Probieren geht über studieren... auch in BDSM unabhängig vom Tendenz oder eben nicht?

      ramira schrieb:

      ...
      Ich war verwirrt über mich selbst. Wie konnte ich einem anderen Menschen überhaupt erlauben, mir das zuzufügen? Wie konnte ich mich freiwillig schlagen lassen?
      Ja, ich habe auch geheult und bin an meine Grenzen gegangen. Ein zweites Mal muss ich es nicht haben. Aber ich habe es kennengelernt.

      Am meisten geheult hat Subbie. Sub kann doch nicht Dom verhauen! Das war 100%ig gegen ihre Natur und gegen unser Verhältnis. Aber sie hat es getan, weil ich es befohlen hatte, nur deswegen. Es war mehr als nur ein Ausprobieren, es war ein Liebesbeweis, und zwar ein gegenseitiger.

      Überrascht hat mich auch, wieviel sich da im Kopf abspielt. Seither kann ich mir viel besser vorstellen, was sich im Kopf von Subbie abspielt und dass eben nicht nur das körperliche Empfinden wichtig ist.
      Hier möchte ich mich nochmal zu Wort melden.
      Du schreibst, dass du deine sub gezwungen hast gegen ihre Natur und euer Verhältnis zu handeln.
      Ich habe bei deinen Aussagen das Gefühl, dass du scheinbar auch noch stolz darauf bist, weil, wie du schreibst sie ja am meisten geheult hat. Aber da kann ich dich auch missverstanden haben.
      Aber sein Eigentum zu zwingen, so eklatant gegen seine Natur zu verstoßen, ohne Rücksicht auf ihre Gefühle und darauf, was es mit ihr anrichten kann... da fehlen mir einfach die Worte.
      Nein, ich gehöre nicht zu den Kuscheldoms, und auch nicht zu denen, bei denen es sich nur aufs Schlafzimmer beschränkt. Auch SSC ist nicht so meins. Aber das(!) ... das wäre ein absolutes No-Go für mich. Das hat für mich nichts auch nur ansatzweise damit zu tun, dass du deiner Verantwortung ihr gegenüber gerecht wirst.
      Wenn ein Mann so handeln würde, würden viele (zu Recht) von Dumm-Dom reden. Nun gut, du bist eine Frau....
      "I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it."

      (Voltaire Biografin Evelyn Beatrice Hall, 1906)

      Ich glaube, Gefahren lauern auf diejenigen, die nicht auf das Leben reagieren"
      Michail Gorbatschow

      DerekReign schrieb:

      Ich stelle mir vor allem die entscheidende Frage: warum? Darauf habe ich da bisher keine Antwort herauslesen können.
      Hört sich für mich ein bisschen so an, als ob man ein brennendes Streichholz in den Benzintank wirft, weil der Motor nicht anspringt, und nach dem Knall dann feststellt "ja prima, mangelnder Sprit war's nicht, das Thema können wir immerhin abhaken". Kann man so machen, es gibt aber sicher schonendere Diagnose-Methoden...
      Das hat sie doch geschrieben:

      ramira schrieb:

      So richtig getraut habe ich mich damals nicht, das anzuwenden. Ich habe deshalb Subbie beauftragt, es bei mir auszuprobieren.
      Ich war überrascht, wie verschieden der Schmerz sein kann. Langsam brennend und zunehmend bei leichten, schnellen Schlägen, oder stechend hart, wenn fest durchgezogen wird. Ich war auch überrascht, wie es sich hinterher anfühlt, Minuten, Stunden, ja sogar Tage danach.
      Der Streichholz-Vergleich ist amüsant, aber hier meines Erachtens nicht zutreffend: welche andere Diagnose-Methode hätte es denn gegeben, um zu erleben, wie sich das anfühlt?

      Wabisukisha schrieb:

      Du schreibst, dass du deine sub gezwungen hast gegen ihre Natur und euer Verhältnis zu handeln.
      Ich habe bei deinen Aussagen das Gefühl, dass du scheinbar auch noch stolz darauf bist, weil, wie du schreibst sie ja am meisten geheult hat. Aber da kann ich dich auch missverstanden haben.
      Ich denke, da hast Du sie missverstanden. Beide haben geheult und es war, wie sie schreibt, ein Liebesbeweis. Das klingt für mich wie Dankbarkeit und vielleicht Stolz darüber, dass Sub gehorcht hat - nicht darüber, dass Sub geheult hat.

