Ab wann ist die Nutzung des Safewords missbräuchlich?

      Sahnetoertchen schrieb:

      Wieso geht es nur um physische Gefahr?Mein Dom und ich spielen aufgrund unserer physischer Entfernung häufig über verbale Kommunikation und es kam auch schon vor, dass ich in ein Gefühl gerutscht bin, dass mir psychisch geschadet hat.
      Ein Safeword ist ja nicht nur für physische Belange gedacht, sondern auch für Situationen indem Sub sich psychsisch gefährdert fühlt.
      Das würde ja auch bedeuten, dass nach deiner Definition Sub das Safeword nicht im demütigenden Kontext ohne physische Interaktion nicht nutzen dürfte, da es ja nur verbal stattfindet.
      Tut es nicht, wo habe ich das behauptet? Der von Dir gezogene bzw. mir damit unterstellte Schluss ist daher nicht richtig. Natürlich gilt das in gleicher Weise für physisch wie psychisch. Es gibt auch keine Situation, wo sub das nicht gebrauchen DARF. Dass das - abgesehen von der zwingenden Folge des Abbruchs - auch weitere Folgen haben KANN, wenn es auf der anderen Seite als missbräuchlich angesehen wird, muss aber ebenso akzeptiert werden.

      Und ich bleibe dabei: Safewords über zeitverzögerte (!), indirekte Kommunikationskanäle zu äußern, ist absurd! Die Natur des Safewords erfordert eine direkte, verzögerungsfreie und zuverlässige (!) Kommunikation, denn der einzige Sinn und Zweck besteht darin, einen SOFORTIGEN Abbruch zu bewirken (und nicht eine Verhaltensänderung, die KEIN Abbruch ist). Das muss nicht unbedingt eine physische Vor-Ort-Kommunikation sein, es würde auch Telefon, Skype etc. gehen. Nicht aber Textnachrichten, wo es absolut möglich ist, dass der Empfänger es verspätet oder auch gar nicht empfängt, sei es aus technischen Gründen oder weil das Handy auf lautlos steht, irgendwo rumliegt oder oder oder!

      Nicht umsonst könnt ihr zum Thema Safeword bzw. -Signal überall lesen, dass es Grundvoraussetzung ist, dass sub es jederzeit ohne Verzögerung aussenden und Dom es jederzeit sofort und zuverlässig wahrnehmen kann. Irgendein kompliziertes, schwer auszusprechendes Word mit Knebel? Doofe Idee! Schaumstoffball loslassen? Doofe Idee, der rollt ganz flott mal irgendwohin, macht dabei nichtmal Krach und Dom sieht evtl. nur die geballte Faust und denkt: alles in Ordnung. Könnte man länglich fortsetzen...

      Und daher bleibe ich dabei: Whatsapp dafür zu nutzen, führt den Sinn und Zweck eines Safewords völlig ad absurdum!
      Trust me, I know what I'm doing!

      DerekReign schrieb:


      Und ich bleibe dabei: Safewords über zeitverzögerte (!), indirekte Kommunikationskanäle zu äußern, ist absurd! Die Natur des Safewords erfordert eine direkte, verzögerungsfreie und zuverlässige (!) Kommunikation, denn der einzige Sinn und Zweck besteht darin, einen SOFORTIGEN Abbruch zu bewirken (und nicht eine Verhaltensänderung, die KEIN Abbruch ist). Das muss nicht unbedingt eine physische Vor-Ort-Kommunikation sein, es würde auch Telefon, Skype etc. gehen. Nicht aber Textnachrichten, wo es absolut möglich ist, dass der Empfänger es verspätet oder auch gar nicht empfängt, sei es aus technischen Gründen oder weil das Handy auf lautlos steht, irgendwo rumliegt oder oder oder!


