Bondage pur- erfüllend oder eher nicht?

      Bondage pur- erfüllend oder eher nicht?

      Hallo zusammen, ich würde nochmal gerne eure geschätzte Fessel- Expertise erbitten. ^^

      Ich werde versuchen, meine Fragen so konkret wie möglich zu formulieren. Einiges ergibt sich aber vermutlich auch erst aus dem weiteren Gesprächsverlauf, weil ich selbst noch nicht so ganz genau weiß, wohin die Reise gehen soll.

      Ich würde gerne tiefer ins Bondage einsteigen, v.a. Richtung Shibari/ Kinbaku; ganz langfristig gesehen würde mich auch Semenawa grundsätzlich sehr interessieren, das wie gesagt aber sehr viel später als langfristige Perspektive, nicht sofort.

      Was habt ihr bisher für Erfahrungen gemacht, wie so eine "Beziehung" zwischen Rigger und Bunny gestaltet werden kann, ohne dass darüber hinausgehend eine Spielbeziehung oder gar Partnerschaft existiert? Gibt es so etwas überhaupt, oder ist es doch eher immer zumindest in eine Spielbeziehung eingebettet, sprich es finden auch weitere BDSM- Aktivitäten jenseits von Bondage statt? Gibt es Rigger- Bunny- Beziehungen, die sich rein aufs Fesseln konzentrieren- Sympathie natürlich vorausgesetzt? Oder wird "nur Fesseln" als zu langweilig erlebt?

      An diejenigen, die so eine "Fessel- Beziehung" führen oder geführt haben: Wie oft und lange trefft ihr euch mit eurem Rigger/ Bunny in etwa? Wie erlebt ihr diese Treffen? Ist "nur Fesseln" für euch erfüllend oder fehlt euch da etwas?

      Mir ist klar, dass das Ganze sehr individuell ist, so wie jegliche Beziehungen eben grundsätzlich individuell sind. Mir ist auch bewusst, dass es eben auf die beteiligten Personen, ihre jeweiligen Absprachen, Interessen, Grenzen usw. ankommt, was und wie so etwas erlebt wird.

      Mich würde trotzdem interessieren, welche Erfahrungen ihr damit bisher gemacht habt. Kurz: ich fände es einfach schön, eure Eindrücke und Gedanken zu dem Thema zu hören, auch jenseits der explizit gestellten Fragen. Wenn ihr also ein bisschen darüber erzählen würdet, würde ich mich sehr freuen!

      Fragt gerne nach, falls nicht klar geworden sein sollte, worum es mir geht.
      Ansonsten danke ich euch schon mal für eure Antworten und bin gespannt, was ihr erzählt! :) :blumen:
      "Unsere Sehnsüchte sind unsere Möglichkeiten. "
      Robert Browning

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Primrose ()

      Primrose schrieb:

      Mich würde trotzdem interessieren, welche Erfahrungen ihr damit bisher gemacht habt. Kurz: ich fände es einfach schön, eure Eindrücke und Gedanken zu dem Thema zu hören, auch jenseits der expilzit gestellten Fragen. Wenn ihr also ein bisschen darüber erzählen würdet, würde ich mich sehr freuen!
      Also, ich kenne nur einen Menschen, der sich selbst als Rigger bezeichnet und vom dem ich berichten könnte. Bei ihm ist es wirklich so, dass er sowas wie ein "Fessel-Nerd" ist (Meine Bilder im Bondagethread hat er "gewickelt"). Das hat bei ihm nur wenig mit BDSM und garnichts mit Sex zu tun. Der bindet einfach gerne Figuren und ist dann hinterher stolz :D Und es ist wirklich faszinierend, vor allem, wie schnell das geht und was für eine konzentrierte "Arbeit" das ist, er wirkt wie ein Facharbeiter in seinem Element :yes: oder wie ein zauberkünstler auf der Bühne :D
      Ich so: "Warum nehmt Ihr mich nie ernst?!!" ;( Forum so: "Hihi. Der war gut!" :rofl:
      Ich kann Dir mangels Erfahrungen nicht Deine Fragen konkret beantworten, aber ich könnte es mir sehr gut vorstellen.

      Ich bin einmal von jemanden aus der Szene gefesselt worden. Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte beiläufig, dass ich eine bestimmte Hängevariante gerne mal ausprobieren wollte und sie fragte mich geradeaus, ob sie mich spontan fesseln dürfte. Ich schaute leicht perplex zu meinem Herrn, der etwas weiter entfernt saß, fragte kurz nach und bekam das ‚GO‘ ^^ .