      Wabisukisha schrieb:

      Aber sein Eigentum zu zwingen, so eklatant gegen seine Natur zu verstoßen, ohne Rücksicht auf ihre Gefühle und darauf, was es mit ihr anrichten kann... da fehlen mir einfach die Worte.
      Wenn man seinem Eigentum (übrigens ein Wort, dass ich in ramiras Post nicht finde) etwas befiehlt, und Sub gehorcht, dann mag das für Dich zu viel sein - für Sub war es das aber anscheinend nicht, sonst hätte ja eine von beiden abgebrochen.

      Wabisukisha schrieb:


      Das hat für mich nichts auch nur ansatzweise damit zu tun, dass du deiner Verantwortung ihr gegenüber gerecht wirst.
      Wenn ein Mann so handeln würde, würden viele (zu Recht) von Dumm-Dom reden. Nun gut, du bist eine Frau....
      Eine Ich-Botschaft entsteht nicht schon dadurch, dass man ein fettes "für mich" einbaut. "Für mich bist Du verantwortungslos" kommt mir wie ein Angriff vor, für den ich nicht genug Informationen in der Schilderung sehe. Und was Dumm-Dom mit dem Geschlecht zu tun haben soll, verstehe ich auch nicht. Oder willst Du sagen, dass das Forum weiblichen Dumm-Doms gegenüber viel nachsichtiger ist und sie nicht so bezeichnen würde? Ich mag den Begriff nicht sonderlich, aber wenn Frauen Mist machen (was ich hier nicht sehe), darf man das doch ruhig genauso bezeichnen wie bei Männern.
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
      @Dominantseptakkord:
      Und das ist doch gerade das schöne an einem Forum. Jeder sieht, interpretiert, liest Dinge anders. Durch den Austausch kommt es zum einen zu einem großen Misch-Masch aber zum anderen auch zu neuen Sichtweisen für einen Selbst.
      Ja, ich habe da eine andere Sichtweise als du. Und ich sehe es als verantwortungslos an. Wenn ich schreibe "für mich", dann ist es auch so gemeint. Das es vielleicht von anderen als Angriff interpretiert wird, nehme ich dabei in Kauf auch wenn es nicht so gemeint ist. Deutsche Eiche und so ... ;)
      Das ich den Begriff Eigentum verwendet habe, nun ja... ich hätte auch sub, bottom, sklavin, etc. nehmen können.
      Wie gesagt, die Sichtweisen sind oftmals andere. Und je mehr man liest/hört, desto mehr kann man neue Sichtweisen wahrnehmen und auch vielleicht sich selbst verändern. Das ist einfach meine Sichtweise. Und die ist auch, dass ich finde, dass aus meiner Sicht (und ich meine damit auch meine) halt Mist gemacht wurde.
      Just my 2 cents.

      ^^ :beer:
      "I disapprove of what you say, but I will defend to the death your right to say it."

      (Voltaire Biografin Evelyn Beatrice Hall, 1906)

      Ich glaube, Gefahren lauern auf diejenigen, die nicht auf das Leben reagieren"
      Michail Gorbatschow

      Dominantseptakkord schrieb:

      Ich denke, da hast Du sie missverstanden. Beide haben geheult und es war, wie sie schreibt, ein Liebesbeweis. Das klingt für mich wie Dankbarkeit und vielleicht Stolz darüber, dass Sub gehorcht hat - nicht darüber, dass Sub geheult hat
      Ich glaube das ist der Punkt. Beim Lesen dieses Threads habe ich mir selber die Frage gestellt würde ich das können? Ganz klares nein, die Überwindung die dafür nötig wäre, wäre für mich einfach zu viel. Es muss halt auch da einfach für beide passen.

      Generell denke ich ein gemeinsames Herantasten an neue Dinge ist sinnvoller eben weil man die Empfindungen des Partners nicht an sich selbst ausprobieren kann. Handhabung ist eine andere Sache.

