Neuer Name für sub?

      So... mit ein bißchen Abstand jetzt noch etwas von mir.
      Zu der Frage des Warum, fand ich das Beispiel mit der Taufe sehr schön.

      Auch als Teil einer Wiedergeburt kann man es sehen.
      Ein Beispiel (ich meine damit jetzt aber nicht Rainha, bevor solche Gedanken aufkommen): Sub hat durch Erlebnisse in der Vergangenheit schlimme Flashbacks.
      Ihr ich wurde gebrochen und zerstört.
      Dann ist so ein Name ein Teil einer Wiedergeburt. Ein Puzzleteil um ihr "ihr ich" zu nehmen. Das alte ich. Nur ein Puzzleteil auf dem Weg, sie wieder voller Stolz und voller Selbstvertrauen zu erschaffen. Ein neues ich zu schaffen.

      Und da ist dann der Name auch wichtig, um altes, schlimmes zurücklassen zu können.

      Hat man damit das "ich" genommen"? Ja, hat man.
      Würde man es wieder tun in einer solchen Situation? Ja, würde man. Auch wenn man damit einem anderen Menschen sein ich nimmt.
      "I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it."

      (Voltaire Biografin Evelyn Beatrice Hall, 1906)
      Nein, ich mag meinen Namen, ich mag mich und ich und mein Name passen gut zueinander. Meine Devotion ist Teil von mir und das alles ist rund zusammen. Jemand hat mal versucht mir einen Namen zu geben, der war durchaus schön und stimmig, aber ich habe mich überhaupt nicht damit anfreunden können, da habe ich mich nicht als ich gefühlt, sondern als eine andere Person. Wir haben es dann auch relativ schnell wieder gelassen.
      Besondere Menschen erkennst Du darin, dass sie Dich berühren ohne die Hände zu benutzen

      Wabisukisha schrieb:

      Sub hat durch Erlebnisse in der Vergangenheit schlimme Flashbacks.
      Ihr ich wurde gebrochen und zerstört.
      Dann ist so ein Name ein Teil einer Wiedergeburt. Ein Puzzleteil um ihr "ihr ich" zu nehmen. Das alte ich. Nur ein Puzzleteil auf dem Weg, sie wieder voller Stolz und voller Selbstvertrauen zu erschaffen. Ein neues ich zu schaffen.

      Und da ist dann der Name auch wichtig, um altes, schlimmes zurücklassen zu können.
      Ich kann diese Erklärung verstehen und auch nachvollziehen.

      Ich sehe es trotzdem genau anders herum.
      Gerade mein eigener Name ist für mich wichtig, um zu erkennen und zu begreifen, dass ICH schlimme Dinge zurücklassen konnte.
      Ich will kein neues Ich schaffen, ich will nur gestärkt aus Vergangenem herausgehen...
      ...mit meinem eigenen Namen.
      Liebe dich selbst, nimm dich selbst am wichtigsten.

      Wabisukisha schrieb:

      Auch als Teil einer Wiedergeburt kann man es sehen.
      Ein Beispiel (ich meine damit jetzt aber nicht Rainha, bevor solche Gedanken aufkommen): Sub hat durch Erlebnisse in der Vergangenheit schlimme Flashbacks.
      Ihr ich wurde gebrochen und zerstört.
      Dann ist so ein Name ein Teil einer Wiedergeburt. Ein Puzzleteil um ihr "ihr ich" zu nehmen. Das alte ich. Nur ein Puzzleteil auf dem Weg, sie wieder voller Stolz und voller Selbstvertrauen zu erschaffen. Ein neues ich zu schaffen.

      Und da ist dann der Name auch wichtig, um altes, schlimmes zurücklassen zu können.

      Hat man damit das "ich" genommen"? Ja, hat man.
      Würde man es wieder tun in einer solchen Situation? Ja, würde man. Auch wenn man damit einem anderen Menschen sein ich nimmt.


      Aber all das Erlebte ist doch Teil von ihr und hat sie zu dem Menschen gemacht, der sie jetzt ist und den du kennen- (und lieben?) -gelernt hast. Wenn du ihr das nimmst, nimmst du ihr einen Teil ihrer gewachsenen Persönlichkeit.

