Was versteht ihr unter einer "starken Frau"?

      Was stark ist, ist für mich persönlich eine Sache der Definition. Meine persönliche Definition: stark ist, auch mal Emotionen zu zeigen, zu seinen Ansichten zu stehen genau wie zu den eigenen Gefühlen. Es zuzulassen, nicht unbedingt "perfekt" zu sein nach den heute Standarts. Auch mit Makeln mit Stolz in den Spiegel zu schauen. Eine eigene Meinung zu haben, sich von der Masse hervor zu heben, wenn die eigene Persönlichkeit nunmal so ist. Stark sein ist vielfältig.
      Nun @Kat1384

      Kurz eine Frau die zu sich selber steht. Im Positivem wie negativem Sinne. Sich also Ihrer stärken und
      schwächen bewusst ist. Die den Mut dazu aufbringt dass zu sein was Sie möchte auch gegen den Mainstream.
      Vermeintliche schwächen können auch Stärken sein ;) sofern man sich dieser Bewusst ist.
      Ich hörte Sie sagen, die Macht ist mit dir !
      Wie angekündigt, die Stellungnahme von Anonym

      Anonym schrieb:

      Zunächst möchte ich mich bei Kat1384 bedanken fürs Einstellen meines Threads.
      Darüber hinaus vielen Dank auch an Euch und euren Gedanken zu meinen Fragen.
      Ich möchte Euch jetzt gerne an meinen Überlegungen teilhaben lassen:

      An erster Stelle möchte ich sagen, dass ich mich nicht als „starke Frau“ bezeichne bzw empfinde. Zwar bin ich eine Frau, die einen verantwortungsvollen Beruf in Vollzeit ausübt. Darüber hinaus habe ich eine erwachsende Tochter, auf die ich stolz bin und wenn ich sie mir anschaue, ich mir sage, dass meine Erziehung vielleicht doch nicht so schlecht war, wie ich zunächst vermutete. Des Weiteren bin ich finanziell unabhängig und nicht gerade auf den Mund gefallen.

      Aber das allein macht mich meiner Meinung nach nicht zu einer „starken Frau“.

      Ich habe die ein oder andere Erfahrung gemacht, auf die ich hätte gerne verzichtet, so z.B. Gewalt in der Ehe, Aufenthalt für ein paar Monate in einer psychosomatischen Klinik, Privatinsolvenz und zwei gescheiterte Ehen. Ja, ich habe Hilfe angenommen und bin stark aus diesen Rückschlägen und Verletzungen herausgegangen. Sie haben dazu beigetragen, dass ich den Mut hatte, mich zu meiner submissiven Seite zu stehen.

      Wer mich kennt, weiß und schätzt an mir, dass ich eine liebevolle Mutter, eine gute Freundin und Kollegin bin und ihr „Herz auf der Zunge“ trägt. Ich bin direkt und ehrlich, auch wenn es unangenehm für mein Gegenüber wird. Ich habe einen ausgesprochenen Gerechtigkeitssinn und setze mich auch dafür ein. Ich bin optimistisch und lache gerne. Ich liebe das Leben. Ich habe noch Träume und Ziele, die ich mir erfüllen möchte. Das war nicht immer so.

      Als Partnerin war ich diejenige, die Entscheidungen getroffen hat. Meine Partner haben mich als „starke Frau“ gesehen, die nichts und niemanden braucht, die alle Zügel sicher in den Händen hält und alles überwindet, was passiert. Ich wurde nicht gefragt, ob ich Hilfe brauche, ob ich noch Kraft habe. Im Gegenteil, ich habe mich immer als „Berg in der Brandung“ gefühlt.
      Und ich habe diese Rolle zunächst auch gern übernommen. Ich habe mir keine Schwäche eingestanden bzw. gezeigt. Ich dachte, so wäre es richtig. Das ich dabei immer mehr mein eigenes Ich verlor, war mir nicht bewusst. Darüber hinaus waren da auch Ängste, die ich aber nicht laut aussprach. Ich hatte Angst vor dem Alleinsein, wenn ich mich trenne. Ich hatte Angst, dass ich meinem Kind nichts bieten kann. Ich hatte Angst davor nicht mehr die „Starke“ zu sein, die alles im Leben hinbekommt. Wenn ich andere Frauen sah, wie sie „ alles unter einen Hut“ bekamen, fühlte ich mich noch kleiner und schlechter.

      Dabei sehnte ich mich nach einem Partner, der mir die ganze „Last“ des stark sein abnimmt, denn ich wollte nicht mehr stark sein, weil ich mich nicht als „starke Frau“ sah und fühlte. Ich bin unter der Last zusammengebrochen.

      Schon als Kind hörte ich immer den Satz :“Das schaffst du schon!“ von meinen Eltern. Wenn ich diesen Satz heute höre, verkrampft sich mein Magen und ich würde am liebsten schreiend weglaufen, da es Triggerworte sind, die ich nicht hören möchte. Denn ich habe gelernt, dass es gut ist, wenn ich eben nicht alles schaffe und auch mal „Nein“ sagen darf.

      Ich bin in den letzten Jahren an den Konflikten, die ich hatte, gewachsen, denn sie waren eine Chance für mich herauszufinden, was ich möchte und wer ich bin.

