herausgestellt, wie wichtig es sei, sich das richtige Umfeld zu suchen, in dem beide Eigenschaften geschätzt werden.

      Und auch, dass es für ihn möglich geworden ist, sich bei den Menschen, die nicht passend sind, abzugrenzen...also auch seine Grenzen zu wahren, um sich selbst auch weiter treu bleiben zu können.

      In meinem Umfeld funktioniert dieser Filter noch nicht so, von daher meine Frage, wie er den Umgang damit gefunden hat und wie es ihm gelingt...empfinde ich es aus meiner Aussensicht doch auch ein Stück weit als einen Spagat...
      Moin,

      Das sind verschiedene Punkte die da zusammen wirken.
      Zum einen, das man durch die Bestätigung von Außen lernt, das man nicht "falsch" ist. Klar, viele Menschen finden offene und direkte Kommunikation grenzüberschreitend, das hat dann aber mehr mit dem jeweiligen Menschen als mit dem der Direkt kommuniziert zu tun. Nur weil man offen und direkt ist, heißt das ja nicht, dass man verletzend ist. Manche Menschen kommen ebenso wenig damit klar wenn man ihnen sagt was für ein toller Mensch sie sind, als wenn man ihnen sagt das Ihre Kürbissuppe nicht gut schmeckt.

      Ich für mich würde die Emphathiefähigkeit auch nicht der Art zu kommunizieren Gegenüberstellen. Für mich ist es genauso normal direkt und offen zu sein, wie es für manch andere ist, dies eben nicht zu sein.
      Wenn man jetzt mich als Autisten vor sich hat und meine ehrliche Meinung nicht hören will - wie eine Frau meines Vaters, die mich mal fragte wie ihre Kürbissuppe schmeckt - dann sollte man nicht mit ihm reden.

      Eine Frage zum träumen wäre: Wo kommt man eher zum Ziel, wenn beide Menschen direkt und offen sind oder beide es nicht sind. Und wenn einer es ist und der andere nicht, könnte der, welcher es nicht ist, die Direktheit und Offenheit des Anderen positiv für sich oder die Kommunikation nutzen - wie es mein berufliches Umfeld tut. Privat sind manche genauso offen, nur eben keine Autisten.
      Wenn man, wie ich, Menschen um sich hat, die nicht mit zurückstoßen reagieren, sondern die reflektieren und schauen wo kann diese Klare Sicht auf sie selbst förderlich sein, dann wird mit der Empathiefähigkeit zusammen daraus eine sehr große Stärke, die für sehr viel Zusammenhalt und Nähe sorgen kann.

      Und die Menschen, die nicht passen: Das merkt man ja sehr schnell, gerade wenn man sich selbst mehr vertraut und eben weiß, das man nicht per se "falsch" ist. Wenn es dann zu einer Misskommunikation kommt ist die Frage, woran liegt es. Wenn es den Anderen triggert, dass ich offen und direkt (aber nicht verletzend) bin, kann er schauen ob er einen Weg findet damit umzugehen. Weil ich bin so, es gehört zu mir. Wenn er den nicht findet, ergibt ein Kontakt manchmal einfach keinen Sinn, es sei denn man steht auf Reibung. Und wenn ich tatsächlich jemanden unbeabsichtigt richtig verletzt haben sollte, kann man auch darüber reden, ohne dem anderen eine Art der Kommunikation aufzwingen zu wollen weil sie zu der eignenen oder zu einer Vorstellung von Normalität passt.

      Andersherum triggern mich viele Menschen auch andauernd, jeden Tag, mit irgendwelchem Verhalten oder irgendwelcher Kommunikation, die nichts mit Logik zu tun hat. Aber ich weiß, dass es zu ihnen gehört und dass ich, wenn ich mit ihnen kommunizieren will, einen Weg für mich finden muss, damit umzugehen. Und da auch mittlerweile viel Verständnis für aufbringen kann.
      Oder eben die Kommunikation bleiben lassen muss. Aber ich gehe ja auch nicht zu den Menschen und sag sinngemäß "Hey, kannst mal deine natürliche Art deiner Kommunikation ändern, weil ich damit gerade nicht klar komme?"