      Das ist keine Verarbeitung von Erlebtem, das ist Verdrängung, und es kommt irgendwann zurück. Spätestens wenn ihr euch trennt und sie ihren alten Namen wieder annehmen muss. Mal ganz davon abgesehen, dass man den eigenen Namen nur sehr schwer los werden kann, oder gehst du so weit dass deine Sub beim Amt einen Antrag auf Namensänderung stellen und ihren Personalausweis ändern lassen muss?


      Wenn du ihr bei der Vergangenheitsbewältigung helfen willst, dann ist das sehr löblich, aber dann hilf ihr auch tatsächlich bei der Bewältigung und nicht nur beim Verdrängen.


      Einem Menschen das "Ich" nehmen zu wollen ist in meinen Augen das Schrecklickste, was du einem Menschen antun kannst. Denn du nimmst die Identität, das "Sein" und ersetzt es durch etwas, was dir gefällt, was ihr vielleicht auch gefällt. Aber es ist nicht "Sie". Es ist etwas anderes. Es ist nicht "echt", auch wenn es sich vielleicht so anfühlen mag. Ich backe mir eine Persönlichkeit...?


      Deine guten Absichten in allen Ehren, aber den leichten Weg zu gehen hat selten zum erstrebten Ziel geführt.


      Wenn es Teil eures Spiels ist - bitte - jedem sein kink. Aber es als "Therapie" zu betreiben halte ich für sehr fragwürdig. Wenn die Vergangenheit so schlimm ist, dass man diesen Teil der Persönlichkeit herausschneiden will, dann gehört professionelle Hilfe gesucht.


      Ich persönlich bin immer für "ganz oder gar nicht" Entweder nimmt man mich so wie ich bin - mit allen Ecken und Kanten und Fehlern und meiner Vergangenheit und meinem Namen - oder man lässt es ganz sein.
      Sei Optimist - wenigsten solange man keine Tiere paarweise nach Cape Kennedy treibt.

      - Tennessee Williams -
      Um nochmal den "neuen" Namen zu erklären:
      1.Die Meine hat sehr lange eine Fantasie gehabt, welche sie nie ausgelebt hat.
      Auslöser war in ihrer Jugend ein Roman,in dem ein Name eine Schlüsselrolle spielte.
      2. Sie mochte ihren Geburtsnamen nicht so gerne. Benutzt wurde immer ein Spitzname oder eine Verkleinerungsform.
      3.Dieser polnischer Vorname war für mich sehr lang, ein Zungenbrecher und für mich fast nicht aussprechbar.
      4. Sie bat mich, für die Zeit unseres BDSM diesen Namen für sie zu verwenden. Sie hat mir die Begründung sehr detailliert erklärt und dieser Name ist komplett für sie passend und beschreibt sehr gut ihre Rolle in unserer Beziehung .
      5. Durch die Ausweitung unseres BDSM auf 24/7 hat sich der neue Name komplett in ihr Leben integriert.
      Nach nunmehr 4 Jahren möchte sie einfach in unserer Beziehung nur noch mit ihrem neuen Namen benannt werden.
      Also ich sehe nichts verwerfliches!
      Das Leben ist kein Ponyhof. Aber geritten wird trotzdem !
      @Majasdom

      Die Erklärung ist plausibel und nachvollziehbar..gibt es ja sehr oft im Internationalen Gesellschaftsbereich nach einem Landeswechsel.. z.B. Orientalische Namen, das müsste @Wabisukisha auch bekannt sein, werden oft verkürzt oder umgeändert..Aber zumindest in Vereinbarung, wenn nicht sogar iniziert von der Namensträgerin. Der reale Namen bleibt trotzdem erhalten.

      Was ich im Anfangsbeitrag las war jedoch etwas anderes. "Am Tag X treffe ich sie und gebe ihr ein Halsband und ihren neuen Namen, den 'Ich' für passend finde, weil er ihren Character am besten widerspiegelt."

      Da besteht ein grosser Unterschied m.E.

      Und mal als Gedankenanstoss..wenn Sub wirklich emotional eine traumatische negative Erfahrung mit Verbindung ihres Namens hatte ist es womöglich auf eine Person, sprich ihr ex Dom zurückzuführen, und weniger ihr Namen.