      Mittlerweile weiß ich, dass ich keine Ängste und Sorgen vor dem Alleinsein haben brauche. Ich habe einen Partner an meiner Seite, bei dem meine Stärke ist, dass ich schwach sein darf und soll. Mit ihm lebe ich in einer Ds-Beziehung, in der wir uns mit Respekt, Verständnis und Liebe begegnen. Er hat immer ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte und legt Wert auf meine Meinung und Bedürfnisse.

      Im Ds empfinde ich mich als „starke sub/Frau“ eben weil ich nicht stark sein muss. Wenn es ihm gut geht, geht’s mir auch gut. Mich erfüllt es mit Wärme und Zufriedenheit, wenn ich weiß, dass es ihm gut geht. Ich weiß aber auch, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Für ihn bin ich sein kostbarer Schatz, den er behütet und wertschätzt. Und das genau ist der Unterschied zwischen den Beziehungen von Früher und der Ds-Beziehung, die ich jetzt habe.

      Was ich noch zum Schluss sagen möchte. Mit Hilfe Eurer und dem verschriftlichen meiner Gedanken kann ich für mich mitnehmen, dass ich mich so annehmen darf, wie ich bin, egal ob stark oder schwach.
      Life's what you make it

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Kat1384 ()

      Danke liebe Anonym, für deine Antwort und die Einblicke in dein Leben :blumen:

      Die Reaktion auf den Satz "Du schaffst das schon", kann ich komplett nachvollziehen.
      Wenn den jemand in den letzten Jahren zu mir gesagt hat, hab ich oft mit einem Seufzen erwidert: "Ich weiß...".

      Es ist schon auch eine Belastung, wenn das Umfeld einen als starke Frau sieht,
      die Erwartungshaltung, auch von mir an mich selbst, ist dann doch sehr hoch, bloß nicht zusammenzubrechen und die Oberhand zu behalten.
      Umso schöner war es für mich, dass ich es geschafft hatte, in meiner DS-Beziehung den Kopf auch mal abzuschalten und einfach loszulassen,
      zu gehorchen, mit dem Wissen, dass nichts angeordnet wird, was mir schadet.

      Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und schöne Erlebnisse :)
      Auch wenn es widersprüchlich klingt:
      Ihr Ego muss stark genug sein, um seine begrenzte, defensive Haltung und Kontrolle aufgeben zu können.
      Sie brauchen ein starkes Ego, um das Ego transzendieren zu können.

      - John Bradshaw, Das Kind in uns -
      Ich finde Stärke zu beurteilen auch immer schwierig. Es gibt Menschen die mussten stark sein aufgrund Schicksalschlägen, es gibt Menschen, die hatten bisher eher ein geruhsames Leben, sind aber genau so stark. Die Aussenwirkung ist aber natürlich eine andere.

      Es gibt da einen Spruch von Bob Marley der gut in dieses Thema passt:

      "You never know how strong you are until being strong is the only choice you have.”
      Besondere Menschen erkennst Du darin, dass sie Dich berühren ohne die Hände zu benutzen
      Ich finde ehrlich gesagt, den Spruch nicht gerade passend.
      Klar, es stimmt schon irgendwie, aber es gibt nie immer nur diese eine Möglichkeit.
      Nie nur die Möglichkeit Stark zu sein gibt es nicht. Es gibt einen zweiten Weg und wenn man nicht mehr weiter kann, nicht mehr in der Lage ist es durchzuhalten, es nicht mehr schafft Halt zu finden so ist es der andere Weg. Aber ob es stark ist diesen Weg einzuschlagen, möchte ich doch bezweifeln.

      Hier kommt eher der Mut zu tragen, den Mut weiter zu machen obwohl man schwach ist um dann, wenn man über dem Berg ist rückwärts zu sehen und zu sagen ich habe es geschafft. Kaputt, aber man hat es geschafft.

      Mir schwirrt im Hinterkopf gerade das Lied Stolzes Herz von Lacrimosa im Hintergrund herum. In diesem geht es ja auch darum aufzustehen, aus dem Dreck und mit Blut verschmierten Händen weiter zu machen.

      Für mich liegt in Erfahrung die Stärke. Wenn das Erfahrene zu negativ war, so bringt einem die gesamte Stärke nichts. Sondern der Mut es trotzdem zu machen. Auch wenn man dann gegen die Erfahrung handelt, evt. mit dem Wissen der Erfahrung wieweit man gehen darf um dann aufzuhören, wenn man diesen einen Punkt erreicht hat. Wenn man dann Aussteigt zeigt sich die Stärke, weil dir die Erfahrung zeigt wann du aufhören solltest, aber es gibt immer einen zweiten Weg. Aber auch dann spielen viele Faktoren mit, welche dir sagen, welchen Weg du gehen musst. Für mich ist weitaus wichtiger die Erfahrung, ein Schatz, welcher wichtiger ist als Stärke, da Sie einem sagt, was du schaffst und was nicht.
      And I'm wondering why I still fight in this life. Cause I've lost all my faith in this damn bitter strife. It's so damn sad. (WT /Shot in the dark)

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