Eine unverhoffte Wendung

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      Eine unverhoffte Wendung

      Kürzlich schrieb ich in einem Thread von @Gentledom darüber, dass und warum BDSM in meiner Beziehung 'verloren gegangen' ist (siehe Spoiler).

      Spoiler anzeigen


      Ich poste das Zitat im Spoiler, weil das Thema ja 'eigentlich' nur in der 'Quarantänestation' besprochen werden soll, ich den Zusammenhang zwischen diesem Beitrag und meinem heutigen Blog aber trotzdem irgendwie herstellen muss.

      Zofe schrieb:

      BDSM? Was ist das?
      Ach ja, doch, irgendwas war da mal... vor Corona.
      Traurig, aber wahr... In meiner Beziehung gibt es inzwischen fast kein BDSM mehr.

      Mein Liebster ist selbstständig und in einem der Berufszweige tätig, in denen von heute auf morgen Stillstand herrschte. Keine Chance, etwas dagegen zu tun. Keine Chance, so weiterzumachen wie gewohnt. Keine Aufträge mehr, sie wurden ausnahmslos gecancelt. Kein Einkommen mehr. Finanzielle Krise. Existenzängste. Nicht mehr das Gefühl, gebraucht zu werden und 'gewollt' zu sein. Nicht mehr die geliebte Aufmerksamkeit, die er braucht und die ihm gut tut. Nicht mehr die Bewunderung (für das, was er macht), die ihn motiviert und ihm immer wieder Ansporn ist, aktiv zu werden, kreativ zu sein und sein Bestes zu geben. Kaum noch realer Kontakt zu anderen. Alles weg - von einen Tag auf den anderen.

      Kein Wunder, dass er verzweifelt ist. Kein Wunder, dass sein Selbstbewusstsein leidet. Kein Wunder, dass es an seinem Selbstwertgefühl nagt.

      In den ersten ca. 6 Wochen haben wir Abstand voneinander gehalten. Es gab zwar Treffen, aber keine Nähe. Keinen Sex, keine Sessions, keine Küsse, keine Umarmungen. Gar nichts. Zu groß die Angst vor einer Infektion/Ansteckung... Ich gehöre aus mehreren Gründen zur Risikogruppe. Wir wollten vernünftig sein, auf mich aufpassen, mich schützen. Wir sind beide sehr vorsichtig, halten Abstand von anderen, halten uns an die Maskenpflicht usw. (Ich gehe zudem kaum noch raus.) Im Juni haben wir uns wieder ein wenig angenähert, aber mehr als Küsse und ein wenig kuscheln war nicht drin. Dann kam Krankheit hinzu (nicht Corona). Ich bin durch ständige Schmerz stark eingeschränkt, wäre momentan gar nicht in der Lage zu 'mehr'. Es geht einfach nicht... Meinem Liebsten fehlt die körperliche Nähe sehr (mir auch, aber längst nicht so sehr wie ihm, denn wenn man immer Schmerzen hat, ist das Nähebedürfnis einfach nicht so ausgeprägt). Er leidet richtig darunter... Ihr könnt euch sicher vorstellen, dass das noch zusätzlich an seinem Selbstbewusstsein nagt...

      Er strahlt unglaublich viel Unsicherheit aus, wirkt gehemmt, fragt mich bei allen möglichen Entscheidungen um meine Meinung/Rat, zweifelt an sich selbst... Keine Spur mehr von dem dominanten, selbstsicheren Herrn, der genau weiß, was er will und wie er es bekommt. In einer Vanilla-Beziehung könnte ich besser damit umgehen. Aber da wir nun einige Jahre D/s gelebt haben, ist es wirklich schwierig. Versteht mich nicht falsch... Ich liebe diesen Mann ohne Ende, bin für ihn da, unterstütze ihn, wo ich nur kann und habe Verständnis dafür, wie er sich fühlt. Aber die Sub in mir hungert... Sie fühlt sich in seiner Gegenwart leider nicht mehr 'angesprochen'. Wie sollte sie sich auch jemandem unterwerfen (wollen), der mit sich selbst nicht klar kommt, der sie nicht führen kann und dem sie sich in keiner Weise mehr unterlegen fühlt? Ich weiß, das klingt hart... Vielleicht versteht ihr mich trotzdem.

      Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr mir sein Selbstbewusstsein und seine Dominanz fehlen; wie sehr es mir fehlt, dass mir endlich mal wieder 'jemand' sagt, wo es langgeht; wie sehr ich mich danach sehne, mal nicht die starke Schulter für ihn zu sein, sondern dass da eine starke Schulter ist, an die ich mich anlehnen kann!

      Tut mir leid, dass das so ein trauriger Bericht geworden ist... Aber die Frage war ja, wie Corona unseren BDSM-Alltag verändert hat. Und...ja...es gibt bei uns kein BDSM mehr. Ich hoffe, dass sich wiederherstellen lässt, was wir hatten.


      Gestern gab es eine unverhoffte Wendung - zumindest schon mal einen Anfang davon - und davon möchte ich euch in diesem Blogbeitrag erzählen:


      Sein Besuch steht an und ich bereite alles dafür vor. Wie immer, wenn er zu mir kommt. Aber heute gebe ich mir mehr Mühe als in den vergangenen Wochen. Ich weiß, wie miserabel er sich fühlt und ich weiß, wie sehr er sich nach meiner Nähe sehnt - nach meiner körperlichen Nähe, die ich ihm in letzter Zeit nur begrenzt geben konnte. Das werde ich auch heute nur in eingeschränktem Maße tun können, aber ich werde es tun. Ich möchte ihn endlich wieder glücklich sehen, möchte ein ehrliches Lachen von ihm hören und wünsche mir, dass er keine Show abzieht, um seine Traurigkeit vor mir zu verbergen. Ich merke es ja doch - immer. Und er weiß das auch.