      "The fool doth think he is wise, but the wise man knows himself to be a fool.“

      William Shakespeare

      Hera schrieb:

      Generell denke ich ein gemeinsames Herantasten an neue Dinge ist sinnvoller eben weil man die Empfindungen des Partners nicht an sich selbst ausprobieren kann. Handhabung ist eine andere Sache.
      dito

      Eine kleine Anekdote

      Mit 11 Jahren war ich in einem Schwimmverein. Es gab dort einen Jungen, der sehr gerne mit einem nassen Handtuch die Mädchen geärgert hat. Einmal konnte ich nicht rechtzeitig ausweichen und er erwischte mich. Den Schmerz habe ich in meiner Wut gar nicht gespürt. Ich wollte es ihm heimzahlen, bin in die Mädchendusche zurück und habe mein Handtuch bewässert. Was dann kam, kann sich jeder denken… Ich habe zur gleichen Zeit in zwei Handballvereinen trainiert und hatte einen sehr starken Wurf-Arm (außerdem war mir die Technik klar). Ich zog voll durch. Der Ditsch war für alle gut sichtbar und der Junge wollte nicht mehr aufhören zu weinen… Es war furchtbar, ich habe mich schrecklich geschämt und natürlich noch ein richtiges Donnerwetter erlebt…


      Es soll ja so etwas wie gesunder Menschenverstand geben. Ich habe keinerlei Erfahrung mit Schlagwerkzeugen, könnte also noch nicht einmal einschätzen wie das eine oder andere auf mich wirkt. Ich setzte also voraus, dass zumindest derjenige weiß was er in der Hand hält und welche Wirkung es hat. Wie er die Erfahrung „gesammelt“ hat ist mir dabei schnurzegal. Ich werde ganz bestimmt in meinem Leben keinen Spieß mehr umdrehen.
      "Meine Meinung steht fest, irritiere mich jetzt bitte nicht mit Fakten!" :pardon:
      Ausgangssituation von dem, was amira schrieb, war hier offensichtlich, dass alle Beteiligten 0 % Veranlagung für die "andere Seite" hatten. Anders kann man die Beschreibung der Situation nicht deuten.

      Und ich bleibe dabei, in dieser (!) Lage ist es ein von vornherein vollkommen sinnloses Unterfangen, sich durch "Tauschen/Ausprobieren" in die andere Seite hineinversetzen zu wollen. Jemand mit 0 % Veranlagung zu sub/maso kann einfach nicht nachvollziehen, wie sich das (physisch, aber vor allem psychisch) anfühlt! Umgekehrt ebenso. Von dem, was man dabei gefühlt hat, wenn man es trotzdem tut, kann man sich zwar einbilden, dass es etwas mit dem zu tun hat, wie sich jemand mit dieser Veranlagung dabei fühlt. Es ist aber nicht dasselbe.

      Etwas zu befehlen, was 100 % der eigenen Veranlagung widerspricht, halte ich daher persönlich für zumindest unglücklich. Sofern das von den getroffenen Absprachen gedeckt ist, geht das natürlich trotzdem in Ordnung. Ansonsten wäre es in der Tat schlicht Missbrauch.
      Trust me, I know what I'm doing!
      Hallo

      Leider habe ich erst heute die heisse Diskussion gelesen, die sich nach meinem Post ergeben hat. Ich danke allen, die versucht haben, Missverständnisse auszuräumen. Am besten hat mich wohl @Dominantseptakkord verstanden. Danke.

      Den Vergleich mit dem Streichholz im Tank verstehe ich leider gar nicht.

      Kurz und gut: Es hat für uns beide am Ende etwas Positives gehabt und unsere Liebe verstärkt, und damit ist es gut. Es war ein kurzer Rollentausch, sonst nichts, definitiv kein switchen. Für mich die Erfahrung: a) wie fühlt man sich überhaupt in einer solchen Situation? b) was spürt man eigentlich? Für Subbie die Erfahrung: wie kann ich jemanden schlagen, den ich liebe?
      Ich liebe Mindfuck... Um den genau justieren zu können, nutze ich meinen Masochismus aus und praktiziere nur das was ich selbst erlebt habe :) natürlich hat das geschlechtsspezifische Grenzen wenn ich einen männlichen Sub habe... Neben der schmerzhaften Offenheit welche ich erwarte gehört dazu auch viel Selbstreflektion und Kommunikation auf beiden Seiten...