      Sub sollte in diesem Fall ihre Beziehung zu diesem Dom ändern, nicht ihren Namen.
      You may shoot me with your words,
      You may cut me with your eyes,
      You may kill me with your hatefulness,
      But still, like dust, I’ll rise.
      Ich persönlich kann mit solchen extra-Namen auch so gar nichts für mich anfangen. Ein Kosename ja, aber ein konkreter, extra gewählter anderer Name wäre mir persönlich zu aufgesetzt und zu rollenspiellastig. Da das Sub-sein jedoch für mich keine Rolle ist, sondern ich da einfach ich bin, würde mich so ein Name bei mir stören.

      Wenn mein Herr und Partner mich anspricht, egal wer dabei ist, dann bin ich 'Subbie' so wie andere halt 'Schatzi' sind, aber das fällt für mich unter die Kategorie Kosename und nicht 'neuer (Sub-)Name'.
      Das Beispiel mit dem Nehmen der Persönlichkeit finde ich auch nicht wirklich gut gewählt.
      Aber das wurde ja schon gesagt.

      Man könnte aber auch einfach sagen: durch die Vergabe und Annahme eines neuen Namens gibt man einem Teil seiner Persönlichkeit neuen Raum sich zu entfalten und zu wachsen.

      Im Endeffekt ist es doch wie mit den Kosenamen, jeder dürfte einen auch nicht damit anreden. Der Unterschied ist nur, dass der neue Name für viele eine tiefere Bedeutung hat, als ein Kosename.

      Ich mag meinen Namen, er vervollständigt meine Persönlichkeit, steht für alles, was ich bisher erlebt habe, deshalb benötige ich auch keinen anderen Namen.

      Aber, wenn mein Partner mich mit einem anderen Namen ansprechen möchte, dann kann er dies gern tun, solange es nicht die typischen Namen im BDSM Bereich sind.
      Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen(!) die hier geschrieben haben für ihre Antworten bedanken.

      Wer mich kennt, weiß das dieser Dank auch aufrichtig gemeint ist, denn auch wenn ich nicht der Meinung anderer bin.... (siehe Signatur).


      Des Weiteren haben mir die unterschiedlichen Sichtweisen auch die Möglichkeit zur Reflexion geboten und neue Sichtweisen eröffnet.

      Manchmal auch, für mich, schmerzliche.

      Ich habe durch diesen Thread zum Beispiel erkannt, das manche Sichtweisen von mir falsch waren. Ich ging eigentlich immer davon aus, das "richtiges" BDSM das ist, welches für beide erfüllend ist und bei dem sich beide Seiten wohl fühlen.

      Dabei habe ich aber übersehen, das dabei trotzdem Eingriffe beim anderen vorkommen können, die ihn verändern. Seine Persönlichkeit, sein ich und seine Vergangenheit ändern.

      Dieses ist falsch. Es ist kein richtiges BDSM.


      Es ist wohl so, wie Hamlet sagte, all die Erfahrungen nutzen einem nichts.


      Man muss auch die richtigen Schlüsse ziehen und da lag ich scheinbar in der Vergangenheit falsch. Ich stehe somit jetzt wieder am Anfang und werde mich jetzt erstmal versuchen zu belesen, was jetzt richtiges BDSM ist. Aber jeder Neuanfang birgt eine neue Chance. Und die werde ich versuchen zu nutzen. *lächeln*
      "I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it."

