Devot - Innerer Kampf gegen Überzeugungen

      Devot - Innerer Kampf gegen Überzeugungen

      Hallo in die Runde,

      Vielleicht gibt es hier jemanden, der mir weiterhelfen kann...
      Ich habe mich vergangenes Jahr auf eine BDSM-Beziehung eingelassen mit einem Mann, den ich schon länger kenne und dem ich vertraue. Es war eine schöne, heiße lustvolle Zeit. Mein Körper reagiert auf Dinge, die eigentlich mit meinen Überzeugungen nicht zusammenpassen. Ich habe das beendet, weil mein innerer Konflikt zu viel für mich war. Vor kurzem haben wir uns wieder gesehen und mein Körper hat auf seine bloße Anwesenheit wieder reagiert.
      Kann man in sexueller Hinsicht devot sein bzw das ausleben, obwohl man im Alltag gegen Sexismus kämpft? Kann man sich einem Mann so unterordnen, wenn man sich grundsätzlich Männern gegenüber niemals unterordnen würde?
      Kennt jemand diese Art von Gefühlen und hat eine Lösung gefunden, damit umzugehen?

      Danke... ☺️

      Liebe Grüße
      Ich kenne das von meinen inneren Stolz. Jahrelang gekämpft und aufrecht gegangen und es war für mich keine Option mich unterzuordnen.

      Aber ich hatte gemerkt, dass es mir gut tut, trotz meiner Haltung, trotz meines inneren Stolzes. Aus diesen Gründen bewegen wir (meine Herrin und ich) uns bei unseren Monatlichen Treffen quasi auf einer Augenhöhe. Sie hat die Oberhand, gibt mir aber die Freiräume, welche ich (noch) brauche.
      Mit der Zeit steigert sich das Gefälle, was echt mit Arbeit für mich verbunden ist. Aber es zahlt sich aus!

      Es geht, mit viel Arbeit zwar, aber es geht.
      Im meinen normalen Alltag habe ich meinen Stolz, Isso.


      Es geht trotz der Einstellung und ist es wirklich Sexismus? Ich denke nicht, denn Sexismus ist für mich etwas anderes und laut meinen Lexikon ist es auch nicht.
      And I'm wondering why I still fight in this life. Cause I've lost all my faith in this damn bitter strife. It's so damn sad. (WT /Shot in the dark)

      Lilly89 schrieb:

      Kann man in sexueller Hinsicht devot sein bzw das ausleben, obwohl man im Alltag gegen Sexismus kämpft?
      Natürlich ! Das sind doch zwei vollkommen verschiedene Dinge. Ich weiss zwar so im Hinterköpchen, auf was Deine Frage abzielt, aber krieg das trotzdem garnicht geparst, dass man das nicht auseinanderhalten könnte.

      Sexismus ist strukturell und immer situationsbedingt. Man begibt sich da nicht rein, man ist einfach drinnen und muss die Konsequenzen tragen. Das fängt an wenn man in der U-Bahn zur Arbeit fährt und der Typ hinter dir berührt dauernd deinen Arsch und hört auf, wenn Du von der Arbeit kommst und 30% weniger verdient hast als der gleichalte Kollege :pardon:
      Seitdem ich perfekt bin, hält sich meine Arroganz in Grenzen!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Annimax ()

      Lilly89 schrieb:

      Kann man in sexueller Hinsicht devot sein bzw das ausleben, obwohl man im Alltag gegen Sexismus kämpft? Kann man sich einem Mann so unterordnen, wenn man sich grundsätzlich Männern gegenüber niemals unterordnen würde?
      Ja und Ja. So ist meine Meinung dazu.