      Und daher bleibe ich dabei: Whatsapp dafür zu nutzen, führt den Sinn und Zweck eines Safewords völlig ad absurdum!
      Nein, das sehe ich anders.
      Ich habe das Safeword bis jetzt nur zwei mal gebraucht.
      Einmal brachte mich der meine durch eine überraschende, nicht gefährliche Handlung dazu. Es war am Beginn unserer Beziehung und er fand es nicht schlimm, dass ich es sagte, sondern lobte auch. Ich habe mich etwas geschämt, aber daraus gelernt.

      Beim zweiten Mal habe ich es über WhatsApp geschrieben. Wir waren fast nur auf diese Kommunikation beschränkt für eine Zeit und hatten daher regen Kontakt darüber.
      Es kam dabei zu einer sich aufbauenden Situation, mit der ich nicht klarkam im Kopf (angedrohte Strafe) und obwohl ich mich zunächst beugen wollte, da ich ja sub bin, rebellierte plötzlich mein ganzes Bewusstsein. Als ich das Wort schrieb, war ich im ersten Moment erleichtert und es führte zu einer klärenden Kommunikation.
      In jenem Moment war das Wort mein Rettungsanker. Ich bin im Denken zum Teil recht anders gestrickt und das ist auch für meinen Partner nicht leicht. Mit dem Wort brachte ich ihn dazu zu erkennen, dass da etwas furchtbar schief lief und er konnte mit einem anderen Mindset das Gespräch fortführen.

      Just my two cents...
      Ich denke, also spinne ich.
      Das geht für meinen Geschmack jetzt langsam zu weit off-topic. Ich würde zwar gern verstehen (und tue es bisher einfach nicht), warum in den geschilderten Situationen anstelle eines einfachen "Du, ich muss mal reden" unbedingt das (wie ich finde, dafür ungeeignete und nicht gedachte) Safeword herhalten muss. Wie man zumindest einigen Schilderungen entnehmen kann, hat das Nutzen des Safewords ja nicht unbedingt immer so funktioniert, wie es von dem, der es nutzte, gewollt war, so wie es sich liest, hätte es teils auch gehörige schiefgehen können. Ich fühle mich dadurch bestätigt, dass es dafür andere/bessere Lösungen geben müsste. Aber das würde dann wohl noch weiter off-topic führen, da es mehr mit Eintauchen in den/Auftauchen aus dem BDSM-Mindspace zu tun hätte.

      Mein Fazit, bevor ich mich hier aus dem Thema zurückziehe (weil ich mich irgendwie angegriffen fühle, so wie hier teils geantwortet wird):

      1) Das Safeword ist IMMER zu beachten, Punkt. Das würde ich übrigens auch oder sogar erst recht dann tun, wenn ich es für an der Stelle/über den Kommunikationskanal völlig falsch hielte, schon weil das ja einen Grund haben muss. Vielleicht ist das auch so, weil ich noch nie erlebt habe, dass frau mir gegenüber eines benutzt hat ("Du, ich muss mal reden" hingegen schon...).
      2) Es kann missbräuchlich genutzt werden, dann ist danach darüber zu sprechen, ob und falls ja, wie es weitergeht. Über die Bewertung, wann es schon oder noch nicht missbräuchlich ist, gibt es hier divergierende Ansichten, scheinbar auch abhängig von Dom oder sub (was aufgrund der Asymmetrie dabei verständlich ist).
      3) Je komplexer die Gefühlswelt der Beteiligten und/oder die Beziehung, desto wahrscheinlicher ist es mit dem einen einzigen Safeword nicht getan, es sollten dann vielleicht eher mehrere Signalwörter für abgestufte Reaktionen vereinbart werden.