      (Voltaire Biografin Evelyn Beatrice Hall, 1906)
      Also ich hab mich nicht zu Wort gemeldet, ich dachte gibst mal nicht den Senf dazu.
      allerdings lieber @Wabisukisha hast du mich motiviert das zu tun.
      Wenn ich lese richtiges BDSM und Falsches BDSM und die Einteilung in selbiges machen mich sauer.
      Wer will sagen das ist richtig und das ist falsch?
      Wer will die Beweggründe eines anderen kennen ohne sie ergründet zuhaben?
      Wer DS lebt verändert sich, auch wenn er bereits devot war und ist. Alles ändert sich stetig, das einzig Unveränderliche ist die Veränderung. Jeder Mensch, der eine Beziehung eingeht, verändert sich durch und mit der Beziehung durch und mit seinem Partner.
      Vergangenheit lässt sich nicht verändern nur die Erinnerung und Wertung dessen.
      Schau ich mir mich an, wie ich vor 20 oder 30 oder 40 Jahren war, hat sich viel verändert in und an mir.
      Und doch gibt es Punkte, die waren und sind immer gleich. Ich habe mir im Teenageralter Prinzipien und Richtlinien überlegt für mein Leben, die ich damals mir angewöhnte und die ich heute noch an mir sehe. Andere Punkte haben sich verändert, was sehr gut ist. Und wiederum andere Punkte an mir kann ich heute erst verstehen und das obwohl ich mich seit über 30 Jahren mit mir bewusst beschäftigte. Hat mich meine Wahrnehmung meines Selbst verändert oder haben sie nur mein Sein ausgegraben? Und zu Tage befördert?

      sein oder nicht sein ist die Frage.

      Ob jemand seiner Sub einen Namen gibt oder nicht, ist Sache zweier Menschen, nämlich genau der zwei die es betrifft.
      ob es viel verändert und das positiv oder negativ ist und wenn überhaupt ist?
      @Mirjam81 kann da besser was zu sagen als ich.
      Ich denke dazu, wenn man einen Menschen in seiner Persönlichkeit und seinem Ich nicht verändern will, sollte man keine DS Beziehung eingehen.
      wer will sagen, dass das nicht der Weg ist, den zwei Menschen miteinander einschlagen wollen? Und wer will sagen das das falsch ist und nicht richtig?
      Meine persönliche Sicht dazu?
      ich bin für einen Namen, da geht es nicht um Sub oder Sklavin Namen.
      Es kann auch ein Name sein, der die Zeit respektiert in der man anders gelebt hat, klar ist man immer die selbige Person.
      Es sagt viel mehr aus, das ein Mensch seine Vergangenheit durch einen neuen Namen negativ bewertet.
      Ich persönlich mag meinen Vornamen nicht, ich hab immer Spitznamen gehabt. Wenn ich meinen Vornamen hörte, wusste ich es gibt Ärger. So wurde ich schon früh erzogen, das ich meinen Namen nicht mochte und ich ihn bis heute nicht mag. Und jeder der mich kennt spricht mich nicht mit meinem Vornamen an sondern mit Spitznamen an. Ein Spitzname von Mirjam ist etwas sehr persönliches, das sehr wertvoll ist, weil es etwas widerspiegelt was uns beiden viel bedeutet. Es zeigt unsere Liebe.

      Ein weiterer Gedanke, Schatz, oder Mama, Papa sind auch Namen mit denen der ein oder andere gerufen wird. Er steht nicht um Ausweis aber man hört besser auf ihn als auf den Vornamen.
      Verändert der Name die Persönlichkeit oder spiegelt er sie wieder?
      verändert der Name das ich? Oder spiegelt er es wieder?

      Jetzt hast du @Wabisukisha noch mehr zum denken.

      Books schrieb:

      Ich denke dazu, wenn man einen Menschen in seiner Persönlichkeit und seinem Ich nicht verändern will, sollte man keine DS Beziehung eingehen.

      Books schrieb:

      Wenn ich lese richtiges BDSM und Falsches BDSM und die Einteilung in selbiges machen mich sauer.
      Wer will sagen das ist richtig und das ist falsch?

      Ahja. :gruebel:
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
      Von Littles bin ich es eigentlich gewohnt, dass sie sich selbst Namen geben die ihnen helfen in den Littlespace zu kommen. Ich fande es auch immer schön den Namen gemeinsam rauszusuchen. Denn auch bei mir lösen unterschiedliche Namen verschiedene Gefühle aus.

      Ich würde bei einer Sub nicht drauf bestehen, ihr einen neuen Namen zu geben, aber mögen würde ich es schon. Da es kein Spitzname ist, sondern ein Name den nur ich für sie benutze, ist es etwas was unsere besondere Verbundenheit ausdrückt.