      Es klingelt an der Haustür. Ich öffne die Tür und vor mir steht mein Liebster: In der linken Hand hält er eine Einkaufstasche, in der rechten Hand eine rote Rose, die er mir überreicht. Was für ein Anblick: Der Mann, den ich so sehr liebe und so umwerfend finde, steht vor mir, seine Augen funkeln in der Sonne und die Rose hebt sich farblich wunderschön von dem schwarzen Sakko ab, das er trägt.

      Ich bitte ihn herein, er bringt die Einkäufe in die Küche und ich stelle die Blume, die ein Zeichen seiner Liebe ist, in eine Vase. Wir umarmen uns. Ganz fest. 'Wenn ich dir verspreche, dass es sich lohnt, würdest du dann noch ein paar Minuten warten, bis du deine erste Zigarette rauchst?', flüstere ich ihm ins Ohr. Er bejaht meine Frage und verlässt auf meinen Wunsch hin kurz das Zimmer.

      Auf dem Sofa breite ich eine besonders weiche Decke aus, die ich vorher schon bereitgelegt habe. Ich mache das Licht aus und zünde eine Kerze an, die auf dem Tisch neben dem Sofa steht. Und ich lasse Musik laufen - Musik, die für uns besonders ist und uns all die Jahre, die wir mittlerweile Seite an Seite gehen, begleitet hat. Sie läuft nun ruhig im Hintergrund.

      'Schließ jetzt bitte die Augen und lass sie so lange geschlossen, bis ich dir sage, dass du sie öffnen sollst, ja?', bitte ich ihn, als ich ihn aus dem Nebenzimmer abhole und ins Wohnzimmer geleite. Er hört die Musik - unsere Musik - und seufzt ein leises, verträumtes 'Hach...' vor sich hin. Ich öffne seine Schuhe, ziehe sie ihm aus und führe ihn zum Sofa. Er legt sich mit geschlossenen Augen auf den Rücken, auf die weiche Kuscheldecke, und ich lege mich dazu. Ich liege zwischen seinen Beinen, mit dem Oberkörper auf seinem, mit dem Kopf auf seiner Brust. Er genießt diesen Moment, der nicht nur ein paar Minuten, sondern fast eine ganze Stunde andauert. Wir kuscheln und zwischendurch küssen wir uns; ich schenke ihm zärtliche Streicheleinheiten und Wärme. Mein Liebster kommt zur Ruhe. Ich höre seine Atmung und seinen Herzschlag, ganz ruhig.

      Langsam, aber sicher muss ich aufstehen, weil ich Schmerzen habe. Er hat Verständnis. Er solle bitte liegen bleiben, sage ich ihm, hole mir mein 'Zofenkissen' und setze mich damit neben das Sofa.


      Und plötzlich sieht er mich mit einem Blick an, den ich mit keinem Wort der Welt beschreiben kann, packt mich, küsst mich, greift mir fest ins Haar, legt seine Hände um meinen Hals und drückt sanft zu. Er hält einen Moment inne, bevor er aufsteht, meinen Kopf an seinen Körper drückt und ich seine Erregung spüre. Wieder schaut er mich mit diesem unbeschreiblich intensiven Blick an... Etwas später löse ich mich von ihm und gehe wortlos ins Schlafzimmer, um etwas zu holen. Im Wohnzimmer knie ich mich vor ihn, vor meinen Traummann, senke den Kopf und halte ihm mit ausgestreckten Armen mit beiden Händen unseren Lieblingsflogger hin. Er nimmt ihn entgegen, hält den Griff in der rechten Hand und zieht die Riemen einmal durch seine linke Hand. Obwohl ich ihm nicht ins Gesicht schaue und er keinen Laut von sich gibt, spüre ich, wie sehr er sich über diese Überraschung freut. Noch während ich ungefragt meinen Oberkörper frei mache, höre ich ihn sehr bestimmt sagen: 'Hände auf den Tisch.'. Ich beuge mich vor und lege die Hände auf den Tisch. Nur wenige Sekunden vergehen, bis ich die kalten Lederriemen auf meinen Rücken niedergehen spüre - wieder und wieder, mit steigender Intensität. Ich fühle und höre, wie gut es ihm tut - und mir tut es ebenso gut.

      Einige Minuten lässt er mich leiden, bevor er die Peitsche beiseitelegt. Ich möchte heute nicht allzu passiv sein; ich möchte ihm gut tun und ihn glücklich machen, also ergreife ich Eigeninitiative. Ich öffne seine Hose und sein Hemd und entkleide ihn; sein Blick, als ich kurz zu ihm aufschaue, drückt Wohlgefallen aus. Wir sprechen die ganze Zeit über kein einziges Wort. Ich führe ihn wieder zum Sofa, knie mich davor und befriedige ihn - und gebe ihm, was er braucht und ersehnt.

      'Das hat so gut getan... Danke, meine brave Zofe.'


      Ich war es, die die Situation initiiert und 'geleitet' hat, und doch war mein Verhalten weder dominant, noch als 'Topping from the bottom' einzuordnen. Nein, er war es, der mich im Anschluss an unsere liebevolle Kuschelei unbeabsichtigt und ohne es zu forcieren dazu gebracht hat, so zu agieren. Mit seinen Blicken und der Art, wie er mit mir umgegangen ist. Mit seiner Art, die mir nach Monaten zum ersten Mal wieder das Gefühl gegeben hat, nicht nur seine Liebste, sondern auch seine Zofe zu sein.