      Es war eine sehr schöne Erfahrung. Komplett asexuell...aber sehr nah und berührend, sofort vertraut, ich verstand ihre nonverbale Kommunikation innerhalb von Sekunden.

      Als sie fertig war, bedankte sie sich bei mir, dass sie mich fesseln durfte und ich umarmte sie kurze Zeit später beim Abschied, was für mich sehr unüblich ist.

      Also ja: Ich kann es mir sehr gut vorstellen, auch komplett ohne Liebesbeziehung oder Sex.
      Aber ja, Bondage ist erst einmal Bondage. Es gibt ja auch Tüddeltreffs, da wird sich gegenseitig gefesselt, ohne erotischer oder sexueller Aufladung. Einfach ein netter Spieleabend, wenn man so will. Und ja, einfache Fesselfreundschaften funktionieren. Habe ich auch schon gehabt. Da wurde mit Wissen des jeweiligen Partners gefesselt. Da hat man sich eben ein, zweimal im Monat am Abend getroffen.
      Natürlich geht es auch anders. Ich hatte eine Freundin, die durfte ich dann benutzen. Das war vorher klar und abgemacht und hatte auch keine DS oder SM Komponente.
      Und natürlich geht es auch mit DS und oder SM.

      Es ist alles eine Frage der Abmachung und der Lust, was man bereit ist, einzubauen. Jede Art hat ihre eigene Spannung.
      Meine erste Bondage-Session hatte ich vor Kurzem erst und auch für meinen Mann war es das erste Mal. Wir beide passen bzgl. Auslebungsvorlieben und -vorstellungen eigentlich nicht gut zusammen und haben uns über die Jahrzehnte irgendwie verloren. Ich dachte mir, wir können übers Bondage vielleicht wieder näher zusammen rücken, ein neues Band knüpfen sozusagen :) . Er tüftelt gern und liebt meinen Körper und kann mich übers Verknoten führen und leiten, ganz ohne dass er dominant sein muss. Und ich muss wieder lernen, ihm körperlich zu vertrauen.
      Nach der Session kam es zwar zum Sex (und die Seile verleiteten ihn dazu, mal etwas fester zuzupacken ;) ) aber im Nachhinein meinte er, das Fesseln wäre ein fast meditatives Erlebnis für ihn gewesen, es macht ihm unglaublichen Spaß und müsse nicht unbedingt im Akt enden. Und auch ich empfand es so.

      Primrose schrieb:


      Oder wird "nur Fesseln" als zu langweilig erlebt?
      Also für uns beide überhaupt nicht @Primrose. Eher wie beim Tanzen ein konzentriertes Abtauchen, ein Zusammenspiel und aufeinander Einlassen, sinnliche Berührungen, intensive Nähe...alles andere als langweilig :rolleyes:

      Vielleicht gibt es in deiner Nähe einen Fessel-Stammtisch oder -treffen über die du Kontakte knüpfen könntest?

      Primrose schrieb:

      Was habt ihr bisher für Erfahrungen gemacht, wie so eine "Beziehung" zwischen Rigger und Bunny gestaltet werden kann, ohne dass darüber hinausgehend eine Spielbeziehung oder gar Partnerschaft existiert? Gibt es so etwas überhaupt, oder ist es doch eher immer zumindest in eine Spielbeziehung eingebettet, sprich es finden auch weitere BDSM- Aktivitäten jenseits von Bondage statt? Gibt es Rigger- Bunny- Beziehungen, die sich rein aufs Fesseln konzentrieren- Sympathie natürlich vorausgesetzt? Oder wird "nur Fesseln" als zu langweilig erlebt?
      Bevor meine Riggerin meine Riggerin wurde, war sie schon eine gute Freundin. Und dadurch dass sie zudem meine Riggerin wurde, wurde unsere Freundschaft noch intensiver. Zwischen uns gibt es keinen Sex (obwohl Bondage an sich - auch bei uns - durchaus erregend sein kann) und auch keine sonstigen BDSM-Aktivitäten. Das Fesseln, wie wir es betreiben, führt zu einer besonderen Nähe und wir beide erleben unsere Fesselsessions als unglaublich intensiv. Langweilig ist es bei uns definitiv nicht. ;)

      Primrose schrieb:

      An diejenigen, die so eine "Fessel- Beziehung" führen oder geführt haben: Wie oft und lange trefft ihr euch mit eurem Rigger/ Bunny in etwa? Wie erlebt ihr diese Treffen? Ist "nur Fesseln" für euch erfüllend oder fehlt euch da etwas?
      Ich spreche jetzt mal über Vor-Corona-Zeiten.^^
      Einmal im Monat ging es zum öffentlichen Fesseltreffen. Dann gab es noch einige Zeit ein privates Fesseltreffen (auch einmal im Monat meine ich). In unserer ganz intensiven Zeit haben wir uns jede Woche für 2-3 Stunden getroffen.
      Aktuell liegt unsere Fesselei leider aus verschiedenen Gründen (Umzüge, Gesundheit, Arbeit, Corona...) etwas auf Eis, aber wieder einen regelmäßigen Termin zu haben, ist Langzeitziel.
      Carpe et diem et noctem.
      So wie ich DICH verstanden habe ,suchst Du einen reinen Fessel-Künstler,mit dem DU Dir auch eine Beziehung vorstellen kannst?

      Meine Erfahrungen sind schon älter,aber sehr gut. Sie haben aber einen anderen leidenschaftlichen Ursprung.
      In erster Linie war der Mann mit Leib und Seele dominant ,zusätzlich äusserst kreativ,so dass sich dies auch in den Sessionen widerspiegelt hat.

      Er konnte auch im jap. Knotenwinden versinken,nutzte es aber ganz gezielt für seinen Masterplan,den ich dann fordernd & oftmals in Seilen gebunden an mir zu spüren bekam.

      Auch die sexuelle Komponente floss mit ein....das geht auch aufgehängt ... :saint: :love:

      ...
      Ich glaube ,es ist immer die Frage nach dem passenden Pendant...dann kann man sich in alle Richtungen des BDSM bewegen,wenn man will.
      Herzlichen Dank für eure Erfahrungen! :blumen: Es ist sehr schön für mich zu lesen, wie ihr das so erlebt (habt)!

      Zum Verständnis: ich selbst kann mir Bondage pur bzw. eine reine Fessel- Beziehung sehr gut vorstellen! Wenn es gut läuft, und ich in den Seilen abtauchen kann, habe ich erstmal keinerlei Verlangen, wieder aufzutauchen- langweilig wird mir dabei also ganz und gar nicht! ^^ :D

      Es freut mich aber zu lesen, dass es offenbar mehr Menschen gibt, die das ähnlich erleben! :)

      @Salt&Pepper Dein Bild vom gemeinsamen Tanzen und konzentrierten Abtauchen kann ich sehr gut nachfühlen! Ein ähnliches Erleben habe ich auch! :)

      Das Besuchen eines Fesselstammtischs ist eine gute Idee, um dahingehend Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen! Wenn es diesbezüglich Empfehlungen gibt, wäre ich dankbar!

      @Noctua Ja, du hast mich soweit richtig verstanden, dass ich mir für mich eine "Fessel- Beziehung" (blödes Wort, gibt es da was besseres? :gruebel: ) vorstellen kann, allerdings würde ich das erstmal unabhängig von übriger Partnerschaft/ Spielbeziehung sehen...
      "Unsere Sehnsüchte sind unsere Möglichkeiten. "
      Robert Browning

      Primrose schrieb:

      An diejenigen, die so eine "Fessel- Beziehung" führen oder geführt haben: Wie oft und lange trefft ihr euch mit eurem Rigger/ Bunny in etwa? Wie erlebt ihr diese Treffen? Ist "nur Fesseln" für euch erfüllend oder fehlt euch da etwas?
      Fesseln war für mich da immer erfüllend , weil ich genau wusste mein Kopf wird abgeschaltet...es ist mehr eine mentale Sache. Körperkontakt gab es natürlich auch...eben nur keinen sexuellen.
      Treffen gab es so einmal im Monat......manchmal auch ein ganzes Wochenende.

      Da es immer sehr viel Kommunikation zwischen uns gab war das für mich immer ein intensives Erlebnis.
      An den Kreuzungen des Lebens stehen leider keine Wegweiser.
      hm also wenn mein Mann knüpft, dann ist das immer auch anregend.
      Ich kenne aber einige Personen von früher, und kann mir das auch selber vorstellen, dass das von einer anderen Person gemacht auch ganz unsexuell laufen kann, einfach um der Sache wegen.
      Was mich persönlich jetzt nicht so reizt, außer um sich mal neue Knoten u Muster zeigen zu lassen.
      "wenn wir einmal irrtümlich verschiedener Meinung sind, haben wir uns besonders lieb"
      Ich wurde von einem befreundeten Rigger jetzt schon ca. 3 oder 4 Mal bei rein freundschaftlichen Treffen verschnürt. Wir haben keine Spielbeziehung, nur eine Freundschaft. Trotzdem kickt es mich jedes Mal wieder, ich liebe es!