      Hätte ich Laufe des Lebens mehrere Subs nacheinander, würde ich nicht jeder den selben Namen geben ;)
      Alle guten Dinge haben etwas Lässiges und liegen wie Kühe auf der Wiese.
      Friedrich Wilhelm Nietzsche
      ....ich komm nochmal auf die Trauma-Verarbeitung zurück...

      Ich muss da den Aussagen von @hamlet zustimmen...

      Als Traumatisierte habe ich gelernt die Situation/ähnliches Setting mit dem neuen Partner bewusst zu machen (meine Vergewaltigung ist in keinem BDSM -Zusammenhang entstanden)und nicht zu verdrängen...
      und ich verfalle nicht mehr gleich in Schockstarre ,wenn ich bei diesen ^Namen^ genannt werde...ich kann sehr gut differenzieren!

      Aber dazu ist schon viel Beziehungsarbeit notwendig...
      Kurz nachgedacht: Nö! Mein Name gehört zu mir, zu meiner Persönlichkeit und zu meiner Devotion, die ein Teil selbiger ist, wie mein Name eben auch. Ich fange kein neues Leben an, auch nicht mit einem neuen Partner, mein Lebensweg geht weiter. Vielleicht anders, vielleicht schöner aber er geht weiter .... meine Persönlichkeit mag sich entwickeln aber das hat sie schon immer getan mit ein und demselben Namen. Für mich persönlich also ein klares Nein zu einem neuen Namen, ich würde mich fühlen als würde ein Teil von mir einfach ausradiert. Andere mögen das anders empfinden, ich denke grundsätzlich klappt das nur wenn beide sich damit wohl fühlen und, Dom mag mir verzeihen, hier finde ich es enorm wichtig, dass sub sich wirklich damit gut und richtig fühlt und es nicht aus Gehorsam tut.

      Books schrieb:



      Ich denke dazu, wenn man einen Menschen in seiner Persönlichkeit und seinem Ich nicht verändern will, sollte man keine DS Beziehung eingehen.
      Ähm wieso denn das?

      "Würdest Du mir bitte sagen, welchen Weg ich einschlagen muss?", fragt Alice.
      "Das hängt in beträchtlichem Maße davon ab, wohin du gehen willst", antwortete die Katze.
      "Oh, das ist mir ziemlich gleichgültig", sagte Alice.
      "Dann ist es auch einerlei, welchen Weg du einschlägst", meinte die Katze.


      Aus Alice im Wunderland

      JayL schrieb:

      Also meine Sub (meine Frau) hatte irgendwann im Gespräch mit mir die Idee, sich für die "Spielzeit" auch einen neuen Namen zu wählen. So dass wir auch mal im Alltag von jetzt auf gleich - wenn evtl. auch nur für ganz kurze Zeit - in die Dom/Sub-Rolle rutschen können.
      Sie hat ihn sich ausgesucht und mich gefragt, ob er für mich genehm ist. Ist er auch und er gefällt mir sehr gut.
      Er spiegelt auch ihr Dasein als Sub wider, manchmal störrisch, meist aber äußerst devot.
      Genau so war bzw. ist es bei uns auch gewesen, nur wir hatten ihren Namen zusammen gewählt. Tat auch sehr gut da wir damals noch sehr grün hinter der Ohren waren und das unser "Einstiegspunkt" war.

      Wir haben keine Kurzschluss Entscheidung getroffen sondern viel über den Namen nachgedacht und uns damit auch gleichzeitig mit den Regeln und Grenzen unseres BDSM auseinandergesetzt.

      Der wichtigste Punkt dabei war dann, dass wir durch den Namen eine klare und strikte Abgrenzung zwischen Spiel und Alltag haben.
      Als ebenfalls traumatisierte, die ihren Realvornamen bereits gewechselt hat (und das ist in D eine ziemlich sperrige Angelegenheit) ist ein anderer Name ein absolutes Tabu für mich, selbst spielerische Abwandlungen wären für mich nicht in Ordnung. Bezeichnungen wie "kitten" oder "sub" hingegen sind in Ordnung. Wenn ich lese, dass eine andere Person den Namen für mich aussuchen würde, wäre der Ofen komplett aus.