      Ich kenne diesen Konflikt. Für mich persönlich hat allerdings das eine mit dem anderen nichts zu tun. Devot bin ich nur einem bestimmten Mann gegenüber. Diesen habe ich mir ausgesucht. In meinem Alltag begegne ich Männern grundsätzlich gleichberechtigt. In meinem Job geht das gar nicht anders. Sexismus verabscheue ich, wie du.
      "Meine Meinung steht fest, irritiere mich jetzt bitte nicht mit Fakten!" :pardon:

      Lilly89 schrieb:

      Kann man in sexueller Hinsicht devot sein bzw das ausleben, obwohl man im Alltag gegen Sexismus kämpft? Kann man sich einem Mann so unterordnen, wenn man sich grundsätzlich Männern gegenüber niemals unterordnen würde?
      Kennt jemand diese Art von Gefühlen und hat eine Lösung gefunden, damit umzugehen?
      Damit habe ich 30 Jahre gekämpft, weil nicht sein durfte, was nicht sein kann.
      Dann habe ich zu meiner Neigung gestanden und war endlich frei und ganz.
      Die Devotheit betrifft eben nur diesen einen (!) Mann, dem ich mich unterwerfe. Das gilt weder grundsätzlich noch gegenüber allen Männern.
      Man kann für Gleichberechtigung und Feminismus kämpfen und dennoch einem Mann gegenüber devot sein, wenn es der sexuellen Neigung entspricht.
      "Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen" Sigmund Freud

      Lilly89 schrieb:

      ich glaube, ich tu mir noch schwer, diese Wünsche, diese Eigenschaften von mir zu akzeptieren... Schönen Abend euch!
      Damit bist du hier bestimmt keine Ausnahme.
      Du wirst es besser akzeptieren können, wenn du dich in einer Beziehung befindest, die dich glücklich macht. :D
      "Meine Meinung steht fest, irritiere mich jetzt bitte nicht mit Fakten!" :pardon:
      Ich hatte das gleiche Problem von der anderen Seite:
      Ich bin durch und durch Demokrat, lehne Gewalt strikt ab und bin für unbedingte Gleichstellung beider Geschlechter.
      Und doch mag ich es, eine Frau zu schlagen und ihr Befehle zu geben.
      Aber wie schon die Vorrednerinnen schrieben: es ist ein Unterschied, ob ich das mit einer einzelnen Person praktiziere, weil wir beide es so wollen, oder ob ich das in der Gesellschaft lebe.
      Ich glaube nicht, dass mein Penis mich dazu berechtigt, gegenüber penislosen Menschen irgendeine Sonderstellung zu haben. Dass meine Partnerin sich mir unterwirft, gibt mir aber ihr gegenüber eine Sonderstellung.
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!
      Noch ein Gedanke hinterher:
      Wenn Du Dir die Erfüllung versagst, Deine Devotion auszuleben, weil sie zufällig in dieselbe Richtung zielt wie der strukturelle Sexismus in der Gesellschaft, dann lässt Du Dich doch letztlich auch vom Sexismus behindern.
      Eine Feministin muss sich sexy kleiden dürfen, wenn ihr der Sinn danach steht, und genauso muss sie devot sein dürfen, wenn das ihr privates Bedürfnis ist - beides ist kein Verrat an den Frauen sondern Bekenntnis zu den eigenen Wünschen.
      Es gibt keine Grenze, die ich für eine Pointe nicht überschreiten würde.

      ...darf man sowas in einem BDSM-Forum überhaupt sagen? Oder ist das dann auch wieder eine Grenzüberschreitung?
      Hilfe, ich bin in einer Logikspirale gefangen!

      Dominantseptakkord schrieb:

      Noch ein Gedanke hinterher:
      Wenn Du Dir die Erfüllung versagst, Deine Devotion auszuleben, weil sie zufällig in dieselbe Richtung zielt wie der strukturelle Sexismus in der Gesellschaft, dann lässt Du Dich doch letztlich auch vom Sexismus behindern.
      Eine Feministin muss sich sexy kleiden dürfen, wenn ihr der Sinn danach steht, und genauso muss sie devot sein dürfen, wenn das ihr privates Bedürfnis ist - beides ist kein Verrat an den Frauen sondern Bekenntnis zu den eigenen Wünschen.
      Ich denke auch ein Punkt im Feminismus ist ja dass Frauen frei zu ihren Wünschen und zu ihrer Sexualität stehen können in der Gesellschaft und ob das dann darum geht lesbisch zu sein oder devot oder poly ist m. E. irrelevant.
      Es macht ja auch einen enormen Unterschied ob es von außen aufgezwungen (Sexismus) oder frei gewählt wurde (BDSM).
      Ich habe nur den EP gelesen und gehe auch nur darauf ein. Sollte etwas schon geschrieben worden sein...