      Geborgenheit, Gefangensein, Hilflosigkeit, Halt, Druck auf gewisse sensible Punkte :rot: , erzwungene Ruhe und oder Demut - oder aber eine Herausforderung, als wir mal eine escape Challenge machten. Er hat gewonnen :knien:
      Liebe Nachbarn, Freunde, Bekannte, Arbeitskollegen, Familie: Ich bin entsetzt, auf was für Seiten ihr euch rumtreibt! :frech:

      Lernen durch Schmerz ist nicht angenehm, aber unglaublich effektiv... :evilfire:
      Also, ich war ja schon vorher ziemlich angefixt vom Fesseln, sonst hätte ich diesen Thread ja nicht eröffnet, aber nach euren tollen Berichten habe ich richtig Feuer gefangen! :thumbsup: Danke! ^^

      Mag vielleicht noch jemand aus der Perspektive der Riggerin/ des Riggers berichten, wie sie/ er "nur Fesseln" erlebt? Was ist der Reiz für euch? Ich wäre gespannt auf die andere Perspektive, die ich ja selbst nicht kenne... :)
      @Spielgut hatte ja schon angefangen zu berichten! Magst du vielleicht noch ein wenig mehr erzählen? :blumen:

      Erfahrungen von weiteren Bunnys sind natürlich genauso weiterhin herzlich willkommen! ^^
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      Robert Browning
      nun... ich schaue bei dem Bondage mal hier, mal da. Nehme verschiedene Inspirtionen auf und versuche z.B. auch verschiedene Gegenstände ins Bondage einzuschließen um Abwechslung rein zu bringen. Ob nun zur vollen Unbeweglichkeit, oder auch nur zum Teil... schon mal ausgegangen, wenn man sich nur beschränkt bewegen kann? Ohne, dass jemand den Grund direkt erkennen kann? Seile sind dabei auch nur ein Mittel. Selbst die Jacke kann zu einem spontanen und überraschenden Bondage verwendet werden. Jedenfalls lege ich mir schon einen gewissen Plan zurecht. Etwas, was zum Bunny und zur entsprechenden Idee passt. Und ja, Escape-Aufgaben können auch sehr interessant sein. Insbesondere eine gewisse Gefahr des Entdecktwerdens, wenn das Entfesseln nicht rechtzeitig klappen sollte. Sowas funktioniert mit einer gewissen Vorsicht auch als Self-Bondage.
      Und natürlich ist es auch Spaß, mit dem Körper des Bunnys zu arbeiten. Zu sehen, wie sie sich nicht mehr bewegen kann und es akzeptieren muss. Immer mit der gebotenen Umsicht und Vorsicht und im Rahmen dessen, was abgesprochen ist.
      Ja, es it eine gewisse kreative Beschäftigung.
      Um das mal aus meiner Perspektive zu schildern muss ich vorausgeben dass ich in einer festen Partnerschaft lebe.
      Bondage ist für mich alles in einem.
      Der erotische Reiz und meiner Kreativität freien Lauf zu lassen.
      Ich persönlich gehe das Thema ohne festen Plan oder Ziel des eigentlichen Aktes an.

      In der Ausführung entstehen immer neue Möglichkeiten oder fallen mir neue Kombinationen ein.

      Ich vergleiche das oft mit meinem Hobby das Kochen.
      Dabei fallen mir die besten Kreationen ein.
      Experimentieren erlaubt!

      Ich lasse den Hinweis auf Sicherheit usw mal ohne weiteren Kommentar. Das versteht sich eigentlich von selbst.

      Ja schon fast meditativ.

      Die Herausforderung immer neue "Bilder" zu schaffen in denen mein Objekt der Begierde in Szene gesetzt ist.
      Das Spiel mit unterschiedlichen Farben ( meistens aber Schwarz oder dunkler).
      Die Kombination von Zug und Gegenzug.
      Knotenkombinationen.
      Künstlerische Darstellungen mit dünneren und dickeren Seilen aus underschiedlichem Material.

      Das ganze mit ausreichender Zeit und dem Genuss das Ergebnis vor Augen genießen zu können.

      Das ist für mich weitaus mehr als "nur" Bondage.
      Eine eigene Art der inneren Befriedigung und Stolz.

      Das Toping für mich wenn mein "Kunstwerk" genießt im Endergebnis zu verweilen.

      Das Thema könnte Bücher füllen wie es möglich ist ohne den kleinen Tod eine derart tiefe Befriedigung zu erlangen.

      Das soweit aus meiner Sicht.
      Natürlich hat jeder ein Recht auf meine Meinung.