      Und verkneifen kann ich mir auch nicht, dass ich durch die Safeword-Debatte bestätigt sehe, was ich dabei gerne sage: (auf beiden Seiten funktionierende) Kommunikation ist bei BDSM unverzichtbar, Reden hat noch nie geschadet, das Fehlen davon ist nie gut...
      Trust me, I know what I'm doing!
      Dann gebe ich meinen Senf auch mal dazu.
      Grundsätzlich bin ich auch der Meinung, ein Safeword kann erstmal nicht missbräuchlich verwendet werden. Das einzige was mir einfällt ist, wenn jemand es sagt, aber keinen Abbruch (kurzzeitig oder auch länger) wünscht. Aus welchem Grund auch immer mal da hingestellt. Aber das wäre das einzige, was meiner Meinung nach dem Nutzen und der Bestimmung des Safewords entgegen kommt.
      Denn ich empfinde das Safeword als Abbruchwort. Als ein "Hör auf, ich fühle mich nicht mehr wohl", was sofort befolgt wird, ohne groß Reden schwingen zu müssen. Einerseits ist es für mich ein Sicherrungswort im Kernsinne, wie es hier auch viele andere verstehen (Psychischen und physischen Schaden abwenden, der anders nicht gemerkt oder behoben werden könnte) .
      Aber es ist auch ein unkompliziertes Wort zum Abbruch, egal aus welchen Grund, wenn man nicht in der Lage ist, die Bdsm-Ebene oder die Handlung anderweitig zu beenden (Blicke und die Lage fühlen, reden, Gesten, etc.) und man einfach so aus der Situation raus kommt.
      Und ich weiß, dass ich mit diesem Ansatz nicht die Masse vertrete. Dass viele Leute es bei "Ich habe keine Lust" als Missbrauch sehen würden. Aber ich tue es ganz und gar nicht.
      Unser Safeword ist auch "VORNAME, Stopp!". Und dann ist Stopp, sofort. Egal warum. Und man hat immer das Recht dazu. Auch wenn man "nur" merkt, dass einem auf einmal überhaupt nicht mehr danach ist und man das einfach auch so sagen könnte und dann aufhören. Aber das ist das Signal "Ich meine es ernst. Hör auf, mit dem, was du gerade tust. Begegne mir auf Augenhöhe. Sieh hin. Sofort und solange, bis etwas anders besprochen wurde". Und DANN kann man reden, kuscheln, alles Mögliche. Und nachdem das Problem aus der Welt geschafft wurde, auch wieder vielleicht weitermachen.
      Das Safeword galt bisher bei mir und meinen bisherigen Spielpartnern auch immer für alle beteiligten Seiten. Wenn der Top aufhören wollte, aus irgendeinem Grund vielleicht nicht mehr den Bottom sich unterwerfen sehen wollte, nicht mehr befehlen konnte, die Situation nicht mehr händeln konnte, weil ein Fehler passiert ist, dann war es für ihn genauso wie für den Bottom erlaubt, das Safeword zu verwenden.
      So ein Wort nutzt sich nicht ab. "Stopp" nutzt sich nicht ab, egal ob man gerade wirklich nicht gekitzelt werden will oder ob man Physisch abkackt, weil ein Trauma getriggert wurde. Einfach, weil die Bedeutung intuitiv ist.
      Und wenn man Bock auf Rapegame etc. hat, dann kann man vorher nochmal klar machen, dass im Gegensatz zum Safeword sowas wie "Nein, ich will das nicht". "Lass mich in Ruhe, geh weg" und sowas zum Spiel gehören. Aber bei "VORNAME, Stopp" sofort Abbruch ist.
      Wenn man aufhören will, will man aufhören. Und ich finde es nicht verwerflich, da einfach sein Safeword ganz unkompliziert zu verwenden, anstatt erst groß erklären zu müssen. Das kann man nach dem Abbruch ja immer noch tun :pardon: .

      Kommunikation ist ne verdammt coole Sache. Wenn es auch ohne das Safeword alles läuft, Sachen im Vorherein, zwischendurch und im Nachhinein geklärt werden, ist das der Burner und auf jeden Fall der sicherste und angenehmste Weg. Aber wenns schnell gehen soll, dann gilt für mich einfach das Safeword. Und das ist dann für mich nie ein Missbrauch.