      Lilly89 schrieb:



      Kann man in sexueller Hinsicht devot sein bzw das ausleben, obwohl man im Alltag gegen Sexismus kämpft? Kann man sich einem Mann so unterordnen, wenn man sich grundsätzlich Männern gegenüber niemals unterordnen würde?
      Kennt jemand diese Art von Gefühlen und hat eine Lösung gefunden, damit umzugehen?

      Danke... ☺️

      Liebe Grüße
      Ein klares „ja, das geht“ zu deinen Fragen. Man kann sich im Alltag durchsetzen und für seine Überzeugungen kämpfen und sich auf anderer Ebene komplett widersprüchlich verhalten. Versuch dich frei zu machen von dem Gedanken „dass das nicht sein darf“. Es ist auch ein (Frauen-)recht sich das zu nehmen und zuzugestehen was man sich für sich selbst braucht um glücklich zu sein.
      Mal ein Beispiel, losgelöst vom BDSM. Ich bin noch in der Rockabilly Szene unterwegs. Dort kommt immer wieder die Diskussion auf, ob ein Petticoat zu sehen sein darf oder nicht. Für viele ein absolutes nogo, da er Unterwäsche ist. Für andere wiederum total ok, da die Rock’n’Roll Ära für Rebellion gegen Konventionen steht. Ins jetzt und hier übertragen heißt das für mich, jeder kann den Petticoat tragen wie er möchte. Genauso seh ich es auch mit (meiner) Sexualität. Ich darf alles was mir Spaß macht und was legal ist.
      Freiheit bedeutet, dass man nicht unbedingt alles so machen muss wie andere Menschen. Astrid Lindgren

      Lilly89 schrieb:

      Hallo in die Runde,

      Vielleicht gibt es hier jemanden, der mir weiterhelfen kann...
      Ich habe mich vergangenes Jahr auf eine BDSM-Beziehung eingelassen mit einem Mann, den ich schon länger kenne und dem ich vertraue. Es war eine schöne, heiße lustvolle Zeit. Mein Körper reagiert auf Dinge, die eigentlich mit meinen Überzeugungen nicht zusammenpassen. Ich habe das beendet, weil mein innerer Konflikt zu viel für mich war. Vor kurzem haben wir uns wieder gesehen und mein Körper hat auf seine bloße Anwesenheit wieder reagiert.
      Kann man in sexueller Hinsicht devot sein bzw das ausleben, obwohl man im Alltag gegen Sexismus kämpft? Kann man sich einem Mann so unterordnen, wenn man sich grundsätzlich Männern gegenüber niemals unterordnen würde?
      Kennt jemand diese Art von Gefühlen und hat eine Lösung gefunden, damit umzugehen?

      Danke... ☺️

      Liebe Grüße
      Würdest du dir diese Frage auch in einer Beziehung zu einer Frau stellen?

      Du unterwirfst dich einer Person und nicht einem Geschlecht.

      Nomad schrieb:

      Würdest du dir diese Frage auch in einer Beziehung zu einer Frau stellen?
      Du unterwirfst dich einer Person und nicht einem Geschlecht.
      Und schließlich unterwerfen sich ja auch Männer im Kontext BDSM Frauen. Es ist lediglich die Auslebung der eigenen Neigung im Zusammenspiel mit einem kompatiblen Partner und für mich nicht im Zusammenhang mit Emanzipation und Feminismus zu sehen.
      Verständlich sind solche Selbstzweifel absolut. Für beide Rollen und für jedes Geschlecht. Für den Geschäftsführer, der leidenschaftlich gern vor seiner Herrin kniet ebenso wie für die Frau, die ihr Leben lang für Gleichberechtigung kämpfte und sich ihrem Herrn trotzdem mit Hingabe unterwirft.
      Liebe @Lilly89,