      Was früher anders war als heute ist, dass ich mir nicht mehr automatisch die Schuld gebe, die mir andere Menschen oftmals vermitteln wollen. Sondern durch meine interne Klärung sehen kann, was liegt wirklich bei mir und was beim Anderen. Früher war ich den ganzen Tag damit beschäftigt, zu "versuchen" mich anzupassen.
      Heute bin ich immer so wie ich bin. Wer damit umgehen kann (und das sind im Umfeld und auch beruflich eine Menge Menschen) hat kein Problem, eher einen Vorteil, denn er weiß genau woran er ist. (Es gibt Menschen, die wissen, dass sie bei mir genau wissen woran sie sind, dass ich nichts sage um etwas zu erreichen, sondern weil ich es so meine, weil das für mich normal ist.) Und wer nicht damit umgehen kann, kann es eben nicht. Er wird mich aber dann nicht ändern, ebenso wenig wie ich ihn.
      Um da hin zu bekommen war es aber ein weiter Weg, der alleine ganz schwer ist. Der aber damit anfängt sich zu Fragen, ob es wirklich alles an einem selber liegt oder ob es für manche Menschen nur bequemer ist einem das einreden zu wollen, statt auf sich selbst zu sehen.

      Grüße :)
      Lieber SirElijah :-)

      stark stark stark ... der ganze Beitrag!

      DANKE ... dass ich DAS lesen durfte!

      Gute Frage:

      SirElijah schrieb:

      Der aber damit anfängt sich zu Fragen, ob es wirklich alles an einem selber liegt oder ob es für manche Menschen nur bequemer ist einem das einreden zu wollen, statt auf sich selbst zu sehen.
      lächel .... und gerade das stelle ich immer wieder fest: Für manche Menschen ist es einfach bequemer, jemandem etwas einreden zu wollen, anstatt sich mal selber ein wenig zu reflektieren. Nur ändern werden wir diese Menschen nicht. Das können diese nur selber, wenn sie denn auch wollen.

      Allerdings hilft diese Erkenntnis zu verstehen, dass es eben nicht (immer) an einem selber liegt.

      Ich wünsche Dir alles Gute und nochmals danke für Deinen Mut und Deine Sicht der Dinge.

      ♥lichst
      die kleine shiava
      Hingabe (sowohl devot als auch dominant) ist ein Geschenk!

      Wer nicht dienen kann, der kann auch nicht führen … und … wer nicht führen kann, der kann auch nicht dienen!



      @SirElijah Erstmal größten Respekt für deinen Beitrag hier!

      Aber ich muss dir leider zustimmen, ich bin Selbst auch Autistin und kann dir komplett nur Beipflichten..
      BDSM & Autismus passen leider für sehr sehr viele nicht zusammen und dennoch funktioniert es.

      Aber gleichzeitig kenne ich es leider auch, dass man ausgegrenzt wird, mit einmal der Kontakt abgebrochen wird und weiteres..

      Soviel erstmal dazu, ich werde die Tage, wenn ich fitter bin mehr dazu schreiben

      LG
      Sunshine_Devil
      Vielen lieben Dank für deine Ausführungen @SirElijah !

      Auch ich bewundere deine Offenheit und wie sehr du dir selbst klar reflektiert bewusst bist. Ich fand mich teilweise darin wieder. Mein Leben lang war ich immer sehr anders und suchte den "Fehler" bei mir. Leider bin ich noch nicht an dem Punkt angekommen an dem du stehst.

      Würde mich freuen, falls ich mal ein paar Worte mit dir privat austauschen könnte. Ich glaube nicht wirklich ein Autist zu sein - aber es gibt viele Paralellen.

      Gruß

      Lowrider
      Hallo :)

      Ich habe mich heute neu hier registriert, habe noch nicht einmal eine Vorstellung geschrieben.

      Und dann sehe ich diesen Thread und denke „Ooh, dazu musst du was schreiben...“

      Ich bin 38 und wurde mit 35 als Asperger-Autistin diagnostiziert. Nach einem Leben voller „Die ist komisch“ und „Du guckst immer so böse...“

      Ja, ich bin „anders“...und?

      Menschen sind bunt. Manche haben eine Vorliebe für Anagramme und Primzahlen...und manche von denen mögen es eben im Bett (auf dem Küchentisch, im Keller usw.) etwas härter... :love:

      Ich freue mich ehrlich auf den weiteren Austausch hier. :)

      LG
      das LilaLauneFrauchen (eventuell sollte ich es als LLF abkürzen :P )
      Danke, dass du das geteilt hast.
      Sehr interessant.
      Schade, dass auch du die Stigmatisierung erfahren musstest - Kontaktabbruch und so - leider kenne ich das auch.
      Du hast es aber scheinbar ganz gut geschafft deinen Umgang damit zu finden, das wünsche ich mir auch und dein Bericht gibt mir Hoffnung.

      Dankeschön!!!
      Frag nicht, wenn du nicht sicher die Antwort wissen willst.