      Ich mit meiner Geschichte sehe das wie Topaz und die anderen: das was mir passiert ist, ist -mehr nolens als volens - Teil von mir geworden, streckenweise mäßig integriert, aber Teil von mir. Einen anderen Teil durch Benennung abzuspalten liefe allen meinen Bemühungen um eins-Werdung entgegen.


      Aber:
      Ich kann mir vorstellen, dass es für Menschen, die gerne Rollenspiele spielen oder gerne in andere Rollen schlüpfen, eine gute Möglichkeit ist, sich schneller in die Rolle einzufinden, aber dann fände ich es sinnvoller, wenn die Sub sich den Namen selber aussucht. (warum eigentlich der Akkusativ bei libertas? reine Neugierde).
      Wie man an den vielen unterschiedlichen Antworten und den darinnen enthaltenen Sichtweisen sehen kann, ist das ein ganz buntes Feld, diese Sache mit der Namensgebung.
      Aus meiner speziellen Perspektive als Psychologin kann ich da nur beitragen, dass all diese Arten und Ebenen von Bedeutung in der Namensgebung enthalten sein können, aber eben nicht müssen. Und so muss - wie überall - auch hier jeder für sich entscheiden, welche Bedeutung er einer Namensgebung in diesem Zusammenhang zumisst und ob er damit gut sein kann oder nicht.

      noch ein kleiner neurowissenschaftlicher Exkurs: Persönlichkeitsveränderungen, puh, na so einfach geht das nicht. Manchmal ist aber die Zeit reif, und dann geschehen tatsächlich durch so eine eher äußerliche Sache wie die Namenswahl plötzlich erhebliche innere Veränderungen. Wenn man wissen will, wie stark der neue Name ins Persönlichkeitssystem eingebunden ist, kann man das anhand einer kleinen Sache ablesen: der eigene Name wird bevorzugt aus dem auditiven Strom herausgelesen und unter Umgehung der Großhirnrinde direkt über bestimmte Schaltkreise des Mittelhirns geleitet, die auch für die unwillkürliche Aufmerksamkeitszuwendung zuständig sind (die sogenannte Vierhügelplatte). Wenn nun der neue Name zufällig von irgendjemandem anderem in einer Situation verwendet wird und man sich spontan mit dieser inneren Frage „ja, hier bin ich, meinst du mich?“ in die Richtung der Schallquelle wendet, dann ist der neue Name in der Persönlichkeitsstruktur gespeichert. Und umgekehrt, wenn der alte Name diesen Reflex nicht mehr auslöst, dann ist der alte Name daraus gelöscht. Besonders gut ist das bei Transsexuellen zu beobachten, die ja regelhaft sich selbst einen neuen Namen geben.

      Aus der noch spezielleren Sicht als Traumatherapeutin kann ich allerdings nur raten, sich diesbezüglich in professionelle Hände zu begeben. Traumatherapie ist eine Spezialisierung, die nur manche Therapeuten beherrschen, die Mehrzahl traut sich da nicht gerne ran. Traumata zu behandeln ist wie Hirnchirurgie, und nicht jeder ist zum Neurochirurgen berufen und ausgebildet.
      Es ist meiner Meinung nach ein Unterschied ob es ein Sklavenname ist oder ein Kosename. Allerdings bin ich erstaunt darüber, dass so viele es problematisch sehen.
      Wenn ich mit anschaue wie viele Subs ihren dominanten Part nur mit Herr, Master, Sir ect anreden.
      Müsste da der Aufschrei nicht genauso da sein?
      Mitunter auch auf Initiative der Sub hin.
      Wir haben genügen Threads wo geschrieben wurde, dass Sub aus tiefer Devotion nur noch Herr sagen möchte, ein bestimmten Situationen gar nicht anders kann.
      Da würde mir ein Aufsehen drum gemacht.

      Muss man sich bei den ganzen Herren, Mastern, Sirs, jetzt Gedanken um deren Identität machen?
      Stehen sie überhaupt noch zu ihrer Vergangenheit?
      Warum wollen einige sogar eine solche Ansprache, wenn es umgekehrt für viele ein No-Go ist?
      Wenn du jemanden verstehen möchtest,
      höre nicht auf seine Worte
      sondern beobachte sein Verhalten.