      Lilly89 schrieb:


      Kann man in sexueller Hinsicht devot sein bzw das ausleben, obwohl man im Alltag gegen Sexismus kämpft? Kann man sich einem Mann so unterordnen, wenn man sich grundsätzlich Männern gegenüber niemals unterordnen würde?

      ich denke eine Frau ist heutzutage frei zu tun, was Sie empfindet.
      Mann "muss" sich weder unterordnen noch "muss" man ständig die Hosen anhaben.
      Und wenn du Lust daran empfindest, spricht doch nichts dagegen es in der Beziehung mit diesem Mann zu genießen. Im Gegenteil, du würdest dich doch dann selber einschränken oder?
      Das heißt nicht, dass du dich deswegen allen Männern unterordnen würdest.
      Ich glaube, dass hier sehr viele Frauen (aber auch devote Männer) im Alltag sehr selbstbestimmt sind und sich vom anderen Geschlecht nichts aufzwängen lassen.
      Aber ja, du bist frei im Sexuellen zu wählen, was dir gefällt. Dazu bist du nicht schwach sondern stark. Weil du dich auf dich besinnst was du magst und nicht das, was man von dir erwartet.
      Danke jedem einzelnen hier, dass ihr euch Zeit genommen und mir geschrieben habt.
      Es klingt alles logisch. Zum ersten Mal sehe ich mich einer Vielzahl an Menschen gegenüber, die "das" in Ordnung finden. Wo genau das, es auszuleben, eben das normale ist und nicht umgekehrt.. ich bin dabei, ich bin gewillt, meine inneren, ewig verankerten Glaubenssätze, zu hinterfragen und loszulassen. Aber das klappt dennoch nicht von heute auf morgen denk ich.
      Liebe Grüße
      Meine Vorredner/innen haben es schon auf den Punkt gebracht. Deine Unterordnung ist etwas, das du tun MÖCHTEST und nichts was du tun MUSST oder wozu die gezwungen wirst. Genau darin liegt für mich der Knackpunkt! Du bist vollkommen selbstbestimmt in deiner Entscheidung dich unterzuordnen.

      Als kleiner Gedankenanstoß: Ich arbeite für eine Institution, welche von alten Männern bestimmt, geleitet und geprägt ist. (Wird sich wohl in absehbarer Zeit oder gegebenenfalls auch nie ändern) Im Job lasse ich mir jedoch von keinem der Herren die Butter vom Brot nehmen und arbeite häufig und eng mit unserer Gleichstellungsbeauftragten zusammen. Was Sexismus oder Belästigung angeht verstehe ich absolut keinen Spaß! Somit bin ich dort alles andere als unterwürfig oder devot. Das würde auch überhaupt nicht funktionieren.

      Was mein Privatleben betrifft gibt es aber noch die andere Seite. Ich genieße es, mich meinem Ehedom unterzuordnen und seinem Willen zu entsprechen. Es gibt Tage, da würde ich am liebsten 24 Stunden vor ihm knien und ihm in jeder erdenklichen Weise zur Verfügung stehen. (Was natürlich nicht geht, haben einen ganz normalen Alltag mit 2 kleinen Kindern usw.)

      Worauf ich hinaus will, meine Devotion gegenüber meinem Ehedom ist genau das was ich (eigentlich müsste ich schreiben wir, er genießt es ja auch) WILL. Es ist meine Entscheidung, aus der ich tiefe Befriedigung ziehe.

      So schließt sich meines Erachtens Devotion und eine hohes Maß an Selbstbestimmtheit innerhalb eines Charakters nicht aus.

      Dies ist natürlich nur meine Sicht der Dinge.

      Ich bin davon überzeugt, dass du eine starke, dich selbstreflektierende Frau bist. Da fände ich es sehr schade, wenn du auf Dinge, welche dir Erfüllung schenken verzichten würdest, bloß weil du dir selbst unnötige Grenzen im Kopf schaffst.